Bedingt durch den späteren Start von Horizon Europe und den anfangs unklaren Status der Schweiz haben die Forscherinnen und Forscher der ZHAW noch nicht im gleichen Ausmass wie in den letzten Jahren an diesem neuen europäischen Rahmenprogramm teilgenommen. Die Zahl der bisher eingereichten Proposals für Horizon Europe entspricht in etwa jener im ersten Jahr von Horizon 2020, dessen Start für Forschende in der Schweiz mit vergleichbaren Schwierigkeiten verbunden war. Nach einigen Unsicherheiten zu Beginn haben sich die Forschenden aus der Schweiz aber als assoziierte Partner in vielen Konsortien etabliert. Dieser Status gilt bis auf Weiteres auch für die Calls 2022.

Im Oktober schlossen die ersten Calls in den Clustern und Mitte November jener zu den MSCA Doctoral Networks. An all diesen Calls haben sich Forscherinnen und Forscher der ZHAW beteiligt. Auf der Basis der vorliegenden Daten lässt sich eine vorläufige Bilanz ziehen. Die Anzahl der Einreichungen, an denen sich Forscherinnen und Forscher der ZHAW als assoziierte Partner beteiligten, liegt deutlich tiefer als in den vergangenen Jahren, in denen die Schweiz voll assoziiertes Mitglied von Horizon 2020 war.

Dies erklärt sich zum einen durch den verspäteten Start von Horizon Europe. Zum anderen dämpft aber auch die Unsicherheit über den Status der Schweiz zu Beginn dieses Rahmenprogramms die Bereitschaft, Forschende aus der ZHAW in neue Konsortien einzubinden. Denn während erfahrene Forschende mit etablierten Netzwerken wenig Mühe bekundeten, in diesen Netzwerken auch als assoziierter Partner aktiv zu werden, scheinen sich neue Netzwerke erst allmählich und erst in Hinblick auf die Calls 2022 zu etablieren.

Umso wichtiger ist es für diese Forschenden, Unsicherheiten abzubauen und potenzielle Koordinatoren über den zu erwartenden Status der Schweiz bei den Calls 2022 zu informieren.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Schweiz auch noch zu Beginn des Jahres 2022 als nicht assoziiertes Drittland behandelt werden wird. Entsprechend gilt dieser Status bis auf Weiteres auch für die nun offenen Calls 2022. Technisch bedeutet dies, dass Forschende aus der Schweiz an den kollaborativen Projekten auch 2022 bis auf Weiteres nur als assoziierte Partner teilnehmen können.

Eine Statusänderung der Schweiz durch die Europäische Kommission bleibt weiterhin jederzeit möglich. Die möglichst rasche Assoziierung der Schweiz an Horizon Europe und die damit verbundenen Programme und Initiativen bleibt das erklärte Ziel des Bundesrates. Sollte die Schweiz vor der Deadline der entsprechenden Calls von der EC erneut als «zu assoziierendes Land» eingestuft werden, ändern die Schweizer Teilnehmenden im Projektantrag vom Status «Associated Partner» zu «Beneficiary» und müssen Finanzmittel von der Europäische Kommission beantragen.

Mit Blick auf diese Eventualität rät das SBFI, bei der Ausarbeitung des Projektantrages das Richtbudget («indicative budget»), einschliesslich des Schweizer Projektpartners, einzuhalten und auf eine «the top»-Budgetierung zu verzichten. Dies ist aus einer Perspektive, in der es primär um die Vermeidung von Risiken geht, zweifellos richtig.

Da diese «on the top»-Budgetierung aber auch eine Chance für die Teilnahme von Forschenden aus der Schweiz darstellt, scheint uns eine Abwägung der Risiken und der Chancen in jedem Einzelfall angebracht. Gerne beraten wir die Forschenden auch in dieser Hinsicht.

Weitere Informationen zum erwarteten Status der Schweiz 2022 könnt Ihr den aktualisierten Informationen des SBFI und den ebendort laufend ergänzten Q&As entnehmen. Zudem hat das SBFI eine Finanzgarantie auch für das Jahr 2022 veröffentlicht. Das entsprechende Dokument für das Jahr 2021 hat sich als sehr hilfreich erwiesen, wenn es darum ging, Unsicherheiten bei möglichen Koordinatoren zu beseitigen. Deshalb raten wir, dieses Dokument möglichst breit zu streuen.

Mit all Euren Fragen und Hinweisen könnt Ihr Euch jederzeit an Patrik Ettinger (etti@zhaw.ch) oder Florian Berner (befl@zhaw.ch) wenden.