Debriefing: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt

Von Céline Wieland

Projekte im Bereich Marketing und Kommunikation sind meist schneller abgeschlossen als konzipiert und geplant. Die Vorbereitungen für einen Anlass oder eine Kampagne dauern häufig mehrere Monate, während das Projekt bald nach seiner Durchführung ad acta gelegt wird. Dabei gehen wichtige Prozessschritte im Projektmanagement unter. So etwa das Debriefing, dessen Wichtigkeit und Nutzen oft unterschätzt wird.

Wer häufig mit Agenturen zusammenarbeitet, weiss, dass ein klares und umfassendes Briefing die Grundlage für effiziente und zielgerichtete Arbeiten bildet. Auch in Projekten ohne externe Fachkräfte werden anlässlich Startsitzungen die Ausgangslage geschildert, Wünsche und Bedürfnisse geklärt sowie Ziele definiert. Auf diesen Erkenntnissen basieren alle Arbeiten zur Projektumsetzung. Die Nachbesprechung, das sogenannte Debriefing, erlaubt nach Projektabschluss einen Rückblick auf das Projekt, bei dem ein Fazit gezogen und Optimierungsmassnahmen für künftige Projekte festgehalten werden.

Auch Debriefings bedürfen einer Vorarbeit

Damit Debriefings erfolgreich sind, müssen sie von Beginn an in die Projektplanung eingebunden werden. Das bedeutet einerseits, dass das Debriefing Teil eines jeden Projektterminplanes ist und möglichst zeitnah nach dem Abschluss des Projektes – solange die Erinnerungen noch frisch sind – angesetzt wird. Andererseits müssen vor Projektstart beim Briefing klare Ziele definiert sein, damit überhaupt über Erfolg und Misserfolg diskutiert werden kann. Nicht zuletzt ist es wichtig, beim Debriefing alle ins Projekt involvierten Personen zu berücksichtigen, also interne wie externe, hierarchisch über- wie untergestellte. Damit diese angeregt werden, über das Projekt zu reflektieren, empfiehlt sich, vor dem Treffen einen Fragebogen zum Projektverlauf zu versenden. Zusätzlich wird jedem Projektmitglied zur Vorbereitung auf die Nachbesprechung eine Traktandenliste zugestellt.

Rückblick und Ausblick

Im Debriefing stehen drei Fragen im Zentrum:

  1. Was ist passiert? (Damit ist sowohl Negatives als auch Positives gemeint)
  2. Warum ist es passiert?
  3. Würden wir beim nächsten Mal wieder gleich handeln?

Zu Beginn der Nachbesprechung werden die Fakten zusammengetragen: Die wichtigsten Etappen des Projekts werden in Erinnerung gerufen und positive sowie negative Ereignisse innerhalb des Projekts angesprochen. Im zweiten Schritt werden die Ursachen für diese Erfolge und Fehler identifiziert. Daraus lassen sich im dritten Schritt gemeinsam Learnings und Optimierungsmassnahmen ableiten. Diese Erkenntnisse sind besonders in Hinblick auf künftige Projekte wichtig, denn so werden Wiederholungsfehler vermieden und gesammelte Erfahrungen besser genutzt. Am besten werden die im Team erarbeiteten Schlüsse in einem Protokoll festgehalten, das nach der Besprechung an alle Teilnehmenden versendet wird.

In Debriefings steht das gemeinsame Erarbeiten von Learnings im Zentrum © Pixabay

Subjektivität gestattet

Im Gegensatz zu klassischen, faktenbasierten Analysen haben (Bauch-)Gefühle und subjektive Einschätzungen im Debriefing durchaus ihren Platz. Jede Person soll sich frei äussern können. Die Schaffung einer konstruktiven, positiven Atmosphäre ist hierfür wichtig, nur so kann die Ergebnis- und Prozessqualität gemeinsam und transparent bewertet werden.

Debriefings schweissen zusammen

Neben den projektspezifischen Vorteilen haben Debriefings aber einen weiteren, nicht zu vernachlässigenden Nutzen: Das Projektteam als solches wird gestärkt. Das Debriefing erlaubt eine offene Kommunikation innerhalb des Teams und schafft Bewusstsein dafür, dass es jede einzelne Person zum Gelingen des Projektes braucht – sei ihr Anteil auch noch so klein. Damit wird der Teamgedanke gefördert, was die Motivation und dadurch die Einsatzbereitschaft eines jeden Teammitglieds zusätzlich stärkt.

Debriefings stärken den Teamgeist © Pixabay

Dranbleiben lohnt sich

Trotz der zahlreichen Vorzüge, die sich aus Debriefings ziehen lassen, werden Nachbesprechungen oft vergessen oder so lange verschoben, bis der Nutzen irgendwann nicht mehr ersichtlich ist. Oder aber es herrscht die Meinung, dass das Projekt so erfolgreich war, dass es kein Debriefing braucht. Gerade in einer längerfristigen Zusammenarbeit und bei wiederkehrenden Projekten ist es jedoch wichtig, regelmässig Bilanz zu ziehen, Ungesagtes auf den Tisch zu bringen und Verbesserungsmassnahmen zu eruieren. Denn: Kaum ist ein Projekt abgeschlossen, steht bereits das nächste vor der Tür!

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Mussmann, Moritz: Debriefing – aus Fehlern lernen

Spies, Marco & Wenger, Katja: Branded Interactions

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Über die Autorin

Céline Wieland arbeitet als Projektleiterin und Assistentin der Geschäftsleitung bei der Scarton Stingelin AG, einer Agentur für Design und Kommunikation mit Sitz in Liebefeld Bern und Zürich. In ihrer Funktion erlebt sie täglich die Wichtigkeit von klaren Briefings und gemeinsamen Debriefings. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit ist sie Kommunikations- und Finanzverantwortliche des Sportclubs Tchouk’Bulle und absolviert an der ZHAW den CAS Marketing- und Corporate Communications.

Storytelling im Content Marketing: Wie Gstaad eine Kartoffel inszeniert

Von Claudia von Siebenthal

Abländschen – ein verträumtes Örtchen auf 1‘200 Metern Höhe, gerade einmal 30 Einwohner reich. Idyllisch liegen ein paar Häuschen verstreut am Fusse der Gastlosen. Wenn sich Gäste dorthin verirren, finden sie wunderbare Aussichten und grenzenlose Ruhe. Die mondäne Destination Gstaad ist über die Landesgrenze hinweg bekannt. Von Abländschen, das zur selben Gemeinde zählt, hörte man bis anhin kaum etwas. Wie das verschlafene Bergdorf diesen Herbst dank einer simplen Kartoffelgeschichte plötzlich im Mittelpunkt stand, erfahren Sie im folgenden Blogbeitrag.

„Ich möchte Sie daran erinnern, dass die besten Geschichten die verborgenen Dinge ans Tageslicht bringen, über die wir im Allgemeinen nicht reden“, sagte der amerikanische Autor und Marketing-Experte Seth Godin einmal. Das passt gut: Kartoffeln, auch wenn sie zum Beispiel mit dem Nationalgericht Rösti recht häufig auf dem Schweizer Speiseplan stehen, gehören nicht wirklich zu den wichtigsten Gesprächsthemen unserer Zeit. Was hat das nun mit Abländschen und dem Storytelling der Destination Gstaad zu tun?

Wie eine „bescheidene“ Kartoffel prominent wurde

Seit diesem Sommer gibt es eine Gstaader Gourmet-Kartoffel. Wobei sie genau genommen aus Abländschen stammt. Zwei Gstaader Macher haben mit einem aussergewöhnlichen Projekt auf das kleine Bergdorf aufmerksam gemacht. Hanspeter Reust und Thomas Frei, die Väter des Gourmetfestivals Saveurs Gstaad, initiierten in Abländschen die Gourmet-Kartoffel. Damit wollen sie nicht nur die Abwanderung in Abländschen stoppen, sondern auch die Agrarwirtschaft ankurbeln und auf regionale Produkte setzen. Im vergangenen Juni pflanzten sie zusammen mit einem einheimischen Landwirt auf acht Aren rund 400 Kilogramm Kartoffeln.

Die Destination Gstaad lud im Anschluss zum Spatenstich auf dem Kartoffelfeld ein. Der Erntestartschuss erfolgte an einem nasskühlen Montagmorgen anfangs September und wurde so richtig in Szene gesetzt. Als Erntehelfer kamen Sterneköche wie Martin Dalsass aus dem Engadin, 19-Punktekoch André Jäger, Franz Faeh vom Gstaad Palace und Robert Speth, Koch des Jahres 2005. Auf dem Kartoffelacker am steilen Hang wurde gelacht und gescherzt, Kartoffeln bestaunt und gesammelt. Anschliessend degustierte die illustre Runde die Kartoffeln zubereitet als „Gschwellti“ zusammen mit einer am offenen Feuer grillierten Bratwurst. Diese wurde von einer lokalen Metzgerei aus Gstaad passend zu den „Härdöpfeln“ kreiert. Die Rezeptur stammt vom Starkoch André Jäger. „Eine spezielle Wurst zu dieser speziellen Kartoffel – von der Region für die Region“, erklärt Reust das Geschäftsmodell.

Kartoffelernte mit Sterneköchen ©Destination Gstaad

Wie lautet das Rezept?

Die Geschichte charakterisiert nebenbei genau das, was die Destination als Botschaft vermitteln will. Die Region ist trotz der medialen Strahlkraft und einer Vielzahl prominenter und wohlhabender Gäste authentisch geblieben. Hier können Gäste ein absolutes Naturerlebnis geniessen. Nicht umsonst heisst der Werbeslogan „Id Rueh vor Natur“. Abländschen steht genau für das, was das Saanenland so besonders macht: einzigartige Natur, liebliche Berglandschaften und weit ab von der Hektik unseres Alltags. Diese Botschaft soll nun gerade die stressgeplagten Städter erreichen. Wie das gelingt? Eine emotionale Geschichte, selbst wenn es nur um eine Kartoffel geht, reicht schon aus. Das Rezept für ein erfolgreiches Storytelling im Content Marketing könnte also lauten: Man nehme rund 400 Kilogramm Kartoffeln, eine Prise Prominenz in Form von Sterneköchen, dann packt man noch eine passende Bratwurst dazu und lanciert einen kleinen Event.

Die Macht einer Kartoffelgeschichte

Die Kartoffelgeschichte wurde in den destinationseigenen Social Media-Kanälen wie Facebook, Instagram und LinkedIn gepostet. Weiter wurde auf der Website eine News geschaltet, ein Beitrag im Newsletter sowie eine Medienmitteilung an den nationalen Gastro- und Lifestyle-Verteiler gesandt.

Auszug aus der Instagram Story ©Destination Gstaad

Die Tageszeitung „20 Minuten“ titelte „Bei Gstaad wachsen die nobelsten Kartoffeln“, die htr Hotel Revue, der Jungfrau Anzeiger und der Berner Oberländer berichteten. Das Radio SRF 1 nahm die Gstaader mit der berühmten Kartoffel aus dem abgelegenen Seitental der Luxusdestination etwas auf die Schippe. Für den GaultMillau-Channel war die „Härdöpfelgeschichte“ ein wahrer Gaumenschmaus. Über 230‘000 Leser konnten damit erreicht werden. Auf den GaultMillau Social Media-Plattformen wurde eine organische Reichweite von über 130‘000 Usern gemessen.

Aus Sicht des Content Marketings lohnte sich das Storytelling über eine „bescheidene“ Kartoffel vollumfänglich. Die Botschaft wurde aufgenommen, die Kartoffel emotionalisiert und damit als herausragendes Mittel genutzt, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu erzielen. Die Kraft des Erzählens kann manchmal mit einfachen Mitteln wirken, wobei ganz so einfach war es auch wieder nicht. Der Landwirt aus Abländschen hatte nämlich von Kartoffelanbau zunächst keine Ahnung, denn eigentlich betreibt er eine Milchwirtschaft mit 20 Kühen. Mit dem richtigen Rezept und gemeinsamen Anpacken lässt sich Aussergewöhnliches realisieren.

Über die Autorin

Claudia von Siebenthal ist bei der Destination Gstaad als Head of Marketing Communication tätig und Mitglied der Geschäftsleitung. Sie ist für die Kommunikation und Vermarktung der Tourismusdestination, Bergbahnen, Hotels und des Gewerbes zuständig. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in der Natur und in den Bergen. Momentan absolviert sie den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW.

Den Gemeinden geht das Personal aus – und was sie dagegen unternehmen

Von Melanie Hilpertshauser

Eine Anstellung in einer Gemeinde oder Stadt ist nicht mehr attraktiv. Es ist schwierig geworden, Fachkräfte zu finden, die über die nötigen Voraussetzungen verfügen, wie sie moderne Verwaltungen heute brauchen. Der Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV) kennt die Situation und will den Gemeinden und Städten unter die Arme greifen – mit einer Imagekampagne. Allerdings nicht pfannenfertig: Den ersten Schritt müssen Gemeinde und Städte selber tun.

Der Arbeitsmarkt in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Nicht zuletzt aufgrund des technologischen Wandels, der digitalen Transformation und weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen bewegt sich der Trend weg vom Arbeitsplatzmarkt hin zum Arbeitnehmermarkt. In der Folge buhlen Firmen um die besten Mitarbeitenden. Eine Firma muss sich vermarkten und gut präsentieren, um das Interesse von möglichen Arbeitnehmern zu wecken und sie von sich als Arbeitgeberin zu überzeugen.

Der Arbeitsmarkt wandelt sich und es gilt das Interesse der Arbeitnehmer zu wecken

Gemeinden und Städte vor Herausforderungen

Der Wandel des Arbeitsmarktes macht auch vor Gemeinde- und Stadtverwaltungen nicht Halt, wie Thomas-Peter Binder, Präsident des Vereins Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV), bestätigt. Bis in 15 Jahren fehlen auf Verwaltungen rund 50 Prozent des Personals, sofern Nachfolgeregelungen in Folge von Pensionierungen nicht fristgerecht umgesetzt werden. «Es ist alarmierend. In einer Gemeinde- oder Stadtverwaltung zu arbeiten, ist für viele nicht mehr interessant», sagt Thomas-Peter Binder. «Das negative Image der Gemeinden und Städte, auch aufgrund der Berichterstattung in den Medien, wirkt sich auf Verwaltungen als Arbeitgeberinnen aus. Mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht zu werden und exponiert zu sein, das möchte kein Arbeitnehmer. Und leider sind die Gemeinden und Städte oft selbst dafür verantwortlich» bedauert Thomas-Peter Binder.

Entwicklungen und Trends wurden ignoriert

Nicht zuletzt aufgrund der Daseins-Pflicht schien es lange Zeit keine Verwaltung zu interessieren, wie sich die Gesellschaft entwickelt und die Technologie voranschreitet. Als unverrückbare Institution hielten sie an ihren jahrelang gewohnten Abläufen fest. Dass sie sich wie jede andere Unternehmung auch weiterentwickeln müssen, um für Kunden und Personal attraktiv zu bleiben, blieb auf der Strecke. Mit gewichtigen Folgen. Das soll sich jetzt aber ändern.

Eine Kampagne soll retten

Der VZGV und somit Interessenvertreter der Verwaltungen sieht sich als Verein verpflichtet, Verwaltungen im Kanton Zürich zu unterstützen, um sie als Arbeitgeberin wieder attraktiv zu machen. Deshalb bildete der Verein eine Arbeitsgruppe. Ziel ist, Gemeinden und Städte in der öffentlichen Wahrnehmung wieder positiv zu positionieren, als moderne Betriebe mit interessanter Arbeit und fortschrittlichen Arbeitsbedingungen. «Dieser Prozess wird zuerst im Kern beginnen müssen, also bei den Gemeinden und Städten selbst», sagt Thomas-Peter Binder. «Erst wenn sich alle bewusst sind, weshalb für die Öffentlichkeit eine Verwaltung so zentral ist und wohin sie sich in den kommenden Jahren entwickeln wird, kann dies nach aussen getragen werden.»

Die zentrale Funktion der Verwaltung muss nach aussen getragen werden © VZGV

Die Arbeitsgruppe ist sich deshalb sicher: «Die Kampagne muss zuerst intern funktionieren, damit sie später auch aussen wirkt.» Konkret braucht jede Verwaltung die eigene Mission und Vision, um sie dann nach aussen zu tragen. Ohne durchdachte Kommunikationsstrategie kaum zu schaffen. «Wenn es Gemeinden und Städten dann aber gelingt, positiv in den Medien aufzutreten und dynamisch präsent zu sein, dann hat das einen nachhaltigen Einfluss auf die Aussenwahrnehmung und somit auch auf die Attraktivität als Arbeitgeberin», so Thomas-Peter Binder weiter. Ob es der Kampagne gelingt, dieses Ziel den Gemeinden und Städten zu vermitteln und ob sich der Personalmangel dadurch minimiert, das weiss man wohl erst, wenn sie 2020 startet. Es wäre auf jeden Fall ein erster aktiver Schritt. Und diesen haben Gemeinden und Städte bitter nötig.

Über die Autorin

Melanie Hilpertshauser arbeitet als Redaktionsleiterin bei der Federas Beratung AG. In ihrer Funktion berät sie den Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV) kommunikativ und sitzt in der Spurgruppe der Imagekampagne des VZGV. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit absolviert sie aktuell den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW.

Swiss CMO Studie: Erfährt die CMO-Rolle mit der Digitalisierung einen Bedeutungswandel?

Von Dr. Catherine B. Crowden

War Marketing früher in Augen vieler nur für Broschüren und Flyer und für den einen oder anderen Event zuständig – eine nachgelagerte Support-Funktion vom Vertrieb – so verändert sich die Ausgestaltung der Rolle gerade fundamental. An der Schnittstelle zum Markt stehen die Marketeers an der Front der digitalen Revolution und geben den Takt der Transformation im Unternehmen an – beginnend bei der Marketingorganisation.

Die Swiss CMO Studie ging dieser Hypothese auf den Grund. Wer kann besser darüber urteilen, welche Herausforderungen in Zeiten zunehmender Dynamik und Komplexität angegangen werden müssen und welche Leadership-Skills dazu gebraucht werden, als die Marketing-Führungskräfte selbst? In 14 persönlichen Interviews mit CMOs aus Schweizer Firmen wurde die Transformation der Marketingfunktion untersucht. Gesprochen wurde mit Führungskräften von B2C- und B2B-Firmen aus 14 unterschiedlichen Branchen über den Einfluss der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell, die Kundenbeziehung, die Marketingorganisation und die Bedeutung der CMO-Rolle.

Der allgemeine Tenor?

Die Digitalisierung hat die Schweizer Unternehmen fest im Griff. Zudem bewegen sich die meisten der befragten Unternehmen in stagnierenden Märkten. Es herrscht Verdrängungskampf, hohe Wettbewerbsintensität, hohes Tempo der Veränderung. Geänderte Kundenanforderungen und Eintritt neuer Marktteilnehmer gehören zum Alltag. Kundenloyalität muss hart erarbeitet werden. Herkömmliche Vermarktungsmethoden funktionieren nur schlecht.

Catherine B. Crowden, Marketing, CRM & Customer Experience Expertin, Dozentin an der ZHAW für Cross-Channel CRM © Jonas Weibel

Die Lösungsansätze?

Den Spiess umdrehen! Die Digitalisierung bei den Hörnern packen; aktiv die neuen Möglichkeiten der Technologie dazu nutzen, die Kundenorientierung im Unternehmen zu verankern. Das Spektrum ist breit und reicht von Co-Creation in der Produktentwicklung, über die Automatisierung personalisierter Ansprache zu intelligenten Self-Service-Angeboten.

Das Vorgehen?

In jedem Interview fielen die Wörter «Shift», «Transformation», «agil», «digital», aber auch «Analitics» und «Performance-Messung». Der Shift vom verstaubten Image der «kreativen» Marketingorganisation, das sich mit Werbung, schönen, grossen (und teuren) Jahreskampagnen beschäftigt, hin zur agilen Marketingorganisation, die die Sprache der Zielgruppe spricht, deren Touchpoints bedient, always-on-Kampagnen in Echtzeit steuert und täglich optimiert.

Das neue Marketing ist technisch und analytisch, für Kunden inhaltlich relevant statt werberisch. Der oder die moderne CMO schafft die Balance zwischen Kreativität und Analytics und erkennt strategische Wachstumsfelder. Jede Kampagne wird wie ein Investment mit einem ROI beziffert und fordert neue Formen der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern wie Agenturen.

Die Aufgaben des/der CMO?

Die (digitale) Transformation hinzu Kundenorientierung und Kundennähe im Unternehmen vorantreiben, dazu Mitarbeiter aus- und weiterbilden, Silos einreissen und eine Kultur der Kollaboration etablieren: erst wenn Marketing, Sales und Service sich vernetzen entsteht eine durchgängige Customer Journey und damit hoffentlich auch eine fantastische Customer Experience!

In dieser Zeit der Transformation braucht es Orientierung und Inspiration. Was sind die neuen Methoden im Marketing? Was machen andere Marketeers erfolgreich und was funktioniert nicht so gut? Dazu findet das Future of Marketing Event am 28. Oktober 2019 in Winterthur statt. Melden Sie sich an und erhalten Sie so exklusive Einblicke in die neuste Swiss Marketing Leadership Studie.

Rezept für erfolgreiches Corporate Blogging

Von Carina Sjöberg

Warum sollte ein Unternehmen einen Corporate Blog betreiben? Was macht einen guten Blogbeitrag aus? Hier gibt es Antworten auf diese Fragen und zusätzlich noch weitere Tipps und weiterführende Links für ein erfolgreiches Corporate Blogging.

Warum sind Corporate Blogs für ein Unternehmen wichtig?

Corporate Blogs gewinnen kontinuierlich an Bedeutung und bieten einem Unternehmen einzigartige Möglichkeiten. Einerseits kann es die Reichweite und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen steigern, anderseits kann es die Reputation und das Image stärken. Blog-Marketing sollte daher zur Content-Strategie eines erfolgreichen Unternehmens gehören. Es ist eine direkter Kommunikationskanal zwischen ihm und Kunden, Partner, Mitarbeitenden sowie weiteren Zielgruppen.

Corporate Blogs sind ein direkter Kommunikationskanal für Unternehmen © Pixabay

Was muss im Vorfeld beachtet werden?

Ein veralteter Blog trägt bestimmt nicht zu einem guten Image bei. Er funktioniert nur, wenn er auch gepflegt wird. Wenn sich ein Unternehmen für diesen Kommunikationskanal entscheidet, sollte Zeit und Personal dafür eingerechnet werden. Er soll strategisch in die Unternehmenskommunikation eingebunden werden und folgende Fragen beantworten: welche Zielgruppe(n) soll(en) erreicht werden? Welche Inhalte braucht es, um sie anzusprechen? In welcher Sprache? Was ist die Botschaft? Wer setzt es im Unternehmen operativ um? Wie kann der Erfolg gemessen werden?

Welche Inhalte ergeben Sinn?

Es soll über Themen geschrieben werden, die für die Zielgruppe relevant sind. Es empfiehlt sich beispielsweise ein Brainstorming im Team zu organisieren, um interessante Themen für den Blog zu definieren. Die Liste 31 Artikel-Ideen für Firmenblogs kann als Anhaltspunkt verwendet werden. Unter anderem kann der Inhalt genutzt werden, um eine Anekdote zu erzählen, eine Umfrage zu machen, Neuheiten oder spezielle Angebote zu präsentieren oder auf eine Veranstaltung oder ein Jubiläum hinzuweisen.

Es gilt relevante Themen für die Zielgruppe zu finden © Pixabay

Was macht einen guten Blogbeitrag aus?

Einerseits soll es der Zielgruppe einen Mehrwert bieten, anderseits für das Unternehmen von Relevanz sein. Hochwertige und informative Beiträge sollten auf dieser Plattform zur Verfügung gestellt werden. Daher eignet sich das bewährte 80/20 Prinzip: 80% Mehrwert für Leser und 20% eigene Firma/Marke/Produkte/Services vermarkten. Des Weiteren bieten weiterführende Links zu Artikeln noch einen zusätzlichen Mehrwert für die Leser.

Es gibt aber noch weitere Punkte zu beachten:

Eine gute Struktur ist das Fundament

Diese besteht aus einer Einleitung, einem Hauptteil, einem Schlussteil sowie einem Ausklang oder einem Fazit. Die Einleitung bereitet den Leser darauf vor, was vom Artikel erwartet werden kann. Der Hauptteil behandelt das Thema und geht dabei in die Tiefe. Der Schlussteil soll zusammenfassend nochmals die Einleitung und den Hauptteil wiedergeben. Der Ausklang oder das Fazit kann eine Meinung oder ein Statement beinhalten. Für einen guten Überblick des Artikels sind Zwischenüberschriften empfehlenswert.

Ein knackiger Titel

Die Überschrift eines Blogbeitrags ist das erste, das gesehen wird. Daher soll sie die Aufmerksamkeit wecken und zum Lesen animieren. Eine Inspiration, um eine gute Headline zu entwickeln enthält die Liste von 100 guten Überschriften, die der Werbetexter Victor O. Schwab in „How to Write a Good Advertisement“ gesammelt hat .

Mindestens 300 Wörter und Qualität

Die Länge des Textes ist ein wichtiges Kriterium, das nicht vernachlässigt werden sollte. Eine Regel lautet, dass ein Artikel mindestens 300 Wörter haben muss, um von Google gelistet zu werden. Um als relevant deklariert zu werden, braucht es laut Statistiken mindestens 1’000 Wörter. Ein Augenmerk sollte auch auf die Rechtschreibung und das Layout gelegt werden. Weiterführende Quellen sollten verlinkt werden, so dass der Leser weitere Informationen gewinnen kann. Zudem kommen interne Verlinkungen bei Google gut an und helfen für eine gute SEO-Optimierung.

Es kann wie folgt zusammengefasst werden: professionelle Planung, kreatives Brainstorming, Content mit Mehrwert, übersichtliche Struktur, eine gute Headline und eine Prise Kreativität sind die Zutaten für ein erfolgreiches Corporate Blogging.

Weiterführende Informationen und Tipps zu Corporate Blogging sind unter folgenden Links zu finden:

10 Tipps für einen erfolgreichen Corporate Blog
12 Tipps für erfolgreiche Corporate Blogs
Corporate Blog: Warum (fast) jedes Unternehmen einen braucht
Themenplanung im Content Marketing
Top 30: Die erfolgreichsten Corporate-Blogs im deutschsprachigen Raum
Literatur zum Thema Corporate Blogs
Corporate Blogging: 7 Best Practices
10 Tips for Corporate Blogging 
Top 100 Corporate Blogs and Websites To Follow in 2019/
Top 24 Business Blogs to Follow in 2019
10 Best Business Blogs You Should Read In 2019

Über die Autorin

Carina Sjöberg absolviert an der ZHAW den CAS Marketing- & Corporate Communications. Sie arbeitet zurzeit für das Kinderhilfswerk Terre des hommes und wird ab November 2019 eine neue Herausforderung in einer Agentur im Bereich Live Communication angehen.