5 Fragen, 1 Projekt: „Wir mussten zuerst herausfinden, wie der Projektförderer tickt.“

Seit Anfang 2018 ist die ZHAW Mitglied bei Climate-KIC, einem vom Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) geförderten Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel. Die Projektförderung im Netzwerk ist den Mitgliedern vorbehalten, rund 270 qualitativ hochstehenden Organisation aus Wissenschaft und Wirtschaft. Marcel Janser und Markus Hubbuch vom Institut für Facility Management erhielten nun für ihr Projekt „Recommendations on the Procurement and Provision of Sustainable / Climate-Friendly Real Estate Services (SUC-RES)“ eine Finanzierung von Climate-KIC. Projektleiter Marcel Janser erläutert im Interview die erfolgreiche Projektakquise.

Im Rahmen ihres Climate-KIC Projekts beleuchten Marcel Janser und Markus Hubbuch Immobiliendienstleistungen aus verschiedenen Perspektiven: Auf der Eigentümerseite steht die Frage im Vordergrund, wie Neubauten, Sanierungen, Betrieb und Unterhalt von Gebäuden als Dienstleistungen professionell beschafft werden können, so dass als Resultat energieeffiziente Gebäude entstehen. Dem gegenüber steht die Anbieter-Seite, für welche im Rahmen des Projekts neue Möglichkeiten der Dienstleistungs-Erbringung entwickelt werden. Gemeinsam mit Anwendungspartnern entsteht schliesslich ein Leitfaden, der Gebäudeeigentümer bei der Beschaffung und Anbieter bei der Geschäftsmodell-Entwicklung unterstützen soll.

Marcel Janser, wie hast Du von dieser Ausschreibung erfahren resp. wie hast Du Climate-KIC kennengelernt?
Als ich 2011 neu an der ZHAW war, lief gerade ein Forschungsprojekt für nachhaltige Bürogebäude. Im Projekt involviert war u.a. ein ETH-Professor, der heute mein Doktorvater ist. Dieser ging anschliessend nach Schweden, und dort finanzierte er ein Nachfolgeprojekt dann mit Hilfe von Climate-KIC. Dadurch erfuhr auch ich von diesem Netzwerk, begann mich weiter zu informieren und wurde aufgrund einer Projektskizze zu einem Partnertreffen nach Paris eingeladen. Etwas später begann dann auch schon der Beitrittsprozess der ZHAW zum Netzwerk.

Was waren deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren, weshalb ihr den Zuschlag dafür erhalten habt?
Ich sehe vor allem drei Gründe, warum wir den Zuschlag für dieses Projekt erhalten haben. Zum einen sind die bisherigen durch Climate-KIC finanzierten Projekte eher technisch orientiert. Es werden zum Beispiel neue, energieeffiziente Gebäudefassaden entwickelt. Mit unserem Projekt verfolgen wir jedoch einen Management-Ansatz, wo wir auch eine psychologische Perspektive einbringen. Uns interessiert beispielsweise, wieso sich ein Gebäudeeigentümer für oder gegen nachhaltige Immobiliendienstleistungen entscheidet und was bei einer allfälligen Umsetzung hinderlich ist. Oder wie müssen Geschäftsmodelle für nachhaltige Immobiliendienstleistungen konzipiert werden, so dass dadurch eine Win-Win-Situation zwischen Besteller und Anbieter geschaffen wird? Den zweiten Grund für unsere erfolgreiche Akquise sehe ich in unserem fachlichen Hintergrund. Markus Hubbuch ist Dozent für Gebäudemanagement, ich bin Umweltpsychologe. In diesem Projekt nutzen wir das Wissen aus diesen sehr unterschiedlichen Disziplinen, um gemeinsam an derselben Problemstellung zu arbeiten. Schliesslich war es sicher auch wichtig, dass wir herausfinden mussten, wie Climate-KIC als Projektförderer tickt. Wir haben deshalb unsere Projektideen nicht einfach eingereicht, sondern haben sie mit einem Climate-KIC Innovations-Manager vorbesprochen. Erst im Anschluss haben wir den Antrag ausgearbeitet.

Wie hoch war der Aufwand für den Projektantrag im Vergleich zu anderen Ausschreibungen?
Für die akquirierten knapp 60‘000 CHF war der Aufwand schon eher gross. Die kleinen Fördersummen zu Beginn sind aber auch die Strategie von Climate-KIC. Die Ausarbeitung von klimafreundlichen Geschäftsgelegenheiten wird durch das Förder-Programm „Pathfinder“ mit eher kleinen Summen unterstützt. Wenn das Projekt gut läuft, können mit den Programmen „Accelerator“, „Demonstrator“ und „Scaler“ grössere Summen abgeholt und die Idee bis zur Marktreife weiterentwickelt werden.

Welche Aspekte – neben den fachlichen Qualitäten – versuchst Du generell bei Pro-jektanträgen hervorzuheben? Erwähnst Du in erster Linie deine Forschungspartner? Oder betonst Du beispielsweise die zur Verfügung stehende ZHAW-Infrastruktur?
Wir versuchen jeweils, neben dem Stand der Wissenschaft auch immer die Relevanz für die Praxis aufzuzeigen. Dies erreichen wir, indem wir vor Projekteingaben Workshops mit unseren Partnern durchführen. Dank diesen Ergebnissen können wir dann im Projektantrag glaubwürdig darlegen, dass die beschriebenen Probleme in der Praxis tatsächlich existieren. Weiter versuchen wir bei Projektanträgen unsere bisherigen Leistungen in diesem Bereich aufzuzeigen. Dabei sind insbesondere Visualisierungen wichtig, die unsere bisher erarbeiteten Modelle prägnant darstellen. Schliesslich ist in meinen Augen weiter sehr wichtig, dass wir das beabsichtigte Endprodukt möglichst spezifisch beschreiben. Im Falle des Climate-KIC Projekts haben wir beispielsweise nicht nur den Leitfaden angekündigt, sondern bereits die voraussichtlichen Kapitel und Inhalte im Antrag skizziert.

Was sind nun die nächsten geplanten Aktivitäten und erwarteten Ergebnisse im Projekt, von denen wir hören werden?
Wir werden nun Interviews mit eigentümerseitigen Akteuren durchführen, um besser zu verstehen, wie Entscheide für oder gegen nachhaltige Immobiliendienstleistungen zu Stande kommen und was bei einer allfälligen Umsetzung als hinderlich empfunden wird. Dabei unterscheiden wir bewusst auch unterschiedliche Eigentümertypen wie bspw. Investoren, Unternehmen oder die öffentlichen Hand. Als Methode für die Datenerhebung wenden wir Customer-Journey-Mapping an. Grob gesagt, geht es dabei darum, den gesamten Prozess zu verstehen, welche Eigentümer durchlaufen, wenn sie unterschiedliche Immobiliendienstleistungen bestellen und was dabei die grössten «Pains» und «Gains» sind. Als Endprodukt möchten wir dann einen Leitfaden erarbeiten, der sowohl für Anbieter als auch Bezüger von Immobiliendienstleistungen konkret anwendbar ist. Die Inhalte darin kommen jedoch nicht nur vom aktuellen Climate-KIC Projekt, sondern sind eine Kombination aus mehreren Projekten zu diesem Thema, die wir aktuell realisieren (vgl. Abbildung).

Zur Person:
Marcel Janser ist Umweltpsychologe und arbeitet seit 2011 an der ZHAW im Institut für Facility Management am Departement Life Sciences & Facility Management in Wädenswil. Er untersucht im Rahmen seiner Forschung vor allem, wie das energierelevante Verhalten von Akteuren aus der Immobilienwirtschaft zu erklären ist und wie sich dieses in Richtung Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit lenken lässt.

Interview: Manuel Bamert

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