Gähn war gestern: Wie Konferenzen zum Erlebnis werden.

Von Judith Gallus

Das Szenario ist bekannt: Die Konferenz ist optimal vorbereitet, Ihr Publikum sitzt neugierig auf seinen Plätzen, der renommierte Keynote Speaker gibt sein Bestes. Und dennoch schielen die ersten nach einer halben Stunde auf ihr Smartphone, und andere rutschen unruhig auf den Stühlen hin und her. Es ist unübersehbar: Ihr Publikum kämpft gegen das „Death by Powerpoint Syndrome“. Dabei könnte es ganz anders laufen.

Eine Frage der Aufmerksamkeitsökonomie

Aufmerksamkeit ist heute ein knappes Gut. Im Alltag, bei der Arbeit – und auch bei Konferenzen. Die Fachleute sprechen von der «Ökonomie der Aufmerksamkeit». Sie beschäftigen sich mit der Frage: «Mit welchen Mitteln kann ich was bei wem erreichen?» Wer Aufmerksamkeit will, muss die Voraussetzungen dafür schaffen. Und dabei stets berücksichtigen, dass unsere Sinne keine 24/7-Organe sind.

Auch bei Publikumsanlässen gelten die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie. Es lohnt sich deshalb, bei deren Planung nicht nur ans Programm zu denken sondern ebenso an Emotionen, an Partizipation und Involvement der Gäste. Wer will schon von der Bühne herab belehrt werden? Wer hat noch den Nerv, einfach nur still dazusitzen? Wer ist mittlerweile nicht immun gegen endlose, wortreiche Slide Shows?

Im Eventbereich bedeutet dies, nicht nur in Inhalten zu denken sondern auch in Formaten. Das Wie wird zum Erfolgsfaktor. Denn aufmerksam bleibt nur, wer sich angesprochen und abgeholt fühlt. Mehr noch, wer sich als Teilnehmer auch einbringen kann. Vor diesem Hintergrund sind in den letzten Jahren zahlreiche Formate und Tools entwickelt worden, die Konferenzen zu kurzweiligen und nachhaltigen Erlebnissen machen. Die Devise dabei: vom Zuhörer zum Teilnehmer.

Nicht mehr nur zuhören, sondern aktiv teilnehmen © standing ovation ag

So gelingen Konferenzen

Masterclass: Expertise aus erster Hand

Meisterschaft hat ihr eigenes Charisma. Und auf dieses baut die Masterclass. Sie wird in der Regel von ausgewiesenen Experten zu fachspezifischen Themen abgehalten. Solche «Lehrveranstaltungen» – meist in kleinerem Rahmen — sind ein ganz besonderes Erlebnis, weil den Teilnehmern hochkarätiges Wissen aus erster Hand vermittelt wird.

  • Für Konferenzen mit anspruchsvollem Publikum, das einen echten Mehrwert erwartet.

Barcamp: die Bottom-up-Methode

Hier gilt die Parole «Jeder kann Konferenz.» Diese Workshop-Konferenzen werden ad hoc von den Teilnehmern gestaltet. Dialog und Austausch haben Priorität. Das kann befreiend, inspirierend, motivierend und sehr nachhaltig wirken. Insbesondere wenn am Ende konkrete Ergebnisse vorliegen, die dem Plenum präsentiert werden. Dieses Format ist zeitintensiv und bedarf eines erfahrenen Moderators.

  • Für Veranstaltungen mit aktiven Teilnehmern, die keine Scheu haben, die gewonnenen Erkenntnisse anschliessend dem Publikum vorzutragen.

Pecha-Kucha: Adrenalin für die Aufmerksamkeit

Pecha Kucha macht Konferenzteilnehmer hellwach: Denn das Format besteht aus 20 Slides, die während je 20 Sekunden kommentiert werden. Diese äusserst kurzweilige, jedoch sehr anspruchsvolle Vortragsart wurde 2003 erstmals in Tokio angewandt. Heute ist sie vor allem bei Business-Konferenzen und an Universitäten ein Hit.

  • Für Konferenzen mit geübten Sprechern, die in der Lage sind, auch komplexe Inhalte in kompakte 400 Sekunden zu packen.

Catchbox: locker vom Hocker sprechen

Vorbei sind die Zeiten, in denen das Handmikrophon umständlich und zögerlich im Publikum herumgereicht wurde. Mit der Catchbox, einem Mikrophon, das in einer weichen, viereckigen Hülle steckt, werfen sich die Teilnehmer das Wort zu. Dabei verfehlt die Catchbox auch mal das anvisierte Ziel. Der Zufall sorgt für eine angeregte und spielerische Atmosphäre.

  • Für Events mit eher informellem Charakter.

Mikrophon mal anders © Catchbox

Event App: der Interaktions-Booster

Konferenzen müssen heute mehr leisten: Informationsvermittlung, Networking, Erlebnis usw. Ein Tool, das eine Vielzahl von Bedürfnissen abdeckt, ist die Event App. Sie steigert die persönliche Interaktion zwischen Teilnehmern, Referenten und Organisatoren markant. Via Event App können Teilnehmer z. B. live Fragen zum Vortrag stellen, Feedbacks geben, an Abstimmungen teilnehmen oder auf einer sogenannten Wall of Ideas ihre Meinung kundtun.

  • Für grössere und/oder wiederkehrende Tagungen und Konferenzen.

Wenn Sie also das nächste Mal eine Konferenz oder einen ähnlichen Anlass organisieren, wagen Sie etwas Neues und probieren Sie ein alternatives Format oder Tool aus. Binden Sie Ihr Publikum in den Vortrag ein und erzeugen Sie so ein positives, gemeinsames und nachhaltiges Erlebnis. Begeisterte Teilnehmer werden es Ihnen danken.

Über die Autorin

Judith Gallus ist Head of Communication bei standing ovation ag, einem führenden Schweizer Dienstleister für Events, Kongresse und Shared Communication. Zur Zeit absolviert sie an der ZHAW den Lehrgang CAS Marketing & Corporate Communications. Gerne beantwortet sie Fragen zu Events und Live Communication. standingovation.ch

Dropshipping – wie Billigware aus Asien durch ausgeklügeltes Marketing zu „exklusiven Produkten“ wird

Von Andrea Lippuner

E-Commerce wird immer beliebter. Nicht nur die uneingeschränkte Verfügbarkeit, Zeitersparnis und Bequemlichkeit beim Onlineshopping sorgen dafür, dass E-Commerce erfolgreich ist, sondern auch eine neue Art des Supply Chain Managements – Dropshipping.

Wie die Y&R Group Switzerland, in einer im Mai 2018 veröffentlichen Studie, in welcher 2000 Personen im Alter zwischen 14 und 69 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz online befragt wurden, gezeigt hat, kaufen 100% der internet-aktiven Bevölkerung regelmässig online ein. Da beim Onlineshopping keine Möglichkeit besteht, die Wunschprodukte vor dem Kauf anzufassen und zu testen, ist den Kunden besonders wichtig, ausreichend Informationen zum Produkt vorzufinden. Diese Aussage bestätigt ebenfalls der 20-jährige E-Commerce Experte Leon Chaudhari in seinen Online Kursen. «Umfassende und hilfreiche Produktbeschreibungen sind beim Dropshipping das A und O.» Daher ist für den Erfolg eines Produktes die Präsentation und ein gezieltes Marketing von entscheidender Bedeutung.

Dropshipping als Geschäftsmodell

Dropshipping bedeutet Streckengeschäft bzw. Direkthandel. Konkret heisst dies, dass man als Onlinehändler die Ware, welche man auf seiner Plattform anbietet, nicht selbst besitzt, sondern durch den Lieferanten direkt an den Endkunden versendet wird. Somit hat der Onlinehändler zu keinem Zeitpunkt physischen Kontakt mit dem bestellten Produkt.

Dropshipping Ablauf © Andrea Lippuner

Wie günstige Produkte, teuer verkauft werden

Bei der von der Alibaba Group angebotenen Onlineplattform AliExpress, welche Ware von tausenden Unternehmen und Privatpersonen aus China und Umgebung anbietet, findet man von Kleidern über Elektronikartikel bis hin zu Babyartikeln fast alles, was das Herz des Homo oeconomicus begehrt. So findet man auf AliExpress unter dem Suchbegriff „Tibetan Bracelet“ ein Armband mit einer unattraktiven Beschreibung «AMIU 19 colors Tibetan Buddhist Love Lucky Charm» für USD 1.59 pro Stück mit einer relativ langen Lieferzeit von 30-50 Tagen. Zusätzlich zu dieser eher dürftigen Beschreibung des Produktes, erhält man keine nützlichen Artikeldetails. Das identische Armband kann ebenfalls über den Online Shop und Dropshipping Händler kundalinispirit.com bestellt werden. Das Armband wird dem Kunden dort zu einem „sensationellen Preis“ von USD 25.00 angepriesen. Zusätzlich kauft man sich mit dem Armband auf Kundalinispirit das Versprechen, dass dieses Armband von tibetischen Buddhisten produziert worden ist und alles Positive ins Leben ziehen wird. Kundalinispirit möchte damit bestimmte positive Emotionen im Kunden wecken, um dem angepriesenen Produkt, welches ursprünglich von AliExpress stammt, zusätzlichen Wert zu verleihen.

Screenshot vom günstigen Armband auf AliExpress © AliExpress

Screenshot von Kundalinispirit mit dem identischen Armband © Kundalinispirit

Leonardo Dicaprio in seiner unfreiwilligen “Rolle” als Testimonial

Mittels gezielter Facebook Werbung bekommt der potentielle Kunde den Eindruck, dass Leonardo DiCaprio ebenfalls Träger von einem Kundalinispirit Armband ist und somit als Testimonial für diese Unternehmung wirbt. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der Werbebotschaft, obwohl Leonardo DiCaprio natürlich nicht Kunde von Kundalinispirit ist und lediglich ein ähnliches Armband an einer öffentlichen Veranstaltung getragen hat.

Obwohl Kundalinispirit Werbung mit einer prominenten Person, ohne dessen Einwilligung gemacht hat, gibt der Erfolg dem Online Unternehmen recht. Mit über 85‘000 Likes auf Facebook und einer kauftüchtigen Kundschaft hat Kundalinispirit bewiesen, dass mit gezieltem Marketing, ein günstiges Produkt mit hoher Marge verkauft werden kann.

Über die Autorin

Bereits als kleiner «Knirps» hat sich Andrea Lippuner der Kunst des Marketings und Kommunikationswissenschaften bedient und damit ihre Schwester als Kundin für ihre selbstgemachten CHF 1.00 Sirups gewinnen können. Innovationen und wirtschaftliche Themen haben sie immer begeistert, daher war sie auch interessiert am Konzept des Dropshippings und hat sich aus Neugierde selbst einen Test Dropshipping Store erstellt.

Beruflich arbeitet sie als Management Support auf einer Bank in Zürich und weiss wie wichtig eine professionelle Unternehmenskommunikation ist und hat sich daher für den CAS Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW in Winterthur entschieden.

Bei Anruf Kundenbindung

Von Karin Gessler

Das klassische Geschäftstelefonat ist im Zeitalter der Digitalisierung doch längst veraltet, sollte man meinen. E-mailen oder über andere Online-Tools zu kommunizieren, ist deshalb umso beliebter und zeitgemässer. Doch ist dem tatsächlich so? Der Einblick in den Alltag eines Personalvermittlungsbüros offenbart so einiges.

Das Telefon ist nach wie vor fester Bestandteil der Geschäftswelt. Die Schnelllebigkeit des digitalen Wandels konnte dem Relikt aus dem späten 19. Jahrhundert bisher nichts anhaben. Während die Messenger-Dienste und Online-Funktionen dem Telefonieren im Privatgebrauch immer stärker den Rang ablaufen, lässt sich der Trend zur schriftlichen Kommunikation nur bedingt auch auf den Geschäftsbetrieb übertragen. Besonders im B2B-Bereich ist das persönliche Gespräch am Telefon (nach dem Kundenbesuch), nach wie vor das wichtigste Instrument, um Kundenbindung zu erzeugen, zu pflegen und nachhaltig zu festigen.

Same, but different – Das Telefon ist nach wie vor integraler Bestandteil des Geschäftslebens ©Pixabay

Dies trifft insbesondere auch auf die Personalvermittlungsbranche zu, wie Claudia Vontobel betont. Die Filialleiterin der Joker Kaderselektion weiss, wovon sie spricht. Sie ist bereits seit über 15 Jahren in der Personalvermittlungsbranche tätig. Die digitalen Errungenschaften wie E-Mail, Website, Newsletter, LinkedIn und Co. sieht sie als willkommene Ergänzungen, um die Kommunikation mit Kunden und Kandidaten weiter zu optimieren. „Den Mehrwert des Telefonats konnten sie jedoch bisher nicht ersetzen“, ist die Personalberaterin überzeugt.

Das Telefonat erlaubt eine unmittelbare und interaktive Kommunikation

Aber worin liegt er denn nun konkret, der Mehrwehrt des Telefonierens? „Das Telefonat ist unmittelbar. Es vermittelt uns die Emotionen des Gegenübers und lässt uns kaum die Tatsache ignorieren, dass wir es mit einem Menschen am anderen Ende der Leitung und nicht etwa mit einem Roboter zu tun haben. E-Mails lassen sich leicht wegklicken, während man den Hörer nur in Extremfällen mitten im Gespräch auflegt. Auf dieser Grundlage lässt sich wesentlich wirksamer eine Vertrauensbeziehung aufbauen“, sagt die Personalfachfrau. Nach ihrer Erfahrung sind E-Mails häufiger Ursache von Missverständnissen. Das zeitnahe Interagieren am Telefon beuge Unklarheiten besser vor. „Man muss allerdings beim Telefonieren den richtigen Moment erwischen. Ansonsten wird der Telefonanruf schnell als störend empfunden.“ Zudem ist die Erreichbarkeit nicht immer gegeben. Deshalb sei auch das Zusammenspiel von E-Mail-Verkehr und Telefonieren so wichtig.

Vielen Kunden und Kandidaten falle es schwer, ihre tatsächlichen Vorstellungen in die schriftliche Form zu übertragen. „Häufig greifen Unternehmen auf standardisierte Jobbeschreibungen zurück. Viele wichtige Informationen, beispielsweise zur Teamzusammensetzung, gehen bei der Verschriftlichung des Jobprofils verloren.“ Beim Telefongespräch liessen sich dagegen auch verborgene Präferenzen oder Befürchtungen des Kunden aufspüren, die bei der Besetzung einen grossen Einfluss haben können. „Solche Informationen sind für die Kandidaten vor einem anstehenden Jobinterview natürlich Gold wert“, weiss Vontobel.

Das Telefon als Instrument der Kundenbindung ©Sergey Nivens – stock.adobe.com

Trotz der Affinität der jüngeren Generationen zu Messenger-Diensten kann Claudia Vontobel übrigens keinen Unterschied in der Einstellung gegenüber dem Telefonieren bei den digital Natives im Geschäftsleben feststellen. „Fast jeder Mensch, unabhängig von dessen Alter oder Position, weicht meiner Erfahrung nach dem Telefonieren – wenn möglich – aus.“ Dies liege an der Unberechenbarkeit, die jedem Telefongespräch anhaftet. „Trotz guter Vorbereitung, weiss man letztendlich nie im Voraus, wie ein Gespräch verlaufen wird.“ Sie selbst folgt vor schwierigen Telefongesprächen im Übrigen immer demselben Ritual: „Ich öffne das Fenster und atme ein paarmal tief durch. Ausserdem telefoniere ich bei schwierigeren Telefonaten immer im Stehen. Das gibt mir Sicherheit und diese Ruhe überträgt sich auch auf meine Stimme,“ ist Vontobel überzeugt.

Die Personalberaterin Claudia Vontobel in Action ©Claudia Vontobel

Die Stimme bestimmt über die Erfolgschancen

Die Filialleiterin kann die Bedeutung der Stimme gar nicht genug betonen: „Beim Telefonieren werden wir auf unsere Stimme reduziert. Dadurch sind wir in der Kommunikation stark eingeschränkt, da wir unsere Gestik und unsere äussere Erscheinung nicht in die Waagschale werfen können. Noch stärker fällt jedoch ins Gewicht, dass wir die Reaktionen auf das Gesagte nicht dem Gesicht des Gesprächspartners ablesen können. Man muss also lernen zuzuhören.“ Denn über den Klang der Stimme werden dem Zuhörer Seiten wie Dialekt, Temperament, momentane Stimmung usw. offenbart, die im schriftlichen Text verborgen bleiben. „Beim Telefonieren können wir uns nicht verstecken“, so das Fazit der Filialleiterin, „doch wer es versteht, sich am Telefon gut zu verkaufen, hat erwiesenermassen bessere Chancen auf dem Stellenmarkt. Deshalb sollte man das Wagnis unbedingt eingehen, denn das klassische Telefonat hat im Geschäftsleben noch lange nicht ausgedient.

Über die Autorin

Karin Gessler hat Geschichte, Englische Literatur und Filmwissenschaft an der Universität Zürich studiert und arbeitet im Bereich Marketing und Kommunikation. Zurzeit absolviert sie einen CAS in Marketing und Corporate Communications an der ZHAW. Das Telefon gehört in ihren Augen zu den schönsten, aber auch anstrengendsten (Folter-) Instrumenten der Kommunikation, welche die moderne Technik bis heute hervorgebracht hat.

https://www.jokerkaderselektion.ch/

Ein Rennen gegen die Digitalisierung: Verdrängt künstliche Intelligenz menschliche Übersetzer?

Von Tatjana Gelmetti

Texte auf Knopfdruck übersetzen lassen. Was vor mehreren Jahren noch undenkbar war, ist heute Alltag. Die künstliche Intelligenz (KI) macht das möglich – und verändert damit die ganze Übersetzungsbranche. Doch was auf den ersten Blick verlockend klingt, birgt einige Gefahren.

Innovationsführer sind meistens auch Marktführer. Das haben viele Übersetzungsdienstleister erkannt. Immer mehr ambitionierte Start-ups versuchen, mit originellen Lösungen den Übersetzungsmarkt aufzuwirbeln. Gleichzeitig möchten auch die Grossen ganz vorne mitmischen. Die Konkurrenz ist gross. Wem als Erster der technologische Durchbruch gelingt, wird das Rennen für sich entscheiden. Das scheint das Ziel aller Anbieter zu sein. Und als Schlüssel zum Erfolg winkt die neuronale maschinelle Übersetzung (NMT, Neural Machine Translation).

Übersetzungen boomen und der Markt bietet diverse Möglichkeiten © Pixabay

Mit Innovation zum Durchbruch?

Die grosse Neuheit der NMT besteht darin, dass die Maschine über ein grosses Netzwerk, das nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns aufgebaut ist, übersetzen lernt. Die Maschine wird mit zweisprachigen Texten gefüttert und trainiert und speichert Übersetzungsdaten ab. Je grösser die Datenmenge an bestehenden zweisprachigen Texten ist und je genauer die Thematik mit dem zu übersetzenden Text übereinstimmt, desto besser sind die Übersetzungsresultate.

Auf verschiedenen Gratis-Übersetzungsplattformen wie Google Translate und DeepL wird dieses Prinzip bereits angewendet. Diesem Trend möchten jetzt immer mehr Übersetzungsdienstleister folgen. Doch reicht Innovation allein, um auf dem Markt durchzustarten? Es scheint immer schwieriger zu werden, sich von der Konkurrenz zu differenzieren. Denn jeder möchte der Innovativste sein.

Künstlich. Aber auch intelligent?

Die NMT ist einigen Übersetzern jedoch ein Dorn im Auge. Denn damit können Übersetzungen immer schneller verfügbar gemacht werden. Die Produktivität steigt, doch gleichzeitig auch der Druck auf die Preise. Nicht nur fürchten sich Übersetzer vor sinkenden Löhnen, sie sehen auch die Zukunft ihres Handwerks bedroht. Die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung bringen den privilegierten Beruf des Übersetzers je länger je mehr ins Wanken. Wie lassen sich die Preise für Qualität und Fachkompetenz noch rechtfertigen, wenn scheinbar vergleichbare Resultate in viel kürzerer Zeit angeboten werden? Ist es überhaupt noch notwendig, auf professionelle Übersetzer zu setzen, wenn eine Maschine die gleiche Arbeit leisten kann?

Eine Maschine unterstützt, sie ist aber nicht perfekt © Pixabay

Ja, ist es. Gerade in Sachen Qualität hinkt die NMT hinterher. Insbesondere bei der Übersetzung kreativer Marketingtexte, sogenannten Transkreationen, kann die NMT nicht mit menschlichen Übersetzern mithalten. Hier sind Emotionen gefragt. Maschinen sind – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – überfordert, wenn es darum geht, rhetorische Figuren wie Metaphern, Hyperbeln oder Ironie zu übersetzen.

Laut Samuel Läubli, Doktorand am Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich, stellen lange und komplexe Sätze eine weitere Knacknuss dar. Die Technologie sei noch nicht so weit, dass komplexe und verschachtelte Sätze in jedem Fall korrekt übersetzt werden können. «NMT-Systeme können momentan nur Sätze fliessend übersetzen – nicht aber ganze Dokumente», betont Läubli. Damit hängt auch das nächste Problem zusammen, die Kohärenz. Da die Sätze nur nacheinander übersetzt werden und der Kontext auf Dokumentebene fehlt, werden zum Beispiel Fachbegriffe nicht kohärent über mehrere Sätze hinweg übersetzt. Diese Ungenauigkeit in der Terminologie ist ein grosser Nachteil bei der Übersetzung von Fachtexten, wo die einheitliche Übersetzung von Fachbegriffen eine grosse Rolle spielt.

Bei Übersetzungen mit NMT-Systemen kann die Kohärenz nicht gewährleistet werden, weil jeder Satz einzeln übersetzt wird. © Samuel Läubli, Universität Zürich

Vorsicht, Datenschutz!

Die grösste Gefahr birgt aber der Datenschutz. Bei Gratis-Übersetzungsplattformen besteht bekanntlich das Risiko, dass vertrauliche Daten in der Cloud abgespeichert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für negative Schlagzeilen sorgte zum Beispiel ein Fall in Skandinavien, als wegen Translate.com sensible Kundendaten im Netz kursierten. Solche Probleme beweisen, dass es doch sinnvoll ist, auf menschliche Übersetzer zu setzen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Dass man mit NMT komplett fehlerfreie Übersetzungen erhalten kann, ist bis heute nicht realistisch und wird es auch noch länger nicht sein. Zudem sind Fehler in einem neuronalen Netzwerk nur schwer zu beseitigen, weil die NMT wie eine Blackbox funktioniert und man nicht genau ermitteln kann, wo der Ursprung des Fehlers liegt.

Sicher ist, dass der digitale Fortschritt in den letzten Jahren rasant zugenommen hat – und auch weiter zunehmen wird. Die Ergebnisse im Bereich maschinelle Übersetzung werden sich verbessern. Ob die Maschine einen menschlichen Übersetzer jemals überholen wird, sei jedoch dahingestellt. Um als Übersetzungsdienstleister weiterhin auf dem Markt die Nase vorn zu haben und auf Marktveränderungen reagieren zu können, sollte man seinen USP und seine Positionierung stets überdenken. Neue Dienstleistungen wie Pre-Editing und Post-Editing, die auf die Vor- und Nachbearbeitung maschinell übersetzter Texte abzielen, werden in Zukunft boomen. Die Frage ist also nicht, ob man NMT beim Übersetzen anwenden soll, sondern wie.

Über die Autorin

Tatjana Gelmetti ist ausgebildete Linguistin und liebt Fremdsprachen. Sie wohnt in Dübendorf und hat an der ZHAW in Winterthur ihr Bachelorstudium in Übersetzen absolviert. Zurzeit besucht sie den CAS Marketing & Corporate Communications an der ZHAW. Ihre Leidenschaft für Sprachen hat sie zum Beruf gemacht. Tatjana arbeitet als Projektleiterin bei Supertext AG, einer Übersetzungs- und Textagentur. Der digitale Fortschritt, der sich auch in ihrem Arbeitsumfeld bemerkbar macht, beschäftigt sie sehr.

BadRagARTz – Skulpturen unter freiem Himmel

Von Zora Caluori

Kunst existiert in diversen Formen. Mal kontrovers, mal leise. Kunst hat verschiedene Gesichter. Abseits der Kunstmetropolen finden sich spannende Projekte. Wir sind auf der Suche nach Kunst auf Bad Ragaz und Vaduz gestossen, denn hier findet die 7. Schweizerische Triennale der Skulptur statt.

«Wenn die ersten Skulpturen im Dorf ankommen, ist es wie ein riesiger, verspäteter Adventskalender – man ist gespannt wo und was als nächstes aufgestellt wird. Im November ist man dann traurig, wenn die Skulpturen wieder gehen. Das Dorf wird leer», so Petra Heer, Kunstführerin an der BadragARTz. Ihre Aussage teilen wohl viele Bewohnerinnen und Bewohner von Bad Ragaz. Die BadragARTz hat sich in den Köpfen und Herzen der lokalen Bevölkerung verankert, und man freut und feiert mit ihr.

Europas grösste Skulpturenaustellung unter freiem Himmel

Die Freude beschränkt sich nicht nur auf die Dorfansässigen, so zieht die mittlerweile 7. Schweizerische Triennale der Skulptur etwa 500`000 Besucherinnen und Besucher in ihren Bann. Somit verwandelt sich der Kurort alle drei Jahre in einen temporären Kulturort.

77 Künstlerinnen und Künstler aus 17 Ländern haben 2’600 Tonnen Kunst in über 400 Werke verwandelt und zeigen diese noch bis zum 4. November 2018 in Bad Ragaz und Vaduz. Gleichzeit findet das Festival der Kleinskulpturen statt. Die kleinen Schwestern und Brüder der Grosswerke haben sich ganz hinten in der Taminaschlucht versammelt und können dort im alten Bad Pfäfers betrachtet und, wie auch die Grossen, gekauft werden.

Helidon Xhixha – Bliss © Sara Foser

Eile mit Weile – Verweile

Das diesjährige Motto der Bad RagARTz leitet die Besucherinnen und Besucher an, sich in einer Welt, in der Wertewandel und Vernichtung von Werten schneller voranschreitet denn je, sich Zeit zu nehmen. Die Empfindungen beim Flanieren von Werk zu Werk geniessen und die Konfrontation von Kunst und Natur auf sich wirken lassen. Aus Kunst bleibende Werte formen, ist das Ziel des Initiantenehepaars Esther und Rolf Hohmeister. Kunst für alle zugänglich und greifbar machen ist mitunter das Erfolgsrezept der Bad RagARTz. Die meisten Skulpturen können auch angefasst und gespürt werden. Es entsteht eine Interaktion und die Besucherinnen und Besucher werden einen Teil der Skulptur.

Darum erstaunt auch nicht, dass gerade bei Kindern die Begeisterung gross ist. Die lokalen Schulen organisieren diverse Projekte für und mit der Bad RagARTz. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn mit dem Einbezug der Kinder und Jugendlichen lernen diese auch respektvoll mit den Kunstwerken umzugehen. Generell ist Vandalismus, bis auf ein Ereignis vor ein paar Jahren, kein Thema.

Gil Topaz © Sara Foser

Gelbe Schnecken und ein Leuchtturm

Mit einem Budget von 2.5 Millionen Franken, das vor allem über Sponsoren gedeckt wird, gilt es auch im Marketing Kunst zu zeigen. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos, und die Hälfte des Budgets wird für den Transport und das Aufstellen der teils tonnenschweren Kunstwerke benötigt. Mit zusätzlich sehr viel unentgeltlicher Arbeit von Esther und Rolf Hohmeister, ihrer Familie und Freunde kann die Bad RagARTz alle drei Jahre realisiert werden. 2000 Bewerbungen von Künstlern aus aller Welt wurden für die diesjährige Triennale am Küchentisch der Hohmeisters gesichtet. Längst hat sich die Bad RagARTz einen angesehenen Namen in der Kunstszene der Skulpturschaffenden erarbeitet. Die ganze Marketingkommunikation ist darauf ausgerichtet, die Leute nach Bad Ragaz zu holen. 

Ein 1.6 Tonnen schwerer Leuchtturm steht hoch über Bad Ragaz auf dem Guschakopf und wurde extra für die 7. Triennale eingeflogen. Er dient als Botschafter und soll durch sein Licht die Fackel der Kultur ins tiefer gelegene Rheintal tragen. Verkauft werden auch die gelben Schnecken in diversen Grössen, welche als Visualisierung des Mottos dienen. Gelb sind sie, da jede Triennale mit einer Farbe verbunden ist. Gelb als Symbol von Sonnenlicht, die Erkenntnis und das Gedeihen des Lebendigen, Herbst und Reife.

Carla Hohmeister – Brainstorm (c) Sara Foser

Noch sind die Kunstwerke der 7. Schweizerischen Triennale der Skulptur nicht reif, um wieder abtransportiert zu werden. Das wechselnde Farbenspiel der sich verändernden Landschaft durch den Jahreszeitenwechsel, stellen die Kunstwerke in ein anderes Licht. Höchste Zeit also die BadRagARTz zu besuchen und ihre Botschaft in die Welt zu tragen.

http://www.badragartz.ch/

Susi Kramer © Sara Foser

Über die Autorin

Zora Caluori absolviert den MAS in Health Care & Marketing und besucht zurzeit den CAS Marketing & Corporate Communications an der ZHAW. Beruflich für ein privates Radiologieunternehmen tätig, interessiert sie sich mit steigendem Alter vermehrt für Kunst. Wenn diese in freier Natur zu besichtigen ist, umso mehr.

St. Gallen – Das Klettermekka ohne Berge

Von Michael Tremp

Bald ist es soweit. Am 15.September 2018 öffnet die Boulderlounge ihre Tore. Damit avanciert St. Gallen zu einem regelrechten Indoor-Kletterparadies. Innerhalb weniger Kilometer entsteht die zweite grosse Kletterhalle der Stadt. Ostschweizer Boulderer haben allen Grund sich zu freuen. Es gibt mehr Kletterfläche für weniger Geld als bisher. Aber das ist noch nicht alles.

Klettersport und Kaffeeklatsch

Auf den Punkt gebracht – Bouldern ist ungesichertes Klettern auf Absprunghöhe. Der Begriff leitet sich vom englischen „Boulder“, dem Felsblock ab. Dieser Felsblock ist dann auch perfekt dafür geeignet, erste Klettererfahrungen zu sammeln sowie Koordination und Muskeln für künftige Gipfelstürme zu trainieren. Fragt man Lena, Inhaberin der Boulderlounge, ist es noch weitaus mehr. „Es geht darum gemeinsam Probleme zu lösen, Spass am Sport zu haben und immer aufs Neue Erfolge zu feiern“. Obwohl Bouldern eigentlich eine Individualsportart ist, wird hier das Kollektiv gross geschrieben. Und Kaffee. Auf die Frage warum, erntet man sofort einen Blick, der einen als Dilettant kategorisiert. Schnell wird Kletterguru Wolfgang Güllich zitiert, um die Situation aufzulockern: „Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns.“ Bouldern und Kaffeetrinken sind dann auch die Erfolgskombination, die im Logo und dem Slogan „Move & Chill“ hervorgehoben wird. Die richtige Einstellung der Kaffeemaschine hat angeblich fast so viel Zeit gekostet wie das Einrichten der Halle.

Lounge und Kaffeemaschine stehen bereit © Lena Stürm

Probleme soweit das Auge reicht

Beim Betreten der dicken Matten wird schnell klar, die Damen und Herren sind nicht (nur) zum Spass hier. Auf 630 m2 Boulderfläche sind bald 2’500 Klettergriffe montiert. Das reicht für rund 150 Routen, sogenannte Probleme, in diversen Schwierigkeitsstufen. Damit ist der Boulderbereich der mit Abstand grösste der Ostschweiz. Die Halle ist grosszügig und hoch. Viele gerade Flächen erlauben kreative Auswüchse bei der Routengestaltung. Zudem hat man an verschiedenste Zielgruppen gedacht. Es gibt eine Kinderecke mit Rutsche und einfachen Griffen sowie einen Trainingsbereich für den gezielten Kraftaufbau für die Profis. Im Gegensatz zur Halle blieb das Projekt von Problemen verschont. Der Businessplan war so fundiert, dass es neben der Finanzierung auch noch breites Lob vom Geldgeber gab. Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Die letzten farbigen Klettergriffe liegen wohl noch auf den dicken Matten, aber die Einhaltung des Zeitplans steht felsenfest.

Steinig war der Weg nur ganz am Ende © Michael Tremp

Das „Moonboard“ verbindet Technologie und rohe Griffkraft

Guter Kaffee und eine grosse Halle garantieren noch keinen Erfolg. Mit dem Moonboard gibt es aber eine weitere Differenzierung. Vom Namen darf man sich dabei nicht irreführen lassen, mit Schwerelosigkeit hat das Moonboard nichts zu tun. Es handelt sich um eine standardisierte Kletterwand, die es Benutzern auf der ganzen Welt ermöglicht, an den gleichen Problemen zu tüfteln. Damit wird der Trainingserfolg transparent und man kann sich untereinander messen. Bei jedem Griff befindet sich eine LED-Leuchte, die sich von einer App steuern lässt. Die ausgewählte Route wird signalisiert und das Training kann losgehen. Mittlerweile zählt die App fast 32‘000 Routen. Ab Samstag können auch Boulderer in St. Gallen mit ihrer Kreativität zu dieser Erfolgsgeschichte beitragen.

Johannes präsentiert die Moonboard-App © Michael Tremp

Geht es mit den Kletterpreisen bergab?

In der Boulderlounge schlägt ein Erwachseneneintritt mit 18 Franken zu Buche. Damit ist das Angebot fast 10 Franken günstiger als in der nahegelegenen Kletterhalle. Auch für das Jahresabonnement muss man fast 400 Franken weniger hinblättern. Von einem Preis- bzw. Konkurrenzkampf will man hier aber nichts wissen. Die Angebote seien komplementär und der Preis liege im schweizerischen Durchschnitt, erklärt Lena. Dafür bekommt man einiges geboten. Die Routen sollen im Monatstakt umgeschraubt werden, damit keine Langeweile aufkommt. Saisonkartenbesitzer profitieren zusätzlich von individuellem Hallenzugang bereits ab 07.00 Uhr. Dem Frühsport vor der Arbeit steht also nichts mehr im Weg.

Eins ist klar, für die Kletterer in der Ostschweiz wird das Angebot vielseitiger. Und eventuell bringt die Boulderlounge ja noch weitere Steine ins Rollen…

Lena & Johannes vor einem guten Stück Arbeit © Michael Tremp

https://www.boulderlounge.ch/

https://www.moonboard.com/

Über den Autor:

Michael Tremp ist gelernter Anlagenbauer und über ein Betriebsökonomiestudium sowie diverse Berufsstationen zum Marketing gekommen. Aktuell besucht er an der ZHAW den CAS Marketing & Corporate Communications, um sich in diesem Bereich die theoretischen Grundlagen zu erarbeiten. Trotz Talentmangel ist er passionierter Hobby-Boulderer und verbringt einen anständigen Teil seiner Freizeit an den farbigen Klettergriffen – oder auf der Matte unterhalb.

Kloten packt aus: Ein Jahrhundertprojekt mit gezielter Kommunikation

Von Fabienne Kühnis

Im Mai wurde mit dem Theater-Jahrhundert-Projekt «Kloten packt aus» eine Welle des Erfolgs ausgelöst. Alle fünf Vorstellungen waren ausverkauft und die rund 1500 Zuschauer bedankten sich jeweils mit Standing Ovation. Welche Kommunikationsmassnahmen trugen zum Erfolg bei? Fabienne Kühnis hat nachgefragt bei Lilian Navia, der Medienverantwortlichen des Projekts.

100 Klotenerinnen und Klotener im Scheinwerferlicht

Was ist das beste Rezept für eine mittelgrosse Gemeinde mit knapp 20’000 Einwohnern und 121 verschiedenen Nationen, um ein «Wir»-Gefühl zu erleben? Entweder man organisiert ein Public Viewing für die WM auf dem Stadtplatz oder man wagt ein neues Theater-Projekt namens «Kloten packt aus». «Es war anfangs schwierig der Bevölkerung zu erklären wie und was dieses Projekt ist.», so Lilian Navia, die Medienverantwortliche von «Kloten packt aus». In einem Dokumentartheater spielten 100 Klotenerinnen und Klotener sich selber und erzählten über sich. Dabei wurden banale Fragen beantwortet wie zum Beispiel; Wer hat schon einmal das Flugzeug verpasst oder träumst du manchmal von einem anderen Leben. Aber auch intime Details wurden bekannt wie: Hast du schon mal betrogen? Aber auch Geschichten von einzelnen Teilnehmern wurden aufgepackt wie etwa einem Ur-Klotener, der als Taxi-Unternehmer eine Geburt im Taxi miterlebte oder von einem Unfall mit einem Toten.

Ausschnitt des Theaters «Kloten packt aus» © KPA, Lea Huser

Zielgruppengerechte Kommunikation

Welche Massnahmen führten zu diesem Erfolg? «Für die ältere Generation und alteingessesnen Klotener zählte nach wie vor das gedruckte Wort. Da wir die Kommunikationskanäle der Stadt Kloten nutzen konnten, war sicher ein grosser Vorteil. Wir konnten zum Beispiel in der Lokalzeitung in der Rubrik «Stadtseite» immer wieder Artikel aufschalten. Aber auch mit dem Klotener Anzeiger selber handelte man einen super Deal aus mit Gratisberichten und Inseraten. Die grosse Masse konnten wir mit Banner an exponierten Stellen und mit dem offiziellen Informations-Versand der Stadt «Kloten informiert» in alle Haushalte erreichen. Doch all diese Printmedien funktionieren bei Jugendliche zum Beispiel nicht. Da ist das persönliche Gespräch und Mund-zu-Mund Propaganda am effektivsten», erklärt Navia. «Für die Passanten am Stadtplatz haben wir Fragen des Theaters aufgehängt, um sie direkt anzusprechen und neugierig zu machen», ergänzt die Medienverantwortliche.

Fragen des Theaters für Passanten am Stadtplatz. © KPA, Lilian Navia

Social Media und Informationsveranstaltungen gut genutzt

Für Lilian Navia war klar, dass ohne Social Media heutzutage nichts mehr funktioniert. «Für die Jungen brauchten wir neben dem direkten Gespräch auch Instagram und den YouTube-Kanal. Mit Facebook hingegen konnten wir die breite Alterspanne bis 60 Jahren erweitern. Dabei halfen uns einflussreiche Personen als Influencer und teilten und «liketen» unsere Beiträge.» Ein anderes gutes Kommunikationsmittel waren die spezifischen Infoveranstaltungen bei verschiedenen Zielgruppen. „Wir stellten unser Projekt beispielsweise bei Aktionen der Jugendarbeit Kloten oder Seniorengruppen vor,» erklärt Navia.

Ziele wurden erreicht

«Obwohl die Auswertungen noch nicht ganz fertig sind, kann gesagt werden, dass höchstwahrscheinlich Kloten packt aus mit einer schwarzen 0 oder mit einem kleinen Ertragsüberschuss abschliesst. Das Budget für Kommunikation und Marketing konnte mit Fr. 10’000 eingehalten werden», so Lilian Navia. «Was aber noch viel schöner ist, das gesetzte innere Ziel, dass sich Leute finden, welche sonst nicht auf einander treffen würden, erreicht wurde. Der interne WhatsApp-Chat läuft immer noch heiss und es werden Grillpartys organisiert oder man trifft sich bei Anlässen». Für die Medienverantwortliche ist es vor allem spannend zu beobachten, dass sich viele SchauspielerInnen nun weiter engagieren in einem Verein oder sonst einer Aktion.

Alle SchauspielerInnen bei der Probe. © KPA, Lilian Navia

https://kloten-packt-aus.ch/

https://www.facebook.com/klotenpacktaus/

https://www.instagram.com/kloten_packt_aus/?hl=de

 

Über die Autorin

Fabienne Kühnis lebt seit ihrer frühen Kindheit in Kloten. Am Tor der Welt packte sie schon früh die Reiselust und lebte daher schon in Kanada, Australien und Norwegen. Um ihre Wurzeln nicht zu vergessen engagiert sich Kühnis in diversen Vereinen und sitzt seit gut vier Jahren im Klotener Stadtparlament. Für sie war es eine Ehrensache bei «Kloten packt aus» mitzumachen.
Die studierte Umweltingenieurin ZFH mit KV-Abschluss arbeitet Teilzeit bei der Zürcher Stiftung für Gefangenen- und Entlassenfürsorge im Marketing und Verkauf sowie als Umweltbotschafterin bei der Interessensgemeinschaft saubere Umwelt. Zudem schliesst sie den CAS Marketing & Corporate Communications der ZHAW demnächst ab.

Zwischen Kultur und Kommerz: Die Gratwanderung im Künstlermarketing

Von Vera Gros

Der Kommerz hat in der klassischen Künstlerszene ein Imageproblem. denn Kommerz wird mit Kapitalismus gleichgesetzt und widerspricht damit dem ästhetischen Anspruch des Künstlers. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele selbsternannte Künstlerinnen und Künstler Marketingmassnahmen kategorisch ablehnen. Berufskollegen, die sich selbst geschickt vermarkten, werden „Unterhalter“ oder „Dienstleister“ genannt, ihre Auftritte abwertend als „Shows“ statt Konzerte bezeichnet.

Marketing in der Musik? Für viele Künstler gilt das als Kommerz © Pixabay

Rockstar Mozart

Das Phänomen ist jedoch keineswegs neu. Bereits Wolfgang Amadeus Mozart war „Entertainer“ und Rockstar seiner Zeit. Er verstand es hervorragend, sein Image zu seinen Gunsten zu nutzen und damit viele Menschen nicht nur zu seiner Zeit, sondern bis heute anzusprechen. Im Unterschied zu heutigen Stars der Klassikbranche, war Mozart nicht nur Künstler und Unterhalter, sondern wie die meisten seiner zeitgenössischen Berufskollegen auch Veranstalter und als solcher zwingend auch wirtschaftlich denkend.

Die Geigerin Julia Fischer sagte in einem Interview mit der Zeitschrift Pizzicato: „Jede Plattenfirma und jeder Konzertorganisator wird Ihnen sagen, dass er mein Bild besser verkaufen kann, als das von Mozart oder Beethoven. Das ist bedauerlich, aber es ist nun mal die Realität. (…) Und da es ja auch in meinem Sinne als Musikerin ist, dass sich eben meine Konzerte und CDs gut verkaufen, kann ich nur bedingt etwas dagegen tun. (…) Ich versuche jedenfalls immer, gewisse Marketing-Grenzen nicht zu überschreiten.

Die Geigerin Julia Fischer © Felix Broede

Indem sie die Verantwortung für ihre Vermarktung nicht selber übernehmen muss, sondern Plattenfirmen, Veranstalter und Agenten diese Aufgabe übernehmen, kann Julia Fischer ihre Arbeit ganz in den Dienst des Komponisten und der Kunst stellen. Weniger kommerziell ist dies aber nicht.

Kultur und Kommerz schliessen sich nicht aus

Geiger Nigel Kennedy wird gerne als „Punk der Klassikszene“ bezeichnet. Er selber würde sich zwar nie in diese Schublade stecken, wehrt sich aber auch nicht gegen das rüpelhafte Image, sondern festigt es mit seinem beeindruckenden Wortschatz von englischen Fluchwörtern in jedem Interview. Seiner künstlerischen Qualität tut dies keinen Abbruch. Sowohl Julia Fischer, wie auch Nigel Kennedy bezeichnen sich als Künstler im Gegensatz zu Entertainern oder Dienstleistern. Beide verzichten ausdrücklich selbst auf ihre Vermarktung. Und doch füllen sie Konzertsäle und verkaufen CDs zu tausenden, sind also kommerziell sehr erfolgreich. Doch was ist ihr Geheimnis?

Alles eine Frage des Images

Julia Fischer, wie auch Nigel Kennedy haben ein sehr gefestigtes und konstantes Image. Beide verbiegen sich nicht, weder für das Publikum, noch für eine Plattenfirma. Wie auch viele Stars aus anderen Musikbereichen beherrschen sie die Kunst des Personal Branding und werden so zu starken Marken. Viele aufgehende Sternchen verschwinden dagegen bald wieder von der Bühne, weil sie zu austauschbar sind oder weil sie versuchen die unterschiedlichsten Zielgruppen gleichzeitig zu erreichen und dabei nicht authentisch sind. Ein Image, welches nicht authentisch wirkt, hält vielleicht kurzfristig, wird aber auf kurz oder lang von neuen, frischeren und interessanteren Images abgelöst.

Über die Autorin

Ob an ihrer aktuellen Stelle als Orchesterdisponentin und Eventmanagerin bei 21st Century Concerts in Luzern, in der nebenamtlichen Tätigkeit als Organistin und Chorleiterin oder beim Kennenlernen ihres heutigen Ehemannes während eines Musiklagers: Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Vera Gros. Nach dem Studium der Musik- und Sprachwissenschaften an der Universität Zürich holt sie sich aktuell mit dem CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW das Werkzeug, um die Konzerte auch verkaufen zu können.

Erfolgreicher Abschluss des CAS Marketing- & Corporate Communications

Weiterbildungen sind in Zeiten des lebenslangen Lernens sehr beliebt. So auch der CAS Marketing- & Corporate Communications, der Kommunikation und Marketing kombiniert. Für die Teilnehmenden war es eine spannende und intensive Zeit, die mit den Abschlusspräsentationen gekrönt worden ist. In zweier Teams mussten die Teilnehmenden ein Kommunikations- oder Marketingkonzept erstellen und dies dann der Klasse präsentieren. Anwesend war auch ein Überraschungsgast, der durchaus kritische Fragen stellte und damit für zusätzliche Nervosität sorgte.

Erfolgreicher Abschluss des CAS MCC © Anna Rozumowski

Abschlusspräsentationen als wichtiges Element

Die Klasse hat souverän präsentiert und spannende Konzepte aus diversen Unternehmen vorgestellt. Von der kleinen Einzelfirma über den Verein, bis zum Grosskonzern war alles vertreten und die Vielfalt der Marketingkommunikation konnte überzeugend dargestellt werden. Insgesamt ein mehr als gelungener Abschluss dieses Lehrgangs. „Die Abschlusspräsentationen sind für uns keine Alibiübung, sondern sind ein Teil der Ausbildung. Sie simulieren Situationen, die tatsächlich entstehen könnten. Es reicht daher nicht, wenn man eine gute Idee hat, man muss sie auch entsprechend präsentieren„, meint die Studiengangleiterin Dr. Adrienne Suvada.

Das Abschlussbild der CAS MCC Klasse © Anna Rozumowski

Der CAS Marketing- & Corporate Communications war auch für die Dozenten eine interessante Aufgabe. Die Teilnehmenden mit ihren verschiedenen Hintergründen waren eine Bereicherung, forderten aber auch viel ab. Das wertvolle Feedback fliesst in die nächsten Durchführungen ein, so dass der CAS selbst immer genügend Spannung bereithält.

Bereits nach den Sommerferien startet der nächste CAS Marketing- & Corporate Communications und zwar am 17. August 2018. Es gilt schnell zu sein, denn die Plätze sind limitiert. Weitere Informationen findet man auf folgender Seite: https://weiterbildung.zhaw.ch/de/school-of-management-and-law/programm/cas-marketing-corporate-communications.html

 

Wie Unternehmen mit Kunst kommunizieren können

Von Lucia Angela Cavegn

Viele Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Kunst und Kultur. Man geht ins Theater, gönnt sich ein Konzert oder besucht ein Museum, um sich zu unterhalten und sich weiterzubilden, oder man erwirbt ein Kunstwerk, um damit Privaträume zu schmücken. Als das gewisse Etwas eignet sich Kunst zudem für die interne und externe Unternehmenskommunikation, wie folgende Beispiele aus Winterthur aufzeigen.

Berührungspunkte zwischen Kunst und Unternehmertum

Zwischen Kunst und Unternehmertum gibt es diverse Berührungspunkte mit Potenzial für gemeinsame, kurz- wie auch langfristige Projekte. Sowohl im Unternehmertum wie auch in der Kunst ist Innovation ein wichtiger Erfolgsfaktor, weshalb ein, in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin oder einem Künstler entwickelter und durchgeführter Workshop, neue Impulse für kreatives Denken und Teambildung liefern kann. Die Winterthurer Künstlerin Lena Wenger bietet diese spezielle, auf Firmen ausgerichtete Dienstleitung unter dem Namen artforpeople an. Ebenfalls in diesem Bereich tätig ist der Holzbildhauer Erwin Schatzmann, dessen überaus inspirierendes Atelier «Morgenland» einem Gesamtkunstwerk gleichkommt.

Kunst beflügelt die Phantasie: Morgenland-Gesamtkunstwerk von Erwin Schatzmann © Lucia Angela Cavegn

Ein gelungenes Beispiel eines langfristigen Projekts ist das Raiffeisen Kunstforum, eine Ausstellungsplattform, welche die Bank der Künstlergruppe Winterthur seit sieben Jahren in ihrer Filiale am Bahnhofplatz zur Verfügung stellt. Neben gemeinsam organsierten Vernissagen finden im obergeschossigen Ausstellungsraum auch Kundenanlässe statt. Die halbjährlichen, von einer externen Kuratorin konzipierten Wechselausstellungen sind an den Werktagen nachmittags unter der Aufsicht des Bankpersonals öffentlich zugänglich.

Kunst öffnet Türen: Raiffeisenbank am Hauptbahnhof Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst nonverbal und empathisch kommunizieren

Anders als der Name vermuten liesse, ist der Technopark Winterthur ebenfalls ein Ort, wo die bildende Kunst präsent ist. Unter dem Titel expolina TECHNOPARK bespielen Kunstschaffende aus dem Umfeld des Technoparks Winterthur jeweils während der Dauer von drei Monaten mit ihren Werken die Wände der Eurest Cafeteria und sorgen damit für Gesprächsstoff sowie ein ansprechendes Ambiente. Die im Aussenbereich platzierte Arbeit des Eisenplastiker-Duos ChrisPierre Labüsch bezieht sich nicht nur auf das Corporate Design des Standorts, sondern war – in Verbindung mit einem 3D-Kurzfilm – Teil einer Performance, die am Weihnachtsanlass 2017 aufgeführt wurde.

Ein geeignetes Medium, um mit Kunst nonverbal und zugleich empathisch zu kommunizieren, sind zudem künstlerische Bildstrecken, welche inhaltlich, wie auch visuell eine gedruckte Publikation, wie beispielsweise den Tagungsband des Swiss Green Economy Symposiums oder die Programmschrift des Musikkollegiums Winterthur bereichern, oder Bildbände wie «Wald & Wunder. Porträts von Wäldern, Wundern und Waldmenschen», ein Buch des Winterthurer Naturfotografen Heinz Staffelbach, das als Kundengeschenk vom VZ VermögensZentrum herausgegeben wurde. Den immaterielle Wert von Kunst nutzte das Unternehmen als Sympathiebonus.

Kunst setzt Akzente: Werk von Chris Pierre Labüsch, Aussenbereich Technopark Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst unkonventionell in Erscheinung treten

Im Januar 2018 fand im Winterthurer Hotel Wartmann die erste Ausgabe der zweitätigen Kunstausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» statt – ein Projekt, das die Schreibende in Zusammenarbeit mit der Szenografin Anita Bättig und dem Hotelinhaber Rolf Wartmann erarbeitete und durchführte. Rund dreissig Künstlerinnen und Künstler bezogen ein Hotelzimmer, um ihre die Masse eines Koffers nicht überschreitenden Kunstwerke feilzubieten und zu übernachten. Das Hotel offerierte die Übernachtung und das gemeinsame Frühstück, zu dem auch das kunstinteressierte Publikum eingeladen war. Im Gegenzug profitierte es von kostenloser PR in Form von Ausstellungshinweisen in den lokalen Medien und mannigfacher Erwähnung in den Social-Media-Postings der Teilnehmenden. Die Verleihung des «Goldenen Zahnbürstchen» an  Alex Zwalen für das originellste Zimmer bildete den krönenden Abschluss der rege besuchten und sehr positiv aufgenommen Veranstaltung. 

Kunst ermöglicht ungewöhnliche Begegnungen: Der Künstler Alex Zwalen malt im Hotelzimmer – Ausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» im Hotel Wartemann Winterthur © Lucia Angela Cavegn

https://kunstweise.ch/event-reader/morgenstund-hat-kunst-im-mund-347.html

Facebookgruppe «Morgenstund hat Kunst im Mund»

Über die Autorin

Lucia Angela Cavegn (lic. phil. I) bestreitet ihren Lebensunterhalt als freischaffende Kunstpublizistin, Kunst- und Kulturvermittlerin, Ausstellungskuratorin und Gesprächsmoderatorin. Seit Juli 2014 ist sie Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur. Ihren Internetauftritt www.kunstweise.ch teilt sie sich mit der Winterthurer Künstlerin Christiane Ghilardi. Zurzeit absolviert sie das CAS-Studium Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW und bereitet eine Ausstellung zum Thema «Selbstporträts» für das Museum Rosenegg in Kreuzlingen vor.