5 Fragen, 1 Projekt: Die ZHAW erforscht die Ressourceneffizienz von Spitälern

Matthias Stucki vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen leitet das im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 73 laufende Projekt „Green Hospitals: Environmental Impact Assessment, Resource Efficiency, and Hands‐on Applications“. Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit 2 Forschungspartnern sowie mehreren Spitalgruppen erarbeitet wird, wird vom Schweizerischen Nationalfonds mit CHF 599’848 gefördert. Matthias Stucki verrät im Interview, wie das Projekt an die ZHAW gelangt ist und was dabei die Erfolgsfaktoren waren.

Das Nationale Forschungsprogramm „Nachhaltige Wirtschaft: ressourcenschonend, zukunftsfähig, innovativ“ (NFP 73) hat das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse über eine nachhaltige Wirtschaft mit schonender Nutzung natürlicher Ressourcen, mehr Wohlfahrt und erhöhter Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftstandortes Schweiz zu erarbeiten. Das Projekt der ZHAW zielt dabei speziell auf umweltrelevante Prozesse in Spitälern ab.

Matthias Stucki, wie gelangte dieses Projekt an die ZHAW und wie ist es organisiert?
Wir haben bereits 2 laufende NFP-Projekte. In diesem Zusammenhang haben wir mitbekommen, dass es ein weiteres NFP zum Thema „Nachhaltige Wirtschaft“ geben wird. Via Newsletter sowie Hinweisen von externen Partnern haben wir zusätzlich davon erfahren. Die Ausschreibung war ein 2-stufiges Verfahren, bei dem zunächst eine Skizze, und bei einem positiven Bescheid schliesslich der komplette Antrag eingereicht werden musste. Meine Rolle im bewilligten Projekt ist die des Gesamtprojektleiters. Wir arbeiten dabei mit zwei weiteren Forschungspartnern zusammen, mit dem Institut für Wirtschaftsstudien Basel und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik. Zu diesen Partnern hatten wir im Vorfeld jedoch noch keinen persönlichen Kontakt. Dieser entstand erst im Rahmen der Projekterarbeitung.

Was waren deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren, weshalb ihr den Zuschlag für das Projekt erhalten habt?
Einerseits sicher die Originalität und Neuartigkeit des Themas. Wir waren wohl die einzigen Antragssteller zum Themengebiet Nachhaltigkeit in Spitälern. Aus unserer Sicht ein hochrelevantes Thema, zu dem es erst wenige Forschungsarbeiten gibt. Entsprechend ist der Forschungsbedarf hoch. Einen weiteren Grund, wieso unser Projekt bewilligt wurde, sehe ich in unserer Forschungsausrichtung. Wir machen nicht nur Grundlagenforschung, sondern haben auch konkrete Praxispartner im Projekt drin. So arbeiten wir im Projekt mit der Inselspitalgruppe Bern, welche 6 Spitäler betreibt, mit den Universitätsspitälern Genf mit 10 Standorten sowie mit dem GZO Spital Wetzikon zusammen. Mit weiteren Spitälern, die vom Projekt erfahren haben und an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert sind, sind wir derzeit im Gespräch.

Wie hoch war denn der Aufwand für diesen Projektantrag im Vergleich zu anderen Ausschreibungen?
Der Aufwand war schon sehr gross, vor allem weil wir uns wie bereits erwähnt in einem bisher eher unerforschten Thema bewegen. Dass wir zusätzlich mit dem Fraunhofer-Institut einen ausländischen Forschungspartner dabei haben, machte die Antragstellung nicht weniger aufwändig. Auch das Kennenlernen aller Projektpartner brauchte seine Zeit.

Welche Aspekte – neben den fachlichen Qualitäten – versuchst Du generell bei Projektanträgen hervorzuheben? Erwähnst Du in erster Linie deine Forschungspartner? Oder betonst Du beispielsweise die zur Verfügung stehende ZHAW-Infrastruktur?
Generell versuche ich jeweils, unsere Erfahrung als Forschungsgruppe aufzuzeigen sowie die vorhandenen Umsetzungspartner hervorzuheben. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass man gerade bei komplexen Projekten darauf achtet, diese einfach und überzeugend zu kommunizieren. Graphiken können zum Beispiel dabei helfen, Sachverhalte verständlicher darzulegen.

Was sind nun die nächsten geplanten Aktivitäten und erwarteten Ergebnisse im Projekt, von denen wir hören werden?
Im Januar fand der KickOff für das ganze NFP statt, wo wir alle Personen des Forschungsprogramms kennenlernten. Ebenfalls im Januar war der Startschuss mit unseren Umsetzungspartnern. Wir haben dabei konkretisiert, was wir von ihnen erwarten und was sie sich von unseren Resultaten erhoffen. Momentan befinden wir uns in der ersten Projektphase, wo wir identifizieren, was die wichtigsten Bereiche der Nachhaltigkeit aus der Sicht eines Spitals sind. Auf www.greenhospital.ch  werden wir  zukünftig über die Projektergebnisse kommunizieren. Auch werden wir unsere Resultate zuhanden anderer Spitäler entsprechend aufbereiten. Geplant sind zudem Publikationen in wissenschaftlichen Journals sowie in Fachzeitschriften der Gesundheitsbranche.

Zur Person:
Matthias Stucki ist Umweltwissenschaftler und arbeitet seit 5 Jahren an der ZHAW im Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen am Departement Life Sciences & Facility Management in Wädenswil. Er leitet dort die Forschungsgruppe Ökobilanzierung, wo er sich mit der Quantifizierung von Umweltauswirkungen im Kontext von Energie sowie Ernährung und Landwirtschaft beschäftigt.

Weitere Informationen:

Interview: Manuel Bamert

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