Digitalisierung

Bildung für ein globales Publikum: Erkenntnisse aus einem offenen Online-Kurs

Beitrag von Ennio Mariani

Bild: ZHAW

Wie kann die Motivation von Lernenden über mehrere eLearning-Module hinweg erhalten werden? Was für technische Hürden gibt es bei der Veröffentlichung eines global verfügbaren Online Kurses? Die Forschungsgruppe «Geography of Food» der ZHAW hat soeben einen kostenlosen Online Kurs veröffentlicht und reflektiert in diesem Post Überlegungen und Einsichten aus dem Entwicklungsprozess.

Idee und Ziel

Das Hauptziel des eLearnings «Designing sustainable food systems» bestand darin, Wissen über Nachhaltige Ernährungssysteme und die Sustainable Development Goals der UNO (SDGs) zugänglich zu machen und global zu verbreiten. Der von der Forschungsgruppe «Geography of Food» der ZHAW entwickelte Online Kurs sollte neben Studierenden auch andere am Thema interessierte Personen erreichen. Da Gebühren eine Hürde darstellen, sollte das eLearning kostenlos angeboten werden.

Der Kurs wurde im Rahmen des Projekts «Geography of Food Summer School» entwickelt. Zusätzlich zur weltweiten Verbreitung bestand das Ziel darin, die Teilnehmenden der Summer School im Vorfeld des Präsenzunterrichts auf einen ähnlichen Wissensstand bezüglich den Themen Ernährung und Nachhaltigkeit zu bringen. Das eLearning, welches aus drei Online-Modulen besteht, finden Sie hier.

Hohe Anforderungen

Der Kurs wurde also für ein globales Zielpublikum mit verschiedenen Bildungshintergründen entwickelt. Dass er zusätzlich auch ein Publikum erreichen sollte, welches unter keinem Leistungsdruck durch ein Studium steht, erhöhte die Anforderungen zusätzlich. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, stellten wir folgende Punkte ins Zentrum der Entwicklung:

  • Ein attraktives Lernumfeld
  • Uneingeschränkter, einfacher Zugang zu den Inhalten

Ein attraktives Lernumfeld

Um ein möglichst breites Publikum zu erreichen und die Motivation der (freiwilligen) Lernenden über den ganzen Kurs aufrecht zu erhalten ist ein attraktives Lernumfeld zentral. Neben einer intuitiven Navigation und einer klaren Strukturierung der Inhalte setzten wir daher auf folgende Elemente:

  • Storytelling
  • Mediendiversität
  • Einfach verständliche Inhalte mit Vertiefungsmöglichkeiten
  • Humor

Zur Veranschaulichung der theoretischen Konzepte rund um Nachhaltigkeit und Ernährungssysteme haben wir die Geschichte von «Sustania» erfunden. Anhand des kleinen, wachsenden Dorfes konnten wir diverse Herausforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung aufzeigen. Die Idee des Dorfes bildet zudem den roten Faden durch alle drei eLearning-Module.

Am Anfang des eLearnings besteht «Sustania» aus einer Gruppe Menschen, die ein Dorf gründen wollen… Bild: ZHAW

 

… am Ende des Kurses ist «Sustania» zu einer urbanisierten Gesellschaft herangewachsen. Bild: ZHAW

Zusätzlich zur Geschichte rund um «Sustania» ist der Onlinekurs so gestaltet, dass Texte, Videos, kleine Spiele, Quizze und Aufforderungen für Forumsbeiträge gut ausbalanciert sind. Die Textinhalte sind hierbei auf das Wesentliche beschränkt. Um trotzdem ein möglichst breites Bild der Inhalte zu vermitteln, sind diverse externe Quellen eingebunden.

„Sprouty“ Bild: ZHAW

 

Ein weiteres wichtiges visuelles Element ist «Sprouty», der Keimling. 

Dieses von der ehemaligen interaktiven «Word-Büroklammer» inspirierte Maskottchen begleitet die Lernenden durch alle Module. Es taucht immer wieder auf und macht Witze, erklärt Dinge oder bringt sich sonst irgendwie in die Diskussion mit ein.

Uneingeschränkter, einfacher Zugang

Die Motivation zur Teilnahme beginnt bereits beim Zugang zum eLearning. Einen uneingeschränkten, einfachen Zugang zu garantieren war in unserem Fall gar nicht so einfach.

An der ZHAW wird hauptsächlich das eLearning-Tool «Moodle» verwendet. Die Verwendung von Moodle für unser eLearning wäre daher naheliegend gewesen. Da die Registrierung von externen NutzerInnen im ZHAW-Moodle aber nur mit grossem Aufwand möglich ist, fiel diese Option weg. Als nächstes schauten wir uns die grossen MOOC-Plattformen (edX, Coursera, iversity etc.) an. Ein Vorteil dieser Plattformen liegt unter anderem darin, dass sie eine sehr grosse Anzahl von bestehenden NutzerInnen haben: So hätten wir ohne viel Aufwand viele Lernende erreichen können. Die genannten Plattformen kamen aber aufgrund von Fragen des geistigen Eigentums nicht in Frage. Ausserdem ist die ZHAW bei keiner dieser Plattformen als Institution dabei (was sich in Zukunft wahrscheinlich ändern wird: siehe weiter unten).

Um einen möglichst einfachen und uneingeschränkten Zugang zu garantieren, entschieden wir uns darum, den Online-Kurs direkt über die Summer-School-Webseite zu veröffentlichen. Die Inhalte erstellten wir mit der Software Adobe Captivate, veröffentlichten sie auf der Plattform SCORM CLOUD und banden sie via WordPress-Plugin in die Webseite ein. Die NutzerInnen können sich so durch einen einfachen Registrierungsprozess am eLearning anmelden und gelangen direkt zu den Inhalten. Der Aufwand der Verbreitung des Angebots bleibt allerdings bei uns.

Iterative Entwicklung

Nach der Erstellung des eLearnings evaluierten wir es mit rund 30 Studierenden der ersten Summer-School-Klasse im Sommer 2017. Das Feedback der Studierenden war überwiegend sehr positiv. Die Mehrheit empfand das eLearning als lehrreich und die Lernumgebung als sehr motivierend. Kritisiert wurde vor allem, dass Modul 3 am wenigsten interessant sei.

Diese Kritik bestätigt uns in der Annahme, dass ein attraktives Lernumfeld zentral ist für die Motivation in eLearnings: Genau die weiter oben genannten Kriterien für ein attraktives Lernumfeld mussten wir aus Zeitgründen in Modul 3 vernachlässigen. Nach der Evaluation überarbeiteten wir (unter anderem) Modul 3 grundlegend und veröffentlichten im Juni 2018 das gesamte eLearning.

Weltweiter Erfolg?

Bild: ZHAW

Ob das eLearning «Designing sustainable food systems» auch freiwillig Lernende motivieren, kann ist noch unklar. Das erste Feedback war sehr positiv, wir werden aber noch weitere Evaluationen durchführen.

Der Fokus auf freiwillig Lernenden ist allerdings auch nur ein Teil des Projekts. Der Online-Kurs «Designing sustainable food systems» wird bereits in diversen Modulen an der ZHAW und anderen Hochschulen eingesetzt und ist Teil der Pilotphase des Projektes Swiss Mooc Service (SMS). Der SMS ist die erste Schweizer MOOC-Plattform, an der unter anderem auch die ZHAW beteiligt ist. Wir hoffen, dass wir weitere Erkenntnisse aus diesem Online Kurs gewinnen und damit einen Beitrag zu einer nachhaltigen globalen Bildung leisten können.

 

Beitrag von Ennio Mariani

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