Swiss CMO Studie: Erfährt die CMO-Rolle mit der Digitalisierung einen Bedeutungswandel?

Von Dr. Catherine B. Crowden

War Marketing früher in Augen vieler nur für Broschüren und Flyer und für den einen oder anderen Event zuständig – eine nachgelagerte Support-Funktion vom Vertrieb – so verändert sich die Ausgestaltung der Rolle gerade fundamental. An der Schnittstelle zum Markt stehen die Marketeers an der Front der digitalen Revolution und geben den Takt der Transformation im Unternehmen an – beginnend bei der Marketingorganisation.

Die Swiss CMO Studie ging dieser Hypothese auf den Grund. Wer kann besser darüber urteilen, welche Herausforderungen in Zeiten zunehmender Dynamik und Komplexität angegangen werden müssen und welche Leadership-Skills dazu gebraucht werden, als die Marketing-Führungskräfte selbst? In 14 persönlichen Interviews mit CMOs aus Schweizer Firmen wurde die Transformation der Marketingfunktion untersucht. Gesprochen wurde mit Führungskräften von B2C- und B2B-Firmen aus 14 unterschiedlichen Branchen über den Einfluss der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell, die Kundenbeziehung, die Marketingorganisation und die Bedeutung der CMO-Rolle.

Der allgemeine Tenor?

Die Digitalisierung hat die Schweizer Unternehmen fest im Griff. Zudem bewegen sich die meisten der befragten Unternehmen in stagnierenden Märkten. Es herrscht Verdrängungskampf, hohe Wettbewerbsintensität, hohes Tempo der Veränderung. Geänderte Kundenanforderungen und Eintritt neuer Marktteilnehmer gehören zum Alltag. Kundenloyalität muss hart erarbeitet werden. Herkömmliche Vermarktungsmethoden funktionieren nur schlecht.

Catherine B. Crowden, Marketing, CRM & Customer Experience Expertin, Dozentin an der ZHAW für Cross-Channel CRM © Jonas Weibel

Die Lösungsansätze?

Den Spiess umdrehen! Die Digitalisierung bei den Hörnern packen; aktiv die neuen Möglichkeiten der Technologie dazu nutzen, die Kundenorientierung im Unternehmen zu verankern. Das Spektrum ist breit und reicht von Co-Creation in der Produktentwicklung, über die Automatisierung personalisierter Ansprache zu intelligenten Self-Service-Angeboten.

Das Vorgehen?

In jedem Interview fielen die Wörter «Shift», «Transformation», «agil», «digital», aber auch «Analitics» und «Performance-Messung». Der Shift vom verstaubten Image der «kreativen» Marketingorganisation, das sich mit Werbung, schönen, grossen (und teuren) Jahreskampagnen beschäftigt, hin zur agilen Marketingorganisation, die die Sprache der Zielgruppe spricht, deren Touchpoints bedient, always-on-Kampagnen in Echtzeit steuert und täglich optimiert.

Das neue Marketing ist technisch und analytisch, für Kunden inhaltlich relevant statt werberisch. Der oder die moderne CMO schafft die Balance zwischen Kreativität und Analytics und erkennt strategische Wachstumsfelder. Jede Kampagne wird wie ein Investment mit einem ROI beziffert und fordert neue Formen der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern wie Agenturen.

Die Aufgaben des/der CMO?

Die (digitale) Transformation hinzu Kundenorientierung und Kundennähe im Unternehmen vorantreiben, dazu Mitarbeiter aus- und weiterbilden, Silos einreissen und eine Kultur der Kollaboration etablieren: erst wenn Marketing, Sales und Service sich vernetzen entsteht eine durchgängige Customer Journey und damit hoffentlich auch eine fantastische Customer Experience!

In dieser Zeit der Transformation braucht es Orientierung und Inspiration. Was sind die neuen Methoden im Marketing? Was machen andere Marketeers erfolgreich und was funktioniert nicht so gut? Dazu findet das Future of Marketing Event am 28. Oktober 2019 in Winterthur statt. Melden Sie sich an und erhalten Sie so exklusive Einblicke in die neuste Swiss Marketing Leadership Studie.

„Try and Error“ im Marketing der Zukunft

Am 28. Oktober 2019 findet der  Future of Marketing Event in Winterthur statt. Spannende Vorträge und Diskussionen rund um zukünftige Trends und Entwicklungen im Marketing erwarten die Teilnehmenden. Um einen kleinen Vorgeschmack davon zu kriegen, welche Themen behandelt werden, haben wir mit Nicolas Bürer, Geschäftsführer bei digitalswitzerland, gesprochen. Er wird am Event ein Referat über Collaboration im digitalen Zeitalter halten.

Erfolg ist heutzutage im Alleingang unmöglich. Aufgrund der Komplexität im digitalen Zeitalter ist Zusammenarbeit gefordert. Was werden Sie uns bezüglich Collaboration am Future of Marketing Event erzählen?

Die Welt wird zunehmend globaler, noch vernetzter und somit komplexer. Insbesondere die Industrien durchleben einen grossen Wandel. Sie verschmelzen und werden «more connected». Heutzutage werden Firmen durch die Digitalisierung vermehrt zu Techfirmen. Ich werde diesbezüglich am Event erzählen, was genau vor sich geht da draussen und vor allen Dingen die neuen Trends aufzeigen. Auch werde ich beleuchten, was man in der Schweiz vom digitalen Wandel spürt. Ich werde dies an Beispielen vorführen, sowohl im B-2-C Bereich, als auch im B-2-B.

Was für einen Einfluss hat Collaboration im digitalen Zeitalter auf das Marketing?

Das Marketing wird auf jeden Fall herausgefordert. Zukünftig wird man kollaborativ denken und aus den starren Silos herausbrechen müssen, wenn man mit der Dynamik mithalten will. Das Marketing wird auch vermehrt den Fokus auf Tech-Anbieter verlegen müssen. Aufgrund der verschiedenen Industrien, die miteinander verschmelzen und den transversalen Technologien wird für Funktionen wie das Marketing Interdisziplinarität gefragt sein. In dieser 3D-Matrix ist innovatives Denken notwendig.

Nicolas Bürer, Geschäftsführer bei digitalswitzerland, setzt auf innovatives Denken © Nicolas Bürer

Was zeichnet eine erfolgreiche Zusammenarbeit aus?

Wichtig ist es, Offenheit und Interesse an out-of-the-box Anbietern zu zeigen. Typischerweise an Tech-Anbietern, welche Technologien anbieten, die industrieweit angewandt werden. Kollaborative Innovation bedeutet viel auszuprobieren. Eine Strategie festzulegen ergibt nicht mehr viel Sinn, da sich alles so schnell ändert und das innerhalb kürzester Zeit. Vielmehr sollte man nach dem Prinzip «Try and Error» vorgehe:. Ausprobieren, analysieren, wiederholen.

Was erwarten Sie selbst vom Future of Marketing Event?

Ich erwarte vor allem Inspiration. Weiter erhoffe ich mir einen Einblick zu bekommen, was in der Marketing Branche aktuell passiert. Ich erwarte von den anderen Speakern viel Offenheit und Neugier Neues auszuprobieren. Es sollte für alle, nicht nur für das Publikum, ein Kick sein mutiger zu werden und mehr auszuprobieren.

Für neugierige Besucher: Sichern Sie sich jetzt Ihre Plätze und seien Sie dabei, wenn Wissenschaft auf Praxis trifft! https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imm/ueber-uns/future-of-marketing/

Was ist schon ein Jahrzehnt Social TV? – Eine ganze Menge

Von den ZHAW Studierenden Nicolaci Nicola, Dzaferi Erhan, Sivac Ajdin, Nef Pascal

Durch die zunehmende Bedeutung der sozialen Netzwerke interagieren Fernsehzuschauer während einer Fernsehsendung immer häufiger mit sozialen Medien. Dabei diskutieren die Zuschauer über Inhalte der Sendung und überraschenderweise auch über die Produkte in den Werbespots, welche vor, während oder im Anschluss ausgestrahlt werden. Joiz TV, das Schweizer Jugendfernsehen, war einer der ersten Sender der im Social TV Format in der Schweiz ausstrahlte.

Der Fernsehsender Joiz TV wurde im Jahre 2010 gegründet und baute ausschliesslich auf Social Media Interaktionen auf. Dabei konnte das Publikum zur Sendezeit online die Sendung mitgestalten. Beispielsweise konnten Zuschauer über die Sozialen Medien Themen einbringen, die daraufhin in der Sendung «live» diskutiert wurden. Obwohl die Sendung in den ersten Jahren einen beachtlichen Erfolg erzielte, ging sie im Jahre 2016 Konkurs. Das Konzept von Joiz TV konnte mit der Digitalisierung und dem sich verändernden Social TV Format nicht mithalten. Was die Wechselwirkungen zwischen Social Media und Fernsehkonsum für eine Bedeutung mit sich bringen, wurde mit dem ehemaligen CEO von Joiz TV, Alexander Mazzara, genauer unter die Lupe genommen.

Das Phänomen Social TV hat für den Erfolg von Joiz TV gesorgt und ist ebenso zum Verhängnis geworden. Was meinen Sie dazu?

Zuerst einmal will ich die Situation schildern, in der wir uns im Jahre 2010 befanden. So kann man sich das Ganze besser vorstellen. 2010 haben 98% der Leute über klassische Internetseiten unsere Joiz TV Webseite besucht und nur 2% über mobile Endgeräte. Im Jahre 2016 wurden dann 89% der Seitenaufrufe über mobile Endgeräte getätigt. Das zeigt, dass sich der digitale Wandel in diesen Jahren sehr schnell entwickelt hat. In unseren besten Jahren konnten unvorstellbare 10’000 Social Media Interaktionen gezählt werden. Ich denke, dass dieses Ergebnis für sich spricht und den erfolgreichen Einsatz von Social Media in Kombination mit Fernsehen verdeutlicht.

Sendungen, wie «Die Bachelorette – Schweiz», profitieren von den Wechselwirkungen zwischen Social Media Aktivitäten und Fernsehkonsum. Welchen Unterschied sehen Sie dabei im Vergleich zu Joiz TV?

Wie gesagt, es war ein ganz anderes digitales Zeitalter. Smartphones befanden sich im Anfangsstadium und wurden noch nicht viel genutzt. Jeder war zur gegebenen Sendezeit mit dem Laptop vor dem Fernseher. Schauen Sie heute noch zu regelmässigen Zeiten Fernsehen? – Nein, ich auch nicht! Durch den digitalen Wandel kriegen die Leute mehr Flexibilität und haben die Möglichkeit, Videos, Filme und sonstige Online-Videoinhalte zu einem gewünschten Zeitpunkt zu schauen. Eine Reality-Show, wie Bachelorette, funktioniert Hand in Hand mit den sozialen Netzwerken. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass Social TV heutzutage in einer anderen Form eingesetzt wird als vor zehn Jahren. Joiz TV hat soziale Netzwerke quasi als Hilfsmittel verwendet, um die Sendung interessanter zu machen. Es wurde auf die Bedürfnisse der Zuschauer eingegangen und die Sendung entsprechend gestaltet. Heutzutage sorgen Multiscreen-Benutzer für das Ausmass der Social Media Aktivitäten, dabei ist der Zuschauer selbst Treiber für den Erfolg der Sendung. Sendungen, welche sich durch hohe Aktualität und Emotionen auszeichnen, sind nun attraktiv. Der Zuschauer kann dadurch eine emotionale Verbindung herstellen, wodurch eine Diskussionsgrundlage entsteht, die selbstverständlich auf den sozialen Netzwerken geteilt wird. Sie sehen also, dass sich das heutige Konzept von Social TV völlig verändert hat, was durch den digitalen Wandel gut nachvollziehbar ist.

Social TV hat sich durch die Digitalisierung verändert und Joiz TV aus dem Rennen getrieben © Pixabay

Inwiefern kann es für einen Werbetreibenden interessant sein, mit seinem Produkt bei solch einer Sendung zu werben? Welchen Mehrwert bringt eine hohe Social Media Popularität einer Sendung aus marketingtechnischer Sicht?

Den positiven Effekt, den die Wechselwirkung zwischen TV und sozialen Netzwerken für Fernsehsendungen mit sich bringt, kann ein Werbetreibender nutzen, um die Reichweite der Werbung für sein Produkt zu erweitern. Dabei begrenzt sich die Reichweite nicht nur auf die Fernsehzuschauer, sondern auch auf die Social Media Nutzer, die sich zu den Beiträgen der Sendung äussern. Das Interesse der «Nicht»-Zuschauer soll dadurch geweckt werden. In anderen Worten: Durch die Ausdehnung von TV-Sendungen in der Online-Welt, werden noch mehr Zuschauer erreicht und gewonnen. Es resultiert eine Plattform für Werbetreibende, die auch durch Social TV einen Anstieg an Verkaufszahlen erreichen kann. Ein möglicher Ansatz wäre es, eine Sendung mit breiter Social Media Popularität zu wählen, um im Netz mehr Diskussionen über den eigenen Werbespot (oder das eigene Produkt) zu erzielen. Ob die Werbung wirklich ansprechend ist und schlussendlich zu den beabsichtigten Social Media Aktivitäten führt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Welche Faktoren sind für Sie die wichtigsten, um eine hohe Anzahl an Social Media Aktivitäten zu erzielen?

Es gibt nicht die eine, richtige Lösung für Social TV. Darüber hinaus hängt erfolgreiches Marketing im Zusammenhang mit Social-TV von verschiedenen Faktoren ab. Ein Faktor ist das Format der Fernsehsendung. Besonders geeignet sind dabei Realityshows, Casting- und Quizshows, Talkformate, TV-Events oder Sportübertragungen. Weitere Faktoren sind die Eigenschaften des Produktes sowie des Werbespots, die im besten Fall einen direkten Bezug zur Sendung haben.

Welche Herausforderungen sehen Sie für einen Marketing-Manager in den nächsten Jahren in Bezug auf die Entwicklung von Social TV?

Aufgrund der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Social Media verändert sich gleichzeitig auch das Social TV. Diese Veränderungen müssen Marketing Manager in ihrer Strategie berücksichtigen, um immer auf dem neusten Stand zu sein. Digital Video Recorder, Video-on Demand und Onlinevideotheken wie Netflix, Sky, Amazon Prime, etc. können Gründe für das zukünftige Aussterben des linearen Fernsehens sein. Die Marketing Manager müssen sich dessen bewusst sein und dementsprechend antizipieren können.

Kundenorientierung im digitalen Zeitalter

Von den ZHAW Studierenden Michael Lutz, Patrik Küng, Jan Malac und Paolo Ragosa

In vielen Service- und Produktkategorien soll das Internet der Dinge (Internet of Things) erst dann durchstarten können, wenn es den Anbietern und dem Handel gelingt, den Nerv der Kunden zu treffen. Ruben Richiger, Produktemanager Multi Device bei der Swisscom, erläutert in einem Interview, wie das führende Telekommunikationsunternehmen der Schweiz mit diesem Wandel umgeht.

Welche Anwendungsszenarien stehen bei der Swisscom gegenwärtig im Fokus?

Für uns ist deutlich spürbar, dass das Thema IoT massiv an Bedeutung gewonnen hat. Das lässt sich zum Beispiel anhand der höheren Nachfrage im Bereich Smart Home feststellen. Nun bieten auch Firmen wie die IKEA IoT-Geräte an, welche man früher nicht direkt mit dem Internet assoziiert hätte. Durch die Einbindung unserer Swisscom Home-App gewinnen die Kunden an Komfort und Kontrolle über ihr eigenes zu Hause. Wir spüren auch ein grosses Interesse im Geschäftskunden-Bereich, in welchem sich vielfältige Chancen für Schweizer Unternehmen eröffnen.

: Die digitale Vernetzung fordert eine Neuorientierung im Kundenbereich © Pixabay

Mit dem Multi-Device Service ermöglichen Sie Ihren Kundinnen und Kunden unterschiedliche Geräte in einem Mobile Abo zu vernetzen. Welchen Platz nimmt der «on the go»-Service in der Welt von IoT gegenwärtig und zukünftig ein?

Es haben sich bereits erste Geräte etabliert, wie beispielsweise die Smartwatches. Das ist jedoch erst der Anfang – dieses Segment wird in den nächsten Jahren deutlich wachsen, unter anderem weil die Geräte zu einem integralen Bestandteil werden. Zudem entwickeln viele Geschäftskunden basierend auf einer mobilen Anbindung vernetzte Angebote und Dienstleistungen.

Nutzen Sie selbst Multi-Device Optionen und sehen Sie neben der Zusammenführung von verschiedenen Devices wie Smartphones, Smartwatches, Wearables, Sensoren etc. weitere integrative Use-Cases?

Ich habe einen Tracker in meiner Arbeitstasche, nutze teilweise eine Smartwach und habe ein Tablet, sowie einen Laptop in die App eingebunden. Für weitere integrative Use-Cases ist vieles denkbar – ein sehr attraktives Beispiel ist die Steuerung der Heizung in der Ferienwohnung.

Die klassische Customer Journey, welche über mehrere Prozessphasen stattfindet, sieht sich durch die Verbreitung von IoT einer Transformation gegenüber. Einzelne, aufeinander abgestimmte Touchpoints verschwinden, während Kunden jederzeit in den Prozess ein- respektive aussteigen oder sogar einzelne Phasen überspringen können. Wie nehmen Sie diese Veränderungen wahr?

Aus meiner Sicht stehen wir am Anfang der Veränderungen und diese werden sich auch je nach Person, beziehungsweise Kundensegment, unterschiedlich gestalten. Je nach Affinität zum Thema, sind solche Veränderungen aber heute schon sichtbar. Dennoch schätze ich es so ein, dass abgestimmte Touchpoints und eine kompetente Begleitung auch zukünftig für viele Kundinnen und Kunden einen hohen Stellenwert haben werden.

Lassen sich gänzlich neue Touchpoints schaffen?

Wenn man sich die letzten zwei bis drei Jahre anschaut, können wir feststellen, dass wir uns mitten in einem Veränderungsprozess befinden. So bieten wir heute auch per Social Media und Apple Business Chat Dienste und Unterstützung an. Auch ein Angebot wie Mila (technischer Support) zeigt neue Möglichkeiten auf, wo technische Unterstützung aus der Nachbarschaft erfolgt.

Inwiefern gelingt es Swisscom, das individuelle Nutzungsverhalten ihrer Kunden besser zu verstehen?

Hierzu gibt es viele Methoden, mit denen wir arbeiten. Es ist essenziell mit Kunden zu sprechen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und diese ins Zentrum unserer Überlegungen zu stellen. Es ist ebenfalls wichtig, Dinge früh auszuprobieren und direkt Rückmeldungen einzuholen, um so unmittelbar und gemeinsam mit unseren Kunden zu lernen. Auch durch die Datenanalyse können wir ein zusätzliches Verständnis generieren und vor allem die Individualität unterstützen. IoT wird insgesamt viele Dienste personalisierbar machen, was wiederum neue Touchpoints schaffen wird.

Bedingt durch die kontinuierlich steigenden Ausstattungsraten technologischer Gebrauchsgüter, werden die Bedürfnisse der Nutzer zum Teil bei weitem übererfüllt. Statt über die Funktionsweise der Geräte, entsteht die Kundenzufriedenheit vermehrt über andere Faktoren, wie den Service an sich, die Einfachheit und Convenience. Wie bedient die Swisscom mit ihrem Angebot diese Faktoren?

Das ist ein essentieller Bestandteil all unserer Produkte. Aus diesem Grund spiegeln sich genau diese Überlegungen auch in unserer Vision, unseren Werten und unserer Strategie wider: Wir wollen Menschen begeistern, was nur mit dem besten Kundenerlebnis geht. Daher setzen wir konsequent auf einfache Produkte, lokalen Service und eine grosse Kanalvielfalt, sodass auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen werden kann.

Welche weiteren Faktoren spielen für Swisscom eine Rolle, um Kunden und Ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen?

Ich möchte den echten Mehrwert für Kunden in den Fokus stellen. Vor allem im Bereich IoT sieht man, dass reine Funktionalität nicht ausreicht, sondern dass echte Bedürfnisse relevant adressiert sein müssen. Dieser echte Mehrwert muss für die Kunden sehr einfach, verständlich und unmittelbar erlebbar sein.

IoT-Geräte bieten ihren Kunden Komfort und Kontrolle © Pixabay

IoT-fähige Produkte werden als Erlebnis beworben, während für den Hersteller Kundendaten zugänglich gemacht werden. Durch die Revision des Datenschutzrechts in der EU und das vom Europarat revidierte Datenschutzübereinkommen sieht sich die Schweiz verpflichtet ihr Datenschutzgesetz ebenfalls zu revidieren. Wie gehen Sie dieses Thema in Bezug auf Ihr Multi-Device Angebot an?

Da wir keine Hersteller von IoT-Geräten sind, ist für uns die Frage etwas anders ausgelagert. Für uns ist die Bemühung zentral, eine einfache Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Kunden müssen in dieser Thematik die Hoheit besitzen und wir versuchen dies zu unterstützen, ohne dass wir dabei auf Chancen verzichten müssen. Zudem unternehmen wir natürlich tagtäglich hohe Anstrengungen, unseren Kunden ein sicheres Netz anzubieten.

Werden smarte Produkte zukünftig die klassischen verdrängen oder gibt es da Hindernisse?

Diese Frage werden wir erst in ein paar Jahren abschliessend beantworten können, aber aus meiner Sicht gibt es heute keine direkten, allgemeingültigen Hürden. Die Entwicklung wird jedoch zukünftig durch immer günstigere Komponenten und fortschrittlicher Akkulaufzeit weiter beschleunigt werden Die klassischen Produkte werden aber nie ganz verschwinden.

„Wie ich gute Werbung mache? In dem ich keine Werbung mache!“

Von Eveline Kneubühl

Wir leben in einer Zeit, in der permanent Informationen und Werbeinhalte an uns herangetragen werden. Wie schafft man es als Werbeauftraggeber, aus der Masse heraus zu stechen und welche Trends gilt es zu beachten?
Dennis Lück, Chief Creative Officer bei Jung von Matt/Limmat, gibt Einblicke und Antworten.

Dennis, Du bist vor neun Jahren in die Schweiz gekommen. Wie beurteilst du die hiesige kreative Landschaft?

In der Schweiz wird nicht so viel kaputt geredet wie in Deutschland; es herrscht eine viel grössere Offenheit und auch den Mut muss ich loben. Wir vergessen viel zu oft, wie viele Chancen sich uns hier bieten. Mein erster Cannes Löwe für die Schweiz war beispielsweise eine Weihnachtskarte für BMW – „The Fastest Christmas Card in the World“. Dass BMW bei so einer verrückten Idee mitgemacht hat, hat mich begeistert und mir gezeigt, was hier möglich ist:

https://www.youtube.com/watch?v=Z1BEAQkQStU

Seither versuche ich, so viel es geht hier anzustellen (lacht). Das Urteil ist also mega positiv.

Gibt es Länder, die einen speziellen Stil in puncto Werbung haben?

Ja, England und Australien sind besonders humorvoll. Brasilien zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass sie immer zuerst bei der Emotion ansetzen und nicht beim Produkt. Wenn es darum ginge, eine Tomatensuppe zu vermarkten, würden sie sich überlegen, wie man sie mit Emotionen verbinden kann. Amerika ist gerade sehr politisch und mit ganz viel Purpose unterwegs. Das Steckenpferd der Schweiz war und ist sicher das grandiose Graphic Design.

Was zeichnet für Dich gute Werbung aus?

In dem man keine Werbung macht. Was wir uns vornehmen müssen, ist Entertainment mit einem Logo zu erschaffen. Wir müssen die Leute unterhalten und begeistern für eine Marke, ein Produkt, für ein Thema oder einen Service.

Wie stark ist Euer Einfluss, welche Werbemittel zum Einsatz kommen oder wie kreativ Ihr sein könnt?

Wir geben immer eine Empfehlung ab. Immer ganz aus der Sicht der Zielgruppe oder Zielpersonen. Das Ziel bestimmt alles. Natürlich erfüllen wir auch gewünschte Vorgaben, aber wir haben immer noch passendere Beispiele oder alternative Ideen dabei, wenn wir denken, dass wir damit das Kundenziel besser erreichen. So verstehe ich uns als Dienstleister für Kreativität. Und ein weiterer Faktor kommt dann noch hinzu: Natürlich hängt es auch immer stark von der Idee ab, welcher Kanal mit welcher Kraft zur Entfaltung kommt.

Dennis Lück © Jung von Matt/Limmat

Was hältst Du von Influencer Marketing?

Ich bin zwiegespalten. Wir selbst haben auch schon mit Influencern erfolgreich zusammengearbeitet. Wir hatten für Ibis Schweiz die Idee „Relax, we post“ entwickelt. Dabei übernahmen Influencer das Instagram-Profil des Hotelgasts, damit dieser dank einem Digital Detox Service besser entspannen kann. Die Influencer waren hier genial eingesetzt, sie liessen sich mit einem Wert verbinden, indem sie die Social Accounts der Gäste während der Ferien gepflegt haben. Die andere Kategorie, die ich nur müde belächle, ist der Typ Influencer, der einfach Fotos von sich postet und ein Waschmittel wie zufällig neben sich auf der Bettkante stehen hat – hierfür würde ich nie einen Franken ausgeben.

Lexus hat 2018 den ersten Spot kreiert, der komplett durch künstliche Intelligenz konzipiert wurde. Ist künstliche Intelligenz eine dankbare Unterstützung oder gar Ersatz für kreative Köpfe?

Es ist auf jeden Fall eine Unterstützung. Man kann die künstliche Intelligenz nutzen, um gut funktionierende Werbung zu kreieren. Auch wir prüfen hier immer wieder die Möglichkeiten mit unseren Experten. Die Geniestreiche, die kreativen Highlights, werden damit aber nicht ermöglicht. Denn momentan beschränken sich die Fähigkeiten auf Reproduktion und Imitation. Klar, man weiss nicht wie die Entwicklung in fünf Jahren aussieht. Ich denke jedoch nicht, dass es ein eigenes Businessmodell wird. Wenn eine Kreation nur von einer Maschine stammt, verliert es den emotionalen Wert. Der Mensch braucht den Menschen. Das hat auch eine kürzlich durchgeführte Studie gezeigt: Sobald der Mensch erfährt, dass eine Kreation von einer Maschine stammt, verliert der Mensch dazu den Bezug.

Wie bewertest Du den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Programmatic Creativity?

Künstliche Intelligenz kann hier auf jeden Fall helfen.Man stellt quasi diverse Bausteine zur Verfügung und die künstliche Intelligenz baut sich dann je nach Zielgruppe die Versionen zusammen. Das funktioniert, wie vorher erwähnt, für performante Werbemittel wirklich sehr gut.

Welchen zentralen Trend in der Werbeindustrie siehst Du in den nächsten fünf Jahren?

Gar keine Technologie, sondern das Streben nach Purpose, also nach dem Schaffen eines gesellschaftlichen Wertes. Das hat damit zu tun, dass die Generation Z klar danach verlangt. Sie wollen Nachhaltigkeit, klar Stellung beziehen, Haltung einnehmen und die Gesellschaft beeinflussen! Dieser Trend ist massiv im Vorwärtsgang und verändert die Werbeindustrie. Purpose ist das Gegenteil von Werbung. Da schliesst sich der Kreis zu der eingangs gestellten Frage nach guter Werbung!

Was zeichnet Deinen persönlichen Erfolg aus? Was machst Du besser als andere?

Der Unterschied ist: Panik! Im Praktikum hatte ich Panik, dass ich nicht übernommen werden würde und so war meine Reaktion, dass ich viel mehr gemacht habe als gefordert. Auch heute noch gilt: 100-mal schiessen und dann ist ein geiler Geniestreich sicher mit dabei. Die Kreation der Spendenkarte für Kindernothilfe war übrigens meine Jobgarantie als Praktikant und der Grund, warum ich heute hier sitzen darf. Sie liegt mir besonders am Herzen. Wäre mir diese Idee nicht während des Praktikums eingefallen, als einer von eben 100 Schüssen, wer weiss, was ich heute machen würde. Das Fazit lautet also: Ich mache sicher nichts besser als andere, aber ich bin getrieben, immer einen massiv hohen Output zu generieren.

Der Grund, warum Dennis Lück heute hier ist: die Donation card for homeless children. © Dennis Lück

Über Dennis Lück

Dennis Lück ist als Chief Creative Officer und Mitinhaber bei Jung von Matt/Limmat verantwortlich für den kreativen Output. Der gebürtige Deutsche wechselte 2010 in die Schweiz und wird von den Medien als „kreativster und erfolgreichster Werber der Schweiz“ bezeichnet. Die Branche hat ihn 2017 zum „Werber des Jahres“ ernannt. Jung von Matt/Limmat führt seit 2017 das Kreativ-Ranking an und wurde 2018 zusammen mit der Jung-von-Matt-Gruppe zur weltweiten „Independent Agency of the Year“ gekürt. In seiner Freizeit spielt er Schlagzeug in der Punkrock-Band „Ultrahocherhitzt“.

Über die Autorin

© WerbeWeischer Schweiz GmbH

Eveline Kneubühl, Head of Back Office / Mitglied der Geschäftsleitung, arbeitet beim Kinovermarkter WerbeWeischer Schweiz GmbH. Ihr Bereich umfasst unter anderem die Marketingkommunikation sowie die Mitarbeit an der Repräsentanz des Cannes Lions International Festival of Creativity. Sie absolviert aktuell den CAS Marketing- & Corporate Communications im Rahmen des MAS in Marketing Management an der ZHAW. Privat freut sie sich über Filme mit Ryan Gosling.

Neuer Lehrgang im Marketing für Führungskräfte: Der Executive Master in Marketing Leadership

Das Weiterbildungsangebot wird auch für Führungskräfte immer wichtiger. Das Institut für Marketing Management lanciert nun mit dem Executive Master in Marketing Leadership ein neues Konzept für die Führungsebene im Marketing. Ein spannendes Programm mit hohem Praxisbezug ist garantiert.

Prof. Dr. Rüeger, Sie leiten den neuen Studiengang an der ZHAW, welche Idee und welches Konzept stecken dahinter?

Die Idee dieses Studiengangs entstand in erster Linie durch Diskussionen mit Führungskräften aus der Praxis. Obwohl sie oft aus verschiedenen Branchen kommen, haben sie schon eine gute Ausbildung (z.B. einen MAS oder einen MSc Abschluss) und wollen sich trotzdem weiterbilden, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen meistern zu können. Die digitale Transformation ist vor allem eine Aufgabe für Marketingverantwortliche und Führungskräfte, welche rascher auf Marktveränderungen reagieren, neue Business Modelle kennen und Lösungen für die Bewältigung von Dynamik und Komplexität realisieren wollen.

Der Executive Master in Marketing Leadership richtet sich an Marketing-Führungskräfte

Wo liegen die Schwerpunkte des Programms?

Wichtig ist zum einen das Format der Weiterbildung, welches sich an die Lebenssituation der Studierenden anpasst. Viele sind beruflich und oft auch privat stark belastet. Umso mehr darf das lebenslange Lernen nicht vernachlässigt werden. Das Programm ist daher stark flexibilisiert und konzentriert. Viele Inhalte können digital dann konsumiert werden, wenn die Teilnehmenden dafür Zeit haben. Zudem arbeiten wir mit Intensivwochen, welche meistens im Ausland stattfinden. In diesen Blockeinheiten kann sehr konzentriert und fokussiert gearbeitet werden. Die Studierenden sind so keiner Dauerbelastung über Jahre ausgesetzt, sondern sind für ein paar Tage komplett im Thema drin und danach wieder frei für den beruflichen und privaten Alltag.

Der inhaltliche Fokus liegt vor allem auf der Digitalisierung und der Führung. Zentrale Fragen sind: Wie gehe ich für mein Geschäft mit der Digitalisierung um? Welches sind relevante neue Business Modelle? Wie erkenne ich Veränderungen im modernen Kundenverhalten? Welche Instrumente zur Messung und Steuerung sind für mich zentral? Wie führe ich im Zeitalter des Wandels, der Digitalisierung, der Flexibilisierung und Internationalisierung?

Die Klassengrösse beschränkt sich auf 16 bis maximal 20 Personen. Damit die Teilnehmenden mit ihren Arbeitgebern das Budget planen können, sind in unseren Kursgebühren sämtliche Reise- Unterkunfts- und Verpflegungskosten bereits enthalten.

Mit dem WBK Technology Impact, Business Models & Services wurde 2018 bereits ein Modul des neuen Executive-Programms durchgeführt. Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Studienreise ziehen?

Dieser Weiterbildungskurs mit Führungskräften im Marketing war ein äusserst wertvoller Testlauf. Wir haben in nur einer Woche in Berlin und Leipzig ca. 30 Firmen besucht und kennengelernt, welche uns ihre Business Modelle vorgestellt haben. So konnte innerhalb von wenigen Tagen eine unglaubliche Wissensvermittlung geschafft werden. Das Tempo war enorm hoch und es wurde sehr intensiv mit den Teilnehmenden gearbeitet. Wir haben uns bewusst für Berlin entschieden, da Berlin im Moment in Europa die dynamischste Startup-Szene beheimatet. Die Kultur in Berlin lässt sich dabei viel besser auf schweizerische Verhältnisse adaptieren als z.B. die amerikanische Kultur im Silicon Valley. Wir erleben in Berlin die Unternehmensgründer und Entscheidungsträger hautnah in den Firmen. Das Feedback der Teilnehmenden war überwältigend und wir waren auch begeistert von der Qualität und dem Einsatz der Teilnehmenden. Wissen wurde rasch absorbiert und in Diskussionen vertieft. Wir wissen jetzt, dass unsere Vorstellung des Executive Master Programms mit den Vorstellungen der Studierenden exakt übereinstimmt.

Welchen Personen würden Sie diesen Lehrgang empfehlen?

Ich empfehle den Lehrgang Marketingfachleuten und Führungskräften, die mehrheitlich einen Master oder MSc erfolgreich absolviert, sich weitere vier bis fünf Jahre weiterentwickelt haben und motiviert sind, sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Sie sollten auch offen sein für neue Formate der Wissensvermittlung und -vernetzung, wie zum Beispiel für Kamingespräche mit zahlreichen CEOs für den Austausch von positiven und auch negativen Erfahrungen.

Prof. Dr. Brian Rüeger freut sich auf dieses neue Format

Die Studieninhalte sind sehr wichtig, aber auch die entsprechende Vermittlung. Wer doziert im Executive Master in Marketing Leadership?

Zum Einsatz kommt lediglich die absolut höchste Liga an Dozierenden, welche wir anbieten können. Zudem stehen keine hochkomplexen akademischen Turnübungen im Zentrum, sondern stets die Vermittlung von Anwendbarkeit sowie der Austausch und die Diskussion unter allen Anwesenden. Experten mit viel Erfahrung und einem starken Palmares ergänzen wir mit externen Profis, Partnern, Unternehmen, Forschungsinstitutionen und internationalen Hochschulen. Durch die AACSB Akkreditierung stehen die Türen zu den besten Adressen weltweit für eine Zusammenarbeit offen. Wir haben das beste Packet aus allen Möglichkeiten geschnürt.

Wie unterscheidet sich der Executive Master in Marketing Leadership vom MBA oder IEMBA der ZHAW?

Unser Programm ist ganz klar ein Executive Master in Marketing. Ein MBA ist eher für jemanden geeignet, der ein Studium in einem anderen Themengebiet absolviert hat und die volle Wissensbasis von Betriebswirtschaft benötigt. Wir vermitteln die volle Breite von Marketing und Leadership in einer digitalen und internationalen Welt. Natürlich sind da auch zahlreiche strategische Themen drin. Deshalb richtet sich der Lehrgang an Fachkräfte mit Marketingerfahrung und -verantwortung.

Wie kann man sich detailliert über diesen Weiterbildungsstudiengang informieren?

Sämtliche Informationen zum Executive Master in Marketing Leadership sind auf unserer Programm-Website zu finden (www.zhaw.ch/imm/exmml) und Interessierte sind herzlich willkommen, an unserer Infoveranstaltung vom Mittwoch, 19. Juni 2019, in Zürich teilzunehmen. Aber am besten ist, Sie kommen bei uns im Institut vorbei und wir finden zusammen in einem persönlichen Gespräch heraus, ob diese Weiterbildung für Sie geeignet ist. Interessierte dürfen mich jederzeit direkt kontaktieren.

Zum Schluss, mit welchen Marketingtrends werden sich Marketingführungskräfte in Zukunft Ihrer Meinung nach auseinandersetzen müssen?

Die Anzahl Trends ist riesig. Wichtig ist, keine Angst vor den Trends zu haben, sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen und abzuwägen, welche für das eigene Unternehmen relevant sind. Wir fördern Fähigkeiten zur Erkennung von Veränderungen im Umfeld und für die anschliessende Umwandlung in Aktionen im Unternehmen. Daraus entstehen angepasste modifizierte Leistungen und vielleicht auch ganz neue Business Modelle. Wir fördern aber auch Fähigkeiten zur Erhöhung der Zusammenarbeit im und ausserhalb des Unternehmens. Die Erhöhung der Kollaborationsfähigkeiten ist ein Megatrend, welcher sich quer durch alle Branchen zieht. Wer die absorptiven Fähigkeiten erhöht, sowie Veränderungen rasch in passende Leistungen umsetzen kann, wird im Markt erfolgreich sein.

Das Institut für Marketing Management freut sich riesig auf die Durchführung dieses Executive Masters!

www.zhaw.ch/imm/exmml

Kontakt Studienleiter:

Prof. Dr. Brian Rüeger

brian.rueeger@zhaw.ch

+41 (0) 58 934 68 75

Die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen radikal verändern

Von Alessandro Stasolla

Das elektronische Patientendossier (EPD) kommt. Bis April 2020 müssen die Schweizer Kliniken dieses einführen. Es wird noch einiges an Kommunikations- und Marketinganstrengungen brauchen, um Bedenken der Patienten zu zerstreuen. Doch das EPD wird die Digitalisierung im Gesundheitsbereich massiv vorantreiben.

Das EPD erlaubt sowohl Patientinnen und Patienten wie Gesundheitsfachpersonen schnellen und einfachen Zugriff zu den gesammelten privaten Gesundheitsdaten. Bisher wurden und werden solche Informationen dort, wo man sich behandeln liess, festgehalten. Oft noch auf Papier, etwa vom Arzt von Hand gekritzelt. Bei Spitalaufenthalten werden dort Dossiers angelegt. Physiotherapeuten haben Unterlagen. Bei der Apotheke liegen Dokumente. All diese Informationen sind zwar schon heute oft in Computern erfasst, aber es gibt keinen Überblick über alle gesundheitsrelevanten Informationen.

Vorteile des elektronischen Patientendossiers

Die Zusammenfassung aller Informationen und Dokumente im Zusammenhang mit der Gesundheit in einem digitalen Dossier ermöglicht einen unkomplizierten Informationsfluss beispielweise zwischen dem Hausarzt – sofern dieser sich dem System anschliesst, vorgeschrieben ist das für ihn (noch) nicht – und dem Spital oder zwischen anderen Fachpersonen im Gesundheitsbereich und den Patienten. Letztere sollen auch immer die volle Kontrolle über die Zugriffsrechte haben; ohne Einverständnis dürfen die Daten nur in Notfällen eingesehen werden.

Eine Sammlung persönlicher Dokumente mit Informationen rund um die Gesundheit © Getty Images

Bedenken von Patienten

Informationen über die Gesundheit sind sehr persönlich. Es ist verständlich, dass man solche sensiblen Daten nicht breiten Kreisen zugänglich machen will. Patientinnen und Patienten fürchten sich nicht in erster Linie von Hackern, sondern dass die Krankenkasse oder gar Arbeitgeber Zugang zu den gespeicherten Daten erhalten könnten, wie die Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF kürzlich berichtete. Das ist jedoch ausgeschlossen. «Der Zugriff ist nur für Personen erlaubt, die als Behandelnde mit den Patienten direkt in Kontakt sind», betonte Adrian Schmid, der Projektleiter bei eHealth Schweiz, der Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, in der Radiosendung. Beim Datenschutzbeauftragten des Bundes heisst es, das EPD müsse freiwillig sein, und die Patienten müssten selbst entscheiden können, was in diesem Dossier festgehalten wird und wer das sehen darf.

Der Patient oder die Patientin entscheidet, wer Zugriffsrecht auf die Daten hat © eHealth Suisse

Keine einheitliche Lösung

Etwas unübersichtlich ist die Situation bezüglich des EPD, weil es nicht eine einheitliche Lösung dafür gibt. Insgesamt dürfte es etwa zehn verschiedene Anbieter geben, darunter private wie staatliche Unternehmen. Gross in dieses Geschäft eingestiegen ist die Swisscom, die sich rühmt, für die Betriebsgesellschaft Axsana AG «die Infrastruktur für 13 Kantone mit mehr als der Hälfte der Bevölkerung und damit für den grössten Teil der Schweizer» sicherzustellen. Die Post ist unter anderen mit dem Pionierkanton Genf, der das EPD schon 2013 eingeführt hat, und dem Tessin im Geschäft. Es werden nun kantonale und teils interkantonale Gemeinschaften bzw. sogenannte Stammgemeinschaften gebildet. Diese müssen strikte rechtliche Vorgaben erfüllen und sich offizielle zertifizieren lassen.

Digitalisierungsschub im Gesundheitswesen

Das elektronische Patientendossier werde die Betreuung der Patienten markant verbessern, ist Antoine Hubert, Delegierter des Verwaltungsrates der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network überzeugt. Die Digitalisierung bringe dem Gesundheitsbereich einen Effizienzschub, sagte er schon 2017 gegenüber dem «ceo Magazin» von PwC. «Die Digitalisierung wird die Beziehung Patient–Pflegepersonal–Leistungserbringer verändern», sagte er 2018 im Magazin «Privatkliniken Schweiz». «Neue Akteure wie Apple, Google, Amazon oder Migros werden innovative Gesundheitsdienste zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Die Diagnosen werden automatisiert und der Arztberuf wird sich radikal verändern

Informationsvideo von eHealth Suisse:

Über den Autor

Alessandro Stasolla ist Leiter Marketing & Kommunikation bei der Privatklinik Bethanien in Zürich. Diese gehört zu Swiss Medical Network, der zweitgrössten Privatklinikgruppe der Schweiz, bei der er zuvor Manager Marketing & Kommunikation Deutschschweiz war. Aktuell besucht er seinen dritten CAS an der ZHAW, den Lehrgang Marketing- & Corporate Communications, und wird im 2020 den MAS Marketing Management abschliessen.

Neue digitale Geschäftsmodelle für die Freizeitwirtschaft am Bodensee

Die Digitalisierung verändert nicht nur unser gesellschaftliches Handeln, sie prägt auch alle Wirtschaftszweige in der Bodenseeregion in tiefgreifender Weise. Dies gilt natürlich auch für den Tourismus und die Freizeitwirtschaft, die am Bodensee eine herausragende Bedeutung haben. Ein Team aus Forschenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Hochschule Konstanz begibt sich in einem IBH-Projekt auf die Suche, wie sich KundInnenerlebnisse und Geschäftsmodelle in der Freizeitwirtschaft durch die Digitalisierung verändern. Wir haben mit Projektleiter Marcel Hüttermann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ZHAW, darüber gesprochen.*

Was sind die Ziele des Projekts?

Diese Forschungsstudie soll einen Beitrag dazu leisten, die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Erlebniskonsum und auf die Freizeitwirtschaft in der Bodenseeregion besser zu verstehen. Aus Sicht der Unternehmen und Organisationen der Freizeitwirtschaft stellt sich nicht nur die Frage, wie sich die KundInnenerlebnisse durch die Digitalisierung verändern, sondern auch, welche neuen Geschäftsmodelle sich ergeben.

Marcel Hüttermann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing Management
Marcel Hüttermann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing Management

Welche Rolle spielt die Freizeitwirtschaft für die Bodenseeregion?

Die Relevanz und das Potential für die Unternehmen der Freizeitwirtschaft ist evident, da ihre angebotenen Leistungen Erfahrungsgüter sind, die von KonsumentInnen um des Erlebens willen bezogen werden. Die Freizeitwirtschaft umfasst zahlreiche unterschiedliche Dienstleister, die eine hohe Bedeutung für die europäische Wirtschaft und damit auch die Bodenseeregion haben: Medien, Unterhaltung, Handel, Industrie, Gastgewerbe, Gesundheit, Sport, Transport, Kultur, Bildung und soziales Engagement. Die gesamte Wertschöpfungskette der Freizeitwirtschaft unterliegt dabei der Dynamik der Digitalisierung. Vor allem für die Segmente Sport und Outdoor, Event-Tickets, Ferienwohnungen, Pauschalreisen, Hotels, Bahn- und Bustickets sind bedeutende Zuwächse zu erwarten. Und hier bietet die Bodenseeregion ein ideales Forschungsfeld da all diese Punkte gesamthaft wichtig für die Wirtschaft und damit die Menschen in der Region sind.

Inwiefern verändert sich die Freizeitwirtschaft durch die Digitalisierung? Welches sind die grossen Trends? Was ist bereits jetzt sichtbar?

Digitale Plattformgeschäftsmodelle haben insbesondere die Bereiche Tourismus (z.B. Airbnb, Holiday Check, Uber, Trip Advisor u.v.m.) und Events radikal verändert. Die Auswirkungen von erweiterten und virtuellen Realitäten (AR und VR) steht aber beispielsweise noch ganz am Anfang. Schätzungen gehen von enormen wirtschaftlichen Veränderungen aus.  Es bieten sich zahlreiche Innovationsmöglichkeiten und es öffnen sich ganz neue Geschäftsfelder. Es ist jetzt schon möglich Konzerte, Sportveranstaltungen, Museen usw. nicht nur physisch, sondern virtuell zu erleben. Das bedeutet für den Konsumenten, dass er «von daheim», und somit von überall auf der Welt, beispielsweise das Pfahlbaumuseum virtuell erkunden kann. Dies erschliesst völlig neue Zielgruppen und bietet enorme Einnahmepotenziale.

Sie planen auf der Basis des Projekts einen COST-Antrag zu stellen: was kann man sich darunter genau vorstellen?

COST ist eine Förderorganisation für Forschungs- und Innovationsnetzwerke. Die Organisation unterstützt pan-europäische Netzwerkbildung zu definierten Themen. Auf diese Weise wird ein gemeinsamer Austausch zwischen den Forschenden ermöglicht und die Koordination von Forschungsaktivitäten sowie die Verbreitung ihrer Ergebnisse verbessert. Außerdem legt COST Wert darauf, dass die Netzwerke sowohl jüngere Forschende als auch Forschende aus „Forschungs- und innovationsschwächeren“ europäischen Staaten gezielt einbeziehen. Es gilt also die Netzwerkaktivitäten zu bündeln und die PartnerInnen zusammenzubringen, um schlussendlich den COST Antrag einzureichen. Dabei gilt es PartnerInnen aus den Mitgliedstaaten zu akquirieren. Das können Universitäten sein, aber auch Unternehmen, NGO’s etc.

Wie werden Sie im Projekt konkret vorgehen?

Nach einem Kick-Off Meeting im Januar forscht jeder Projektpartner nach den jeweiligen Expertisen (Sport, Tourismus, Kultur, Soziologie) in den jeweiligen Bereichen um zentrale Themen zu identifizieren. Im Anschluss dient der Austausch mit Forschenden aus ganz Europa dazu neue, bisher unbekannte Erkenntnisse zu gewinnen, aber auch um gegenseitig Wissen auszutauschen. Dies geschieht u.a. durch den Austausch auf internationalen Konferenzen. Danach werden Praxispartner identifiziert die in diesem europäischen Themennetzwerk mitarbeiten möchten. Anschliessend werden die Ergebnisse zusammentragen, verdichtet und zu einem COST-Antrag formuliert. Das Projekt soll jedoch nicht allein mit der Einreichung des COST-Antrags enden, sondern auch mit der Verbreitung des gewonnenen Wissens an Forschende, die PraxispartnerInnen und an interessierte Unternehmen im generellen, sowie die Öffentlichkeit.

*Dieser Beitrag wurde am 05. März 2019 von der IBH publiziert und durfte mit freundlicher Genehmigung der IBH verwendet werden. Link zum Originalbeitrag: https://www.bodenseehochschule.org/neue-digitale-geschaeftsmodelle-fuer-die-freizeitwirtschaft-am-bodensee/

Smart Cities in der Schweiz – Ein Use Case-getriebener Ansatz

Von Dr. Manuel Holler

Neben den urbanen Metropolregionen in Asien und den Vereinigten Staaten stehen auch die Städte in der Schweiz vor der Herausforderung, eine Steigerung der Lebensqualität bei gleichzeitiger Ressourcenreduktion zu erreichen. Smart City-Konzepte, insbesondere die intelligente Vernetzung von Infrastruktur, stellen hierfür einen wichtigen Lösungsansatz dar. Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt hierzu eine Commercial-IoT-Plattform. Die Plattform ist dabei als Enabler anzusehen, so dass Unternehmen und Städte das Paradigma einer digital vernetzen physischen Welt realisieren können.

Konzept einer Smart City © Hivemind

Wenn es an die konkrete Umsetzung solcher Smart City-Konzepte geht, können grundsätzlich zwei Strategien unterschieden werden: Während einige Städte den Ansatz verfolgen, die technischen Grundlagen der Vernetzung sicherzustellen, zielen andere darauf ab, die Smart City mit konkreten, wertschöpfenden Anwendungsfällen zu initiieren. Besonders vor dem Hintergrund der notwendigen, schrittweisen Evolution hin zu ganzheitlich vernetzten Städten bietet sich besonders letzterer Ansatz an.

Gebündelt in der Initiative «Start Smart City» konnten so zusammen mit Partnern aus den Bereichen Sicherheit, Umwelt, Infrastruktur, Mobilität bereits erste Use Cases identifiziert und realisiert werden. Abbildung 2 zeigt den exemplarischen Smart City Use Case «Abfallentsorgung». Im Gegensatz zu einer traditionellen, periodischen Entleerung, sorgen die «Smart Connected Garbage Bins» für optimierte Abläufe.

Smart City Use Case „Abfallentsorgung“ © Start Smart City

Dennoch gilt es, die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse der Schweizer Städte noch besser zu verstehen. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt weitere Anwendungsfälle für Smart Cities in der Schweiz zu identifizieren und zu charakterisieren.

Der Gründer

Gründer Vikram-Bhatnagar © Hivemind

Vikram Bhatnagar (vik@hivemind.ch) ist Gründer und Geschäftsführer von «Hivemind» und «Start Smart City». Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt eine Commercial-IoT-Plattform. Die Initiative «Start Smart City» setzt sich für die intelligente Vernetzung der Schweizer Städte ein.

Salsa auf den Rollen – Wie Einkaufswagen digital werden

Online Shopping ist in aller Munde, trotzdem gibt es immer noch Läden, wo man seine Einkäufe physisch erledigt. Ein Beispiel sind die Lebensmittelläden. Wichtiges Element im stationären Handel ist der Einkaufswagen. Wohl kaum einer macht sich Gedanken über dieses Hilfsmittel. Aus diesem Grund war es Zeit bei einem Hersteller nachzufragen, was hinter den Einkaufswagen so alles steckt. Werner Reifler, Geschäftsführer und Managing Director/CEO bei Wanzl Schweiz, stand Rede und Antwort.

Herr Reifler, der Lebensmitteleinkauf wird nach wie vor gerne im Laden getätigt. Der Einkaufswagen ist ein selbstverständliches Hilfsmittel, was man gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Wanzl vertreibt schon seit frühester Firmengeschichte Einkaufswagen. Was ist das Besondere an diesem Produkt?

Wanzl hat früh erkannt, dass sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten in der Nachkriegszeit rasant veränderte und damit auch andere Shop Formate hervorbrachte. Daran hat sich Wanzl orientiert und den Einkaufswagen ständig neu konfiguriert. Mit verschiedenen Korbgrössen, Zusatzfunktionen wie Kleinartikelschalen, Taschenhaken, Harassen- & Petflaschenablagen oder auch der Digitalisierung gerecht werdenden Scannerhalter beispielsweise, hat sich Wanzl stets den neuen Bedürfnissen der Gesellschaft und der Technologie angepasst und als treibender Innovator entscheidende Akzente gesetzt. So unscheinbar und selbstverständlich der Einkaufswagen wahrgenommen und genutzt wird heute, trägt er dennoch entscheidend zu einem optimalen Einkaufserlebnis bei.

Heute steht die neuste Generation der Einkaufswagen erstmals im Shoppi Tivoli in Spreitenbach und ab Frühjahr bei OTTO’s im Einsatz. Der SALSA – ein ästhetisch designter leichter und funktionell ausgereifter Hybrid aus Kunststoffkorb und bewährtem Stahlaufbau lässt nicht nur ein komfortableres Manövrieren für den Konsumenten zu, sondern ermöglicht dem Detailhändler einen individuellen Auftritt durch eigene Farbgebung.

Salsa nicht auf dem Tanzparkett, sondern im Laden – Der moderne Wagen rollt an © Wanzl

Welche technischen Neuerungen gab es im Bereich Einkaufswagen? Können Sie Vorlieben oder regionale Unterschiede feststellen?

Zum einen ist sicher der Vormarsch der hybriden Form von Kunststoff und Metall und zum anderen sind es die neuen Technologien. Wir sind heute im Rahmen der Produktivitätsunterstützung soweit, dass wir die Einkaufswagen durch RFID Technologie ausgestattet identifizieren können. Dies lässt das Überwachen von Beständen zu und ermöglicht dem Shop ein effizientes Trolley-Management. Auch bieten wir heute für das Smartphone-Zeitalter zusätzliche Möglichkeiten zur Halterung der Geräte als einfachen elektronischen Einkaufszettel. Etwas futuristisch mag im Moment noch die Thematik um integrierte Scann-Module am Einkaufswagen erscheinen. Aber Technologie und Know-How ist vorhanden um auch hierbei einen weiteren innovativen Schub zur Optimierung des Einkaufens beitragen zu können.

Wanzl hat diverse Modelle im Angebot, unter anderem spezielle Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer oder Senioren. Gibt es bald personalisierbare Einkaufswagen (z.B. höhenverstellbar, wechselnde Farben etc.)?

Wanzl treibt die Innovationen als Weltmarktführer voran und verschliesst sich keiner Möglichkeit. Dabei spielen für die «Marktakzeptanz» aber viele Faktoren mit. Wozu ist der Detailhandel bereit? Welchen Zusatznutzen soll und kann mit welchem Feature tatsächlich geboten werden?

Wie schätzen Sie den Einkaufswagen als Marketinginstrument für den Handel ein? Wie wichtig sind die Einkaufswagen auch heute noch und wie könnte man sie noch besser nutzen?

Wie erwähnt wird der Einkaufswagen als sehr selbstverständlich angesehen. Ein Hygienefaktor beim Einkaufen, der einfach funktionieren soll. Wahrgenommen wird der Einkaufswagen bis heute in der Regel nur, wenn er nicht funktioniert, nicht richtig rollt oder defekt und schmutzig ist. Mit den neuen Entwicklungen und bewährt hohem Qualitätsstandard erfüllt der Einkaufswagen von Wanzl seit je her diese Ansprüche zu 100 Prozent und bietet mit dem SALSA nun auch ein Alleinstellungsmerkmal für den jeweiligen Detailhändler. Wanzl – Connect ermöglicht zudem heute schon das Tracken der Einkaufswagen. Sei es im Bestandescontrolling oder auch bei der «Verfolgbarkeit» der Wagen. Für den Markt können so bedeutende Erkenntnisse zeitverzugslos gewonnen werden, z.B. wo und wie lange sich jeder einzelne Wagen aufgehalten, oder welche Wege er genommen hat, ohne datenschutzrechliche Themen anzuschneiden. Für den Konsumenten sind die mechanischen Zusatzfunktionen für ganz individuelle Bedürfnisse ein PLUS beim Einkaufen. AGV’s (automated guided vehicle) oder selbstscannende Einkaufswagen können weitere Stufen der Innovation für Handel und Konsument bedeuten.

Der unscheinbare Einkaufswagen hat diverse digitale Funktionen © Wanzl

Wanzl hat eine riesige Produktpalette und beliefert verschiedene Branchen. Können Sie uns kurz erklären, wie das Unternehmen aufgestellt ist und wie das B2B Geschäft ausgestaltet ist?

Wanzl ist im Detailhandel gross geworden und Weltmarktführer bei den Einkaufswagen. Diesen Geschäftsbereich – unser Retail System – pflegen wir ganz besonders mit unseren langjährigen Partnern weltweit. Wir verstehen uns aber als Gesamtlösungsanbieter. Wonach wir auch die Ladengestaltung mit unserer Shopsolutionsabteilung unterstützen und auch ganze Shops anbieten. Zudem sind die logistischen Prozesse unserer Kunden ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmung. Darin bieten wir mit unseren Produkten aus Standard und durch individuelle Lösungen eine passende Unterstützung zur Optimierung der Logistikprozesse unserer Kunden. Zutrittskontrollen und Warensicherung in Verwaltungs- und/oder Werksgeländen sind ein immer bedeutender Part auf dem Markt und wir stellen auch hierzu aus unserem Geschäftsbereich Accesssolutions massgeschneiderte Lösungen an. Von einfachen Schwenktüren, über elektrisch angetriebene bis biometrisch gesteuerte und ästhetisch anmutende Gates.

Unter den Geschäftsbereichen Hotelservice und Airport bieten wir im Rahmen der Gäste- und Passagierbewirtschaftung weitere spezifische Produkte an. Alle unsere Geschäftsbereiche aber funktionieren übergreifend und wir bieten als Gesamtanbieter unseren Kunden zu allen Fragestellungen aus unseren Portfolio entsprechende Produkte und Lösungen an.

Das Logo von Wanzl © Wanzl

Wie betreibt Wanzl selbst das Marketing? Wie kommen Sie zu Ihren Kunden?

Nebst den gängigen Marketinginstrumenten, die wir im B2B Umfeld anwenden, setzen wir sehr stark auf persönliche Kontakte. Insbesondere bei Projektgeschäften.

Im traditionellen Einkaufswagenmarkt oder Produktverkauf bauen wir auf unsere langjährigen Kundenbeziehungen und pflegen bewusst unser Qualitätsverständnis von Produkt und Dienstleistung. Im ganzen Bereich der Shop Solutions – also alles was der Detailhändler braucht- präsentieren wir uns und unsere Innovationen jeweils an der Euro-Shop in Düsseldorf, an der Wanzl als feste Grösse und Innovator seit Jahrzehnten teilnimmt. In den Geschäftsfeldern Hotel, Access und Logistik setzen wir einerseits auf Messen sowie auch Reportagen in Fachzeitschriften und vereinzelt gezielte Mailings. Letzten Endes aber sehen wir in unserem Markt ein «Face to Face Business», indem Vertrauen und Zuverlässigkeit mit ein grosser Bestandteil in der Entscheidungsfindung sind.

Wanzl ist eine Traditionsfirma mit hohen Qualitätsansprüchen. Wie sehen Sie die Bedrohung durch Konkurrenzprodukte, allenfalls sogar aus dem asiatischen Raum?

Allgegenwärtig! Und je länger je mehr. Das ist der Lauf der Zeit sowie der anhaltenden Globalisierung und Liberalisierung des Marktes. Wir stellen uns dieser Herausforderung mit unserer bislang unübertroffenen Qualität, sowie einem sehr kundennahen, zuverlässigen und kompetenten Kundenservice von der Beratung bis hin zu den Serviceleistungen. Unsere Dienstleistungsbereitschaft, unser Know-How und unsere geographische Nähe wird von unserer Kundschaft sehr geschätzt und durchaus in der Gesamtbetrachtung ihrer Investition berücksichtigt auch wenn, oder erst recht, weil der Kostendruck auch bei ihnen fortlaufend ein Thema ist.

Auf der Wanzl Webseite gibt es nicht nur Informationen zu den Produkten, sondern auch aufwendig erarbeitetes Content Marketing. Wie wichtig sind neben Produktinformationen auch Geschichten und Emotionen?

In einer wohlständigen Konsumgesellschaft mit hohem Individualisierungsdrang ist es von grosser Bedeutung den Anwender nicht nur auf der funktionellen Seite abholen zu können, sondern seinen «Wissensdurst» nach dem «Wie und Woher» stillen zu können. Nicht mit Phrasen und Werbesprüchen, sondern mit echten Geschichten ein Produkt erklären, welches sonst doch recht «unspektakulär» erscheinend an Wert gewinnen kann und den Anwender und Käufer zu einer gesamthaften Betrachtung seiner Beschaffung anregt.

Zum Schluss, wenn Sie für sich einen Einkaufswagen kreieren dürften, wie würde dieser aussehen?

Unser SALSA trifft den Zeitgeist punktgenau. Eine innovative Erscheinung mit Individualisierungsmomenten und technisch ausgereift für die Bedürfnisse der heutigen und auch künftigen Konsumenten.

Der modernste Wagen, der Innovation und Technik vereint © Wanzl

https://www.wanzl.com/de_CH/