Unverpackt einkaufen und Begegnung erleben

Von Rahel Bachmann

Bald gibt es für die Thurgauer Hauptstadt ein Unverpackt-Lädeli. Die Frauenfelder Bevölkerung kann es kaum erwarten, bis die Füllstation Frauenfeld seine Tür öffnet. Das Bedürfnis nach diesem Angebot sowie die Vorfreude aller Beteiligten ist gross.

Kichererbsen, Mehl, Körperseife und Allzweckreiniger; was sich wie eine wahllose Aufzählung von Alltagsprodukten, wie man sie aus den Supermärkten von Migros und Coop kennt, liest, kann man in absehbarer Zeit mitten im Herzen von Frauenfeld bald unverpackt kaufen. Möglich machen das drei Frauen, die mit dem Verein Füllstation Frauenfeld eine gemeinsame Vision verfolgen und damit ein ökologisches, faires und möglichst unverpacktes Einkaufen ermöglichen möchten.

«Aktuell sind wir dran, konkrete Vereinbarungen mit den Lieferanten zu machen. Neben hoher Produktqualität haben für uns Unverpackt und Regionalität höchste Priorität. Zudem ist es uns wichtig, bei möglichst vielen Produzenten vor Ort gehen zu dürfen und uns über die Produkte zu informieren. Sind wir von der Produktion und der Philosophie hinter dem Produkt überzeugt, wird es ins Sortiment aufgenommen.», so erläutert Isabelle Zarn, Verantwortliche PR & Medien, den Prozess der Produktaufnahme ins Sortiment. Ausserdem wird ein Handbuch erstellt, das alle wichtigen Labels erklärt, die Herkunft der Produkte deklariert und die Menschen hinter den Produkten portraitiert. So wird wichtige Aufklärungsarbeit geleistet, indem das Wissen des Vereins an seine Kundschaft weitergegeben wird. Natürlich werden auch die Mitarbeitenden den Kundinnen und Kunden beratend zur Seite stehen.

Die Gründerinnen der Füllstation Frauenfeld: v.l.n.r. Isabelle Zarn, Verantwortliche PR & Medien, Eliane Hirschi, Präsidentin und Marion Lieberherr, Aktuarin © Füllstation Frauenfeld

Ein Angebot für alle

Vor über zwei Jahren eröffnete in Hüttwilen das erste Lädeli mit unverpackten Produkten im Kanton Thurgau. Dasselbe Angebot wünschen sich die drei Frauen auch für die Frauenfelder Bevölkerung. Um herauszufinden, ob auch in Frauenfeld die Nachfrage nach einem solchen Angebot besteht, mieteten sie im vergangenen Jahr an drei Samstagvormittagen einen Stand am Frauenfelder Wochenmarkt. Dort verkauften sie unverpackte Produkte und nutzten den Kontakt zur Bevölkerung sogleich, um mittels online Umfrage mit Tablet und Smartphone, das Bedürfnis nach einem solchen Angebot abzufragen. Die Vermutung der Gründerinnen war, dass Personen, die auf regionale Frischprodukte vom Markt wertlegen, auch gern lagerfähige Produkte unverpackt, regional und wenn möglich in Bio-Qualität kaufen würden. Die Resultate der Umfrage bestätigten die Vermutung. Von einer definierten Zielgruppe möchte die Füllstation Frauenfeld jedoch nicht sprechen. «Wir bieten Grundlegendes für jeden Haushalt an. In der Füllstation ist jede und jeder herzlich willkommen; niemand, der bei uns einkauft, muss ein Zero-Waste-Profi oder eine Nachhaltigkeitspionierin sein. Wir lernen selbst auch laufend dazu und das ist das Schöne daran.»

Nachhaltigkeit mit Stil: Plastikfreie Lebensmittelaufbewahrung ist im Trend. © Füllstation Frauenfeld

Miteinander statt Alleingang

Gemäss Zarn wird das Einkaufen im Unverpackt-Lädeli für viele ein neues Einkaufsgefühl sein. «Bei uns nimmt man sich mehr Zeit, entdeckt und versteht die Produkte und deren Herkunft. So kommt man bestimmt eher ins Gespräch, als beim normalen Einkaufen.» Der Austausch mit den Füllstation-Fans wird sich wahrscheinlich mittelfristig auch auf das Angebot auswirken; denn der Verein möchte das Angebot so gut wie möglich der Nachfrage anpassen und keinen Alleingang fahren.

Dass das Trompetenhüüsli vom Miteinander lebt, sieht man auch in der Zusammenarbeit der Mieter. Das Bistro «Hansi», welches ebenfalls ins Trompetenhüüsli einziehen wird, wird Grundnahrungsmittel, wie zum Beispiel Mehl und Zucker direkt von der Füllstation beziehen. Dass man sich bei Spitzenzeiten gegenseitig aushilft, ist für beide Parteien selbstverständlich.

Die Füllstation im Untergeschoss des Trompetenhüüsli nimmt Gestalt an. © Gabriel Müller

So rasch wie möglich, so spät wie nötig

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die Eröffnung nicht wie geplant am 25. April stattfinden. “Die Unsicherheit der Bevölkerung und unser Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Kundinnen und Kunden sowie unseren Mitarbeiterinnen haben uns dazu bewogen, den schwierigeren, aber vernünftigeren Weg zu wählen”, meint Zarn zur verschobenen Eröffnung. Wann diese sein wird, ist aktuell noch unklar. Bis dahin werden die Füllstation-Fans über den Instagram– und Facebook-Kanal mit Produkte- und Nachhaltigkeitstipps sowie Updates bestens unterhalten und das mit nachhaltiger Wirkung.

Über die Autorin

Rahel Bachmann (25) arbeitet seit neun Jahren für die Genossenschaft Migros Ostschweiz. Seit 2016 ist sie Projektleiterin Kulturprozent/Sponsoring in der Stabstellen-Abteilung Kommunikation, Kulturprozent, Sponsoring und Kundenmanagement. Mit dem CAS Marketing- & Corporate Communications eignet sie sich das nötige Wissen an, um sich weiterentwickeln und neue spannende Aufgaben in der externen sowie internen Kommunikation übernehmen zu können.

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