Internet of Things: What’s Next? Smart Dust!

Von Dr. Manuel Holler

Momentan ist das Internet der Dinge eines der Hauptthemen, doch was kommt danach? Es könnte sich um Smart Dust handeln, weiträumig verteilte Sensornetzwerke mit winzigen Bestandteilen. In der Forschung wird die Rolle von Smart Dust im industriellen Sektor untersucht.

Smart Dust als radikale Miniaturisierung von IoT

Das Paradigma der Vernetzung von physischer und digitaler Welt hat in den letzten zehn Jahren weite Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft erfasst, und sich unter Schlagworten wie Smart City, Smart Manufacturing oder Smart Health etabliert. In Zeiten rasanten technologischen Wandels stellt sich die Frage: Was kommt nach dem Internet der Dinge? Die Chancen stehen gut für Smart Dust. Dieser «schlaue Staub» beschreibt integrierte, weiträumig verteilte Sensornetzwerke, deren einzelne Bestandteile sich in einer Grössenordnung von unter einem Kubikmillimeter bewegen [1].

Vision von Smart Dust in einem Trägermedium © iStock

SNF Spark-Projekt zur Erforschung von Nutzenpotenzialen

Motiviert zum einen durch die steigende Technologiereife und zum anderen durch das unklare Bild über Nutzungsmöglichkeiten, leitet das Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ein SNF-Grundlagenprojekt zum Thema.

Das Projekt im Rahmen des neuen Förderungsinstruments «Spark», welches besonders gewagte, aber auch vielversprechende Ideen adressiert, hat zum Ziel, einzelne Anwendungsfelder, übergeordnete Einsatzbereiche und die grundsätzliche Rolle von Smart Dust im industriellen Sektor zu untersuchen.

Grössenordnung eines einzelnen Smart Dust-Korns © iStock

Zwischenfazit: Grosse Potentiale, grosse Herausforderungen

Bisher durchgeführte Forschungsarbeiten [2,3] in der deutschsprachigen Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie zeigen grosses Potential – einige Beispiele:

Im Fluidtechnikbereich kann Smart Dust durch verbesserte Flüssigkeitsmessungen helfen, hochsensible Prozesse, wie etwa das Thermomanagement in Rechenzentren, besser zu steuern. Auch industrieübergreifend bietet der «schlaue Staub» die Chance, Logistikprozesse transparenter und belastungsintensive Bauteile sicherer zu machen.

Spannend wird es insbesondere auch, wenn neben rein sensorischen auch noch aktuatorische Fähigkeiten ins Spiel kommen («Micro Robots»). So werden beispielsweise im Aerospacebereich adaptive Oberflächen, die dynamisch ihre Struktur verändern können, ermöglicht.

Gleichermassen gilt es noch viele offene Fragen zu beantworten, sei es bezüglich technischer Leistungsdaten, wirtschaftlicher Überlegungen, oder auch in Bezug auf Datenschutz und Nachhaltigkeit. Wenn auch heute noch visionär anmutend, hat das Internet der Dinge gezeigt, wie schnell und tief die Diffusion von digitalen Technologien erfolgen kann.

Danksagung

Dieses Projekt wurde durch das «Spark»-Programm des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) unterstützt.

Literatur zum Thema

[1] Warneke, B., Last, M., Liebowitz, B., and Pister, K.S.J. 2001. “Smart Dust: Communicating with a Cubic Millimeter Computer,” Computer (34), pp. 44–51.

[2] Holler, M., Haarmann, J., van Giffen, B., and Frank, A. 2020. “Smart Dust in the Industrial Economic Sector – On Application Cases in Product Lifecycle Management,” Springer IFIP Advances in Information and Communication Technology (forthcoming).

[3] Holler, M., Dremel, C., van Giffen, B., and Fuchs, R. 2020. “Smart Dust und Micro Robots im industriellen Sektor – Chancen, offene Punkte und Handlungsempfehlungen,” Springer HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik – Special Issue on Robotics (under review).

Ansprechpartner & Kontakt

Dr. Manuel Holler (manuel.holler@zhaw.ch | +41 58 934 7060) ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Product Management Center der ZHAW. Seine Forschung konzentriert sich auf digitale Innovationen für das industrielle Produkt- und Dienstleistungsgeschäft.

Value Creation with Digital Twins – a Conceptual Framework

Von Linard Barth und Dr. Matthias Ehrat

Der Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie verwandelt traditionelle in intelligente Produkte und ermöglicht es Unternehmen, neuartige intelligente Dienstleistungen anzubieten. Dabei gilt das Konzept des «digitalen Zwillings» als eine Schlüsseltechnologie, um mit intelligenten Diensten Mehrwert zu schaffen.

Der Digitale Zwilling wird von Gartner dementsprechend auf Platz 4 innerhalb der Top 10 der strategischen Technologietrends geführt, die „noch nicht weithin anerkannte Trends sind, jedoch Auswirkungen auf die Transformation von Industrien bis 2023 haben“ (Panetta, 2018). Auch wenn das Konzept des digitalen Zwillings relativ jung ist, wird ihm eine grosse Zukunft vorausgesagt, so soll der Markt von schätzungsweise $ 3,8 Mrd. im Jahr 2019 auf $ 35,8 Mrd. im Jahr 2025 wachsen (Rais, 2019).

Entsprechend viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren und Monaten dieses Thema auf die Fahne geschrieben und investieren gewaltige Ressourcen in entsprechende Entwicklungen. Allerdings sind die konkreten Mehrwerte und damit die Renditeaussichten von Investitionen in digitale Zwillinge in der Praxis oft schwierig abzuschätzen, da interne wie externe Prozesse betroffen sind und die erfolgreiche Bewältigung der Herausforderungen dieses komplexes Themas das Zusammenspiel von verschiedenen Unternehmensbereichen erfordert.

Funktionsübergreifende Diskussionen und Zusammenarbeit gestalten sich daher oft mühselig, da ein gemeinsamer konzeptioneller Rahmen, eine eindeutige Terminologie und gemeinsame Sprache auf der Grundlage eines ausreichend abstrakten, intuitiv verständlichen und einfach zu handhabenden Referenzmodells fehlen. Deshalb hat die Fachstelle für Produktmanagement des Instituts für Marketing Management 2018 ein Forschungsprojekt gestartet, um ein entsprechendes konzeptionelles Referenzmodel für die Wertgenerierung mit digitalen Zwillingen zu entwerfen und die Unternehmen damit bei ihren Innovationsprojekten zu unterstützen.

Das in diesem Beitrag vorgestellte Modell umfasst die aus akademischer Sicht zentralen Dimensionen des digitalen Zwillings und spezifiziert diese im Hinblick auf eine abgestimmte und schlüssige Wertgenerierung.

Das Digital Twin Conceptual Framework

Um die Wertgenerierung mit digitalen Zwillingen ganzheitlich zu erfassen, werden in einem ersten Schritt die Dimensionen externe Wertgenerierung (im Markt, bei den Kunden), interne Wertgenerierung (innerhalb des Unternehmens) und die dafür benötigten Datenressourcen unterschieden.

Externe Wertgenerierung

Am meisten Beachtung findet in Innovationsprojekten jeweils die externe Wertgenerierung, da eine Mehrheit der Unternehmen beabsichtigen, durch digitale Zwillinge und die dadurch ermöglichten datenbasierten Services zusätzliche Umsätze zu generieren, Margen zu erhöhen und die Kundenzufriedenheit und -bindung zu verstärken. Dabei stellt sich in jedem Fall die Frage, auf welcher Hierarchieebene des Systems (System Hierarchy Level) Wert entstehen soll, welche Bereiche des Service-Umfangs (Service Scope) verbessert werden sollen und welche Fähigkeiten (Smartness Maturity) die digitalen Zwillinge dafür aufweisen müssen.

Interne Wertgenerierung

Dabei wird oft vernachlässigt, dass digitale Zwillinge auch innerhalb des eigenen Unternehmens viele Prozesse verändern und auf vielseitige Art und Weise Wert generieren können. Im Fokus steht dabei das Management der Lebenszyklusprozesse (Lifecycle), von einzelnen Instanzen bis hin zu Produktportfolios (Value Creation Hierarchy) unter Berücksichtigung historischer, aktueller als auch zukünftiger Zustände und Daten (Generations / Time).

Datenressourcen

Sowohl die interne als auch die externe Wertgenerierung wird jedoch erst durch die Nutzung von entsprechenden Datenressourcen ermöglicht. Hierbei stellt sich die Frage welche Daten (Data Category) aus welchen Quellen (Data Sources) gewonnen werden sollen und wie stark diese aufbereitet und analysiert werden müssen (Data Format).

Anwendung des Modells zur Wertgenerierung

Das Modell bildet das ganze Spektrum an möglichen Datenressourcen und der daraus ermöglichten Wertgenerierung mit digitalen Zwillingen innerhalb und ausserhalb des eigenen Unternehmens ab. Durch die jeweils 3 Achsen mit wiederum 3 Spezifikationen können in jeder der 3 Dimensionen (Würfel) insgesamt 27 Anknüpfungspunkte für die Innovation mit digitalen Zwillingen unterschieden werden, welche für die Wertgenerierung mit digitalen Zwillingen in Frage kommen.

Für Unternehmen ist es jedoch nicht das Ziel, alle 81 im konzeptionellen Referenzmodell abgebildeten Anknüpfungspunkte umzusetzen, sondern sinnvolle Kombinationen zu ermitteln, die mit im Verhältnis möglichst optimalem Aufwand hinsichtlich der Datenressourcen effizient und effektiv interne und externe Werte schaffen. Die so generierten Werte entstehen durch einen kooperativ geschaffenen digitalen Zwilling, der ein dynamisches Verhältnis zwischen Anbieter und Nachfrager kreiert – und dadurch zu einem kaum replizierbaren Wettbewerbsvorteil führt.

Ein Beispiel wäre «predictive maintenance» also die proaktive Wartung physischer Güter aufgrund datenbasierter Vorhersagen. Hierbei wird externer Wert generiert durch Steigerung der Verfügbarkeit (Availability) mittels Kontrolle (Control) eines IoT-fähigen Assets (Connected Product). Aber nicht nur der Besitzer dieses Assets profitiert von dieser Anwendung, auch intern entsteht Wert für das Unternehmen, da die Prozesse innerhalb der Nutzungsphase (Middle of Life / MoL) des Assets (Instanz) auf Basis vergangener, aktueller und zukünftiger Zustände (Past, Present, Future) optimal gestaltet werden können. Dazu reicht es in der Regel bereits aus, ein Set an produktbezogenen (Product) IST-Daten aus dem Asset (Thing) mit überschaubaren Mitteln aufzubereiten (Structured) und mit den SOLL-Werten aus den internen Systemen (internal Systems) abzugleichen.

Predictive Maintenance kann daher ein geeigneter Einstieg in die Entwicklung eines umfangreicheren digitalen Zwillings sein, der zu einem späteren Zeitpunkt weitere Datenkategorien (Context oder Customer) aus zusätzlichen Quellen (external Systems) verwendet, um nicht nur Dashboards mit strukturierten Daten zu visualisieren, sondern daraus Aktionen (interpreted Data) zur Generierung zusätzlicher interner und externer Werte ableitet.

Ausblick

Die Möglichkeiten zur Wertgenerierung mit digitalen Zwillingen sind sehr umfangreich und können je nach Unternehmen und Anwendung sehr unterschiedlich ausfallen. In weiteren Beiträgen werden wir die drei zentralen Dimensionen der internen und externen Wertgenerierung als auch der Datenressourcen vertieft darstellen und deren Zusammenspiel anhand konkreter Beispiele erläutern.

Das in diesem Beitrag vorerst oberflächlich vorgestellte Konzept wurde im April 2020 im Rahmen der «International Conference on Information Science and Systems» publiziert und wird auf Anfrage gerne zugesendet.

Das Modell wird zudem kontinuierlich hinsichtlich des Einsatzes in der Praxis optimiert, wir freuen uns daher über jegliches Feedback oder gar die Kontaktaufnahme zwecks Gedankenaustauschs hinsichtlich konkreter Anwendungen und deren praktischen Umsetzung.

Autoren & Kontakt

Linard Barth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projekt- und Studiengangleiter am Product Management Center der ZHAW. Seine Interessen gelten in erster Linie dem Zusammenspiel einzelner Elemente in grösseren Systemen und wie diese konsistent nachhaltig funktionierend ausgerichtet werden können. Dazu erforscht er den Einfluss von Internet of Things, Smart Connected Products und Digitalen Zwillingen auf Business Modelle und Value Propositions. Als ehemaliger Gründer schlägt sein Herz insbesondere für Start-Ups, Entrepreneure und innovative Firmen, welche die genannten Konzepte in der realen Welt umsetzen und berät diese in unterschiedlichen Projekten. Nebenbei leitet er den Studiengang CAS Pricing & Sales, ein Weiterbildungsangebot des Instituts für Marketing Management der ZHAW.

linard.barth@zhaw.ch / Telefon +41 58 934 68 67

Dr. Matthias Ehrat ist Dozent, Projektleiter und Start-up Coach am Product Management Center der ZHAW. Bereits seit seiner Ausbildung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) und der Universität St. Gallen (HSG) schlägt sein Herz für technologiegetriebene Innovationen. Durch langjährige Erfahrungen in verschiedenen Positionen im industriellen Anlagenbau konnte er sich ein breites Wissen im Betriebsmanagement aneignen. Er hält selbst mehrere Patente und berät Start-ups bezüglich den Schutzmöglichkeiten und der Anmeldeverfahren ihrer technologischen Entwicklungen. Nebenbei leitet er den Studiengang CAS Industrial Product Management, ein Weiterbildungsangebot des Instituts für Marketing Management der ZHAW.

matthias.ehrat@zhaw.ch / Telefon +41 58 934 66 31

Quellen:

Barth, L.; Ehrat, M.; Fuchs, R. & Haarmann, J. (2020). Systematization of digital twins : ontology and conceptual framework. In: ICISS 2020 : Proceedings of the 2020 The 3rd International Conference on Information Science and System. 3rd International Conference On Information Science And Systems ICISS 2020, Cambridge, UK, 19-22 March 2020. New York: Association for Computing Machinery. S. 13-23. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1145/3388176.3388209

Panetta, K., (2018). Gartner Top 10 Strategic Technology Trends for 2019. Published online October 15, 2018. https://www.gartner.com/smarterwithgartner/gartner-top-10-strategic-technology-trends-for-2019 / Accessed 12 August 2019.

Rais, A. (2019). Growth of the digital twin market. Published online August 2, 2019. https://www.maschinenmarkt.international/growth-of-the-digital-twin-market-a-851571/ Accessed 12 August 2019.

Abschlussfeier des MAS Product Management – Masterklasse 2019

Von Dr. Helen Vogt

Zweieinhalb Jahre intensive Weiterbildung führten schlussendlich zum Abschluss des MAS Product Management. In den Masterarbeiten mussten die erlernten Kompetenzen angewendet werden. Am Schluss konnte jedoch das lang ersehnte Diplom in den Händen gehalten werden.

Wir wissen es alle schon lange, intensives und regelmässiges Training legt den Grundstein für künftige Könnerschaft. Ob es 10’000 Stunden braucht, wie von Malcolm Gladwell in seinem Buch Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht propagiert wird, ist (noch) nicht erwiesen. So schön diese Faustregel mit dem einfachen Wirkungszusammenhang klingt, so einseitig stellt sie die Tatsachen dar. Reines Üben reicht zur Erlangung von Expertise nämlich keineswegs aus. Entscheidend sind die Begleitumstände. Dazu gehören professionelle Anleitung und Feedback ebenso wie persönliche Motivation und Durchhaltewillen.

Ihrem persönlichen «Future-Fit» – ein Ziel, sind die Absolventen des MAS Product Management sicherlich ein gutes Stück nähergekommen. Während ihrer rund zweieinhalb jährigen Weiterbildung sind sie in Tiefen der Datenanalyse und Marktforschung eingetaucht, haben neue Methoden für Produkt und Serviceentwicklung live getestet, aktuelle Konzepte in Pricing und Verkauf auf ihr Unternehmen angewendet, sowie die Einflüsse der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle untersucht und daraus neue Strategien abgeleitet.

Die Krönung des MAS ist die eigentliche Masterarbeit. Während 15 Wochen haben die Studierenden die Möglichkeit, die erlernten Kompetenzen anzuwenden, um beispielsweise dem traditionellem Retail zu neuem Wachstum zu verhelfen, Lean Start-up Konzepte und agile Arbeitsprozesse innerhalb der Unternehmen auszutesten oder neue Wertangebote und digitale Services zu entwickeln. Die abgegebenen Arbeiten zeichnen sich durch systematische Analysen, kritische Reflexionen und kreative aber zugleich praxisnahe Lösungsfindungen aus. Juste Hahne und Lukas Westermann haben den diesjährigen Preis für die beste Masterarbeit erhalten. Herzliche Gratulation zu dieser ausgezeichneten Leistung!

An der Abschlussfeier im Casino Theater in Winterthur durfte der Leiter des Instituts für Marketing Management (IMM), Prof. Dr. Brian Rüeger, den Absolventen endlich die Diplome überreichen und die Leistung würdigen.

Prof. Dr. Brian Rüeger würdigte die Leistung

Das ganze Team vom Institut für Marketing Management wünscht unseren Absolventen weiterhin solch grosse Begeisterung für die vielfältigen Aufgaben im Produkt Management und viel Erfolg in ihrem weiteren Berufsleben.

Wir gratulieren (von unten nach oben): Daniel Welter, Lukas Westermann, Fabian Gerschwiler, Juste Hahne, Stefan Sturzenegger, Benjamin Berger, Raphael Meier, Antonio Voci, Simon Hunziker und Louis Bischof (nicht im Bild) zu dieser tollen Leistung!

Der Studiengang MAS Product Management bildet seit acht Jahren Fachkräfte im Product Management aus, welche aus verschiedensten Industrien und Branchen stammen. Bei Fragen dürfen Sie sich gerne an die Studienleiterin, Dr. Helen Vogt, wenden (helen.vogt@zhaw.ch).

Kontakt

ZHAW School of Management and Law, Institut für Marketing Management, Product Management Center, Dr. Helen Vogt.  Telefon +41 58 934 66 99, E-Mail: helen.vogt@zhaw.ch

Mehrwert von digitalen Geschäftsmodellen – Lohnt sich der Aufwand?

Von Dr. Helen Vogt

Digitale Technologien sind der Auslöser für neue Geschäftsmodelle der produzierenden Unternehmen und ermöglichen neues Wachstum. Das Potenzial ist riesig, die globale Wertschöpfung durch digitale Technologien wird im Jahr 2025 auf bis zu 6’000 Mrd. US$ geschätzt (1). Dank digitaler Services können Industrieunternehmen nach dem Verkauf der Neuanlagen, welcher oft mit einem substantiellen Rabatt erkauft wurde, wiederkehrende Einnahmen, oftmals mit höheren Margen, erwirtschaften. Im Fokus steht dabei insbesondere der Maschinenbau und die sich dort ergebenden Möglichkeiten zur Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle.

In diesem Zusammenhang avancieren Daten zu einer bedeutenden Ressource und die nutzenstiftende Verwertung dieser Daten zum Befähiger für digitale Services und Geschäftsmodelle ermöglichen Unternehmen zudem, die Kundenbeziehung nach dem Verkauf der Produkte aufrecht zu erhalten und werden daher zu den wichtigsten marktseitigen Unterscheidungsmerkmalen der Industrie 4.0 gezählt. Ein Industrievertreter (Senior Product Manager, Maschinenbauer) bringt es auf den Punkt: «Durch digitale Geschäftsmodelle können wir uns am Markt differenzieren und den Nutzen für unsere Kunden erhöhen».

Digitale Geschäftsmodelle bergen aber auch grosse Hürden bei der Umsetzung, insbesondere für Unternehmen der produzierenden Industrie. Digitale Services und Software-Lösungen haben bei Mitarbeitenden oftmals nicht den gleichen Stellenwert wie der Verkauf von grossen Anlagen. «Mit Software als Add-on kann man schwierig Umsatz machen, im Vergleich zu einigen Millionen für die Überholung einer Turbine» (Senior Product Manager, Energiesysteme).

Die Einführung von neuen Service-Geschäftsmodellen hat oftmals nicht immer den erwünschten finanziellen Erfolg gebracht. Bisher unbeantwortet ist die Frage, welche von den vorab im B2C erfolgreichen Geschäftsmodellen, welche sich auf digitale Geschäftsmodelle erweitern lassen, die grösste Relevanz für Firmen aus dem B2B Umfeld haben. Diese Fragestellung wird in einem aktuellen Innosuisse-Projekt untersucht. Zu diesem Zweck wurde bei Industrie- und Fachexperten eine Umfrage durchgeführt und an der diesjährigen Smart Service Summit präsentiert. Die Umfrage bestand aus einem offenem Experten-Interview sowie aus einer Online-Umfrage zur Bewertung von zwölf digitalen Geschäftsmodellen gemäss Gassman et al (2). und Fleisch et al. (3) hinsichtlich des erwarteten Mehrwertes sowie dem Implementierungsaufwand. Der abgefragte Mehrwert bezieht sich auf höheren Umsatz und Marge, innovatives Image, vertieftes Know-How und Transparenz bezüglich den Kundenprozessen sowie eine bessere Kundenbindung. Der Implementierungsaufwand beinhaltet die Komplexität der Datensammlung, -übermittlung und -verarbeitung, die erwartete Kundenakzeptanz sowie der Einfluss von Normen und Richtlinien.

Erste Erkenntnisse aus der Umfrage

In Abbildung 1 sind die Geschäftsmodelle hinsichtlich des erwarteten Mehrwertes sowie des Implementierungsaufwandes auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch) bewertet.

Abbildung 1: Mehrwert und Implementierungsaufwand für digitale Geschäftsmodelle
Abbildung 1: Mehrwert und Implementierungsaufwand für digitale Geschäftsmodelle

Die Experten haben ebenfalls eine Abschätzung zur Umsetzungswahrscheinlichkeit des jeweiligen Geschäftsmodelles abgegeben, siehe Abbildung 2:

Abbildung 2: Ranking der Geschäftsmodelle nach der Umsetzungswahrscheinlichkeit

Aus den Beurteilungen der Experten wird ersichtlich, dass Konzepte wie Object Self Service, Solution Provider und Pay per Use den höchsten Mehrwert hinsichtlich dem finanziellen Return und der Kundenbindung bieten (siehe Abbildung 1). Insbesondere sehen die Industrie- und Fachexperten viel Potential beim Geschäftsmodell Solution Provider, bei dem der Anbieter nicht nur die Hardware, sondern auch das notwendige Anwendungs-Know-How und Softwarelösungen zum Betreiben der Anlage mitliefert. «Die Kunden haben vielfach das Engineering ausgelagert resp. verkleinert und sind daher auf das Prozess-Know-How der Lieferanten angewiesen.» (Innovationsmanager, Maschinenbauer)

Diese drei Geschäftsmodelle sind aber hinsichtlich der Implementierung sehr aufwendig. Andere Modelle wie Subscription oder insbesondere das Flat Rate-Modell sind einfacher einzuführen, bieten aber gemäss den Erwartungen der Experten weniger Mehrwert für die Anbieter. Wiederum in B2C etablierte Geschäftsmodelle wie Razor and Blade, oftmals kombiniert mit (digital) Lock-in, scheinen wenig Akzeptanz bei Endkunden der Maschinenbauer zu finden und sind daher aus Mehrwertsicht weniger interessant.

Betreffend der Umsetzungswahrscheinlichkeit hat gemäss Einschätzung der Experten das Freemium Geschäftsmodell bei Maschinen- und Anlagebauer die höchsten Chancen. Hierbei wird die Anlage mit einem kostenfreien digitalen Service angeboten, weitere (Premium) Services sind kostenpflichtig. Dank dieser zweistufigen Struktur können die Kunden mit relativ wenig Risiko und finanziellem Aufwand die Vorteile der digitalen Services testen und dann bei Bedarf weitere Services dazukaufen. Am schwierigsten ist die Implementierung des Geschäftsmodells des Two-sided Market. Dies liegt vor allem an der erwarteten Komplexität bei der Einbindung von externen Partnern.

Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auf Basis einer Lebenszyklus- und Serviceorientierung steht noch am Anfang

Zukünftige Differenzierungsmöglichkeiten werden im Maschinen- und Anlagenbau stark im Bereich der Software und/ oder den Dienstleistungen gesehen (4), die eigentliche Maschine oder Anlage ist nur ein Teil der übergreifenden Kundenlösung. Innovative Maschinenbauer, die ihren Geschäftsmodell-Fokus weg vom Verkauf der Maschine hin zu nutzenstiftenden Lifecycle-Diensten mit Pay per Use-Ansätzen verschieben, haben grosse Chancen, sich signifikant und nachhaltig am Markt zu differenzieren. Damit verbunden sind aber auch hohe Investitionen sowie das schwierige Umdenken in einer völlig neuen Welt.

Welches Geschäftsmodell schlussendlich den grössten Nutzen bringt, muss methodisch noch weiter untersucht werden (5). Eine besondere Herausforderung ist, dass Geschäftsmodell-Innovation insbesondere bei Maschinen- und Anlagenbauer noch kein etabliertes strategisches Instrument ist. Unsere aktuelle Forschung hat zum Ziel, eine übertragbare Systematik zur Identifikation und Bewertung von attraktiven digitalen Geschäftsmodellen zu entwickeln. In einem zweiten Schritt wird die hierfür notwendige Datenteilbereitschaft der Endkunden untersucht.

Für weitere Informationen zum Thema «Digitale Geschäftsmodelle für die MEM-Industrie» können Sie sich an Dr. Helen Vogt (helen.vogt@zhaw.ch) wenden.

Quellen:

  1. Ematinger, R. (2017). Von der Industrie 4.0 zum Geschäftsmodell 4.0: Chancen der digitalen Transformation. Springer-Verlag.
  2. Gassmann, O., Frankenberger, K., & Csik, M. (2017). Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler business model navigator. Carl Hanser Verlag GmbH Co KG.
  3. Fleisch, E., Weinberger, M., & Wortmann, F. (2014). Business models and the internet of things, Bosch IoT Lab Whitepaper. Bosch Internet of Things and Services Lab.
  4. Bauernhansl, T., Emmrich, V., Döbele, M., Paulus-Rohmer, D., Schatz, A., & Weskamp, M. (2015). Geschäftsmodell-Innovation durch Industrie 4.0–Chancen und Risiken für den Maschinen-und Anlagenbau. Dr. Wieselhuber & Partner GmbH und Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.
  5. Demont, A., & Paulus-Rohmer, D. (2017). Industrie 4.0-Geschäftsmodelle systematisch entwickeln. In Digitale Transformation von Geschäftsmodellen (pp. 97-125). Springer Gabler, Wiesbaden.

Forschungsfreudige Master Absolventen

Von Dr. Helen Vogt

Eine kleine aber feine Gruppe von Studierenden des MAS Product Management hat erfolgreich ihr Studium mit der Verteidigung ihrer Masterarbeit abgeschlossen.

Die angehenden und praktizierenden Produkt Manager und Product Owner haben in ihrer Abschlussarbeit verschiedenste Themen untersucht. So wurde die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen beleuchtet, neue digitale Services für Leuchtkörper entwickelt, agile Produkt Management Methoden für die Finanzindustrie evaluiert, neue Lösungsräume für Finanzsoftware erarbeitet sowie die Akzeptanz von Smart Services in der MEM Industrie und die Datenteilbereitschaft in sogenannten sensitiven Branchen untersucht.

Wir gratulieren (von links nach rechts): Antonio Voci, Daniel Welter, Benjamin Berger, Fabian Gerschwiler, Stefan Sturzenegger und Lukas Westermann zu dieser tollen Leistung!

Marktforschung am Limit

Als Abschluss ihres Studiums haben sich die Studierenden eine gemeinsame Reise gegönnt. Inspiriert von der Vorlesung «Marktforschung im Produkt Lebenszyklus» bei Prof. Dr. Siems haben sie das in Marketing Kreisen sehr bekannte deutsche Städtchen Hassloch besucht. In dieser «durchschnittlichsten Stadt von Deutschland» betreibt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) seit 1986 einen bundesweit einzigartigen Testmarkt. Diese Stadt entscheidet quasi darüber, welche Produkte in Deutschland ins Regal kommen.

Willkommen in der durchschnittlichsten Stadt Deutschlands

Das ganze Team vom Institut für Marketing Management wünscht unseren Absolventen weiterhin eine solche grosse Begeisterung für die vielfältigen Aufgaben im Produkt Management und viel Erfolg in ihrem weiteren Berufsleben.

Der MAS Product Management bildet seit acht Jahren Fachkräfte im Product Management aus, welche aus verschiedensten Industrien und Branchen stammen. Bei Fragen dürfen Sie sich gerne an die Studienleiterin, Dr. Helen Vogt, wenden (helen.vogt@zhaw.ch, Tel. 058 934 66 99).

Geschwindigkeit durch Digitalisierung im Produktmanagement: «Wir wüssten schon wie es geht, nur …»

Von Prof. Dr. Rainer Fuchs

Der Metatrend unseres Zeitalters, die Digitalisierung, hat substantielle Auswirkungen auf das Produktmanagement. Die Aufgabe des Produktmanagers wird immer interdisziplinärer und dadurch komplexer, doch dank der Daten und Informationen aus allen Phasen des Produktlebenszyklus erschliessen sich auch enorme Chancen die eigene Leistung zu innovieren. Das haben die Schweizer Unternehmen mittlerweile grösstenteils erkannt: Durch die Digitalisierung der Unternehmensprozesse über alle Phasen des Produktlebenszyklus können dem Produktmanager die notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt werden, um neue Businesspotentiale zu erschliessen. Soweit zur Theorie. In der Umsetzung sind die Unternehmen aber noch lange nicht da, wo sie gerne sein würden und sollten-

Die Digitalisierung hat in alle Phasen des Produktlebenszyklus Einzug gehalten. Digitalisierte Unternehmensprozesse erlauben die Erzeugung von produktbezogenen Daten während der Entwicklung, der Produktion und Logistik, der Vermarktung und des Verkaufs sowie in der Nutzungsphase selber. Smart Products sind in der Lage diese Daten bzw. digitalen Informationen mittels eigener Sensorik zu erheben und zu speichern. Können die Produkte diese Daten zusätzlich noch gezielt nach aussen kommunizieren, meist über das Internet, spricht man von Smart Connected Products (SCP) (Porter & Heppelmann, 2015). Der Digital Twin ist die Summe der produktbezogenen Daten. Sie ergeben ein cyberphysisches Abbild des vernetzten realen Produktes. Mit ihm können in Echtzeit Veränderungen im und um das Produkt dargestellt und somit Rückschlüsse zur Optimierung sämtlicher Phasen des Produktlebenszyklus und der Customer Journey gezogen werden (Fuchs & Barth, 2018). Insbesondere können die Produkte so besser den Kundenbedürfnissen angepasst werden, wodurch unter Umständen ganz neue Value Propositions, Revenue Streams und Business-Modelle entstehen (Osterwalder & Pigneur, 2010), die substantielle Auswirkungen auf den Erfolg der Unternehmen haben können (Gassmann, Frankenberger & Csik, 2013). Auch die Mehrheit der Schweizer Unternehmen (62%) stimmt der Aussage zu, dass das Marktumfeld und die Anforderungen an die Produkte durch die Digitalisierung komplexer werden (im Schnitt rund 3,6 von 5 Zustimmungspunkten, vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Auswirkungen der Digitalisierung auf das Produktmanagement
© Swiss Marketing Leadership Studie 2018

Sie sind ebenfalls der Meinung, dass dadurch die Rolle des Produktmanagers komplexer wird und er an Verantwortung und Bedeutung gewinnt. Besonders die Top-Performer unter den befragten Unternehmen haben verstanden, dass Produktmanager immer mehr Unternehmer im Unternehmen sein müssen. Der Produktmanager wird in ihren Augen zum Mini-CEO und managt die Komplexität seiner Produkte und des Produktportfolios über den gesamten Produktlebenszyklus, um so neue Business-Potenziale zu erschliessen. Des Weiteren haben die Top-Performer erkannt, dass durch die Digitalisierung der Unternehmensprozesse der Produktmanager mehr Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus erhält und so besser zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Doch umso ernüchternder ist der «State of the Nation»: Gerade einmal 18,3% der Schweizer Unternehmen gaben an, ein zufriedenstellendes Niveau hinsichtlich der Digitalisierung der Unternehmensprozesse erreicht zu haben (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2: Digitalisierungs-Niveau © Swiss Marketing Leadership Studie 2018

Ersichtlich wird dies daran, dass lediglich 22% der Unternehmen über Smart Connected Products verfügen, welche auswertbare Daten aus den verschiedenen Phasen ihres Lebenszyklus sammeln (durchschnittliche Zustimmung von 2,2 von 5 Punkten, vgl. Abb. 3). Entsprechend sind auch nur 13% der Unternehmen in der Lage, den Digital Twin zu erzeugen (2,0 von 5 Zustimmungspunkten) – und anscheinend herrscht gegenüber diesen Konzepten noch einige Skepsis vor. So glaubt eine Mehrheit von 60% der Unternehmen nicht, dass der Digital Twin die notwendige Transparenz schaffen würde (2,2 von 5), um damit Produkte mit grösserem Kundennutzen (2,4 von 5) zu schaffen. Deshalb haben auch erst 16% der befragten Schweizer Unternehmen ihre Business Modelle oder Revenue Streams dank Smart Connected Products innovieren können (2,1 von 5). Die Top-Performer, welche den Nutzen des digitalen Twins von Smart Connected Products erkannt haben und danach handeln, liegen hinsichtlich all dieser Aussagen teilweise signifikant über den übrigen Unternehmen, doch auch bei Ihnen handelt es sich immer noch um eine Minderheit.

Abbildung 3: Smart connected Products und ihr Digital Twin © Swiss Marketing Leadership Studie 2018

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass viel Potenzial vorhanden ist, welches allerdings noch nicht von allen Unternehmen wahrgenommen wird. Auch bei der Umsetzung haben viele Unternehmen noch einen weiten Weg vor sich, da selbst viele „Early Adopter“ noch am Anfang dieses Prozesses stehen.

Kostenloser Download der Studie
Die komplette Studie steht Ihnen hier kostenlos digital zur Verfügung.

Verwendete Quellen:

Fuchs, R., & Barth, L. (2018). Wie Smart Connected Products Kunden emotionalisieren. In: Rüeger, B., Hannich, F, Fuchs, R., Müller, S., Klaas, M., Suvada, A. (Hrsg). Emotionalisierung im digitalen Marketing: erfolgreiche Methoden für die Marketingpraxis. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. S. 89–103.

Gassmann, O., Frankenberger, K., & Csik, M. (2013). Geschäftsmodelle innovieren. München: Hanser.

Osterwalder, A., & Pigneur, Y. (2010). Business Model Generation. Frankfurt: Campus Verlag.

Porter, M., & Heppelmann, J. (2015). How Smart, Connected Products Are Transforming Companies. Harvard Business Review, 93(10), S. 53–71.

Smart Cities in der Schweiz – Ein Use Case-getriebener Ansatz

Von Dr. Manuel Holler

Neben den urbanen Metropolregionen in Asien und den Vereinigten Staaten stehen auch die Städte in der Schweiz vor der Herausforderung, eine Steigerung der Lebensqualität bei gleichzeitiger Ressourcenreduktion zu erreichen. Smart City-Konzepte, insbesondere die intelligente Vernetzung von Infrastruktur, stellen hierfür einen wichtigen Lösungsansatz dar. Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt hierzu eine Commercial-IoT-Plattform. Die Plattform ist dabei als Enabler anzusehen, so dass Unternehmen und Städte das Paradigma einer digital vernetzen physischen Welt realisieren können.

Konzept einer Smart City © Hivemind

Wenn es an die konkrete Umsetzung solcher Smart City-Konzepte geht, können grundsätzlich zwei Strategien unterschieden werden: Während einige Städte den Ansatz verfolgen, die technischen Grundlagen der Vernetzung sicherzustellen, zielen andere darauf ab, die Smart City mit konkreten, wertschöpfenden Anwendungsfällen zu initiieren. Besonders vor dem Hintergrund der notwendigen, schrittweisen Evolution hin zu ganzheitlich vernetzten Städten bietet sich besonders letzterer Ansatz an.

Gebündelt in der Initiative «Start Smart City» konnten so zusammen mit Partnern aus den Bereichen Sicherheit, Umwelt, Infrastruktur, Mobilität bereits erste Use Cases identifiziert und realisiert werden. Abbildung 2 zeigt den exemplarischen Smart City Use Case «Abfallentsorgung». Im Gegensatz zu einer traditionellen, periodischen Entleerung, sorgen die «Smart Connected Garbage Bins» für optimierte Abläufe.

Smart City Use Case „Abfallentsorgung“ © Start Smart City

Dennoch gilt es, die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse der Schweizer Städte noch besser zu verstehen. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt weitere Anwendungsfälle für Smart Cities in der Schweiz zu identifizieren und zu charakterisieren.

Der Gründer

Gründer Vikram-Bhatnagar © Hivemind

Vikram Bhatnagar (vik@hivemind.ch) ist Gründer und Geschäftsführer von «Hivemind» und «Start Smart City». Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt eine Commercial-IoT-Plattform. Die Initiative «Start Smart City» setzt sich für die intelligente Vernetzung der Schweizer Städte ein.

Der Product Management 4.0 Strategietag: Empowering Digital Value Creation!

Von Prof. Dr. Rainer Fuchs

Was macht die Digitale Transformation aus dem Product Management? Diese Frage, die seit letztem Jahr auch schon lebhaft in der Swiss Product Management Community, einer geschlossenen LinkedIn Gruppe von Schweizer Product Managern diskutiert wird, zog vergangene Woche 280 Interessierte an die ZHAW School of Management and Law nach Winterthur. Fazit: Es gibt viel zu tun – packen wir es an!

Die Digitalisierung macht auch vor dem Product Management nicht halt: Produkte werden smart und connected und sammeln Daten über ihren gesamten Lebenszyklus – der Digitale Zwilling des physischen Produktes kann entstehen. Doch wie erzeugt man diesen, ohne im Big Data Lake zu ertrinken? Wie entwickelt man damit systematisch neue, produktdatenbasierte Ertrags- und Geschäftsmodelle? Und: Was hat das für mich, den Product Manager, für Konsequenzen? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen muss ich aufbauen, welche Methoden und Tools erlernen? Diese Fragen treiben offensichtlich so viele Product Manager um, dass die Tickets für den Product Management 4.0 Strategietag bereits einen Monat vor der Veranstaltung ausverkauft waren.

Grosses Interesse Strategietag für Product Manager © ZHAW Andjela Bulatovic

Antworten zu diesen Fragen wurden in zahlreichen über den Tag verteilten Keynotes aus Wissenschaft und Praxis gesucht. Mittels der Konferenz-App konnten die Teilnehmer zudem ihre Interessen mit denen anderer Teilnehmer abgleichen und Speed-Dating ähnliche Networking-Sessions mit gleichgesinnten vereinbaren. Wem häufig wechselnde Gesprächspartner nicht lagen, hatte die Möglichkeit in interaktiven Workshops mit einer grösseren Zahl von Kollegen neue Methoden zu testen und innovative Ansätze für den Hausgebrauch in den Rucksack zu packen.

Speed Dating mal anders. Die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen. © ZHAW Andjela Bulatovic

Besonders intensiv wurde diskutiert, wie Product Manager sich fit für die Zukunft machen können. Das Product Management Center der ZHAW hat hierzu am Strategietag ein PM 4.0 Self Assessment vorgestellt, mit dem sich Interessierte hinsichtlich ihrer aktuellen Fähigkeiten für das digitale Product Management testen können. Das Self-Assessment ist immer noch online:

Der Test basiert auf einer Arbeit des Product Management Councils, der im Sommer 2018 ins Leben gerufen wurde. 30 Vertreter aus 15 renommierten Schweizer Unternehmen erarbeiteten in diesem Rahmen ein Reifegradmodell für den PM 4.0. Es gibt Hinweise darauf, welche Themen, Methoden und Tools ein Product Manager sich schrittweise erarbeiten kann, um die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben und zum Digital Business Driver zu werden. Die Ergebnisse des Product Management Councils flossen bereits in einen Weiterbildungskurs der ZHAW ein: Den CAS Digital Product Management. Als um 18.30 Uhr nach einem sehr intensiven, informationsdichten Tag das Fazit der Veranstaltung gezogen wurde, war klar: «Wir wissen, wie wichtig der Beitrag des Produktmanagements zur Digitalisierung der Unternehmen und damit zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist, wir sind aber noch nicht am Ziel angelangt. Aber wir wissen was zu tun ist und bleiben dran!»

Prof. Dr. Rainer Fuchs

Rainer Fuchs ist Professor für Product Management an der ZHAW und leitet das Product Management Center. Ursprünglich Physiker mit einem Dr. in Ingenieurswissenschaften und einem Master in Industrial Management, forscht er heute im Themenbereich von Smart Connected Products und teilt diese Erkenntnisse mit Studierenden in Bachelor, Master- und Weiterbildungsstudiengängen wie dem MAS Product Management und dem CAS Digital Product Management.

Babolat Play® Teil 2: Wie Digitale Zwillinge und Smart Connected Products das Customer Lifecycle Management verändern.

Von Linard Barth

In Teil 1 haben wir die Verwendung der durch Smart Connected Products generierten Daten im Product Lifecycle Management anhand des Babolat Play® Rackets beschrieben und wenden uns nun dem Customer Lifecycle Management durch die Babolat® App zu.

„Nach der Einführung von Babolat Play vor drei Jahren haben wir jede Menge positives Feedback erhalten, darunter auch viele Ideen und Verbesserungsvorschläge. Einer vielfach geäußerten Anregung kamen wir mit der Entwicklung einer ganz neuen App nach, die alle Tennis-Fans weltweit nutzen können, und nicht nur die, die mit vernetzten Produkten von Babolat spielen“, verrät Projektmanager Florent Isidore.

Dass Babolat durch die «Play & Connect App» nicht nur ein neues Kommunikations- sondern auch ein Innovationstool geschaffen haben, wurde ihnen selbst erst mit der Zeit bewusst:

Babolat® App, welche auch ohne Babolat Play® Racket verwendet werden kann ©Babolat

Mit dieser neuen App wendet sich Babolat an alle Freunde des Tennissports und weitet sowohl die Nutzerbasis als auch die Inhalte massiv aus – mit einer ganzen Reihe von Services, die es jedem ermöglichen, sich mit anderen über ihren Tennis-Alltag auszutauschen und natürlich Nachrichten aus der internationalen Tennis-Welt und die neuesten Infos über seine Lieblingsspieler zu erhalten In der App kann jeder sein eigenes Profil anlegen und seine Leistungen und Ergebnisse festhalten sowie seine Tennis-Termine und sogar sein Equipment verwalten. Außerdem ist es möglich, die Ergebnisse und Profile von Spielern einzusehen (Tabellenplätze, Nationalität, letzte Matches usw.). So kann man seinen Lieblings-Spielern folgen, aber auch seinen Tennis-Freunden und -Partnern, und im Newsfeed die neuesten Infos über sie abonnieren. Zudem gibt es ein neues soziales Netzwerk, in dem die Mitglieder sämtliche Tennis-News, -Inhalte und -Fotos mit anderen Fans teilen können. So findet das Tennis-Leben nicht mehr nur auf dem Platz statt, sondern lässt sich jederzeit auch in einem „digitalen Tennis-Verein“ erleben.

Aus dem digitalen Zwilling des Produktes wird somit ein digitaler Zwilling sämtlicher marktorientierten Aktivitäten eines Unternehmens: Die Community, der «digitale Verein» führt zu einem bidirektionalen Informationsfluss zwischen Babolat und den Kunden und – fast wichtiger – zum Kommunikationsinstrument der Kunden unter sich! Dadurch wird der digitale Zwilling zum hochdynamischen Kommunikations-, Interaktions- und Innovationstool und liefert zusätzlichen Value in allen Phasen des Customers Lifecycle Managements.

Digital Twin Framework für Customer Lifecycle Management mit Smart Connected Products (eigene Darstellung nach Fuchs & Barth (2018))

Die Produktinnovation hinsichtlich Smart Connected Product hat folglich eine ganze Reihe weiterer Innovationen ausgelöst, indem die in der Nutzungsphase über den digitalen Zwilling gewonnenen Daten sowohl intern für das Product Lifecycle Management (z.B. Optimierung des Schlägers) als auch zur Weiterentwicklung der Customer Experience eingesetzt werden. Durch die netzwerkartige Kommunikation und den exklusiven Zugang zur Tennis Community über die neue App hat sich Babolat zudem in die Pole Position gebracht für weitere kundenorientierte Innovationen und gleich noch einen USP als Sponsor gegenüber den Athleten geschaffen. Seit der Ankündigung des Babolat Play & Connect vor 6 Jahren hat das Unternehmen mehr Innovationen hervorgebracht als in den knapp 140 Jahren zuvor und durch die neuen Marketing-Instrumente stehen die Chancen auch für zukünftige Innovationen mehr als gut.

Fuchs, Rainer; Barth, Linard, 2018. Wie Smart Connected Products Kunden emotionalisieren. In: Rüeger, Brian; Hrsg., Hannich, Frank; Hrsg., Fuchs, Rainer; Hrsg., Müller, Steffen; Hrsg., Klaas, Michael; Hrsg., Suvada, Adrienne, Hrsg., Emotionalisierung im digitalen Marketing : erfolgreiche Methoden für die Marketingpraxis. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. S. 89-103.

http://www.babolat.com/insiders/de/tennis-rund-um-die-uhr-mit-der-neuen-app-von-babolat-0005/#.W-6YjqJp57Y

https://www.aargauerzeitung.ch/sport/tennis/nadals-mogelpackung-geht-es-um-ihr-racket-werden-aus-tennis-spielern-sensible-tueftler-132629761

Neue Geschäftsmodelle als Enabler neuer Geschäftsmodelle: Das Beispiel Airbnb und Airhosted

Von Manuel Holler

Mit dem Erscheinen von Airbnb auf der Bildfläche des Übernachtungsgewerbes ging ein Ruck durch die Branche. Der Marktplatz für die Vermittlung von privaten Wohnungen veränderte zum einen das klassische Hotelgeschäft, zum anderen aber auch das Reiseverhalten einer ganzen Generation in tiefgreifender Art und Weise. Wie sich Airbnb in seinem mittlerweile zehnjährigen Bestehen nicht nur als erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert hat, sondern auch als Enabler neuer Geschäftsmodelle fungiert, zeigt das Beispiel des Start-Ups Airhosted aus Zürich.

Sorgenfreies Airbnb Hosting © Airhosted

Airhosted betreibt seit einem Jahr erfolgreich einen Airbnb-Management Service in Zürich und hat hierbei auch die erste Home Sharing-Versicherung in Kooperation mit der Allianz Suisse lanciert. Bei Airhosted werden alle Dienstleistungen übernommen, welche bei Airbnb anfallen: Von der korrekten Vermarktung und Bilderstellung der Wohnung, Preisoptimierung, Gästekommunikation, Schlüsselübergabe bis hin zur Reinigung der Wohnung nach dem Gästeaufenthalt.

Hauptsächlich kümmert sich Airhosted dabei um private Kunden, welche eine ungenutzte Wohnung haben und mittels Kurzzeitvermietung zusätzliches Einkommen erzielen wollen. Dank dem Service können jene schnell und unkompliziert ihre Wohnung vermitteln und die eigenen Mietausgaben decken. Aus Geschäftsmodellsicht findet dabei ein Revenue Sharing-Konzept Anwendung. Je nach Umfang der erbrachten Dienstleistungen tritt der Wohnungsanbieter einen Anteil seines erwirtschafteten Umsatzes an Airhosted ab.

Airbnb-Management Services von © Airhosted

Auch für die Zukunft plant Airhosted, weiter auf dem Ökosystem von Airbnb aufzubauen. In einem nächsten Schritt soll in einer Portfolioerweiterung das Potential hinsichtlich des wachsenden Wohnungsleerstandes der Schweiz erschlossen werden. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt einen schlanken Prozess zu definieren, mit dem Wohnungsleerstand identifiziert und genutzt werden kann.

Ansprechpartner

Simon Ruckstuhl                                    Lukas Wartmann

Simon Ruckstuhl (simon@airhosted.ch) und Lukas Wartmann (lukas@airhosted.ch) sind Co-Founder der Airhosted GmbH. Airhosted ist ein professioneller Airbnb-Management Service aus Zürich und die erste Anlaufstelle für Kurzzeitvermietungen.