Was Nashörner, Vogelscheuchen und Brandrodungen gemeinsam haben

Nashornpulver ist ein extrem teures Gut und Wilderer (Nashörner sind weltweit geschützt!) versuchen illegal, möglichst viele Nashörner zu erlegen. Die Geschichte dahinter ist so einfach wie sie auch einleuchtend ist. Die Parallelen zwischen dem Horn des Nashorns und der männlichen Manneskraft ist offensichtlich. Der Zusammenhang leuchtet auch sofort ein.

Ähnliches gilt auch für die Vogelscheuche. Vögel haben Angst vor Menschen und fliegen meist weg – ausser degenerierte Stadttauben natürlich. Der Schluss, dass Vögel den Acker mit einem darauf stehenden Menschen meiden, ist auch schnell gezogen. Dass sich die Ärmel im Winde bewegen, unterstreicht die Lebendigkeit der Vogelscheuche.

Mit Brandrodungen verhält es sich gleich. Menschen, denken, dass auf verbrannter Erde besonders viel Grün wächst. Es ist ja offensichtlich, denn das Grün sticht im verbrannten Schwarz deutlich hervor.

Nashörner, Vogelscheuchen und Brandrodungen ist gemeinsam, dass sie menschlichen Denkmustern ideal entsprechen. Man sieht das Offensichtliche, dieses ist leicht zu verstehen und es ist in sich kohärent. Wenn zeitlich anschliessend noch ein Ereignis stattfindet (es hat beispielsweise wirklich weniger Vögel auf dem Acker), wird das Denkmuster bestätigt. Nur wenige, bestätigende Ereignisse sind notwendig, um das Denkmuster in Beton zu giessen. Nashornpulver ist dann eben viel mehr wert als Gold!

Sind wir im Unternehmensalltag dagegen gefeit? Die zynische Antwort: „Natürlich! Wir sind ja alle Homo Oeconomicus.“ Wir könnten eine Umfrage machen, ob Vogelscheuchen tatsächlich Vögel vertreiben und es würde sich herausstellen, dass dem in der Tat so ist. Sowohl Hersteller wie auch Verwender von Vogelscheuchen sehen einen grossen Nutzen. Der Homo Oeconomicus wären dann zufrieden, denn er hat nun eine Studie mit harten Zahlen.

Ein interessanter, zusätzlicher Gedanke: Solche Muster (Stories) sind besonders einleuchtend, wenn man wenig Informationen über das entsprechende Thema hat. Es gibt eben immer eine einfache, einleuchtende, falsche Antwort auf komplizierte Fragen.

Nur ganz zum Schluss: Dem interessierten Leser sei das Buch mit dem theoretischen Hintergrund zum impliziten (System1; „fast“) und dem expliziten (System 2; „slow“) empfohlen (Kahnemann, 2012).

Quelle: Kahnemann, D. (2012). Thinking, Fast and Slow. London: Penguin Books.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.