Storytelling im Content Marketing: Wie Gstaad eine Kartoffel inszeniert

Von Claudia von Siebenthal

Abländschen – ein verträumtes Örtchen auf 1‘200 Metern Höhe, gerade einmal 30 Einwohner reich. Idyllisch liegen ein paar Häuschen verstreut am Fusse der Gastlosen. Wenn sich Gäste dorthin verirren, finden sie wunderbare Aussichten und grenzenlose Ruhe. Die mondäne Destination Gstaad ist über die Landesgrenze hinweg bekannt. Von Abländschen, das zur selben Gemeinde zählt, hörte man bis anhin kaum etwas. Wie das verschlafene Bergdorf diesen Herbst dank einer simplen Kartoffelgeschichte plötzlich im Mittelpunkt stand, erfahren Sie im folgenden Blogbeitrag.

„Ich möchte Sie daran erinnern, dass die besten Geschichten die verborgenen Dinge ans Tageslicht bringen, über die wir im Allgemeinen nicht reden“, sagte der amerikanische Autor und Marketing-Experte Seth Godin einmal. Das passt gut: Kartoffeln, auch wenn sie zum Beispiel mit dem Nationalgericht Rösti recht häufig auf dem Schweizer Speiseplan stehen, gehören nicht wirklich zu den wichtigsten Gesprächsthemen unserer Zeit. Was hat das nun mit Abländschen und dem Storytelling der Destination Gstaad zu tun?

Wie eine „bescheidene“ Kartoffel prominent wurde

Seit diesem Sommer gibt es eine Gstaader Gourmet-Kartoffel. Wobei sie genau genommen aus Abländschen stammt. Zwei Gstaader Macher haben mit einem aussergewöhnlichen Projekt auf das kleine Bergdorf aufmerksam gemacht. Hanspeter Reust und Thomas Frei, die Väter des Gourmetfestivals Saveurs Gstaad, initiierten in Abländschen die Gourmet-Kartoffel. Damit wollen sie nicht nur die Abwanderung in Abländschen stoppen, sondern auch die Agrarwirtschaft ankurbeln und auf regionale Produkte setzen. Im vergangenen Juni pflanzten sie zusammen mit einem einheimischen Landwirt auf acht Aren rund 400 Kilogramm Kartoffeln.

Die Destination Gstaad lud im Anschluss zum Spatenstich auf dem Kartoffelfeld ein. Der Erntestartschuss erfolgte an einem nasskühlen Montagmorgen anfangs September und wurde so richtig in Szene gesetzt. Als Erntehelfer kamen Sterneköche wie Martin Dalsass aus dem Engadin, 19-Punktekoch André Jäger, Franz Faeh vom Gstaad Palace und Robert Speth, Koch des Jahres 2005. Auf dem Kartoffelacker am steilen Hang wurde gelacht und gescherzt, Kartoffeln bestaunt und gesammelt. Anschliessend degustierte die illustre Runde die Kartoffeln zubereitet als „Gschwellti“ zusammen mit einer am offenen Feuer grillierten Bratwurst. Diese wurde von einer lokalen Metzgerei aus Gstaad passend zu den „Härdöpfeln“ kreiert. Die Rezeptur stammt vom Starkoch André Jäger. „Eine spezielle Wurst zu dieser speziellen Kartoffel – von der Region für die Region“, erklärt Reust das Geschäftsmodell.

Kartoffelernte mit Sterneköchen ©Destination Gstaad

Wie lautet das Rezept?

Die Geschichte charakterisiert nebenbei genau das, was die Destination als Botschaft vermitteln will. Die Region ist trotz der medialen Strahlkraft und einer Vielzahl prominenter und wohlhabender Gäste authentisch geblieben. Hier können Gäste ein absolutes Naturerlebnis geniessen. Nicht umsonst heisst der Werbeslogan „Id Rueh vor Natur“. Abländschen steht genau für das, was das Saanenland so besonders macht: einzigartige Natur, liebliche Berglandschaften und weit ab von der Hektik unseres Alltags. Diese Botschaft soll nun gerade die stressgeplagten Städter erreichen. Wie das gelingt? Eine emotionale Geschichte, selbst wenn es nur um eine Kartoffel geht, reicht schon aus. Das Rezept für ein erfolgreiches Storytelling im Content Marketing könnte also lauten: Man nehme rund 400 Kilogramm Kartoffeln, eine Prise Prominenz in Form von Sterneköchen, dann packt man noch eine passende Bratwurst dazu und lanciert einen kleinen Event.

Die Macht einer Kartoffelgeschichte

Die Kartoffelgeschichte wurde in den destinationseigenen Social Media-Kanälen wie Facebook, Instagram und LinkedIn gepostet. Weiter wurde auf der Website eine News geschaltet, ein Beitrag im Newsletter sowie eine Medienmitteilung an den nationalen Gastro- und Lifestyle-Verteiler gesandt.

Auszug aus der Instagram Story ©Destination Gstaad

Die Tageszeitung „20 Minuten“ titelte „Bei Gstaad wachsen die nobelsten Kartoffeln“, die htr Hotel Revue, der Jungfrau Anzeiger und der Berner Oberländer berichteten. Das Radio SRF 1 nahm die Gstaader mit der berühmten Kartoffel aus dem abgelegenen Seitental der Luxusdestination etwas auf die Schippe. Für den GaultMillau-Channel war die „Härdöpfelgeschichte“ ein wahrer Gaumenschmaus. Über 230‘000 Leser konnten damit erreicht werden. Auf den GaultMillau Social Media-Plattformen wurde eine organische Reichweite von über 130‘000 Usern gemessen.

Aus Sicht des Content Marketings lohnte sich das Storytelling über eine „bescheidene“ Kartoffel vollumfänglich. Die Botschaft wurde aufgenommen, die Kartoffel emotionalisiert und damit als herausragendes Mittel genutzt, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu erzielen. Die Kraft des Erzählens kann manchmal mit einfachen Mitteln wirken, wobei ganz so einfach war es auch wieder nicht. Der Landwirt aus Abländschen hatte nämlich von Kartoffelanbau zunächst keine Ahnung, denn eigentlich betreibt er eine Milchwirtschaft mit 20 Kühen. Mit dem richtigen Rezept und gemeinsamen Anpacken lässt sich Aussergewöhnliches realisieren.

Über die Autorin

Claudia von Siebenthal ist bei der Destination Gstaad als Head of Marketing Communication tätig und Mitglied der Geschäftsleitung. Sie ist für die Kommunikation und Vermarktung der Tourismusdestination, Bergbahnen, Hotels und des Gewerbes zuständig. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in der Natur und in den Bergen. Momentan absolviert sie den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW.

Den Gemeinden geht das Personal aus – und was sie dagegen unternehmen

Von Melanie Hilpertshauser

Eine Anstellung in einer Gemeinde oder Stadt ist nicht mehr attraktiv. Es ist schwierig geworden, Fachkräfte zu finden, die über die nötigen Voraussetzungen verfügen, wie sie moderne Verwaltungen heute brauchen. Der Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV) kennt die Situation und will den Gemeinden und Städten unter die Arme greifen – mit einer Imagekampagne. Allerdings nicht pfannenfertig: Den ersten Schritt müssen Gemeinde und Städte selber tun.

Der Arbeitsmarkt in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Nicht zuletzt aufgrund des technologischen Wandels, der digitalen Transformation und weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen bewegt sich der Trend weg vom Arbeitsplatzmarkt hin zum Arbeitnehmermarkt. In der Folge buhlen Firmen um die besten Mitarbeitenden. Eine Firma muss sich vermarkten und gut präsentieren, um das Interesse von möglichen Arbeitnehmern zu wecken und sie von sich als Arbeitgeberin zu überzeugen.

Der Arbeitsmarkt wandelt sich und es gilt das Interesse der Arbeitnehmer zu wecken

Gemeinden und Städte vor Herausforderungen

Der Wandel des Arbeitsmarktes macht auch vor Gemeinde- und Stadtverwaltungen nicht Halt, wie Thomas-Peter Binder, Präsident des Vereins Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV), bestätigt. Bis in 15 Jahren fehlen auf Verwaltungen rund 50 Prozent des Personals, sofern Nachfolgeregelungen in Folge von Pensionierungen nicht fristgerecht umgesetzt werden. «Es ist alarmierend. In einer Gemeinde- oder Stadtverwaltung zu arbeiten, ist für viele nicht mehr interessant», sagt Thomas-Peter Binder. «Das negative Image der Gemeinden und Städte, auch aufgrund der Berichterstattung in den Medien, wirkt sich auf Verwaltungen als Arbeitgeberinnen aus. Mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht zu werden und exponiert zu sein, das möchte kein Arbeitnehmer. Und leider sind die Gemeinden und Städte oft selbst dafür verantwortlich» bedauert Thomas-Peter Binder.

Entwicklungen und Trends wurden ignoriert

Nicht zuletzt aufgrund der Daseins-Pflicht schien es lange Zeit keine Verwaltung zu interessieren, wie sich die Gesellschaft entwickelt und die Technologie voranschreitet. Als unverrückbare Institution hielten sie an ihren jahrelang gewohnten Abläufen fest. Dass sie sich wie jede andere Unternehmung auch weiterentwickeln müssen, um für Kunden und Personal attraktiv zu bleiben, blieb auf der Strecke. Mit gewichtigen Folgen. Das soll sich jetzt aber ändern.

Eine Kampagne soll retten

Der VZGV und somit Interessenvertreter der Verwaltungen sieht sich als Verein verpflichtet, Verwaltungen im Kanton Zürich zu unterstützen, um sie als Arbeitgeberin wieder attraktiv zu machen. Deshalb bildete der Verein eine Arbeitsgruppe. Ziel ist, Gemeinden und Städte in der öffentlichen Wahrnehmung wieder positiv zu positionieren, als moderne Betriebe mit interessanter Arbeit und fortschrittlichen Arbeitsbedingungen. «Dieser Prozess wird zuerst im Kern beginnen müssen, also bei den Gemeinden und Städten selbst», sagt Thomas-Peter Binder. «Erst wenn sich alle bewusst sind, weshalb für die Öffentlichkeit eine Verwaltung so zentral ist und wohin sie sich in den kommenden Jahren entwickeln wird, kann dies nach aussen getragen werden.»

Die zentrale Funktion der Verwaltung muss nach aussen getragen werden © VZGV

Die Arbeitsgruppe ist sich deshalb sicher: «Die Kampagne muss zuerst intern funktionieren, damit sie später auch aussen wirkt.» Konkret braucht jede Verwaltung die eigene Mission und Vision, um sie dann nach aussen zu tragen. Ohne durchdachte Kommunikationsstrategie kaum zu schaffen. «Wenn es Gemeinden und Städten dann aber gelingt, positiv in den Medien aufzutreten und dynamisch präsent zu sein, dann hat das einen nachhaltigen Einfluss auf die Aussenwahrnehmung und somit auch auf die Attraktivität als Arbeitgeberin», so Thomas-Peter Binder weiter. Ob es der Kampagne gelingt, dieses Ziel den Gemeinden und Städten zu vermitteln und ob sich der Personalmangel dadurch minimiert, das weiss man wohl erst, wenn sie 2020 startet. Es wäre auf jeden Fall ein erster aktiver Schritt. Und diesen haben Gemeinden und Städte bitter nötig.

Über die Autorin

Melanie Hilpertshauser arbeitet als Redaktionsleiterin bei der Federas Beratung AG. In ihrer Funktion berät sie den Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV) kommunikativ und sitzt in der Spurgruppe der Imagekampagne des VZGV. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit absolviert sie aktuell den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW.

An den Wyländer Genusstagen wirken (noch) traditionelle Kommunikationskanäle

Von Lukas Landolt

Am 31. August und 1. September 2019 zeigten an den Wyländer Genusstagen in Rudolfingen ZH lokale Produzenten ihre selber hergestellten Produkte und boten diese zur Degustation, Verköstigung und zum Verkauf an. Von der breit angelegten Werbekampagne im Vorfeld der Veranstaltung wurden vor allem traditionelle Kommunikationskanäle wahrgenommen.

Ein gutes Dutzend regionaler Produzenten feiner Köstlichkeiten lud die Bevölkerung zu einem Anlass der besonderen Art ein. Die Besucher sollen dabei Spezialitäten des Zürcher Weinlandes kennenlernen und solche degustieren sowie einkaufen können. Das Konzept der Wyländer Genusstage sieht vor, dass die Aussteller Probier-Portionen zu einem Preis von maximal Fr. 5.- anbieten. Entsprechend sind die Portionen relativ klein. Ziel ist es, dass die Besucher an vielen verschiedenen Ständen diverse Häppchen probieren können und infolgedessen verschiedene Produkte kennenlernen. Dadurch soll die Bekanntheit der Aussteller und deren Angebot gesteigert werden. Ein attraktives Kinderprogramm mit einem Holzwerkplatz, einer Hüpfburg sowie mit Kinderschminken rundete das Angebot ab.

Eingesetzter Kommunikationsmix

Die Organisatoren machten sich im Vorfeld insbesondere darüber Gedanken, in welche Kommunikationsmedien wie viele finanzielle Mittel gesteckt werden sollen. Um auf den Anlass im Zürcher Weinland aufmerksam zu machen wurden traditionelle Kommunikationsmedien wie auch neue Kanäle genutzt: Flyer wurden gedruckt und in Volg- und LANDI-Läden der Region aufgelegt, in die Haushalte des Weinlandes gestreut sowie mittels persönlichen Mailings den Kunden der Aussteller versandt. Des Weiteren wurden Werbeplanen an gut frequentierten Strassen positioniert und in der Lokalzeitung zwei Inserate geschaltet. Hinzu kamen Anzeigen in den Publikationen der politischen Gemeinden Trüllikon, Benken und Marthalen. Für den Anlass wurde eine eigene Homepage www.wylaender-genusstage.ch aufgesetzt und auf Facebook sowie Instagram wurden die Genusstage weiteren Kreisen bekannt gemacht. Auf Facebook wurde ein kleiner Betrag zur spezifischen Werbung eingesetzt. Zudem wurde der Anlass auf verschiedenen Tourismusseiten aufgeschaltet. Die Aussteller wurden motiviert, möglichst viel Mund-zu-Mund-Propaganda zu machen. «Wir haben uns bewusst für eine ausgedehnte cross-mediale Kommunikation entschieden, um damit möglichst effektiv das breite Zielpublikum zu erreichen.» sagt Beat Eigenmann, Kommunikationsverantwortlicher des organisierenden Komitees.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung und machten den Anlass zum Erfolg. Von vielen Teilnehmenden wurden dem OK positive Rückmeldungen gemacht. Dabei wurden insbesondere die mit viel Herzblut hergestellten Produkte, die liebevoll hergerichteten Verkaufsstände sowie das attraktive Kinderprogramm genannt. Auch der Lokaljournalist der Andelfinger Zeitung fand in seinem Bericht lobende Worte zu den Wyländer Genusstagen.

Erstaunliches Resultat über die Wahrnehmung der Bekanntmachung

Lukas Landolt war OK-Verantwortlicher und hat während dem Anlass bei den Besucherinnen und Besuchern eine Umfrage durchgeführt mit dem Ziel herauszufinden, über welchen Weg die Anwesenden auf die Wyländer Genusstage aufmerksam geworden sind.

Auswertung der Befragung der Besucher der Wyländer Genusstage 2019 © Lukas Landolt

Aus der Umfrage geht hervor, dass die zwei weitaus kostenintensivsten Werbemittel ganz unterschiedliche Resultate hervorbringen: Wo die Resonanz bei den Flyern relativ hoch war, zeigte sich, dass die Inserate in der Lokalzeitung praktisch unerwähnt blieben. Die Auftritte auf der eigenen Homepage, Facebook und Instagram wurden zwar erwähnt, jedoch eher als Randerscheinung, und dies trotz dem starken Trend in Richtung soziale Medien. In diesem Zusammenhang kann die Frage aufgeworfen werden, ob in der ländlichen Region im Norden des Kantons Zürich die neuen Medien erst im Anzug sind oder zu wenig unternommen wurde, um an die gewünschte Zielgruppe zu gelangen.

Eine Wiederholung des Anlasses in ähnlichem Umfang ist wahrscheinlich. Über welche Medien im kommenden Jahr auf den Anlass hingewiesen werden soll wird das Organisationskomitee noch beschäftigen, zumal in der Kommunikation weiterhin ein starker Wandel wahrzunehmen ist.

Über den Autor

Lukas Landolt absolviert an der ZHAW den CAS Marketing- & Corporate Communications. Er ist in der LANDI Weinland in der Geschäftsleitung und zuständig für alle LANDI-Läden sowie die TopShop Tankstellenshops des Betriebes. Zudem ist er Geschäftsführer der LANDI Neftenbach AG.

Hitziger Abschluss des CAS Marketing- & Corporate Communications

Die schnellen Veränderungen im Marketing und in der Kommunikation verlangen nach Spezialisten, die auf strategischer Ebene schnell reagieren können. Der CAS Marketing- & Corporate Communications hilft den Absolventen ihren persönlichen Rucksack mit wichtigem Wissen zu füllen. Dieses Semester war der Abschluss für die Klasse besonders herausfordernd.

Im CAS MCC lernen die Teilnehmenden wie sie in jeder Situation optimal kommunizieren können. Nach einem langen und intensiven Semester, mussten sie dies am Abschlusstag auch gleich unter Beweis stellen. Die heissen Temperaturen machten die Abschlusspräsentationen nicht einfacher. Dennoch galt es das Gelernte anzuwenden, „cool“ zu bleiben und sich nichts anmerken zu lassen. Das Medientraining hat seine Wirkung gezeigt, denn alle präsentierten souverän ihre Konzepte und konnten spannende Strategien vorstellen.

Kombination ist hier die Devise

Mit dem erfolgreichen Abschluss des CAS MCC ging für die Klasse ein anstrengendes Semester zu Ende. Seit Februar füllten sie ihre Wissensspeicher auf und durften diverse Themen aus den Bereichen Marketing & Kommunikation erlernen. Neben der strategischen Unternehmenskommunikation, kam auch der digitale Aspekt sowie Multimedia nicht zu kurz. Aufgezeigt wurde auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, das Vorgehen in Krisensituationen und natürlich auch die rechtlich korrekten Handlungsweisen. Diverse Dozenten mit breiter Praxiserfahrung durften ihr Wissen an die Klasse weitergeben. „Dieser CAS ist schon lange sehr erfolgreich, weil er die beiden wichtigen Bereiche Marketing & Kommunikation nicht trennt, sondern kombiniert – genauso, wie das auch im echten Berufsleben der Fall ist„, sagt Studiengangleiterin Dr. Adrienne Suvada vom Institut für Marketing Management.

Erfolgreicher Abschluss des CAS MCC © J. Bächler

Umsetzung in der Praxis

Nach den erfolgten Präsentationen, war die Erleichterung bei allen spürbar. Die grosse Mehrheit darf sich nun auf die wohlverdienten Sommerferien freuen. Einige sind aber schon voller Tatendrang und setzen das Gelernte bereits in der Praxis um. „Es hat grossen Spass gemacht diese Klasse und ihre Lernfortschritte zu begleiten. Wir werden sicher noch viel von den Teilnehmenden hören und freuen uns, wenn sie in der Kommunikation erfolgreiche Projekte verwirklichen„, meint Dr. Adrienne Suvada. Weitere aus der Runde spielen schon mit dem Gedanken den nächsten CAS zu absolvieren, schliesslich hat man nie ausgelernt. Das Weiterbildungsportfolio des Instituts bietet hier ja mehr als genug Angebote und so ist es gut möglich, dass man einige bekannte Gesichter wiedersieht.

Weitere Informationen zum CAS: https://www.zhaw.ch/de/sml/weiterbildung/detail/kurs/cas-marketing-corporate-communications/

Autonom, aktuell, attraktiv: Projekt „Linie 12“

Von Yannick Büzberger

Ein selbstfahrender Bus in Neuhausen am Rheinfall hat in kurzer Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aus der ganzen Welt kamen schon viele Interessenten zu Besuch, um die autonome Mobilität hautnah mitzuerleben – so auch weltbekannte Nachrichtensender. Die vielen Besuche sind für die Initianten des Projekts „Linie 12“ von sehr grossem Wert.

Die Mobilität der Zukunft

Die Schweizer Gemeinde Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen ist für Touristen aufgrund des spektakulären Wasserfalls ein bekanntes Ausflugsziel. Seit jüngster Zeit ist der Ort aber auch bekannt als Schauplatz für autonome Mobilität – ein Thema, welches derzeit heiss gehandelt wird. Am 27. März 2018 wurde dort zum ersten Mal weltweit ein autonomes Fahrzeug in ein ÖV-Leitsystem integriert. Der 11-plätzige selbstfahrende Kleinbus ist täglich gemäss Fahrplan auf der Linie 12 der Verkehrsbetriebe Schaffhausen unterwegs. Fahrgäste können hier eine kostenlose Fahrt in die Zukunft der Mobilität geniessen. Momentan fährt der elektrisch angetriebene Bus in einer Tempo-30-Zone im Zentrum von Neuhausen und bedient auf seiner Route drei Haltestellen. An Bord ist stets eine Begleitperson, die in Notfällen mit einem Xbox-Controller eingreifen kann. Das lenkradlose Fahrzeug des Herstellers Navya ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Diese sorgen dafür, dass das Elektrofahrzeug die Strecke erkennt und die vorgesehene Spur entlangfährt. Über die Sensoren werden auch Hindernisse wie Autos oder Fussgänger automatisch erkannt. Der fahrerlose Bus reagiert dementsprechend, zum Beispiel, indem er abbremst oder anhält.

Mit dem selbstfahrenden Bus der Linie 12 die Mobilität der Zukunft miterleben © Trapeze

Die Initianten der Linie 12

Ins Leben gerufen wurde die Linie 12 durch die Technologieunternehmen Trapeze und AMoTech, die Verkehrsbetriebe Schaffhausen und den Kanton Schaffhausen. Die beiden erstgenannten sind B2B-Firmen mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall. Trapeze bietet Systemlösungen für Verkehrsbetriebe an, die Tochterfirma AMoTech unterstützt Städte und Verkehrsbetriebe dabei, Projekte im Bereich autonomer Mobilität umzusetzen. Im Projekt „Linie 12“ übernehmen sie den technischen Part und sorgen dafür, dass alles rund läuft.

Ein kleiner Elektrobus als Medienstar

Das Projekt weckt bei den Medien grosses Interesse. Neben vielen Schweizer Medien verfolgen auch internationale Medien das Projekt „Linie 12“. Für die Sendung „Supercharged“ zum Thema Motorsport und Elektrofahrzeuge reiste ein Reporter-Team von CNN anlässlich eines Formel-E-Rennens im Juni 2018 nach Zürich. Da der Kleinbus elektrisch angetrieben ist, durfte ein Beitrag über dieses Projekt in dieser Sendung nicht fehlen. Das Fernsehteam nutzte die Gelegenheit und besuchte vor dem Rennspektakel Neuhausen, um bei einer Fahrt mit dem selbstfahrenden Bus die Mobilität der Zukunft zu erkunden. Die CNN-Moderatorin Nicki Shields führte dabei ein Interview mit Peter Schneck, CEO der Firma Trapeze. Auch weitere bekannte internationale Sender wie BBC aus Grossbritannien und RAI UNO aus Italien reisten für ihre Fernsehberichte nach Neuhausen am Rheinfall. Der autonome Kleinbus hat sich als Protagonist des Projekts „Linie 12“ in kürzester Zeit zu einem Medienstar entwickelt, was für die Projektbeteiligten von sehr grossem Wert ist.

Hier klicken, um den CNN-Beitrag anzusehen

Das Projekt stösst auf grosses Medieninteresse – CNN zu Besuch in Neuhausem © Trapeze

Ein Besuchermagnet als ideale Plattform für kleinere B2B-Firmen

Das Interesse an einer Fahrt mit dem selbstfahrenden Fahrzeug ist nicht nur bei den Medien gross: Seit dem Start der Linie 12 wurden schon über 25‘000 Fahrgäste befördert, das wären rund 2‘000 Fahrgäste täglich. Neben vielen Touristen und der lokalen Bevölkerung, waren auch Fahrgäste mit Rang und Namen darunter, beispielsweise Politiker wie der Ministerpräsident aus dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. Parlamentarier aus der Schweiz und aus Österreich liessen sich eine Fahrt mit dem autonomen Fahrzeug ebenfalls nicht nehmen. Durch die von Beginn an grosse Aufmerksamkeit geniesst das innovative Projekt eine hohe Reichweite. Für die vier Gründer des Projekts ist es eine ideale Plattform, um sich auch einzeln mit ihren jeweiligen Stärken zu profilieren. Ein grosser Pluspunkt vor allem für kleinere B2B-Firmen wie Trapeze und AMoTech, deren Namen der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sind.

Die Projektpartner sind sich einig: Mit der autonomen Mobilität wurde ein brandaktuelles Thema zur richtigen Zeit und am richtigen Ort erfolgreich umgesetzt.

Der kleine Elektrobus hat sich in kürzester Zeit zu einem Besuchermagnet entwickelt) © Yannick Büzberger

Über den Autor

Yannick Büzberger hat in Zürich Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Danach zog es ihn direkt in die Arbeitswelt zu seinem jetzigen Arbeitgeber Trapeze, wo er als Marketing Specialist tätig ist. In seiner Funktion ist er unter anderem für die kommunikative Begleitung des Projekts „Linie 12“ zuständig. Nebenbei absolviert er an der ZHAW den CAS Marketing & Corporate Communications, um mit einem vertieften Einblick in die Materie neues Wissen in der Arbeitswelt anzuwenden.

Die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen radikal verändern

Von Alessandro Stasolla

Das elektronische Patientendossier (EPD) kommt. Bis April 2020 müssen die Schweizer Kliniken dieses einführen. Es wird noch einiges an Kommunikations- und Marketinganstrengungen brauchen, um Bedenken der Patienten zu zerstreuen. Doch das EPD wird die Digitalisierung im Gesundheitsbereich massiv vorantreiben.

Das EPD erlaubt sowohl Patientinnen und Patienten wie Gesundheitsfachpersonen schnellen und einfachen Zugriff zu den gesammelten privaten Gesundheitsdaten. Bisher wurden und werden solche Informationen dort, wo man sich behandeln liess, festgehalten. Oft noch auf Papier, etwa vom Arzt von Hand gekritzelt. Bei Spitalaufenthalten werden dort Dossiers angelegt. Physiotherapeuten haben Unterlagen. Bei der Apotheke liegen Dokumente. All diese Informationen sind zwar schon heute oft in Computern erfasst, aber es gibt keinen Überblick über alle gesundheitsrelevanten Informationen.

Vorteile des elektronischen Patientendossiers

Die Zusammenfassung aller Informationen und Dokumente im Zusammenhang mit der Gesundheit in einem digitalen Dossier ermöglicht einen unkomplizierten Informationsfluss beispielweise zwischen dem Hausarzt – sofern dieser sich dem System anschliesst, vorgeschrieben ist das für ihn (noch) nicht – und dem Spital oder zwischen anderen Fachpersonen im Gesundheitsbereich und den Patienten. Letztere sollen auch immer die volle Kontrolle über die Zugriffsrechte haben; ohne Einverständnis dürfen die Daten nur in Notfällen eingesehen werden.

Eine Sammlung persönlicher Dokumente mit Informationen rund um die Gesundheit © Getty Images

Bedenken von Patienten

Informationen über die Gesundheit sind sehr persönlich. Es ist verständlich, dass man solche sensiblen Daten nicht breiten Kreisen zugänglich machen will. Patientinnen und Patienten fürchten sich nicht in erster Linie von Hackern, sondern dass die Krankenkasse oder gar Arbeitgeber Zugang zu den gespeicherten Daten erhalten könnten, wie die Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF kürzlich berichtete. Das ist jedoch ausgeschlossen. «Der Zugriff ist nur für Personen erlaubt, die als Behandelnde mit den Patienten direkt in Kontakt sind», betonte Adrian Schmid, der Projektleiter bei eHealth Schweiz, der Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, in der Radiosendung. Beim Datenschutzbeauftragten des Bundes heisst es, das EPD müsse freiwillig sein, und die Patienten müssten selbst entscheiden können, was in diesem Dossier festgehalten wird und wer das sehen darf.

Der Patient oder die Patientin entscheidet, wer Zugriffsrecht auf die Daten hat © eHealth Suisse

Keine einheitliche Lösung

Etwas unübersichtlich ist die Situation bezüglich des EPD, weil es nicht eine einheitliche Lösung dafür gibt. Insgesamt dürfte es etwa zehn verschiedene Anbieter geben, darunter private wie staatliche Unternehmen. Gross in dieses Geschäft eingestiegen ist die Swisscom, die sich rühmt, für die Betriebsgesellschaft Axsana AG «die Infrastruktur für 13 Kantone mit mehr als der Hälfte der Bevölkerung und damit für den grössten Teil der Schweizer» sicherzustellen. Die Post ist unter anderen mit dem Pionierkanton Genf, der das EPD schon 2013 eingeführt hat, und dem Tessin im Geschäft. Es werden nun kantonale und teils interkantonale Gemeinschaften bzw. sogenannte Stammgemeinschaften gebildet. Diese müssen strikte rechtliche Vorgaben erfüllen und sich offizielle zertifizieren lassen.

Digitalisierungsschub im Gesundheitswesen

Das elektronische Patientendossier werde die Betreuung der Patienten markant verbessern, ist Antoine Hubert, Delegierter des Verwaltungsrates der Privatklinikgruppe Swiss Medical Network überzeugt. Die Digitalisierung bringe dem Gesundheitsbereich einen Effizienzschub, sagte er schon 2017 gegenüber dem «ceo Magazin» von PwC. «Die Digitalisierung wird die Beziehung Patient–Pflegepersonal–Leistungserbringer verändern», sagte er 2018 im Magazin «Privatkliniken Schweiz». «Neue Akteure wie Apple, Google, Amazon oder Migros werden innovative Gesundheitsdienste zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Die Diagnosen werden automatisiert und der Arztberuf wird sich radikal verändern

Informationsvideo von eHealth Suisse:

Über den Autor

Alessandro Stasolla ist Leiter Marketing & Kommunikation bei der Privatklinik Bethanien in Zürich. Diese gehört zu Swiss Medical Network, der zweitgrössten Privatklinikgruppe der Schweiz, bei der er zuvor Manager Marketing & Kommunikation Deutschschweiz war. Aktuell besucht er seinen dritten CAS an der ZHAW, den Lehrgang Marketing- & Corporate Communications, und wird im 2020 den MAS Marketing Management abschliessen.

„Was hat ein Apfel mit unserer Energiezukunft zu tun“

Von Stephan Koch

Wer dieser Tage ferngesehen hat oder aufmerksam durch Schweizer Städte und Dörfer gegangen ist, konnte sie nicht übersehen: Die Kommunikationskampagne der Schweizer Gaswirtschaft. In den Werbebotschaften wird jeweils ein Alltagsgegenstand mit der Energiezukunft in Zusammenhang gebracht. Es wird etwa gefragt „Was hat ein Heizkörper mit unserer Energiezukunft zu tun?“. Wer sich für diesen Zusammenhang interessiert, kann ihn auf einer Website nachlesen. Was steckt hinter dieser Kampagne?

Der tragische Auslöser

Der Ursprung liegt schon ein paar Jahre zurück. Sie können sich erinnern: Am 11. März 2011, 14:46 Ortszeit wird Japan von einem der schwersten Erdbeben in jüngerer Zeit heimgesucht. Die Stärke betrug 9.0 auf der Richter-Skala. Es folgten einige Nachbeben, wovon das Stärkste immer noch eine Magnitude von 7.9 aufwies. Nach diesen Erdstössen, welche an und für sich bereits grosses menschliches Leid und verheerende Schäden angerichtet hatten, trafen Flutwellen auf die Küste von Japan, welche sich bis zu 23 Meter hoch auftürmten. Für das Kernkraftwerk in Fukushima, welches direkt an der Küste liegt, bildeten diese den Super-GAU. Die Stromversorgung der Reaktoren wurde unterbrochen. Gleichzeitig wurden die Öltanks der Notstromversorgung von der enormen Wucht der Welle weggespült. Die Wasserkühlung der Reaktoren eins und zwei fallen aus. Ca. 4 Stunden später melden japanische Medien einen Brand in einem Reaktor. Nochmals zwei Stunden später beginnt die japanische Regierung mit der Evakuation der Bevölkerung in einem Radius von 3 Kilometer um die Kraftwerkszentrale in Fukushima. 24 Stunden nach dem Erdbeben und der Tsunami muss die Schutzzone auf 20 Kilometer ausgedehnt werden, nachdem es zu einer Wasserstoffexplosion in Reaktor eins gekommen ist und eine Kernschmelze eingesetzt hat. Zehntausende Menschen müssen ihre Häuser verlassen und können wahrscheinlich nie mehr zurückkehren.

Ein Umdenken findet statt

Das Ereignis erschütterte die ganze Welt und hatte nur wenige Tage nach der Katastrophe zur Folge, dass die Technologie zur Erzeugung von elektrischer Energie mit Kernspaltung in nicht wenigen Ländern hinterfragt wurde. Deutschland hat bis heute am konsequentesten reagiert. Alle 17 vor Fukushima kommerziell genutzten Reaktoren müssen bis in drei Jahren vom Netz genommen werden. Aber auch in der Schweiz hatte der politische Prozess unmittelbar nach dem verhängnisvollen Ereignis eingesetzt und führte nur wenige Monate später zu einem ähnlichen Ergebnis wie in Deutschland: In der Schweiz dürfen keine neuen Kernkraftanlagen mehr gebaut werden. Um die Abhängigkeit vom Ausland jedoch klein zu halten und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wurden Massnahmen beschlossen, um die durch den Ausstieg aus der Kernenergie ausbleibende Stromproduktion zu ersetzen. Gaskombikraftwerke kamen politisch für diesen Ersatz aufgrund ihrer klimaschädlichen Wirkung nicht in Frage. Neue Lösungen mussten gefunden werden. Eine Energiestrategie, welche eine Energiewende herbeiführen soll, wurde vom Bundesrat definiert und im Mai 2017 vom Stimmvolk angenommen. Sie basiert auf dem Zubau erneuerbarer Energien und einer gesteigerten Energieeffizienz, welche nicht nur den Bereich Strom, sondern auch die Bereiche Wärme und Mobilität umfasst.

Kernkraftwerke sollen ersetzt werden © Pixabay

Gas als Teil der Energiewende

In diesem durch „Fukushima“ und der „Klimadiskussion“ geprägten Umfeld steht ein grundsätzlich fossiler Energieträger wie das Gas und dessen Vertreter vor mindestens zwei zentralen Herausforderungen: Auf welche Weise kann der Einsatz des Energieträgers einen Beitrag zur Energiezukunft und damit zur Energiewende leisten und wie macht man dies den Kunden klar. Hier schliesst sich der Kreis zur eingangs erwähnter Kampagne. Dieser ging nicht nur ein langer Prozess der Entwicklung voraus, sondern auch eine intensive Findung der Branche. Das Resultat dieser Findungsphase ist in den Fragen wiedergespiegelt, welche auf Leitmedien wie Plakaten, TV-Spots oder Anzeigen gestellt werden – Was hat ein Heizkörper, ein Apfel, ein Spiegelei oder der Regen mit unserer Energiezukunft zu tun? In dieser ersten Phase der auf längere Zeit ausgelegten Kommunikationskampagne soll es offensichtlich das Ziel sein, dem Publikum Wissen über den Energieträger, dessen Herkunft und dessen Anwendungen zu vermitteln. Hierzu wird auf dem Hauptmedium der Kampagne, der Landing-Page, ausführliches Informations-Material bereitgestellt. Aus kommunikativer Sicht interessant ist zudem der Zusatz „Je mehr man darüber weiss, desto mehr macht es Sinn“ der auf den Plakaten und in Inseraten zu sehen ist.

Er nimmt bereits vorweg, oder besser gesagt suggeriert, was wahrscheinlich in der zweiten Phase der Kommunikationskampagne zentral sein wird, nämlich die Veränderung der Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem Gas. Tendenziell wird Gas heute zwar als günstiger und einigermassen sauberen Energieträger wahrgenommen, dass er jedoch Teil der Energiewende und ein fortschrittlicher, zukunftsgerichteter Energieträger sein soll, steckt weniger in den Köpfen. Deshalb – Je mehr man sich informiert, desto mehr soll einem klar werden, dass Gas eine wichtige Rolle einnimmt, um die Energiewende zu ermöglichen. Ob dies gelingt werden die Verantwortlichen mit der entsprechenden Wirkungsmessung über Marktforschung nachweisen müssen. Man darf gespannt sein, wie die Kampagne in den nächsten Monaten weiter umgesetzt wird.

Mehr über über die gazenergie-Kampagne:

www.gazenergie.ch

Über den Autor

Stephan Koch ist stellvertretender Geschäftsführer bei die werke versorgung wallisellen ag und dort für den Bereich Geschäftsentwicklung und Energiewirtschaft verantwortlich. In dieser Funktion beschäftigt er sich zusammen mit seinem Team intensiv mit der Energiewende und den sich damit eröffnenden, neuen Geschäftsmodellen. Seine Freizeit widmet er seiner Frau, seinen zwei Kindern und Tibet-Terrier Ba-Lan.

Cyber-Sicherheit als Kommunikationsdisziplin

Von Lina Lanz

„Das Thema Cyber-Sicherheit ist mir zu kompliziert.“ Diesen Satz hört man oft im Gespräch mit Mitarbeitern. Obwohl Cyber-Sicherheit alle betrifft, wirkt die Thematik eher abschreckend als ansprechend. Um das Interesse zu wecken, müssen die Sensibilisierungsmassnahmen verständlich und attraktiv kommuniziert werden.

Cyber-Sicherheit betrifft alle

Wer nicht aufpasst, lässt fremde Augen und Ohren ins eigene Daheim. Dann sind die privaten Videos auf dem Smartphone, die Passwörter für das Online-Banking oder das Live-Bild direkt aus dem Kinderzimmer plötzlich öffentlich. Aber nicht nur im privaten Umfeld ist Cyber-Sicherheit ein Problem. Täglich lesen wir Mitteilungen in den Medien, zu Datenabflüssen bei Firmen oder zu einem betrügerischen Email, das im Umlauf ist. Für Privatpersonen und Unternehmen stellen die Cyber-Gefahren ein finanzielles und reputationsschädigendes Risiko dar. Die Gefahr lauert überall. Auf den falschen Link geklickt, eine infizierte Datei heruntergeladen und der Schaden ist angerichtet. Fremde haben Zugriff auf Handy, Computer, Daten – oder alles zusammen. Klar, hundertprozentige Cyber-Sicherheit gibt es nicht. Aber mit kompetenten Nutzern hat ein Unternehmen schon den Grossteil erreicht. Alle technischen Sicherheitsvorkehrungen nützen nichts, wenn der Mensch hinter dem Computer naiv und leichtsinnig in die Cyber-Falle tappt.

Cyber kann man nicht sehen oder anfassen, die Gefahr ist deswegen nicht weniger real. (c) Pixabay, iAmMrRob

Langweilig und kompliziert?

Nachlässigkeit kommt im Cyber-Bereich teuer zu stehen. Die nötige Vorsicht fehlt trotzdem. Woher kommt das? Das Thema Cyber-Sicherheit hat den Ruf für den Ottonormalverbraucher viel zu kompliziert zu sein. Die Cyberbedrohung kann man weder anfassen noch sehen. Sie ist irgendwo im virtuellen Raum zu verorten. Aber nur, weil dabei keine böse Gestalt mit einem Messer im Schatten lauert, ist die Gefahr nicht weniger real. Bei Sensibilisierungs-Lektionen oder Sicherheitsdokumente verdrehen die Mitarbeiter jedoch die Augen: Die Online-Lektionen gelten als langweilig und die Texte als Fachchinesisch.

Mehr als nur eine Online-Lektion

Das Problem ist, dass das Thema Cyber-Sicherheit in Unternehmen häufig stiefmütterlich angegangen wird. Mit einer Weisung zur Informationssicherheit oder einer Online-Lektion ist es nicht getan. Wenn Cyber-Sicherheit so vermittelt wird, verschwindet das Dokument ungelesen in der Schublade und die Lektion am Computer wird möglichst schnell durchgeklickt. Unternehmen wollen Mitarbeiter, die ein Gespür für das Thema entwickeln. Cyber-Sicherheits-Massnahmen sind für Mitarbeitende keine zusätzliche Auflage eines Sicherheitsverantwortlichen. Es ist eine nötige Verhaltensweise.

Cyber-Sicherheit ist eine interdisziplinäre Aufgabe. © Unsplash, Mimi Thian

Cyber-Sicherheit als interdisziplinäre Aufgabe

Damit sich die Mitarbeiter angesprochen fühlen, sollte die Sensibilisierung als eine Kommunikationsdisziplin angegangen werden. Das heisst, die Cyber-Sicherheits-Massnahmen sind zielgruppengerecht aufgearbeitet und werden über die passenden Kommunikationskanäle vermittelt. Natürlich geben Cyber-Spezialisten die Inhalte vor. Die Zuständigen für die Cyber-Sensibilisierung verarbeiten dann aber die Thematik zu einem ansprechenden Lehrinhalt und platzieren ihn an geeigneten Orten. Cyber-Sicherheit – wenn sie nachhaltig sein will – ist dann nicht mehr alleine die Aufgabe von IT-Spezialisten, sondern eine interdisziplinäre Aufgabe zusammen mit den Spezialisten für Kommunikation und Grafik.

Über die Autorin

Lina Lanz hat einen Master in Geschichte abgeschlossen und anschliessend bei der Führungsunterstützungsbasis der Schweizer Armee im Bereich der internationalen Beziehungen gearbeitet. Seit anfangs 2018 ist sie bei Cyber Defence der Schweizer Armee für die Kommunikation und Sensibilisierungs-Massnahmen mitverantwortlich. Weil für sie die Cyber-Thematik zu Beginn auch unverständlich und kompliziert war, weiss sie um die Wichtigkeit von zielgruppengerechten und einfach verständlichen Cyber-Inhalten. Um nicht nur im Cyber-Raum auf dem neusten Stand zu sein, besucht sie momentan den CAS Marketing & Corporate Communications an der ZHAW.

Marketing in der Gastronomie: Nur gut essen war gestern

Von Marleina Capaul

Das Restaurant blindekuh in Zürich feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Was heisst es, Marketing in der Gastronomie und für einen Non-Profit-Betrieb zu betreiben? Der Geschäftsführer Adrian Schaffner gibt Auskunft.

Adrian Schaffner, was benötigt es, um heute erfolgreich ein Restaurant zu führen?

Früher reichte es, einen guten Koch einzustellen und ein Schild vor die Türe zu stellen. Heute ist das nicht mehr ganz so einfach. Das Gesamtpaket muss stimmen. Sich nur über die Küche zu definieren, das können sich heute nur wenige Restaurants leisten.

Erzählen Sie etwas über die blindekuh. Was macht das Restaurant aus?

Die blindekuh in Zürich befindet sich in den Räumlichkeiten einer alten Kapelle. Das Spezielle daran: gegessen wird in kompletter Dunkelheit. Die Angestellten im Service sind blind oder sehbehindert. Die gemeinnützige Stiftung Blindekuh fördert den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Sehenden und Nichtsehenden und finanziert sich über die Gastrobetriebe in Zürich und Basel.

Ein spezielles Restaurant – die blindekuh in Zürich © blindekuh

Welche Ziele verfolgen Sie im Marketing?

Der Brand blindekuh ist bekannt. Das Marketing zielt darauf ab, dass die Gäste nicht nur einmal, sondern mehrere Male ins Restaurant kommen. Für eine Non-Profit-Organisation mit einem bescheidenen Budget keine leichte Aufgabe.

Sie haben vom Erlebnis gesprochen, dass Gäste heute wünschen. Was bedeutet das?

Heute suchen die Gäste beim Auswärtsessen das Ausgefallene und erwarten ein Gesamtpaket. Der Trend geht zu immer verrückteren und einzigartigen Locations, was die vielen erfolgreichen Pop-Up-Konzepte zeigen. Der begrenzte Zeitraum dieser Angebote schafft eine Begehrlichkeit und somit hohe Nachfrage.

Wo legen Sie den Fokus im Marketing?

Früher haben wir häufiger mit Flyern und Mailings gearbeitet. Aber heute dominieren bei uns die digitalen Kanäle wie Facebook, Instagram oder Newsletter. So ist es mit einfachen Mitteln möglich, viele Leute gezielt zu erreichen. Zusätzlich lässt es sich leicht messen, auswerten und optimieren.

Erzählen Sie etwas über Ihre Zielgruppen.

Speziell an der blindenkuh ist die breite Zielgruppe, welche unterschiedliche Gäste anzieht, von alt bis jung, städtisch oder ländlich. Diesem Bedürfnis versucht die blindekuh mit Anlässen wie einem Dinner-Krimi, einer Weindegustation oder einem Kinderkonzert Rechnung zu tragen.

Wie ist ihr Umgang mit den Medien? Erhalten Sie viele Anfragen?

Zu unseren Anfangszeiten sind wir mit Medienanfragen überhäuft worden. Unser Konzept war einzigartig und neu. Heute ist es ruhiger geworden. Für unser 20-Jähriges Jubiläum haben wir die Aktivitäten verstärkt und arbeiten mit einer auf Gastronomie spezialisierten Agentur zusammen. Medienberichte sind für uns sehr wichtig, wie z.B. kürzlich die Rezension im Züritipp (Abo Plus).

Adrian Schaffner ist seit 2000 Geschäftsführer des Restaurants blindekuh, welches 1999 eröffnet wurde. Das Jubiläum wird mit verschiedenen Events und Aktivitäten gefeiert, wie z.B. einer Jubiläumszeitung. Ein Essen in absoluter Dunkelheit geniessen ist eine neue Herausforderung für alle Sinne. Reservationen: www.blindekuh.ch

Über die Autorin

Marleina Capaul ist Verantwortliche Marketingkommunikation bei Compendio Bildungsmedien. Privat ist sie gerne in der vielfältigen Gastronomieszene in der Schweiz unterwegs. Im Freundeskreis auch bekannt als „der Züritipp“ gibt sie gerne Tipps, wo man gut essen gehen kann. Zurzeit absolviert sie den CAS für Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW.

Die Mumins: Kulturgut und Marketingmaschine

Von Kathrin Hubli

Das erste Buch der finnischen Autorin Tove Jansson mit den Mumins erschien 1945. Seitdem ist deren Erfolg ungebrochen. Die beliebten Figuren leben aber nicht nur in den Büchern weiter, sondern sind auch gefragte Markenbotschafter.

Die Mumins als Kulturgut

Sie sehen aus wie Flusspferde mit riesigen Augen, aber ohne Mund, sind aber eigentlich weder Tier noch Mensch – Die Mumins. Damit meint man Muminpapa, Muminmama und Mumintroll. Wären wir in Finnland, wäre eine solche Erklärung überflüssig, denn jeder, wirklich jeder, kennt sie. «Erschrieben» wurden sie von der schwedischsprachigen Finnin Tove Jansson (1914-2001). Ihr erstes Mumin-Buch erschien 1945 und hiess «Småtrollen och den stora översvämmningen». Der Titel bedeutet wörtlich übersetzt «Der kleine Troll und die grosse Flut». Im selben Jahr debütierte in Schweden übrigens auch Astrid Lindgren mit «Pippi Långstrump». Die beiden Frauen stehen sich im Norden in Sachen Berühmtheit in nichts nach. Im Gegensatz zu Astrids war Toves Erstling jedoch ein Ladenhüter. Trotzdem erschienen in den folgenden 25 Jahren acht weitere Mumin-Bücher und drei Bilderbücher. Mit schnell wachsendem Erfolg. In der Nachkriegszeit erhielt das Kind als Innbegriff von Reinheit und Unschuld eine ganz neue Bedeutung. Dazu beigetragen haben auch moderne Ideen bezüglich Kind und Kindheit. In der Folge stieg die Nachfrage nach Kinderliteratur enorm. In den 50er Jahren wurde Tove zum internationalen Megastar. Die Bücher wurden schliesslich in über 40 Sprachen übersetzt. Bis heute, Jahrzehnte nach dem Debüt, werden sie immer wieder neu aufgelegt. Seit 2010 wächst das Verlagsgeschäft jährlich gar um 30 Prozent. Längst sind die Erzählungen aus dem Mumintal Klassiker der Kinderliteratur und fest in den Herzen all ihrer kleinen und grossen Leser verankert.

Die Erfinderin Tove Jansson © Moomin Characters

Mumins multimedial

Die Mumins hatten von Anfang an nicht nur eine literarische, sondern auch eine visuelle Präsenz. Das liegt vor allem daran, dass Tove nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Malerin war. Alle Illustrationen in den Büchern stammen aus ihrer Feder. Dabei gab es einen strikten Ablauf: Bilder zuerst, dann der Text. Die Zeichnungen kann man im Mumin Museum im finnischen Tampere besichtigen. Tove förderte die Verbreitung ihres Materials in anderen Medien ganz bewusst. So entstanden Inszenierungen für das Theater, die Oper, Adaptionen für Radio und Fernsehen usw. Geschickt passte sie die Inhalte für die unterschiedlichen Distributionskanäle an. Kurzum: Die Mumins eroberten die verschiedensten Medien.

Im Norden Superstars: die Mumins © Moomin Characters

Die Mumins als Character Brand

Rasch erkannten Firmen das Potenzial der Mumins als Markenbotschafter. Die beliebten Figuren sind auf Taschen, Geschirr, Bettwäsche, Zahnpasta, Keksdosen – die Liste an Merchandise-Artikeln könnte noch endlos so weitergeführt werden. Auch heute noch setzen viele Firmen auf die Sympathieträger. Ihre Gründe? In Testimonials von Partnern heisst es etwa «We believe in traditional, enduring values, just like the Moomins» oder «The appeal of the Moomin brand is further enhanced by the inner richness of the characters and the high-quality of all the published material, whether it’s the magnificent artwork of Tove Jansson’s books or a modern animation». Das Geschäft mit den Mumins lohnt sich also noch immer: sie sind einer der wenigen kunstbasierten Character Brands, der weltweit beliebt ist. Im Jahr 2017 wurden beispielsweise 700 Lizenzen ausgehandelt. Lizenzinhaberin ist die Firma Moomin Characters mit Sitz in Helsinki, geführt von Toves Nichte Sophia in der Rolle als Art Director. Die Abbildungen aufzufrischen oder gar neu zu interpretieren ist verboten. Erlaubt sind lediglich die originalen Abbildungen von Tove selbst.

Die Mumins sind Finnland und Finnland ist die Mumins

«Du sprichst wie Mumintroll!» diesen Satz hören Finnlandschweden oft, vor allem von ihren Nachbarn aus Schweden. Mit anderen Worten: Mittlerweile stehen die Mumins gar für die Nation, aus der sie kommen und dies in einem so hohen Mass, dass sogar die Sprache sofort mit ihnen in Verbindung gebracht wird. Das wissen etwa auch die finnische Fluglinie Finnair und das finnische Fährunternehmen Silja Line. Beide haben die Mumins als Botschafter gewählt. Vor allem bei Flügen nach Japan sind die Mumins Teil der Marketing-Strategie, denn dort haben sie ausserhalb von Skandinavien eine besonders grosse Fangemeinde. Die Mumins fliegen also mit – sei es als Bilder auf dem Flugzeug selbst oder im Flugzeug in Form von gebrandeten Süssigkeiten oder Spielzeug. Die Silja Line bietet nicht nur Kabinen im Mumin-Stil, sondern ganze Kreuzfahrten mit Mumin-Thema an. Das alles zeigt: Die Mumins sind Finnland und Finnland ist die Mumins.

Über die Autorin

Kathrin Hubli studierte Publizistik und Skandinavistik. Derzeit ist sie an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Bereich Kommunikation und Events tätig und bildet sich im CAS Marketing & Corporate Communications weiter. Die Mumins kennt sie dank ihrer zahlreichen Reisen in den Norden.