„Wie ich gute Werbung mache? In dem ich keine Werbung mache!“

Von Eveline Kneubühl

Wir leben in einer Zeit, in der permanent Informationen und Werbeinhalte an uns herangetragen werden. Wie schafft man es als Werbeauftraggeber, aus der Masse heraus zu stechen und welche Trends gilt es zu beachten?
Dennis Lück, Chief Creative Officer bei Jung von Matt/Limmat, gibt Einblicke und Antworten.

Dennis, Du bist vor neun Jahren in die Schweiz gekommen. Wie beurteilst du die hiesige kreative Landschaft?

In der Schweiz wird nicht so viel kaputt geredet wie in Deutschland; es herrscht eine viel grössere Offenheit und auch den Mut muss ich loben. Wir vergessen viel zu oft, wie viele Chancen sich uns hier bieten. Mein erster Cannes Löwe für die Schweiz war beispielsweise eine Weihnachtskarte für BMW – „The Fastest Christmas Card in the World“. Dass BMW bei so einer verrückten Idee mitgemacht hat, hat mich begeistert und mir gezeigt, was hier möglich ist:

https://www.youtube.com/watch?v=Z1BEAQkQStU

Seither versuche ich, so viel es geht hier anzustellen (lacht). Das Urteil ist also mega positiv.

Gibt es Länder, die einen speziellen Stil in puncto Werbung haben?

Ja, England und Australien sind besonders humorvoll. Brasilien zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass sie immer zuerst bei der Emotion ansetzen und nicht beim Produkt. Wenn es darum ginge, eine Tomatensuppe zu vermarkten, würden sie sich überlegen, wie man sie mit Emotionen verbinden kann. Amerika ist gerade sehr politisch und mit ganz viel Purpose unterwegs. Das Steckenpferd der Schweiz war und ist sicher das grandiose Graphic Design.

Was zeichnet für Dich gute Werbung aus?

In dem man keine Werbung macht. Was wir uns vornehmen müssen, ist Entertainment mit einem Logo zu erschaffen. Wir müssen die Leute unterhalten und begeistern für eine Marke, ein Produkt, für ein Thema oder einen Service.

Wie stark ist Euer Einfluss, welche Werbemittel zum Einsatz kommen oder wie kreativ Ihr sein könnt?

Wir geben immer eine Empfehlung ab. Immer ganz aus der Sicht der Zielgruppe oder Zielpersonen. Das Ziel bestimmt alles. Natürlich erfüllen wir auch gewünschte Vorgaben, aber wir haben immer noch passendere Beispiele oder alternative Ideen dabei, wenn wir denken, dass wir damit das Kundenziel besser erreichen. So verstehe ich uns als Dienstleister für Kreativität. Und ein weiterer Faktor kommt dann noch hinzu: Natürlich hängt es auch immer stark von der Idee ab, welcher Kanal mit welcher Kraft zur Entfaltung kommt.

Dennis Lück © Jung von Matt/Limmat

Was hältst Du von Influencer Marketing?

Ich bin zwiegespalten. Wir selbst haben auch schon mit Influencern erfolgreich zusammengearbeitet. Wir hatten für Ibis Schweiz die Idee „Relax, we post“ entwickelt. Dabei übernahmen Influencer das Instagram-Profil des Hotelgasts, damit dieser dank einem Digital Detox Service besser entspannen kann. Die Influencer waren hier genial eingesetzt, sie liessen sich mit einem Wert verbinden, indem sie die Social Accounts der Gäste während der Ferien gepflegt haben. Die andere Kategorie, die ich nur müde belächle, ist der Typ Influencer, der einfach Fotos von sich postet und ein Waschmittel wie zufällig neben sich auf der Bettkante stehen hat – hierfür würde ich nie einen Franken ausgeben.

Lexus hat 2018 den ersten Spot kreiert, der komplett durch künstliche Intelligenz konzipiert wurde. Ist künstliche Intelligenz eine dankbare Unterstützung oder gar Ersatz für kreative Köpfe?

Es ist auf jeden Fall eine Unterstützung. Man kann die künstliche Intelligenz nutzen, um gut funktionierende Werbung zu kreieren. Auch wir prüfen hier immer wieder die Möglichkeiten mit unseren Experten. Die Geniestreiche, die kreativen Highlights, werden damit aber nicht ermöglicht. Denn momentan beschränken sich die Fähigkeiten auf Reproduktion und Imitation. Klar, man weiss nicht wie die Entwicklung in fünf Jahren aussieht. Ich denke jedoch nicht, dass es ein eigenes Businessmodell wird. Wenn eine Kreation nur von einer Maschine stammt, verliert es den emotionalen Wert. Der Mensch braucht den Menschen. Das hat auch eine kürzlich durchgeführte Studie gezeigt: Sobald der Mensch erfährt, dass eine Kreation von einer Maschine stammt, verliert der Mensch dazu den Bezug.

Wie bewertest Du den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Programmatic Creativity?

Künstliche Intelligenz kann hier auf jeden Fall helfen.Man stellt quasi diverse Bausteine zur Verfügung und die künstliche Intelligenz baut sich dann je nach Zielgruppe die Versionen zusammen. Das funktioniert, wie vorher erwähnt, für performante Werbemittel wirklich sehr gut.

Welchen zentralen Trend in der Werbeindustrie siehst Du in den nächsten fünf Jahren?

Gar keine Technologie, sondern das Streben nach Purpose, also nach dem Schaffen eines gesellschaftlichen Wertes. Das hat damit zu tun, dass die Generation Z klar danach verlangt. Sie wollen Nachhaltigkeit, klar Stellung beziehen, Haltung einnehmen und die Gesellschaft beeinflussen! Dieser Trend ist massiv im Vorwärtsgang und verändert die Werbeindustrie. Purpose ist das Gegenteil von Werbung. Da schliesst sich der Kreis zu der eingangs gestellten Frage nach guter Werbung!

Was zeichnet Deinen persönlichen Erfolg aus? Was machst Du besser als andere?

Der Unterschied ist: Panik! Im Praktikum hatte ich Panik, dass ich nicht übernommen werden würde und so war meine Reaktion, dass ich viel mehr gemacht habe als gefordert. Auch heute noch gilt: 100-mal schiessen und dann ist ein geiler Geniestreich sicher mit dabei. Die Kreation der Spendenkarte für Kindernothilfe war übrigens meine Jobgarantie als Praktikant und der Grund, warum ich heute hier sitzen darf. Sie liegt mir besonders am Herzen. Wäre mir diese Idee nicht während des Praktikums eingefallen, als einer von eben 100 Schüssen, wer weiss, was ich heute machen würde. Das Fazit lautet also: Ich mache sicher nichts besser als andere, aber ich bin getrieben, immer einen massiv hohen Output zu generieren.

Der Grund, warum Dennis Lück heute hier ist: die Donation card for homeless children. © Dennis Lück

Über Dennis Lück

Dennis Lück ist als Chief Creative Officer und Mitinhaber bei Jung von Matt/Limmat verantwortlich für den kreativen Output. Der gebürtige Deutsche wechselte 2010 in die Schweiz und wird von den Medien als „kreativster und erfolgreichster Werber der Schweiz“ bezeichnet. Die Branche hat ihn 2017 zum „Werber des Jahres“ ernannt. Jung von Matt/Limmat führt seit 2017 das Kreativ-Ranking an und wurde 2018 zusammen mit der Jung-von-Matt-Gruppe zur weltweiten „Independent Agency of the Year“ gekürt. In seiner Freizeit spielt er Schlagzeug in der Punkrock-Band „Ultrahocherhitzt“.

Über die Autorin

© WerbeWeischer Schweiz GmbH

Eveline Kneubühl, Head of Back Office / Mitglied der Geschäftsleitung, arbeitet beim Kinovermarkter WerbeWeischer Schweiz GmbH. Ihr Bereich umfasst unter anderem die Marketingkommunikation sowie die Mitarbeit an der Repräsentanz des Cannes Lions International Festival of Creativity. Sie absolviert aktuell den CAS Marketing- & Corporate Communications im Rahmen des MAS in Marketing Management an der ZHAW. Privat freut sie sich über Filme mit Ryan Gosling.

Neuer Lehrgang im Marketing für Führungskräfte: Der Executive Master in Marketing Leadership

Das Weiterbildungsangebot wird auch für Führungskräfte immer wichtiger. Das Institut für Marketing Management lanciert nun mit dem Executive Master in Marketing Leadership ein neues Konzept für die Führungsebene im Marketing. Ein spannendes Programm mit hohem Praxisbezug ist garantiert.

Prof. Dr. Rüeger, Sie leiten den neuen Studiengang an der ZHAW, welche Idee und welches Konzept stecken dahinter?

Die Idee dieses Studiengangs entstand in erster Linie durch Diskussionen mit Führungskräften aus der Praxis. Obwohl sie oft aus verschiedenen Branchen kommen, haben sie schon eine gute Ausbildung (z.B. einen MAS oder einen MSc Abschluss) und wollen sich trotzdem weiterbilden, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen meistern zu können. Die digitale Transformation ist vor allem eine Aufgabe für Marketingverantwortliche und Führungskräfte, welche rascher auf Marktveränderungen reagieren, neue Business Modelle kennen und Lösungen für die Bewältigung von Dynamik und Komplexität realisieren wollen.

Der Executive Master in Marketing Leadership richtet sich an Marketing-Führungskräfte

Wo liegen die Schwerpunkte des Programms?

Wichtig ist zum einen das Format der Weiterbildung, welches sich an die Lebenssituation der Studierenden anpasst. Viele sind beruflich und oft auch privat stark belastet. Umso mehr darf das lebenslange Lernen nicht vernachlässigt werden. Das Programm ist daher stark flexibilisiert und konzentriert. Viele Inhalte können digital dann konsumiert werden, wenn die Teilnehmenden dafür Zeit haben. Zudem arbeiten wir mit Intensivwochen, welche meistens im Ausland stattfinden. In diesen Blockeinheiten kann sehr konzentriert und fokussiert gearbeitet werden. Die Studierenden sind so keiner Dauerbelastung über Jahre ausgesetzt, sondern sind für ein paar Tage komplett im Thema drin und danach wieder frei für den beruflichen und privaten Alltag.

Der inhaltliche Fokus liegt vor allem auf der Digitalisierung und der Führung. Zentrale Fragen sind: Wie gehe ich für mein Geschäft mit der Digitalisierung um? Welches sind relevante neue Business Modelle? Wie erkenne ich Veränderungen im modernen Kundenverhalten? Welche Instrumente zur Messung und Steuerung sind für mich zentral? Wie führe ich im Zeitalter des Wandels, der Digitalisierung, der Flexibilisierung und Internationalisierung?

Die Klassengrösse beschränkt sich auf 16 bis maximal 20 Personen. Damit die Teilnehmenden mit ihren Arbeitgebern das Budget planen können, sind in unseren Kursgebühren sämtliche Reise- Unterkunfts- und Verpflegungskosten bereits enthalten.

Mit dem WBK Technology Impact, Business Models & Services wurde 2018 bereits ein Modul des neuen Executive-Programms durchgeführt. Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Studienreise ziehen?

Dieser Weiterbildungskurs mit Führungskräften im Marketing war ein äusserst wertvoller Testlauf. Wir haben in nur einer Woche in Berlin und Leipzig ca. 30 Firmen besucht und kennengelernt, welche uns ihre Business Modelle vorgestellt haben. So konnte innerhalb von wenigen Tagen eine unglaubliche Wissensvermittlung geschafft werden. Das Tempo war enorm hoch und es wurde sehr intensiv mit den Teilnehmenden gearbeitet. Wir haben uns bewusst für Berlin entschieden, da Berlin im Moment in Europa die dynamischste Startup-Szene beheimatet. Die Kultur in Berlin lässt sich dabei viel besser auf schweizerische Verhältnisse adaptieren als z.B. die amerikanische Kultur im Silicon Valley. Wir erleben in Berlin die Unternehmensgründer und Entscheidungsträger hautnah in den Firmen. Das Feedback der Teilnehmenden war überwältigend und wir waren auch begeistert von der Qualität und dem Einsatz der Teilnehmenden. Wissen wurde rasch absorbiert und in Diskussionen vertieft. Wir wissen jetzt, dass unsere Vorstellung des Executive Master Programms mit den Vorstellungen der Studierenden exakt übereinstimmt.

Welchen Personen würden Sie diesen Lehrgang empfehlen?

Ich empfehle den Lehrgang Marketingfachleuten und Führungskräften, die mehrheitlich einen Master oder MSc erfolgreich absolviert, sich weitere vier bis fünf Jahre weiterentwickelt haben und motiviert sind, sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Sie sollten auch offen sein für neue Formate der Wissensvermittlung und -vernetzung, wie zum Beispiel für Kamingespräche mit zahlreichen CEOs für den Austausch von positiven und auch negativen Erfahrungen.

Prof. Dr. Brian Rüeger freut sich auf dieses neue Format

Die Studieninhalte sind sehr wichtig, aber auch die entsprechende Vermittlung. Wer doziert im Executive Master in Marketing Leadership?

Zum Einsatz kommt lediglich die absolut höchste Liga an Dozierenden, welche wir anbieten können. Zudem stehen keine hochkomplexen akademischen Turnübungen im Zentrum, sondern stets die Vermittlung von Anwendbarkeit sowie der Austausch und die Diskussion unter allen Anwesenden. Experten mit viel Erfahrung und einem starken Palmares ergänzen wir mit externen Profis, Partnern, Unternehmen, Forschungsinstitutionen und internationalen Hochschulen. Durch die AACSB Akkreditierung stehen die Türen zu den besten Adressen weltweit für eine Zusammenarbeit offen. Wir haben das beste Packet aus allen Möglichkeiten geschnürt.

Wie unterscheidet sich der Executive Master in Marketing Leadership vom MBA oder IEMBA der ZHAW?

Unser Programm ist ganz klar ein Executive Master in Marketing. Ein MBA ist eher für jemanden geeignet, der ein Studium in einem anderen Themengebiet absolviert hat und die volle Wissensbasis von Betriebswirtschaft benötigt. Wir vermitteln die volle Breite von Marketing und Leadership in einer digitalen und internationalen Welt. Natürlich sind da auch zahlreiche strategische Themen drin. Deshalb richtet sich der Lehrgang an Fachkräfte mit Marketingerfahrung und -verantwortung.

Wie kann man sich detailliert über diesen Weiterbildungsstudiengang informieren?

Sämtliche Informationen zum Executive Master in Marketing Leadership sind auf unserer Programm-Website zu finden (www.zhaw.ch/imm/exmml) und Interessierte sind herzlich willkommen, an unserer Infoveranstaltung vom Mittwoch, 19. Juni 2019, in Zürich teilzunehmen. Aber am besten ist, Sie kommen bei uns im Institut vorbei und wir finden zusammen in einem persönlichen Gespräch heraus, ob diese Weiterbildung für Sie geeignet ist. Interessierte dürfen mich jederzeit direkt kontaktieren.

Zum Schluss, mit welchen Marketingtrends werden sich Marketingführungskräfte in Zukunft Ihrer Meinung nach auseinandersetzen müssen?

Die Anzahl Trends ist riesig. Wichtig ist, keine Angst vor den Trends zu haben, sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen und abzuwägen, welche für das eigene Unternehmen relevant sind. Wir fördern Fähigkeiten zur Erkennung von Veränderungen im Umfeld und für die anschliessende Umwandlung in Aktionen im Unternehmen. Daraus entstehen angepasste modifizierte Leistungen und vielleicht auch ganz neue Business Modelle. Wir fördern aber auch Fähigkeiten zur Erhöhung der Zusammenarbeit im und ausserhalb des Unternehmens. Die Erhöhung der Kollaborationsfähigkeiten ist ein Megatrend, welcher sich quer durch alle Branchen zieht. Wer die absorptiven Fähigkeiten erhöht, sowie Veränderungen rasch in passende Leistungen umsetzen kann, wird im Markt erfolgreich sein.

Das Institut für Marketing Management freut sich riesig auf die Durchführung dieses Executive Masters!

www.zhaw.ch/imm/exmml

Kontakt Studienleiter:

Prof. Dr. Brian Rüeger

brian.rueeger@zhaw.ch

+41 (0) 58 934 68 75

Die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen radikal verändern

Von Alessandro Stasolla

Das elektronische Patientendossier (EPD) kommt. Bis April 2020 müssen die Schweizer Kliniken dieses einführen. Es wird noch einiges an Kommunikations- und Marketinganstrengungen brauchen, um Bedenken der Patienten zu zerstreuen. Doch das EPD wird die Digitalisierung im Gesundheitsbereich massiv vorantreiben.

Das EPD erlaubt sowohl Patientinnen und Patienten wie Gesundheitsfachpersonen schnellen und einfachen Zugriff zu den gesammelten privaten Gesundheitsdaten. Bisher wurden und werden solche Informationen dort, wo man sich behandeln liess, festgehalten. Oft noch auf Papier, etwa vom Arzt von Hand gekritzelt. Bei Spitalaufenthalten werden dort Dossiers angelegt. Physiotherapeuten haben Unterlagen. Bei der Apotheke liegen Dokumente. All diese Informationen sind zwar schon heute oft in Computern erfasst, aber es gibt keinen Überblick über alle gesundheitsrelevanten Informationen.

Vorteile des elektronischen Patientendossiers

Die Zusammenfassung aller Informationen und Dokumente im Zusammenhang mit der Gesundheit in einem digitalen Dossier ermöglicht einen unkomplizierten Informationsfluss beispielweise zwischen dem Hausarzt – sofern dieser sich dem System anschliesst, vorgeschrieben ist das für ihn (noch) nicht – und dem Spital oder zwischen anderen Fachpersonen im Gesundheitsbereich und den Patienten. Letztere sollen auch immer die volle Kontrolle über die Zugriffsrechte haben; ohne Einverständnis dürfen die Daten nur in Notfällen eingesehen werden.

Eine Sammlung persönlicher Dokumente mit Informationen rund um die Gesundheit © Getty Images

Bedenken von Patienten

Informationen über die Gesundheit sind sehr persönlich. Es ist verständlich, dass man solche sensiblen Daten nicht breiten Kreisen zugänglich machen will. Patientinnen und Patienten fürchten sich nicht in erster Linie von Hackern, sondern dass die Krankenkasse oder gar Arbeitgeber Zugang zu den gespeicherten Daten erhalten könnten, wie die Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF kürzlich berichtete. Das ist jedoch ausgeschlossen. «Der Zugriff ist nur für Personen erlaubt, die als Behandelnde mit den Patienten direkt in Kontakt sind», betonte Adrian Schmid, der Projektleiter bei eHealth Schweiz, der Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, in der Radiosendung. Beim Datenschutzbeauftragten des Bundes heisst es, das EPD müsse freiwillig sein, und die Patienten müssten selbst entscheiden können, was in diesem Dossier festgehalten wird und wer das sehen darf.

Der Patient oder die Patientin entscheidet, wer Zugriffsrecht auf die Daten hat © eHealth Suisse

Keine einheitliche Lösung

Etwas unübersichtlich ist die Situation bezüglich des EPD, weil es nicht eine einheitliche Lösung dafür gibt. Insgesamt dürfte es etwa zehn verschiedene Anbieter geben, darunter private wie staatliche Unternehmen. Gross in dieses Geschäft eingestiegen ist die Swisscom, die sich rühmt, für die Betriebsgesellschaft Axsana AG «die Infrastruktur für 13 Kantone mit mehr als der Hälfte der Bevölkerung und damit für den grössten Teil der Schweizer» sicherzustellen. Die Post ist unter anderen mit dem Pionierkanton Genf, der das EPD schon 2013 eingeführt hat, und dem Tessin im Geschäft. Es werden nun kantonale und teils interkantonale Gemeinschaften bzw. sogenannte Stammgemeinschaften gebildet. Diese müssen strikte rechtliche Vorgaben erfüllen und sich offizielle zertifizieren lassen.

Digitalisierungsschub im Gesundheitswesen

Das elektronische Patientendossier werde die Betreuung der Patienten markant verbessern, ist Antoine Hubert, Delegierter des Verwaltungsrates der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network überzeugt. Die Digitalisierung bringe dem Gesundheitsbereich einen Effizienzschub, sagte er schon 2017 gegenüber dem «ceo Magazin» von PwC. «Die Digitalisierung wird die Beziehung Patient–Pflegepersonal–Leistungserbringer verändern», sagte er 2018 im Magazin «Privatkliniken Schweiz». «Neue Akteure wie Apple, Google, Amazon oder Migros werden innovative Gesundheitsdienste zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Die Diagnosen werden automatisiert und der Arztberuf wird sich radikal verändern

Informationsvideo von eHealth Suisse:

Über den Autor

Alessandro Stasolla ist Leiter Marketing & Kommunikation bei der Privatklinik Bethanien in Zürich. Diese gehört zu Swiss Medical Network, der zweitgrössten Privatklinikgruppe der Schweiz, bei der er zuvor Manager Marketing & Kommunikation Deutschschweiz war. Aktuell besucht er seinen dritten CAS an der ZHAW, den Lehrgang Marketing- & Corporate Communications, und wird im 2020 den MAS Marketing Management abschliessen.

Neue digitale Geschäftsmodelle für die Freizeitwirtschaft am Bodensee

Die Digitalisierung verändert nicht nur unser gesellschaftliches Handeln, sie prägt auch alle Wirtschaftszweige in der Bodenseeregion in tiefgreifender Weise. Dies gilt natürlich auch für den Tourismus und die Freizeitwirtschaft, die am Bodensee eine herausragende Bedeutung haben. Ein Team aus Forschenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Hochschule Konstanz begibt sich in einem IBH-Projekt auf die Suche, wie sich KundInnenerlebnisse und Geschäftsmodelle in der Freizeitwirtschaft durch die Digitalisierung verändern. Wir haben mit Projektleiter Marcel Hüttermann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ZHAW, darüber gesprochen.*

Was sind die Ziele des Projekts?

Diese Forschungsstudie soll einen Beitrag dazu leisten, die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Erlebniskonsum und auf die Freizeitwirtschaft in der Bodenseeregion besser zu verstehen. Aus Sicht der Unternehmen und Organisationen der Freizeitwirtschaft stellt sich nicht nur die Frage, wie sich die KundInnenerlebnisse durch die Digitalisierung verändern, sondern auch, welche neuen Geschäftsmodelle sich ergeben.

Marcel Hüttermann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing Management
Marcel Hüttermann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing Management

Welche Rolle spielt die Freizeitwirtschaft für die Bodenseeregion?

Die Relevanz und das Potential für die Unternehmen der Freizeitwirtschaft ist evident, da ihre angebotenen Leistungen Erfahrungsgüter sind, die von KonsumentInnen um des Erlebens willen bezogen werden. Die Freizeitwirtschaft umfasst zahlreiche unterschiedliche Dienstleister, die eine hohe Bedeutung für die europäische Wirtschaft und damit auch die Bodenseeregion haben: Medien, Unterhaltung, Handel, Industrie, Gastgewerbe, Gesundheit, Sport, Transport, Kultur, Bildung und soziales Engagement. Die gesamte Wertschöpfungskette der Freizeitwirtschaft unterliegt dabei der Dynamik der Digitalisierung. Vor allem für die Segmente Sport und Outdoor, Event-Tickets, Ferienwohnungen, Pauschalreisen, Hotels, Bahn- und Bustickets sind bedeutende Zuwächse zu erwarten. Und hier bietet die Bodenseeregion ein ideales Forschungsfeld da all diese Punkte gesamthaft wichtig für die Wirtschaft und damit die Menschen in der Region sind.

Inwiefern verändert sich die Freizeitwirtschaft durch die Digitalisierung? Welches sind die grossen Trends? Was ist bereits jetzt sichtbar?

Digitale Plattformgeschäftsmodelle haben insbesondere die Bereiche Tourismus (z.B. Airbnb, Holiday Check, Uber, Trip Advisor u.v.m.) und Events radikal verändert. Die Auswirkungen von erweiterten und virtuellen Realitäten (AR und VR) steht aber beispielsweise noch ganz am Anfang. Schätzungen gehen von enormen wirtschaftlichen Veränderungen aus.  Es bieten sich zahlreiche Innovationsmöglichkeiten und es öffnen sich ganz neue Geschäftsfelder. Es ist jetzt schon möglich Konzerte, Sportveranstaltungen, Museen usw. nicht nur physisch, sondern virtuell zu erleben. Das bedeutet für den Konsumenten, dass er «von daheim», und somit von überall auf der Welt, beispielsweise das Pfahlbaumuseum virtuell erkunden kann. Dies erschliesst völlig neue Zielgruppen und bietet enorme Einnahmepotenziale.

Sie planen auf der Basis des Projekts einen COST-Antrag zu stellen: was kann man sich darunter genau vorstellen?

COST ist eine Förderorganisation für Forschungs- und Innovationsnetzwerke. Die Organisation unterstützt pan-europäische Netzwerkbildung zu definierten Themen. Auf diese Weise wird ein gemeinsamer Austausch zwischen den Forschenden ermöglicht und die Koordination von Forschungsaktivitäten sowie die Verbreitung ihrer Ergebnisse verbessert. Außerdem legt COST Wert darauf, dass die Netzwerke sowohl jüngere Forschende als auch Forschende aus „Forschungs- und innovationsschwächeren“ europäischen Staaten gezielt einbeziehen. Es gilt also die Netzwerkaktivitäten zu bündeln und die PartnerInnen zusammenzubringen, um schlussendlich den COST Antrag einzureichen. Dabei gilt es PartnerInnen aus den Mitgliedstaaten zu akquirieren. Das können Universitäten sein, aber auch Unternehmen, NGO’s etc.

Wie werden Sie im Projekt konkret vorgehen?

Nach einem Kick-Off Meeting im Januar forscht jeder Projektpartner nach den jeweiligen Expertisen (Sport, Tourismus, Kultur, Soziologie) in den jeweiligen Bereichen um zentrale Themen zu identifizieren. Im Anschluss dient der Austausch mit Forschenden aus ganz Europa dazu neue, bisher unbekannte Erkenntnisse zu gewinnen, aber auch um gegenseitig Wissen auszutauschen. Dies geschieht u.a. durch den Austausch auf internationalen Konferenzen. Danach werden Praxispartner identifiziert die in diesem europäischen Themennetzwerk mitarbeiten möchten. Anschliessend werden die Ergebnisse zusammentragen, verdichtet und zu einem COST-Antrag formuliert. Das Projekt soll jedoch nicht allein mit der Einreichung des COST-Antrags enden, sondern auch mit der Verbreitung des gewonnenen Wissens an Forschende, die PraxispartnerInnen und an interessierte Unternehmen im generellen, sowie die Öffentlichkeit.

*Dieser Beitrag wurde am 05. März 2019 von der IBH publiziert und durfte mit freundlicher Genehmigung der IBH verwendet werden. Link zum Originalbeitrag: https://www.bodenseehochschule.org/neue-digitale-geschaeftsmodelle-fuer-die-freizeitwirtschaft-am-bodensee/

Smart Cities in der Schweiz – Ein Use Case-getriebener Ansatz

Von Dr. Manuel Holler

Neben den urbanen Metropolregionen in Asien und den Vereinigten Staaten stehen auch die Städte in der Schweiz vor der Herausforderung, eine Steigerung der Lebensqualität bei gleichzeitiger Ressourcenreduktion zu erreichen. Smart City-Konzepte, insbesondere die intelligente Vernetzung von Infrastruktur, stellen hierfür einen wichtigen Lösungsansatz dar. Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt hierzu eine Commercial-IoT-Plattform. Die Plattform ist dabei als Enabler anzusehen, so dass Unternehmen und Städte das Paradigma einer digital vernetzen physischen Welt realisieren können.

Konzept einer Smart City © Hivemind

Wenn es an die konkrete Umsetzung solcher Smart City-Konzepte geht, können grundsätzlich zwei Strategien unterschieden werden: Während einige Städte den Ansatz verfolgen, die technischen Grundlagen der Vernetzung sicherzustellen, zielen andere darauf ab, die Smart City mit konkreten, wertschöpfenden Anwendungsfällen zu initiieren. Besonders vor dem Hintergrund der notwendigen, schrittweisen Evolution hin zu ganzheitlich vernetzten Städten bietet sich besonders letzterer Ansatz an.

Gebündelt in der Initiative «Start Smart City» konnten so zusammen mit Partnern aus den Bereichen Sicherheit, Umwelt, Infrastruktur, Mobilität bereits erste Use Cases identifiziert und realisiert werden. Abbildung 2 zeigt den exemplarischen Smart City Use Case «Abfallentsorgung». Im Gegensatz zu einer traditionellen, periodischen Entleerung, sorgen die «Smart Connected Garbage Bins» für optimierte Abläufe.

Smart City Use Case „Abfallentsorgung“ © Start Smart City

Dennoch gilt es, die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse der Schweizer Städte noch besser zu verstehen. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt weitere Anwendungsfälle für Smart Cities in der Schweiz zu identifizieren und zu charakterisieren.

Der Gründer

Gründer Vikram-Bhatnagar © Hivemind

Vikram Bhatnagar (vik@hivemind.ch) ist Gründer und Geschäftsführer von «Hivemind» und «Start Smart City». Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt eine Commercial-IoT-Plattform. Die Initiative «Start Smart City» setzt sich für die intelligente Vernetzung der Schweizer Städte ein.

Salsa auf den Rollen – Wie Einkaufswagen digital werden

Online Shopping ist in aller Munde, trotzdem gibt es immer noch Läden, wo man seine Einkäufe physisch erledigt. Ein Beispiel sind die Lebensmittelläden. Wichtiges Element im stationären Handel ist der Einkaufswagen. Wohl kaum einer macht sich Gedanken über dieses Hilfsmittel. Aus diesem Grund war es Zeit bei einem Hersteller nachzufragen, was hinter den Einkaufswagen so alles steckt. Werner Reifler, Geschäftsführer und Managing Director/CEO bei Wanzl Schweiz, stand Rede und Antwort.

Herr Reifler, der Lebensmitteleinkauf wird nach wie vor gerne im Laden getätigt. Der Einkaufswagen ist ein selbstverständliches Hilfsmittel, was man gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Wanzl vertreibt schon seit frühester Firmengeschichte Einkaufswagen. Was ist das Besondere an diesem Produkt?

Wanzl hat früh erkannt, dass sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten in der Nachkriegszeit rasant veränderte und damit auch andere Shop Formate hervorbrachte. Daran hat sich Wanzl orientiert und den Einkaufswagen ständig neu konfiguriert. Mit verschiedenen Korbgrössen, Zusatzfunktionen wie Kleinartikelschalen, Taschenhaken, Harassen- & Petflaschenablagen oder auch der Digitalisierung gerecht werdenden Scannerhalter beispielsweise, hat sich Wanzl stets den neuen Bedürfnissen der Gesellschaft und der Technologie angepasst und als treibender Innovator entscheidende Akzente gesetzt. So unscheinbar und selbstverständlich der Einkaufswagen wahrgenommen und genutzt wird heute, trägt er dennoch entscheidend zu einem optimalen Einkaufserlebnis bei.

Heute steht die neuste Generation der Einkaufswagen erstmals im Shoppi Tivoli in Spreitenbach und ab Frühjahr bei OTTO’s im Einsatz. Der SALSA – ein ästhetisch designter leichter und funktionell ausgereifter Hybrid aus Kunststoffkorb und bewährtem Stahlaufbau lässt nicht nur ein komfortableres Manövrieren für den Konsumenten zu, sondern ermöglicht dem Detailhändler einen individuellen Auftritt durch eigene Farbgebung.

Salsa nicht auf dem Tanzparkett, sondern im Laden – Der moderne Wagen rollt an © Wanzl

Welche technischen Neuerungen gab es im Bereich Einkaufswagen? Können Sie Vorlieben oder regionale Unterschiede feststellen?

Zum einen ist sicher der Vormarsch der hybriden Form von Kunststoff und Metall und zum anderen sind es die neuen Technologien. Wir sind heute im Rahmen der Produktivitätsunterstützung soweit, dass wir die Einkaufswagen durch RFID Technologie ausgestattet identifizieren können. Dies lässt das Überwachen von Beständen zu und ermöglicht dem Shop ein effizientes Trolley-Management. Auch bieten wir heute für das Smartphone-Zeitalter zusätzliche Möglichkeiten zur Halterung der Geräte als einfachen elektronischen Einkaufszettel. Etwas futuristisch mag im Moment noch die Thematik um integrierte Scann-Module am Einkaufswagen erscheinen. Aber Technologie und Know-How ist vorhanden um auch hierbei einen weiteren innovativen Schub zur Optimierung des Einkaufens beitragen zu können.

Wanzl hat diverse Modelle im Angebot, unter anderem spezielle Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer oder Senioren. Gibt es bald personalisierbare Einkaufswagen (z.B. höhenverstellbar, wechselnde Farben etc.)?

Wanzl treibt die Innovationen als Weltmarktführer voran und verschliesst sich keiner Möglichkeit. Dabei spielen für die «Marktakzeptanz» aber viele Faktoren mit. Wozu ist der Detailhandel bereit? Welchen Zusatznutzen soll und kann mit welchem Feature tatsächlich geboten werden?

Wie schätzen Sie den Einkaufswagen als Marketinginstrument für den Handel ein? Wie wichtig sind die Einkaufswagen auch heute noch und wie könnte man sie noch besser nutzen?

Wie erwähnt wird der Einkaufswagen als sehr selbstverständlich angesehen. Ein Hygienefaktor beim Einkaufen, der einfach funktionieren soll. Wahrgenommen wird der Einkaufswagen bis heute in der Regel nur, wenn er nicht funktioniert, nicht richtig rollt oder defekt und schmutzig ist. Mit den neuen Entwicklungen und bewährt hohem Qualitätsstandard erfüllt der Einkaufswagen von Wanzl seit je her diese Ansprüche zu 100 Prozent und bietet mit dem SALSA nun auch ein Alleinstellungsmerkmal für den jeweiligen Detailhändler. Wanzl – Connect ermöglicht zudem heute schon das Tracken der Einkaufswagen. Sei es im Bestandescontrolling oder auch bei der «Verfolgbarkeit» der Wagen. Für den Markt können so bedeutende Erkenntnisse zeitverzugslos gewonnen werden, z.B. wo und wie lange sich jeder einzelne Wagen aufgehalten, oder welche Wege er genommen hat, ohne datenschutzrechliche Themen anzuschneiden. Für den Konsumenten sind die mechanischen Zusatzfunktionen für ganz individuelle Bedürfnisse ein PLUS beim Einkaufen. AGV’s (automated guided vehicle) oder selbstscannende Einkaufswagen können weitere Stufen der Innovation für Handel und Konsument bedeuten.

Der unscheinbare Einkaufswagen hat diverse digitale Funktionen © Wanzl

Wanzl hat eine riesige Produktpalette und beliefert verschiedene Branchen. Können Sie uns kurz erklären, wie das Unternehmen aufgestellt ist und wie das B2B Geschäft ausgestaltet ist?

Wanzl ist im Detailhandel gross geworden und Weltmarktführer bei den Einkaufswagen. Diesen Geschäftsbereich – unser Retail System – pflegen wir ganz besonders mit unseren langjährigen Partnern weltweit. Wir verstehen uns aber als Gesamtlösungsanbieter. Wonach wir auch die Ladengestaltung mit unserer Shopsolutionsabteilung unterstützen und auch ganze Shops anbieten. Zudem sind die logistischen Prozesse unserer Kunden ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmung. Darin bieten wir mit unseren Produkten aus Standard und durch individuelle Lösungen eine passende Unterstützung zur Optimierung der Logistikprozesse unserer Kunden. Zutrittskontrollen und Warensicherung in Verwaltungs- und/oder Werksgeländen sind ein immer bedeutender Part auf dem Markt und wir stellen auch hierzu aus unserem Geschäftsbereich Accesssolutions massgeschneiderte Lösungen an. Von einfachen Schwenktüren, über elektrisch angetriebene bis biometrisch gesteuerte und ästhetisch anmutende Gates.

Unter den Geschäftsbereichen Hotelservice und Airport bieten wir im Rahmen der Gäste- und Passagierbewirtschaftung weitere spezifische Produkte an. Alle unsere Geschäftsbereiche aber funktionieren übergreifend und wir bieten als Gesamtanbieter unseren Kunden zu allen Fragestellungen aus unseren Portfolio entsprechende Produkte und Lösungen an.

Das Logo von Wanzl © Wanzl

Wie betreibt Wanzl selbst das Marketing? Wie kommen Sie zu Ihren Kunden?

Nebst den gängigen Marketinginstrumenten, die wir im B2B Umfeld anwenden, setzen wir sehr stark auf persönliche Kontakte. Insbesondere bei Projektgeschäften.

Im traditionellen Einkaufswagenmarkt oder Produktverkauf bauen wir auf unsere langjährigen Kundenbeziehungen und pflegen bewusst unser Qualitätsverständnis von Produkt und Dienstleistung. Im ganzen Bereich der Shop Solutions – also alles was der Detailhändler braucht- präsentieren wir uns und unsere Innovationen jeweils an der Euro-Shop in Düsseldorf, an der Wanzl als feste Grösse und Innovator seit Jahrzehnten teilnimmt. In den Geschäftsfeldern Hotel, Access und Logistik setzen wir einerseits auf Messen sowie auch Reportagen in Fachzeitschriften und vereinzelt gezielte Mailings. Letzten Endes aber sehen wir in unserem Markt ein «Face to Face Business», indem Vertrauen und Zuverlässigkeit mit ein grosser Bestandteil in der Entscheidungsfindung sind.

Wanzl ist eine Traditionsfirma mit hohen Qualitätsansprüchen. Wie sehen Sie die Bedrohung durch Konkurrenzprodukte, allenfalls sogar aus dem asiatischen Raum?

Allgegenwärtig! Und je länger je mehr. Das ist der Lauf der Zeit sowie der anhaltenden Globalisierung und Liberalisierung des Marktes. Wir stellen uns dieser Herausforderung mit unserer bislang unübertroffenen Qualität, sowie einem sehr kundennahen, zuverlässigen und kompetenten Kundenservice von der Beratung bis hin zu den Serviceleistungen. Unsere Dienstleistungsbereitschaft, unser Know-How und unsere geographische Nähe wird von unserer Kundschaft sehr geschätzt und durchaus in der Gesamtbetrachtung ihrer Investition berücksichtigt auch wenn, oder erst recht, weil der Kostendruck auch bei ihnen fortlaufend ein Thema ist.

Auf der Wanzl Webseite gibt es nicht nur Informationen zu den Produkten, sondern auch aufwendig erarbeitetes Content Marketing. Wie wichtig sind neben Produktinformationen auch Geschichten und Emotionen?

In einer wohlständigen Konsumgesellschaft mit hohem Individualisierungsdrang ist es von grosser Bedeutung den Anwender nicht nur auf der funktionellen Seite abholen zu können, sondern seinen «Wissensdurst» nach dem «Wie und Woher» stillen zu können. Nicht mit Phrasen und Werbesprüchen, sondern mit echten Geschichten ein Produkt erklären, welches sonst doch recht «unspektakulär» erscheinend an Wert gewinnen kann und den Anwender und Käufer zu einer gesamthaften Betrachtung seiner Beschaffung anregt.

Zum Schluss, wenn Sie für sich einen Einkaufswagen kreieren dürften, wie würde dieser aussehen?

Unser SALSA trifft den Zeitgeist punktgenau. Eine innovative Erscheinung mit Individualisierungsmomenten und technisch ausgereift für die Bedürfnisse der heutigen und auch künftigen Konsumenten.

Der modernste Wagen, der Innovation und Technik vereint © Wanzl

https://www.wanzl.com/de_CH/

Der Product Management 4.0 Strategietag: Empowering Digital Value Creation!

Von Prof. Dr. Rainer Fuchs

Was macht die Digitale Transformation aus dem Product Management? Diese Frage, die seit letztem Jahr auch schon lebhaft in der Swiss Product Management Community, einer geschlossenen LinkedIn Gruppe von Schweizer Product Managern diskutiert wird, zog vergangene Woche 280 Interessierte an die ZHAW School of Management and Law nach Winterthur. Fazit: Es gibt viel zu tun – packen wir es an!

Die Digitalisierung macht auch vor dem Product Management nicht halt: Produkte werden smart und connected und sammeln Daten über ihren gesamten Lebenszyklus – der Digitale Zwilling des physischen Produktes kann entstehen. Doch wie erzeugt man diesen, ohne im Big Data Lake zu ertrinken? Wie entwickelt man damit systematisch neue, produktdatenbasierte Ertrags- und Geschäftsmodelle? Und: Was hat das für mich, den Product Manager, für Konsequenzen? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen muss ich aufbauen, welche Methoden und Tools erlernen? Diese Fragen treiben offensichtlich so viele Product Manager um, dass die Tickets für den Product Management 4.0 Strategietag bereits einen Monat vor der Veranstaltung ausverkauft waren.

Grosses Interesse Strategietag für Product Manager © ZHAW Andjela Bulatovic

Antworten zu diesen Fragen wurden in zahlreichen über den Tag verteilten Keynotes aus Wissenschaft und Praxis gesucht. Mittels der Konferenz-App konnten die Teilnehmer zudem ihre Interessen mit denen anderer Teilnehmer abgleichen und Speed-Dating ähnliche Networking-Sessions mit gleichgesinnten vereinbaren. Wem häufig wechselnde Gesprächspartner nicht lagen, hatte die Möglichkeit in interaktiven Workshops mit einer grösseren Zahl von Kollegen neue Methoden zu testen und innovative Ansätze für den Hausgebrauch in den Rucksack zu packen.

Speed Dating mal anders. Die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen. © ZHAW Andjela Bulatovic

Besonders intensiv wurde diskutiert, wie Product Manager sich fit für die Zukunft machen können. Das Product Management Center der ZHAW hat hierzu am Strategietag ein PM 4.0 Self Assessment vorgestellt, mit dem sich Interessierte hinsichtlich ihrer aktuellen Fähigkeiten für das digitale Product Management testen können. Das Self-Assessment ist immer noch online:

Der Test basiert auf einer Arbeit des Product Management Councils, der im Sommer 2018 ins Leben gerufen wurde. 30 Vertreter aus 15 renommierten Schweizer Unternehmen erarbeiteten in diesem Rahmen ein Reifegradmodell für den PM 4.0. Es gibt Hinweise darauf, welche Themen, Methoden und Tools ein Product Manager sich schrittweise erarbeiten kann, um die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben und zum Digital Business Driver zu werden. Die Ergebnisse des Product Management Councils flossen bereits in einen Weiterbildungskurs der ZHAW ein: Den CAS Digital Product Management. Als um 18.30 Uhr nach einem sehr intensiven, informationsdichten Tag das Fazit der Veranstaltung gezogen wurde, war klar: «Wir wissen, wie wichtig der Beitrag des Produktmanagements zur Digitalisierung der Unternehmen und damit zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist, wir sind aber noch nicht am Ziel angelangt. Aber wir wissen was zu tun ist und bleiben dran!»

Prof. Dr. Rainer Fuchs

Rainer Fuchs ist Professor für Product Management an der ZHAW und leitet das Product Management Center. Ursprünglich Physiker mit einem Dr. in Ingenieurswissenschaften und einem Master in Industrial Management, forscht er heute im Themenbereich von Smart Connected Products und teilt diese Erkenntnisse mit Studierenden in Bachelor, Master- und Weiterbildungsstudiengängen wie dem MAS Product Management und dem CAS Digital Product Management.

Keine digitalisierten Emotionen im Brautmodenbusiness

Trotz Digitalisierungsdruck, eine Branche setzt noch immer auf direkten Kundenkontakt und dies betrifft vor allem die Brautmode. Ein Kleid auf der Internetseite zu sehen ist eine Sache, es dann anzuprobieren allenfalls eine ganz andere. Die Fernsehsendung „Zwischen Tüll und Tränen“ auf VOX präsentiert die ganze Woche hindurch Brautläden. Eine der Beraterinnen ist Meike Buschening-Kaffenberger. Wir konnten mit ihr durch die Tüllschichten schauen und erfuhren, welche Rolle das Marketing hier spielt.

Frau Buschening-Kaffenberger Sie betreiben zwei erfolgreiche Brautläden. Können Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang sagen und warum Sie schlussendlich bei der Brautmode gelandet sind?

Ursprünglich komme ich aus der 5* Hotellerie und bin Deutschlands jüngste Guest-Relation-Managerin gewesen. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass die Bereitschaft und der Wille „Dienst zu leisten“ unabdingbar für jeglichen beruflichen Erfolg ist.

Mit meinen Qualifikationen und Erfahrungen aus der Hotellerie habe ich mich dann im Eventbereich und der VIP-Betreuung selbstständig gemacht. Die VIP-Betreuung war mit einer enorm hohen Reisetätigkeit verbunden, was aber aufgrund meiner damals bevorstehenden Heirat und Familienplanung nicht mehr vereinbar gewesen wäre. Deshalb war ich auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung.

Auf der Suche nach einem Brautkleid für meine eigene Hochzeit habe ich erst ein Kleid für die kirchliche Trauung, dann noch ein zweites Kleid für das Standesamt und danach den ganzen Brautladen gekauft. Mein Ziel war es, die Dinge mal anders zu machen. Meine Aufgabe im Hotel ist es gewesen, den Gästen von der Anreise bis zur Abreise einen möglichst angenehmen, entspannten und stressfreien Aufenthalt zu ermöglichen. Diesen Gedanken habe ich einfach auf mein Brautmodengeschäft übertragen: Die Braut vom Kauf des Brautkleides bis zum Tag ihrer Hochzeit mit einem perfekten Rund-um-Service zu begleiten.

Meike Buschening-Kaffenberger betreibt erfolgreich Brautläden und setzt auf eine professionelle Beratung © Meike Buschening-Kaffenberger

Sie haben einen individuellen Stil, der sich von anderen Beratungen abhebt. Welche Prinzipien in der Kundenbetreuung verfolgen Sie und welche Rolle spielt die Ehrlichkeit in einer Beratung?

Vertrauen und Ehrlichkeit sind für mich die zentralen Elemente in der Beratung. Die Braut sollte bereit sein, mir ihr Vertrauen zu schenken. Denn mein Ziel ist es, dass die Braut an ihrer Hochzeit einen besonders strahlenden Auftritt und somit einen unvergesslichen Tag in ihrem Leben hat. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen, Kompetenz und Kenntnisse im Bereich der Brautkleider ist es mir fast immer möglich, ein passendes Brautkleid für jeden Typ von Braut zu finden. Nur wenn ich ehrlich von dem Brautkleid überzeugt bin, kann ich es der Braut verkaufen. Denn eine glückliche und besonders strahlende Braut am Tag ihrer Hochzeit ist eine wandelnde Visitenkarte für uns. Das ist dann die beste Empfehlung für meine Brautmodengeschäfte.

Moderne Bräute informieren sich im Vorfeld im Internet. Wie wichtig ist die physische Beratung im Geschäft und was halten Sie von Beratungspauschalen?

Eine Braut muss „ihr“ Brautkleid spüren und fühlen. Das kann das Internet nicht ersetzen und deshalb wird die physische Beratung in einem Fachgeschäft niemals zu ersetzen sein. Ausserdem entscheiden sich am Ende 80% der Bräute für ein Kleid, welches sie vorher gar nicht in ihren Gedanken hatten. Wie bei allem gibt es auch bei einer Beratungspauschale oder -gebühr Argumente dafür und dagegen. Wenn Bräute die Beratung in den Fachgeschäften nutzen, um danach dann ihr Kleid im Internet suchen, ist es für mich nachvollziehbar, dass Brautmodengeschäfte eine Beratungsgebühr verlangen. Auf der anderen Seite kann eine Beratungspauschale auch dazu führen, dass die Braut in diesem Geschäft sich aufgrund der Höhe der Beratungskosten für ein Kleid entscheidet, welches vielleicht nicht zu 100% „ihr“ Brautkleid ist.

Deshalb gehe ich hier einen Mittelweg. Die erste Beratung ist in meinen Geschäften kostenfrei. Entscheidet sich die Braut am Ende der Beratung für kein Kleid und kommt später noch mal zu einem zweiten Termin, dann berechne ich eine Beratungsgebühr. Diese wird selbstverständlich bei Kauf eines Kleides dann mit dem Kaufpreis verrechnet. Ich denke dieser Modus ist für beiden Seiten eine faire Vorgehensweise.

In der Fernsehsendung „Zwischen Tüll und Tränen“ auf VOX werden Sie regelmässig bei Brautberatungen begleitet. Wie sehen Sie die Bedeutung dieses Fernsehformats und wird hier tatsächlich die Realität abgebildet?

Grundsätzlich bringt das Format Zwischen Tüll und Tränen fünf Tage die Woche für eine Stunde emotionale und glückliche Momente zu den Zuschauern nach Hause. Das steht im Gegensatz zu den zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Themen, die zurzeit öffentlich in den Medien diskutiert werden.

Im Speziellen lernen die Zuschauer durch die grosse Anzahl an Bräuten und die verschiedenen Brautmodengeschäften die ganze Vielfalt an unterschiedlichen Situationen und Beratungsstilen kennen. Meine Erfahrungen ist, dass Bräute schon über den Bildschirm vorab ein grosses Vertrauen zu mir aufbauen.

„Wir erzählen Menschen“, das ist das Credo der Produktionsfirma 99pro media AG und bei dem Format Zwischen Tüll und Tränen gibt es kein Drehbuch, kein Skript und keine Regieanweisungen.

Alle Bräute sind „real brides“, die auf der Suche nach ihrem Brautkleid sind. Es wird die Realität 1:1 abgebildet. Manchmal sind Kundinnen erstaunt, dass ich in der Realität ja genauso bin wie im Fernsehen. Warum sollte ich auch anders sein? Ich bin ja keine Schauspielerin, sondern eine Brautmodenfachverkäuferin, die bei ihrer Berufung von der TV-Kamera begleitet wird.

Wie wichtig ist die Sendung als Marketinginstrument? Konnten Sie dadurch neue Kundinnen gewinnen?

Die Sendung hat sicherlich den Bekanntheitsgrad meiner Geschäfte und von mir gesteigert. Da ich aber vor der Sendung schon über 13 Jahre erfolgreich meine Brautmodengeschäfte geführt habe und bereits in der Branche bekannt bin, ist die Wirkung als Marketinginstrument sicherlich nicht so stark, wie bei Geschäften, die erst vor kurzem eröffnet haben. Was heute für mich immer noch schwer greifbar ist, ist die Reichweite des Mediums TV. So haben wir mittlerweile nicht nur Bräute aus dem gesamten Bundesgebiet, sondern Bräute nehmen den weiten Weg aus Österreich oder der Schweiz auf sich, um ein Brautkleid bei mir in Frankfurt zu finden. Letztes Wochenende hatten wir sogar eine Kundin aus Kanada.

Kunden aus aller Welt in den Brautläden © Meike Buschening-Kaffenberger

Die Sendung bietet sicher viele positive Aspekte, auf der anderen Seite bietet das entsprechende Facebook Profil auch eine Plattform für Meinungsäusserungen aller Art – auch negative. Sie werden oft für Ihre Beratungen gelobt, manchmal gehen die Kommentare aber auch in die andere Richtung. Persönliche Kritik und Angriffe bleiben nicht aus. Wie gehen Sie damit um, wenn einige der Kommentarschreiber nicht mehr sachlich sind?

Meiner Meinung nach geht es in der Sendung in erster Linie um die Braut, ihr Brautkleid und die Beratung. Jede Brautmodenverkäuferin hat ihre eigene Persönlichkeit und Beratungsphilosophie. Darüber darf gerne auch mal kritisch, aber immer sachlich diskutiert werden. Kritik oder Angriffe, die unter der Gürtellinie sind, treffen natürlich einen immer persönlich. Die Diskussion in den sozialen Netzwerken z.B. ob ich Frau, Mann oder „umgebaut“ bin, ist ziemlich unpassend gewesen. Hier habe ich dann öffentlich und direkt zu den entsprechenden Kommentaren meine Meinung sachlich und höflich geschrieben. Die Unterstützung von den mehrheitlich positiven Kommentarschreibern hat mir in dieser Situation auch sehr geholfen. Es scheint, der richtige Weg gewesen zu sein. Ausserdem halte ich mir immer das Verhältnis von böswilligen Kommentarschreibern zu glücklichen Zuschauern vors Auge. Mathematik ist nicht unbedingt meine Stärke, aber ich glaube, da bewegen wir uns schon im verschwindend geringen Promille-Bereich.

Wie sehen Sie die zukünftigen Entwicklungen im Brautmodenbereich? Müssen auch hier Prozesse vermehrt digitalisiert werden und kann ich irgendwann mein ganz individuelles Brautkleid aus dem 3D-Drucker bestellen?

Sicherlich macht die Digitalisierung auch vor der Brautmodenbranche nicht halt. Dies gilt meiner Meinung nach aber für Prozesse, die im Hintergrund ablaufen. Das passende Brautkleid zu finden, ist für Frauen einer der emotionalsten Momente in ihrem Leben. Auch wenn es immer wieder entsprechende Versuche gibt, bin ich der Meinung, dass Emotionen nicht programmierbar sind und nicht digitalisiert werden können. Deshalb wird es immer das besondere Erlebnis und diesen magischen Moment in einem Brautmodengeschäft geben, wenn die Braut „JA“ zu ihrem Brautkleid sagt.

Zum Schluss, wenn Sie selbst noch einmal ein Brautkleid für sich auswählen dürften, wie würde das aussehen?

Ein Brautkleid für mich würde ich immer wieder genauso auswählen, wie ich es zu meiner Hochzeit im September 2005 getragen habe. Ein Kleid aus festen Stoffen in Ivory mit Farbakzenten in Rosé und ein wenig Bestickung.

Die Brautberaterin mit ihrem Hochzeitskleid © Meike Buschening-Kaffenberger

https://www.brautladen-frankfurt.de

https://www.facebook.com/brautladen

https://www.tvnow.ch/shows/zwischen-tuell-und-traenen-9041

Die nächsten Sendetermine mit Meike Buschening-Kaffenberger bei „Zwischen Tüll und Tränen“ sind voraussichtlich der 18.02.19 und 25.02.19.

Mit Online-Finanzplanungstool zur individuellen Planung der Finanzen

Die Finanzbranche ist durch die Digitalisierung grossen Veränderungen ausgesetzt. Viele Finanzinstitute reagieren auf diese Entwicklung oft mit Massnahmen, welche sich auf einzelne Schnittstellen beschränken. Anders die Braingroup: gemeinsam mit dem Institut für Wealth und Asset Management und dem Institut für Marketing Management der ZHAW verfolgt das FinTech-Unternehmen einen gesamtheitlichen Prozess, um die Interaktion mit ihrem Finanzplanungstool zu transformieren.

Die Braingroup ist ein FinTech-Unternehmen aus Zürich, welches Banken und Versicherungen bei der digitalen Transformation von Beratungs- und Verkaufsprozessen unterstützt.

Bereits in der Vergangenheit, hat die Braingroup diverse Finanzplanungstools entwickelt, welche primär für die Bedienung durch einen Experten konzipiert wurden. Die Braingroup wollte nun das Bedürfnis von Retail-Kunden nach einem Online-Finanzplanungstool, in welchem die Finanzen individuell geplant werden können, erfüllen.

Wie auf untenstehender Abbildung dargestellt, soll der Retail-Kunde durch das Finanzplanungstool «Omnium Planify» befähigt werden, seine Finanzen über mehrere Lebensabschnitte zu verwalten. Verschiedene Online-Rechner und Informationen zu Finanzthemen ermöglichen es dem Anwender, eigene Finanzen weitgehend selbstständig zu planen. Die Unterstützung durch Experten erfolgt dann dort, wo komplexe Fragestellungen dediziertes Fachwissen verlangen.

Das Finanzplanungstool «Omnium Planify» vereinfacht die Verwaltung eigener Finanzen © ZHAW/ Braingroup

Zusammenarbeit mit der ZHAW

Um herauszufinden, wie «Omnium Planify» für Retail-Kunden aufgebaut werden und einen Mehrwert erzielen kann, wurden Experten des Institutes für Wealth and Asset Management sowie des Instituts für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law herangezogen. Die ZHAW unterstützte Braingroup mit empirischer Nutzerforschung und bei der Erarbeitung und dem Testen der Anwender-Oberfläche. Unterstützt wurde das Projekt weiter auch durch die eidgenössische Innovationsförderung «Innosuisse» und zwei Praxispartnern, der SwissLife und der Berner Kantonalbank.

Mittels Design Thinking zum Prototypen

Durch Desk-Research, repräsentative Umfragen und Tiefeninterviews mit der Zielgruppe gewann man Erkenntnis darüber, welche Lebensereignisse für die Finanzplanung relevant sind und bei welchen Planungsschritten die Anwender Hilfe benötigen. Die Erkenntnisse wurden in einem «Live-Event-Modell» zusammengefasst. In einer für die Deutschschweiz repräsentativen Umfrage konnte herausgefunden werden, dass 62% der Befragten für finanzielle Sicherheit und 56% für Ferien sparen. Um Nutzer möglichst schnell in die Finanzplanung einzuführen, wurden diese Ereignisse als Einstieg in die Finanzplanung gewählt.

Erkenntnisse aus repräsentativer Umfrage © ZHAW/ Braingroup

Mithilfe der ausgewerteten Resultate aus den ersten Phasen wurden Prototypen mittels Design Thinking in iterativen Design- und Test-Zyklen für das Finanzplanungstool erstellt. Aus diesen Zyklen ist nun ein grafischer Prototyp entstanden, welcher durch die Entwickler von Braingroup programmiert wird.

Spartipps für den Alltag

Während den empirischen Untersuchungen wurde das Bedürfnis nach Spartipps und finanziellen Hilfestellungen identifiziert und für die Online-Finanzplanung aufbereitet. An einigen dieser Spartipps möchten wir Sie natürlich teilhaben lassen:

  • Haben Sie mehrere Konten für verschiedene Sparziele (z.B. Steuern oder Ferien) eröffnet?
  • Sie können dadurch Ihre Selbstkontrolle erhöhen. Nutzen Sie die Sparkonten (ausser in Notfällen) nur für den bestimmten Zweck.
  • Haben Sie sich in letzter Zeit einen Überblick über Ihre diversen Abos verschafft? Ein Überblick kann aufzeigen, welche Abos inzwischen nicht mehr relevant sind. Kündigen Sie nicht genutzte Abos, da diese wiederkehrende Kosten verursachen.
  • Haben Sie einen genauen Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben und ein Budget erstellt? Es gibt online wie auch offline diverse Stellen, welche Sie bei der Erstellung eines Budgets unterstützen. Sie finden auf verschiedenen Websites (Budgetberatung: http://www.budgetberatung.ch; Schuldenberatung Kanton Zürich: www.schulden-zh.ch) Beispielbudgets, detaillierte Spartipps und weitere nützliche Informationen.

Zusammenarbeit mit der ZHAW

Möchten auch Sie den durch die Digitalisierung veränderten Ansprüchen Ihrer Zielgruppe gerecht werden und Ihr Geschäftsmodell erweitern oder gar verändern? Die Zusammenarbeit mit der ZHAW ermöglicht Ihnen, mittels aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen die Herausforderungen in der Praxis zu meistern.

Rafael Domeisen und Selina Grimm, beide Mitarbeiter der ZHAW, nehmen sich gerne Zeit, um mit Ihnen über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu sprechen.

Neue Geschäftsmodelle als Enabler neuer Geschäftsmodelle: Das Beispiel Airbnb und Airhosted

Von Manuel Holler

Mit dem Erscheinen von Airbnb auf der Bildfläche des Übernachtungsgewerbes ging ein Ruck durch die Branche. Der Marktplatz für die Vermittlung von privaten Wohnungen veränderte zum einen das klassische Hotelgeschäft, zum anderen aber auch das Reiseverhalten einer ganzen Generation in tiefgreifender Art und Weise. Wie sich Airbnb in seinem mittlerweile zehnjährigen Bestehen nicht nur als erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert hat, sondern auch als Enabler neuer Geschäftsmodelle fungiert, zeigt das Beispiel des Start-Ups Airhosted aus Zürich.

Sorgenfreies Airbnb Hosting © Airhosted

Airhosted betreibt seit einem Jahr erfolgreich einen Airbnb-Management Service in Zürich und hat hierbei auch die erste Home Sharing-Versicherung in Kooperation mit der Allianz Suisse lanciert. Bei Airhosted werden alle Dienstleistungen übernommen, welche bei Airbnb anfallen: Von der korrekten Vermarktung und Bilderstellung der Wohnung, Preisoptimierung, Gästekommunikation, Schlüsselübergabe bis hin zur Reinigung der Wohnung nach dem Gästeaufenthalt.

Hauptsächlich kümmert sich Airhosted dabei um private Kunden, welche eine ungenutzte Wohnung haben und mittels Kurzzeitvermietung zusätzliches Einkommen erzielen wollen. Dank dem Service können jene schnell und unkompliziert ihre Wohnung vermitteln und die eigenen Mietausgaben decken. Aus Geschäftsmodellsicht findet dabei ein Revenue Sharing-Konzept Anwendung. Je nach Umfang der erbrachten Dienstleistungen tritt der Wohnungsanbieter einen Anteil seines erwirtschafteten Umsatzes an Airhosted ab.

Airbnb-Management Services von © Airhosted

Auch für die Zukunft plant Airhosted, weiter auf dem Ökosystem von Airbnb aufzubauen. In einem nächsten Schritt soll in einer Portfolioerweiterung das Potential hinsichtlich des wachsenden Wohnungsleerstandes der Schweiz erschlossen werden. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt einen schlanken Prozess zu definieren, mit dem Wohnungsleerstand identifiziert und genutzt werden kann.

Ansprechpartner

Simon Ruckstuhl                                    Lukas Wartmann

Simon Ruckstuhl (simon@airhosted.ch) und Lukas Wartmann (lukas@airhosted.ch) sind Co-Founder der Airhosted GmbH. Airhosted ist ein professioneller Airbnb-Management Service aus Zürich und die erste Anlaufstelle für Kurzzeitvermietungen.