„Das Bett für die ZHAW ist gemacht.“

zhaw_technoparkIm Technopark Winterthur sind heute über 40 Unternehmen sowie zwei Institute der ZHAW eingemietet. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat Geschäftsführer René Hausammann dessen Entwicklung massgeblich geprägt. Im Juli 2016 hat er die Schlüssel an seinen Nachfolger Thomas Schumann weitergegeben. Im Gespräch werfen der alte und neue Leiter einen Blick auf die bisherige Entwicklung sowie auf die Zukunft des Technoparks und heben seine Rolle als Plattform für die ZHAW hervor.

René Hausammann, Sie treten als langjähriger Leiter des Technoparks Winterthur ab. Was ist in Ihren Augen die bedeutendste Entwicklung, die der Technopark unter Ihrer Leitung resp. seit seiner Gründung durchlebt hat?
RH: Hervorheben möchte ich vor allem 2 Punkte: Zum einen haben wir es geschafft, eine Adresse und Plattform zu schaffen, die gefragt ist und wo sich Firmen wirklich ansiedeln wollen. Diese Eigenschaft ist unbezahlbar, da sie nicht einfach „eingekauft“ werden kann. Zum anderen haben wir es geschafft, dass die ZHAW die einzige Fachhochschule der Schweiz ist, die über einen Technologiepark als Instrument des Wissens- und Technologietransfers in dieser Dimension verfügt. Dieses Bewusstsein muss aber in Zukunft noch weiter gestärkt werden, da immer noch viele den Wert darin nicht erkennen.

An welchem Punkt der gesamten „Reise“ des Technoparks verlassen Sie ihn in Ihren Augen? Wohin soll es noch gehen?
RH: Den Technopark als Plattform für den Technologietransfer zwischen der ZHAW und Wirtschaftspartnern haben wir geschaffen. Ein Beispiel für diese Plattform-Funktion sind die regelmässig stattfindenden Innovations-Apéros, wie z.B. kürzlich zum Thema EU-Forschung. Hinzu kommen weitere Zusammenarbeiten und Veranstaltungen – z.B. der RUNWAY Startup Incubator oder der Swiss Mechatronics Day – für die der Technopark die ideale Umgebung bietet und wo sich die ZHAW mit Praxispartnern vernetzen kann. Und diese Plattform könnte noch stärker genutzt werden, angesichts des grossen Netzwerks des Technoparks zur Wirtschaft.

Thomas Schumann, wie würden Sie diese Frage beantworten? An welchem Punkt übernehmen Sie den Technopark und wo wollen Sie persönlich hin?
TS: Ich sehe das gleich wie René: Eine solide Basis in Form einer funktionierenden Austausch-Plattform ist geschaffen worden. Gleichzeitig kann die Verbindung zur ZHAW weiter gestärkt werden, denn: Der Kontakt zur Wirtschaft auf Seiten des Technoparks ist vorhanden, die ZHAW muss quasi nur noch zugreifen, das Bett ist bereits gemacht. Weiter wollen wir auch unsere Stärken stärken: Heute haben wir 45 Firmen mit ca. 400 Mitarbeitenden – im Vergleich zum Technopark Zürich mit ca. 250 Firmen und 1000 Mitarbeitenden. Wir wollen uns weiter entwickeln, und gerade in den Bereichen, wo auch die ZHAW ihre Schwerpunkte setzt (Energieforschung, Big Data, usw.), sehe ich das Potenzial dazu. Grundsätzlich ist aber bei Startups vieles nicht planbar, so dass man immer offen sein muss für das Unerwartete.

Welches sind aus Ihrer Sicht kurz- und mittelfristig die grössten Herausforderungen, die im Zusammenhang mit der Leitung des Technoparks auftauchen werden?
TS: Nebst der bereits genannten inhaltlichen Stärkung besteht eine weitere Herausforderung darin, mit der hohen Erwartungshaltung der Öffentlichkeit umgehen zu können. Beispielsweise wird von uns erwartet, dass wir laufend neue Arbeitsplätze schaffen mit dem Technopark. Das können wir nicht selber bewerkstelligen – hierfür braucht es innovative, unternehmerisch denkende Fachleute in der ZHAW, die sich am Wissens- und Technologietransfer beteiligen.
RH: Genau, denn der Technopark kann innerhalb der politischen Rahmenbedingungen nur die Plattform bereitstellen, die Firmen können aber nicht einfach so „bestellt“ werden.
TS: Eine weitere Herausforderung ist die Umstrukturierung der KTI zu Innosuisse. Unter den im Technopark ansässigen Firmen besteht eine gewisse Unsicherheit bezüglich der konkreten Folgen für sie. Eine weitere Herausforderung wird sein, unsere Partner angemessen zum kommenden Nationalen Innovationspark zu informieren.
RH: Ja, dieser hat nämlich ganz andere Ziele und eine andere Grössenordnung als wir. Der Technopark soll eine niederschwellige Anlaufstelle sein, wo Unternehmen mit der ZHAW in Kontakt treten können. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist die Firma Wöhner. Diese hat sich im Technopark angesiedelt, da sie explizit die Nähe zur ZHAW gesucht hat und nun im Bereich Stromschienentechnik mit dem Institute of Computational Physics zusammenarbeitet. Firmen im Technopark werden unterstützt, den Kontakt mit der ZHAW zu finden.

Und wie sieht es mit der physisch-räumlichen Situation aus? Haben Sie da genügend Kapazitäten, um weiter zu wachsen?
TS: Momentan sind wir praktisch voll, mit einem Leerbestand von etwa 2%. Diese Zahl variiert, nicht zuletzt, wenn erfolgreiche Startups wachsen und ausziehen, um sich weiter entwickeln zu können, wie z.B. die Winterthur Instruments. Bis anhin haben wir jedoch noch keinen Startup aufgrund der Platzverhältnisse nicht aufnehmen können.

Auf der Homepage des Technoparks ist als ein Vorteil genannt, dieser nutze den „direkten Draht zur ZHAW“. Wie muss man sich diesen Austausch im Tagesgeschäft genau vorstellen?
TS: Zum einen haben wir durch die bereits erwähnten Veranstaltungen natürlich laufend direkten Kontakt mit der ZHAW. Zum anderen besteht ein sehr fruchtbarer Austausch darin, dass einige Dozierende der ZHAW sich mit ihrem privaten Spin-Off hier im Technopark niedergelassen haben. Die Erfahrungen dieser unternehmerischen Tätigkeit können sie wiederum direkt in ihren Unterricht an der ZHAW einfliessen lassen. Auch etliche Fachleute, die in unseren Firmen arbeiten, geben Ihre Kenntnisse und Erfahrungen als Dozierende an der ZHAW weiter.
RH: Zu erwähnen sind auch die verschiedenen Kurse, die wir anbieten. Beispielsweise die KTI Entrepreneurship Kurse besuchen jeweils auch Angehörige der ZHAW.

Wenn ich vom Netzwerk des Technoparks (Knowhow, Praxispartner etc.) profitieren will, wie gehe ich da am besten vor? Welche konkreten Zusammenarbeitsformen und –modelle gibt es da?
TS: Erstkontakte laufen meist über die Technoparkleitung. Da stelle ich mich sehr gerne als Vermittler und Auskunftsperson zur Verfügung, da wir über sehr viele Kontakte verfügen, insbesondere auch zur Wirtschaft (NB: die Handelskammer Winterthur ist Mitgründerin und Aktionärin des Technoparks). Auch dank dem Verein SwissParks.ch, den René präsidiert, haben wir viele Kontakte. Zudem haben wir eine Datenbank, wo alle Firmen in allen Technoparks der Schweiz verzeichnet sind. Etliche Firmen im Technopark sind über KTI-Projekte mit der ZHAW verbunden. Und natürlich ergeben sich immer wieder Kooperationen der Firmen untereinander. Es gibt aber keine Vorgaben, wie zusammengearbeitet werden soll: Auch hier ist Kreativität, Spontaneität und Innovationsgeist gefragt.
RH: Unser Leitmotiv ist: „Wir vernetzen Kompetenzen“. So sehen wir uns klar in der Rolle des „Enablers“, der Infrastruktur und Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung stellt, damit die interessanten Geschäftsideen gefunden werden können.

Interview: Manuel Bamert

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