Keine digitalisierten Emotionen im Brautmodenbusiness

Trotz Digitalisierungsdruck, eine Branche setzt noch immer auf direkten Kundenkontakt und dies betrifft vor allem die Brautmode. Ein Kleid auf der Internetseite zu sehen ist eine Sache, es dann anzuprobieren allenfalls eine ganz andere. Die Fernsehsendung „Zwischen Tüll und Tränen“ auf VOX präsentiert die ganze Woche hindurch Brautläden. Eine der Beraterinnen ist Meike Buschening-Kaffenberger. Wir konnten mit ihr durch die Tüllschichten schauen und erfuhren, welche Rolle das Marketing hier spielt.

Frau Buschening-Kaffenberger Sie betreiben zwei erfolgreiche Brautläden. Können Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang sagen und warum Sie schlussendlich bei der Brautmode gelandet sind?

Ursprünglich komme ich aus der 5* Hotellerie und bin Deutschlands jüngste Guest-Relation-Managerin gewesen. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass die Bereitschaft und der Wille „Dienst zu leisten“ unabdingbar für jeglichen beruflichen Erfolg ist.

Mit meinen Qualifikationen und Erfahrungen aus der Hotellerie habe ich mich dann im Eventbereich und der VIP-Betreuung selbstständig gemacht. Die VIP-Betreuung war mit einer enorm hohen Reisetätigkeit verbunden, was aber aufgrund meiner damals bevorstehenden Heirat und Familienplanung nicht mehr vereinbar gewesen wäre. Deshalb war ich auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung.

Auf der Suche nach einem Brautkleid für meine eigene Hochzeit habe ich erst ein Kleid für die kirchliche Trauung, dann noch ein zweites Kleid für das Standesamt und danach den ganzen Brautladen gekauft. Mein Ziel war es, die Dinge mal anders zu machen. Meine Aufgabe im Hotel ist es gewesen, den Gästen von der Anreise bis zur Abreise einen möglichst angenehmen, entspannten und stressfreien Aufenthalt zu ermöglichen. Diesen Gedanken habe ich einfach auf mein Brautmodengeschäft übertragen: Die Braut vom Kauf des Brautkleides bis zum Tag ihrer Hochzeit mit einem perfekten Rund-um-Service zu begleiten.

Meike Buschening-Kaffenberger betreibt erfolgreich Brautläden und setzt auf eine professionelle Beratung © Meike Buschening-Kaffenberger

Sie haben einen individuellen Stil, der sich von anderen Beratungen abhebt. Welche Prinzipien in der Kundenbetreuung verfolgen Sie und welche Rolle spielt die Ehrlichkeit in einer Beratung?

Vertrauen und Ehrlichkeit sind für mich die zentralen Elemente in der Beratung. Die Braut sollte bereit sein, mir ihr Vertrauen zu schenken. Denn mein Ziel ist es, dass die Braut an ihrer Hochzeit einen besonders strahlenden Auftritt und somit einen unvergesslichen Tag in ihrem Leben hat. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen, Kompetenz und Kenntnisse im Bereich der Brautkleider ist es mir fast immer möglich, ein passendes Brautkleid für jeden Typ von Braut zu finden. Nur wenn ich ehrlich von dem Brautkleid überzeugt bin, kann ich es der Braut verkaufen. Denn eine glückliche und besonders strahlende Braut am Tag ihrer Hochzeit ist eine wandelnde Visitenkarte für uns. Das ist dann die beste Empfehlung für meine Brautmodengeschäfte.

Moderne Bräute informieren sich im Vorfeld im Internet. Wie wichtig ist die physische Beratung im Geschäft und was halten Sie von Beratungspauschalen?

Eine Braut muss „ihr“ Brautkleid spüren und fühlen. Das kann das Internet nicht ersetzen und deshalb wird die physische Beratung in einem Fachgeschäft niemals zu ersetzen sein. Ausserdem entscheiden sich am Ende 80% der Bräute für ein Kleid, welches sie vorher gar nicht in ihren Gedanken hatten. Wie bei allem gibt es auch bei einer Beratungspauschale oder -gebühr Argumente dafür und dagegen. Wenn Bräute die Beratung in den Fachgeschäften nutzen, um danach dann ihr Kleid im Internet suchen, ist es für mich nachvollziehbar, dass Brautmodengeschäfte eine Beratungsgebühr verlangen. Auf der anderen Seite kann eine Beratungspauschale auch dazu führen, dass die Braut in diesem Geschäft sich aufgrund der Höhe der Beratungskosten für ein Kleid entscheidet, welches vielleicht nicht zu 100% „ihr“ Brautkleid ist.

Deshalb gehe ich hier einen Mittelweg. Die erste Beratung ist in meinen Geschäften kostenfrei. Entscheidet sich die Braut am Ende der Beratung für kein Kleid und kommt später noch mal zu einem zweiten Termin, dann berechne ich eine Beratungsgebühr. Diese wird selbstverständlich bei Kauf eines Kleides dann mit dem Kaufpreis verrechnet. Ich denke dieser Modus ist für beiden Seiten eine faire Vorgehensweise.

In der Fernsehsendung „Zwischen Tüll und Tränen“ auf VOX werden Sie regelmässig bei Brautberatungen begleitet. Wie sehen Sie die Bedeutung dieses Fernsehformats und wird hier tatsächlich die Realität abgebildet?

Grundsätzlich bringt das Format Zwischen Tüll und Tränen fünf Tage die Woche für eine Stunde emotionale und glückliche Momente zu den Zuschauern nach Hause. Das steht im Gegensatz zu den zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Themen, die zurzeit öffentlich in den Medien diskutiert werden.

Im Speziellen lernen die Zuschauer durch die grosse Anzahl an Bräuten und die verschiedenen Brautmodengeschäften die ganze Vielfalt an unterschiedlichen Situationen und Beratungsstilen kennen. Meine Erfahrungen ist, dass Bräute schon über den Bildschirm vorab ein grosses Vertrauen zu mir aufbauen.

„Wir erzählen Menschen“, das ist das Credo der Produktionsfirma 99pro media AG und bei dem Format Zwischen Tüll und Tränen gibt es kein Drehbuch, kein Skript und keine Regieanweisungen.

Alle Bräute sind „real brides“, die auf der Suche nach ihrem Brautkleid sind. Es wird die Realität 1:1 abgebildet. Manchmal sind Kundinnen erstaunt, dass ich in der Realität ja genauso bin wie im Fernsehen. Warum sollte ich auch anders sein? Ich bin ja keine Schauspielerin, sondern eine Brautmodenfachverkäuferin, die bei ihrer Berufung von der TV-Kamera begleitet wird.

Wie wichtig ist die Sendung als Marketinginstrument? Konnten Sie dadurch neue Kundinnen gewinnen?

Die Sendung hat sicherlich den Bekanntheitsgrad meiner Geschäfte und von mir gesteigert. Da ich aber vor der Sendung schon über 13 Jahre erfolgreich meine Brautmodengeschäfte geführt habe und bereits in der Branche bekannt bin, ist die Wirkung als Marketinginstrument sicherlich nicht so stark, wie bei Geschäften, die erst vor kurzem eröffnet haben. Was heute für mich immer noch schwer greifbar ist, ist die Reichweite des Mediums TV. So haben wir mittlerweile nicht nur Bräute aus dem gesamten Bundesgebiet, sondern Bräute nehmen den weiten Weg aus Österreich oder der Schweiz auf sich, um ein Brautkleid bei mir in Frankfurt zu finden. Letztes Wochenende hatten wir sogar eine Kundin aus Kanada.

Kunden aus aller Welt in den Brautläden © Meike Buschening-Kaffenberger

Die Sendung bietet sicher viele positive Aspekte, auf der anderen Seite bietet das entsprechende Facebook Profil auch eine Plattform für Meinungsäusserungen aller Art – auch negative. Sie werden oft für Ihre Beratungen gelobt, manchmal gehen die Kommentare aber auch in die andere Richtung. Persönliche Kritik und Angriffe bleiben nicht aus. Wie gehen Sie damit um, wenn einige der Kommentarschreiber nicht mehr sachlich sind?

Meiner Meinung nach geht es in der Sendung in erster Linie um die Braut, ihr Brautkleid und die Beratung. Jede Brautmodenverkäuferin hat ihre eigene Persönlichkeit und Beratungsphilosophie. Darüber darf gerne auch mal kritisch, aber immer sachlich diskutiert werden. Kritik oder Angriffe, die unter der Gürtellinie sind, treffen natürlich einen immer persönlich. Die Diskussion in den sozialen Netzwerken z.B. ob ich Frau, Mann oder „umgebaut“ bin, ist ziemlich unpassend gewesen. Hier habe ich dann öffentlich und direkt zu den entsprechenden Kommentaren meine Meinung sachlich und höflich geschrieben. Die Unterstützung von den mehrheitlich positiven Kommentarschreibern hat mir in dieser Situation auch sehr geholfen. Es scheint, der richtige Weg gewesen zu sein. Ausserdem halte ich mir immer das Verhältnis von böswilligen Kommentarschreibern zu glücklichen Zuschauern vors Auge. Mathematik ist nicht unbedingt meine Stärke, aber ich glaube, da bewegen wir uns schon im verschwindend geringen Promille-Bereich.

Wie sehen Sie die zukünftigen Entwicklungen im Brautmodenbereich? Müssen auch hier Prozesse vermehrt digitalisiert werden und kann ich irgendwann mein ganz individuelles Brautkleid aus dem 3D-Drucker bestellen?

Sicherlich macht die Digitalisierung auch vor der Brautmodenbranche nicht halt. Dies gilt meiner Meinung nach aber für Prozesse, die im Hintergrund ablaufen. Das passende Brautkleid zu finden, ist für Frauen einer der emotionalsten Momente in ihrem Leben. Auch wenn es immer wieder entsprechende Versuche gibt, bin ich der Meinung, dass Emotionen nicht programmierbar sind und nicht digitalisiert werden können. Deshalb wird es immer das besondere Erlebnis und diesen magischen Moment in einem Brautmodengeschäft geben, wenn die Braut „JA“ zu ihrem Brautkleid sagt.

Zum Schluss, wenn Sie selbst noch einmal ein Brautkleid für sich auswählen dürften, wie würde das aussehen?

Ein Brautkleid für mich würde ich immer wieder genauso auswählen, wie ich es zu meiner Hochzeit im September 2005 getragen habe. Ein Kleid aus festen Stoffen in Ivory mit Farbakzenten in Rosé und ein wenig Bestickung.

Die Brautberaterin mit ihrem Hochzeitskleid © Meike Buschening-Kaffenberger

https://www.brautladen-frankfurt.de

https://www.facebook.com/brautladen

https://www.tvnow.ch/shows/zwischen-tuell-und-traenen-9041

Die nächsten Sendetermine mit Meike Buschening-Kaffenberger bei „Zwischen Tüll und Tränen“ sind voraussichtlich der 18.02.19 und 25.02.19.

Die Zukunft des Marketings ist kollaborativ

Von Dr. Jesse Bächler

Die so trivial klingenden Ziele des Marketings sind auch mit den immer vielfältigeren technischen Möglichkeiten noch immer nicht leicht zu erreichen: «Die delikate Kombination von Gewohntem und Überraschendem fordert aber weiterhin alle Beteiligten heraus – heute sogar mehr denn je. Indem die Zusammenarbeit neugestaltet wird, können Marketing und Kreation aus beiden Welten das Beste herausholen.

Beim alljährlichen Branchentreffen am Medienforschungstag 2018 war vor allem eine Aussage immer wieder zu hören: Im Alleingang ist heute Erfolg unmöglich. Tatsächlich scheint die traditionelle Zweierkiste nicht mehr auszureichen, um der Komplexität im (digitalen) Marketing Herr zu werden. Das klassische Werbeagentur-Modell habe keine Zukunft, stellte Cornelia Harder, CEO und Inhaberin FCB Zürich, auf dem Podium des Medienforschungstags fest.

Podiumsdiskussion am Schweizer Medienforschungstag 2018 in Bern. Von rechts Markus Spillmann (Moderator), Roger Harlacher (CEO Zweifel Pomy-Chips AG), Cornelia Harder (CEO FCB Zürich), Michael Wanner (Geschäftsführer Watson) © Jan Hedlund, evenito.com

Kollaboration erhält die Markenstärke

Markenführung ist ein steter Balance-Akt zwischen Erwartetem und Überraschendem. Um im Markt aufzufallen und im Bewusstsein der Kunden zu bleiben, müssen Brands kreativ sein und laufend neue und spannende Massnahmen entwickeln. Dabei dürfen sie sich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Das Brand Management der Zukunft koordiniert die Werte des Unternehmens und die Ideen der Kreativen. Die Zusammenarbeit wird dabei in manchen Unternehmen so eng, dass die Kreativ-Agentur gleich eingegliedert wird. Der Gewinn dieses Modells ist, dass sich die sprudelnde Kreativität nicht verselbständigen kann und am Ende die Konsistenz der Markenbotschaften verwässert. Je enger das Marketing und die Kreation zusammenarbeiten, desto stärker kann die Marke werden. 

Gemeinsames Vorgehen unumgänglich

Während die Media-Schlacht an der Front gegen die Werberiesen Facebook, Amazon und Google unvermindert tobt, kriselt es auch in der Markenführung zahlloser Unternehmen. Ein gesättigter Markt, abgestumpfte Konsumenten und dezimierte Aufmerksamkeitsspannen ebenso wie rasante technische Entwicklungen und die fragmentierte Mediennutzung fordern das Marketing wie nie zuvor. Man weiss, dass der Konsument weiterhin da draussen ist, aber zerreibt sich an der Frage, mit welcher Botschaft er heute noch wirklich erreicht werden kann. Der Schlüssel zum Erfolg, so Michael Wanner, CEO von Watson, sei gemeinsam vorzugehen. 

Erfolgreiche Kollaboration verlangt neue Meta-Skills

Freilich verändern sich damit die Rollen in den beteiligten Abteilungen ganz profund. Das Marketing kann sich nicht länger damit begnügen, ein Briefing zu erstellen und auf die Ausführung des Auftrags zu warten; die Kreativ-Agenturen müssen sich damit anfreunden, ihre Domäne des schöpferischen Arbeitens bereits sehr früh für Feedbacks aus dem Unternehmen zu öffnen. Für Werbeagenturen, auf der anderen Seite, besteht die Dienstleistung zunehmend darin, die geeigneten Partnerschaften für die jeweilige Aufgabe aufzugleisen und sich mit den Besten der Besten zu vernetzen. Die Markenführung der Zukunft ist nicht ein unternehmensinternes Projekt, das an eine ausführende Agentur delegiert wird, sondern ein geteiltes Ziel mehrerer Stakeholder. Die Schlüsselpositionen benötigen dazu neben ihren Kernkompetenzen immer mehr Meta-Skills der Teamführung und des agilen Managements.

 

 

Product Management 4.0: Hilfe, meine Produkte werden digital! (Teil 2)

Von Linard Barth

Produkte erzeugen immer mehr Daten in allen Phasen ihres Lebenszyklus, wie wir in diesem Blog bereits mit den Beiträgen zu smarten Zahnbürsten und Tennisschlägern aufgezeigt haben. Doch die Reise ist noch lange nicht zu Ende – denn was passiert eigentlich mit dem sogenannten «Digitalen Zwilling» des Produktes, wenn zusätzlich die Daten aus dem Customer Lifecycle Management hinzukommen?

Die Antwort: Es entstehen weitere ungeahnte Möglichkeiten für Innovationen von Produkten und Services und natürlich auch für die Ausgestaltung des Customer Lifecycle Managements – die Daten fliessen ja nicht nur in eine Richtung!

Bis heute ist für viele Unternehmen die Kommunikation mit den Kunden nach dem Kauf des Produktes vorerst beendet und wird erst wieder aufgenommen, wenn der Kunde sich beim Unternehmen für eine Beschwerde, Reparatur oder einen Neukauf meldet. Automatisch «getriggerte» Marketing Massnahmen wie die standardisierte Nachfrage nach Kundenfeedback einige Wochen nach dem Kauf oder die Unterbreitung eines Angebots für einen Wiederkauf kurz vor Ablauf der üblichen Nutzungsdauer erreichen nur wenige Kunden und sind nicht wenigen ein lästiges Ärgernis.

Durch Digitale Zwillinge von Smart Connected Products verändern sich die Interaktionsmöglichkeiten mit den Kunden während der Nutzungsphase der Produkte nun aber grundlegend. Zum einen hat das Unternehmen eine massiv umfangreichere Datengrundlage für die individualisierte Ansprache der Kunden, zum anderen kann der Zeitpunkt der Ansprache über das Produkt im geeigneten Zeitpunkt erfolgen – aus der USP wird die ISP (Individual Selling Proposition) und schlussendlich die SSP (Situational Selling Proposition), wie der Marketing Entertainer Dietmar Dahmen Anfang Jahr auf einer Konferenz eindrücklich erläuterte.

Doch zurück zur langweiligen Theorie: In unserem Framework haben wir uns für die meist verwendete Aufteilung der Customer Journey in 5 Phasen entschieden. Die Customer Journey hat natürlich Parallelen zur Wertschöpfungskette des Unternehmens bzw. zum Lifecycle des Smart Products, wie zum Beispiel die Retention-Phase, welche im direkten Zusammenhang mit der Nutzungsphase (Utilization & Operation) des Smart Products steht. Doch obwohl es Schwerpunkte gibt, können die Phasen nicht 1:1 zugeordnet werden. Es wirken vielmehr alle Phasen des Smart Connected Product Lifecycles auf alle Phasen des Customer Experience Lifecycles, umgekehrt kann der Kunde auf seiner Customer Journey grundsätzlich in jeder Phase Informationen aus jedem Schritt des Smart Connected Product Lifecycles berücksichtigen. Im Idealfall kann der Kunde auch von sich aus direkt über das Produkt einen Informationsfluss auslösen – und plötzlich wird das Unternehmen «getriggert»!

Digital Twin Framework des Product Management Centers (Fuchs & Barth, 2018)

Insbesondere wenn im Digitalen Zwilling nicht nur die Daten des einen konkreten Produktes vorliegen, sondern aller Smart Connected Products des ganzen Unternehmens eröffnen sich enorme Möglichkeiten zu Innovationen des Customer Experience Managements. Fand bis vor kurzem die Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen nur in eine Richtung statt, sprechen heute viele vom «bidirektionalen» Austausch – dabei ist das mit ganzheitlichen Digitalen Zwillingen von Smart Connected Products schon wieder Schnee von gestern, die viel gerühmten dezentralen Netzwerke lassen grüssen!

Wie zum Beispiel die Firma Babolat, deren smarte Tennis Rackets wir bereits vorgestellt haben, ihre Kunden auf eine Mehrwert stiftende Art untereinander, mit sich und ihren Werbeträgern vernetzt, stellen wir im zweiten Teil vor, der Anfang des kommenden Jahres erscheinen wird.

Über den Autor

Linard Barth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projekt- und Studiengangleiter am Product Management Center der ZHAW. Seine Interessen gelten in erster Linie dem Zusammenspiel einzelner Elemente in grösseren Systemen und wie diese konsistent nachhaltig funktionierend ausgerichtet werden können. Dazu erforscht er den Einfluss von Internet of Things, Smart Connected Products und Digitalen Zwillingen auf Business Modelle und Value Propositions. Als ehemaliger Gründer schlägt sein Herz insbesondere für Start-Ups, Entrepreneure und innovative Firmen, welche die genannten Konzepte in der realen Welt umsetzen und berät diese in unterschiedlichen Projekten. Nebenbei leitet er den Studiengang CAS Pricing & Sales, ein Weiterbildungsangebot des Instituts für Marketing Management der ZHAW.

Wichtel-Star Finn macht sich erneut Platz in den Herzen der Menschen

Im letzten Winter rührte Migros-Finn die Welt zu Tränen. Auch dieses Jahr wird der kleine Protagonist dank seiner Sympathie und Bekanntheit für eine weitere Weihnachtskampagne in Szene gesetzt. Da Finn in der Weihnachtszeit selber sehr beschäftigt ist, konnten wir ihn nicht persönlich befragen. Dafür hat sich Désirée Strassmann, Leiterin Dachkommunikation der Migros, bereit erklärt, uns einige Fragen zu beantworten.

Im letzten Jahr eroberte Finn die Herzen von Millionen von Menschen. An einen solchen Erfolg anzuknüpfen ist sehr schwer, wie ging man bei der Migros vor und wo lagen die Herausforderungen?

Finn ist ein grosser Sympathieträger und es wäre eine verpasste Chance gewesen, seine Bekanntheit nicht für eine weitere Kampagne zu nutzen. So ganz einfach war das aber nicht. Wir standen vor der grossen Herausforderung, dass wir im letzten Film das grösste Mysterium überhaupt aufgelöst haben: Unter der Migros-Kasse sitzt ein kleiner Wichtel!

Dieser Überraschungseffekt ist kaum zu überbieten. Das war zumindest meine Befürchtung, als wir das Briefing diskutierten. Wir haben zum Glück mit Wirz eine tolle Agentur an unserer Seite, der das Kunststück gelungen ist, einen zweiten Teil abzuliefern der sich vor Teil 1 nicht verstecken muss.

Finn der kleine Weihnachtswichtel © Wirz/Migros

In den Kommentaren wird gefordert, Finn ab jetzt als „fixe“ Figur zu belassen, ihm wird sogar das Potenzial zugesprochen der neue Weihnachtsmann zu werden. Wie sieht das die Migros? Bleibt uns unser Finn erhalten?

Wenn ich das nur wüsste! Dass Finn eine Schauspielkarriere plant, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen. Er sagt, dass er als Migros-Kassenwichtel den schönsten Job der Welt hat und er sich nichts Besseres vorstellen kann.

Aber wer weiss, vielleicht kann auch ein Wichtel seine Meinung ändern. Wir sind selber gespannt 😉

Wie sind die Reaktionen zur diesjährigen Kampagne und wie kommt die Plüschversion von Finn an?

Wir erhalten sehr viele positives Kundenfeedback auf den diversen Kanälen (Social Media, M-Infoline etc.). Viele Kunden haben sich über das Wiedersehen mit Finn gefreut. Es wird auch fleissig gesammelt, die Plüschfiguren kommen sehr gut an. Im letzten Jahr haben wir unzählige Anfragen betreffend Plüschwichtel erhalten und diesem Kundenwunsch sind wir sehr gerne nachgekommen.

Finn ist extrem positiv besetzt und passt hervorragend in die Weihnachtszeit. Rücken die Hilfsorganisationen und das Thema Spenden nicht in den Hintergrund? Schliesslich sollten die Videos zu mehr Spenden animieren.

Unsere fünf Spendenpartner machen während 12 Monaten einen hervorragenden Job. Sie leisten tolle Aufklärungsarbeiten. Unter anderem auch dadurch können wir als «Spendenvermittler» das Feld ganz anders besetzen.

Die Geschichte rund um Finn ermöglicht uns, die Botschaft «Füreinander da sein. Miteinander spenden» auf differenzierende Art und Weise zu dramatisieren. Daneben nutzen wir aber auch unsere Webseite und das Migros Magazin für den vertieften Informationstransfer.

Wir setzen uns nun schon im fünften (Weihnachts-)Jahr in einem ähnlichen Rahmen für die Bedürftigen Menschen in der Schweiz ein. Es ist natürlich unser Ziel, dass wir, zusammen mit unseren Kunden, möglichst viel Geld sammeln. Wir hoffen aber auch, dass wir durch dieses langfristige Engagement die Bevölkerung nachhaltig sensibilisieren können. Denn Armut existiert. Bei uns in der Schweiz ist sie meist unsichtbar und leise. Es geht zuweilen vergessen, dass fast jede achte Person von Armut bedroht oder betroffen ist. Es wäre schön, wenn wir ein ganz klein wenig dazu beitragen können, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit gerät.

Die Kampagne sorgt für Gänsehaut als Finn seine Eltern wiederfindet © Wirz/Migros

Die Migros ist ein Vorreiter in vielen Belangen. Immer mehr Unternehmen versuchen sich nun auch an Weihnachtsfilmen. Sehr erfrischend war die Interaktion mit Coop. Finn hat ja offenbar den Migros Puderzucker in den Coop Film gebracht. Auf Social Media war für einmal ein äusserst schöner Schlagabtausch zwischen Migros und Coop zu verfolgen. Hat hier das Social Media Team freie Hand und wie wichtig ist eine solche humorvolle Interaktion auf den sozialen Netzwerken?

Ich selber hatte Freude daran, dass unser Puderzucker bei Coop Anklang gefunden hat und natürlich auch an diesem spontanen und sympathischen Schlagabtausch. Da winde ich unserem Social Media Team wie auch demjenigen vom Coop ein kleines Kränzchen. Ich denke, beide Unternehmen haben dadurch viele Sympathiepunkte sammeln können. Hier hat meiner Meinung nach alles gepasst, vor allem, weil es auch spontan entstanden ist. Würde man jetzt entscheiden «wir machen von nun an bei jeder Kampagne einen «Battle»» funktioniert das nicht mehr. Social Media lebt vom Moment und muss authentisch sein. Alles andere wird nicht akzeptiert, zum Glück.

Wir arbeiten sehr eng mit dem Social Media Team zusammen und tauschen uns regelmässig aus. Wir wissen also immer was geplant ist. Da uns hier absolute Profis zur Seite stehen erübrigt sich die Frage nach «freier Hand». Ich selber kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass ich jemals eine Idee abgelehnt habe…

Finn als Plüschfigur © Migros

Die Weihnachtszeit ist vor allem durch Konsum geprägt. Die Marketingkampagnen sind an allen Ecken sichtbar. Wie wichtig ist die Weihnachtszeit für die Migros?

Wie für jeden anderen Anbieter ist diese Zeit auch für uns enorm wichtig, wir befinden uns schliesslich in der Jahresendrallye und in diesen zwei letzten Monaten des Jahres können die Karten nochmals ganz neu gemischt werden. Wie in den vorhergehenden zehn Monaten gilt es, alle Instrumente des Marketing-Mixes optimal aufeinander abzustimmen. Und natürlich genügt es uns nicht, wenn Finn hohe Sympathiewerte erzielt. Auch ein direkter Einfluss auf die kommerziellen Resultate muss erkennbar sein.

Der Hauptprotagonist Finn ist natürlich sehr beschäftigt. Dürfen wir trotzdem nachfragen, wie er mit seinem Ruhm umgeht und, ob er sich schon als Promi fühlt? Was macht die Migros, wenn Finn Starallüren bekommt und nicht mehr in der Kasse „Miep“ machen will?

Migroswichtel sind sehr scheue Zeitgenossen. Aus diesem Grund haben bisher nur ganz wenige Menschen jemals einen Wichtel gesehen. Finn ist ein wenig dickköpfig und weigert sich zurzeit, die Migroskasse zu verlassen. Kassenwichtel sind von Natur aus kleine «Zahlenfresser» und dementsprechend ist Weihnachten für sie das absolute Highlight im Jahr. Aus diesem Grund müssen sie ja leider auch mit mir das Interview führen und nicht mit Finn. Ich kann Ihnen demnach versichern, dass er an der Kasse noch lange nicht ausge-miept hat.

 

Der CAS Marketing- & Corporate Communications – eine Investition, die sich lohnt und nachhaltig ist

Andrea Lippuner erzählt uns ihre Erfahrungen über ihre Teilnahme im CAS Marketing- & Corporate Communications im Herbst 2018. Die Weiterbildung war für sie eine grossartige Gelegenheit, innert kurzer Zeit, vom grossen Wissensschatz von Experten zu profitieren und gleichzeitig die aktuellsten Best Practice Ansätze zu erlernen.

Andrea Du hast Dich für eine Weiterbildung interessiert, warum hast Du Dich für den  CAS Marketing- & Corporate Communications?

Da ich in der Credit Suisse unter anderem für die interne Kommunikation in meinem Bereich zuständig bin, war es mir wichtig, dass ich mein Know-how in der Kommunikation erweitern kann. Ich weiss, wie wichtig eine professionelle Unternehmenskommunikation ist und wollte daher wissen, wie Experten Best Practice Ansätze anwenden und mir einen wissenschaftlichen Background dazu erarbeiten.

Andrea Lippuner erzählt über ihre bereichernden Erfahrungen, welche sie im CAS Marketing- & Corporate Communications machen durfte

Wie war dieser Kurs für Dich?

Der Kurs war sehr lehr- und abwechslungsreich. Ich hätte mir zu Beginn nicht gedacht, dass innert kurzer Zeit ein derart grosser Wissenstransfer möglich ist. Dadurch, dass das erlernte Wissen bereits während des Lehrgangs in die Praxis umgesetzt werden konnte, machte der Kurs viel Freude und das Lernen ging sehr leicht von der Hand. Zudem lernte ich während des CAS viele neue spannende Personen kennen und konnte somit mein Wissen mit anderen Studenten teilen und erweitern.

Wie haben Dir die Inhalte gefallen? Kannst Du etwas davon für Dein Berufsleben auch tatsächlich nutzen?

Jeder Dozent brachte viel Praxiserfahrung mit, dadurch war der Unterricht praxisnah und sehr spannend gestaltet. Der ganze Kurs war für mich wie ein Puzzle, bei welchem man von jedem Dozenten ein Teilstück mitnehmen konnte und am Schluss über ein komplettes Wissenspuzzle verfügt. Da ich bei der Credit Suisse, in meinem Bereich, in der internen Kommunikation mitarbeite, kann ich das Wissen nun jeden Tag gezielt und bewusst einsetzen. Die Bedeutung der Bottom-up sowie Top-Down Kommunikation sind für mich nun keine leeren Worthülsen mehr, sondern zu einem wichtigen Bestandteil meiner täglichen Arbeit geworden.

Im letzten Modul hatten wir zudem die Möglichkeit unser Wissen in Form von einem Kommunikationskonzept 1:1 in die Praxis umsetzen. In 2er Gruppen erarbeiteten wir für eine Firma unserer Wahl ein Konzept. Dadurch, dass jeder Kursteilnehmer einen anderen Erfahrungsschatz mitbrachte, konnten wir enorm voneinander profitieren und es entstanden fruchtvolle Arbeiten, welche wir am Schluss der Klasse präsentieren konnten. Der Austausch mit meiner Mitstudentin und das Abtauchen in ihre Firmenkultur hat meinen Horizont erweitert und meinen Blickwinkel für meine Arbeit vergrössert.

Vom Unterricht gleich in die Praxis und somit aktiv profitieren

Wie waren die Dozenten? Warst Du zufrieden mit den Lehrkräften?

Die Dozenten waren praxiserfahren, motiviert und absolute Profis auf dem Gebiet Marketing / Kommunikation. Für mich war es ein Privileg, von ihrem Wissen zu profitieren und zu lernen. Bereits während meinem Kurs ist mir aufgefallen, dass unsere Dozenten keine Theoretiker sind, sondern in der Praxis sehr gefragt waren. Es kam während dem CAS nicht selten vor, dass wir in der Tageszeitung einen Bericht oder ein Interview von unseren Dozenten entdeckten, bei welchen sie als Experten Auskunft geben durften.

Fühltest Du Dich während des Lehrgangs gut betreut?

Der Lehrgang war sehr professionell organisiert. Bereits vor dem Start haben wir nützliche Unterlagen und Informationen über den Inhalt des Kurses erhalten und konnten uns somit einen Überblick über die kommenden Module verschaffen. Zusätzlich wurden wir jeweils gut auf die Prüfungen vorbereitet. In jeder Stunde hatten wir während sowie nach dem Kurs genügend Gelegenheit, allfällige Fragen aus unserem Berufsleben zu stellen und den Rat von Profis einzuholen.

Würdest Du diesen Kurs anderen weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Ich würde diesen Lehrgang jedem ans Herz legen, welcher in irgendeiner Form im Berufsleben Schnittstellen mit Kommunikation oder Marketing hat. Zusätzlich bekommt man in diesem Kurs die Gelegenheit, das Netzwerk zu erweitern und kann wertvolle Kontakte in andere Unternehmungen aufbauen.

CAS Marketing- & Corporate Communications:

https://weiterbildung.zhaw.ch/de/school-of-management-and-law/programm/cas-marketing-corporate-communications.html

Hier sind alle Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Marketing zu finden:

https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imm/weiterbildung/

In vier Monaten fit für Health Care Marketing – ein Erfahrungsbericht

Im Folgenden erzählt uns Linh Lüthi über ihre Motivation und Erfahrungen in Bezug auf Ihre Teilnahme im CAS Health Care Marketing im Frühjahr 2018. Die Weiterbildung war für sie sehr bereichernd, sie hat ihre Kompetenzen im Health Care Bereich erweitert und auch neue Fähigkeiten erlernt*.

Erzähl uns kurz etwas zu Deiner aktuellen beruflichen Tätigkeit?

Ich bin seit bald zehn Jahren als Produktespezialistin bei einem global tätigen Medizintechnik-Unternehmen tätig. Meine Kunden sind Chirurgen, OP-Personal und Spital-Einkäufer in der Schweiz, die wir zu sogenannten ‘Stapling Devices’ betreuen. Diese erlauben es, Gewebe minimalinvasiv zu durchtrennen und durch Klammern statt Nähten schnell und sicher zu schliessen. Mit den neu gewonnenen Fähigkeiten aus meinen CAS-Weiterbildungen werde ich aber demnächst eine neue, spannende Aufgabe als Business Development Managerin bei einem führenden Gesundheitskonzern annehmen.

Gruppenbild vom letzten Tag des CAS-Kurses © Jens Haarmann

Was hat Dich motiviert den CAS Health Care Marketing zu belegen?

Ich arbeite bereits seit 15 Jahren im Health Care Bereich und konnte dort viel praktische Erfahrung sammeln. Mir fiel auf, dass man im Vertrieb oft meint auf Basis der eigenen Kunden den Markt vollends zu verstehen und Trends gut erkennen zu können… aber ist das wirklich so?

Persönlich wollte ich mir ein fundierteres Wissen zu Themen wie den Swiss DRG und rechtlichen Rahmenbedingungen aneignen. Ich suchte ausserdem anwendbare Analysetools, z.B. um die Abläufe in der Patientenakquisition und -betreuung genauer zu verstehen. Das betriebliche Umfeld eines Chirurgen von heute hat sich im Vergleich zu vor 15 Jahren gewandelt. So ist z.B. die mir zur Verfügung stehende Zeit bei Kunden knapper geworden. Dafür müssen die Termine bei medizinischen und kaufmännischen Entscheidungsträgern systematischer vorbereitet sein und die Inhalte genügend Relevanz für den Kunden haben. Gute Beratung bedeutet für mich nicht nur über unsere Produkte zu informieren, sondern auch Klinik- und Praxisbetrieb mit Rat und Tat zu unterstützen.

Im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung habe ich mir überlegt, wie man sich langfristig im Vertrieb differenzieren kann. Nicht zuletzt helfen innovative und digitale Marketingtools, um Patienten gezielter anzusprechen. Das erlernte Wissen über das Gesundheitssystem, die Kenntnisse über regulatorische Besonderheiten in der Medizintechnik und die Entwicklung eines Marketingplans hilft mir bei der Umsetzung einer Stossrichtung. Damit kann ich Kunden ganzheitlicher beraten und ich fühle mich auf neue Entwicklungen im Markt besser vorbereitet.

Was waren die Kurs-Highlights für Dich?

Der Kurs war inhaltlich sehr abwechslungsreich und hat viele zentrale Aspekte des Health Care Marketings abgedeckt, die ich für meinen Job benötige. Zum Beispiel wurde behandelt, welche Art Werbung für eine Praxis oder Spital überhaupt erlaubt ist. Wir bearbeiteten Fallstudien zu Schweizer Kliniken und diskutierten deren Marketingstrategien. Wir erfuhren, welche Websiteinhalte bei unterschiedlichen Zielgruppen besonders wirkungsvoll sind.

Als besonders hilfreich für das praktische Verständnis habe ich die Besuche mehrerer Unternehmen und Kliniken empfunden und die dadurch gewonnen vertieften Einblicke in ihre konkreten Marketingaktivtäten. Wir waren an den Hauptsitzen von BrainLab, Arthrex und der ISAR Klinik in München, haben in Winterthur die Privatklink Lindberg und in Stäfa Phonak besucht. Beeindruckt haben mich zum Beispiel BrainLab und deren Firmenkultur, sowie der Pioniergeist der Mitarbeitenden.

Linh Lüthi erzählt über ihre Erfahrung im CAS Health Care Marketing © Linh Lüthi

Im Kurs waren Teilnehmer aus der Health Care Industrie, aus Kliniken und Ärztezentren gemischt. Wie fandest Du es beide Perspektiven im Kurs zu haben?

Die Stimmung in der Klasse war toll, wohl auch weil uns die Tätigkeit im Gesundheitswesen verbunden hat. Der Erfahrungsaustausch mit den praxiserfahrenen Dozenten und Gastreferenten sowie den Kollegen aus Kliniken, Marketing, Vertrieb und MedTech-Forschung war für mich sehr bereichernd. In den Gruppenarbeiten haben wir so stets mehrere Blickwinkel und neue Hintergründe kennengelernt.

Was denkst Du, hat Dir der Kurs für den Berufsalltag gebracht?

Mir hat der CAS Health Care Marketing viel gebracht. Ich weiss nun, wie ich die Grösse und Attraktivität eines Marktes genauer evaluiere und welche Analysen ich in der Marketing- bzw. Service-Strategie im Schweizer Gesundheitssystem einsetzen kann. Es gibt mir mehr Sicherheit in Diskussionen mit unseren Kunden, aber auch innerbetrieblich eigene Ideen überzeugender präsentieren zu können. Daher kann ich allen, die im lokalen Gesundheitswesen arbeiten und ihre Marketingfähigkeiten effektiv weiterentwickeln möchten, den Kurs wirklich empfehlen.

Health Care Marketing an der ZHAW

Ob Zuweiser-Marketing, MedTech-Innovationen oder HealthTech-Start-ups, auch in Forschungs- und Studentenprojekten beschäftigt sich das Institut für Marketing Management mit Marketing- und Innovationsherausforderungen auf der Spital- und Industrieseite.

Die neue Vortragsreihe ‘Walk-the-Talk in Health Care Marketing’ soll dabei den Best Practice & Apéro-Austausch unterstützen: Am 15.11.2018 machte abends in Zürich dazu Prof. Krummel der renommierten Stanford University den Vortragsauftakt mit: „The Silicon Valley Approach to Innovating Medical Technology.“

* Das Interview erschien bereits auf MedInside.

Wie sieht der Marketeer der Zukunft aus?

Am Future of Marketing Event konnten wir einige Experten abpassen und herausfinden, wie für sie der Marketeer der Zukunft aussieht. Eins ist schon mal klar, so ganz lässt sich der Marketeer nicht in eine Schublade einordnen, auch seine Fähigkeiten ergeben kein einheitliches Bild. In einem immer schneller verändernden Umfeld ist es nämlich von besonderer Relevanz, sich schnell auf neue Trends im Marketing einstellen zu können.

Elisa da Costa, Event und Social Media Managerin bei Marketing Natives:

Ich denke, es gibt zwei Typen: Einerseits werden wir mehr Spezialisten benötigen, andererseits braucht es auch die Allrounder, die einen allgemeinen Überblick über Innovationen haben. Es ist auch abhängig davon, ob man in einem kleineren oder grösseren Unternehmen arbeitet. Grosse Unternehmen verstärken sich mit Spezialisten, wohingegen sich KMU’s keine Spezialisten mehr leisten können und Allrounder beschäftigen.

Podiumsdiskussion am Future of Marketing Event. Von links: Catherine Purgly, Miriam Rickli und Elisa da Costa © Manuela Eberhard

Milos Radovic, Head of Marketing Development bei Swisscom:

Der Markeeter der Zukunft muss flexibel sein und muss sich möglichst schnell auf neue Dinge einstellen können. Das Zweite, wie wir es auch bei Swisscom erlebt haben, ist eine gewisse Kontinuität. Also nicht schnell, schnell nur machen, sondern sich ein, zwei, drei Jahre mit einem Thema auseinandersetzen und dieses weiterentwickeln. Diese zwei Fähigkeiten sind meiner Meinung nach für die Zukunft wichtig.

Catherine Purgly, Geschäftsführerin bei Leading Swiss Agencies:

Ich denke, es braucht Interesse und Flair für Kommunikation; aber auch Design. Es braucht Neugierde und dass man gerne mit Menschen zusammenarbeitet und Menschen analysiert. Verstehen, wie sich der Mensch in Zukunft verhält. Ich denke, man muss ein sehr guter Teamplayer sein. Es wird alles schneller und das setzt voraus, dass man in einem so dynamischen Umfeld arbeiten möchte. Hinzufügen möchte ich, dass man bei einer Karriere in der Agenturwelt mit vielen, unterschiedlichen Branchen zu tun hat. Diese Agilität muss man lieben. Das ist meiner Meinung nach ein spannendes Umfeld, um sich weiterzuentwickeln.

Prof. Dr. Brian Rüeger, Leiter Institut für Marketing Management und Dozent Marketing:

In Zukunft braucht es eine bipolare Aktivität zwischen beständigen Themen wie strategischem Marketing und gleichzeitig schnellen Themen, bei denen man in «realtime» unterwegs ist.

Miriam Rickli, Moderatorin:

Was ich aus dem Anlass mitnehme, ist, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Es geht immer schneller vorwärts und man muss am Puls der Zeit sein. Es schadet nicht, eine Weiterbildung zu absolvieren oder ein Fachbuch zu lesen. Was man trotz Digitalisierung nicht vergessen darf, sind aber die Menschen, sich für Meetings Face-to-Face zu treffen und dass, nicht alles nur noch online erledigt werden muss.

Fit für die Zukunft an der School of Management and Law

Der Fokus wird zukünftig einerseits auf der Beständigkeit und Kontinuität liegen und andererseits auf der Agilität und Schnelllebigkeit in der Marketingwelt. Die ZHAW School of Management and Law bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten an, sich in diversen Marketing und Digitalisierungs-Bereichen weiterzubilden. Der MAS Digital Marketing vereint vier verschiedene CAS, die aktuelle Themenfelder bearbeiten und sich auch zukunftsorientierten Themen widmen, wie Big Data Analysen, künstlicher Intelligenz und Marketing Automation. Somit werden alle relevanten Aspekte des Marketings im digitalen Zeitalter abgedeckt.

Dr. Michael Klaas, Studiengangleiter des MAS Digital Marketing (links), und Valerio Stallone, Studiengangleiter des CAS Advanced Digital Marketing (rechts)

Hier finden Sie weitere Informationen zu den CAS Digital Marketing und Advanced Digital Marketing.

Sie glauben, dass die Liebe alles besser macht: die Erde, die Menschen und ihr Essen

Beim Gastronomie-Unternehmen Kai Sushi heisst es nicht nur Liebe auf den ersten Biss, sondern auch Liebe auf den ersten Blick. Denn sobald das Interieur des Restaurants betreten wird, wird man mit einem Lächeln und authentischer Begrüssung empfangen. Was vorher nur eine kleine Sushi-Bar in Oerlikon war, ist heute ein Unternehmen mit drei Standorten, Sushi-Kursen und Catering-Business, das sich völlig neu erfunden hat. Für Geschäftsinhaber Amit Shama-Levaillant ist die Liebe das Leitmotiv seines Unternehmens. In einem persönlichen Interview erzählt er uns von seiner Gastgeberphilosophie.

Früher war Kai Sushi nur eine kleine Sushi-Bar in Oerlikon, welche Veränderung war die prägendste?

Das Lernen war ein wichtiger Bestandteil in der Entwicklung von Kai Sushi. Wie in jedem Unternehmen gibt es schwierige Zeiten und Krisen, die man überwinden muss. Ich habe auf diesem Weg gelernt, all die negativen Emotionen, die man in solchen Situationen verspüren kann, wie Neid oder Verzweiflung, in etwas Gutes umzuwandeln und zwar in Inspiration. Die Inspiration führt dann zur Lösung, wie man weiterkommt im Leben, beziehungsweise Unternehmen. Ich habe versucht mich wiederaufzubauen und nach oben geschaut wo ich sein wollte und mir gesagt, dass ich das auch schaffen kann. Das prägendste war also der Lernprozess aus diesen negativen Emotionen etwas Positives zu ziehen. Wir sind alle da zum Lernen. Wir haben zum Beispiel viel von unseren Gästen gelernt, wir haben versucht ihre Erlebnisse mitzukriegen und immer ein offenes Ohr für sie zu haben. Wir haben uns fortlaufend verbessert und unser Angebot an die Bedürfnisse unserer Kunden angepasst. Ich würde nichts an diesem Weg ändern, denn jeder Schritt war notwendig um weiterzukommen und zu wachsen. Für mich gilt «Growth is an Outcome not a Strategy». Mein Weg war nicht so geplant, ich hatte nicht von Anfang an das Ziel eine gewisse Anzahl Filialen zu eröffnen, das war ein laufender Lernprozess mit kleinen Schritten und keine Strategie.

Amit Shama-Levaillant: „Die grösste Marge eines Unternehmens liegt im begeisterten Kunden der zurückkommt“ © Kai Sushi

Sushi ist zum Trend avanciert. Was macht Kai Sushi aus?

Unsere Philosophie macht uns aus. Viele haben das Gefühl, wenn man ein Geschäft aufmacht, dass das Produkt sich von selber verkauft, das ist aber nicht immer so. Sushi ist nicht einfach im Trend. Ich kenne viele Sushi Restaurants, die zwar einen guten Standort und gute Produkte hatten, aber trotzdem keinen Erfolg erzielten. Ihnen fehlte etwas Grundlegendes und das sind Werte. Die Werte von Kai Sushi sind folgende; Love your People, Love your Products and Love your Location. Wir legen viel Wert auf zufriedene Mitarbeiter, begeisterte Gäste und faire Beziehungen zu unseren Lieferanten und Partnern. Weiter ist die Herkunft unserer Produkte von hoher Relevanz, wir achten besonders auf nachhaltige Fischerei und regionales Poulet- und Rindsfleisch. Diese Werte sind das Fundament von Kai Sushi.

Um Kunden glücklich zu machen, braucht es motivierte Mitarbeiter. Wie „pflegen“ Sie Ihre Mitarbeiter?

Meiner Meinung nach gibt es drei Grundbedürfnisse, die der Mensch hat. Sicherheit, Anerkennung und Zugehörigkeit. Die Sicherheit bieten wir mit unseren Arbeitsbedingungen. Zum Beispiel haben wir eine «no Firing policy». Wenn man einmal die Probezeit bestanden hat, dann gehört man zur Familie. Danach entlassen wir unsere Mitarbeiter nicht mehr, wir können sie höchstens umpositionieren und schauen wo ihre Kompetenzen besser hinpassen. Wichtig ist einfach, dass sich die Mitarbeiter im Team wohl und zugehörig fühlen. Wir haben in der Gastronomie viele Mitarbeiter mit komplexen Hintergründen, als Restaurantleiter sollte man sich daher die Zeit nehmen und sich bemühen diese Leute zu unterstützen, sodass sie bei der Arbeit fokussiert sein und gute Leistung erbringen können. Ich achte nicht nur auf die Unterstützung bei der Arbeit, sondern auch ausserhalb der Arbeit. Auf diese Weise sichern wir die Anerkennung und Zugehörigkeit. Erst wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, können wir beginnen die Gäste zu begeistern. Alle zwei Monate gibt es Mitarbeiterschulungen, wo ich die Werte des Unternehmens und meine Vision den Mitarbeitern näherbringe. Mir ist wichtig, dass sie meine Philosophie verstehen und diese dann den Gästen vermitteln können.

Zugehörigkeit und Zusammenhalt sind ein wichtiger Bestandteil der Philosophie von Kai Sushi © Kai Sushi

Essen kann weit mehr, als nur Nahrungsaufnahme sein. Was bieten Sie Ihren Kunden und auf was achten Sie in der Kundenbeziehung?

Unser Ziel ist es die Erwartungen der Kunden zu übertreffen, denn nur dann können wir sie begeistern. Gutes Essen, eine nette Location und freundliches Personal ist heute Standard und für den Preis denn man zahlt, auch zu erwarten. Um aber ein einmaliges Erlebnis zu kreieren, versuchen wir diese Erwartungen zu übertreffen. Wir sind aufmerksam und haben immer ein offenes Ohr für unsere Kunden, dies ist enorm wichtig, denn so können wir ihre Bedürfnisse erfahren und darauf eingehen. Service bedeutet nämlich immer beim Kunden sein. Wir empfangen unsere Gäste nicht wie in den meisten Restaurants mit der Frage «Haben Sie eine Reservation», sondern wir heissen sie erstmal willkommen. Wir begrüssen sie mit einem Lächeln und fragen wie es ihnen geht. Auch wenn die Kunden ohne Reservation vor mir stehen und ich keinen Platz finde, zeige ich ihnen trotzdem, dass sie mir wichtig sind, «because we are in the good feeling Business». Die Reservation gehört zur Struktur, es ist natürlich notwendig für eine gute Planung, aber das sollte an zweiter Stelle stehen, wenn ein Kunde das Restaurant betritt. Ich sage meinen Mitarbeitern immer, dass sie den Gästen eine Story erzählen sollen, sei es über die Herkunft oder Zubereitung der Produkte oder Empfehlungen, ganz egal. Sie können auch die Geschichte von Kai Sushi erzählen, wo und wie wir angefangen haben oder was unsere Visionen sind. Geschichten sollen helfen eine Beziehung aufzubauen und zusammen mit unseren hausgemachten Kreationen versuchen wir auf diese Weise dem Kunden ein einmaliges authentisches Erlebnis anzubieten. Mir ist wichtig, dass die Gäste diese Dinge spüren und die einmalige Experience nur hier erleben, denn die grösste Marge liegt im begeisterten Gast der zurückkommt.

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Marketing und die Werbung? Wie wichtig ist das?

Das Marketing ist natürlich sehr wichtig, denn was bringt eine gute Geschichte, wenn sie niemand kennt. Ich hatte das Glück, dass ich mit der Branding Agentur Allink aus Zürich arbeiten konnte, die genau verstanden hat, worum es mir geht. Die Zusammenarbeit gestaltete sich ziemlich einfach, denn wir mussten nicht unsere Köpfe zerbrechen um eine Story zu finden, die wir erzählen konnten. Meine Marke hatte bereits eine Philosophie und Werte, die nur noch nach aussen kommuniziert werden mussten. Mittels Innendesign, Logo, Webseite und dem Social Media Auftritt musste ein einheitliches Bild vermittelt werden für eine geschärfte Markenpersönlichkeit. Ziel war es die Brand Awareness aufzubauen, bevor der Kunde hierherkommt. 

Wir werden täglich von so vielen Informationen bombardiert, dass man sich als Unternehmen differenzieren muss. Ein Weg hierzu sind die Emotionen. Ein emotionales Marketing kann einen wichtigen Unterschied machen. Wie nutzen Sie das emotionale Marketing?

Heutzutage gibt es viele Restaurants und Unternehmen, die mit Liebe werben. Was man in der Gastronomie auch oft hört ist «Sharing is Caring». Für mich sind die Emotionen und die Liebe wie bereits gesagt nicht erst mit dem Marketing aufgekommen, das war schon seit dem Anfang meine ganze Philosophie. Der Name Kai bedeutet auf Japanisch «unter ein Dach kommen und etwas teilen», was bei uns heissen soll, dass man zusammenkommt und gemeinsam mit den Menschen, die man liebt, Zeit verbringt. Das emotionale Marketing nutze ich daher als Kommunikation meiner Philosophie, die ich schon immer hatte.

Nur die frischesten Zutaten kommen in die Hände von den erfahrenen Sushi Masters © Kai Sushi

Der Kreis schliesst sich

Das Erlebnis beginnt für den Gast mit einem Lächeln meiner Mitarbeiter und einer herzlichen Begrüssung. Dann bemühen wir uns den Gast glücklich zu machen und ihn mit unseren hausgemachten Spezialitäten zu begeistern. Ziel des Erlebnisses ist es, unsere Emotionen an den Gast zu übertragen, sodass er lächelnd das Restaurant verlässt.

Fachbeitrag zu Emotionen und Marketing

Im Fachbeitrag «Muss es immer Liebe sein?» von Marcel Hüttermann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing Management, wird aufgezeigt, dass das Wecken von Emotionen für Unternehmen ziemlich effektiv sein kann und Kaufanreize auslöst. Es hat sich bestätigt, dass die positiven Emotionen genau das richtige sind, um aus Kunden Fans zu machen. Mit negativen Emotionen sollte man eher vorsichtig sein. «Der Konsument sollte zum Schluss ein positives Gefühl mit der Marke verbinden», so Wissenschaftler Marcel Hüttermann.

 

Gute Stimmung, grossartiges Programm und sprechende Roboter am Event «Future of Marketing»

Marketingbegeisterte aus diversen Branchen kamen am Future-of-Marketing-Event in Winterthur zusammen und tauschten sich über die Zukunft des Marketings aus. Neben Einblicken von Experten, produktiven Workshops und interessanten Referaten, gab es weitere Attraktionen, welche die Marketingleute begeisterten.

Moderiert wurde der Anlass von Miriam Rickli. Gemeinsam mit Pepper, einem humanoidem Roboter der Zürcher Firma raumCode, hiess sie die rund 180 Gäste willkommen. Die Eröffnung des Events gestaltete sich aus drei Referaten zu unterschiedlichen Marketing Trends. Dominic Kropf, Leiter Cross Channel Solutions bei der Post CH AG, thematisierte beispielsweise den Wandel von crossmedialer Informationsüberflutung hin zu differenziertem Vorgehen auf Datenbasis. Dabei unterstrich er aber nicht nur die Bedeutung der Daten für die Optimierung der Kanäle, sondern auch die technologische Entwicklung. «Daten allein sind kein Garant für effektive Kampagnen, es wird auch in Zukunft immer die geniale Idee brauchen», so Dominic Kropf. Auch Milos Radovic, Head of Marketing Development bei Swisscom, betonte bei seinem Referat die Rolle des Menschen. Eine Vollautomatisierung im Lead-Management solle einen Fokus auf die Kreativität ermöglichen. Nach einem informationsreichen Vormittag durften die Teilnehmenden in vier Workshops kreativ werden und zusammen Lösungen erarbeiten, die sie dem Publikum präsentierten.

Pepper, der humanoide Roboter, begrüsste das Publikum und sorgte für viele Lacher © Manuela Eberhard

Interessante Inputs gab es auch aus dem Referat von Birte Welsch, Leiterin Customer Happiness Management bei Tandemploy. Thematisiert wurde das Job-Sharing als neuer Ansatz flexibler zu arbeiten im digitalen Zeitalter. Durch das Teilen der Arbeit soll bei Kündigung eines Mitarbeiters das Know-How in der Firma weiterhin bestehen bleiben. Sie betont, dass es wichtig wäre, die Mitarbeiter clever zusammenzubringen und den Austausch von Wissen zu fördern. Dadurch würde man die Fähigkeit stärken, Innovationen hervorzubringen. Es liege noch sehr viel Potential in Unternehmen, welches noch nicht vollständig ausgeschöpft werde. Daher solle man beispielsweise Tools nutzen, um den Informationsaustausch zu fördern.

Teilnehmende erarbeiten gemeinsam Lösungen zu verschiedenen Cases © Manuela Eberhard

Der Austausch von Informationen kann von hoher Relevanz sein, erklärte auch Dr. Michael Lewrick, Chief Innovation Officer bei Swisscom. Er ging auf die Bedeutung und Schaffung dezentraler Ökosysteme ein, in denen Daten und Informationen in dezentralen Strukturen übertragen werden könnten. Solche Ökosysteme würden Vorteile für alle Akteure schaffen und auch immer mehr Akteure im System miteinbeziehen, sodass es sich iterativ weiterentwickeln würde. Für das Marketing würde das bedeuten, dass es eine Demokratisierung von Informationen geben würde. Jeder hätte eine Informationshoheit, es gäbe Differenzierungspotenzial, bessere Datenqualität und höhere Akzeptanz von Werbung. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen, welche besagen, dass das erfolgreiche Marketing an der Idee entsteht, plädiert dieser Ansatz für eine technologiezentrierte Entwicklung. Das Problem ist jedoch, dass Unternehmen noch nicht bereit sind ihr Geschäftsmodell aufzugeben und eigene Informationen preiszugeben. Dabei sollten Firmen über eine gemeinsame Value Proposition nachdenken.

Experten tauschen sich mit dem Publikum aus © Manuela Eberhard

Zum Abschluss des Tages wurden in der Podiumsdiskussion die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst. Zukünftig wird im Marketing die Dynamik, wie auch die Komplexität steigen. Nicht nur die Technologie und Modelle, sondern auch die Konsumenten werden komplexer. «Man sollte jedoch nicht in Panik verfallen. Man kann die Dynamik nicht beherrschen, man muss sich darum neue Herangehensweisen aneignen und viel ausprobieren und testen», so Institutsleiter Prof. Dr. Brian Rüeger. Es ist wichtig zu lernen, in Zyklen zu leben und Schritt für Schritt an Lösungen zu arbeiten. Die Digitalisierung hat bereits und wird noch mehr Auswirkungen auf das Marketing haben, aber somit auch neue Bereiche mit neuen Fähigkeiten schaffen.

Man sollte in diesem rasanten Prozess nicht vergessen die Mitarbeiter mitzunehmen, denn es geht nicht nur um die technische neue Idee, sondern auch darum das Team miteinzubeziehen. Andrea Schneider, User Experience Researcher bei SBB, bekräftigte ausserdem, dass es einen sanften Übergang geben solle, die auch die Fähigkeiten der alten Generation mitnehme und berücksichtige. Zusammenfassend waren sich die Referenten einig, dass die bevorstehenden Transformationen gefördert, begleitet und gemeinsam angegangen werden sollen. «Im Fokus bleibt aber immer noch dieselbe Aufgabe und zwar die Kunden zu begeistern und Emotionen auszulösen», so Catherine Purgly, Geschäftsführerin bei Leading Swiss Agencies. Das Marketing unterliegt grossen Veränderungen, die aktuell geschehen. Was also die Zukunft noch bringen wird, kann man heute mitbestimmen.

Diesen informationsreichen Tag auf einer Seite, beziehungsweise Skizze, zusammenzufassen ist nicht einfach, aber möglich. Guido Schlaich, Ingenieur und Designer, hatte alle wichtigen Inputs zusammengesammelt und visuell erfassbar dargestellt. Wer diesen Tag also verpasst hatte, kann sich auf einem Blick die Kernaussagen anschauen. Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

Der Future of Marketing Event auf einem Blick © Guido Schlaich

«Das Marketing verändert sich so stark, dass es nur Sinn ergibt, einmal jährlich einen Event zu veranstalten, wo wir die Wissenschaft und die Forschung zusammenbringen, um die Veränderungen und neusten Trends aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten», so Prof. Dr. Frank Hannich. Institutsleiter Prof. Dr. Brian Rüeger freut sich über überwältigend positives Feedback; es habe gute Gespräche beim Apéro gegeben, und es hätten viele Anregungen und Impulse bei den Teilnehmenden ausgelöst werden können. «Wir sind sicher auf dem richtigen Weg und wollen nächstes Jahr einen Quantensprung hinlegen. Das Interesse ist auf jeden Fall da», so Prof. Dr. Brian Rüeger.

Save the Date für den Future of Marketing am 28.10.2019 in Winterthur © Manuela Eberhard

Das Kundenmagazin – Mehrwert für Kunden und Unternehmen?

Von Dunja Pfister

Relevante Informationen, unterhaltsame Geschichten und packende Erlebnisberichte: Ein Kundenmagazin soll verschiedene Bedürfnisse abdecken. Doch es dient nicht nur der Präsentation des eigenen Unternehmens und der Kundengenerierung, sondern beinhaltet auf Leserseite noch einiges mehr.

Schwangerschaft und Geburt sind sehr persönliche und intime Erlebnisse. Nach anfänglichem Zögern stimmt die Patientin zu, im Magazin des GZO Spital Wetzikon von ihren Erfahrungen zu erzählen: „Ich fand allmählich Gefallen an der Idee, dass meine eigene Geschichte professionell aufgearbeitet wird und wir so ein Leben lang eine schöne Erinnerung behalten.“ Die junge Frau berichtet davon, wie sie die intensive Zeit vom Schwangerschaftstest bis zur Entbindung in der Badewanne erlebt hat. Von der Vorfreude aufs Baby, ihren Sorgen und Ängsten, aber auch davon, wie sie die Betreuung durch ihre Hebamme und das Angebot des Spitals empfunden hat.

Das Kundenmagazin des GZO Spitals Wetzikon © GZO Spital Wetzikon

Das GZO-Magazin: Blick hinter die Kulissen

Die Patientenstory setzt den inhaltlichen Schwerpunkt des GZO-Magazins, welches zweimal pro Jahr erscheint. „Uns ist es wichtig, dass im Magazin unsere Patienten, für welche wir das Heft primär produzieren, selber zu Wort kommen. Auch möchten wir mit unseren verschiedenen Geschichten und Berichten Einblick in unseren Spitalalltag geben, über Neuerungen rund um unser Spital informieren und die Bevölkerung des Zürcher Oberlandes an der Entwicklung des GZO teilhaben lassen“, sagt Stephan Gervers, Leiter Marketing und Kommunikation des GZO Spital Wetzikon.

So teilt der Chefarzt der Gastroenterologie in seiner Kolumne „Inneaasichte“ regelmässig seine Gedanken zu seinem Fachbereich mit und bringt dem Laien die Anatomie des Menschen auf humorvolle Art und Weise näher. Porträts von Mitarbeitenden aller Funktionsstufen und Berufe finden Eingang ins Heft und bieten spannende Hintergrundinformationen. Beispielsweise erfährt man so, welche Aufgaben in der Abteilung für Sicherheit ausgeübt werden oder wie eine Assistenzärztin zur Olympia-Bronzemedaille-Gewinnerin in Sotschi wurde. „Menschen setzen sich für Menschen ein“, erklärt Gervers die Themenschwerpunkte, „und das möchten wir zeigen – in allen Facetten. Einerseits geht es in unserem Heft um unsere Patienten, andererseits aber auch um unsere Mitarbeitenden, denen wir so Wertschätzung und Respekt vor dem Geleisteten entgegenbringen.Engagiert. Für Mensch und Medizin, der Claim des Spitals im Zürcher Oberland, wiederspiegelt sich im ganzen Unternehmen bis hin zur Content-Strategie.

Eine andere Seite der Mitarbeiter kennenlernen © GZO Spital Wetzikon

Relevanter Content – nicht nur leere Worthülsen und schöne Bilder

Doch was ist für Patienten, aber auch für Stakeholder aus Wirtschaft und Politik, zuweisende Ärzte und die Mitarbeitenden von besonderer Bedeutung? Wie stellt man es an, dass die Zielgruppen das Heft nach kurzem Durchblättern nicht gleich wieder weglegen?

Ein Kundenmagazin soll sich zunächst nicht von einem anderen journalistischen Produkt unterscheiden. Wichtiger noch als schön anzusehende Bilder und ein ansprechendes Layout ist relevanter Inhalt. Das heisst konkret, dass das Unternehmen nicht einfach leeres Gerede bieten oder gar profane Werbung in eigener Sache verkaufen sollte. Aktueller, informativer Inhalt, der recherchiert sowie redaktionell aufbereitet wurde und zielgruppenrelevant ist, wird auch tatsächlich konsumiert. Emotionen und Transparenz, Unterhaltung und Informationen – verschiedene Komponenten tragen dazu bei, das Endprodukt mit Leben zu füllen und den Konsumenten anzusprechen. Dies ist schlussendlich der Schlüssel zum Erfolg und macht den entscheidenden Unterschied zu anderen Unternehmensprodukten.

„Was ist für unsere Adressaten wichtig und interessant? Was möchten sie erfahren?“, sollten die Fragen demzufolge lauten und nicht, „was wollen wir an die Frau oder an den Mann bringen?“ Der Ausgangspunkt aller Strategieüberlegungen in Bezug auf das Kundenmagazin muss ganz klar der Kunde oder in diesem Fall der Patient sein und nicht die Kommunikationsbedürfnisse und der Profitgedanke des Unternehmens.

Vorteile für beide Seiten

Nichtsdestotrotz ist ein gepflegtes Kundenmagazin auch für das Unternehmen zielführend. Indem dem Adressatenkreis ein authentisches und für ihn interessantes Produkt vorgelegt wird. Indem der Bevölkerung gezeigt wird, wie es in einem Spital zu und her geht. Indem sie über aktuelle Diskussionen wie die Grippeimpfung informiert wird. Und indem auch mal die Menschen hinter den verschiedenen Berufen vorgestellt werden, kann sich Vertrauen bilden und so im besten Fall Kundenbindung erzeugen. Natürlich platziert das Unternehmen Themen, die es ebenso für relevant hält und die allenfalls imagefördernd wirken. Doch der Vorteil der Lektüre muss für die Stakeholder klar ersichtlich sein. Ansonsten hat das Magazin das Ziel verfehlt und kann auch gleich ins Archiv wandern und verstauben. Keine Leser – kein Magazin.

Die genannten Punkte zu befolgen, hilft nicht nur, der Zielgruppe einen Mehrwert und dem Kundenmagazin eine treue Leserschaft zu generieren, sondern dient dem Unternehmen ebenso als imagebildende Massnahme und letztlich als Return of Investment. Mehrwert also für Kunden und Unternehmen – eine Win-win-Situation für beiden Seiten.

Mehr über das GZO Spital Wetzikon:

https://www.gzo.ch/

https://www.gzo.ch/ueber-uns/geschaeftsbericht-und-magazin/

https://www.gzo-bau.ch/

https://de-de.facebook.com/gzo.spital.wetzikon/

 

Über die Autorin

Dunja Pfister hat Geschichte, Englische Literatur und Publizistik an der Universität Zürich studiert, ist nun im Bereich Marketing und Kommunikation tätig und absolviert zurzeit den CAS Marketing & Corporate Communications an der ZHAW. Sie ist unter anderem verantwortlich für das Magazin sowie den Geschäftsbericht des GZO Spital Wetzikon und ist laufend auf der Suche nach spannenden Themen.