Digitale Selbstironie bei der Berliner Verkehrsgesellschaft

Von Franziska Petersen

Aktuelle Entwicklungen wie Artificial Intelligence, Virtual Reality, Internet of Things oder Argumented Reality haben einen grossen Einfluss auf die Unternehmen und das Marketing. Eine Welt ohne Smartphone, Tablet oder Laptop ist kaum mehr denkbar. Deshalb ist es sehr wichtig die Botschaften dort zu platzieren, wo die Kunden sie auch abrufen – online mittels digitalem Marketing. Dies gilt natürlich auch für Betriebe der öffentlichen Hand. Wie man das Social Media Marketing erfolgreich einsetzen kann, zeigt das Beispiel der Berliner Verkehrsgesellschaft.

Zuerst Kritik, dann Lob für das Social Media Marketing

Eine der wohl bekanntesten deutschen Social Media Kampagnen der letzten Jahre ist die der Berliner Verkehrsgesellschaft. Jeder, der einmal das Vergnügen hatte in Berlin die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, weiss welche Freude eine Fahrt mit der BVG bereitet. Es gibt keine Jahreszeit zu der der U-, S- Bahnverkehr ohne Verspätungen oder Ausfälle funktioniert. Bis in das Jahr 2015 hatte die BVG mit einem extrem schlechten Image zu kämpfen und die Kampagne #weilwirdichlieben erntete massive Kritik. Ziel war es zunächst, dass die Kunden ihre schönsten Erlebnisse mit der BVG teilen – das Resultat war ein Shitstorm sondergleichen. Doch die BVG reagierte mit Humor und Selbstironie auf die Kritik und startete eine der besten Kampagnen der letzten Jahre. Statt sich auf das Image eines guten Verkehrsbetriebs zu konzentrieren, punkteten sie mit Authentizität, Ehrlichkeit und Selbstironie. Man setzt auf Augenzwinkern und die Liebe zur Hauptstadt Berlin.

Einer der grössten viralen Hits war der Song „Is mir egal“ zusammen mit einem Berliner Hip Hopper:

Selbstironie auf den digitalen Kanälen

Das Kommunikationsziel ist auch heute noch eine authentische Identifikation der jüngeren Gesellschaft mit dem Berliner Unternehmen. Ihre Hauptkanäle hierfür sind Twitter, Instagram und Facebook und ihre Beiträge beschäftigen sich mit Themen, an die sich kaum ein Berliner Unternehmen herantraut.

Screenshot eines ironischen Posts © BVG

In ihrer Tonalität ist die BVG selbstironisch und provokant und schafft es immer wieder mit ihren Social Media Beiträgen die Brücke zwischen dem Verkehrsbetrieb und der Metropole Berlin zu schaffen. Und damit auch eine emotionale Bindung zu den Kunden aufzubauen.

Screenshot eines weiteren Beispiels © BVG

Was mit grossen Schwierigkeiten begonnen hat, ist heute eine sehr erfolgreiche Social Media Kampagne. Mit mehr als 282.000 Twitter Followern, 256.000 Facebook Fans und 674.000 Abonnenten auf Instagram, hat sich die Reflexion, Ehrlichkeit und Selbstironie des Unternehmens gelohnt.

Die BVG hat es geschafft von dem typischen, negativen Klischee der Branche wegzukommen und hat mit ihrer Kampagne eine Liebeserklärung an ihre Stadt und deren Bewohner kreiert.

Über die Autorin

Franziska Petersen hat sich als studierte Politologin vor Jahren in die Welt des Eventmarketings verlaufen. Seitdem organisiert sie rund um den Globus Messen und Events im B2B Bereich. Seit zwei Jahren ist sie bei der VAT Group und seit August 2018 studiert sie berufsbegleitend an der ZHAW. Dort absolviert sie gerade den CAS Marketing- und Corporate Communications.

After-Work-Event zu Digital Marketing Analytics

Von Anja Collenberg

Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Möglichkeiten, um Entscheidungen basierend auf fundierten Analysen zu treffen. Einerseits gibt es immer mehr Daten über Konsumenten, beispielsweise aus Social Media, andererseits gibt es immer mehr Tools, um diese zu analysieren. Die Komplexität von Digital Marketing Analytics nimmt zu.

Digital Marketing Analytics wird immer wichtiger © Pixabay

Konsumenten und ihre Laufwege für die Akquise

Ein Ansatz, um Daten zu erheben und zu nutzen, ist Geo Fencing. Geo Fencing ermöglicht es, Konsumenten mittels GPS, Mobilfunksignal oder auch WLAN zu orten und ihnen beim Ein- oder Austritt in einem bestimmten geographischen Bereich Push-Nachrichten auf ihr Smartphone zu schicken – beispielsweise, um sie auf ein Angebot in einer Filiale in der Nähe aufmerksam zu machen, oder um sie um Feedback zu bitten.

Dr. Jens Cornelsen, Geschäftsführer von DEFACTO digital research, erläutert in seinem Vortrag «Consumer Live Experiences mit Mobile Geo Fencing», wie man die Laufwege von Konsumenten mittels Geo Fencing im Detail analysiert, und wie man das Tracking der Laufwege in Echtzeit mit Quick Surveys kombiniert und so neue Retail-Standorte findet, POS-Sortimente optimiert und erfolgreich Konkurrenzkunden akquiriert.

Künstliche Intelligenz im online Bereich

Social Media Analytics stellt eine weitere Möglichkeit dar, um Kundenaktivitäten und -meinungen zu analysieren und für das Brand Management, Customer Experience Management oder Product Management zu nutzen. Das Tracking des Brand Image auf Basis von Social Media Posts ist ein Anwendungsbeispiel. Neuere Tools ermöglichen zudem die Auswertung von Bildinformationen und nutzen dafür Bilderkennungsverfahren und Algorithmen, welche auf künstlicher Intelligenz basieren.

Dr. Michael Klaas und Dr. Steffen Müller, Dozenten an der ZHAW School of Management and Law, greifen dies in ihrem Vortrag «Customer Insights aus Online Reviews und Tweets» auf und zeigen zum einen, wie Unternehmen Online Reviews nutzen können, um Begeisterungsfaktoren zu identifizieren und ein Benchmarking aufzubauen. Zum anderen gehen sie darauf ein, wie künstliche Intelligenz genutzt werden kann, um Tweets zu analysieren und aus unstrukturierten Daten strukturierte Daten zu machen.

Die beiden ZHAW Dozenten Dr. Müller und Dr. Klaas referieren unter anderem auch zur künstlichen Intelligenz

Wenn Sie mehr zu den aktuellen Trends im Bereich Digital Marketing Analytics erfahren möchten, melden Sie sich jetzt zum After-Work-Event am 6. September ab 16:30 Uhr im Au Premier in Zürich an. Die Teilnahme ist kostenlos. Hier geht es zur Anmeldung.

 

Wie Unternehmen mit Kunst kommunizieren können

Von Lucia Angela Cavegn

Viele Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Kunst und Kultur. Man geht ins Theater, gönnt sich ein Konzert oder besucht ein Museum, um sich zu unterhalten und sich weiterzubilden, oder man erwirbt ein Kunstwerk, um damit Privaträume zu schmücken. Als das gewisse Etwas eignet sich Kunst zudem für die interne und externe Unternehmenskommunikation, wie folgende Beispiele aus Winterthur aufzeigen.

Berührungspunkte zwischen Kunst und Unternehmertum

Zwischen Kunst und Unternehmertum gibt es diverse Berührungspunkte mit Potenzial für gemeinsame, kurz- wie auch langfristige Projekte. Sowohl im Unternehmertum wie auch in der Kunst ist Innovation ein wichtiger Erfolgsfaktor, weshalb ein, in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin oder einem Künstler entwickelter und durchgeführter Workshop, neue Impulse für kreatives Denken und Teambildung liefern kann. Die Winterthurer Künstlerin Lena Wenger bietet diese spezielle, auf Firmen ausgerichtete Dienstleitung unter dem Namen artforpeople an. Ebenfalls in diesem Bereich tätig ist der Holzbildhauer Erwin Schatzmann, dessen überaus inspirierendes Atelier «Morgenland» einem Gesamtkunstwerk gleichkommt.

Kunst beflügelt die Phantasie: Morgenland-Gesamtkunstwerk von Erwin Schatzmann © Lucia Angela Cavegn

Ein gelungenes Beispiel eines langfristigen Projekts ist das Raiffeisen Kunstforum, eine Ausstellungsplattform, welche die Bank der Künstlergruppe Winterthur seit sieben Jahren in ihrer Filiale am Bahnhofplatz zur Verfügung stellt. Neben gemeinsam organsierten Vernissagen finden im obergeschossigen Ausstellungsraum auch Kundenanlässe statt. Die halbjährlichen, von einer externen Kuratorin konzipierten Wechselausstellungen sind an den Werktagen nachmittags unter der Aufsicht des Bankpersonals öffentlich zugänglich.

Kunst öffnet Türen: Raiffeisenbank am Hauptbahnhof Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst nonverbal und empathisch kommunizieren

Anders als der Name vermuten liesse, ist der Technopark Winterthur ebenfalls ein Ort, wo die bildende Kunst präsent ist. Unter dem Titel expolina TECHNOPARK bespielen Kunstschaffende aus dem Umfeld des Technoparks Winterthur jeweils während der Dauer von drei Monaten mit ihren Werken die Wände der Eurest Cafeteria und sorgen damit für Gesprächsstoff sowie ein ansprechendes Ambiente. Die im Aussenbereich platzierte Arbeit des Eisenplastiker-Duos ChrisPierre Labüsch bezieht sich nicht nur auf das Corporate Design des Standorts, sondern war – in Verbindung mit einem 3D-Kurzfilm – Teil einer Performance, die am Weihnachtsanlass 2017 aufgeführt wurde.

Ein geeignetes Medium, um mit Kunst nonverbal und zugleich empathisch zu kommunizieren, sind zudem künstlerische Bildstrecken, welche inhaltlich, wie auch visuell eine gedruckte Publikation, wie beispielsweise den Tagungsband des Swiss Green Economy Symposiums oder die Programmschrift des Musikkollegiums Winterthur bereichern, oder Bildbände wie «Wald & Wunder. Porträts von Wäldern, Wundern und Waldmenschen», ein Buch des Winterthurer Naturfotografen Heinz Staffelbach, das als Kundengeschenk vom VZ VermögensZentrum herausgegeben wurde. Den immaterielle Wert von Kunst nutzte das Unternehmen als Sympathiebonus.

Kunst setzt Akzente: Werk von Chris Pierre Labüsch, Aussenbereich Technopark Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst unkonventionell in Erscheinung treten

Im Januar 2018 fand im Winterthurer Hotel Wartmann die erste Ausgabe der zweitätigen Kunstausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» statt – ein Projekt, das die Schreibende in Zusammenarbeit mit der Szenografin Anita Bättig und dem Hotelinhaber Rolf Wartmann erarbeitete und durchführte. Rund dreissig Künstlerinnen und Künstler bezogen ein Hotelzimmer, um ihre die Masse eines Koffers nicht überschreitenden Kunstwerke feilzubieten und zu übernachten. Das Hotel offerierte die Übernachtung und das gemeinsame Frühstück, zu dem auch das kunstinteressierte Publikum eingeladen war. Im Gegenzug profitierte es von kostenloser PR in Form von Ausstellungshinweisen in den lokalen Medien und mannigfacher Erwähnung in den Social-Media-Postings der Teilnehmenden. Die Verleihung des «Goldenen Zahnbürstchen» an  Alex Zwalen für das originellste Zimmer bildete den krönenden Abschluss der rege besuchten und sehr positiv aufgenommen Veranstaltung. 

Kunst ermöglicht ungewöhnliche Begegnungen: Der Künstler Alex Zwalen malt im Hotelzimmer – Ausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» im Hotel Wartemann Winterthur © Lucia Angela Cavegn

https://kunstweise.ch/event-reader/morgenstund-hat-kunst-im-mund-347.html

Facebookgruppe «Morgenstund hat Kunst im Mund»

Über die Autorin

Lucia Angela Cavegn (lic. phil. I) bestreitet ihren Lebensunterhalt als freischaffende Kunstpublizistin, Kunst- und Kulturvermittlerin, Ausstellungskuratorin und Gesprächsmoderatorin. Seit Juli 2014 ist sie Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur. Ihren Internetauftritt www.kunstweise.ch teilt sie sich mit der Winterthurer Künstlerin Christiane Ghilardi. Zurzeit absolviert sie das CAS-Studium Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW und bereitet eine Ausstellung zum Thema «Selbstporträts» für das Museum Rosenegg in Kreuzlingen vor.

Unverpackt einkaufen – das Modell der Zukunft?

Von Alessandra Schmid

716 Kilogramm pro Jahr – so viel Haushaltsabfall verursacht jeder Schweizer im Durchschnitt jährlich, wobei heute erst die Hälfte wiederverwertet wird. Und obwohl die Schweiz bei der Aufarbeitung von Abfällen bereits eine Vorreiterrolle einnimmt, gibt es noch viel zu tun. Das Problem der übermässigen Ressourcennutzung ist aktueller denn je, der Wunsch nach bewusstem und nachhaltigem Konsum glücklicherweise auch.

So verwundert es nicht, dass der Zero Waste Lifestyle immer mehr Abnehmer findet. Zero Waste, das sind die 5R – refuse (ablehnen), reduce (reduzieren), reuse (wiederverwenden), recycle (wiederverwerten) und rot (Kompostieren). Ziel ist es, die Abfallmenge zu reduzieren und bewusster einzukaufen. Durch die Kanadierin Bea Johnson vor zehn Jahren in den Fokus der Medien gerückt, nimmt die weltweite Bewegung rund um das Thema Abfallvermeidung zu. Die Zahl an verpackungsfreien Läden steigt und auch den Grosshändlern ist es immer öfters ein gelebtes Anliegen, Ressourcen zu schonen (beispielsweise in der Schweiz, wo die Abschaffung von Gratis-Plastiksäcken zur Reduktion der Nachfrage um 80% führte).

Viel Engagement zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Ein Zeichen setzen für ganzheitlichen und nachhaltigen Konsum – das möchte auch Basel unverpackt, der erste verpackungsfreie Laden in der Stadt Basel: Man bringt seinen eigenen Behälter mit, füllt das Produkt aus grossen „Bulk Bins“ ab und erhält es somit ohne Verpackungsmittel wie Plastik, Karton oder Papier. Gleichzeitig sind die Lebensmittel in Bio-Qualität und wenn möglich mit regionaler respektive Schweizer Herkunft. So reduziert man ökologisch sinnvoll seinen Abfall, spart Geld und weiss ausserdem, woher das Essen kommt – eine Wertschätzung unseres Planeten, aber auch jedes einzelnen Produktes.

Ein Laden ganz ohne Verpackungen © Alessandra Schmid

Dass die Geschäftsgründer mit diesem sensiblen Thema einen Nerv der Zeit treffen, zeigt sich auch im Marketing: Bis heute fielen für die Werbung kaum finanzielle Aufwendungen an. Zum einen, weil die gewählte Rechtsform der Genossenschaft es allen Beteiligten ermöglicht, sich sowohl mit ihren Ideen, als auch mit ihrem Netzwerk einzubringen und zwei gezielt ausgerichtete Crowdfundings (unter anderem auf 100-days.net) von Beginn weg für eine breite (mediale) Aufmerksamkeit und zahlreiche Stammkunden sorgten. Zum anderen, weil die Lage des Einkaufsladens im hippen Stadtteil „Kleinbasel“ dazu führte, dass Basel unverpackt gewissermassen zu einem Selbstläufer wurde.

Zusätzlich Schwung verleiht dieser Initiative auch die enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Geschäften wie dem „Lokal“ oder „Didi Offensiv“ sowie einer der Lieferanten, welcher jeweils samstags auf dem beliebten „Matthäus-Markt“ seine Ware verkauft und gleichzeitig Werbung für Basel unverpackt macht. Ferner bewirtschaften die engagierten Inhaber in regelmässigen Abständen die Webseite und Social-Media-Accounts und veranstalten spannende Workshops. Und zu guter Letzt generiert die vorbildliche Vorreiterrolle als erster verpackungsfreier Laden in Basel viel kommunale und regionale Aufmerksamkeit in allen Bevölkerungsschichten und hat bis heute zu einem grossen Interesse von Medien, Influencern und vielen anderen geführt.

Der Laden trifft den Nerv der Zeit und agiert auch im Marketing modern © Alessandra Schmid

Eine funktionierende Alternative für nachhaltigen Konsum

Mit ihrer einfachen, greifbaren und überzeugenden Betriebsidee tragen die Inhaber dieses unverpackt-Ladens somit für eine schnell wachsende gesellschaftliche Sensibilisierung eines unvermeidlichen Themas bei, welches uns alle betrifft. Und der erfolgreiche Beginn des zweiten Geschäftsjahres beweist, dass mit Basel unverpackt dem kollektiven Wunsch für nachhaltige Lebensweisen bereits heute eine deutlich längere Lebensdauer eingeräumt wird, als es Verpackungen durch ihre Einmalverwendung je haben werden.

http://baselunverpackt.ch/de/

https://www.facebook.com/Baselunverpackt

https://www.instagram.com/baselunverpackt/

Über die Autorin

Alessandra Schmid ist Juristin mit der Absicht, das Leben ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten als Gesetzesbücher. Sie hat die Welt bereist, war Volunteer in einem Hilfswerk in Peru sowie im Tierheim beider Basel und ist in einer Anwaltskanzlei und am Strafgericht vielen Rechtsfällen nachgegangen. Zurzeit arbeitet sie für die Stiftung Mensch und Tier, welche ausgesetzten Tieren ein neues Zuhause gibt und Kinder durch Begegnungen mit diesen wunderbaren Lebewesen in ihrer Sozialkompetenz fördert. Getreu dem Motto „wer rastet, der rostet“ absolviert sie zudem berufsbegleitend den CAS Marketing-&Corporate Communications an der ZHAW und hofft, dass die Welt schon bald frei von Plastik ist.

Sponsoring im Grenzbereich von Leben und Tod

Von Silvia Brüllhardt

Sponsoring und Extremsport stehen seit jeher in keinem spannungsfreien Verhältnis. Die gewünschte mediale Aufmerksamkeit mit einem Extremsportler bzw. einer Extremsportlerin im Mittelpunkt kann unmittelbar zum PR Desaster mutieren. Wo ziehen Unternehmen die Grenze des „Extremmarketings“ und wie gehen sie mit der ethischen Frage nach dem Riskieren eines Menschenlebens für Werbezwecke um?

Als quasi Synonym für das Sponsoring von Extremsportlern und Extremsport-Veranstaltungen gilt Red Bull. Auch Unternehmen von Outdoor-Ausrüstern, über Hersteller von Sportlernahrung bis hin zu Banken und diversen weiteren Branchen vermarkten sich erfolgreich über den Imagetransfer ausgewählter Athleten.

Ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Katastrophe

Neben den Sportlern bewegen sich auch die Sponsoren auf einem schmalen Grat und gehen damit sehr unterschiedlich um. Der Marketing-Gigant Red Bull stand infolge zahlreicher Todesfälle von Athleten in den vergangenen Jahren immer wieder im Zwielicht. 2009 starb beispielsweise der Base Jumper Ueli Gegenschatz während einem Werbeauftritt, bei einem missglückten Base Jump vom Sunrise Tower in Zürich. Vier Jahre später strahlte ARD die Reportage „Die dunkle Seite von Red Bull“ aus, in der sechs Todesfälle während Red Bull Marketingaktionen recherchiert wurden. Die allgemein zugeknüpfte Kommunikation und Ablehnung von Interviews zur Thematik machten das Unternehmen wohl gerade deshalb bei Journalisten zur beliebten Zielscheibe.

Extrembergsteiger Dani Arnold eröffnet neue Eiskletterroute in Kanada (British Columbia) © Mammut Archive

Dass das Sponsoring im Extrembereich heikel ist, stellte auch der amerikanische Hersteller von Sportlernahrung Clif Bar fest. Die Firma entschloss sich, 2014 fünf seiner damals 20 Top-Kletterer zu feuern. Warum? Weil die Athleten Sportarten mit Risiko im extremsten Bereich, wie Free Solo Klettern (ungesichertes Klettern im Alleingang), Base Jumping und Wingsuit Flying betrieben. Zu gewagt fürs Markenimage, entschied Clif Bar und löste damit eine Kontroverse, inklusive Social Media Shitstorm, in der Kletterszene aus. Besonders sauer stiess den Kletterfans auf, dass Clif Bar nach dem Rauswurf der Athleten, weiterhin deren beste Filmszenen für Marketingzwecke nutzte.

Im Clinch mit der Glaubwürdigkeit

Auch der Schweizer Bergsportausrüster Mammut sponsert Athleten in den Kernbereichen Alpinismus und Klettern. In den Mammut Sponsoring-Richtlinien heisst es: „Sicherheit: Analog unseren Produkten und unserer Markenpositionierung unterstützen wir nur professionell geführte Vorhaben.“ Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Mammut neben Bekleidung auch Klettersicherungsgeräte oder Lawinenairbags verkauft. Eine gewisse Glaubwürdigkeit muss dadurch gewährleistet sein. Dennoch lässt sich auch Mammut im Sponsoring auf Kompromisse ein. Alpinismus geht je nach Gelände nun Mal nicht immer mit Sichern.

Mammut Pro Team Athleten, wie Daniel Arnold und Steph Davis, sind zuweilen auch Free Solo unterwegs oder stellen riskante Speed Rekorde in Fels und Eis auf. Die Grenze zieht Mammut klar, bei den Themen Wingsuit Flying und Base Jumping. Keinerlei Aktionen der ehemaligen Clif Bar Athletin Steph Davis in diese Richtung werden für Marketingzwecke verwendet. Auch auf Social Media wird penibel darauf geachtet, keine Inhalte zu diesen Themen zu teilen oder zu liken. Wohl aber in erster Linie weil Wingsuit Flying und Base Jumping ohnehin nicht in Mammuts Kernkonzept passt.

Extremsportlerin Steph Davis für eine Mammut Kampagne gesichert unterwegs in Utah. © Rainer Eder/Mammut Archive

Frei von Sponsoring-Zwängen oder Abhängigkeit von einer Industrie?

Bei den spektakulären Bildern, die sich gerade im Zeitalter des Multimedia Marketings auf diversen Kanälen optimal vermarkten lassen, stellen sich unterschwellig immer ethische Fragen: Ist es vertretbar, dass junge Sportler immer extremere Stunts oder Projekte für eine Marke und zu Gunsten des öffentlichen Voyeurismus realisieren? Fürchten älteren Athleten in gesponserten Teams mit moderateren Aktionen nicht mehr mithalten zu können? Wird dadurch der Druck bei Dreharbeiten, wie der Red Bull Aktion auf dem Sunrise Tower mit tödlichem Ausgang, noch grösser?

Mit dem Engagement von diversen Extremsportarten werden Marken immer polarisieren.Aus ethischer Sicht muss wohl jeder Mensch für sich selber entscheiden, welche Risiken er für wen und für welche Zwecke eingeht. Zumal die wenigsten Extremsportler sich eine goldene Nase verdienen. Selbst Spitzensportler der Extreme wie Ueli Steck, der eine Privatbank als Hauptsponsor hatte, finanzierte sich seine kostspieligen Expeditionen hauptsächlich mit bis zu 100 Referaten oder Seminaren pro Jahr. Zusätzlich entwickelte er mit Sponsoren wie Scarpa neue Outdoor-Produkte. Ueli Steck verunglückte 2017 bei den Vorbereitungen zur Überschreitung von Mount Everest und Lhotse tödlich. Der Ausnahmealpinist wollte die beiden Berge von über 8000 Metern Höhe ohne zusätzlichen Sauerstoff, in weniger als 48 Stunden überqueren.

Weiterführende Links

Extremsportlerin Steph Davis (Base Jumping, Wingsuit Flying und Free Solo Klettern): https://www.youtube.com/watch?v=07CsyCcBgAM

Der zurzeit weltweit bekannteste Free Solo Kletterer Alex Honnold: https://www.youtube.com/watch?v=96FUPTQeqYI

Schweizer Extrembergsteiger Daniel Arnoldhttps://www.youtube.com/watch?v=rsbp8o2DOlM

Über die Autorin

Silvia Brüllhardt ist begeisterte Bergsportlerin. Sie kam erstmals während ihrer PR Tätigkeit beim Bergsportausrüster Mammut Sports Group mit dem Sponsoring von Extremsportlern in Berührung. ihre Passion für die Berge lebt sie nach wie vor, ist aber seit rund zwei Jahren als Projektleiterin Marketing Feuer und Flamme für das KMU Rüegg Cheminée Schweiz AG. Die ZHAW Studentin (CAS Marketing und Corporate Communications) verfolgt die Aktionen der Profisportler nach wie vor mit grossem Interesse. Insbesondere die Mammut Pro Team Athleten, die sie früher bei deren Projekten PR-technisch begleitet hat.

I, Chatbot – wenn der beste Service-Mitarbeitende ein Roboter ist

Von Valeria Meier

Die Roboter sind auf dem Vormarsch – die chattenden Roboter. Immer mehr Unternehmen setzen Chatbots* für Marketingzwecke ein. Ein Halleluja auf den Service-Mitarbeitenden des Monats oder die dunkle Seite der Digitalisierung? Beispiele aus der Praxis zeigen Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz auf.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“, poppt es automatisch unten rechts im Browserfenster auf. Dieses freundliche Hilfsangebot stammt nicht etwa von einem besonders eifrigen Service-Mitarbeitenden, sondern von einem Roboter – einem sogenannten Chatbot.

Für Unternehmen bieten Chatbots die Möglichkeit, Kosten zu reduzieren und den Kundendienst (Customer Service Experience) zu verbessern. Neben Techgiganten wie Apple, Facebook & Co haben auch Schweizer Unternehmen den Reiz der Automatisierung entdeckt: Die Airline Swiss stellte kürzlich ihren ersten Chatbot vor, der Kunden im Falle von Flugunregelmässigkeiten bei der Umbuchung assistiert.

Chatbots können Unternehmen die Kommunikation mit (potentiellen) Kunden spürbar erleichtern. © Pixabay

Pizza bestellen leicht gemacht

Für Aufsehen sorgte 2015 ein besonders kreativer Einsatz von Chatbots. Die Lieferkette Domino’s Pizza ermöglichte es seinen Kunden, eine Pizzabestellung durch ein simples Emoji auszulösen: WhatsApp oder Twitter öffnen, Pizza-Emoji eintippen, an Domino’s Pizza senden und schon wird das Festmahl ins Haus geliefert. Kundenservice 4.0, einfacher geht’s kaum.

Der Tausendsassa mit Engelsgeduld

Mit Chatbots ist die Kontaktaufnahme schnell und unkompliziert. Der Nutzer erhält Antworten in Echtzeit – nicht erst Stunden oder Tage später. Bei Onlineshops hilft die künstliche Intelligenz, das passende Produkt zu finden, nach dem Verkauf übernimmt der Bot gewissenhaft das After-Sales-Management und im Kundendienst beantwortet er mit Engelsgeduld dieselbe Frage auch zum x-ten Mal. Ein Hoch auf den Service-Mitarbeitenden des Monats!

Wer jetzt in Gedanken schon seine Service-Belegschaft auf die Strasse stellt: Vorsicht! Denn was die virtuellen Helferlinge beispielsweise im Beschwerdemanagement so nützlich macht, macht sie in anderen Bereichen umso unkontrollierbarer. Microsoft musste dies auf schmerzliche Weise erfahren.

Die dunkle Seite der Chatbots

Im Rahmen eines Experiments liess der Software-Riese 2016 einen Chatbot namens Tay auf die Twitter-Nutzer los. Der Bot sollte lernen, wie 14- bis 18-Jährige miteinander kommunizieren, indem er mit ihnen auf der Social-Media-Plattform interagierte. Microsoft hatte die Rechnung aber ohne die ausgefuchsten Twitter-Nutzer gemacht, die ihre Freude daran fanden, den Bot zu manipulieren. Zu allem Übel nahm sich das selbstlernende Programm auch noch Referenzpersonen mit fraglichen Werten zum Vorbild.

Das Projekt endete in einem kommunikativen Desaster: Tay entwickelte sich in nicht einmal 24 Stunden zum Rassisten par excellence. Der virtuelle Teenie schmiss mit hetzerischen Parolen nur so um sich und verfügte innert kürzester Zeit über den Wortschatz eines vom Tourette-Syndrom Geplagten. Microsoft stoppte daraufhin das Projekt und löschte haufenweise Tweets von Tay. Die Moral von der Geschicht‘: Selbstlernende Software ist nur begrenzt kontrollierbar und allzu leicht zu beeinflussen.

Wurde schon nach wenigen Stunden „ins Bett geschickt“: Microsoft’s Chatbot Tay veranschaulicht die Tücken der künstlichen Intelligenz. © Screenshot Twitter / @TayAndYou

Kurzfristiger Hype oder Trend mit Zukunft?

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kundenservice scheint also ein zweischneidiges Schwert zu sein. Der Chatbot reagiert augenblicklich, kommt bestens ohne Schlaf aus, fühlt sich auch bei Kundenbeschwerden nicht persönlich angegriffen und fordert bestimmt nie eine Lohnerhöhung. Leider lässt er sich nur allzu leicht beeinflussen und befördert sich so schnell ins kommunikative Abseits. Soviel sei sicher: Laden Sie Ihren Frust künftig ruhig beim digitalen Kundenservice ab. Der Chatbot wird es Ihnen verzeihen.

*Chatbots („Bots“): Computergenerierte Programme, die mithilfe von künstlicher Intelligenz Gespräche mit Nutzern führen. Typischerweise in einen Nachrichtendienst (z.B. WhatsApp) oder in die Spracherkennung (z.B. Siri) integriert, simulieren sie reale Ansprechpartner.

Über die Autorin

Valeria Meier begeistert sich für neue Wege im Marketing und in der Kommunikation. Sie schätzt die schnellen Reaktionszeiten von Chatbots, spricht am liebsten aber immer noch mit realen Menschen. Seit sechs Jahren arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des global tätigen Industriekonzerns Sulzer. Berufsbegleitend absolviert sie das CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW. Den Blogpost hat die Autorin übrigens selbst verfasst und nicht dem Roboter überlassen.

Alkohol wird als Partygast ausgeladen

Partys sind nicht nur bei Studenten beliebt. Gerade im Raum Zürich gibt es diverse Clubs, die ganzjährig für Stimmung sorgen. Bei Party kommen wohl zwei Stichworte als erste in den Sinn: Abfeiern und Alkohol. Letzteres muss aber nicht unbedingt zur Bedingung werden. Die Partyreihe Sober Sensation zeigt, dass auch nüchtern gefeiert werden kann. Wir haben mit dem Gründer Gideon Bellin gesprochen und nachgefragt, was es mit dieser Idee auf sich hat.

Herr Bellin, eine Partyreihe ohne Alkohol, das tönt für viele nach einem schlechten Scherz. Wie kamen Sie auf die Idee eine solche Partyreihe zu gründen. Selber zu viele Abstürze erlebt, oder war der gesunde Lebensstil ausschlaggebend?

Ich hatte die Idee bereits vor 9 Jahren, als diese Bewegung noch nicht der Trend war. Dieser kam erst vor circa 3 Jahren auf, in welcher Zeit ich mich dann entschied das Konzept endlich umzusetzen. Auslöser war eine Geburtstagsfeier, auf der ich als DJ engagiert war und bei der kein Alkohol ausgeschenkt werden durfte.

Wie sieht eine Sober Sensation Party aus? Wo sind Unterschiede, aber auch Vorteile zu gewöhnlichen Partys?

Eine Sober Sensation zeichnet sich durch den Einsatz höchstmöglicher sinnesansprechender Elemente aus, so trägt der Name zweierlei mit sich, das Wort „Sensation“ bedeutet nämlich nicht nur, dass es etwas komplett Neues, Revolutionäres aber auch Sensationelles ist, sondern auch dass alle Sinne angesprochen werden. Die Sober Sensation setzt hingegen zu „herkömmlichen“ Partyveranstaltungen die Musik, die Menschen und das Tanzen im Mittelpunkt.

Die Vorteile sind, dass man am nächsten Tag fit ist, man Inspiration zum alkoholfreien Ausgehen bekommt und super interessante und abwechslungsreiche Menschen trifft.

Stimmung auch ohne Alkohol © Sober Sensation

Wie setzen sich Ihre Gäste zusammen? Müssen wir uns hier nur gesundheitsbewusste Fitness-Begeisterte vorstellen oder werden diverse Gruppen angesprochen?

Die Zielgruppe besteht hauptsächlich aus gesundheits- und fitnessbewussten 25-35 Jährigen, die auch gerne offen für Neues sind und unter anderem genug vom üblichen Nachtleben haben oder einfach mal etwas Neues ausprobieren wollen. Darüber hinaus gibt es viele Veganer, Abstinente, Schwangere u.v.m.

Viele Statistiken zeigen, dass der Alkoholkonsum zurückgeht. Sober Sensation trifft also den Nerv der Zeit. Wie waren die bisherigen Rückmeldungen und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Die Gäste sind sehr interessiert und der Trend wächst, ich sehe der Zukunft positiv entgegen. Mit der Anzahl der Gäste wächst unsere Erfahrung und somit die Attraktivität unserer Veranstaltungen. Wir möchten uns hierzu stets verbessern und ebenfalls offen für Neues sein.

Wichtiger als der Alkohol, sind die Gäste © Sober Sensation

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Marketing? Welche Instrumente setzen Sie ein?

Für das Marketing verwenden wir alle Promokonzepte, die es gibt. Von klassischen Printmedien wie Plakate, Flyer und Sticker, aber auch besonders digitale Medien, wie Social Media, Newsletter und Eventplattformen und Influencer Marketing durch Instagrammer, Youtuber und Blogger.

So versuchen wir beispielsweise viele Influencer der veganen Szene auf uns aufmerksam zu machen und somit kostenfrei für das Event und das Dinner einzuladen. In Zürich wird wahrscheinlich ein 5-Gänge Menü eines veganen Sternekochs aufgetischt.

Sober Sensation wurde bisher in Deutschland erfolgreich durchgeführt. Nun expandieren Sie nach Zürich. Was denken Sie, wie wird das Zürcher Partyvolk auf Sober Sensation reagieren und wo sehen Sie Herausforderungen?

Die Idee soll international gross werden und somit sprechen wir auch verschiedene Nationen an. Die Vision geht dahin, dass auch Events in den USA, China, Australien, Bali, Russland, Afrika etc. stattfinden sollen. Es sind also keine Grenzen gesetzt!

Die Zürcher Zielgruppe gehen wir genau gleich an, was meiner Meinung nach schon ein Fehler war, da wir schnell bemerkt haben das der Begriff „vegan“ hier eher negativen Beigeschmack hat. Wir sind uns bewusst, dass die Schweizer etwas „verwöhnter“ mit Events sind und demnach sind wir hier besonders vorsichtig bzw. geben uns extra Mühe, dass alles super glatt und extravagant läuft. Dennoch haben wir unserer Meinung nach, immer noch den Berlin Bonus.

Wir werden hierzu den Preis anpassen müssen und wenn wir Erfolg haben, planen wir dies monatlich, oder alle zwei Monate (so wie in Berlin), zunächst allerdings erst in Zürich, zu veranstalten.

Zürich ist teilweise eine sehr traditionelle Stadt, die unter anderem das Feierabendbier hoch ansetzt und somit Probleme mit unserem Konzept haben könnte. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ähnlich wie in Berlin ein hohes Aufkommen an Drogen, wozu es immer ein anderes Extrem gibt und geben muss.

Zum Schluss, welches ist Ihr alkoholfreier Lieblingsdrink?

Mein alkoholfreier Lieblingsdrink ist Kombucha Tee.

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Schweissflecken gehören ab jetzt der Vergangenheit an

Wer kennt es nicht, sobald man den Anzug oder die Jacke ablegt, gibt es unter den Armen Schweissflecken an Hemd oder Bluse. Unangenehm, gerade wenn man in einer wichtigen Sitzung oder vor Publikum etwas präsentieren soll. Abhilfe bringt hier ECLEA mit seinen neuen Kleidungsstücken, auf denen man keine Schweissflecken mehr sieht. Emiliano Arena ist Gründer der Firma, Marketingprofi und Modedesigner. Er berichtet uns, wie das Ganze funktioniert.

Herr Arena, wie sind Sie auf die Idee gekommen, elegante Kleidung zu entwickeln, bei der man keine Schweissflecken mehr sieht?

Die Idee ist entstanden weil ich selbst betroffen bin. Als Verkaufs- und Marketingleiter hat es mich immer gestört wenn mir die Leute unter die Arme geschaut haben. Aber auch im Allgemeinen hat es mich sehr gestört. Da auch Deos nur bedingt helfen und ich aus einer Schneiderfamilie komme, habe ich in Richtung Textil nach Lösungen gesucht und gefunden.

Endlich keine Schweissflecken mehr, die Idee stammt von Emiliano Arena (siehe Bild) © ECLEA

Sie kombinieren zwei Technologien auf einem Textil, können Sie uns erklären, wie diese Technologie funktioniert?

Das Textil wird quasi halbiert. Wasser und Schmutz perlen auf der Aussenseite des Textils einfach ab. Gleichzeitig wird Feuchtigkeit, die beim Schwitzen entsteht, von der Innenseite des Textils rasch aufgenommen und vom Körper wegtransportiert. Dadurch trocknen ECLEA Shirts deutlich schneller als herkömmliche Textilien. Flecken, die durch Schwitzen entstehen, sind von aussen beinahe unsichtbar. Zusätzlich verdunstet die Feuchtigkeit körpernah, was die natürliche Körperfunktion des Kühlens unterstützt.

Wie würden Sie Ihre Zielgruppe beschreiben und welche Aspekte sind den Kunden aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Ästhetiker, aktive, emotionale und „hitzige“ Leute, aber auch Geschäftsleute die viel reisen, viel unterwegs sind und einen direkten Kontakt zum Kunden haben. Generell aber alle, die dieses Problem kennen.

Besonders wichtig ist, dass man die Flecken nicht sieht und sich vor allem wieder viel freier bewegen kann. Man fühlt sich wohler, sicherer und kann bei allen Aktivitäten sich selbst sein. Ebenfalls die Materialien, sprich der Tragekomfort, der Schnitt und natürlich das Design.

Wie wird bei ECLEA das Marketing genutzt? Auf welche Marketinginstrumente setzen Sie?

Das Marketing bei ECLEA ist sehr wichtig, den wir wollen eine Philosophie nach aussen ausstrahlen. Innovation, Mode, Lifestyle und Eleganz kombiniert mit funktionellen High-Tech Textilien. Die Instrumente sind: Onlinemarketing, PR, Social Media, Affiliate, Mund zu Mund und Weiterempfehlungsmarketing sowie aktiv in Blogs und Foren. Sobald sich der Brand etabliert auch TV-Werbung, PassengerTV und Strassenplakate. Ebenfalls könnte ECLEA auch in Golfanlagen, Fitnesscentern, Hotels und vereinzelten Modegeschäften präsent sein.

Sie kombinieren „Swiss Made“ und „italienisches Design“ – wie nutzen Sie diese Begriffe in der Vermarktung der Produkte?

Swiss Made steht für Qualität und den hohen Standard. Das italienische Design steht für Eleganz und Modebewusstsein. Es ist funktionale Herrenmode in italienischer Eleganz. SWISS MADE.

Italienische Eleganz in Kombination mit Schweizer Qualität © ECLEA

Wo können die ECLEA Funktionshemden erworben werden?

Zurzeit über Kickstarter und mit Sonderkonditionen. Danach online auf www.eclea.ch. Der Bereich Corporate Wear wird persönlich für die Geschäftskunden gemacht.

Werden Sie die Zielgruppe noch erweitern, zum Beispiel auch eine Kollektion für Damen anbieten?

Auf alle Fälle, den auch Frauen leiden unter diesem Problem. Geplant ist eine Kollektion im November 2018.

Wenn Sie angehenden Marketingfachleuten einen Tipp geben könnten, was würden Sie raten?

Marketing ist Leidenschaft. Probiert aus, testet bei eurer Zielgruppe was besser ankommt, macht Fehler und lernt daraus. Arbeitet mit euren Kunden und der Community zusammen. Entwickelt mit ihnen Ideen und Lösungen. Denn egal was wir machen und wie wir es machen im Marketing, entscheidend ist was der Markt sagt, der Markt entscheidet, ob ein Produkt gekauft wird oder nicht. Also lasst euch auch von den Kunden inspirieren.

https://eclea.ch/

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Migros-Finn rührt die Welt zu Tränen

Emotionen im Marketing sind wichtig. Dies zeigt das aktuelle Beispiel der Migros Weihnachtskampagne. Der diesjährige Weihnachtsspot rührt die Welt zu Tränen. Wie es zu diesem Video gekommen ist, erklärt uns Livio Dainese von der Agentur Wirz.

Herr Dainese, Sie haben die diesjährige Weihnachtskampagne der Migros gestaltet. Wie ging Wirz an die Aufgabe heran und was waren die Herausforderungen?

Die Ausgangslage für Weihnachten 2017 war, auf dem Kern „Gemeinsam feiern“ und der Migros Haltung „Der Schweiz etwas zurückgeben“ eine neue, tragfähige Kampagne zu bauen. Dieses Jahr wollten wir das gemeinsame, verbindende von Weihnachten zelebrieren. Daran erinnern, dass es eben nicht allen gut geht an Weihnachten. Dann gilt es, eine Geschichte zu erfinden, die diesen Gedanken am schönsten transportiert. Eine Geschichte, die die Menschen berührt. Die eine Welt auftut. Die einen in eine weihnachtliche Stimmung versetzt. Die involviert und uns Möglichkeiten bietet, zusätzlich auch das gesamte Weihnachtsangebot der Migros zu spielen. Und das auf allen Medien, vom Bewegtbild bis zum Migrossack.

Wie kamen Sie auf die Idee einen Wichtel als Protagonisten zu nehmen?

Die Idee war nicht, einen Wichtel zu nehmen. Sondern die Fragen: Was genau ist eigentlich in so einer Scannerbox bei der Migros? Und wenn da ein Wichtel drin ist, was macht der denn an Weihnachten? Kennt er das überhaupt? Würde er vielleicht auch gerne mal Weihnachten feiern?

Der Protagonist des Films Wichtel Finn (c) Wirz/Migros

Wie wurde die Idee dann konkret umgesetzt? Wo lagen die Schwierigkeiten?

Zuerst mussten wir Finn erfinden. Uns überlegen, wie er aussieht, wie gross er ist, was er kann und was nicht. Welche Kleider er trägt und wie seine Wohnung aussehen könnte. Man überlegt sich das alles bis ins Detail, macht einen genauen Personenbeschrieb.

Der Film selbst ist eine sehr komplexe Mischung aus Realfilm und 3-D Animation. Finn existierte nicht in den Bildern, die wir vor Ort in einer Migros-Filiale drehten. Wir filmten schlicht eine weihnachtlich dekorierte, leere Migros. Natürlich mussten wir im Voraus genau definieren, was Finn genau tut in welcher Einstellung. Danach erst wurde der in 3-D realisierte Finn tatsächlich eingebaut und Stück für Stück von einem statischen Platzhalter zu dem „lebendigen“ Finn, den wir nun alle mögen, weiterentwickelt.

Mittlerweile ist das Marketing ja kanalübergreifend. Wie haben Sie das in der diesjährigen Kampagne mit Finn berücksichtigt?

Wir spielen Finn auf allen Ebenen. Von Social Media bis zur Figur, die man sammeln kann und mit denen die Geschichte weiter geht. Denn in jeder Figur von Finn und seinen Freunden steckt ein NFC-Chip. Wenn man den mit der Migros App verbindet, erfährt man noch viele weitere Geschichten der Kassenwichtel. Dazu gibt es eine ganze Flut an weiteren Massnahmen, von Angebotsspots, dem Magazin bis zu den wöchentlichen Aktionen. Eine solche Kampagne inklusive aller Massnahmen beschäftigt uns rund zehn Monate.

Finn ist auf allen Kanälen präsent (c) Wirz/Migros

 

Die Migros will an Weihnachten auch ihre soziale Verantwortung zum Ausdruck bringen. Wie schwierig ist es, diese besondere Identität der Migros in einer Kampagne umzusetzen, ohne, dass es zu aufgesetzt wirkt?

Die Migros hat das Zurückgeben in ihrer DNA. Es ging seit Dutti stets darum, mehr Menschen qualitative hochwertige Produkte zu einem günstigen Preis anzubieten. Dazu kommt das Kulturprozent, mit welchem die Migros Jahr für Jahr viele Schweizer Institutionen und Künstler unterstützt. Und eben, seit vier Jahren der Spendendaufruf mit der Weihnachtskampagne. Es fühlte sich nie künstlich an, dass die Migros den Menschen in diesem Land etwas Gutes tun will. Man erwartet es fast von ihr.

Etwas Gutes tun an Weihnachten (c) Wirz/Migros

Die Weihnachtszeit ist sehr emotional. Gleichzeitig sind wir mittlerweile aber auch etwas abgestumpft. Wie schafft man es trotzdem neue Geschichten zu finden, die berühren?

Indem man ohne Schranken im Kopf sucht. Indem man sich frei macht von allem, was es bereits gibt. Und indem man sich Dinge überlegt, die vielleicht zunächst absurd sind, dadurch aber eine besondere Magie haben.

Zu Weihnachten darf man sich bekanntlich etwas wünschen. Wenn Sie ein unbegrenztes Budget zur Verfügung hätten, was würden Sie gerne mit Wirz realisieren?

Ich würde das meiste Geld in noch mehr furchtbar talentierte Mitarbeitende investieren. Und vielleicht noch in einen Pool für den nächsten heissen Sommer.

Livio Dainese von Wirz (c) Wirz

Der Zoo Zürich: Marketing zwischen Pantherchamäleons und Elefanten

Der Zoo Zürich überrascht immer wieder mit neuen Projekten. Als nächstes steht der Bau der Lewa Savanne vor der Tür. Wie schafft es der Zoo Zürich auch nach vielen Jahren für die Besucher attraktiv zu bleiben und wie wird hier das Marketing genutzt? Diese Fragen hat uns Rita Schlegel beantwortet.

Der Zoo Zürich ist eine Institution und ist ein Besuchermagnet. Was macht die Faszination dieses Zoos aus?

Der Zoo Zürich will die Menschen für die Welt der Tiere begeistern und sie anregen, sich aktiv für den Schutz von Tieren und ihren Lebensräumen einzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, befindet sich der Zoo in einem konstanten Prozess der Weiterentwicklung. Seit 1995 durchläuft der Zoo Zürich den Wandel vom «klassischen» Zoo in ein Naturschutzzentrum mit naturnah gestalteten Anlagen wie etwa dem Masoala Regenwald oder dem Kaeng Krachan Elefantenpark. Die Zoobesucher erhalten Einblicke in das natürliche Verhalten der Tiere und werden zum Beobachten angeregt. Daneben informieren Ausstellungen über Themen des Natur- und Artenschutzes, der Nachhaltigkeit und der Biodiversität. So schafft der Zoo Zürich Faszination für die Tierwelt, die als Grundlage für das Erreichen des Zooziels dient, Menschen zum Schutz von Tierarten und Lebensräumen zu bewegen.

Der Zoo hat sich gewandelt und davon profitieren auch die Elefanten © Zoo Zürich/Enzo Franchini

Welche Marketinginstrumente nutzt der Zoo Zürich?

Klassische Plakate, gedruckte Eigenpublikationen wie die Zoonews (Magazin), verschiedene Informationsbroschüren und Flyer, eigene Website (zoo.ch), eigene Zoo-App, diverse Social-Media-Kanäle (Facebook, Twitter, Instagram, Youtube), eigener E-Mail-Newsletter, Display Ads, Direct Mailings, zielgruppenorientierte Veranstaltungen/Events, Kooperationen & Aktionen mit Partnern, Medienarbeit.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Marketing des Zoos?

Die digitalen Marketingmittel gewinnen stark an Bedeutung. Nicht zuletzt, da der Zoo der Meinung ist, dass wir unsere primäre Zielgruppe – Familien mit Kindern – ideal mit unserer Webseite, dem Newsletter, Social-Media-Beiträgen sowie der Zoo-App erreichen können. Dennoch braucht es auch den Mix mit klassischen Marketinginstrumenten, um das vorwiegend ältere Spenderpublikum zu erreichen.

Welche Zielgruppen wollen Sie ansprechen?

Zoobesuch: Familien (jeder Façon) mit Kindern im Vorschul- und Primarschulalter, Schulen (eigener Schulservice), Jugendliche, Senioren. Führungen & Events im Zoo: Firmen und Privatgruppen. Unterstützung Naturschutzprojekte und Finanzierung neuer Anlagen: Kleinspender (Zoobesucher) und Grossspender (Stiftungen, Legate etc.).

Diverse Zielgruppen sind für den Zoo Zürich relevant, wobei die Familien eine wichtige Rolle spielen © Zoo Zürich/Enzo Franchini

Wie wichtig ist die Marke Zoo Zürich? Welche Werte stehen dahinter?

Der Zoo ist in Zürich eine fest verankerte Kulturinstitution und geniesst in der Schweiz einen hohen Bekanntheitsgrad. Er steht für eine moderne, tiergerechte, wissenschaftsbasierte Tierhaltung. Der Zoo Zürich folgt den Werten der offensiven, erlebnisreichen und aktivierenden Kommunikation, der innovativen wirtschaftlichen Führung und der zukunftsgerichteten nachhaltigen Finanzierung.

Der Zoo Zürich ist auch aktiv im Sammeln von Spenden. Wie erfolgt das Zusammenspiel zwischen Fundraising und Marketing?

Fundraising und Marketing sind besonders im Bereich der Kleinspenden eng verflochten. Mit einer Kombination aus klassischer Plakatwerbung, einer Zeitungsbeilage sowie Display Ads versucht der Zoo Zürich ein eher kaufkräftiges Publikum in der Stadt und Region Zürich anzusprechen und daraus Spenden für konkrete Projekte zu generieren.

Enge Verflechtung zwischen dem Marketing und dem Fundraising und davon profitieren schlussendlich die Tiere © Zoo Zürich/Tobias Kramer

Welche Schwierigkeiten gibt es in der Vermarktung des Zoos?

Eine Herausforderung ist die Vermittlung der Werte des «modernen» Zoos, d.h. die Aktualisierung des Framings im Gleichschritt mit der Weiterentwicklung der Institution. Der Zoo hat sich teilweise schneller gewandelt als es die Zoo-Konnotationen in den Köpfen der Menschen getan haben. Ebenfalls anspruchsvoll ist die konkrete Aktivierung der Zoobesucher für Naturschutzanliegen.

Zum Schluss, welche Tiere sind bei den Besuchern besonders hoch im Kurs?

Jede Tierart hat ihre Fans. Ganz generell betrachtet aber grosse Säugetiere (Elefanten, Menschenaffen, Grosskatzen), Pinguine und im Masoala Regenwald die bunten Pantherchamäleons.

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