Startup Night in Winterthur: Spannender Austausch und interessante Ansätze

Von Dana Müller

Vor einiger Zeit fand in Winterthur die erste Startup Night statt. Das Technikum öffnete die Türen und lud ein, sich einen Einblick von Innovationen und Produkten von vielen Startups zu verschaffen. In Winterthur und Umgebung entstanden in den letzten 15 Jahren über 100 Startups, so erstaunt es kaum, dass der Anlass der Startup Night auf grossen Anklang stiess. Besucher konnten dank Workshops, Vorträgen und Informationsständen verschiedene Eindrücke gewinnen und direkte Kontakte mit den Gründern der Startups knüpfen.

Ideen durch einen Prototyp erlebbar machen

Auch das Institut für Marketing Management war durch Dr. Michael Klaas vertreten. Er gestaltete einen spannenden Workshop zum Thema «Prototyping als Teil des kundenorientierten Designs».

Prototyping kann für Startups einen hohen Stellenwert haben. Als Vorversion von Produkten, ermöglichen Prototypen eine Funktion oder ein Erlebnis zu testen. Dies kann Investoren, oder zukünftigen Kunden helfen, das Produkt besser zu verstehen. Doch bevor ein Prototyp erstellt wird, muss das Bedürfnis definiert werden. Anhand von praktischen Beispielen erklärte Dr. Michael Klaas, was es heisst ein Kundenbedürfnis richtig zu verstehen.

Oft liegt genau da die Schwierigkeit – im Definieren und Artikulieren von Bedürfnissen. Ideen müssen erlebbar, ja greifbar gemacht werden, Prototypen setzen genau da ein. In einem kreativen und mehrdeutigen Prozess können Ideen und einfache Prototypen erstellt werden. Diese werden direkt getestet z.B. durch Befragungen von Freunden, der Familie oder auf der Strasse. Dank dem gewonnenen Feedback, wird der Kunde immer besser verstanden und der Prototyp erneut angepasst. Dieser Prozess wiederholt sich bis der Prototyp alle Kundenbedürfnisse abdecken kann und somit zum finalen Prototyp wird.

Dr. Michael Klaas an der Startup Night (c) Startup Night

Innovation heisst auch Risiken eingehen. Beim Ideen sammeln und Prototypen entwickeln, wird mit verschiedenen Techniken gearbeitet. Papier, Post-it und Karton sind ausgezeichnete Materialien um Prototypen zu basteln. Im Design Thinking nutzt man unterschiedliche Arten von Prototypen um den kreativen Entstehungsprozess zu bereichern. Prototypen müssen nicht perfekt sein – sie sind dazu da, die Funktionen eines Produktes zu definieren und werden durch exploratives, experimentelles oder evolutionäres Prototyping entwickelt. Um das Gelernte zu verinnerlichen, hatten die Workshop Teilnehmer den Auftrag in Gruppen einen Papierflieger mit der linken Hand zu basteln. Das Ergebnis nebst kindlichen, innovativen und kaum zu erkennenden Papierfliegern, war eine heitere und lockere Stimmung im Raum, die es vereinfachte die anderen Workshop Teilnehmer kennenzulernen.

Workshop Teilnehmer an der Startup Night (c) Startup Night

http://www.startup-night.ch/

Das «Wallet Project» – eine Einführung ins Design Thinking im Schnellwaschgang

Workshop_Walletproject_kleinWie lassen sich für die Lösung drängender Probleme leichter Ideen entwickeln? Möglicherweise mit dem kreativen «Design Thinking» Ansatz. Dieser wurde in den 1990er Jahren von der U.S-amerikanischen Innovationsberatungs-Agentur IDEO entwickelt. Design Thinking ist weniger eine einzelne Methode oder ein genau vorab festgelegtes Vorgehen, als vielmehr eine Denk- und Arbeitsweise, die auf drei gleichwertigen Grundprinzipien beruht:

  1. Team – Gruppen lösen Probleme kreativer und effizienter, wenn sie aus Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammengesetzt sind.
  2. Prozess – Lösungsansätze werden konsequent an den Bedürfnissen und Motivationen der Nutzer ausgerichtet. Sie werden zudem bei der schrittweisen Ausarbeitung in mehreren Zyklen gestaltet und getestet.
  3. Raum – Ein Umfeld, das Kreativität fördert, erleichtert es Gruppen, Lösungsansätze zu entwickeln.

Diese Grundprinzipien klingen ebenso eingängig wie theoretisch. Wie kann man daher einem interessierten Publikum den Wert und die Wirkung von Design Thinking anschaulich vermitteln?

Hier bietet sich das «Wallet Project» an – ein pfannenfertig ausgearbeitetes Workshop-Konzept inklusive Arbeitsmaterialien vom Hasso Plattner Institute of Design at Stanford. Es wird von ihm in mehreren Sprachen kostenlos zur Verfügung gestellt und unterliegt der «Creative Commons»-Lizenz vom Typ «by-nc-sa». Unter dieser Lizenz muss der Name des Urhebers genannt werden, das Werk darf nicht kommerziell verwendet werden und muss nach Veränderungen unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden.

Die Dokumentation zum Wallet Project trägt den Titel «Eine Einführung in Design Thinking in einer Stunde» und zielt darauf ab, die Prinzipien des Design Thinking durch Selbsterfahrung zu vermitteln. Die Teilnehmer werden dazu in 2er-Teams aufgeteilt. In einer Serie von Übungen gestalten sie gemäss den Prinzipien des Design Thinking eine verbesserte, alltagstaugliche Geldbörse für den jeweiligen Teampartner. Dazu müssen die Teilnehmer unter strengen Zeitvorgaben:

  • mehr über den späteren Nutzer der Geldbörse (den anderen Teampartner) heraus finden
  • aufgrund dieser Erkenntnisse eine Reihe von Designvorschlägen entwickeln
  • die Designvorschläge dem Teampartner präsentieren und durch ihn bewerten lassen
  • das Feedback in ein optimiertes Design einfliessen lassen und erneut testen, und schliesslich
  • die eigene Vorgehensweise zusammen mit dem Teampartner reflektieren

Ein Wallet Project Workshop ist zeitlich sehr eng getaktet: Die Übungen gehen aus den Augen der Teilnehmer mit minimalen Instruktionen des Moderators ineinander über. Da die Selbsterfahrung und das praktische Erleben betont werden, gibt es nur am Ende des Workshops eine kurze gemeinsame Reflexions- und Diskussionsphase.

Im Weiterbildungsunterricht ist das «Wallet Project» eine hervorragende Grundlage, um interessierten Teilnehmern einen schnellen und vielschichtigen Einblick in die Welt des Design Thinking zu vermitteln. Die Teilnehmer können sehr anschaulich den Zweck und die Vorgehensweise der einzelnen Gestaltungsschritte erleben.

Zu Recht wurde allerdings bereits von einzelnen Teilnehmern kritisiert, dass das Grundprinzip «Team» – d.h. die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Disziplinen – bei dieser Einführung zu kurz kommt. Zum einen sind dafür die 2er-Teams zu klein, zum anderen findet bei den Übungen immer wieder ein Rollentausch zwischen «Designer» und «Nutzer» statt, aber nie ein gemeinsames Gestalten.

Trotz dieser Schwäche vermittelt das «Wallet Project» in einer Stunde erstaunlich viel anschauliches Erfahrungswissen – und ist somit für eine Einführung in Design Thinking bestens geeignet.

Hier erfahren Sie mehr über das «Wallet Project». Falls Sie sich rund um den Bereich «Design Thinking» weiterbilden möchten – im September 2015 starten wir das erste Mal mit unserem Weiterbildungslehrgang CAS Innovation, Customer Experience Management & Service Design – oder ich berate Sie gerne unter marc.blume@zhaw.ch.

 

Fünf aussergewöhnliche Weiterbildungen

Bildquelle: http://kpcpt.org/category/who-are-we/

Bildquelle: http://kpcpt.org/category/who-are-we/

Kreative Köpfe, Rebellen, Querdenker und Visionäre haben es oft schwer, in einer stromlinienförmigen Bildungslandschaft zu überleben, die Fehler stigmatisiert und dafür ausgelegt ist, Konformisten zu produzieren. So erstaunt es nicht, dass eine ganze Reihe namhafter Unternehmen von sogenannten «Dropouts», also Schulabbrechern, gegründet wurde. Ken Robinson hat in seinem vielbeachteten TED-Talk «How schools kill creativity» bereits im Jahr 2006 auf diese Problematik hingewiesen. In der Zwischenzeit sind ein paar interessante Managementausbildungen entstanden, denen eines gemein ist: Sie wollen Kreativität fördern anstatt sie zu töten. Sie sprechen Non-Konformisten an, Revolutionäre, Entdecker, Mutige, Experimentierfreudige, Aufbruch- und Innovationswillige, also all jene, die neue Wege gehen wollen und echte Innovation anstreben. Wir stellen fünf solcher aussergewöhnlichen Weiterbildungen vor:

  1. Die «Kaos Piloten», das ist eine dänische Generalistenausbildung in Leadership, Entrepreneurship und Innovation. Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 ist sie das Synonym für Kreativität und Lässigkeit. Das Lernen erfolgt primär durch die Mitarbeit an Projekten. Die UNESCO verlieh ihr 1992 sogar das Prädikat «bemerkenswertes neues pädagogisches Konzept». Und seit 2011 gibt es auch einen Schweizer Ableger der Kultschule aus Aarhus.
  2. Erfolgreiche Kreative, Menschen mit Ideen und Visionen zu besseren Führungskräften machen, das will die Berlin School of Creative Leadership. Das MBA-Programm, das 2006 in Kooperation mit der Berliner Steinbeis-Hochschule gegründet wurde, verbindet das Beste aus zwei Welten: Eine Schule, die Kreativität fördert, aber auch klassisches Business und Management lehrt. Innovativ, international, praxisorientiert – so der Anspruch.
  3. Ganz frisch am Start ist die Aachen School of Innovation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen kreativer und Organisationen innovativer zu machen. In erster Linie wird Methodenwissen vermittelt um strukturierte Innovationsprozesse aufzubauen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Teamentwicklung. Der Spass darf dabei natürlich nicht fehlen.
  4. Sich seine Hände schmutzig zu machen, das stellt die Stanford Graduate School of Business mit seinem 4-tätigen Design Thinking Boot Camp in Aussicht. An der renommierten «D.School» existiert ein hervorragendes Betreuungsverhältnis. Auf fünf Studierende kommt ein Coach. Kurze Inputs, viel Zeit zur Anwendung. Am Ende stellt ein «Post-Program Coaching» den Wissenstransfer in die Praxis sicher.
  5. Globale Resonanz geniessen zurzeit die «Masterclasses» des Schweizer
    Geschäftsmodell-Gurus Alexander Osterwalder. Im zweitägigen Workshop der Strategyzer Academy werden die Teilnehmenden zu Experten im Umgang mit der «Business Model Canvas», einer Methode zur Visualisierung von Geschäftsmodellen. Das entsprechende Lehrbuch ist ein absoluter Management-Bestseller und wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

Rückblick Science-to-Business Marketing Konferenz 2014

Am 3. und 4. Juni hat in Winterthur die 13. Science-to-Business Marketing Conference stattgefunden. Rund 100 Fachleute haben teilgenommen und dabei nach neuen Wegen gesucht, wie Wissenschaft und Wirtschaft gewinnbringend kooperieren können.

Während traditionelle Unternehmensgrenzen zunehmend verschwimmen, entstehen neue Kooperationsformen, an denen immer häufiger auch Hochschulen beteiligt sind. So prognostiziert beispielsweise eine Studie der Deutschen Bank Research, dass solche Unternehmensnetzwerke in zehn Jahren bis zu 15 Prozent zur Wertschöpfung in Deutschland beitragen werden. Doch wie können Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten, ohne dass die Freiheit von Lehre und Forschung beeinträchtigt wird? Wie profitieren alle Beteiligten optimal von solchen Kooperationen? Solche Fragen diskutierten Vertreter von Industrie, Wissenschaft und Verwaltungen an der internationalen, englischsprachigen Fachkonferenz.

Die hochkarätigen Referenten sorgten für spannende Inputs, forderten die Teilnehmenden aber auch mit kritischen Statements heraus. So betonte Professor Thomas Baaken von der Fachhochschule Münster die Unterscheidung zwischen Kommunikation und Marketing wie folgt: «Communication is shouting. Marketing is listening». Professor Oliver Gassmann von der Universität St. Gallen forderte das Publikum auf, ihre eigenen Organisationen kritisch zu hinterfragen: «What would your company look like if taken over by Nespresso?» Andy Polaine, Autor und Berater für Service und Experience Design, wies darauf hin, wo mögliche Defizite liegen könnten: «Businesses and academics are very good at analysis. But this needs to be balanced with understanding at a qualitative level.» Professor Georges Haour von der IMD in Lausanne gab schliesslich zu Bedenken, dass Start-ups in Europa zu wenig stark wachsen.

Im Rahmen zahlreicher Workshops wurden weitere Aspekte der Konferenzthemen Collaborative Innovation, Design Thinking und Business Models behandelt. Besonders positiv wurde Diversität der Teilnehmenden bewertet. Das Institut für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law hat die Konfernenz gemeinsam mit dem Science-to-Business Marketing Research Centre der Fachhochschule Münster organisiert. Sie fand erstmals in der Schweiz statt.

Weitere Impressionen der Science-to-Business Marketing Konferenz finden Sie auf Flickr und Youtube.

Innovation ohne Grenzen: 13. Science-to-Business Marketing Konferenz vom 2. – 4. Juni 2014 in Winterthur

Während traditionelle Unternehmensgrenzen zunehmend verschwimmen, entstehen gleichzeitig völlig neue Möglichkeiten kooperativer Wertschöpfungsprozesse. Die Deutsche Bank Research schätzt, dass in zehn Jahren 15% der Wertschöpfung in Deutschland aus Unternehmensnetzwerken kommen wird. Vor drei Jahren waren es noch 2%. Moderne Kooperationsbeziehungen, an denen auch wissenschaftliche Institutionen beteiligt sind, stehen im Fokus der internationalen, englischsprachigen Konferenz.

Die Veranstaltung zeigt auf, wie Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Hochschulen profitieren können um die eigene Innovationsfähigkeit zu verbessern. Für Unternehmen ist es eine hervorragende Gelegenheit, mögliche Kooperationsformen mit Hochschulen kennen zu lernen und zu erfahren, wie staatliche Fördergelder für eigene Forschungszwecke am besten akquiriert werden.

Die Konferenz bringt die zentralen Akteure im kollektiven Innovationsprozess von Wissenschaft und Praxis zusammen. Sie verleiht wichtige Impulse zu Themen wie ‚Collaborative Innovation‘, ‚Design Thinking‘ und ‚Business Models‘ und vermittelt praktische Tools im Hinblick auf die erfolgreiche Zusammenarbeit von Hochschule und Wirtschaft. Darüber hinaus bietet sie den Teilnehmenden eine gezielte Gelegenheit zum Networking.

Das Programm wartet auf mit hochkarätigen Speakers, interaktiven Workshops, Podiumsdiskussionen und einem unvergesslichen Konferenzdinner.

Auf issuu.com finden Sie die Einladung zu der Konferenz.

Zu den Keynote Speakers zählen:

  • Prof. Dr. Oliver Gassmann, Professor of Technology and Innovation Management, University of St. Gallen, Switzerland
  • Dr. Andy Polaine, Service and Experience Design Consultant, Writer, Educator
  • Dr. Matthias Kaiserswerth, Director of the IBM Research Laboratory, Zurich, Switzerland
  • Prof. Dr. Georges Haour, Professor of Technology and Innovation Management, IMD, Switzerland
  • Prof. Dr. Thomas Baaken, Director of the Science-to-Business Marketing Research Centre, Germany

Workshops werden u.a. zu den folgenden Themen angeboten:

  • Making transnational partnering innovation work
  • Potentials and challenges of multi-sided Public Private Partnerships
  • Collaborative research – Learning through participatory scenarios
  • The power of service design for business
  • Design thinking – Show, don’t tell
  • How ‘Service Dominant Logic’ enables companies to create new business
  • The UBC ecosystem – Understanding university-business cooperation