«Bewusst Gewohnheiten ändern»: 7 Regeln für einen nachhaltigen Konsum im Alltag

Von Verena Berger

  1. Weniger ist mehr: Das heisst zu überlegen, ob man Dinge wirklich braucht. Das gilt bei Neuanschaffungen, wie auch beim Entrümpeln. Was in den letzten 12 Monaten nicht gebraucht wurde, ist möglicherweise überflüssig. Ausleih- oder Tauschplattformen sind tolle Alternativen zur Entsorgung im Müll. Dem Hausrat oder Elektrogeräten so ein zweites Leben schenken, erleichtert zudem die Trennung, da die Dinge weiter Verwendung finden.
  2. Ernährung: Weniger Fleisch im Speiseplan schont nicht nur die Umwelt, sondern fördert auch die Gesundheit durch mehr Vielfalt auf dem Teller. Denn wer zudem noch einen Schritt weiter geht und vermehrt tierische Produkte durch regionale pflanzliche Alternativen ersetzt, der wird schnell zum kreativen Zutaten-Entdecker und Experte für Saison-Gemüse.
  3. Kleidung: Auf Label und zertifizierte Kleider achten. Netzwerke wie Get Changed helfen dabei, die fairen Marken und Händler zu finden. Lieber ein hochwertiges fair gehandeltes Kleidungsstück, dass man mit guten Gewissen tragen kann, als massenweise Billigware.
  4. Heiss ist alles andere als cool: Am besten die Heizung einige Grad herunter drehen, dann findet auch der heiß geliebte Kuschelpulli endlich Verwendung. Das spart Energie und gleichzeitig noch Heizkosten.
  5. Noch nie war das Teilen so einfach: Teilen, tauschen, verkaufen bzw. kaufen von gut erhaltenen, neuwertigen oder gebrauchten Gegenständen über lokale Tauschbörsen oder eine der etlichen online Plattformen ist „in“ und kinderleicht. Ausprobieren lohnt sich. Wer doch keinen Spass daran findet, dem bleibt natürlich noch das Verschenken.
  6. Bewusst Gewohnheiten ändern: Es ist so einfach nichts zu ändern. Aber ohne Veränderung, keine neuen Erfahrungen. Warum nicht mal mit dem Bus in die Stadt oder mit dem Fahrrad zur Arbeit? Garantiert staufrei und mit CO2– Ersparnis.
  7. Heute an Morgen denken: Wenn dein Leben morgen endet, bist du stolz auf das, was du hinterlassen hast? Wenn ja, dann motiviere doch auch andere Menschen dazu ein bisschen mitzuhelfen – Schritt für Schritt und ohne Zeigefinger, denn Ansporn ist so viel produktiver als Kritik.

Die Autorin Verena Berger (c) Linda Pollari (www.lindapollari.ch)

Dieser Beitrag wurde zuerst auf XING veröffentlicht: https://meet.xing.ch/xing_menschen/verena-berger-nachhaltiger-konsum/

 

Mit dem Customer Experience Ansatz positive Kundenerfahrungen schaffen

Ein Studierenden-Projektteam der ZHAW hat die Schweizer Miet- und Vermietplattform für Alltagsgegenstände Sharely.ch genauer unter die Lupe genommen. Ein lehrreiches Projekt für Auftraggeber und angehende Marketers.

Integrierte Praxisprojekte – neue Impulse von Studierenden für die Praxis

Wie muss eine Online-Plattform aus Kundensicht gestaltet und aufgebaut sein, damit eine möglichst positive Kundenerfahrung (Customer Experience) erreicht werden kann? Dieser und weiteren Fragen hat sich das Projektteam (Corina Scheitlin, Isabelle Niemann und Ali Sazpinar, Studierende des Master of Science (MSc) in Business Administration der ZHAW School of Management and Law) von Mitte Februar 2015 bis Juni 2015 angenommen und die Online-Plattform Sharely analysiert.

Die Plattform Sharely.ch ist eine Antwort auf die Share Economy, welche vor allem durch das Internet ermöglicht wurde und daraus besteht, Dinge, Informationen, Wissen und Ressourcen zu teilen und gemeinsam zu nutzen. Auf der Plattform Sharely.ch kann man Alltagsgegenstände vermieten und selbst Objekte mieten.

UnbenanntOnline Customer Journey Map – Kundenerfahrungen sichtbar machen

Ziel war es, die Online Customer Experience von Sharely mithilfe einer Customer Journey Map zu optimieren und entsprechende Massnahmen abzuleiten, mögliche Abbrüche während dem Miet- oder Vermietprozess zu reduzieren, die Benutzerfreundlichkeit zu steigern, sowie die Kommunikation zwischen den Nutzern zu fördern.

Die Erstellung einer Customer Journey Map bedarf einer genauen Analyse der Kundenprozesse, -bedürfnisse sowie der Erwartungen der Kunden. Dazu wurden zwei Nutzer und acht Nicht-Nutzer ausgiebig beobachtet und befragt. Durch den direkten, persönlichen Kontakt, sowie die Ganzheitlichkeit aus Beobachtung und Gespräch konnten sich die Befragten intensiv mit ihrem Kundenerlebnis auf Sharely auseinandersetzen. Der gesamte Prozess mit allen Funktionen auf Sharely wurde somit ausgiebig aus der Kundenperspektive untersucht. Die dadurch gewonnenen Einblicke haben es der Gruppe ermöglicht, praxistaugliche und für Sharely umsetzbare Massnahmen abzuleiten.

Sharely ist mit den Ergebnissen der Projektarbeit sehr zufrieden und wird den Grossteil der Massnahmen so schnell wie möglich umsetzen.

„Mit Sharely.ch sind wir nun 1.5 Jahre unterwegs. Wir sind jeden Tag mit der Plattform beschäftigt – und sehen genau aus diesem Grund die kleinen, aber wichtigen Hürden aus Kundensicht nicht (mehr). Die Arbeit des Projektteams war für uns sehr nützlich, aber auch überraschend. Sharely ist im Grundsatz einfach zu verstehen, dennoch gibt es einige Stellen, an denen für die Nutzerinnen und Nutzer Unklarheiten entstehen. Die Arbeit hat diese Stellen aufgezeigt – und gleich auch noch Lösungsvorschläge geliefert. Für uns sind das äusserst wertvolle Informationen!“ Andreas Amstutz, Gründer von Sharely

Corina Scheitlin, Isabelle Niemann und Ali Sazpinar bedanken sich für die gute und lehrreiche Zusammenarbeit.

Team Run 2015: Rekordverdächtig unterwegs – diesmal als Charity Runners

Auch dieses Jahr lief das Institut für Marketing Management wieder mit zwei Teams beim TeamRun am Zürich Marathon mit. Bei strahlendem Sonnenschein und kühler Bise, mit etwas Herzflattern, Kampfgeist und Ausdauer kamen alle erfolgreich bis zum Ziel.

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Diesmal waren die Teams nicht nur dabei, um Rekorde zu brechen, sondern auch als Charity Runner für die Life Changer Sammelaktion „Sauberes Trinkwasser für Kindern in Benin“. Das Sammelziel ist zwar längst erreicht, die Aktion läuft aber noch bis zum 26. April 2015. Wer also noch einen tollen Preis gewinnen möchte, sollte nicht zögern.

Wieviel ist eigentlich genug und kann man mit weniger besser leben?

Können wir durch bewussten Konsum unsere Lebensqualität steigern und so den globalen Ressourcen- und Umweltproblemen begegnen? Haben wir aufgrund des materiellen Überflusses wirklich eine höhere Lebensqualität oder doch eher ein Mangel an Zeit? Diesen Fragen stellen sich die Referierenden, viele interessierte Zuschauer und Workshop-Teilnehmer am 10. eco.naturkongress, der am 27. März 2015 in Basel stattfindet.eco.naturkongress_wie-viel-ist-genug_web_v2Tiefgreifende Veränderungsprozesse und ein Wertewandel sind notwendig um Genügsamkeit gesellschaftsfähig zu machen. Denn Suffizienz heisst: Bewussteres und bewusst reduziertes Konsumieren. Für viele ist das nicht einfach. Aber auch kleine, machbare Schritte können durchaus effektiv sein.

Wie kann man den erhobenen «Suffizienz-Zeigefinger» umgehen und Verzicht attraktiv und alltagstauglich machen? Dieser Frage geht die Fachstelle Behavioral Marketing zusammen mit den Referenten Dr. Urs Müller (Forschungsbereich Nachhaltigkeitskommunikation ZHAW), Marco Zaugg (getunik AG) und Lisa Ochsenbein (Pumpipumpe) nach.

Anhand von Inputs aus Theorie und Praxis wird gezeigt, wie mit verhaltens-wissenschaftlichen Ansätzen und innovativen Kommunikationsmassnahmen suffizientere Lebensstile gefördert werden können.

Interessiert? Dann melden Sie sich zum Kongress und den Workshops (z.B. D09 Wie wird Verzicht attraktiv?) an.

eco.naturkongress

eco.naturkongress

5 Fragen an Dr. Linda Miesler zum neuen Kurs «Behavioral Economics for Marketers»

Dr. Linda Miesler

Dr. Linda Miesler

Warum sollte man als Marketingverantwortlicher diesen Kurs unbedingt besuchen?
Unternehmen gehen häufig bei der Umsetzung ihrer Marketingstrategie von einem rein rational entscheidenden Kunden aus. Wir nehmen beispielsweise an, dass der Kunde alle Zeit der Welt, unbegrenzte mentale Ressourcen, ein riesiges persönliches Interesse, etc. hat, um sich intensiv mit Informationen zu Produkten und Services auseinanderzusetzen. Aber wenn wir uns einmal selbst in die Situation des Kunden versetzen, wird schnell klar, dass wir bei unseren Entscheidungen häufig nicht rational sondern beispielsweise impulsiv, emotional oder auch gleichgültig handeln. Oft lassen sich Kunden auch stark durch irrelevante Informationen oder durch situative Einflüsse beeinflussen. All diese (vermeintlich) irrationalen Verhaltensmuster müssen von Marketingverantwortlichen berücksichtigt werden, um beim Kunden mit den entsprechenden Marketingmassnahmen den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Was erwartet die Teilnehmer bei Kursteilnahme?
Die Erkenntnisse aus Behavioral Economics und Konsumentenpsychologie erlauben neue Sichtweisen auf den Kunden. Wir vermitteln in diesem Kurs die Grundlagen aus diesen Forschungsgebieten und zeigen die Bedeutung für das Marketing auf. Durch eine abwechslungsreiche Kursgestaltung, in der theoretische Inputs mit Beispielen in Form von Praxiscases, kleinen Übungen oder Gruppenaufgaben kombiniert werden, sollen die Teilnehmer ein Gefühl dafür bekommen, wie sie auf Basis dieser Erkenntnisse die Gestaltung von Marketingmassnahmen optimieren können und wie sie Kundenentscheidungen besser vorhersehen können.

Wo können die Inhalte im Unternehmen vor allem eingesetzt werden?
Neben dem besseren Kundenverständnis zeigen wir den Teilnehmenden, wo die Grenzen der bestehenden Marktforschungs-Tools zur Messung des Konsumentenverhaltens liegen und geben Inputs zu neuen Methoden, die sie im Unternehmensalltag anwenden können. Mit einem Rucksack vollgepackt mit neuen Kenntnissen ist zu erwarten, dass die Teilnehmenden aber auch selbst komplett neue Spielräume für ihre Produkte oder Strategien erkennen, die in der Praxis sehr erfolgreich sein können.

Kann ich auch teilnehmen, wenn ich nicht im Marketing-Bereich tätig bin?
Sicher. Der Kurs richtet sich zwar grundsätzlich an Personen mit Endkundenfokus aus Marketing, Kommunikation und Marktforschung. Beziehungsweise auf alle, die sich auf diese Funktionen vorbereiten möchten. Jedoch auch Personen, die lediglich daran interessiert sind, Behavioral Economics nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern mehr über das mögliche Zusammenspiel vieler faszinierender einzelner Effekte und dem Einsatz von Marketinginstrumenten erfahren möchten, sind herzlich willkommen.

Wo kann ich mich anmelden und wann findet der Kurs statt?
Anmelden kann man sich direkt bei der Kursleitung Verena Berger per E-Mail. Die Durchführung richtet sich nach der Anzahl der Anmeldungen. Damit kleine Gruppenarbeiten durchgeführt werden können und die Teilnehmenden während der drei Kurstage vom gegenseitigen Austausch profitieren, ist eine Teilnehmeranzahl von mindestens 10 Interessierten sinnvoll.

Von Schiffslacken und Recycling-Ladies – Wie man mit grünen Produkten nachhaltiges Konsumentenverhalten fördert und Wettbewerbsvorteile erzielt

Neue Produkte haben einen schweren Stand. Die meisten Produkteinführungen erweisen sich als Flops – besonders auch «grüne» Produkte.
Durchsetzen können sie sich nur dann, wenn sie als kommunikative, technische oder soziale Innovation den Markt revolutionieren. Das heisst: für den Kunden verständlicher und überzeugender, technisch effizienter oder effektiver, oder die Beziehung zwischen ihm und den anderen Marktteilnehmern einfacher und produktiver machend.

Wie das gehen kann durften Verena Berger (ZHAW, Institut für Marketing Management) und Stefan Gürtler (FHNW, Institut für Unternehmensführung), beide verantwortlich für den Weiterbildungsstudiengang CAS Sustainability Marketing, am 11. Meeting im Cluster Cleantech des Technologie Forums Zug mit Interessierten aus der Praxis diskutieren.

Was braucht es für die Marktrevolution? Sowohl technische und nicht-technische und technische Fähigkeiten. Diese sind elementar, wenn es darum geht umweltverträgliche wie auch nachhaltig-ökonomische Lösungen zu kreieren, welche die Konkurrenz distanzieren und die Kunden zu einer Verhaltensänderung bewegen.

Grafik aus der Präsentation

Grafik aus der Präsentation

Wie geht das? Das Unternehmen AzkoNobel hat eine biozidfreie Antifäulnisfarbe entwickelt, deren Einsatz keine negativen Auswirkungen auf die Meeresbiologie haben soll und den Treibstoffverbrauch um 6% reduzieren kann. Als Kombination von ökonomischem und ökologischem Kundennutzen hat sich das Produkt in der Schiffsbranche rasch durchsetzen können. «Grüne» Produktinnovationen und Erfolg müssen sich also nicht ausschliessen.

Welche innovativen «grünen» Ideen gibt es in der Schweiz? Wo gelang es, durch radikales Umdenken sich von der Konkurrenz abzuheben und gleichzeitig nachhaltiges Kundenverhalten initiieren?

Beispiel 1: Das Recycling-Paradies, Reinach AG. Wir alle kennen den tristen Charme von Recycling-Sammelstellen. Schmuddelig, aufwändig, umständlich, so kommen uns unsere Entsorgungsgänge vor. Nicht verwunderlich, dass in dieser unfreundlichen Welt die Männerberufe dominieren. Der radikale Gegenentwurf ist ein «Recycling-»Paradies, vorwiegend geführt von Frauen: freundliche Atmosphäre, grosszügige, vierspurige, witterungsgeschützte Ein- und Ausfahrt (Durchfahrsystem) und neben vielen anderen Vorteilen auch eine separate Entsorgungsstelle für Kinder mit kleinen Sammelboxen und Spielplatz.

Welche strategischen Fähigkeiten machen diese Idee zum Erfolg? Technisch gesehen die Logistik und vor allem der Standort und die Organisation und Ausgestaltung der Lokalität. Nicht technisch gesehen die Fähigkeiten zur Erlebbarmachung von Dienstleistung, das Wissen über die Kundenbedürfnisse, Vermarkungsfähigkeiten und ein – durchaus positiver – Personenkult um Karin Bertschi, die wahrscheinlich am häufigsten fotografierte grüne Unternehmerin der Schweiz.

Recycling-Paradies

Recycling-Paradies

Beispiel 2: AquaClic, Zürich-Oerlikon – partnerschaftliches Wassersparen. Die Zweitausend-Watt-Gesellschaft erfordert ein Umdenken im Umgang mit Ressourcen – unter anderem beim energiefressenden Warmwasser. Wer dieses sparen will, geht heute in den Baumarkt, besorgt sich eine von vielen Wasserspardüsen und montiert diese in Eigenregie. Nicht sehr inspirierend, finden Sie? Das Unternehmen AquaClic hat die Spielregeln neu gedacht. Die Handelnden sind nicht mehr die Mieter und Hausbesitzer, sondern Unternehmen oder Kommunen. In Corporate Volunteering-Aktionen engagieren sie ihre Mitarbeitenden oder Schulklassen, um die Spardüsen in die Haushalte und an die Wasserhahnen zu bringen. Organisationen können so ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, ihr Personal in handfeste Umweltprojekte einbinden und etwas Gutes fürs Image tun.

Swissness (Fertigung in der Schweiz), der Aufbau von Beziehungen zu Partnern und die Fähigkeit aus einem technischen, ein emotionales Produkt zu machen sind hier als Erfolgsfaktoren des Produkts zu nennen.

Aquaclic.info

Aquaclic.info

Viele weitere Beispiele zeigen, dass «grüne» Produkte und Dienstleitungen erfolgreich sind. Was es braucht, sind Unternehmen mit Mut zu kühnen Ideen und der Bereitschaft in ihre strategischen Fähigkeiten zu investieren. Wenn Produkte und Dienstleistungen einen Nutzen für Kunden, Umwelt und Gesellschaft stiften, technische und nicht-technische Innovationen kombinieren, sich klar von der Konkurrenz distanzieren, «neue Spielregeln» etablieren und das Kundenverhalten so verändern können, dass es nicht in nicht-nachhaltige Bahnen zurückfällt, dann sollte dem Erfolg für das Unternehmen, aber auch für Umwelt und Gesellschaft nichts mehr im Wege stehen.

Hybride beackern die Städte –Trend Urban Farming Teil 2

Quelle: www.kitchenfriends.ch

Vor einiger Zeit haben wir einen Artikel zum Thema Urban Farming veröffentlicht. Neben dem Ausdruck des urbanen Lifestyles hat sich der Trend in vielen Mega-Cities als Strategie gegen Hunger sowie Armut entwickelt und die Lebenssituation vieler Menschen verbessert. Viele Bewohner dieser Regionen können mit entsprechenden Maßnahmen (z.B. Rooftop-Gardening) genügend Nahrungsmittel zur Selbstversorgung produzieren (Trend-Report, 2014). In der Schweiz ist Urban Farming weniger aus Gründen der Nahrungsmittel-Grundversorgung auf dem Vormarsch sondern steht für ein Angebot hochwertiger Lebensmittel, für faire Arbeitsbedingungen und ökologische Produktionsmethoden. So die Gartenkooperative ortoloco, deren Idee es ist, sich gemeinsam Gedanken über «das gute Leben» zu machen.
Die Mitbegründerin und Mitglied in der Betriebsgruppe Tina Siegenthaler hat uns aufgrund ihrer Recherche auf einzelne Punkte aufmerksam gemacht, die sie gerne zum Blogbeitrag von September 2012 äussern möchte. Hier ihre Ergänzungen:

  • Dunkelhölzli ist ein Verein und keine Genossenschaft.
  • Die erwähnen Initiativen sind keine Urban Farming-Projekte, sondern sind Initiativen der Community Supported Agriculture (CSA), oder auch regionale (oder solidarische) Vertragslandwirtschaft (RVL).
  • Urban Farming wird klassischerweise in Beeten auf Brachflächen in der Stadt betrieben. Beispiele in Zürich: Stadiongarten auf der Brache des Hardturmstadion, Garten beim GZ Wipkingen, Brauergarten in der Brauerstrasse, Kräuterbeete im Restaurant Frau Gerolds Garten.
  • In diesen Initiativen geht es nicht darum, dass ein bisschen gegärtnert wird, sondern dass eine Versorgung mit hauptsächlich Gemüse, aber auch Pilzen, Beeren, Kräutern, Obst, etc. kontinuierlich für die Mitglieder der Genossenschaften/Vereine gewährleistet werden kann.
  • CSA ist eine alternative Form von Wirtschaft:
    • Es wird nicht mehr Gemüse als Einzelprodukt verkauft, sondern die ganze Produktion durch eine jährliche Pauschale finanziert, den sogenannten Betriebsbeitrag oder die Flächenpauschale. Die Ernte wird gleichmässig auf alle Mitglieder verteilt. So versorgen sich die Mitglieder der Initiativen mit Hilfe von angestellten Gartenfachkräften selber mit Gemüse.
    • Durch dieses Prinzip wird das Risiko auf alle verteilt und muss nicht mehr alleine von den ProduzentInnen getragen werden.
    • Ausserdem ist die Mitarbeit bei den meisten Initiativen ein zentraler Aspekt: Die Mitglieder von ortoloco z.B. erledigen 2/3 der anfallenden Aufgaben im Betrieb (Ernte, Abpacken und Verteilen der Gemüsetaschen, Buchhaltung, Administration allgemein, Kommunikation, etc.).
    • Dadurch kann den Gartenfachkräften ein angemessener Lohn bezahlt werden ohne dass die Produktion allzu teuer wird.
    • Selbstverständlich ist auch der Bildungsaspekt wichtig! Kinder essen plötzlich wieder gern Gemüse.
    •  Und das Feierabendbier und Jäten wird (zumindest bei ortoloco) kombiniert. So ersetzt die Gartenarbeit nicht die Freizeit und die Mühe ist auch nicht so gross, wie sie im Text beschrieben wird.

Quelle: Trend-Report 2014. Y-Events. Die positiven Überraschungen der Zukunft. Zukunftsinstitut GmbH. Frankfurt am Main, November 2013

 

Von Nachhaltigkeit zu Konsumethik – kollektiver Konsum statt Label-Wahnsinn

Zu beinahe jedem Produkt gibt es heute die «grüne» oder die noch «grünere-faire» Variante. Obwohl sich einige immer noch nicht in der Labelwelt zurecht finden , ist ein Produkt, dass den entsprechenden Standards (bio, fair, regional etc.) entspricht für viele Konsumenten bereits zu einem gewissen Standard geworden, den Sie von den Unternehmen erwarten. Viele Konsumenten sind egoistisch, so eine Studie aus Österreich. Sie sind nicht mehr bereit «nur» für «Bio» mehr zu zahlen. Andere Aspekte sind wichtiger geworden: Regionalität auf Produktebene, soziale Verantwortung auf Produktions- und Unternehmensebene oder alternative Besitzmodelle auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Auch soziale Aspekte wie das Produktumfeld und Herstellungsbedingungen werden bedeutender.

Aber mit den neuen Ansprüchen wächst auch die Unsicherheit der Menschen. Laut Otto Group Trendstudie 2013 vertrauen nur 48 % aller Befragten darauf, dass entsprechend gekennzeichnete Produkte auch wirklich ethisch korrekt hergestellt werden. Vielen Menschen gehe zudem weniger darum das richtige zu kaufen (was angesichts der vielen Label-Kriterien, die man berücksichtigen müsste, für den Laien am POS auch geradezu unmöglich wäre), sondern um Lebensqualität. Damit ändert sich nicht nur das Bewusstsein, sondern das gesamte Wertesystem der Konsumenten, auf das sich letztendlich auch die Unternehmen einstellen müssen. Es geht um den Wunsch selbst aktiv zu werden, gemeinsam Lösungen zu finden und laut Studie «durch kollektives Handeln eine Veränderung zu bewirken». Im Lebensmittelbereich ist dieser Wandel bereits in Plattformen wie foodsharing.de erkennbar. Menschen teilen Essen. Eine Initiative gegen die Verschwendung von Lebensmitteln (foodwaste). Die Idee: Lebensmitteln wieder einen ideellen Wert zu geben, da sie mehr sind als bloss eine Ware.

Auch andere Plattformen wie leihdirwas.de oder whyown.it, talent.ch, giveandget.ch und exsila.ch finden mittlerweile viele Anhänger. In der Schweiz stehen mit sharely.ch und shrebo.ch eigene Verleihplattformen vor dem Start. Mit sharoo.com kann man demnächst in der Schweiz das Teilen von Privatautos koordinieren, und auch Parkplätze werden über parkit.ch und parku.ch geteilt. Wird sich aus dem Wertewandel die «Shareconomy» entwickeln und die Wirtschaft revolutionieren? Wer weiss. Aber viele Menschen sehen im Tauschen und Teilen eine Art Befreiung – weniger Belastung durch Besitz, mehr Flexibilität und einen Gewinn an Lebensqualität. Laut Experte Prof. Dr. Harald Welzer, Direktor von «FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit», bringt die Sharing-Kultur «eine neue Form von Sozialität hervor und kann zu einem Paradigmenwechsel führen – mit erheblichem Einfluss auf Geschäftsmodelle. Unternehmen sollten sich diesem Wandel stellen und ihn aktiv mitgestalten, anstatt auf die Expansion ihrer alten Geschäftsmodelle zu setzen.»

Weitere Links zum Thema:

Chancen und Herausforderungen von Stakeholder-Dialogen

Die «Swiss Corporate Sustainability Survey 2012» hat gezeigt, dass das Thema Stakeholder-Dialoge bei den befragten Schweizer Unternehmen noch wenig in Zusammenhang mit der Umsetzung von Nachhaltigkeitsaktivitäten berücksichtigt wird.

Um herauszufinden, welche Potentiale in Stakeholder-Dialogen stecken und wie man sie erfolgreich umsetzt, haben wir ein Interview mit Vera Frieg, Expertin vom Collective Leadership Institute (CLI) e.V. geführt:

Verena Berger (ZHAW)*: Frau Frieg, was könnten die Gründe dafür sein, dass viele Unternehmen den Dialog mit ihren Stakeholdern bisher nicht suchen?

Vera Frieg:Das hat meist verschiedene Gründe. Oft ist es so, dass die Unternehmen gar nicht wissen, wer die relevanten Stakeholder für die jeweiligen Entscheidungsprozesse sind; eine Stakeholder Analyse wird dann generell, aber nicht themenorientiert gemacht. Häufig sind sie sich auch über Ziele des Stakeholder-Dialogs unklar. Dadurch greifen Unternehmen nicht immer zu zielführenden Methoden für den Stakeholder-Dialog. So lässt zum Beispiel eine Stakeholder Veranstaltung mit 500 Teilnehmern ohne thematischen Fokus und transparentes Ziel der Veranstaltung die Stakeholder am Nutzen dieses Prozesses zweifeln. Die Firmen erfahren dadurch viel Kritik und zweifeln zunehmend am Nutzen von Stakeholder-Dialogen. Ein kleiner Teufelskreis…. Ein anderer Grund für die fehlende Einbindung von Stakeholdern ist die Angst, sich durch die Öffnung nach Außen angreifbar zu machen und eine Welle der Kritik loszutreten, die nicht mehr kontrollierbar ist. Aus diesen Gründen ist es unabdingbar, Stakeholder-Dialog in einem gut vorbereiteten und transparenten Planungsprozess anzugehen.

Quelle: Collective Leadership Institute

ZHAW: Warum machen Stakeholder-Dialoge insbesondere bei der Umsetzung von Projekten im Kontext von Nachhaltigkeit Sinn?

Vera Frieg: Wenn es um die verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit geht, dann ist den Meisten von uns klar, dass wir etwas tun müssen. Wir wissen aber in vielen Bereichen noch nicht genau, wie das es gehen könnte. Durch den strategischen Stakeholder-Dialog können hier Handlungsoptionen generiert werden. Die Umsetzung von Nachhaltigkeit ist eine kollektive Lernerfahrung. Bindet man als Unternehmen die relevanten Stakeholder zu einem bestimmten Thema ein, erhält man neue Einblicke aus verschiedenen Stakeholderperspektiven. Man kann dann auf Potentiale und Ideen zurückgreifen, die man anderenfalls nicht gehabt hätte. Dadurch entsteht Innovation in Produkten und Dienstleistungen, die die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Zudem kann man die schärfsten Kritiker zu Verbündeten machen, indem man zuhört und sie  in Entscheidungen einbezieht. Berechtigte Kritik gibt Unternehmen die Chance, sich  zu verbessern und daran zu wachsen. Auch hier muss klar sein, wie weit man sich öffnet und wie man den Input im Nachhinein verwendet. Denn nichts ist schlimmer, als Stakeholder zu konsultieren, ihre Perspektiven und Ideen zu  sammeln und sie dann in der Schublade zu vergessen. Das erzeugt Frust – die Menschen fühlen sich nicht ernst genommen, Vertrauen geht verloren. Stakeholder-Dialoge machen Sinn, wenn es ganz konkreten Veränderungsbedarf zu einem Thema gibt.

ZHAW: Was wäre der erste Schritt für Unternehmen, wenn sie mit ihren Stakeholdern in den Dialog treten möchten?

Vera Frieg: Zunächst sollte sich das Unternehmen fragen: Welches Ziel verfolgen wir mit einem Stakeholder-Dialog? Streben wir in einem bestimmten Bereich eine Veränderung an? Brauchen wir die Akzeptanz und den Input verschiedener externer Stakeholder? Oder geht es mir eher um eine Informationsveranstaltung? Das CLI hat ein Tool entwickelt, welches dabei hilft herauszufinden, ob Stakeholder-Dialoge im jeweiligen Anliegen der geeignete Weg sind.

Wenn dem so ist, sollte zuerst der Kontext analysiert werden. Hierzu eignet sich eine themenzentrierte Stakeholderanalyse.

Ist die Entscheidung für einen  Stakeholder-Dialog gefallen, erfordert es Mut, sich einem ergebnisoffenen Prozess mit externen Stakeholdern zu stellen. Die Involvierung eines Prozessexperten gleich zu Beginn kann helfen. Das CLI hat auf diesem Gebiet jahrelange Erfahrung und begleitet sowohl die Privatwirtschaft als auch den öffentlichen Sektor und zivilgesellschaftliche Organisationen in Stakeholderprozessen. In unserer zunehmend komplexen und vernetzten Welt ist das Gestalten und die strategische Leitung von Stakeholder-Dialogen eine immer wichtigere Führungsaufgabe und Berufsfeld der Zukunft.

ZHAW: Können Sie uns abschließend noch ein Beispiel aus der Praxis nennen, in dem Stakeholder-Dialoge erfolgreich und gewissenhaft geführt wurden?

Vera Frieg: Als Einstieg empfehle ich einen Blick in den Artikel A turning point for responsible supply chain management in the coffee sector von Petra Künkel. Die 4 C Initiative ist ein sehr gelungenes Beispiel für einen erfolgreichen Multistakeholder Prozess.

*Das Interview führte Verena Berger, ZHAW School of Management and Law, Institut für Marketing Management und Teilnehmerin des Qualifizierungsprogramms Young Leaders for Sustainability (YLS) 2012, welches jährlich vom CLI durchgeführt wird.

Das einzigartige Programm richtet sich an junge Menschen, die sich für das Thema Nachhaltigkeit und Führung interessieren. Eine Anmeldung für YLS 2013 ist möglich bis zum 31.Mai.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Die Höchstleistungen des Bienenvolks

Die Sammelleidenschaft der Biene kommt uns zu Gute. Aber wie entsteht eigentlich Honig und wie wird er gelagert? Kurz: Die Bienen nehmen die Nektarsäfte von Pflanzen auf und geben körpereigene Stoffe hinzu. Danach reift das Ganze in den Waben.

Die Bauweise der Waben gleich einer architektonischen Meisterleistung. Geringster Materialaufwand bei maximaler Raumausnutzung ist das Geheimrezept. Jede Zellwand wird „rundherum“ beidseitig genutzt, was bei maximalem Volumen und minimalem Materialaufwand geichzeitig für die maximale Festigkeit sorgt (Kaiser, 2003). Das Wachs besteht – vereinfacht gesagt – chemisch aus langkettigen und netzartig verbundenen Fettmolekülen (Paraffinen), den die Bienen mit Hilfe der sogenannten Wachsdrüsen in Form von kleinen Plättchen aus ihrem Körper schwitzen. Eine Wabe kann ca. 4 kg Honig aufnehmen, dies ist das 50-fache ihres Eigengewichtes.

Bienenvölker produzieren Stoffe, die der Mensch schon seit tausenden von Jahren erntet: Honig und Wachs.

Mit Fleiss und Ausdauer erbringt dieses Insekt Höchstleistungen. Für 500 g Blüten-Honig müssen Bienen rund 40 000 Sammelflüge unternehmen. Dabei besuchen sie zwischen 2–7 Millionen Blüten und legen eine Strecke zurück, die einer dreifachen Erdumrundung entspricht, wobei sie ca 30h/km schnell fliegt. Sie teilt ihren Tag in 8 Stunden Ruhephase („Schlaf“), 8 Stunden Stockdienst und 8 Stunden Flug („Aussendienst“) auf. Im Aussendienst fliegt sie bis zu 10 Mal bis zu 6 km weit, wobei die „wirtschaftlichste“ Flugdistanz ca. 0,5 bis 1,0 Kilometer beträgt.

Mit dieser Arbeit sichern die Bienen der gesamten EU den Bestand von ca. 80.000 Pflanzenarten. Ohne Bienen wäre innert kürzester Zeit eine Auslöschung von ca. 20.000 Pflanzenarten vorprogrammiert, da diese Pflanzen in Symbiose mit spezifischen Bodenbakterien leben und so die Mikroflora der Böden ebenso verarmen würde. Gleichzeitig hätte dies auch Auswirkungen auf von diesen Pflanzen lebende Vögel, Insekten und andere Tierarten. Die Folge: Ökologische Verarmung und letztendlich dramatische Folgen für unsere Gesellschaft. Der Anbau etlicher Feldfrüchte wäre gefährdet  ebenso die Gewinnung von Saatgut, denn nur eine erfolgreiche Bestäubung führt zu einem maximalen Ertrag. (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Bienenkunde, kein Datum)

Die Bedeutung der Biene für uns Menschen ist beachtlich. Schenken Sie unseren fleissigen Helfern genügend Aufmerksamkeit? Eine Möglichkeit, die Biene bei Ihrer Arbeit zu unterstützen, ist die sogenannte Bienenweide.

Quellen: