„The trend is your friend“: Vom Nutzen der Trendforschung

Der allgemeine Trend ist freundlich zu allen, weiss eine alte Börsenweisheit. Denn „die Flut [der Trend] hebt alle Boote“. Dies illustriert den zentralen Nutzen der Trendforschung: Allgemeine Trends früh genug zu erkennen und daraus Prognosen abzuleiten. Unternehmen können dies in ihre Analyse der Rahmenbedingungen einbauen. Wächst die Wirtschaft oder steigt die Börse, profitieren viele von diesem allgemeinen Trend. Trendforschung erkennt, was viele beschäftigt. Die Weisheit der Vielen liegt meist nicht völlig daneben. Der Nachteil – der Un-Nutzen – liegt in deren Ungenauigkeit. Die Flut hebt alle Boote. Doch welches Boot oben auf der Welle schwimmt und welche Boote unten im Wellental um den knappen Raum rangeln, kann sie nicht sagen.

Trendforschung macht Prognosen und es liegt an uns Konsumenten dieser Studien, deren Prognosewert zu erkennen. Eine Trendstudie bezüglich demographischer Entwicklung dürfte punktgenau zutreffen. Eine ähnliche Studie über Börsentrends trägt das Verfalldatum eines Joghurts. Ein weiterer interessanter Aspekt: Interessanterweise ist es oft einfacher Verlierer zu identifizieren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beobachtete man bereits den Trend zu erhöhter Mobilität. Der Nutzen von Autos war zunehmend leichter zu erkennen. Wer in der Autoindustrie gewinnt, war kaum  zu prognostizieren. Der Pferdezucht und der Pferdekutschenherstellung konnte man hingegen mit relativ grosser Sicherheit vorhersagen, keine grosse Zukunft zu haben. Verlierer sind leicht, Gewinner sind schwer zu erkennen.

Quelle: www.toonpool.com (by Karsten)

Die Trendforschung leidet zudem am Weihnachtsgansproblem. Die Weihnachtsgans wird von ihren Besitzern üppig gefüttert, liebevoll gehätschelt und gepflegt. Die vollgefressene Weihnachtsgans und ihr Besitzer werden glücklicher, je kürzer die Tage werden. Kurz vor Weihnachten macht die Weihnachtsgans eine traumatische Entdeckung: Sie landet in der Pfanne! Im Jargon der Trendforschung hat sie den sogenannten Umkehrpunkt nicht erkannt. Solche Umkehrpunkte sind die grösste Knacknuss für die Trendforschung.

Trends sind immer auch wohl formulierte Geschichten (Stories). Nach dem Platzen der Dotcom-Blase ortete ein bekanntes Beratungsunternehmen die aufstrebenden Schwellenländer als neuen Trend und propagierte die BRIC-Story (BRIC = Brasilien, Russland, Indien, China). Die Geschichte war eingängig, glaubwürdig und konnte mit dem Kürzel BRIC auf einen simplen Nenner gebracht werden. Auf dem Aktienmarkt hat diese Geschichte keine Outperformance gebracht und viele Exportunternehmen haben sich in diesen Märkten eine blutige Nase geholt. Das Akronym steht heute für „bloody ridiculous investment concept“.

Trendforschung ist also nützlich in der Diskussion von „grossen“ Themen – den allgemeinen Rahmenbedingungen. Sobald die Prognosen aber ins Detail gehen sollten, versagt sie, und ist für uns Unternehmer nur beschränkt nützlich. „The trend is your friend“ gilt, aber gibt keinen Hinweis, ob ich mit dem Freund ins Kino oder in die Oper gehen soll.

Publizieren an der Hochschule: von Rittersmannen und Knappen

Hochschulen sind spezielle Organisationen. Sie funktionieren gemäss der Ordnung von geheimnisvollen Ritualen. Aussenstehende durchschauen diese kaum und Innenstehende meist auch nicht wirklich. Publikationen sind ein solches geheimnisvolles Ritual. Dazu dieser Beitrag.

In einer Hochschule gibt es zwei Klassen von Personen: AQ und PQ. Die AQ sind Academically Qualified – also Theoretiker – und die PQ sind Professionally Qualified – also Praktiker. Die Hierarchie ist sehr strikte. AQ sind die Rittersmannen und die anderen sind eben die Knappen. Den König lassen wir beiseite, denn der spielt sowieso in einer anderen Liga. Das Volk (die Studierenden und die Angestellten) dient als Hintergrund und sollte im richtigen Moment ehrfurchtsvoll raunen.

Für die Rittersmannen (die AQ) sind die eingangs erwähnten Publikationen wichtig. Bei diesen Publikationen gibt es eine strikte Hierarchie. Gemäss Ritualordnung gibt es ein Punktesystem, das über die Grenze zwischen Rittersmannen und Knappen urteilt. Für diese Publikationen gibt es den Geheimcode mit Buchstaben von A bis E. Englisch ausgesprochen, versteht sich; an Hochschulen spricht man im Gegensatz zum Mittelalter eben Englisch. A bedeutet sehr viel Ehre und E verursacht Stirnrunzeln beim Volk. Zur Bedeutung sei folgendes offen gelegt. A bedeutet „almost nobody reads it“. Die Publikation ist also so kompliziert geschrieben, dass fast niemand sie lesen kann (nur die Eingeweihten). B ist etwas einfacher: „but a few read it“. Nur wenige können es lesen, aber immerhin. C heisst dann: „crowds read it“. Viele können so etwas lesen – also auch die Knappen und das Volk – folglich kann es akademisch nicht wirklich wertvoll sein. Und so geht es weiter bis zum Buchstaben E, der bedeutet: „everybody reads it“. Das Volk liest dieses Zeugs und es kann akademisch keinen Wert haben. Heute würde das etwa im ‚20 Minuten‘ stehen. Das gab es im Mittelalter aber noch nicht.

Beim nächsten lesen einer akademischen Publikation dürfen Sie also getrost mit Schiller fragen:

„Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, zu tauchen in diesen Schlund?“

Es gilt jedoch zu bedenken, dass der König einen goldenen Becher – also etwas sehr Wertvolles – hinabgeworfen hat. Dies Wertvolle gilt es zu heben und also wird fleissig publiziert! Die Rittersmannen versuchen sich höhere Hierarchiestufen (Punkte aus den Publikationen) zu erkämpfen. Die Knappen versuchen, in den Rang der Rittersmannen aufgenommen zu werden. Meistens finden die Rittersmannen dann doch, dass noch ein Rüstungsteil fehlt und der Knappe nicht in den Elfenbeinturm aufgenommen werden kann.

Wissenschaft als Debakel für die Menschheit

Die Erde ist nicht flach! Sie ist nämlich rund und sie ist auch nicht der unverrückbare Mittelpunkt des Universums. Ebenso ist der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern eine – wenn auch sehr einzigartige – biologische Spezies unter vielen. Kometen verursachen auch keine Überschwemmungen. Die Liste könnte fast beliebig verlängert werden. Zu „verdanken“ haben wir diese Erkenntnisse der Wissenschaft. Ernst Häckel hat im 19. Jahrhundert von einer Demütigung für die Menschheit gesprochen. In diesem Sinn ist die Wissenschaft also ein eigentliches Debakel für uns Menschen. Plötzlich gelten einfache Lösungen nicht mehr. Keine Hexe ist mehr verantwortlich für Krankheiten. Die einfache Lösung – die Verbrennung der Hexe – funktioniert nicht mehr.

Dass die Erde eventuell nicht flach, sondern rund ist, haben schon die alten Griechen zum Teil vermutet. Im Mittelalter war es im Grunde klar, dass die Erde rund ist. Nur als Klammerbemerkung: Im Mittelalter haben die meisten Gelehrten nicht an die flache Erde geglaubt. Dies ist ein heute weit verbreiteter Irrtum. Kolumbus hat mit einem Tatbeweis schliesslich gezeigt, dass die Erde wahrscheinlich wirklich rund ist. Kopernikus entthronte die Welt und zeigte, dass sie um die Sonne kreist und nur einer von den Planeten ist. Darwin zeigte, dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist. Der Mensch wurde erniedrigt zu einer biologischen Spezies unter anderen.  Nach und nach konnte man zeigen, dass zwischen Kometen und Katastrophen kein Zusammenhang besteht und Krankheiten teilweise durch Keime verursacht werden. Die Wissenschaft hat das ursprünglich einfache Weltbild fast systematisch eingerissen. Damit schaffte sie sich viele Feinde. Die Kirche oder allgemeiner die Religion steht an vorderster Stelle. Die „herrschende Kaste“ ist oft auch nicht begeistert und wir sind es selbst nicht im Alltag. Es ist eben in der Alltagserfahrung einfacher zu sehen, dass die Sonne um die Erde kreist und nicht umgekehrt. Intuition erleichtert uns das tägliche Leben beträchtlich (Kahnemann, 2012), führt uns Menschen aber oft in die Irre.

Die Wissenschaft hat es nicht leicht in unserem Alltag (Unternehmensalltag). Wir folgen gerne der Intuition, sehen Zusammenhänge wo es keine gibt und geben manchem die Schuld, wo gar keine Beziehung von Ursache zu Wirkung besteht. Etwas Wissenschaft kann den Unternehmensalltag verbessern, obschon das Risiko besteht, lieb gewonnene Wirkungszusammenhänge sterben zu sehen. Der Beton festgefahrener Überzeugungen verwittert früher oder später sowieso.

Quelle: Kahnemann, D. (2012). Thinking, Fast and Slow. London: Penguin Books.

Was Nashörner, Vogelscheuchen und Brandrodungen gemeinsam haben

Nashornpulver ist ein extrem teures Gut und Wilderer (Nashörner sind weltweit geschützt!) versuchen illegal, möglichst viele Nashörner zu erlegen. Die Geschichte dahinter ist so einfach wie sie auch einleuchtend ist. Die Parallelen zwischen dem Horn des Nashorns und der männlichen Manneskraft ist offensichtlich. Der Zusammenhang leuchtet auch sofort ein.

Ähnliches gilt auch für die Vogelscheuche. Vögel haben Angst vor Menschen und fliegen meist weg – ausser degenerierte Stadttauben natürlich. Der Schluss, dass Vögel den Acker mit einem darauf stehenden Menschen meiden, ist auch schnell gezogen. Dass sich die Ärmel im Winde bewegen, unterstreicht die Lebendigkeit der Vogelscheuche.

Mit Brandrodungen verhält es sich gleich. Menschen, denken, dass auf verbrannter Erde besonders viel Grün wächst. Es ist ja offensichtlich, denn das Grün sticht im verbrannten Schwarz deutlich hervor.

Nashörner, Vogelscheuchen und Brandrodungen ist gemeinsam, dass sie menschlichen Denkmustern ideal entsprechen. Man sieht das Offensichtliche, dieses ist leicht zu verstehen und es ist in sich kohärent. Wenn zeitlich anschliessend noch ein Ereignis stattfindet (es hat beispielsweise wirklich weniger Vögel auf dem Acker), wird das Denkmuster bestätigt. Nur wenige, bestätigende Ereignisse sind notwendig, um das Denkmuster in Beton zu giessen. Nashornpulver ist dann eben viel mehr wert als Gold!

Sind wir im Unternehmensalltag dagegen gefeit? Die zynische Antwort: „Natürlich! Wir sind ja alle Homo Oeconomicus.“ Wir könnten eine Umfrage machen, ob Vogelscheuchen tatsächlich Vögel vertreiben und es würde sich herausstellen, dass dem in der Tat so ist. Sowohl Hersteller wie auch Verwender von Vogelscheuchen sehen einen grossen Nutzen. Der Homo Oeconomicus wären dann zufrieden, denn er hat nun eine Studie mit harten Zahlen.

Ein interessanter, zusätzlicher Gedanke: Solche Muster (Stories) sind besonders einleuchtend, wenn man wenig Informationen über das entsprechende Thema hat. Es gibt eben immer eine einfache, einleuchtende, falsche Antwort auf komplizierte Fragen.

Nur ganz zum Schluss: Dem interessierten Leser sei das Buch mit dem theoretischen Hintergrund zum impliziten (System1; „fast“) und dem expliziten (System 2; „slow“) empfohlen (Kahnemann, 2012).

Quelle: Kahnemann, D. (2012). Thinking, Fast and Slow. London: Penguin Books.

 

Bachelor und Master: Wo liegt der Unterschied?

Die Grundidee auf Bachelorstufe ist „Wissen schafft Werte“ und somit steht die Anwendung des Wissens im Vordergrund. Auf Masterstufe ist die Grundidee „Wissen schaffen“ und somit neues Wissen generieren.

Studierende mit einem Bachelor-Diplom sollen also primär Wissen anwenden. Konkret müssen im Unternehmensalltag Kunden mit Wissen versorgt und beraten werden (Verkaufsfunktion), Mitarbeiter angestellt und ausbezahlt werden (HR-Funktion), Produkte hergestellt und verpackt werden (Produktionsfunktion) und das ganze sollte noch strategisch geleitet werden (Strategiefunktion). Also alles Beispiele von Kompetenzen, die primär eine schlaue Umsetzung von Wissen bedeuten. Ein Bachelor sollte folglich auch sehr handlungsorientiert sein.

Studierende mit einem Master-Diplom sollen hingegen Wissen neu generieren. Dies bedeutet viel Unsicherheit, denn es heisst Umgang mit Un-Wissen, mit neuen Dingen eben – also auch viel nachdenken. Diese müssen nicht neu für die Welt sein (Grundlagenforschung), das überlassen wir als Fachhochschule den Universitäten. Der neue Kontext allein kann schon Herausforderung genug sein. Hier ein illustratives Beispiel aus Nepal , wo dieser Beitrag auch entstanden ist: Für Apfelbäume hat es genug Wasser und Licht. Nur kann man jetzt nicht Apfelbäume von Europa nehmen und hier pflanzen. Die Sonne scheint sehr viel intensiver und das Wasser ist saisonal ungleich verteilt. Monsun-Regen kommt erst im Juli und August dafür in Unmengen. Apfelbäume stehen nicht gern mit den Füssen im Wasser. Also muss ein Master bestehende Apfelbaumsorten für den lokalen Market „umzüchten“ und der Bachelor sollte dann die Äpfel pflanzen, ernten und industriell verwerten.

Ein Master sollte auch noch über zusätzliche Kompetenzen verfügen. Im Vordergrund steht die Planungskompetenz (vorausschauen und quantifizieren), die Führungskompetenz (zur Zeit die grösste Herausforderung) sowie die gerade erwähnte Wissenschaftskompetenz (evidence-based marketing).

Im Unternehmensalltag werden also beide Funktionen benötigt. Der Mix ist abhängig von der jeweiligen Branche. Für unsere Schule müssen wir aber festhalten, dass wir zu wenige Master ausbilden. In der Praxis stehen in der Schweiz noch zu viele Bäume mit den Füssen im kalten Wasser.

Höher? Geht nicht! Weiter? Gibt es nicht!

Kurzer Erfahrungsbericht zu 5 Monaten Sabbatical in Nepal

Die Akademie hat neben den allseits bekannten riesigen Nachteilen einen ganz grossen Vorteil: Nach zehn Jahren Lehrtätigkeit darf man ein halbes Jahr Auszeit nehmen. Diese Auszeit muss man mit Tätigkeiten füllen, die im grösseren Kontext Sinn stiften. Der Besuch einer anderen Universität (häufig in Australien oder Amerika) ist ein üblicher Pfad. In meinem Fall war es die KUSOM in Nepal. Nepal ist eines der ärmsten Länder dieser Erde und eingeklemmt zwischen China und Indien (und den Himalayas!).

Dieser Beitrag soll ein paar persönliche Eindrücke schildern. Mehr erzählen werde ich in einem reich bebilderten Vortrag der etwas anderen Art im kommenden Herbstsemester. Stay tuned on this blog!

KUSOM steht für Kathmandu University School of Management, ist privat und die Eliteuniversität in Nepal. Dem Dean habe ich versprochen, das Fach „Grundlagen des Marketing“ zu unterrichten, aber ich wollte das aus diversen Gründen in zwei Monaten erledigen. So durfte ich unser altbekanntes MAM1 in Englisch in 7 Wochen mit einer Klasse durchziehen. Die Prüfung am Ende des Semesters war gleich wie hier und die Studenten schlossen mit etwa gleichen Kompetenzen wie hier ab. Das ist eine der interessanteren Erkenntnisse für mich. Die Studierenden in Nepal wissen und können etwa gleich viel wie hier, aber die Umsetzung strebt gegen Null. Ein westlicher Unternehmensberater würde ein „Knowing-Doing-Gap“ diagnostizieren, ein Nepali würde konstatieren „Nepal is different!“.

Sehr schnell haben wir auch herausgefunden, dass man in Nepal sehr gut essen kann. Auch die Menschen sind extrem freundlich und hilfreich. Und das Ganze wird mit überwältigend vielen Farben ausgeschmückt. Bollywood im Alltag! Für mich ist jeder Aufenthalt in einer neuen Kultur (Japan, China, USA, etc.) immer wieder faszinierend. Wenn einer eine Reise tut, so kann er von Widersprüchen erzählen. Diese sind teilweise traurig (Korruption), teilweise lustig (Mobiltelefonie), teilweise frustrierend (Stromversorgung) und teilweise nachdenklich stimmend (Abfallprobleme). Und dann die Berge! Da arbeitet man sich 4 Tage schwitzend durch den Bergwald und steht – in dünner Luft – etwa über 4000 m.ü.M. vor einem Berg, dessen Gipfel nochmals 3000 Höhenmeter weiter oben liegt.

Wer im Herbstsemester mehr erfahren will, für den seien Hintergründe zu folgendem versprochen:

  • Dominanz von Kultur: Kühe sind heilig, Menschen nicht! Über die Konsequenzen im Alltag
  • Erfolgsmodell Schweiz: Was die Schweiz anders macht als Nepal
  • Familie! Familie? Was ist eigentlich eine Familie?
  • Erlebnis Wildnis: 3 Tagesmärsche zur nächsten menschlichen Siedlung, ohne Plan B natürlich
  • iPhone für jeden Eseltreiber ?!
  • “Menschen“ als Exportartikel
  • Klima: T-Shirt Wetter seit Februar, aber Trekkingschuhe gefriergetrocknet

„We can get no statusfaction!“

Status ist gut. So einfach lautet die Botschaft aus unserer Studie bezüglich Wahrnehmung von Autos als Statussymbol. Das protzige Auto macht einen positiven Eindruck und wird mit „gut“ assoziiert. Der Mensch ist eben ein simples Tier: Ein Mann mit dickem Auto hat auch ein dickes Portemonnaie und kann für die Nachkommen sorgen (denkt sich die Frau). Und der Mann weiss, der Trick mit den sozialen Signalen – sprich Auto – funktioniert. Das simple Tier wird erst bei der Begründung raffiniert. Da wird dann eben wortreich und mit viel Emotion auf die „inneren Werte“ verwiesen.

Richtig spannend wird das zweite Ergebnis der Studie. Die Probanden rekrutierten wir aus dem Bankenumfeld und dem „sozialen Umfeld“. Dies unter der Annahme, dass bei Bankern und Bankerinnen das Spiel mit den Statussymbolen verbreitet ist und im „sozialen Umfeld“ eher nicht. Auf der bewussten Ebene ist dem auch so, aber sobald der Autopilot übernimmt (die unbewussten Assoziationen), zeigt sich dies eben nicht. Die Damen aus dem Sozialwesen weisen eine relativ starke, positive Assoziation zu Status und Prestige in Verbindung mit Autos auf. Die Herren aus dem Sozialwesen legen signifikant weniger Wert auf Status. Stereotypisierend könnte man also folgern: „Alle bewundern den Arzt mit Ferrari, die Krankenschwester bekommt ihn und der Krankenpfleger geht leer aus“.  Die Evolution hat uns zu sozialen Wesen gemacht und den Autopiloten mit dem Programm „Besitz ist gut“ kann man nicht einfach ausschalten.

Die knackige Schlussfolgerung: Status ist für (fast) alle gut.

Lesen Sie das ganze Paper mit dem Titel „Leiden wir an Statussymptomen? Implizite und Explizite Einstellungen zu Autos“ hier.

The thin win – oder was Attraktivität mit Glaubwürdigkeit zu tun hat.

Jetzt hat es also auch Vogue erwischt! Der Trend geht hin zu „natürlichen Models“.

Dies könnte man als Randnotiz auf Boulevard-Niveau abtun. Doch es steckt mehr dahinter. Nämlich die interessante Frage, was Attraktivität mit Glaubwürdigkeit zu tun hat. Intuitiv würden viele einen Zusammenhang zwischen Aussehen und Kompetenz abstreiten. Auch die Wirkung von Werbung würden viele für sich selbst als nicht existent empfinden. Allenfalls ein paar minderjährige Teenies lassen sich angeblich davon beeinflussen. Warum sollte ein Werbe-Argument überzeugender sein, wenn es von einer attraktiveren Person kommt?

Das hat mit Expertise nur oberflächlich zu tun. Das Argument für einen bestimmten Lippenstift mag von einer Ex-Miss-Schweiz überzeugender sein. Aber das Argument für WC-Schüsseln? Oder für Finanzanlagen?

Noch allgemeiner formuliert interessiert uns die Frage, wieso wir Mitarbeiter einem Chef mehr vertrauen als einem anderen. Oder als Kunde finden wir den einen Kundeberater kompetenter als den anderen. Dies alles hat sehr viel mehr mit dem äusseren Erscheinungsbild zu tun, als wir das von uns selbst glauben wollen.

Auf der Suche nach geeigneten Forschungsobjekten gingen wir sorgfältig vor. Geeignet sind Objekte, über die andere Menschen eine felsenfeste Überzeugung haben. Und die Objekte müssen auch mit vernünftigem Aufwand zugänglich sein. Also Versicherungsberater? Langweilig! Finanzanalysten? Etwas besser! Dozenten und Dozentinnen? Achtung Glatteis! Also wählten wir Models in der Werbung. Und das bringt uns zum ursprünglichen Thema zurück.

Wir untersuchten die unbewussten Assoziationen zu schlanken und zu eher molligeren (eben „natürlichen“) Models. Als Messung benutzten wir Reaktionszeiten auf Bilder und Worte. Im menschlichen Gehirn sind viele Dinge mehr oder weniger eng miteinander verdrahtet. So ist „gut“ und „attraktiv“ enger beieinander als „schlecht“ und „attraktiv“. Dies äussert sich eben auch in den Reaktionszeiten zu Bildern und Begriffen auf dem Computerbildschirm. Zeigefinger lügen nicht. Und das Resultat war mehr als eindeutig: Schlank ist gut und glaubwürdiger!

Ganz zum Schluss: Auch Vogue wird in Zukunft wieder „vernünftiger“. Das biologische Erbe in uns ist einfach stärker als jedes Argument. Je attraktiver und modellhafter ein Mensch ist, desto glaubwürdiger und kompetenter wirkt dieser Mensch. Auch in zwanzig Jahren werden die dünnen Models mehr verkaufen als die „natürlichen“.

Das Paper The thin win: Implicit preference for slim models in advertising wurde an der Academy of Marketing Conference vorgestellt und  in der Kategorie „Marketing Research und Methodology“ als „best paper“ ausgezeichnet (erscheint somit im Journal of Marketing). Eingereicht habe ich das Paper zusammen mit  Céline Forestier, welche in ihrer Bachelor-Arbeit (Wer hat Angst vor Heidi Klum?) den Grundstein zu diesem Paper gelegt hat.

Wer hat Angst vor Heidi Klum? Implizite Assoziationen zu Models in der Werbung

Erkenntnisse der Bachelor-Arbeit von Céline Forestier im Rahmen des Bachelorstudiengangs Betriebsökonomie der ZHAW School of Management and Law. Die Bachelor-Arbeit wurde mit dem Rieter-Preis ausgezeichnet.

Unternehmen bewerben ihre Produkte oftmals mit Models, die als Kommunikatoren die Rezipienten positiv beeinflussen und die Werbeeffektivität steigern sollen. Dabei werden grösstenteils hoch attraktive und extrem schlanke, weibliche Models eingesetzt. Die Attraktivität der Models ist als visueller Kontakt die erste und wichtigste Interaktion zwischen dem Kommunikator und dem Rezipient. Sie erhöht die Aufmerksamkeit und die Wahrscheinlichkeit, dass das Werbebild betrachtet und die Botschaft verinnerlicht wird.

Über die letzten Jahre wurde vermehrt Kritik laut, dass die Models unnatürlich dünn seien und so als Werbebotschafter und Vorbilder sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern eine verzerrte Wahrnehmung des weiblichen Körperbildes auslösen. Das Deutsche Super-Model Heidi Klum wurde mit ihrer Reality-Show „Germanys Next Topmodel“ vermehrt von den Kritikern und Kritikerinnen als Zielscheibe benutzt. Dove lancierte 2004 die Kampagne „Initiative für wahre Schönheit“. Sie bewarben ihre Produkte als erstes Unternehmen mit molligen und normal attraktiven Models. Die Kampagne fand grossen Anklang und die Strategie wurde bis heute beibehalten.

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