Soziale Nachhaltigkeit in Schweizer Unternehmen – ein aktueller Einblick

Von Christine Bircher

Erkenntnisse der Bachelorarbeit von Christine Bircher im Rahmen des Bachelorstudiengangs Betriebsökonomie der ZHAW School of Management and Law.

Durch die Globalisierung von Unternehmen und Wertschöpfungsketten sind in den letzten Jahren soziale Themen, wie Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Korruption in die politische und gesellschaftliche Debatte gerückt. Kunden verlangen vermehrt Produkte, deren Herstellung minimale Standards sozialer Nachhaltigkeit erfüllen. Studien zeigen aber auch, dass Unternehmen ihre soziale Verantwortung vermehrt wahrnehmen, weil eine tadellose Reputation und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen in Zeiten des Fachkräftemangels ein entscheidender Erfolgsfaktor auf dem Arbeitsmarkt sind.

Die Bachelorarbeit untersuchte den aktuellen Stand sozialer Nachhaltigkeitsaktivitäten in Schweizer Unternehmen und wie sich diese in den letzten fünf Jahren verändert haben. Basierend auf aktuellen Trends und Studien wurden 58 Schweizer Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt und die Ergebnisse mit dem Swiss Corporate Sustainability Survey 2012 der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften verglichen.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • Interesse: Schweizer Unternehmen beschäftigen sich vermehrt mit sozialer Nachhaltigkeit. Begründet werden Nachhaltigkeitsaktivitäten primär durch die Verbesserung der Unternehmensreputation, der Stärkung der Kundenbindung und der Attraktivitätssteigerung auf dem Arbeitsmarkt.
  • Stakeholder: In Zusammenhang mit sozialer Nachhaltigkeit befassen sich die meisten Schweizer Unternehmen eingehend mit den Erwartungen ihrer Stakeholder, insbesondere mit denjenigen von Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten. Die verstärkte Interaktion mit Stakeholdern führt zu mehr Transparenz im Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen, was sich oftmals in der Einhaltung von Standards und Zertifikaten sowie in Mitgliedschaften bei Verbänden äussert. Tendenziell investieren grosse Unternehmen dafür mehr Mittel.
  • Themengebiete: Für Schweizer Unternehmen sind Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Arbeitsmarktfähigkeit und Förderung der Mitarbeitenden sowie faire Wettbewerbspraktiken in Bezug auf soziale Nachhaltigkeit am wichtigsten. Generell werden Themen zu Arbeitspraktiken und menschenwürdiger Beschäftigung am intensivsten bearbeitet. Menschenrechtsthemen werden je nach Grösse und internationaler Verflechtung des Unternehmens unterschiedlich gewichtet.

Soziale Nachhaltigkeit als bedeutendes Thema für die Unternehmen © eigene Darstellung von Christine Bircher

Die Zukunft sozialer Nachhaltigkeit in der Schweiz

Aus Sicht von Schweizer Unternehmen steigt die Bedeutung sozialer Nachhaltigkeit. Sie gehen davon aus, dass dazu mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Externe Herausforderungen werden vor allem bei der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft und der zunehmenden Bedeutung von Work-Life-Balance gesehen.

Die Resultate verdeutlichen, dass sich Schweizer Unternehmen in einer fortgeschrittenen Entwicklungsstufe des Nachhaltigkeitsmanagements befinden. Daher sollten Unternehmen soziale Nachhaltigkeit nicht als Risikofaktor sehen, sondern als Chance zur strategischen Differenzierung.

Über Christine Bircher

Christine Bircher arbeitet am Center for Law & Economics der ETH Zürich und hat diesen Sommer erfolgreich ihr Bachelorstudium in Betriebsökonomie mit Vertiefung in General Management an der ZHAW abgeschlossen. Im Herbst wird sie ihr Masterstudium an der ZHAW in Business Administration – Major Marketing beginnen..

http://www.lawecon.ethz.ch/people/bircher.html

Smarte Uhren, Müslüm, Werte und Awards – was ist da los, in der Marketing Welt?

Neulich am SDV Award wurden die Dialog Marketeers der Deutschschweiz für ausserordentlich kreative, konzeptionell herausragende und oft auch messbar erfolgreiche Kundendialoge prämiert. Business as usual. Oder auch nicht, denn die auch in diesem Jahr überaus geglückte Inszenierung wurde im Wesentlichen durch ein besonders unästhetisches, aber uneingeschränkt unterhaltsames Gesicht geprägt: Müslüm.

Der Berner Komiker und Satiriker Semih Yavsaner legte den gewohnt spitzen Humor zu Tage sowie eine ordentliche Portion Polarisierungspotenzial. Die Parodie des Gastarbeiters missglückte nur dann, wenn die scharfsinnige Gesellschaftskritik im Wortschatz eines  sprachlich (zu) Ungebildeten daher kam – dies aber missfiel den schlürfenden Werbern im Saal nicht. Vielmehr offenbarte die penetrant sozialkritische Note seiner Sprüche den aktuellen Zeitgeist einer mit dem Thema Migration oft überforderten Zivilgesellschaft. „Ja, war das jetzt lustig oder nicht?“

Hubelot CEO Biver live (zugeschaltet) am Markenkongress 2016 im Dolder

Hubelot CEO Biver live (zugeschaltet) am Markenkongress 2016 im Dolder

Diese Frage stellte sich zumindest am Markenkongress neulich im bekanntermaßen besten Hotel Zürichs nicht. Denn hier inszenierte der Beratungsarm der Hochschule St. Gallen htp im exklusiven Dolder Campus die aktuelle Schweizer Markenwelt – nicht als Award Night sondern als instruktiver Bildungstag aber mit obligater Preisverleihung. Und siehe da: auch hier wieder ein sozialkritische Note und dies sogar aus dem Munde des Swiss Academy of Marketing Science Awards Gewinners Jean-Claude Biver: „Ethik gehört zum Erfolg und das bedeutet teilen, Respekt und verzeihen“. Der Applaus eines durchaus aufgeklärten Plenums war ihm sicher.

Das Thema Werte, Ethik und insbesondere, deren konkrete Umsetzung in der Praxis von Marketeers ist eine brandaktuelle Fragestellung. „Respekt ist, wenn Sie in ihrem Unternehmen eine Frauenquote von über 40% haben und deshalb einen Kinderhort einrichten“ meinte Biver. C’est bien claire. Es geht darum, wie sich Unternehmen angesichts einer schnell drehenden Technologiezahl und daraus resultierenden Marktpotenziale verhalten und kommunizieren aber auch verhalten. Die Diskussion ist damit (ein weiteres Mal) eröffnet.

 

Neue Karrieremöglichkeiten durch die Verbindung von Sport und Nachhaltigkeit

6877361-mountain-biking

(Bildquelle: www.7-themes.com)

Die Forschungsergebnisse der European Outdoor Group (EOG) zeigen auf, dass sich der Outdoor-Markt auch im letzten Jahr trotz widriger Marktbedingungen gut entwickelt hat. Unterstützend war hierbei sicherlich, dass sich der Trend von Aktivitäten im Freien auch bei jüngeren Menschen durchgesetzt hat. Sogar das klassische Wandern hat in den letzten Jahren ein Revival erlebt.

Aufgrund der immer grösseren Beliebtheit von Outdoorsportarten, zeigen sich zunehmend negative Auswirkungen auf die teils sehr sensiblen Landschaften. Damit auch die folgenden Generationen Outdoorsport betreiben können, müssen die Bedürfnisse von Mensch und Natur in Einklang gebracht werden. Hierzu gehört, dass Schutz und Rückzugsgebiete von Tieren respektiert werden und Rücksicht auf die Beanspruchung der Wege genommen wird. Die Vereinbarkeit zwischen Outdoorsport und Umwelt ist aber noch viel weitreichender. Erfreulicherweise haben dies auch die Konsumenten erkannt und interessieren sich vermehrt für Aspekte der Nachhaltigkeit. Sie möchten wissen, unter welchen Umständen ihre Ausrüstung hergestellt wird. Gleichzeitig wollen sie aber nicht auf Innovation und Funktionalität verzichten.

„We will help to make snowboarding – and our lifestyle – sustainable well into the future.“ Ali Kenney, Director of Global Sustainability, Burton Snowboards

Dieses Problems hat sich das Schweizer Zertifizierungsunternehmen Bluesign mit Sitz in St. Gallen angenommen. Das unabhängige bluesign® System ist die Lösung für eine nachhaltige Herstellung von Textilien, welche versucht die Umweltbelastung während des gesamten Produktionsprozesses zu minimieren. Daher setzt das System bereits beim Beginn der Produktion an und schliesst umweltbelastende Substanzen aus dem Fertigungsprozess aus. Gemäss vorgelegten Richtlinien wird deren Einhaltung kontrolliert und somit eine umweltfreundliche Produktion sichergestellt. Basierend auf den fünf Prinzipien Ressourcenproduktivität, Verbraucherschutz, Gewässerschutz, Immissionsschutz und Arbeitssicherheit müssen sich bluesign® Systempartner strengen Prüfungen unterziehen. Dem bluesign® system angeschlossen haben sich bereits international namhafte Unternehmen wie NIKE, Inc., The Burton Corporation, die Mammut Sports Group AG, The North Face und die Adidas Group.

 

Dass Sport und Nachhaltigkeit zusammengehört haben auch Fabian Putzing und Arne Menn erkannt. Die beiden Absolventen des Masters in Sustainable Development haben Ende 2011 die erste Nachhaltigkeitsberatung in der Schweiz, die sich ausschliesslich auf den Sport konzentriert, gegründet. Sustainable///sports berät erfolgreich Sportstättenbetreiber, Sport-Clubs, Sport-Events, Tourismusdestinationen sowie Städte und Gemeinden im Bereich Nachhaltigkeit und Sport. Für Swiss Olympic erarbeitete das Start-up einen Leitfaden zur Einführung und Etablierung von Nachhaltigkeit in Sportverbänden – von der Strategieentwicklung über die Umsetzung bis zur Berichterstattung. Der spezifisch für den Sportbereich entwickelte Leitfaden unterstützt die Verbände Schritt für Schritt mit Anleitungen, Checklisten und Arbeitshilfen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ausrichtung ihrer Tätigkeit.

Interessieren auch Sie sich für eine Karriere im aufstrebenden Nachhaltigkeitsbereich?In unserem neuen Studiengang CAS in Sustainability Marketing erlernen Sie wie man in B2B-Märkten erfolgreich nachhaltig wirtschaften und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen gezielt als Differenzierungsfaktor einsetzen kann. Sie erwerben Anwendungskompetenz für «Marketing-Tools», die sie darin unterstützen, Marketingmassnahmen umzusetzen und zu kontrollieren.

Mehr Informationen zum Studiengang erhalten Sie an unserer nächsten Infoveranstaltung vom Mittwoch, 17. Juni  2015 um 18.00 Uhr, in Winterthur.

Wieviel ist eigentlich genug und kann man mit weniger besser leben?

Können wir durch bewussten Konsum unsere Lebensqualität steigern und so den globalen Ressourcen- und Umweltproblemen begegnen? Haben wir aufgrund des materiellen Überflusses wirklich eine höhere Lebensqualität oder doch eher ein Mangel an Zeit? Diesen Fragen stellen sich die Referierenden, viele interessierte Zuschauer und Workshop-Teilnehmer am 10. eco.naturkongress, der am 27. März 2015 in Basel stattfindet.eco.naturkongress_wie-viel-ist-genug_web_v2Tiefgreifende Veränderungsprozesse und ein Wertewandel sind notwendig um Genügsamkeit gesellschaftsfähig zu machen. Denn Suffizienz heisst: Bewussteres und bewusst reduziertes Konsumieren. Für viele ist das nicht einfach. Aber auch kleine, machbare Schritte können durchaus effektiv sein.

Wie kann man den erhobenen «Suffizienz-Zeigefinger» umgehen und Verzicht attraktiv und alltagstauglich machen? Dieser Frage geht die Fachstelle Behavioral Marketing zusammen mit den Referenten Dr. Urs Müller (Forschungsbereich Nachhaltigkeitskommunikation ZHAW), Marco Zaugg (getunik AG) und Lisa Ochsenbein (Pumpipumpe) nach.

Anhand von Inputs aus Theorie und Praxis wird gezeigt, wie mit verhaltens-wissenschaftlichen Ansätzen und innovativen Kommunikationsmassnahmen suffizientere Lebensstile gefördert werden können.

Interessiert? Dann melden Sie sich zum Kongress und den Workshops (z.B. D09 Wie wird Verzicht attraktiv?) an.

eco.naturkongress

eco.naturkongress

5 Fragen an Dr. Linda Miesler zum neuen Kurs «Behavioral Economics for Marketers»

Dr. Linda Miesler

Dr. Linda Miesler

Warum sollte man als Marketingverantwortlicher diesen Kurs unbedingt besuchen?
Unternehmen gehen häufig bei der Umsetzung ihrer Marketingstrategie von einem rein rational entscheidenden Kunden aus. Wir nehmen beispielsweise an, dass der Kunde alle Zeit der Welt, unbegrenzte mentale Ressourcen, ein riesiges persönliches Interesse, etc. hat, um sich intensiv mit Informationen zu Produkten und Services auseinanderzusetzen. Aber wenn wir uns einmal selbst in die Situation des Kunden versetzen, wird schnell klar, dass wir bei unseren Entscheidungen häufig nicht rational sondern beispielsweise impulsiv, emotional oder auch gleichgültig handeln. Oft lassen sich Kunden auch stark durch irrelevante Informationen oder durch situative Einflüsse beeinflussen. All diese (vermeintlich) irrationalen Verhaltensmuster müssen von Marketingverantwortlichen berücksichtigt werden, um beim Kunden mit den entsprechenden Marketingmassnahmen den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Was erwartet die Teilnehmer bei Kursteilnahme?
Die Erkenntnisse aus Behavioral Economics und Konsumentenpsychologie erlauben neue Sichtweisen auf den Kunden. Wir vermitteln in diesem Kurs die Grundlagen aus diesen Forschungsgebieten und zeigen die Bedeutung für das Marketing auf. Durch eine abwechslungsreiche Kursgestaltung, in der theoretische Inputs mit Beispielen in Form von Praxiscases, kleinen Übungen oder Gruppenaufgaben kombiniert werden, sollen die Teilnehmer ein Gefühl dafür bekommen, wie sie auf Basis dieser Erkenntnisse die Gestaltung von Marketingmassnahmen optimieren können und wie sie Kundenentscheidungen besser vorhersehen können.

Wo können die Inhalte im Unternehmen vor allem eingesetzt werden?
Neben dem besseren Kundenverständnis zeigen wir den Teilnehmenden, wo die Grenzen der bestehenden Marktforschungs-Tools zur Messung des Konsumentenverhaltens liegen und geben Inputs zu neuen Methoden, die sie im Unternehmensalltag anwenden können. Mit einem Rucksack vollgepackt mit neuen Kenntnissen ist zu erwarten, dass die Teilnehmenden aber auch selbst komplett neue Spielräume für ihre Produkte oder Strategien erkennen, die in der Praxis sehr erfolgreich sein können.

Kann ich auch teilnehmen, wenn ich nicht im Marketing-Bereich tätig bin?
Sicher. Der Kurs richtet sich zwar grundsätzlich an Personen mit Endkundenfokus aus Marketing, Kommunikation und Marktforschung. Beziehungsweise auf alle, die sich auf diese Funktionen vorbereiten möchten. Jedoch auch Personen, die lediglich daran interessiert sind, Behavioral Economics nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern mehr über das mögliche Zusammenspiel vieler faszinierender einzelner Effekte und dem Einsatz von Marketinginstrumenten erfahren möchten, sind herzlich willkommen.

Wo kann ich mich anmelden und wann findet der Kurs statt?
Anmelden kann man sich direkt bei der Kursleitung Verena Berger per E-Mail. Die Durchführung richtet sich nach der Anzahl der Anmeldungen. Damit kleine Gruppenarbeiten durchgeführt werden können und die Teilnehmenden während der drei Kurstage vom gegenseitigen Austausch profitieren, ist eine Teilnehmeranzahl von mindestens 10 Interessierten sinnvoll.

Der Konsument – das ewige Rätsel?

Forscher präsentierten bei einer Studie den Teilnehmenden zwei Arten von Fleisch: „99% fettfrei“ und „1% fetthaltig“. Obwohl beide Fleischarten identisch waren, wurde das erste Stück Fleisch von den Befragten als gesünder eingestuft. Auch bei der Auswahl von „98% fettfrei“ und „1% fetthaltig“ entschieden sich die meisten Teilnehmenden für die erste Variante, obwohl diese rund doppelt so viel Fett enthielt (Dobelli, 2011).

Dies ist nur ein Beispiel, wie man die Wahrnehmung der Konsumenten oder die Art, wie diese Entscheidungen treffen, mittels sogenanntem Framing, verändern kann. Framing ist ein Phänomen aus dem Bereich Verhaltensökonomie (Behavioral Economics), und besagt, dass je nachdem, wie eine Information dargestellt wird, die Wahrnehmung dieser Information und damit die Entscheidung unterschiedlich ausfällt.

Das Entscheidungsverhalten der Konsumenten ist oft fern jeglicher Rationalität und aus verhaltenstheoretischer Sicht kann der Konsument entscheidungsrelevante Faktoren nicht immer vollständig verarbeiten. Die Menge an Informationen, die bei der Wahl eines Produktes zu Verfügung stehen, ist oftmals schwierig zu erfassen. Daher versucht das Individuum diese so gut wie möglich zu vereinfachen, um mit den Informationsinhalten und deren möglichen Auswirkungen zurechtzukommen. Dazu bedient es sich sogenannten Heuristiken, ein weiteres Thema der Verhaltensökonomie, welche regelmässig zur Bewältigung von komplexen Entscheidungen angewendet werden. Diese Regeln oder Strategien der Informationsverarbeitung werden regelmäßig, bewusst oder unbewusst, angewendet. Sie dienen dazu „…mit geringem Aufwand zu einem schnellen, aber nicht garantiert optimalen Ergebnis kommen, kurz: Faustregel.“ (Goldberg & Nitzsch, 2004, p. 49.)

Die Fachstelle Behavioral Marketing bietet seit kurzem den Kurs Behavioral Economics for Marketers an. Dieser soll leitenden Mitarbeitenden mit Endkundenfokus in Marketing, Kommunikation und Marktforschung eine neue Sichtweise auf ihre Kunden geben. Die Teilnehmenden erhalten in diesem dreitägigen Kurs einen Einblick in die die wichtigsten Erkenntnisse der Verhaltensökonomie und Psychologie. Darüber hinaus werden im Kurs konkrete Anwendungsmöglichkeiten dieser Erkenntnisse aufgezeigt und diskutiert. Dies ermöglicht den Teilnehmenden neue Marketingmassnahmen zu erarbeiten oder bestehende zu optimieren, welche den gewünschten Erfolg bei ihren Kunden erzielen können.

Quellen:
Dobelli, R. (2011). Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. München: Carl Hanser Verlag.
Goldberg, J., & Nitzsch, R. v. (2004). Behavioral finance: Gewinnen mit Kompetenz; [verbessern Sie die Trefferquote Ihrer Anlageentscheidungen deutlich!] (4. Aufl.). München: FinanzBuch-Verlag

Ein Porträt über das Institut für Marketing Management

ZHAW_Institutsportraet_IMM_Ausschnitt
Das Institut für Marketing Management (IMM) der ZHAW School of Management and Law ist darauf ausgerichtet, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen miteinander zu verknüpfen. Unsere Fachstellen decken das Spektrum des modernen Marketings in Forschung und Entwicklung, Dienstleistung, Weiterbildung und Lehre ab. Das IMM bietet einen optimalen Mix zwischen Wissenschaft und Praxis. Dieser Ansatz wird vor allem durch die Beziehungen zu zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Praxis sowie zu ehemaligen Studierenden gepflegt.

BEHAVIORAL MARKETING

Die Fachstelle Behavioral Marketing erforscht und dokumentiert die Facetten menschlichen Verhaltens im Kontext von Konsum und gesellschaftspolitischen Fragen. Forschungsmethoden wie beispielsweise experimentelle Ansätze ermöglichen neue Sichtweisen auf das (häufig irrationale)Konsumentenverhalten. Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Entscheidungsfindung und Verhaltensänderung. Ziel ist es, Mehrwert für Unternehmen, Organisationen sowie Konsumentinnen und Konsumenten zu erarbeiten.

INTEGRATED COMMUNICATION

Erfolgreiche Kommunikation bleibt für Unternehmen eine grosse Herausforderung. Die Informationsüberlastung,
eine sich rasch verändernde Medienlandschaft sowie die zunehmende Interaktion erschweren diese Aufgabe. Umso mehr gewinnt die treffende Ansprache interner und externer Anspruchsgruppen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Die Fachstelle Integrated Communication beschäftigt sich mit kommunikativen Problemstellungen von Unternehmen. Unsere Herangehensweise ist dabei ganzheitlich, strategisch verankert und wissenschaftlich fundiert.

SERVICE LAB (CUSTOMER EXPERIENCE MANAGEMENT)

Das Service Lab untersucht, wie Konsumentinnen und Konsumenten Firmen, Brands, Produkte und Dienstleistungen wahrnehmen und erleben. Auf Basis verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse und mittels der Kombination verschiedener Methoden (klassische Marktforschung, Service Design, Biometrie) wird die Kundenperspektive sichtbar gemacht. Darauf aufbauend entwickeln die Expertinnen und Experten des Service Labs Strategien und Konzepte zur Kundenorientierung und ermöglichen eine vollständige Neuentwicklung von Services und Marketingmassnahmen. Das Erarbeiten von wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie der Nutzen für unsere Praxispartner stehen im Zentrum der Fachstelle Service Lab. Das Institut für Marketing Management (IMM) der ZHAW School of Management and Law ist darauf ausgerichtet, wissenschaftliche Erkenntnisse und
praktische Erfahrungen rund um das Marketing miteinander zu verknüpfen. Unsere Fachstellen decken das Spektrum des modernen Marketings in Forschung und Entwicklung, Dienstleistung, Weiterbildung und Lehre ab. Das IMM bietet einen optimalen Mix zwischen Wissenschaft und Praxis. Dieser Ansatz wird vor allem durch die Beziehungen zu zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Praxis sowie zu ehemaligen Studierenden gepflegt.

STRATEGIC CUSTOMER RELATIONSHIPMANAGEMENT

Die Fachstelle strategisches Kundenbeziehungsmanagement (CRM) ist auf die Pflege von Kunden- und Stakeholderbeziehungen fokussiert. Wir verstehen CRM als Unternehmensweites Führungs- und Organisationsprinzip. Dieses zielt darauf ab, den Unternehmenswert durch hohe Kundenzufriedenheit und profitable Kundenbeziehungen zu steigern. Forschungsschwerpunkte sind das strategische Kundenbeziehungsmanagement sowie CRM in digitalen Kanälen.

PRODUCT MANAGEMENT

Der Auftrag der Fachstelle Product Management ist es, die wissenschaftliche Erforschung aktueller Aspekte des Product Managements voranzutreiben und die Ergebnisse unseren Partnern aus der Schweizer Industrie zugänglich zu machen. Als schweizweit erstes Kompetenzzentrum für wissenschaftliche und anwendungsorientierte Fragen rund um das Product Management beraten wir gerne bei zentralen Herausforderungen in Ihrem Unternehmen. Fundierte Methoden aus dem wissenschaftlichen Umfeld garantieren
valide und erfolgsrelevante Ergebnisse.

„Kommunikation muss auf Augenhöhe passieren und authentisch sein. Die Kunden wollen wissen, ob ein Unternehmen wirklich so ist, wie es sich gibt.“ Brian Rüeger, lic. oec., Leiter Institut für Marketing Management

FORSCHUNG, ENTWICKLUNG UND DIENSTLEISTUNG

Das Institut für Marketing Management (IMM) arbeitet auf vielfältige Weise mit Unternehmen und Organisationen in der praxisorientierten Forschung zusammen. Vielfältige Kooperationsformen sind möglich, von Studentenprojekten über Auftragsforschung bis zu KTI-geförderten Forschungsprojekten. Die Ergebnisse fliessen direkt in Lehre und Weiterbildung ein. Im Bereich Dienstleistung unterstützen wir Unternehmen bei der Erstellung massgeschneiderter Marketinglösungen und beraten diese bei unternehmensspezifischen Fragen. Wir bieten Ihnen fachliche und methodische Unterstützung für innovative Problemlösungen.

LEHRE UND WEITERBILDUNG

Das Lehrangebot des IMM auf Bachelor- und Masterstufe verfolgt das Ziel, den Studierenden vertiefte fachliche Fähigkeiten sowie interdisziplinäre Marketingkompetenz zu vermitteln. Mit seinem vielfältigen Weiterbildungsangebot unterstützt das IMM Fach- und Nachwuchskräfte dabei, neue berufliche Qualifikationen zu erlangen und ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Der Einsatz von internen und externen Dozierenden mit langjähriger Unternehmenserfahrung garantiert einen optimalen Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis.

Rückblick: Academy of Marketing Conference 2014 in Bournemouth

HorizontVon «140 Zeichen» und «Fuel Poor» – News aus der Welt, die Wissenschaft
Die diesjährige Konferenz der Academy of Marketing zu dem Marketingdimensionen: People, Places and Spaces fand vom 7. bis 10. Juli in Bournemouth (GB) statt. Die Konferenz wurde mit einer Keynote von Jonathan Gabay eröffnet, der den Standpunkt vertrat, dass Marketing seine Seele für 140 Zeichen (Zeichenlänge eines Twitterbeitrags) verkauft. Damit verbunden ist die Aufmerksamkeit von Kunden, welche sich immer weiter verkürzt (Visuelles Beispiel: das Swypen von Benutzern durch Nachrichten auf mobilen Geräten). In den USA werden, wenn überhaupt, von 6 aus 10 Personen nur noch die Schlagzeilen gelesen. Als Folge geht in vielen Fällen das «Big Picture» verloren und wichtige Zusammenhänge fehlen, weil der wichtige Kontext nicht mehr wahrgenommen wird. Dies stellt «Marketeers» vor grosse Herausforderungen.
Das Institut für Marketing Management war mit vier Beiträgen an der Konferenz vertreten und konnte diese vor internationalem Publikum präsentieren und diskutieren:

Mit Vertrauen fängt es an
Bei der Dimension «Personen» ist Vertrauen nicht weit. James Devlin referierte zum Thema Vertrauenswürdigkeit und Vertrauen im Bereich Banking. Seine Forschung ergab, dass jüngere Personen eher höheres Vertrauen haben, dieses Vertrauen anschliessend sukzessive abnimmt und sich im höheren Alter wieder erhöht.

Städteplanung – nicht ohne Marketing und Konsumentenverhalten
Personen brauchen Orte auf zahlreiche Art und Weisen. Lisa Donnell forscht im Bereich der Gestaltung von Stadtzentren und betonte, die Wichtigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes aus Marketing, Soziologie und Geografie bei der Gestaltung von Stadtzentren. Der holistische Ansatz dient dazu, die Bedürfnisse der Einwohner möglichst gut zu verstehen, damit die Stadtzentren durch deren Bewohner mit Leben erfüllt werden. Dieses Verständnis kann erreicht werden, wenn die «physische» (Raum und wie dieser von Anbietern und Nutzern verwendet wird), die natürliche (geografische), die soziale und die sozial symbolische (Bedeutung für die Benutzenden) Umgebung simultan betrachtet werden.

Technologie, Daten (Big Data) und das Potenzial für das Marketing
Die Räume in denen sich Menschen bewegen sind schon lange nicht mehr auf physische Umgebungen beschränkt, sondern halten sich auch in virtuellen Räumen auf mit Hilfe der Technologie. Diese Technologie hat ebenfalls den Weg ins Marketing gefunden. Smart Meters (Vernetzte, elektronische Stromzähler, die eine Auswertung der Stromverbrauchdaten ermöglichen), wurden ebenfalls untersucht (Tony Woodall). Der Bedarf hierzu ergibt sich aus der sog. «fuel poor» Thematik. Fuel poor sind Personen, welche wenig Einkommen haben, gleichzeitig aber einen hohen Energieverbrauch haben. Die Lösungsansätze zielen darauf ab, mit den Daten aus den Smart Meters Empfehlungen für Verbraucher abzuleiten mit dem Ziel weniger Strom zu verbrauchen oder diesen effizient zu nutzen.
Zum Big Picture von Konsumenten gehört auch der Offlinebereich, auch wenn dies von Forschern (oft wegen den online einfach verfügbaren Daten) zurzeit noch wenig unterforscht ist. Rahul Chawdhary untersucht deshalb die Treiber und Konsequenzen von offline-«Word of Mouth» (Weiterempfehlungen «von Mund zu Mund»). Dabei spielen die Zufriedenheit und vor allem das Commitment von Kunden eine grosse Rolle.

Horizonterweiterung…
Die Konferenz schuf durch ihre geografische Lage, mit Blick über den Ärmelkanal, viel Freiraum für Gedanken und neue Ideen.

Alles in allem eine spannende und erfolgreiche Konferenz, durch die sich, neben kulinarischen Begegnungen mit Bread and Butter Pudding oder Fish & Chips, auch viele internationale Kontakte für weitere Forschung am IMM ergeben haben.

Von Schiffslacken und Recycling-Ladies – Wie man mit grünen Produkten nachhaltiges Konsumentenverhalten fördert und Wettbewerbsvorteile erzielt

Neue Produkte haben einen schweren Stand. Die meisten Produkteinführungen erweisen sich als Flops – besonders auch «grüne» Produkte.
Durchsetzen können sie sich nur dann, wenn sie als kommunikative, technische oder soziale Innovation den Markt revolutionieren. Das heisst: für den Kunden verständlicher und überzeugender, technisch effizienter oder effektiver, oder die Beziehung zwischen ihm und den anderen Marktteilnehmern einfacher und produktiver machend.

Wie das gehen kann durften Verena Berger (ZHAW, Institut für Marketing Management) und Stefan Gürtler (FHNW, Institut für Unternehmensführung), beide verantwortlich für den Weiterbildungsstudiengang CAS Sustainability Marketing, am 11. Meeting im Cluster Cleantech des Technologie Forums Zug mit Interessierten aus der Praxis diskutieren.

Was braucht es für die Marktrevolution? Sowohl technische und nicht-technische und technische Fähigkeiten. Diese sind elementar, wenn es darum geht umweltverträgliche wie auch nachhaltig-ökonomische Lösungen zu kreieren, welche die Konkurrenz distanzieren und die Kunden zu einer Verhaltensänderung bewegen.

Grafik aus der Präsentation

Grafik aus der Präsentation

Wie geht das? Das Unternehmen AzkoNobel hat eine biozidfreie Antifäulnisfarbe entwickelt, deren Einsatz keine negativen Auswirkungen auf die Meeresbiologie haben soll und den Treibstoffverbrauch um 6% reduzieren kann. Als Kombination von ökonomischem und ökologischem Kundennutzen hat sich das Produkt in der Schiffsbranche rasch durchsetzen können. «Grüne» Produktinnovationen und Erfolg müssen sich also nicht ausschliessen.

Welche innovativen «grünen» Ideen gibt es in der Schweiz? Wo gelang es, durch radikales Umdenken sich von der Konkurrenz abzuheben und gleichzeitig nachhaltiges Kundenverhalten initiieren?

Beispiel 1: Das Recycling-Paradies, Reinach AG. Wir alle kennen den tristen Charme von Recycling-Sammelstellen. Schmuddelig, aufwändig, umständlich, so kommen uns unsere Entsorgungsgänge vor. Nicht verwunderlich, dass in dieser unfreundlichen Welt die Männerberufe dominieren. Der radikale Gegenentwurf ist ein «Recycling-»Paradies, vorwiegend geführt von Frauen: freundliche Atmosphäre, grosszügige, vierspurige, witterungsgeschützte Ein- und Ausfahrt (Durchfahrsystem) und neben vielen anderen Vorteilen auch eine separate Entsorgungsstelle für Kinder mit kleinen Sammelboxen und Spielplatz.

Welche strategischen Fähigkeiten machen diese Idee zum Erfolg? Technisch gesehen die Logistik und vor allem der Standort und die Organisation und Ausgestaltung der Lokalität. Nicht technisch gesehen die Fähigkeiten zur Erlebbarmachung von Dienstleistung, das Wissen über die Kundenbedürfnisse, Vermarkungsfähigkeiten und ein – durchaus positiver – Personenkult um Karin Bertschi, die wahrscheinlich am häufigsten fotografierte grüne Unternehmerin der Schweiz.

Recycling-Paradies

Recycling-Paradies

Beispiel 2: AquaClic, Zürich-Oerlikon – partnerschaftliches Wassersparen. Die Zweitausend-Watt-Gesellschaft erfordert ein Umdenken im Umgang mit Ressourcen – unter anderem beim energiefressenden Warmwasser. Wer dieses sparen will, geht heute in den Baumarkt, besorgt sich eine von vielen Wasserspardüsen und montiert diese in Eigenregie. Nicht sehr inspirierend, finden Sie? Das Unternehmen AquaClic hat die Spielregeln neu gedacht. Die Handelnden sind nicht mehr die Mieter und Hausbesitzer, sondern Unternehmen oder Kommunen. In Corporate Volunteering-Aktionen engagieren sie ihre Mitarbeitenden oder Schulklassen, um die Spardüsen in die Haushalte und an die Wasserhahnen zu bringen. Organisationen können so ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, ihr Personal in handfeste Umweltprojekte einbinden und etwas Gutes fürs Image tun.

Swissness (Fertigung in der Schweiz), der Aufbau von Beziehungen zu Partnern und die Fähigkeit aus einem technischen, ein emotionales Produkt zu machen sind hier als Erfolgsfaktoren des Produkts zu nennen.

Aquaclic.info

Aquaclic.info

Viele weitere Beispiele zeigen, dass «grüne» Produkte und Dienstleitungen erfolgreich sind. Was es braucht, sind Unternehmen mit Mut zu kühnen Ideen und der Bereitschaft in ihre strategischen Fähigkeiten zu investieren. Wenn Produkte und Dienstleistungen einen Nutzen für Kunden, Umwelt und Gesellschaft stiften, technische und nicht-technische Innovationen kombinieren, sich klar von der Konkurrenz distanzieren, «neue Spielregeln» etablieren und das Kundenverhalten so verändern können, dass es nicht in nicht-nachhaltige Bahnen zurückfällt, dann sollte dem Erfolg für das Unternehmen, aber auch für Umwelt und Gesellschaft nichts mehr im Wege stehen.

Der Nachhaltigkeitsbericht als Kommunikations- instrument

Weltweit berichten rund 71% aller Grossunternehmen über ihr Nachhaltigkeitsengagement. Das sind rund 2% mehr als noch vor 2 Jahren. Die Anzahl der Unternehmen in der Asien-Pazifik-Region, die Nachhaltigkeitsberichte erstellen, hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre sogar knapp verdoppelt (KPMG, 2013).  Diese Form der Berichterstattung hat sich also offensichtlich etabliert. Somit geht es für immer mehr Unternehmen nicht mehr darum zu entscheiden, ob sie berichten, sondern darum was und wie. Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der GRI-Richtlinien (GRI G4) steht neu die Identifikation der wichtigen Themen im Fokus, die für die Organisation und auch für die relevanten Stakeholder von Bedeutung sind.

Weiterhin müssen Unternehmen sich überlegen, wie sie den Nachhaltigkeitsbericht als Kommunikationsinstrument nutzen möchten und wer angesprochen werden soll. Die Dokumentation des Nachhaltigkeitsengagements ist für viele verschiedene Stakeholder (Konsumenten, Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre, NGOs, Lieferanten etc.) auf unterschiedliche Weise von Interesse. Die Berichte richten sich jedoch meist sehr allgemein an alle Stakeholder, ohne dabei spezifische Bedürfnisse einzelner Gruppen zu berücksichtigen. Hinzu kommt die zunehmende Diversität der zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel. Neben einer Druck- oder PDF-Version finden sich immer häufiger auch webbasierte Lösungen (Online-Bericht, E-Book), die durch ihre technischen Vorteile, grundsätzlich zielgruppenspezifische Kommunikation ermöglichen. Diese bleibt jedoch in dem häufigsten Fällen aus.

Bevor sich Unternehmen jedoch überhaupt Gedanken darüber machen können, welches Kommunikationsmittel sie einsetzen sollen, um ihre Aktivitäten zu kommunizieren, muss der Bericht überhaupt erst einmal erstellt werden. Das ist insbesondere für KMU aufwendig. Nach Meinung von Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub, Dozent und Forscher im Bereich Nachhaltige Unternehmensführung an der FHNW, lohnt sich dieser Aufwand jedoch trotzdem. Der Nachhaltigkeitsbericht sei ein Instrument, das helfen könne, die unternehmerischen Aktivitäten diesbezüglich transparent zu machen. Dies schaffe Glaubwürdigkeit und Vertrauen und mache das Engagement für die Stakeholder nachvollziehbar, so Daub.

Mit den neuen Richtlinien GRI4 stehen die Unternehmen nun vor zusätzlichen inhaltlichen Herausforderungen. Herbert Winistörfer, Dozent für Nachhaltigkeitsmanagement und CSR an der ZHAW School of Management and Law sieht vor allem im Bereich des Stakeholderdialogs Herausforderungen. Unternehmen müssten entscheiden, wie sie diese führen und dokumentieren. Hinzu kämen die konkrete Identifikation der relevanten Handlungsfelder und neue Anforderungen hinsichtlich der Berichterstattung zur Wertschöpfungskette. Dabei werde auch die Integration sozialer Aspekte in die Wertschöpfungskette vermehrt eine Rolle spielen, so Winistörfer, der diese Thematik auch in seinem Buch Management der sozialen Verantwortung in Unternehmen anspricht.

Mit der Identifikation bestimmter Themenfelder sollen nun die Interessen der Stakeholder Berücksichtigung finden. Über diesen inhaltlichen Fokus hinweg, gilt es aber auch zu überlegen, wie diese Informationen stakeholdergerecht kommuniziert werden sollen. Dies ist eine der Fragen, der in einer geplanten Forschungskooperation der FHNW und der ZHAW School of Management and Law zum Thema «Der Nachhaltigkeitsbericht als Mittel der stakeholderorientierten Kommunikation» nachgegangen werden soll. Recherchen zeigen, dass die meisten Berichte die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Stakeholder nicht berücksichtigen. Eine zielgruppenspezifische Kommunikation sei aber auch nicht problemlos zu erreichen, so Verena Berger, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachstelle Behavioural Marketing. Es stellten sich verschiedenste Fragen, von der Darstellung über die Wahrnehmung und Verständlichkeit bis hin zur eigentlichen Wahl des Mediums. Um spezifische Erkenntnisse zu diesen Fragen zu erhalten böten sich evidenzbasierte Verfahren, z.B. Experimente an.

Das Thema Reporting und Öffentlichkeitsarbeit wird im Studiengang CAS Sustainability Marketing ausführlich behandelt. Der Lehrgang richtet sich an Marketingverantwortliche sowie Produktmanagerinnen und -manager aus dem Business-to-Business-Bereich, die in Produktions- und Dienstleistungsbetrieben auf Geschäftsleitungs- sowie Abteilungsleitungsebene tätig sind. Durchgeführt wird der CAS Sustainybility Marketing in Kooperation mit der FHNW.