5 Fragen, 1 Projekt: „Der SNF achtet auf die Kontinuität in einer Forscherkarriere.“

Isabel Baumann erhält von Ambizione, dem Karriereförderungs-Instrument für junge Forschende des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), für ihr Projekt „Health inequalities and the prolongation of working life“ eine Förderung von CHF 735‘000 über die nächsten vier Jahre. Im Interview blickt die Forscherin des Departements Gesundheit auf den Bewerbungsprozess zurück und teilt ihre gemachten Erfahrungen.

Das Projekt von Isabel Baumann greift sehr aktuelle gesellschaftliche Themen auf: Zum einen befindet sich die Babyboomer-Generation momentan im Übergang vom Berufsleben ins Rentenalter. Zum anderen findet in vielen westlichen Ländern eine öffentliche Debatte über die Erhöhung des Rentenalters und über eine nachhaltige Altersvorsorge statt. Gemeinsam mit dem Projektteam untersucht Isabel Baumann nun, ob durch eine potentielle Erhöhung des Rentenalters auch gesundheitliche Ungleichheiten bei verschiedenen sozioökonomischen Gruppen entstehen und wie diesen begegnet werden kann.

Isabel Baumann, wie hast Du von Ambizione erfahren und was gab den Ausschlag, dass Du dich darauf bewirbst?
Erfahren habe ich vom Förderprogramm einerseits durch die direkte Werbung des Nationalfonds. Zudem war ich vor einigen Jahren einmal an einem Advanced Researchers‘ Day. Dort werden einem die verschiedenen Angebote des SNF vorgestellt und man kann sich auch direkt mit Mitarbeitenden des SNF austauschen. Aber natürlich ist das Programm auch in der Community von jungen Forschenden, wo ich mich drin bewege, gut bekannt. Innerhalb dieser Community habe ich Unterstützung bei den Vorbereitungen erhalten und konnte meine Erfahrungen weitergeben. Sich mit anderen Forschenden in einer ähnlichen Situation auszutauschen kann ich nur empfehlen. Die Ausschreibung gibt vor, dass man nach der Verteidigung der Dissertation während mindestens einem Jahr an einer anderen Institution gearbeitet haben muss als jene, von welcher man sein Doktorat erhalten hat. Zudem darf man sich bis maximal vier Jahre nach Abschluss des Doktoratsstudiums bewerben, und dies höchstens zwei Mal. Ich bewarb mich also im November 2017 mit der Überlegung, dass ich es dann ein Jahr später nochmals versuchen könnte, falls ich nicht erfolgreich gewesen wäre. Erfreulicherweise klappte es aber bereits beim ersten Mal.

Was waren denn deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren, weshalb deine Bewerbung erfolgreich war?
Aus wissenschaftlicher Perspektive ist es nicht möglich, diese Frage anhand eines einzelnen Falles, meiner eigenen Erfahrung, zu beantworten. Was ich aber erwähnen kann ist, sind die Kriterien, die der SNF aufführt. Das ist z.B. der bisherige wissenschaftliche Leistungsausweis. Dabei scheint relevant zu sein, dass es eine Kontinuität in der Forscherkarriere gibt. Man schaut also, ob die bisherige und anschliessende Forschung thematisch und methodisch sinnvoll aufeinander aufbauen. Zudem werden die Originalität und die Realisierbarkeit des Projekts beurteilt. Zu diesen zwingenden Kriterien kommen weitere, ungeschriebene hinzu wie z.B. absolvierte Forschungsaufenthalte im Ausland oder das Vorhandensein eines wissenschaftlichen Netzwerks im In- und Ausland. Um letzteres aufbauen zu können, bietet der SNF ebenfalls Unterstützung an, z.B. in Form von Doc.Mobility, Early Postdoc.Mobility oder Postdoc.Mobility Stipendien.

Wie hoch war der Aufwand für den Projektantrag bei Ambizione im Vergleich zu anderen Ausschreibungen?
Die Bewerbung war ein zweistufiges Verfahren. Für die erste Stufe musste ich ein Proposal schreiben, wofür ich etwa eine Woche pro CHF 100’000, d.h. rund 7 Wochen, aufwenden musste. Dazu gehörte unter anderem das Einholen von diversen Bestätigungen, z.B. von meinem Institut oder der ZHAW, die für eine geeignete Infrastruktur sowie die wissenschaftliche Unabhängigkeit meiner Forschung garantieren müssen. Gleichzeitig mussten Forschungs- und Praxispartner kontaktiert werden, mit denen ich im Projekt zusammenarbeiten möchte. Es braucht da also, neben dem Schreiben des eigentlichen Antrags, sehr viel Vorlauf. Nachdem ich dieses im November eingereicht hatte, bekam ich dann im darauffolgenden Mai die Einladung für die zweite Stufe. Diese besteht im Halten eines Vortrags und dem Beantworten von Fragen vor einem Expertengremium. Hierfür habe ich mich zusätzlich etwa drei Wochen vorbereitet, indem ich die Präsentation vorbereitete, mich weiter ins Projekt vertiefte und mich auch informierte, wer genau in dieser Entscheidungskommission sitzt. Im Anschluss musste ich dann wiederum eine Zeit lang auf den Bescheid warten. Die Präsentation hatte ich Mitte Juni, den endgültigen Bescheid erhielt ich Mitte August.

Welche Aspekte – neben den fachlichen Qualitäten – versuchst Du generell bei Projektanträgen hervorzuheben?
Ein durchdachtes Studiendesign, also wie die Studie aufgebaut ist, ist sehr wichtig. Da wir in unserer Forschungsdisziplin über immer bessere Daten verfügen, vor allem auch Langzeit- und Registerdaten, wird das immer einfacher. Es braucht aber auch den Einbezug von geeigneten Methoden. Ich versuche Methoden anzuwenden, die ich schon beherrsche, mir aber im Projektverlauf auch neue aneigne. Dazu bieten kompetente und erfahrene Forschungspartner Hand, von denen ich lernen kann und die in der Studie dann auch die Funktion einer Qualitätskontrolle haben. Schliesslich ist für mich bei einem Projekt auch die gesellschaftliche Relevanz wichtig. Es ist mir ein Anliegen, dass die Erkenntnisse aus der Forschung nicht nur in der Wissenschaftscommunity verbreitet werden sondern auch der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Dies ist in Bezug auf mein Forschungsthema insbesondere daher relevant, da in den kommenden Jahren politische Reformen der Altersvorsorge anstehen – ein Prozess an dem auch die Öffentlichkeit teilnehmen kann, z.B. durch Abstimmungen. Gleichzeitig ist es mir auch wichtig, aus der Öffentlichkeit Inputs für meine Forschung zu erhalten. Dies versuche ich zum Beispiel dadurch zu erreichen, dass ich im Verlauf des gesamten Forschungsprozesses den Austausch mit relevanten Zielgruppen, z.B. Seniorinnen und Senioren, suche.

Was sind nun die nächsten geplanten Aktivitäten und erwarteten Ergebnisse im Projekt, von denen wir hören werden?
Das Projekt startet offiziell im Januar 2019 mit zwei Teilprojekten. Wir werden z.B. die Datensätze vorbereiten, die war dann untersuchen wollen. Wir generieren nämlich keine neuen Daten, sondern greifen auf Sekundär-Datensätze wie z.B. dem Survey on Health and Retirement in Europe SHARE zurück. Das sind quantitative Daten aus der Befragung von Menschen über 50 Jahren aus 27 europäischen Ländern, die seit 2004 gesammelt werden. Zudem werden wir erste Fragestellungen in Zusammenarbeit mit einer Seniorenorganisation eruieren. Personell kommt eine wissenschaftliche Mitarbeiterin im Frühling zum Projekt hinzu und wir erhalten Besuch von einem Kollegen aus Chile, der mich bei der Bearbeitung der Daten unterstützt. Später gehe ich dann für einige Monate nach Schweden, da ich zusätzlich Datensätze der Schweiz und Schweden miteinander vergleichen möchte. Ich weiss allerdings noch nicht, ob der dortige Datensatz übersetzt wurde oder noch auf Schwedisch ist. Da muss ich mich wohl ans Schwedisch Lernen machen (lacht).

Zur Person:
Isabel Baumann ist seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheitswissenschaften der ZHAW. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin beschäftigt sich in ihrer Forschung vor allem mit Fragen der Arbeitsmarktintegration und Gesundheit.

Interview: Manuel Bamert

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