Wie Unternehmen mit Kunst kommunizieren können

Von Lucia Angela Cavegn

Viele Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Kunst und Kultur. Man geht ins Theater, gönnt sich ein Konzert oder besucht ein Museum, um sich zu unterhalten und sich weiterzubilden, oder man erwirbt ein Kunstwerk, um damit Privaträume zu schmücken. Als das gewisse Etwas eignet sich Kunst zudem für die interne und externe Unternehmenskommunikation, wie folgende Beispiele aus Winterthur aufzeigen.

Berührungspunkte zwischen Kunst und Unternehmertum

Zwischen Kunst und Unternehmertum gibt es diverse Berührungspunkte mit Potenzial für gemeinsame, kurz- wie auch langfristige Projekte. Sowohl im Unternehmertum wie auch in der Kunst ist Innovation ein wichtiger Erfolgsfaktor, weshalb ein, in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin oder einem Künstler entwickelter und durchgeführter Workshop, neue Impulse für kreatives Denken und Teambildung liefern kann. Die Winterthurer Künstlerin Lena Wenger bietet diese spezielle, auf Firmen ausgerichtete Dienstleitung unter dem Namen artforpeople an. Ebenfalls in diesem Bereich tätig ist der Holzbildhauer Erwin Schatzmann, dessen überaus inspirierendes Atelier «Morgenland» einem Gesamtkunstwerk gleichkommt.

Kunst beflügelt die Phantasie: Morgenland-Gesamtkunstwerk von Erwin Schatzmann © Lucia Angela Cavegn

Ein gelungenes Beispiel eines langfristigen Projekts ist das Raiffeisen Kunstforum, eine Ausstellungsplattform, welche die Bank der Künstlergruppe Winterthur seit sieben Jahren in ihrer Filiale am Bahnhofplatz zur Verfügung stellt. Neben gemeinsam organsierten Vernissagen finden im obergeschossigen Ausstellungsraum auch Kundenanlässe statt. Die halbjährlichen, von einer externen Kuratorin konzipierten Wechselausstellungen sind an den Werktagen nachmittags unter der Aufsicht des Bankpersonals öffentlich zugänglich.

Kunst öffnet Türen: Raiffeisenbank am Hauptbahnhof Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst nonverbal und empathisch kommunizieren

Anders als der Name vermuten liesse, ist der Technopark Winterthur ebenfalls ein Ort, wo die bildende Kunst präsent ist. Unter dem Titel expolina TECHNOPARK bespielen Kunstschaffende aus dem Umfeld des Technoparks Winterthur jeweils während der Dauer von drei Monaten mit ihren Werken die Wände der Eurest Cafeteria und sorgen damit für Gesprächsstoff sowie ein ansprechendes Ambiente. Die im Aussenbereich platzierte Arbeit des Eisenplastiker-Duos ChrisPierre Labüsch bezieht sich nicht nur auf das Corporate Design des Standorts, sondern war – in Verbindung mit einem 3D-Kurzfilm – Teil einer Performance, die am Weihnachtsanlass 2017 aufgeführt wurde.

Ein geeignetes Medium, um mit Kunst nonverbal und zugleich empathisch zu kommunizieren, sind zudem künstlerische Bildstrecken, welche inhaltlich, wie auch visuell eine gedruckte Publikation, wie beispielsweise den Tagungsband des Swiss Green Economy Symposiums oder die Programmschrift des Musikkollegiums Winterthur bereichern, oder Bildbände wie «Wald & Wunder. Porträts von Wäldern, Wundern und Waldmenschen», ein Buch des Winterthurer Naturfotografen Heinz Staffelbach, das als Kundengeschenk vom VZ VermögensZentrum herausgegeben wurde. Den immaterielle Wert von Kunst nutzte das Unternehmen als Sympathiebonus.

Kunst setzt Akzente: Werk von Chris Pierre Labüsch, Aussenbereich Technopark Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst unkonventionell in Erscheinung treten

Im Januar 2018 fand im Winterthurer Hotel Wartmann die erste Ausgabe der zweitätigen Kunstausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» statt – ein Projekt, das die Schreibende in Zusammenarbeit mit der Szenografin Anita Bättig und dem Hotelinhaber Rolf Wartmann erarbeitete und durchführte. Rund dreissig Künstlerinnen und Künstler bezogen ein Hotelzimmer, um ihre die Masse eines Koffers nicht überschreitenden Kunstwerke feilzubieten und zu übernachten. Das Hotel offerierte die Übernachtung und das gemeinsame Frühstück, zu dem auch das kunstinteressierte Publikum eingeladen war. Im Gegenzug profitierte es von kostenloser PR in Form von Ausstellungshinweisen in den lokalen Medien und mannigfacher Erwähnung in den Social-Media-Postings der Teilnehmenden. Die Verleihung des «Goldenen Zahnbürstchen» an  Alex Zwalen für das originellste Zimmer bildete den krönenden Abschluss der rege besuchten und sehr positiv aufgenommen Veranstaltung. 

Kunst ermöglicht ungewöhnliche Begegnungen: Der Künstler Alex Zwalen malt im Hotelzimmer – Ausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» im Hotel Wartemann Winterthur © Lucia Angela Cavegn

https://kunstweise.ch/event-reader/morgenstund-hat-kunst-im-mund-347.html

Facebookgruppe «Morgenstund hat Kunst im Mund»

Über die Autorin

Lucia Angela Cavegn (lic. phil. I) bestreitet ihren Lebensunterhalt als freischaffende Kunstpublizistin, Kunst- und Kulturvermittlerin, Ausstellungskuratorin und Gesprächsmoderatorin. Seit Juli 2014 ist sie Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur. Ihren Internetauftritt www.kunstweise.ch teilt sie sich mit der Winterthurer Künstlerin Christiane Ghilardi. Zurzeit absolviert sie das CAS-Studium Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW und bereitet eine Ausstellung zum Thema «Selbstporträts» für das Museum Rosenegg in Kreuzlingen vor.

Black is beautiful – Wie LUSH den Spagat zwischen Ethik und Ästhetik meistert

Von Stephanie Heusler

Bei dir sieht’s ja aus wie im LUSH-Shop“. Ein nicht selten gehörter Satz echter LUSH-Fans (auch LUSHies genannt). Der Suchtfaktor ist tatsächlich hoch. Assoziationen mit der Marke LUSH betreffen jedoch meist das starke Duftgemisch, das beim Passieren von LUSH-Shops wahrnehmbar wird und das grosse Sortiment an Badebomben. Die Badebomben machen allerdings nur einen kleinen Bruchteil der grossen Produktepalette des britischen Kosmetikherstellers aus. Der auffällig starke Geruch hingegen ist Teil der Marketingstrategie der Firma. Gegründet wurde LUSH 1995 von Mark Constantine, in Poole Grossbritannien. Mittlerweile besteht das Sortiment aus einer vollständigen Pflege- und Kosmetiklinie für jedes Bedürfnis. In der Schweiz eröffnete LUSH 2002 den ersten Shop in Bern und beschäftigt mittlerweile 135 überzeugte Angestellte in insgesamt 18 Geschäften. Die persönliche Überzeugung des Personals und ihre Freude an den Produkten ist sichtbar und spürbar. Mit viel Authentizität und Motivation verführt es seine Kunden in die bunte Welt von LUSH. Schnell wird klar, das Personal gehört selbst zur treuen Kundschaft. LUSH verzichtet auf gängige Werbemittel, die die Masse ansprechen. Vielmehr setzt das Unternehmen auf Mund-zu-Mund-Propaganda durch ihre Kundschaft. Diese tragen aus freien Stücken und eigener Überzeugung die Werte von LUSH in ihr näheres Umfeld und die Welt. Mitarbeiter und Kunden werden so zu freiwilligen Markenbotschaftern.

Das Produktesortiment von LUSH umfasst alle Bereiche der Schönheitspflege © Stephanie Heusler

Die Philosophie wird eingehalten: „Fresh handmade cosmetics“

Gemäss der Firmen-Philosophie stellt LUSH alle Produkte von Hand her. Dafür verwendet LUSH mehrheitlich natürliche Zutaten, die aus fairem Handel und nachhaltiger Produktion stammen. Wesentlich ist dabei der absolute Verzicht auf Tierversuche auf allen Ebenen. Das Einkaufsteam von LUSH bereist die Welt, auf der Suche nach Produzenten, die ebendiese Anforderungen erfüllen und kauft direkt bei ihnen ein. Diese intensiven Handelsbeziehungen ermöglichen es LUSH, die Qualität und Herkunft der verwendeten Inhaltsstoffe sicherzustellen. Auf diese Weise gelingt es LUSH zudem Kinderarbeit auszuschliessen, faire Löhne, nachhaltige Anbaumethoden und gute Arbeitsbedingungen zu gewährleisten sowie die eigenen Richtlinien gegen Tierversuche durchzusetzen.

Ganz im Stil einer Grossküche werden in der LUSH-Fabrik die Endprodukte von Hand gefertigt und bei Bedarf verpackt und abgefüllt. Als Verpackung dienen LUSH die charakteristischen schwarzen Töpfe (black pots) aus rezykliertem Kunststoff (PP, Polypropylen) sowie Flaschen und Behälter aus PET (Polyethylenterephthalat). Sticker auf den Verpackungen geben den Kunden Aufschluss darüber, wer ihr Produkt wann hergestellt hat und wie lange es haltbar ist. Diese persönliche Note schafft Vertrauen in das Produkt und die Marke LUSH. Damit nicht genug, bietet LUSH seiner Kundschaft an, die leeren black pots und Flaschen zu sammeln und zu retournieren. Im Umtausch gegen fünf gereinigte Behältnisse erhält der Kunde ein unverpacktes (auch „nacktes“) Produkt aus einer monatlich wechselnden Auswahl.

Im Umtausch gegen fünf leere Behältnisse gibt’s ein „nacktes“ Produkt © Stephanie Heusler

In Grossbritannien konnte LUSH diesen Kreislauf der Wiederverwertung vollständig schliessen. Die retournierten black pots dienen dort zu 100% der Herstellung neuer black pots. Da eine Rückführung in diesen Kreislauf aus der Schweiz unökologisch wäre, werden die schwarzen Töpfe hierzulande fachgerecht rezykliert. Vor diesem Hintergrund baut LUSH gezielt die Produktepalette von „nackten“ Produkten aus, um den Verpackungsmüll ihrer Kundschaft fortlaufend zu reduzieren. Fehlende Verpackungen sind auch der Grund für das intensiv blumige, fruchtige und warme Duftbouquet, das LUSH-Shops derart einzigartig macht. Das Einkaufserlebnis beschränkt sich bei LUSH somit nicht auf visuelle Werte, sondern spricht auch den Tast- und Geruchsinn der Kundschaft an.

Aktiv und konsequent gegen Tierversuche

Neben stetig wechselnden Charity-Projekten, ist der Kampf gegen Tierversuche eines der grössten Steckenpferde von LUSH. Einkäufe bei LUSH werden bei Bedarf in eine Papiertüte mit grossem Aufdruck „Fighting Animal Testing“ verpackt. Die Message ist unmissverständlich und wird dementsprechend konsequent umgesetzt. LUSH bezieht seine Rohstoffe ausschliesslich bei Produzenten und Unternehmen, die weder am gekauften Produkt, noch in irgendeiner anderen Weise mit Tierversuchen in Kontakt treten. Bereits die kleinste finanzielle Beziehung eines potentiellen Zulieferers zu einer anderen Firma, die Tierversuche durchführt, liesse einen Einkauf von LUSH scheitern.

Im Kampf gegen Tierversuche werden die Kunden zu Botschaftern © Stephanie Heusler

Diese Konsequenz macht LUSH einzigartig und übertrifft obendrein gängige Grundsätze, wie die des „cruelty free“-Labels. Um Tierversuche aktiv zu bekämpfen, hat LUSH 2012 den LUSH-Prize ins Leben gerufen. Jährlich vergibt LUSH mit der Unterstützung der Kampagnengesellschaft Ethical Consumer insgesamt £250.000 Fördergelder an internationale WissenschaftlerInnen und Projekte der Öffentlichkeitsarbeit. Mit einer aktuellen Kampagne macht LUSH Schweiz erneut auf das Thema Tierversuche und den LUSH-Prize aufmerksam. Die Kampagne ermöglicht LUSH-Kunden selbst aktiv zu werden. Sie können Fotos mit dem Bilderrahmen auf ihrer Social Media Wall posten oder mit dem Kauf der Seife „Fight Animal Testing“ direkt die Organisation Tier im Recht unterstützen.

https://www.lush.ch/Startseite.aspx

https://www.facebook.com/LUSH.Switzerland/

https://www.instagram.com/lushschweiz/

https://www.youtube.com/user/Lushswitzerland

Über die Autorin

Stephanie Heusler ist Juristin aus Basel und absolviert berufsbegleitend den CAS Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW in Winterthur. Ihre Interessen in Innovation und Weiterbildung und -entwicklung haben sowohl beruflichen als auch persönlichen Bezug. Seit einigen Jahren ist sie selbst überzeugte LUSH-Kundin und freiwillige Markenbotschafterin. Sie vertritt die Ansicht, dass qualitative und wirksame (Pflege-) Produkte nicht auf Tierversuche angewiesen ist. Der Tier- und Umweltschutz und dessen stetiger Fortschritt stellen für sie einen wichtigen Grundpfeiler für eine ethisch korrekte und nachhaltige Lebensweise dar.

Der SC 02 United am SML Grümpel-Turnier

Von Linard Barth

Die ZHAW School of Management and Law veranstaltet ein jährliches «Grümpel-Turnier» für alle Mitarbeiter, Studenten und Alumni der SML, dieses Jahr massen sich 35 Teams in den Disziplinen Fuss- und Beachvolleyball. Das Zentrum für Unternehmensentwicklung und das Institut für Marketing Management haben sich zusammengeschlossen und eine kampffreudige Truppe unter dem Namen «SC 02 United» an den Start geschickt, «SC» steht dabei sowohl für «Sportclub» als auch für das SC-Gebäude, die Nummer 02 symbolisiert den zweiten Stock in dem sich die beiden Abteilungen befinden.

Trotz der unermesslichen Motivation und der guten Vorbereitung wurden die sowieso nicht allzu hohen Ambitionen in den ersten beiden Spielen gegen stark aufspielende Studententeams herb gedämpft. Nach den zwei relativ hohen Niederlagen in den Startspielen ohne SC-Torerfolg musste die Taktik bei einer von der SML gespendeten Wurst und einem Elektrolyten-auffüllenden Bier nochmal besprochen werden. In der Folge waren die SC-Kicker in beiden Spielen besser aufgestellt und konnten insgesamt vier Tore frenetisch feiern. Dennoch war am Ende mit nur einem Sieg aus vier Spielen nur der vorletzte Gruppenrang drin und die Mannschaft konnte sich nun ganz der zur Verfügung gestellten Verpflegung und dem Anfeuern der verbliebenen Teams in den Finalspielen widmen.

Trotz dem ausgebliebenen Pokal waren sich die Spieler des SC 02 United einig an der nächsten Austragung wieder teilzunehmen und für Sieg und Ehre für das SC-Gebäude zu kämpfen. Mit den ausgeliehenen Trikots des SC Bronschhofen und unseren strammen Waden waren wir wenigstens optisch echte Hingucker und dürfen uns getrost als Sieger der (Frauen-)Herzen betrachten. Dabei sein ist ja schliesslich auch (fast) alles und wir konnten bei einem sonnigen Freitagnachmittag der schönsten Nebensache der Welt frönen! 🙂

Der SC 02 United von o.l. nach u.r.: Florian «Freistoss-Ass» Spychiger, Linard «Stossstürmer» Barth, Marcel «Stellungsspiel» Hüttermann, Rafael «Flügerflitzer» Domeisen (Torschützenkönig des SC!), Kaspar «Ein-Mann-Abwehrmauer» Kilchenmann, Santhosh «Toptransfer» Kaduthanam, David «die Katze» Kübler und der fast schon verboten fotogene Rolf «Doppelpass» Rellstab.

Rolf «Doppelpass» Rellstab macht auch in Aktion eine gute Figur.

Rafael «Flügerflitzer» Domeisen ist auch ein Taktik-Ass und wusste die Gemüter nach den Startniederlagen wieder zu beruhigen.

Ein Hauch Grossstadt-Fl(h)air in Schaffhausen

Von Gabriella Jetter

Schaffhausen ist mit rund 35’000 Einwohnern in Dieter Wiesmann’s Lied richtig beschrieben, nämlich als „bloss e chliini Stadt“. Der Hauptort des gleichnamigen Kantons belegt im Schweizerischen Ranking bezüglich Lifestyle und place to be wohl keinen Podestplatz. Die Munotstadt braucht keinen Glamour. Oder doch?

Digitalisierung in denkmalgeschützter Umgebung: eine perfekte Symbiose

Was hat digitale Transformation, personalisierter Service und Nachhaltigkeit in einem Friseurladen zu suchen? Haare wachsen immer. Dieser natürliche Prozess zwingt uns folglich regelmässig, den Gang zum Friseur anzutreten. Die Kundenakquise ist demnach nicht zwingend als prioritär zu betrachten. Für die Schaffhauser soll es in erster Linie einfach und preiswert sein. Praktisch, dass das wenige Kilometer entfernte Deutschland mit günstigen Preisen lockt. Trotz dieser Voraussetzungen eröffnete vor rund vier Jahren ein Hairsalon, in dem mehr als nur Schneiden, Waschen und Föhnen angeboten wird. Im knapp 300jährigen „Haus zur Ziegelburg“ befindet sich das Casa Organica Terranova Hairsalon, Spa & Café. Ein Coiffeurstudio mit einem eigenen Marketingkonzept. Für grössere Orte wie Winterthur oder Zürich nichts Spektakuläres. Für Schaffhausen, das eher für die 300 Erker als für innovative Geschäftsmodelle bekannt ist, einzigartig.

Das Coiffeurstudio in Schaffhausen © TERRANOVA – AVEDA Lifestyle Coiffeur & Spa

Passend zur heutigen Zeit ist der Termin mit wenigen Klicks online gebucht. Vor Ort kommt anfänglich die Vermutung auf, einen Concept Store zu betreten. Nebst den klassischen Friseurutensilien befinden sich eine grosse Auswahl an Haarprodukten aus nachhaltiger Produktion in Tuben und Tiegeln, die aus 100% recycelten Materialien bestehen. Überall riecht es dezent nach Aveda Düften. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, hier ginge es ausschliesslich um Haarpflege. Das Hairlebnis in der Casa Terranova wird mit den zusätzlich zur Verfügung stehenden Masseuren, Visagisten, Coloristen und Kosmetikerinnen zum Event aufgewertet. Das Anbieten zahlreicher Services unter einem Dach spart Zeit. Das schätzen nicht nur Geschäftsleute.

Weit mehr als nur ein Coiffeur, hier werden zahlreiche Services angeboten © TERRANOVA – AVEDA Lifestyle Coiffeur & Spa

Auch für das leibliche Wohlbefinden ist gesorgt. Das integrierte Organic Café im Eingangsbereich bietet diverse selbstgemachte Biodrinks, Smoothies, sowie Tee- und Kaffeespezialitäten an. Die Zutaten sind aus ökologischem Anbau, denn das Einbinden der Natur ist nicht nur bei den Haarprodukten von zentraler Bedeutung. Generell ist die transparente Wertschöpfungskette wichtig. Die Konfektionierung auserwählter Produkte findet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung statt. Regelmässige Workshops, wie das Mischen des eigenen Naturparfüms, oder Charity Events runden die Aktivitäten dieses Hairsalons ab. Die Anmeldung zu solchen Veranstaltungen erfolgt zeitgemäss über Social Media Kanäle.

Beim Umsetzen dieser Idee war zweifelsohne nicht nur die Handwerkskunst des Haareschneides zentral. Hier ist inmitten von denkmalgeschützten Gebäuden eine moderne Wohlfühloase entstanden. Immer wieder ergänzt der Geschäftsinhaber Giancarlo Terranova, das vielfältige Angebot mit neuen Ideen. Seit kurzem ist ein Chauffeurdienst verfügbar. Die Sorge, einen nahegelegenen Parkplatz zu finden, hat ein Ende. Und die Frage, ob wohl noch ein zweiter Prosecco drin liegt, erübrigt sich ebenfalls.

Der Zeit voraus; ein Visionär erzählt

In einem Interview mit Giancarlo Terranova verrät er, dass der Gedanke an ein solches Konzept bereits vor 20 Jahren vorhanden war. Es entsprach jedoch nicht der damaligen Denkhaltung. Es war zu früh. Weiter spricht der Geschäftsinhaber von Differenzierung und USP. In seinem Store vereint er, was ihm persönlich auch wichtig ist. Nachhaltigkeit, eine erholsame Atmosphäre und eine Vielfalt an diversen Serviceangeboten unter einem Dach. Für die Vermarktung greift er zusätzlich auch zu digitalen Lösungen und trifft somit den Zeitgeist.

https://www.casaterranova.ch/, https://www.aveda-terranova.shop/

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Über die Autorin

Gabriella Jetter ist als Department Manager Communication & Training bei der IWC Schaffhausen oft in den Grossstädten dieser Welt anzutreffen. Ihre Geburtsstadt Schaffhausen trägt sie jedoch immer im Herzen. Sie liebt innovative Ideen und bewundert Leute, die diese Ideen nicht nur zum Leben erwecken, sondern auch umsetzen. Sie absolviert zurzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW.

Die Souks in der Medina – oder von der Bedeutung des Preises

Orientalische Basarökonomie zu Zeiten von Digital- und Channel-Marketing

Von Constantin Kuhn

Die meisten Unternehmen – seien es Händler oder Hersteller von Waren – versuchen heute ihren Absatz mittels ausgefeilter Werbe-, Marketing- und Kommunikationsstrategien zu steigern. So werden Contents geschaffen, mit welchen möglichst konvergent die unterschiedlichsten digitalen und konventionellen Kanäle bespielt werden können. Es werden Klickraten und andere Werte mathematisch ausgewertet und die daraus gewonnenen Informationen werden zu einer weiteren Optimierung von Massnahmen, Preis, Absatz und Gewinn eingesetzt. Mit diesen Themen im Hinterkopf nach Marrakesch zu reisen bedeutet einen kontrollierten Kulturschock zu erleben – oder zumindest aber das Hinterfragen der gewohnten merkantilen Prozesse.

Ladengeschäft in einem Souk, Marrakesch © Constantin Kuhn

Mit dem ersten Schritt in einen der zahlreichen Souks, wie die arabischen Märkte genannt werden, beginnt ein völlig exotisches Einkaufserlebnis. Tatsächlich besteht beinahe die gesamte Medina, die Altstadt Marrakeschs, aus einem einzigen, gigantischen Souk. Rational betrachtet handelt es sich um enge, zum Teil überdachte Gassen, welche von einem Sammelsurium unterschiedlichster Läden gesäumt sind. Es gibt jede denkbare Form von Geschäft – vom klassischen Ladengeschäft über Verkaufsnischen bis hin zu temporären Ständen, welche teilweise lediglich aus einem Tuch und der präsentierten Ware bestehen. Diese Souks sind beinahe zu jeder Tageszeit hoch frequentiert, sei es von Touristen oder Einheimischen, zu Fuss, auf motorisierten oder unmotorisierten Zweirädern und Eselskarren. Jeder Händler, egal wie gross oder klein das Geschäft oder wie hoch- oder niedrigpreisig die angebotene Ware ist, arrangiert seine Ware möglichst ansprechend und aufmerksamkeitsheischend und preist diese gegenüber dem Passanten lautstark an. Gewohnte Kanäle wie eine Homepage, ein Instagram-Account oder ein Newsletter spielen hier keine Rolle. Relevant ist nur der Kunde, der gerade tatsächlich da ist. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Touristen, welche angeregt von Reiseführern und Fernsehdokumentationen den Reiz der Exotik suchen.

Stand auf dem Djemaa el Fna, Marrakesch © Constantin Kuhn

Zuerst das Produkt, dann der Preis

Weckt ein Produkt das Interesse und bleibt man einen Augenblick stehen, um dieses genauer zu betrachten, ist dies die Eröffnung der Verhandlungen. Der Händler nutzt die Gelegenheit, um über qualitative, ästhetische und preisliche Vorzüge seiner Waren zu informieren – was der Händler aber nicht tun wird, ist einen konkreten Preis zu nennen. Auf die Frage nach dem Preis eines Artikels wird er einem zu verstehen geben, dass man sich sicher einigen wird. Zuerst solle man aussuchen, welche Produkte man erwerben wolle und im Anschluss werde man einen guten Preis finden.

Hat man tatsächlich mehrere Artikel ausgewählt, wird der Händler kalkulieren, einen Preis nennen und erwarten, dass man nun ebenfalls einen Preis vorschlägt. Ersterer wird üblicherweise viel zu hoch sein, letzterer für gewöhnlich viel zu niedrig. Diese Preisvorschläge gehen nun einige Male hin und her, bis der Händler schliesslich bei einem genannten Preis „Inschallah“ oder „Yallah“ ausrufend einschlägt und so den Handel besiegelt. Dieses Feilschen und Preisfinden ist ein Ritual, welches häufig mit einem durch den Händler offerierten Pfefferminztee einhergeht. Dabei werden das Interesse an einem Produkt, dessen qualitative Eigenschaften und dessen Wert für den Käufer und den Verkäufer miteinander ins Verhältnis gesetzt. Wenn das Verhältnis stimmt, kommt der Handel zustande. Üblicherweise wird man nach einem abgeschlossenen Kauf das Gefühl haben, ein unglaublich gutes oder ein unglaublich schlechtes Geschäft gemacht zu haben – und vermutlich ist auch beides begründet.

Souk in Marrakesch © Constantin Kuhn

Preisvergleich ist unmöglich

Tatsächlich ist das Fehlen eines ausgeschriebenen Preises für den durchschnittlichen Marrakesch-Besucher insofern problematisch, als ohne Preis auch jeglicher Anhaltspunkt für den monetären Wert eines Gegenstandes fehlt. Man ist es gewohnt, dass zum Kauf angebotene Artikel mit einem Preis versehen sind, was es uns ermöglicht, abzuschätzen, ob ein Gegenstand teuer oder günstig ist. Aufgrund von Erfahrung oder Recherche, welche im Wesentlichen aus dem Vergleichen von Preisen und Eigenschaften wie Qualität oder Markenimage besteht, entsteht die Idee eines Marktwertes.

Das Fehlen eines Preises in Kombination mit mangelnden Kenntnissen über Herstellungskosten und übliche Margen macht es extrem schwierig bis unmöglich, einen Gegenstand zum „besten Preis“ zu erwerben. Analysiert man den Besuch eines Souks unter dem Aspekt von geläufigen Marketing- und Kommunikationskonzepten, so ist festzustellen, dass diese – vor allem die Online-Komponente betreffend – nahezu vollständig fehlen. Darüber hinaus wird bewusst, welche zentrale Wichtigkeit, neben Emotionen, die Kenntnis des Preises für das Entstehen eines Bedürfnisses und die allenfalls folgende Kaufentscheidung häufig hat.  

Das alltägliche Einkaufen ohne Preisangabe ist, egal ob im Supermarkt oder Onlineshop, in unserer globalisierten und digitalisierten Welt unvorstellbar. Abgesehen vom zeitlichen Aufwand, der mit den ständigen Preisaushandlungen verbunden wäre, ist davon auszugehen, dass einige Bedürfnisse mangels Idee darüber, ob sie neben der emotionalen Komponente des „Habenwollens“ preislich überhaupt realistisch und erfüllbar sind, möglicherweise gar nicht weiterverfolgt werden.

Unter diesem Aspekt kann ein Besuch der Souks von Marrakesch eine Möglichkeit bieten, die Routine in Bezug auf Marketingdenken aufzubrechen und merkantile Prozesse aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Denn allen Widersprüchen gegenüber unserem gewohnten Kaufverhalten zum Trotz, wird in den Souks gekauft. Wenngleich oder weil das Schaffen eines Bedürfnisses hier vor dem Preis und damit auch vor der subjektiven Frage der tatsächlichen Erfüllbarkeit stehen.

Über den Autor

Constantin Kuhn geboren und aufgewachsen in Deutschland kam nach Abschluss seines Studiums aus Liebe in die Schweiz und blieb. Er arbeitet in der Administration eines Thurgauer KMU und zu seinen Tätigkeiten gehören unter anderem Marketing- und Kommunikationsaufgaben. Aktuell nimmt er am CAS Marketing- und Corporate Communications der ZHAW teil, um mehr über das zu erfahren was er bei der Arbeit eigentlich tut.

 

Weiterbildungskurs «Technology Impact, Business Models & Services»

Auf vielfachen Wunsch bietet das ZHAW Institut für Marketing Management diesen Sommer eine Technologie-Safari nach Berlin und Leipzig an. Die Studienreise wird in Zusammenarbeit mit dem 2b AHEAD ThinkTank organisiert und durchgeführt.

Die Grenzen zwischen der digitalen und der physischen Welt verschwimmen und stellen Geschäftsmodelle und deren Marketinglogik infrage. Auf unterschiedlichsten Ebenen müssen digitale Veränderungsprozesse angestossen und begleitet werden. Aktuelle Technologien und Technologietrends und deren Relevanz fürs Marketing zu verstehen, gehört heute zur Pflichtaufgabe eines CMO’s, überfordert aber gleichzeitig so manchen Marketingverantwortlichen.

Um hier gezielt Kompetenzen zu stärken, bietet das ZHAW Institut für Marketing Management im August 2018 eine viertägige Studienreise nach Berlin und Leipzig an. Der aus erlebnisreichen und zugleich fundierten Sessions und Workshops bestehende Studienaufenthalt wird in Zusammenarbeit mit 2b AHEAD, dem Business-ThinkTank mit dem grössten Innovatoren-Netzwerk in der deutschen Wirtschaft, organisiert und durchgeführt.

Die Studienreise führt unter anderem nach Berlin und bietet spannende Inhalte © Pixabay

Das Ziel des Weiterbildungskurses besteht darin, den Teilnehmenden aktuelle Technologien näher zu bringen und sie zu befähigen, deren Reifegrad zu bewerten und Implikationen auf der Geschäftsmodell- und Marketingebene abzuleiten.

Ausgehend von den Lebens-, Arbeits-, und Kundenwelten der Zukunft werden den Teilnehmenden unterschiedliche Methoden, wie die 2b AHEAD Rulebreaking Methode oder das Digital Readiness Assessment, zunächst theoretisch nähergebracht und danach in Fallstudien und praktischen Übungen trainiert. Die Teilnehmenden besuchen verschiedene Startup-Labs und erhalten die Möglichkeit, mit einem ausgewählten Startup in ein Sparring zu gehen und sich mit ihm kritisch auseinander zu setzen.

Angesprochen sind strategisch ausgerichtete Generalistinnen und Generalisten, die eine marktorientierte Führungsrolle im Unternehmen einnehmen und deren berufliche Anforderungen strategisches Denken, Weitsicht sowie die Begleitung digitaler Transformationsprozesse verlangen.

Die Studienreise findet vom 20. – 23. August 2018 statt (Anreise am 19.8.). Anmeldeschluss ist der 20. Juni 2018. Die Teilnehmerzahl ist auf 14 Personen beschränkt.

Die aktuellen Kursdetails sowie das Anmeldeformular finden Sie auf www.zhaw.ch/imm/tibms.

Fragen beantwortet Ihnen gerne Rolf Rellstab (rell@zhaw.ch).

Sponsoring im Grenzbereich von Leben und Tod

Von Silvia Brüllhardt

Sponsoring und Extremsport stehen seit jeher in keinem spannungsfreien Verhältnis. Die gewünschte mediale Aufmerksamkeit mit einem Extremsportler bzw. einer Extremsportlerin im Mittelpunkt kann unmittelbar zum PR Desaster mutieren. Wo ziehen Unternehmen die Grenze des „Extremmarketings“ und wie gehen sie mit der ethischen Frage nach dem Riskieren eines Menschenlebens für Werbezwecke um?

Als quasi Synonym für das Sponsoring von Extremsportlern und Extremsport-Veranstaltungen gilt Red Bull. Auch Unternehmen von Outdoor-Ausrüstern, über Hersteller von Sportlernahrung bis hin zu Banken und diversen weiteren Branchen vermarkten sich erfolgreich über den Imagetransfer ausgewählter Athleten.

Ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Katastrophe

Neben den Sportlern bewegen sich auch die Sponsoren auf einem schmalen Grat und gehen damit sehr unterschiedlich um. Der Marketing-Gigant Red Bull stand infolge zahlreicher Todesfälle von Athleten in den vergangenen Jahren immer wieder im Zwielicht. 2009 starb beispielsweise der Base Jumper Ueli Gegenschatz während einem Werbeauftritt, bei einem missglückten Base Jump vom Sunrise Tower in Zürich. Vier Jahre später strahlte ARD die Reportage „Die dunkle Seite von Red Bull“ aus, in der sechs Todesfälle während Red Bull Marketingaktionen recherchiert wurden. Die allgemein zugeknüpfte Kommunikation und Ablehnung von Interviews zur Thematik machten das Unternehmen wohl gerade deshalb bei Journalisten zur beliebten Zielscheibe.

Extrembergsteiger Dani Arnold eröffnet neue Eiskletterroute in Kanada (British Columbia) © Mammut Archive

Dass das Sponsoring im Extrembereich heikel ist, stellte auch der amerikanische Hersteller von Sportlernahrung Clif Bar fest. Die Firma entschloss sich, 2014 fünf seiner damals 20 Top-Kletterer zu feuern. Warum? Weil die Athleten Sportarten mit Risiko im extremsten Bereich, wie Free Solo Klettern (ungesichertes Klettern im Alleingang), Base Jumping und Wingsuit Flying betrieben. Zu gewagt fürs Markenimage, entschied Clif Bar und löste damit eine Kontroverse, inklusive Social Media Shitstorm, in der Kletterszene aus. Besonders sauer stiess den Kletterfans auf, dass Clif Bar nach dem Rauswurf der Athleten, weiterhin deren beste Filmszenen für Marketingzwecke nutzte.

Im Clinch mit der Glaubwürdigkeit

Auch der Schweizer Bergsportausrüster Mammut sponsert Athleten in den Kernbereichen Alpinismus und Klettern. In den Mammut Sponsoring-Richtlinien heisst es: „Sicherheit: Analog unseren Produkten und unserer Markenpositionierung unterstützen wir nur professionell geführte Vorhaben.“ Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Mammut neben Bekleidung auch Klettersicherungsgeräte oder Lawinenairbags verkauft. Eine gewisse Glaubwürdigkeit muss dadurch gewährleistet sein. Dennoch lässt sich auch Mammut im Sponsoring auf Kompromisse ein. Alpinismus geht je nach Gelände nun Mal nicht immer mit Sichern.

Mammut Pro Team Athleten, wie Daniel Arnold und Steph Davis, sind zuweilen auch Free Solo unterwegs oder stellen riskante Speed Rekorde in Fels und Eis auf. Die Grenze zieht Mammut klar, bei den Themen Wingsuit Flying und Base Jumping. Keinerlei Aktionen der ehemaligen Clif Bar Athletin Steph Davis in diese Richtung werden für Marketingzwecke verwendet. Auch auf Social Media wird penibel darauf geachtet, keine Inhalte zu diesen Themen zu teilen oder zu liken. Wohl aber in erster Linie weil Wingsuit Flying und Base Jumping ohnehin nicht in Mammuts Kernkonzept passt.

Extremsportlerin Steph Davis für eine Mammut Kampagne gesichert unterwegs in Utah. © Rainer Eder/Mammut Archive

Frei von Sponsoring-Zwängen oder Abhängigkeit von einer Industrie?

Bei den spektakulären Bildern, die sich gerade im Zeitalter des Multimedia Marketings auf diversen Kanälen optimal vermarkten lassen, stellen sich unterschwellig immer ethische Fragen: Ist es vertretbar, dass junge Sportler immer extremere Stunts oder Projekte für eine Marke und zu Gunsten des öffentlichen Voyeurismus realisieren? Fürchten älteren Athleten in gesponserten Teams mit moderateren Aktionen nicht mehr mithalten zu können? Wird dadurch der Druck bei Dreharbeiten, wie der Red Bull Aktion auf dem Sunrise Tower mit tödlichem Ausgang, noch grösser?

Mit dem Engagement von diversen Extremsportarten werden Marken immer polarisieren.Aus ethischer Sicht muss wohl jeder Mensch für sich selber entscheiden, welche Risiken er für wen und für welche Zwecke eingeht. Zumal die wenigsten Extremsportler sich eine goldene Nase verdienen. Selbst Spitzensportler der Extreme wie Ueli Steck, der eine Privatbank als Hauptsponsor hatte, finanzierte sich seine kostspieligen Expeditionen hauptsächlich mit bis zu 100 Referaten oder Seminaren pro Jahr. Zusätzlich entwickelte er mit Sponsoren wie Scarpa neue Outdoor-Produkte. Ueli Steck verunglückte 2017 bei den Vorbereitungen zur Überschreitung von Mount Everest und Lhotse tödlich. Der Ausnahmealpinist wollte die beiden Berge von über 8000 Metern Höhe ohne zusätzlichen Sauerstoff, in weniger als 48 Stunden überqueren.

Weiterführende Links

Extremsportlerin Steph Davis (Base Jumping, Wingsuit Flying und Free Solo Klettern): https://www.youtube.com/watch?v=07CsyCcBgAM

Der zurzeit weltweit bekannteste Free Solo Kletterer Alex Honnold: https://www.youtube.com/watch?v=96FUPTQeqYI

Schweizer Extrembergsteiger Daniel Arnoldhttps://www.youtube.com/watch?v=rsbp8o2DOlM

Über die Autorin

Silvia Brüllhardt ist begeisterte Bergsportlerin. Sie kam erstmals während ihrer PR Tätigkeit beim Bergsportausrüster Mammut Sports Group mit dem Sponsoring von Extremsportlern in Berührung. ihre Passion für die Berge lebt sie nach wie vor, ist aber seit rund zwei Jahren als Projektleiterin Marketing Feuer und Flamme für das KMU Rüegg Cheminée Schweiz AG. Die ZHAW Studentin (CAS Marketing und Corporate Communications) verfolgt die Aktionen der Profisportler nach wie vor mit grossem Interesse. Insbesondere die Mammut Pro Team Athleten, die sie früher bei deren Projekten PR-technisch begleitet hat.

Paper-La-Pappe – oder ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt

Von Renee McGrath

Heute eine Höhle, um sich darin zu verkriechen und das kleine Glück zu suchen, morgen ein Boot, um die sieben Weltmeere zu umsegeln und übermorgen eine Rakete, um dem Mond ganz nah zu sein. Das Spielset Paper-La-Pappe ermöglicht Kindern sich kreativ auszutoben und ihre Fantasiewelt so zu bauen, wie sie ihnen gefällt.

Paper-La-Pappe besteht aus stabilen jedoch leichten Kartonplatten, welche zusammengesteckt und beliebig oft umgebaut werden können. Einzig die Kinder und ihre Vorstellungskraft entscheiden, welche Welt heute geschaffen wird. Pippi Langstrumpf hätte ihre helle Freude daran.

Paper-La-Pappe kann beliebig oft umgebaut werden © Optipac

Es verwundert daher nicht, dass sich ein Halbschwede der Aufgabe widmete, von welcher Pippi sang. Michel Bernhard von Optipac GmbH in St. Gallen produziert Paper-La-Pappe und führt es seit März 2018 im Sortiment.

Hallo Michel – wie entstand Paper-La-Pappe?

Die Idee wurde aus dem Wunsch eines 3-jährigen Mädchens, sich ihr eigenes kleines Zuhause zu schaffen, geboren. Sie spielte mit Kartonschachteln aller Art und baute sich daraus ihre Verstecke.

Ich wollte ihr zum Geburtstag ein Kartonspielzeug von hoher Qualität schenken, das nachhaltig ist und immer wieder verändert werden kann. So haben wir einen ersten Prototyp kreiert. Heute ist das Mädchen fünf Jahre alt und der Paper-La-Pappe-Prototyp ist immer noch im Einsatz und wird täglich dem Härtetest unterzogen. Daraus baute sie mit ihren Freunden nach Lust und Laune schon ein Geheimagentenhaus, eine Höhle, ein Verkaufsladen, ein Raumschiff, ein Zug oder Wohnwagen.

Paper-La-Pappe Starter-Kit und Starter-Kit+Maisonette © Optipac

Wieso hast Du Paper-La-Pappe ins Sortiment aufgenommen?
Bei Optipac lieben wir Karton und seine scheinbar gegenseitigen Eigenschaften. Einerseits ist er stabil anderseits leicht und einfach zu verarbeiten. Neben dem Standardsortiment produzieren wir in St. Gallen für unsere Kunden kreative Sonderanfertigungen aus Karton. Kinderspielsachen waren nicht unsere Kernkompetenz. Der Prototyp von Paper-La-Pappe stand jedoch in unserer Eingangshalle und ich wurde von Geschäftspartnern oft darauf angesprochen und auch gefragt, wo man dieses Spielset kaufen kann. Nachdem wir ein paar Exemplare für Freunde produzierten, häuften sich die Anfragen und so entschieden wir uns Paper-La-Pappe weiterzuentwickeln und auch zum Verkauf anzubieten. Zurzeit ist Paper-La-Pappe über unseren Online Shop erhältlich.

Das Design lässt viele Freiräume offen © Optipac

Was fasziniert Dich an Paper-La-Pappe?
Die Freiheit ganz leicht zu bauen macht erfinderisch und das gelungene Design fördert die Kreativität. Wer den Ideenreichtum seines Kindes antreibt, legt eine wichtige Basis für dessen ganzes Leben. Denn kreative Menschen kommen in vielen Situationen besser zurecht. Sie sind spontan, flexibel und aktiv, können improvisieren und setzen beim Denken ihre Fantasie ein, sodass sie oft auf überraschend gute Lösungen kommen. Dieses Denken wird mit Paper-La-Pappe klar angeregt.

Die erschaffenen Bauten regen zu Rollenspielen an. In der Gruppe sind Teamarbeit und soziales Miteinander gefragt. Wenn alleine gespielt wird, ergibt sich auch die Möglichkeit eines Rückzugsortes. Manchmal habe ich das grosse Glück ins kleine Reich eingeladen zu werden und bringe ein paar Guetzli als Proviant mit.        

Teamarbeit und soziales Miteinander werden gefördert © Optipac

Was wir an Paper-La-Pappe toll finden ist, dass es ganz einfach wieder abgebaut und in der Umverpackung unter dem Bett, hinter dem Schrank oder irgendeinem ungenutzten Ecken platzsparend verschwindet. Nur um wieder herausgeholt und ein Schoss, eine Bushaltestelle oder ein Zirkuszelt zu werden. Paper-La-Pappe kann nach unzähligen Stunden des Spielens, wenn die Kleinen nicht mehr so klein sind, weiterverschenkt oder aber ressourcenschonend recycelt werden. Pippi hätte auch da sicher nichts dagegen.

Ein ressourcenschonendes Recycling ist möglich © Optipac

Ein Paper-La-Pappe Starter-Kit beinhaltet 18 Wände, eine Tür, ein Fenster und 66 Verbindungsteile. Das Zusatzkit Maisonette besteht aus zwei Dachgiebeln, einer Tür, fünf Fenstern, vier Zusatzteilen für die Sitzbank im Kartonhaus, fünf Rechtecken für Dach und Tisch sowie 32 Verbindungsteilen.

www.paper-la-pappe.ch

www.optipac.ch

Über Autorin

Ob als Gestalterin im Regenwald Madagaskars, bei einem typografischen Atelier oder im Alltag einer schnelllebigen Werbeagentur Renee McGrath Abazovic liebt es kniffligen Gestaltungsaufgaben eine Form zu geben, welche der Funktion folgt. Ursprünglich Marketingfachfrau, schloss sie das BA in Visueller Kommunikation an der Hochschule der Künste in Bern ab und studiert zurzeit berufsbegleitend an der ZHAW CAS Marketing- und Corporate Communications. Renee träumt davon irgendwann einmal in Eileen Grays Villa E-1027 in Roquebrune-Cap-Martin zu leben. Falls es damit nicht klappen sollte, hat sie vor, sich mit Paper-La-Pappe ihr eigenes kleines Haus am Meer zu bauen.

 

 

ABB setzt auf Produktmanagement Kurse

Die technologischen Möglichkeiten sind vielfältig. Für Unternehmen bedeutet das noch schneller zu reagieren. Gerade im Produktmanagement muss man Schritt halten und die neuen Möglichkeiten miteinbeziehen. Viele Firmen haben erkannt, dass im Zeitalter der Digitalisierung das Produktmanagement eine Schlüsselfunktion für den Erfolg von Unternehmen ist. Der Weltkonzern ABB, der sich mit seiner Initiative ABB Ability derzeit als Vorreiter in der Digitalisierung positioniert, setzt dies zusammen mit dem Product Management Center der ZHAW konsequent um.

Intensive Kurstage

ABB vertritt die Auffassung, dass das Produktmanagement heutzutage vor allem Business Management of Products ist. Das bedeutet, dass der Produktmanager nicht nur die technisch-funktionalen Eigenschaften des Produktes gestaltet, sondern insbesondere dafür sorgen müssen, dass die Kundenbedürfnisse erfüllt sind und der Produkt-Markt-Fit möglichst gross ist. Um die 30 Product Manager der ABB Division Electrification Products auf den neuesten Stand zu bringen, arbeitet die Firma mit den Experten des Instituts für Marketing Management zusammen. Die Kurstage sind intensiv und es wird ein Programm aus Impulsvorträgen, Best-Practice Fällen sowie zahlreiche Übungen mit hohem Bezug zur Praxis geboten. So erhalten die Produktmanager, die von ihren Einheiten für dieses Programm nominiert wurden, nicht nur aktuelles Wissen, sondern haben auch die Möglichkeit, sich mit Kollegen aus aller Welt zu vernetzen.

Die Produktmanager der ABB im intensiven Austausch © ABB

Wertvoller Austausch mit der Praxis

Die beiden Dozenten des Product Management Centers Prof. Dr. Rainer Fuchs und Dr. Helen Vogt bringen die Aussensicht in den Kurs. Sie lassen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema einfliessen und generieren einen echten Mehrwert für die Teilnehmenden. Das Product Management Center bietet solche individuellen Schulungen natürlich auch für andere Unternehmen an und steht für Anfragen jederzeit zur Verfügung.

Den lokalen Handel mit Loyalitätsprogrammen stärken

Von den ZHAW Studentinnen Cécile Brun, Patricia Gebhardt, Romina Plesca, Jessica Riesen, Lora Valcheva (Masterstudiengang Business Administration mit Vertiefung Marketing)

An der ZHAW gibt es ein Modul, dass sich mit so genannten Consulting Projects befasst. Bei diesen Projekten bearbeiten die Studierenden eine Problemstellung direkt mit einem Praxispartner. Das Modul hat zum Ziel Fachkenntnisse im Rahmen praktischer Forschungsprojekte im Team umzusetzen. Dabei werden anerkannte wissenschaftliche Standards berücksichtigt.

Ein Projekt betraf die Bedürfnisse und Anforderungen hinsichtlich der Loyalitätsprogramme im lokalen und stationären Handel der Schweiz und wurde in Zusammenarbeit mit CCV Schweiz durchgeführt. CCV Schweiz ist ein führender Dienstleister für die elektronische Transaktionsverarbeitung in Europa.

Einkäufe in der eigenen Gemeinde erhöhen

Der lokale stationäre Handel in der Schweiz kämpft seit Jahren mit rückläufigen oder stagnierenden Umsatzzahlen aufgrund des steigenden Online-Handels und des Einkaufstourismus. Vor allem in kleineren Innenstädten fehlen für die Konsumenten Anreize, wie beispielsweise Loyalitätsprogramme, um vermehrt in der eigenen Gemeinde Einkäufe zu tätigen.

Um ein solches Loyalitätsprogramm erfolgreich umsetzen zu können, müssen die Bedürfnisse unterschiedlicher Anspruchsgruppen berücksichtigt werden. Im Rahmen des Projekts wurden Gewerbeverbände und/oder Stadtverwaltungen, Händler und Kunden als Anspruchsgruppen definiert. Es wurde geklärt, welche Bedürfnisse und Anforderungen die einzelnen Stakeholder an ein kartenbasiertes Loyalitätsprogramm haben. Ausserdem wurde definiert, welche Elemente benötigt werden, um gezielt auf diese eingehen zu können und sie am Schluss in einem erfolgreichen Kundenbindungsprogramm vereinigen zu können. Insgesamt wurden in sechs Gemeinden der Schweiz 42 Interviews durchgeführt.

Loyalitätsprogramme könnten die Einkäufe erhöhen © CCV Schweiz

Einfaches System erwünscht

In Bezug auf die Stadtverwaltungen und Gewerbeverbände lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Hälfte der Befragten einem händlerübergreifenden Loyalitätsprogramm positiv gegenübersteht, zwei Gemeinden denken, dass dies nicht funktionieren wird. Für die Einführung eines solchen Programmes nennen die Gemeinden Einfachheit, Kundenfreundlichkeit und wenig Aufwand für die Händler als Voraussetzungen. Händler sind gegenüber der Idee eines händlerübergreifenden Loyalitätsprogrammes eher negativ eingestellt. Sie nennen als wichtigste Voraussetzungen für ihre Teilnahme an einem solchen Loyalitätsprogramm, dass alle Händler in ihrer Gemeinde integriert werden, dass es einen guten Branchenmix geben sollte und dass sich die Gemeinden und Gewerbeverbände aktiver zeigen müssen. Die Händler teilen die Einstellung der Gemeinden, dass ein solches Programm einfach aufgebaut sein sollte und kein Mehraufwand bei der Betreuung des Programmes für sie entsteht. Kunden erachten auch die Einfachheit eines Kundenbindungsprogrammes als wichtig. Sie präferieren Belohnungen in Form von Rabatten oder Wertbons.

Zukünftig wird es also eine Herausforderung sein, ein Loyalitätsprogramm zu schaffen, welches vor allem die Händler durch Einfachheit und ohne grossen Kostenaufwand überzeugen kann. Das Teilnahmekriterium für Händler, welches am meisten überzeugt, ist allerdings die Bereitschaft der Kunden an solch einem Programm teilzunehmen. Um das Loyalitätsprogramm für Kunden attraktiver zu gestalten, bedarf es kreativer und innovativer Konzepte, um so eine Bindung an das Loyalitätsprogramm zu erreichen.

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