Smart Waste Management mit dem Hai-Auge von ANTA SWISS

Von Tania Kaya

Nicht erst seit Greta Thunberg, kommt immer mehr die Diskussion auf, was eigentlich mit dem Müll passiert. Die Abfallberge sind auch für die Städte und Gemeinden ein Problem. Dagegen versucht ein Schweizer Unternehmen mit ihrem Abfallhai vorzugehen. Dank einem Studentenprojekt, konnten in einem Pilotversuch wertvolle Daten und Erkenntnisse gewonnen werden, um das sogenannte Waste Management auf „smart“ zu trimmen.

Der zunehmende Abfall wird auch in den Städten deutlich, gerade an schönen Sommertagen an beliebten Ausflugplätzen. Man möchte etwas in den Mülleimer werfen, doch dieser ist bereits überfüllt oder verstopft. Damit dies in Zukunft nicht mehr passiert, will ANTA SWISS AG mit ihrem «Hai-Auge» durchgreifen. Dieses überwacht den Füllstand der «Abfallhai» genannten Abfalleimer und übermittelt die Daten per Funk an die Online-Plattform «Hai-Insel». So können die Werkhofmitarbeiter bereits aus der Entfernung erkennen, ob es Zeit ist den Mülleimer zu leeren oder ob er bei der nächsten Tour ausgelassen werden kann, denn auch bei der Routenplanung wird die Effizienz hinsichtlich ökonomischer und ökologischer Faktoren immer wichtiger.

Eine weitere Erfindung von ANTA SWISS AG ist der «Solar-Presshai». Dieser enthält eine elektronische Presse, die das Abfallvolumen um das drei- bis siebenfache verdichten kann und seine Energie dazu aus einem eigenen kleinen Solarmodul auf dem Deckel bezieht. Am Flughafen Zürich ist dieses Zukunftsszenario bereits Realität und läuft seit vielen Monaten erfolgreich.

Der smarte Abfallhai ©ANTA SWISS AG

Überzeugungsarbeit bei den Gemeinden

Nun steht für ANTA SWISS AG der nächste Schritt an, es gilt die Gemeinden vom Smart Waste Management Konzept zu überzeugen. Um die nötigen Argumente griffbereit zu haben, hat eine Studentengruppe der ZHAW ein Pilotprojekt begleitet und umfangreiche Analysen und Berechnungen der Mehrwerte in einer Seminararbeit festgehalten.

Während einer zehnwöchigen Testphase in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Münchenbuchsee und dem privaten Werkhofunternehmen Schwendimann AG konnte nachgewiesen werden, dass die Haie eine lohnende Investition, sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht sind. Die Gemeinde Münchenbuchsee zählt 10’191 Einwohner auf einer Fläche von 880 Hektaren. Es wurden 101 Abfalleimer mit dem Hai-Auge ausgerüstet, die von der Schwendimann AG bewirtschaftet wurden. Fünf Wochen wurden die Mülleimer wie zuvor ohne Hai-Auge bewirtschaftet und weitere fünf Wochen wurden die Abfalleimer mit Hilfe der Daten des Hai-Auges und der Hai-Insel bewirtschaftet.

Dabei konnte festgestellt werden, dass die Investitionen für die Hai-Augen bereits nach weniger als einem Jahr amortisiert sind. Dies ist möglich durch eine Einsparung der Arbeitszeit um 14%, durch die optimierten Leerungsrouten und den daraus resultierenden Kosteneinsparungen. Zudem konnten durch die Einsparungen bei Sprit und Abfallsäcken CO2-Einsparungen von 17% erreicht werden. Diese bereits beachtlichen Resultate dürften mit der Zeit sogar noch besser ausfallen, wenn die Smart Waste Management Prozesse nach der Einführungsphase noch besser abgestimmt sind.

Die Resultate im Überblick ©ANTA SWISS AG

Weitere Einblicke ins Projekt gibt uns Kim Bolleter, Masterstudentin an der ZHAW und Projektmitarbeiterin im Pilotprojekt mit Schwendimann AG und ANTA SWISS AG.

Kim, wie war es für Dich an einem so praxisbezogenen Projekt zu arbeiten?

Es war sehr spannend und interessant einmal in ein komplett neues Themengebiet bzw. Arbeitsumfeld als gewohnt einzutauchen. Zudem konnten wir unsere erlernte Theorie in die Praxis transferieren, was die Motivation extrem gesteigert hat.

Hattest Du bereits etwas mit Abfallmanagement zu tun vor dem Projekt, oder kanntest Du den Abfallhai von ANTA SWISS AG bereits schon vorgängig?

Zuvor kannte ich die Firma ANTA SWISS AG nicht, den Abfallhai kannte ich aber vom Sehen. Spätestens beim Sichten der Firmenpräsentation kam dann der Aha-Effekt. Danach habe ich jeden Abfalleimer auf dessen Marke überprüft und musste dann schnell feststellen, dass das Design hie und da kopiert wurde.

Kim Bolleter, Masterstudentin an der ZHAW und Marketing Managerin

Was sind aus Deiner Sicht die grössten Herausforderungen für eine erfolgreiche Digitalisierung des Abfallmanagements in der Schweiz?

Ich denke die grösste Herausforderung ist, dass die Gemeinden die Relevanz dieses Themas erkennen und dann zusammenarbeiten. Vielleicht könnte der Staat mit Subventionierungen für CO2-Reduktionen belohnen oder die Digitalisierung voranbringen – ist aber schwierig zu beantworten.

Welches sind die Erfolgsfaktoren gewesen für die Durchführung des Pilotprojekts mit der Gemeinde Münchenbuchsee?

Die hohe Kooperationsbereitschaft der gesamten Belegschaft wie auch die Offenheit der Mitarbeitenden gegenüber neuen Technologien. Das war nicht unbedingt zu erwarten, darum haben wir zusätzlich mit den Mitarbeitern, welche die Abfalleimer tagtäglich leeren, qualitative Interviews geführt. Dabei haben wir festgestellt, dass eine gewisse anfängliche Grundskepsis schnell von den guten Resultaten und der Freude über die Aufwertung des Arbeitsplatzes überwogen wurde.

Was waren Deine überraschendsten Erkenntnisse aus dem Praxisprojekt?

Dass die Firma unsere Erkenntnisse 1:1 in die Praxis übernommen hat, was uns sehr erfreut hat. Wir sind stolz, dass die ANTA SWISS AG so zufrieden mit den aufbereiteten Kennzahlen ist, dass sie direkt eine kleine Broschüre zum Pilotprojekt mit unseren Resultaten erstellt hat und für ihr Marketing verwendet.

Erfolgreiche Landung im CAS Marketing- & Corporate Communications

Nach einer langen und intensiven Zeit, mit einem spannenden Start in die Welt der Marketingkommunikation, durften die Teilnehmenden des CAS Marketing- & Corporate Communications ihre Abschlussarbeiten präsentieren und zeigten damit, was sie alles gelernt haben.

Auf strategischer Ebene hat sich die Kommunikation mittlerweile auch in der Führungsetage ihre Wichtigkeit erarbeitet. Der CAS Marketing- & Corporate Communications (CAS MCC) kombiniert die wichtigsten Elemente von Corporate Communication und Marketing und zeigt verschiedene Techniken auf, die man in dieser Schnittstellenfunktion benötigt. Auch in diesem Semester startete wieder eine höchst spannende Klasse diesen CAS und trotz Doppelbelastung von Beruf und Weiterbildung, erarbeiteten sie sich verdient sehr gute Resultate.

Ein Kommunikationsflug über diverse Unternehmen

Die Transformation des Gelernten wurde an einem Kommunikations- oder Marketingkonzept aufgezeigt, welches die Teilnehmenden erarbeiteten und schlussendlich präsentierten. Von Yoga, zu Tourismus über Gastronomie bis zu Helikoptern, war alles dabei. Die Konzepte wurden mit viel Witz und mit viel Charme präsentiert und die Leidenschaft für die Kommunikation war bei allen spürbar. „Das schönste an diesem CAS ist, dass auch wir als Dozenten immer wieder neue Beispiele kennenlernen und man somit eine sehr spannende Kommunikationsreise absolvieren darf„, meint Dr. Adrienne Suvada, Studiengangleiterin des CAS MCC. Tatsächlich wurde auch dieses Mal wieder sichtbar, wie man auch mit kleinem Budget eine gute Marketingkommunikation betreiben kann. Das wichtigste Element, so banal es klingen mag, ist schlussendlich einfach die Leidenschaft für die Aktivität, die man betreibt.

Erfolgreicher Abschluss des CAS MCC © Andjela Bulatovic

Der Abschluss als Anfang

Eine solche Weiterbildung ist keine einfache Zeit. Die erwähnte Doppelbelastung ist nicht ohne, dennoch sind neben den fachlichen Kompetenzen, die man erhält, auch die persönlichen Momente in der Klasse bedeutend. Die unterschiedlichen beruflichen Hintergründe der Teilnehmenden sind eine Bereicherung und der gegenseitige Austausch hilft, auch mal auf ungewöhnliche Lösungen zu kommen. Der gelungene Abschluss soll aber kein Ende, sondern ein Anfang sein. Die Teilnehmenden haben nun das Rüstzeug ihre Kommunikation zu verändern und eigene Zeichen zu setzen.

Herzliche Gratulation an die Abschlussklasse!

Mehr Informationen zu diesem CAS: https://www.zhaw.ch/de/sml/weiterbildung/detail/kurs/cas-marketing-corporate-communications/

Extended Reality im Marketing

Von Dr. Jesse Bächler

Während beim Stichwort „Digitalisierung“ die einen feuchte Hände bekommen, weil ihnen noch so viel Arbeit bevorsteht, werden die anderen kribbelig, weil sich so viele tolle neue Möglichkeiten auftun. Wir haben mit Urs Langenegger gesprochen, der mit seinem Start-Up Bandara schon zahlreiche Kampagnen in der „erweiterten Realität“ umgesetzt hat.

Heute haben die meisten schon einmal irgendwo etwas von „Virtual Reality“, „Augmented Reality“ oder „Mixed Reality“ gelesen. Können Sie jeweils mit einem Beispiel erklären, was dahinter steckt?

Von Virtual Reality (VR) spricht man, wenn ein Betrachter mittels einer Brille (und Kopfhörer) komplett in eine andere Welt eintaucht. Bei 360°-Videos kann man sich dank Sensoren in der Brille frei umschauen, wie beispielsweise im 360°-Film von ewz zum Wegdes Stroms. Bei interaktiven VR-Experiences ist es gar möglich, mit Controllern mit der 3D- Welt zu interagieren und sich darin zu bewegen – so haben wir Menschen per VR in dieVaillant-Arena nach Davos gebracht, wo sie als Eishockey-Goalie Pucks fangen müssen.

Bei Augmented Reality (AR) handelt es sich um eine Technologie, die digitale Inhalte auf Smartphones, Tablets oder speziellen AR-Brillen in die reale Umgebung einbettet. Ein Beispiel dafür ist die App «IKEA Place», mit der man virtuelle IKEA-Möbel in seinen eigenen vier Wänden platzieren kann. Mixed Reality (MR) ist eine verbesserte Art von Augmented Reality: Dank Sensoren an den Geräten wird die eigene Umgebung erkannt und die digitalen Inhalte kontextspezifisch und sehr genau eingebettet. Die reale und die digitale Welt vermischen sich also. Die bekannteste Form von AR besteht aber wohl aus den Effekten bei Snapchat, Instagram oder Facebook, welche es erlauben, das eigene Gesicht oder die Umgebung mit allerlei digitalen Inhalten zu ergänzen.

Ganz vereinfacht kann man sagen, dass Virtual Reality die Leute überall hinbringt, Augmented Reality dafür alles zu den Leuten bringt. Zudem fassen die Begriffe Extended Reality (XR) oder «immersive computing» diese Technologien unter einem Dach zusammen.

Wem das Spiel „Pokemon Go“ in den Sinn kommt, wird sich fragen, ob VR/AR/MR überhaupt gewinnbringend im Marketing angewendet werden kann.

Wenn man sich vor Augen führt, dass das AR-Spiel «Pokémon Go» bisher rund 2.5 Milliarden US-Dollar umgesetzt hat, erkennt man auch den wirtschaftlichen Erfolg hinter dieser AR-Anwendung. Abseits der Unterhaltung werden XR-Anwendungen auch im Marketing bereits gewinnbringend eingesetzt. So setzen Kosmetik-, Brillen- oder Sneaker- Hersteller bereits auf AR-Experiences, wo man die Produkte vor dem Kauf in einem virtuellen «Try-On» bereits ausprobieren kann. Ein weiteres Beispiel ist die oben erwähnte «IKEA Place»-App. Solche AR-Anwendungen schlagen die Brücke zwischen physischem Retail und e-Commerce. Dass auch ganze Kampagnen in Augmented Reality umgesetzt werden, zeigte kürzlich Burger-King: mit einer AR-Funktion in der Burger-King-App konnte man Plakate und Anzeigen des Konkurrenten McDonald’s virtuell verbrennen und erhielt dafür einen kostenlosen Whopper. Nicht zuletzt ist es auch eindrücklich zu sehen, dass 70% der 200 Millionen täglichen Snapchat-User AR-Effekte nutzen, darunter natürlich auch gebrandete. Dass auch VR gewinnbringend eingesetzt wird, zeigen über 1’000 VR-Showrooms von Audi, in welchem die Kunden Autos und Ausstattung vor dem Kauf sehr akkurat sehen können. Während man mit AR-Marketing also bereits heute grosse Reichweiten erzielen kann, eignet sich VR insbesondere für Erlebnisse am POS, an Messen oder Events. Da noch nicht viele Schweizerinnen und Schweizer eine eigene VR-Brille besitzen, sind solche Erlebnisse umso faszinierender. Übrigens: Gerade kürzlich haben wir auf unserem Blog einen Beitrag zu den Möglichkeiten von AR im Marketing verfasst.

Urs Langenegger ist Co-Founder von Bandara (c) Bandara

Was sind denn die Voraussetzungen für Unternehmen, die mit VR/AR/MR arbeiten möchten?

Diese Technologien sind ein weiteres Medium, welches man für die Kommunikation nutzen kann. Wie Film oder Print bringen auch VR, AR und MR ihre eigenen Vor- und Nachteile. Wir sehen uns in diesem Bereich auch ein bisschen als Aufklärer, um Möglichkeiten und Use Cases aufzuzeigen. Wer eine gewissene Offenheit gegenüber neuen Technologien mitbringt, kann mit VR, AR und MR innovative Markenerlebnisse schaffen und Dinge ermöglichen, die bis vor kurzem noch nicht machbar waren – Stichwort „Virtual Try-Ons“.

Muss ich denn beispielsweise für ein AR-Projekt ein anderes Agentur-Briefing erstellen als etwa für eine klassische Plakat-Kampagne?

Nein. Auch bei AR-Projekten ist es für uns zuerst mal wichtig zu verstehen, welche Botschaft der Kunde vermitteln will und welche Zielgruppe er damit erreichen will. Wir sehen es als unsere Aufgabe, dem Kunden eine für sein Kommunikationsbedürfnis passende AR-Strategie vorzuschlagen. Oft ergibt es auch Sinn, bei einem Workshop gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, die sowohl aus Content-, als auch aus Technologie-Sicht sinnvoll ist und die gesteckten Ziele erreicht.

Welche technischen Entwicklungen sehen Sie für die nächsten 2-5 Jahre?

Nebst der fortschreitenden Verbesserung der Hardware in den Bereichen Auflösung, Bequemlichkeit, Komfort und Rechenpower im Bereich von Virtual Reality wird voraussichtlich Augmented Reality im Alltag viel wichtiger. Facebook, Samsung, Sony, Lenovo (und Gerüchten zufolge auch Apple) arbeiten an AR-Brillen, welche auch den Massenmarkt erreichen sollen. Sobald also AR-Brillen täglich gebraucht werden, wird es für Brands auch wichtig sein, in diesen virtuellen Umgebungen angemessen präsent zu sein.

VR begeistert: Emina erlebt Ihr Traumhaus mit der VR-Brille «Oculus Rift». (c) Bandara

Was ist aus Ihrer Erfahrung die grösste positive Überraschung, die Unternehmen mit VR-/AR-/MR-Kampagnen erleben?

Auch wenn diese Technologien bereits seit einigen Jahren bekannt sind: Gut gemachte VR-/AR-/MR-Inhalte schaffen es immer, auch bei Skeptikern ein Wow-Erlebnis zu hinterlassen. Spannend ist dabei, dass die Technologie dabei in den Hintergrund rückt. Wenn sich z.B. jemand eine VR-Brille aufsetzt, dann ist er mitten im Inhalt – man schaut sich um, als wäre man vor Ort,. und man interagiert so mit der Umwelt, wie man es auch in der Realität tut. VR, AR, und MR sind zwar hochentwickelte Technologien, aber sie sind ein Schritt näher beim Menschen als z.B. Computer, die man mit einer Maus bedient oder Smartphones, die man mit dem Finger bedient.

Urs Langenegger ist Co-Founder von Bandara und als Dozent im CAS Digital Brand Management tätig.

Wie sich die Marketingfunktion transformiert und welche Kompetenzen die Digitalisierung fordert

Von Dr. Catherine B. Crowden

Die Swiss CMO Studie befragte im Sommer 2019 14 Marketing-Führungskräfte in Schweizer Unternehmen zum Einfluss der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell, die Marketingfunktion und die Rolle des, der CMO. Nachfolgend beleuchten drei CMOs die interne Transformation, die Verschiebung von werblicher zu inhaltlich relevanter Kundenansprache und von fremden zu eigenen Plattformen sowie die neuen Kompetenzen moderner CMOs.

Was ist Ihre grösste Herausforderung der digitalen Transformation?

Jan-Hendrik Völker-Albert (Head of Marketing & Communications bei PwC Schweiz): Die grösste Herausforderung ist die interne Transformation. Marketing ist ein wichtiger Vorreiter für die digitale Transformation innerhalb des Unternehmens, daher muss sich die Marketingfunktion schneller als andere Bereiche verändern. Dazu nötig ist gleichzeitig die Befähigung der Marketingmitarbeitenden mit den entsprechenden Fähigkeiten und Technologien und die Förderung eines digitalen Mindsets. Nur so können wir auf die neuen Anforderungen und Dynamiken im Markt reagieren.

Jan-Hendrik Völker-Albert (Head of Marketing & Communications bei PwC Schweiz)

Wie gehen Sie dabei vor?

J.H. Völker-Albert: Ein ganz wichtiger Punkt ist, eine klare Orientierung zu geben. Unsere Marketingmitarbeitenden müssen ein konkretes Zukunftsbild kennen und darauf hinarbeiten können: Wo wollen wir hin, wie soll das Marketing der Zukunft aussehen und wie wird sich das gesamte Marketing-Ökosystem entwickeln.

Der zweite Punkt ist die Entwicklung der Mitarbeitenden, um sie für Data Driven Marketing zu befähigen. Bei PwC investieren wir sehr stark in Weiterbildung und kontinuierliches Lernen, so genanntes «Digital Upskilling». In meinem Team möchte ich, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein Digitalexperte wird.  So gibt es keine analogen und digitalen Marketingexperten, sondern alle sind digitale Marketingexperten. Alle müssen ein tiefes Verständnis für neue Technologien haben und diese auch jederzeit selbst bedienen können.

Der dritte Punkt hört sich zwar einfach an, die Herausforderung liegt aber wie immer im Detail: Die entsprechenden Technologien zur Verfügung zu stellen. Letztere entwickeln sich dabei aber so rasant und haben so kurze Halbwertszeiten, dass es immer schwieriger wird, State-of-the-Art zu bleiben und das perfekte Marketing Automation Ökosystem zur Verfügung zu stellen. Daneben gilt es, die neuen Technologien, wie beispielsweise Advanced Analytics und Künstliche Intelligenz entsprechend zu nutzen. Diese Potenziale schöpfen wir aktuell nur zu knapp einem Viertel aus, sind damit im globalen PwC-Netzwerk aber führend. Dies bedeutet für uns kontinuierlich Problemlösung nach «Trial and Error». Wir probieren jeden Tag aus, kombinieren mehrstufige digitale Massnahmen und machen viel A/B Testing. Insgesamt versuchen wir so die End-to-End Experience für unsere Kunden jeden Tag noch etwas besser zu machen.

Die Rolle des CMOs verändert sich (c) Pixabay

Welches sind zukünftige Trends und Entwicklungen?

Oliver Niedermann (Head of Marketing bei Raiffeisen Schweiz): Der Inhalt des Marketings verschiebt sich. In der Kundenansprache bewegen wir uns weg vom Verkauf von Produkten hin zum Aufbau von Themenführerschaft. Für uns heisst das, in unseren drei Hauptgeschäftsfeldern Anlegen, Wohnen und Firmenkunden relevanten Content zu erarbeiten. Zum Beispiel wollen wir für unsere Kunden nicht nur der Partner für eine Hypothek sein, sondern ein umfassender Partner für alle Fragen rund ums Wohnen. Dazu bauen wir den Brand «Raiffeisen Casa» auf, unter dem wir von Immobilien, über Maklerangebot bis hin zum energetischen Sanieren alles thematisieren.

Das bedingt ein ganz anderes Marketing als früher. Wir müssen für unsere Kunden relevante Inhalte schaffen. Den Medienmix haben wir angepasst auf mittlerweile fast rein elektronische Kanäle, wo eine Interaktion möglich ist. Von den bezahlten Kanälen bespielen wir fast ausschliesslich Social Media und kaum mehr andere Werbemittel. Die zweite Verschiebung ist die, von den fremden auf die eigenen Kanäle (owned channels). Für uns als Raiffeisen steht nicht die Neukundengewinnung im Fokus, sondern die bessere Bedienung der Bestandeskunden. D.h. wir erreichen diese am besten über die eigenen Kanäle, überprüfen nun unserer eigenen Touchpoints und optimieren die Ansprache, bauen aber auch ganz neue Plattformen auf – Content Hubs, wie «We love snow» oder «we love football». Hier übernehmen wir die Aufgaben eines Medienhauses und können so unseren Kunden Kompetenz vermitteln. Wir sind zu einem disruptiven Mitstreiter für die Medienhäuser geworden! Damit transformieren wir den Markt und darauf sind wir stolz.

Oliver Niedermann (Head of Marketing bei Raiffeisen Schweiz)

Welche Kompetenzen muss ein CMO im heutigen Zeitalter besitzen?

Patrick A. Koller (Chief Marketing & Chief Digital Innovation Officer bei Franke Kaffeemaschinen): Der moderne CMO bringt eine Affinität für IT und die Qualifizierung für Transformationsthemen und Organisationsentwicklung mit; ein Verständnis für Automatisierungstools und Data Analytics, um innovative, digitale Services zu gestalten, Kampagnen zu messen und die Performance aller Aktivitäten zu bewerten. Damit Werbung und Marketing im Allgemeinen nicht nur eine Ausgabe ist, sondern ein Investment. Dann wird die Budgetierung zu einem Planungsdialog darüber, wo Wachstumsfelder sind und wo Leads generiert werden können.

Patrick A. Koller (Chief Marketing & Chief Digital Innovation Officer bei Franke Kaffeemaschinen)

Mehr zu den neuen Methoden des Marketings, erfahren Sie am Future of Marketing Event am 28. Oktober 2019 in Winterthur.

Das Marketing der Zukunft braucht kollaborative CMOs

In wenigen Tagen ist es soweit und Marketinginteressierte aus diversen Branchen versammeln sich am Future of Marketing Event am 28. Oktober in Winterthur, um die neuesten Entwicklungen und Trends im Marketing zu beleuchten. Wir wollten bei Prof. Dr. Brian Rüeger und Valerio Stallone wissen, was die Teilnehmenden genau erwartet.

Was ist besonders am diesjährigen Future of Marketing Event?

Prof. Dr. Brian Rüeger: Der letztjährige Event erhielt sehr viel positives Feedback, es wird daher vieles beibehalten. Es wird auch dieses Jahr verschiedene Referenten geben, die ihr Wissen mit den Teilnehmenden teilen. Zudem werden die Teilnehmenden aufs Neue mit aktiven Workshops zu unterschiedlichen Themen wie Artificial Intelligence im Marketing, Behavioral Economics und Design Thinking herausgefordert. Es werden insgesamt fünf Workshops stattfinden. «Wie geht der Marketeer mit der Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen in der IoT-Welt um und welche Massnahmen aus der Welt der Verhaltensforschung können dabei angewendet werden? Wie bringt man damit das gesamte Unternehmen auf das nächste Level und welche Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz?» Das sind unter anderem Fragen, die uns an diesem Tag interessieren und die bestimmt heiss diskutiert werden.

Auch dieses Jahr sind spannende Keynotes und Workshops garantiert © Manuela Eberhard

Wohin geht denn das Marketing der Zukunft, braucht es den CMO überhaupt noch?

Prof. Dr. Brian Rüeger: Die digitale Transformation ist nicht mehr nur ein Trend, sie hat uns alle voll erfasst. Gerade CMOs und Führungskräfte müssen schneller auf Marktveränderungen reagieren. Sie müssen nicht nur neue Business Modelle kennen, sondern auch Lösungen entwickeln können, die schnell einsatzbereit sind. Es wird deshalb auch weiterhin Führungskräfte mit Marketingerfahrung und entsprechender Verantwortung brauchen. Es gibt natürlich generell sehr viele Trends. Wichtig ist hierbei nicht ängstlich zu reagieren, sondern genau abzuwägen, was für das eigene Unternehmen und zur Identität passen könnte. Die Veränderungen im Markt müssen schnell erkannt werden und es braucht deshalb einen höheren Adaptionsgrad im Unternehmen. Die Erhöhung der Kollaborationsfähigkeit ist aus diesem Grund charakteristisch für das zukünftige Marketing.

Prof. Dr. Brian Rüeger Leiter des Instituts für Marketing Management an der ZHAW

Auf was können sich die Teilnehmenden nun konkret freuen?

Valerio Stallone: Nebst dem fachlichen Austausch, ist sicher der persönliche Austausch zentral bei unserem Anlass. Es sind unterschiedliche Personen vor Ort, von Studierenden bis zu Führungskräften mit langjähriger Erfahrung. Unser Bestreben die Praxis mit der Wissenschaft zu vereinen, ist deshalb keine Floskel, wir wollen mit diesem Anlass tatsächlich die Gelegenheit zu einer besseren Vernetzung geben. Wir sind überzeugt, dass dieser Austausch neue Erkenntnisse bei allen Beteiligten generieren wird.

Ganz konkret stehen natürlich die Keynotes und die Workshops im Vordergrund. Wir wollten nicht die typischen bekannten Paradebeispiele präsentieren, sondern wir wollten ganz bewusst die Schweizer Realität berücksichtigen. Aus diesem Grund kommen auch die Keynotes von diversen Schweizer Unternehmen, die selber mit den aktuellen Fragestellungen konfrontiert sind. Unter den Referenten finden sich Naemi Benz (VP Operations) von Ava AG und Dominic Millioud (Geschäftsführer) von eat.ch. Ergänzt werden die Referate durch wissenschaftliche Einblicke des Teams des ZHAW Instituts für Marketing Management.

Mehr verrate ich aber nicht, am besten man kommt einfach persönlich vorbei!

Valerio Stallone vom Institut für Marketing Management ist für die Organisation des Future of Marketing Events verantwortlich

Mehr Informationen unter: https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imm/ueber-uns/future-of-marketing/

„Try and Error“ im Marketing der Zukunft

Am 28. Oktober 2019 findet der  Future of Marketing Event in Winterthur statt. Spannende Vorträge und Diskussionen rund um zukünftige Trends und Entwicklungen im Marketing erwarten die Teilnehmenden. Um einen kleinen Vorgeschmack davon zu kriegen, welche Themen behandelt werden, haben wir mit Nicolas Bürer, Geschäftsführer bei digitalswitzerland, gesprochen. Er wird am Event ein Referat über Collaboration im digitalen Zeitalter halten.

Erfolg ist heutzutage im Alleingang unmöglich. Aufgrund der Komplexität im digitalen Zeitalter ist Zusammenarbeit gefordert. Was werden Sie uns bezüglich Collaboration am Future of Marketing Event erzählen?

Die Welt wird zunehmend globaler, noch vernetzter und somit komplexer. Insbesondere die Industrien durchleben einen grossen Wandel. Sie verschmelzen und werden «more connected». Heutzutage werden Firmen durch die Digitalisierung vermehrt zu Techfirmen. Ich werde diesbezüglich am Event erzählen, was genau vor sich geht da draussen und vor allen Dingen die neuen Trends aufzeigen. Auch werde ich beleuchten, was man in der Schweiz vom digitalen Wandel spürt. Ich werde dies an Beispielen vorführen, sowohl im B-2-C Bereich, als auch im B-2-B.

Was für einen Einfluss hat Collaboration im digitalen Zeitalter auf das Marketing?

Das Marketing wird auf jeden Fall herausgefordert. Zukünftig wird man kollaborativ denken und aus den starren Silos herausbrechen müssen, wenn man mit der Dynamik mithalten will. Das Marketing wird auch vermehrt den Fokus auf Tech-Anbieter verlegen müssen. Aufgrund der verschiedenen Industrien, die miteinander verschmelzen und den transversalen Technologien wird für Funktionen wie das Marketing Interdisziplinarität gefragt sein. In dieser 3D-Matrix ist innovatives Denken notwendig.

Nicolas Bürer, Geschäftsführer bei digitalswitzerland, setzt auf innovatives Denken © Nicolas Bürer

Was zeichnet eine erfolgreiche Zusammenarbeit aus?

Wichtig ist es, Offenheit und Interesse an out-of-the-box Anbietern zu zeigen. Typischerweise an Tech-Anbietern, welche Technologien anbieten, die industrieweit angewandt werden. Kollaborative Innovation bedeutet viel auszuprobieren. Eine Strategie festzulegen ergibt nicht mehr viel Sinn, da sich alles so schnell ändert und das innerhalb kürzester Zeit. Vielmehr sollte man nach dem Prinzip «Try and Error» vorgehe:. Ausprobieren, analysieren, wiederholen.

Was erwarten Sie selbst vom Future of Marketing Event?

Ich erwarte vor allem Inspiration. Weiter erhoffe ich mir einen Einblick zu bekommen, was in der Marketing Branche aktuell passiert. Ich erwarte von den anderen Speakern viel Offenheit und Neugier Neues auszuprobieren. Es sollte für alle, nicht nur für das Publikum, ein Kick sein mutiger zu werden und mehr auszuprobieren.

Für neugierige Besucher: Sichern Sie sich jetzt Ihre Plätze und seien Sie dabei, wenn Wissenschaft auf Praxis trifft! https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imm/ueber-uns/future-of-marketing/

Spürbare Resultate nach dem CAS Marketing & Kommunikation in NPO

Eine solide Basis in der Marketingkommunikation ist auch für Non-Profit Organisationen entscheidend. Der CAS Marketing & Kommunikation in NPO gibt die nötige Grundlage dazu. Susanne Stadler hat den CAS besucht und erzählt uns mehr über ihre Erfahrungen und wo ihr dieser Lehrgang weitergeholfen hat.

Susanne Du hast Dich für eine Weiterbildung interessiert, warum hast Du Dich für den CAS Marketing & Kommunikation in NPO entschieden?

Mein Arbeitsschwerpunkt in der Evang.-reformierten Kirchgemeinde Bülach liegt im Bereich Kommunikation, sowohl intern als auch extern. Mit ca. 10’000 Mitgliedern ist Bülach eine der grössten Kirchgemeinden im Kanton Zürich mit Strahlkraft in die Region und mit Vorbildfunktion für andere Kirchgemeinden. Der CAS Marketing & Kommunikation in NPO war für mich das passende Angebot, weil es einen grossen Unterschied macht, ob man mit bescheidenen Ressourcen aus Steuergeldern wirksame Kommunikation plant und umsetzt oder mit einem grosszügigen Kommunikationsbudget arbeiten kann, wie das in Wirtschaftsunternehmen der Fall ist. Mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen, arbeiten wir professionell und sparsam.

Wie war dieser Kurs für Dich?

Für mich war es sehr bereichernd, mit Fachleuten aus ganz verschiedenen Non-Profit-Bereichen theoretische und praktische Aspekte von Kommunikation und Marketing zu erarbeiten. Das entstandene Netzwerk aus Teilnehmenden und Dozenten ist sehr wertvoll für mich. Im Verlauf der Weiterbildung konnte ich viel über andere NPOs lernen und Erfahrungen mit meinen Mitstreitern austauschen. Ausserdem hat es einfach Spass gemacht, mal wieder die Schulbank zu drücken und Neues lernen zu dürfen.

Susanne Stadler ist Absolventin des CAS Marketing & Kommunikation in NPO

Wie haben Dir die Inhalte gefallen? Kannst Du etwas davon für Dein Berufsleben auch tatsächlich nutzen?

Natürlich waren nicht alle Inhalte gleich relevant für meine tägliche Arbeit, aber auch die weniger relevanten Einheiten haben dazu beigetragen, den Blick für das «grosse Bild» zu schärfen. Meine persönlichen Highlights mit «Wow-Effekt» waren u.a. die Unterrichtseinheiten mit Vertreterinnen von Spinas Civil Voices, einer Kreativagentur für zivilgesellschaftliche Themen, und mit einem freischaffenden Fotografen. Besonders wertvoll für meine tägliche Arbeit ist ein vertieftes Wissen in den Bereichen Social Media und Fundraising aber auch die theoretischen Grundlagen zur Erarbeitung von Marketing- und Kommunikationskonzepten. Die Reichweite und Dynamik unseres Facebook-Auftritts haben sich spürbar verbessert, und die intensive Auseinandersetzung mit der Formulierung von Zielen, Strategien und Massnahmen haben bereits sehr bei der Erarbeitung und Formulierung unserer Amtsdauerziele geholfen.

Wie waren die Dozenten? Warst Du zufrieden mit den Lehrkräften?

Unsere Dozenten waren ausnahmslos Vollprofis mit viel Erfahrung aus der Praxis. An vielen Beispielen konnten wir hautnah Ursache und Wirkung aus der Nähe betrachten. Immer wieder schafften es die Dozenten, dass wir Teilnehmenden über uns hinauswachsen konnten, weil wir unsere eigene Organisation aus neuen Blickwinkeln betrachteten und uns intensiv mit Vision und Mission auseinandersetzen mussten.

Fühltest Du Dich während des Lehrgangs gut betreut?

Die Weiterbildung war sehr gut organisiert, die Erreichbarkeit der Studienleitung und auch der Dozenten jederzeit gewährleistet. Für die Beratung und Unterstützung während der Erarbeitung der Konzeptarbeit im zweiten Teil des CAS war ich sehr froh.

Würdest Du diesen Kurs anderen weiterempfehlen?

Den Kurs CAS Marketing & Kommunikation in NPO kann ich jedem Allrounder empfehlen, der besser verstehen möchte, wie eine NPO mit Erfolg nach aussen und innen sichtbar gemacht werden, wie sie positioniert werden kann und welche Kommunikationsinstrumente wie eingesetzt werden können.

CAS Marketing & Kommunikation in NPO: ttps://weiterbildung.zhaw.ch/de/school-of-management-and-law/programm/cas-marketing-kommunikation-in-npo.html

Hier sind alle Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Marketing zu finden: https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imm/weiterbildung/

Hier sind alle Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Sozialmanagement zu finden: https://www.zhaw.ch/de/sozialearbeit/weiterbildung/weiterbildung-nach-thema/weiterbildungen-am-institut-fuer-sozialmanagement/

Human Branding – aus Menschen werden Marken

Von den ZHAW Studierenden Lidia Zambonin, Corina Kälin, Matthias Lückl, Marko Ivic

Fussballer sind beliebte Werbeträger für die Vermarktung von Produkten. Personifizierte Marken, auch Human Brands genannt, bergen jedoch Risiken. Die IFM International Football Management GmbH ist ein Beratungsunternehmen für Fussballer, das schon seit dreissig Jahren in diesem Gebiet tätig ist. Franco Moretti, Vizedirektor und Spielerberater bei der IFM, hat mit uns über die Bedeutung und Tücken der Werbung mit Fussballern gesprochen.

Erhalten die Spieler ein Coaching für den Umgang mit Social Media und Medien?

Ja, wir versuchen die Spieler auf jeden Fall hinsichtlich den Medien zu sensibilisieren. Auf den Social Media Kanälen wird viel Marketing betrieben, aus diesem Grund ist es wichtig, den Spielern ein konformes Verhalten auf den sozialen Medien aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, was man preisgeben darf und was nicht. Diese Sensibilisierung ist natürlich auch im Interesse der Vereine. Sie haben ihre Profi Spieler, die ebenfalls entsprechende «Schulungen» durchführen müssen. Die jungen Spieler müssen sich ab einer gewissen Profi-Stufe daran gewöhnen, dass ihr online Verhalten von der Öffentlichkeit mitverfolgt wird.

Diese Sensibilisierung bezüglich Medien ist also nicht nur Ihre Aufgabe als Berater, sondern auch die der Vereine?

Genau, es ist gut, wenn die Spieler von verschiedenen Seiten Inputs erhalten. Der Verein hat natürlich ein Interesse daran, dass keine vereinsschädigenden Informationen verbreitet werden. Wir hatten einmal einen Fall, bei dem ein Spieler seinen Twitter-Account durch eine Drittperson, seinem Kollegen, geführt hat. Als dieser Spieler in einem Spiel nicht eingewechselt wurde, hat sein Kollege sich darüber geärgert und via Twitter-Account des Spielers Dampf abgelassen, was natürlich fatal ist. Der Spieler musste sich nicht nur gegenüber dem Verein rechtfertigen, auch war es noch im Nachgang des Spiels ein Thema im Sportstudio. Es ist also Vorsicht geboten, über was man schreibt.

Franco Moretti © IFM International Football Management GmbH

Wie ist das Vorgehen bei der Vermittlung von Sponsoring-Verträgen? Werden persönliche Präferenzen der Spieler mitberücksichtigt?

Ich finde es wichtig, dass sich die Spieler auf Fussball konzentrieren, denn damit verdienen sie schliesslich ihr Geld. Es ist ihnen aber selbst überlassen, ob und wieviel sie nebenbei noch im Werbegeschäft tätig sein wollen. Ich weise die Spieler dann jeweils darauf hin, dass es Konsequenzen haben kann. Für die Journalisten kann es nämlich schnell heissen «Für Werbung hat der Spieler Zeit, aber für den Verein ist er nicht da». Dieses Risiko muss den Spielern bewusst sein. Bei einer Einzelvermarktung, das heisst, wenn ein Sponsor mit einem einzelnen Spieler Werbung machen will, übernehmen wir die Vertragsverhandlungen. Generell steht für mich aber der Mensch im Mittelpunkt; der Spieler entscheidet im Endeffekt selbst und das kann und will ich ihm auch nicht abnehmen. Hinsichtlich Sponsoring der Nationalmannschaft sieht es anders aus. Wenn eine Firma mit der Nationalmannschaft Werbung machen will, müssen mindestens drei Spieler involviert sein. In solch einem Fall können sie sich schlecht entziehen, werden aber finanziell entschädigt.

Welche Faktoren werden bei der Bewertung des «Markenwertes» eines Spielers berücksichtigt?

Ein wichtiger Faktor ist heutzutage sicherlich die Anzahl Follower, die ein Spieler auf Social Media besitzt. Es kann teilweise als unfair erachtet werden, wenn bei der Repräsentation der Nationalmannschaft eine starke Differenz bezüglich der Follower-Anzahl besteht, aber alle Spieler gleich viel verdienen. Nebst den Followern analysieren die Werbeprofis der Sponsoren auch die Spieler selbst, beispielsweise was für eine Aussenwirkung sie haben. Zusätzlich gibt es auch Unterschiede zwischen Persönlichkeiten der Spieler. Es gibt solche Spieler, die eignen sich gut für eine Werbung aufgrund einer speziellen Eigenschaft, wie der Frisur und andere wiederum weniger, da sie beispielsweise unscheinbar sind, aber durchaus Top Spieler.

Für Fussballspieler gehört Training nicht nur auf dem Spielfeld, auch für die Medienwelt müssen sie fit sein © Pixabay

Wie gehen Sponsoren damit um, wenn zum Beispiel die Nationalmannschaft von Adidas gesponsert wird, aber einzelne Spieler mit Nike einen Vertrag haben?

Das kann durchaus zu Konflikten und Diskussionen führen. Ein Klassiker ist Sponsoring für die Schuhe. Jeder Spieler selbst entscheidet mit wem er einen Sponsoring-Vertrag eingeht. Die Nationalmannschaft hat ebenfalls einen separaten Vertrag. Beim Schweizer Verband (zuständig für die Nationalmannschaft) muss man jedoch zuerst die Erlaubnis einholen, bevor man einen neuen Werbevertrag abschliesst, um genau solche Interessenskonflikte zu vermeiden, ausser bei den Schuh-Verträgen.

Inwiefern können sich die Spieler im Privatleben von Sponsoring abgrenzen?

Natürlich ist es aus Sicht der Sponsoren wünschenswert, wenn sich die Spieler auch privat mit den gesponserten Artikeln zeigen. Besonders wichtig ist es bei offiziellen Terminen, Fernsehauftritten, Sponsoren-Anlässen oder Nationalmannschaftsauftritten. Da ist seitens der Spieler Fingerspitzengefühl gefragt. Wir hatten vor zwei Jahren einen Fall, bei dem ein Spieler mit einem Alfa Romeo zu einer Autogrammstunde des Vereins gekommen ist in einem Autohaus einer anderen Marke. Das geht natürlich nicht.

Welche persönliche Einschätzung haben Sie bezüglich den Auswirkungen der Doppeladler-Affäre, im Weltmeisterschafts-Spiel der Schweiz gegen Serbien, auf den Einzelspieler wie auch auf die Nationalmannschaft? Wird sich das langfristig noch negativ auswirken?

Dieses Ereignis ist bei uns kontrovers diskutiert worden. Man muss schlussendlich ein Thema auch abschliessen können. Ich denke, es war sicherlich hilfreich, dass die Nationalmannschaft kurz darauf einen Erfolg vorweisen konnte, als sie das Spiel gegen Belgien gewonnen hat, sonst hätten die Journalisten wahrscheinlich noch länger an diesem Thema festgehalten. Auf diese Weise konnte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wieder auf ein positives Ereignis gelenkt werden.

Hitziger Abschluss des CAS Marketing- & Corporate Communications

Die schnellen Veränderungen im Marketing und in der Kommunikation verlangen nach Spezialisten, die auf strategischer Ebene schnell reagieren können. Der CAS Marketing- & Corporate Communications hilft den Absolventen ihren persönlichen Rucksack mit wichtigem Wissen zu füllen. Dieses Semester war der Abschluss für die Klasse besonders herausfordernd.

Im CAS MCC lernen die Teilnehmenden wie sie in jeder Situation optimal kommunizieren können. Nach einem langen und intensiven Semester, mussten sie dies am Abschlusstag auch gleich unter Beweis stellen. Die heissen Temperaturen machten die Abschlusspräsentationen nicht einfacher. Dennoch galt es das Gelernte anzuwenden, „cool“ zu bleiben und sich nichts anmerken zu lassen. Das Medientraining hat seine Wirkung gezeigt, denn alle präsentierten souverän ihre Konzepte und konnten spannende Strategien vorstellen.

Kombination ist hier die Devise

Mit dem erfolgreichen Abschluss des CAS MCC ging für die Klasse ein anstrengendes Semester zu Ende. Seit Februar füllten sie ihre Wissensspeicher auf und durften diverse Themen aus den Bereichen Marketing & Kommunikation erlernen. Neben der strategischen Unternehmenskommunikation, kam auch der digitale Aspekt sowie Multimedia nicht zu kurz. Aufgezeigt wurde auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, das Vorgehen in Krisensituationen und natürlich auch die rechtlich korrekten Handlungsweisen. Diverse Dozenten mit breiter Praxiserfahrung durften ihr Wissen an die Klasse weitergeben. „Dieser CAS ist schon lange sehr erfolgreich, weil er die beiden wichtigen Bereiche Marketing & Kommunikation nicht trennt, sondern kombiniert – genauso, wie das auch im echten Berufsleben der Fall ist„, sagt Studiengangleiterin Dr. Adrienne Suvada vom Institut für Marketing Management.

Erfolgreicher Abschluss des CAS MCC © J. Bächler

Umsetzung in der Praxis

Nach den erfolgten Präsentationen, war die Erleichterung bei allen spürbar. Die grosse Mehrheit darf sich nun auf die wohlverdienten Sommerferien freuen. Einige sind aber schon voller Tatendrang und setzen das Gelernte bereits in der Praxis um. „Es hat grossen Spass gemacht diese Klasse und ihre Lernfortschritte zu begleiten. Wir werden sicher noch viel von den Teilnehmenden hören und freuen uns, wenn sie in der Kommunikation erfolgreiche Projekte verwirklichen„, meint Dr. Adrienne Suvada. Weitere aus der Runde spielen schon mit dem Gedanken den nächsten CAS zu absolvieren, schliesslich hat man nie ausgelernt. Das Weiterbildungsportfolio des Instituts bietet hier ja mehr als genug Angebote und so ist es gut möglich, dass man einige bekannte Gesichter wiedersieht.

Weitere Informationen zum CAS: https://www.zhaw.ch/de/sml/weiterbildung/detail/kurs/cas-marketing-corporate-communications/

Co-Creation oder gemeinsam fortschreiten

Von Silvana Ulber

Ganz grundsätzlich werden Menschen gerne um ihre Auffassung der Dinge gefragt. Sie fühlen sich dadurch in eine Entscheidung, einen Ablauf oder einen Umstand einbezogen. Akzeptieren die Situation dadurch nicht nur viel eher, sondern setzen sich höchstwahrscheinlich auch gegenüber Dritten dafür ein. Weiter gesteigert wird diese Wahrscheinlichkeit, wenn Mitmenschen, Mitarbeitende oder Kunden ihre Vorstellungen nicht nur kundtun, sondern mitarbeiten, mitgestalten und mitentscheiden dürfen. Von Co-Creation ist dann die Rede.

Werden Verbraucher oder Mitarbeitende aktiv um deren Erwartungen, Erfahrungen, Vorstellungen und Optimierungsmöglichkeiten gefragt und um Mitarbeit gebeten, kommt oftmals ein grosser Fundus an Inputs zusammen. Nicht alle davon sind umsetzbar. Doch ergibt es Sinn, die Rückmeldungen zu prüfen. Kann Produkt oder Dienstleistung XY mit den eingegebenen Kommentaren, Ideen und Erarbeitungen optimiert werden? Der Profit ist nicht nur ein besseres Produkt bzw. eine bessere Dienstleistung. Dieses entspricht nun viel eher dem Kundenbedürfnis, was Produkt bzw. Dienstleistung beliebter machen kann. Die Folge: Zufriedene Kundinnen und Kunden oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – je nach Stakeholder, den man für den Einbezug gewählt hat. Ihnen hat man durch Zuhören und die Möglichkeit der Partizipation die Wertschätzung gegeben, dass ihre Vorstellungen und Ideen wichtig sind und zählen. Ihre Haltung zum Unternehmen wird damit positiv beeinflusst.

Starke Verbindung zur Zielgruppe

Als Best Practice dient die LANDI Schweiz AG. Sie bezieht mit dem Programm Farm-Erfa Geschäftsführer von LANDI Läden in ihre Wertschöpfungskette mit ein. In Arbeitsgruppen und Workshops wird gemeinsam an Produktverbesserungen oder -entwicklungen gearbeitet sowie über mögliche neue Services mit nationaler Strahlkraft beraten. Entscheidend für die Teilnahme bei Farm-Erfa: ein landwirtschaftlicher Hintergrund mit sehr starker Verbindung zur Zielgruppe «Landwirte», die aufgrund dieses ausgeprägten Bezugs durch die am Programm teilnehmenden Geschäftsführer miteingebunden ist. Simon Gfeller, Leiter Marketing & Verkauf bei LANDI Schweiz ist überzeugt: «Gemeinsam erarbeitete Ideen führen zu einer höheren Identifikation mit dem Produkt, dem Konzept und auch der Marke LANDI an und für sich». Gemessen werde der Erfolg des Einbezugs anhand von KPI (Key Performance Indicator) zu Indikatoren wie beispielsweise dem Umsatz pro Warengruppe oder der Reduktion von Abschreibern. «Auch wenn der Aufwand für den Austausch in den Arbeitsgruppen beträchtlich ist, der Mehrwert dieses gezielten Vorgehens ist enorm», sagt Gfeller weiter.

Farm-Erfa-Vertreter mit Marketing- und Verkaufsleiter Simon Gfeller (7. v. l.) ©LANDI Schweiz AG

Nur für die grossen Player?

Dass Co-Creation auch bei KMU funktionieren kann, zeigt ein unspektakuläres aber erfolgreiches Beispiel des Akademischen Sportverbands Zürich (ASVZ). Auch der ASVZ möchte seine Zielgruppe – die Studierenden der Zürcher Hochschulen – bei der Ausgestaltung seines Sportprogramms vermehrt ins Boot holen. Im Gespräch mit Vertretern dieser Zielgruppe erkannte man das Bedürfnis nach einem Sportangebot, das das Spielen des Turnunterrichts der Primar- und Oberstufe ermöglicht. Der ASVZ unterstützte einen entsprechenden Pilotversuch mit Beratung, Equipment, Räumlichkeiten sowie Kommunikationsmassnahmen. Was aus einem Bedürfnis und einer Idee der Zielgruppe entstand, gemeinsam zum Pilotversuch «FätzBall» entwickelt wurde, wurde im Frühjahr 2019 aufgrund der grossen Beliebtheit schliesslich als Sportart «Burner Games» ins ASVZ-Sportprogramm aufgenommen. Ob der ASVZ damit um eine Kult-Sportart reicher ist, wird sich weisen.

Die ASVZ-Sportart «FätzBall» ist im Gespräch mit der Zielgruppe entstanden ©ASVZ

Fürsprecher gewinnen und an sich binden

Beide Beispiele haben eines gemeinsam: Gewonnen haben mit Co-Creation alle Beteiligten. Die eingebundenen Stakeholder ihrerseits fühlen sich ernst genommen und wertgeschätzt, weil sie durch den Meinungsaustausch und ihre Mitarbeit Produkte und Dienstleistungen optimieren und davon – sei es als Verkäufer/Dienstleister oder auch als Endkunde – direkt profitieren können. Das Unternehmen seinerseits erhält wichtige Einblicke zu Interessen, Verhalten, Vorstellungen und Gedanken der eingebundenen Stakeholder. Es kann das Angebot der Nachfrage und den Bedürfnissen entsprechend aufbereiten und erhält aufgrund dieser Vorgehensweise zufriedene und loyale Fürsprecher und Multiplikatoren für Produkte, Dienstleistungen und die Marke. Mitmach-Marketing mit den besten Voraussetzungen für optimale Kunden- und Mitarbeiterbindung.

Über die Autorin

Silvana Ulber ist Leiterin Kommunikation beim Akademischen Sportverband Zürich (ASVZ) und mag an ihrem Berufsalltag ganz besonders, dass ein grosser Bestandteil aus Austausch und gemeinsamem Erarbeiten von Ideen besteht. Denn sie ist ein grosser Fan von Miteinander und Teamarbeit, und auch wenn der Ausdruck etwas ermattet, so lebt sie ihn doch: gemeinsam sind wir stark. Zur Zeit absolviert sie an der ZHAW innerhalb des MAS Marketing Management den CAS Marketing- und Corporate Communications.