Chef, wir müssen (mehr) reden!

Von Ivona Linder

In vielen Unternehmen wird die interne Kommunikation oft als schlecht wahrgenommen. Besonders die mangelnde Transparenz wird oft als Kritikpunkt genannt. Nachfolgend ein kurzer Leitfaden, der die Bedeutung der internen Kommunikation vor Augen führen will.

1. Alles Gute kommt von oben, und das Schlechte erst recht

Der klassische Sinn und Zweck der internen Kommunikation ist es, dem Management die Möglichkeit zu geben, Informationen zu verbreiten und den Mitarbeitern ein Verständnis für die festgelegten Unternehmensziele, Strategien, Prozesse und Entscheidungen zu vermitteln. Dies gilt und wird traditionell lieber genutzt für gute Nachrichten, positive Geschäftszahlen, gewonnen Preise, etc. Umso wichtiger ist es jedoch, dass auch schlechte Nachrichten direkt vom Management an die Mitarbeiter kommuniziert werden, und zwar bevor etwas nach aussen sickert. Es ist nicht gerade förderlich für das Vertrauen in das Management und damit für das Betriebsklima, wenn die Mitarbeiter aus den Medien oder durch externe Gerüchte erfahren, was in ihrem Unternehmen geschieht. Auch können sie sich dadurch nicht rechtzeitig auf mögliche Anfragen von Kunden, Medien oder anderen Stakeholdern vorbereiten.

2. Leichen im Keller werden irgendwann wieder lebendig

Diese Regel gilt sowohl für die interne als auch für die externe Kommunikation – aber sie gilt unangefochten, denn früher oder später wird in jedem Unternehmen der Fall eintreten, dass lange totgeglaubte Informationen an die Oberfläche gelangen und sowohl intern als auch extern grosse Aufmerksamkeit nach sich ziehen. Getreu dem Motto „Was ich nicht weiss, macht mich furchtbar heiss“ kann man diesen Fällen nur dann angemessen begegnen, wenn man über uneingeschränkten Zugang zu Informationen zum Unternehmen und dessen Mitarbeitern verfügt. So kann man sich bereits im Vorfeld wappnen und entsprechend die Kommunikationsstrategie entwickeln oder anpassen. Dieser Zugang muss einerseits seitens der Unternehmensleitung gewährleistet sein, andererseits muss er auch entsprechend eingefordert und sich vor allem bei den Mitarbeitern erarbeitet werden.

3. Reden ist Silber, Schweigen ist falsch

Für den Fall, dass etwas doch nicht frühzeitig intern kommuniziert wurde und es nun publik wird oder wenn die Gerüchteküche anfängt zu brodeln heisst es handeln. Die „Wir sitzen es einfach aus“ -Methode ist hier meist die falsche Wahl, schafft sie doch noch mehr Raum für weitere Spekulationen und letztendlich Misstrauen gegenüber der Unternehmensleitung. Diese ist daher gut beraten schnell eine Kommunikationsstrategie zu erstellen und offensiv zu kommunizieren, und zwar wieder zuerst intern und danach nach aussen.

Die interne Kommunikation muss in den Unternehmen besonders beachtet werden © Pixabay

4. Reden und reden lassen

Interne Kommunikation darf jedoch keinesfalls nur als top-down Information verstanden werden. Mindestens genauso wichtig ist der bottom-up Ansatz, d.h. die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass sie mit der Unternehmensleitung sprechen können und diese ihnen auch zuhört. Wenn dies der Fall ist, fühlen sie sich ernst genommen und als Teil des Unternehmens und dessen Erfolgs. Ihre Motivation und Verbundenheit zum Unternehmen steigen, was sich wiederum auf die Qualität der Arbeit auswirkt und die beste Werbung ist für die Akquise neuer Mitarbeiter und Kunden. Oder um es mit Worten von Sir Richard Branson zu sagen: «The way you treat your employees is the way they will treat your customers». Darüber hinaus kommen häufig die besten neuen Ideen oder Verbesserungsvorschläge gerade von den Mitarbeitern selbst, denn sie sind es die tagtäglich mehrere Stunden genau mit dieser Arbeit verbringen und sie am besten kennen.

Die Schaffung von verschiedenen und regelmässigen Kommunikationsplattformen hilft, diesen Dialog zu fördern. Dabei steht vor allem das gute, alte persönliche Gespräch hoch im Kurs. Ob formell als individuelle Feedback-Meetings oder eher informell bei koordinierten Get-Togethers, wie Frühstückstreffen oder sportlichen Events, die Möglichkeiten sind vielseitig und hängen von der Unternehmenskultur und der Persönlichkeit des einzelnen Managers ab. Mindestens genauso wichtig ist es, dass das erhaltene Feedback notiert und in Taten umgesetzt wird oder zumindest offen kommuniziert wird, warum Manches nicht umgesetzt werden kann. Nur dann sehen die Mitarbeiter, dass ihren Worten Taten folgten.

5. Aller guten Dinge sind drei…oder vier oder fünf…

Man kennt es noch aus der Schulzeit: es reicht leider nicht eine Information nur einmal zu hören oder zu sehen, damit diese im Gedächtnis hängen bleibt. Entscheidend ist die mehrfache Wiederholung. Das gleiche Prinzip gilt auch allgemein für die Unternehmenskommunikation, dessen Bedeutung für die interne Kommunikation wird jedoch häufig unterschätzt. Die Informationsüberflutung hat aber schon längst auch das Unternehmensinnere erreicht, und bei der grossen Anzahl interner Emails geht eine interne Kommunikation leicht unter. Deshalb bedarf es auch bei der internen Kommunikation mehrerer «Beschallungen» idealerweise über unterschiedliche Kommunikationskanäle.

Let`s make work a chatty place

Die Liste der Vorteile einer angemessenen internen Kommunikation ist lang und ihre ökonomische Bedeutung liegt auf der Hand. Letztlich sind es aber die sozialen Aspekte, die es schon alleine wert sind, ihr genügend Aufmerksamkeit, Fleiss und Budget zu schenken. Wir verbringen in der Regel mehr Zeit bei der Arbeit als mit unseren Familien und Freunden, das Unternehmen wird zu einem Ersatz-Zuhause, die Kollegen und Vorgesetzten zur Familie auf Zeit. Gegenseitiges Anschweigen, vorenthalten von Informationen oder Unehrlichkeit tun aber keiner Familie oder Freundschaft gut – warum sollte dies also bei der Arbeit anders sein?

Über die Autorin

Ivona Linder ist Corporate Secretary für die Wealth Management Division der Rothschild & Co Gruppe. Die Juristin unterstützt und berät den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und andere Leitungsgremien bei allen Fragen der Corporate Governance. Aus dieser Rolle heraus übernahm sie auch die Verantwortlichkeit für die interne Kommunikation der Rothschild & Co Bank AG in Zürich und Genf und lässt seitdem nichts unversucht, um die Kommunikationsbrücke zwischen dem Management und den Mitarbeitern weiter zu festigen. Sie absolviert derzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW.

Der CAS Marketing- & Corporate Communications – eine Investition, die sich lohnt und nachhaltig ist

Andrea Lippuner erzählt uns ihre Erfahrungen über ihre Teilnahme im CAS Marketing- & Corporate Communications im Herbst 2018. Die Weiterbildung war für sie eine grossartige Gelegenheit, innert kurzer Zeit, vom grossen Wissensschatz von Experten zu profitieren und gleichzeitig die aktuellsten Best Practice Ansätze zu erlernen.

Andrea Du hast Dich für eine Weiterbildung interessiert, warum hast Du Dich für den  CAS Marketing- & Corporate Communications?

Da ich in der Credit Suisse unter anderem für die interne Kommunikation in meinem Bereich zuständig bin, war es mir wichtig, dass ich mein Know-how in der Kommunikation erweitern kann. Ich weiss, wie wichtig eine professionelle Unternehmenskommunikation ist und wollte daher wissen, wie Experten Best Practice Ansätze anwenden und mir einen wissenschaftlichen Background dazu erarbeiten.

Andrea Lippuner erzählt über ihre bereichernden Erfahrungen, welche sie im CAS Marketing- & Corporate Communications machen durfte

Wie war dieser Kurs für Dich?

Der Kurs war sehr lehr- und abwechslungsreich. Ich hätte mir zu Beginn nicht gedacht, dass innert kurzer Zeit ein derart grosser Wissenstransfer möglich ist. Dadurch, dass das erlernte Wissen bereits während des Lehrgangs in die Praxis umgesetzt werden konnte, machte der Kurs viel Freude und das Lernen ging sehr leicht von der Hand. Zudem lernte ich während des CAS viele neue spannende Personen kennen und konnte somit mein Wissen mit anderen Studenten teilen und erweitern.

Wie haben Dir die Inhalte gefallen? Kannst Du etwas davon für Dein Berufsleben auch tatsächlich nutzen?

Jeder Dozent brachte viel Praxiserfahrung mit, dadurch war der Unterricht praxisnah und sehr spannend gestaltet. Der ganze Kurs war für mich wie ein Puzzle, bei welchem man von jedem Dozenten ein Teilstück mitnehmen konnte und am Schluss über ein komplettes Wissenspuzzle verfügt. Da ich bei der Credit Suisse, in meinem Bereich, in der internen Kommunikation mitarbeite, kann ich das Wissen nun jeden Tag gezielt und bewusst einsetzen. Die Bedeutung der Bottom-up sowie Top-Down Kommunikation sind für mich nun keine leeren Worthülsen mehr, sondern zu einem wichtigen Bestandteil meiner täglichen Arbeit geworden.

Im letzten Modul hatten wir zudem die Möglichkeit unser Wissen in Form von einem Kommunikationskonzept 1:1 in die Praxis umsetzen. In 2er Gruppen erarbeiteten wir für eine Firma unserer Wahl ein Konzept. Dadurch, dass jeder Kursteilnehmer einen anderen Erfahrungsschatz mitbrachte, konnten wir enorm voneinander profitieren und es entstanden fruchtvolle Arbeiten, welche wir am Schluss der Klasse präsentieren konnten. Der Austausch mit meiner Mitstudentin und das Abtauchen in ihre Firmenkultur hat meinen Horizont erweitert und meinen Blickwinkel für meine Arbeit vergrössert.

Vom Unterricht gleich in die Praxis und somit aktiv profitieren

Wie waren die Dozenten? Warst Du zufrieden mit den Lehrkräften?

Die Dozenten waren praxiserfahren, motiviert und absolute Profis auf dem Gebiet Marketing / Kommunikation. Für mich war es ein Privileg, von ihrem Wissen zu profitieren und zu lernen. Bereits während meinem Kurs ist mir aufgefallen, dass unsere Dozenten keine Theoretiker sind, sondern in der Praxis sehr gefragt waren. Es kam während dem CAS nicht selten vor, dass wir in der Tageszeitung einen Bericht oder ein Interview von unseren Dozenten entdeckten, bei welchen sie als Experten Auskunft geben durften.

Fühltest Du Dich während des Lehrgangs gut betreut?

Der Lehrgang war sehr professionell organisiert. Bereits vor dem Start haben wir nützliche Unterlagen und Informationen über den Inhalt des Kurses erhalten und konnten uns somit einen Überblick über die kommenden Module verschaffen. Zusätzlich wurden wir jeweils gut auf die Prüfungen vorbereitet. In jeder Stunde hatten wir während sowie nach dem Kurs genügend Gelegenheit, allfällige Fragen aus unserem Berufsleben zu stellen und den Rat von Profis einzuholen.

Würdest Du diesen Kurs anderen weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Ich würde diesen Lehrgang jedem ans Herz legen, welcher in irgendeiner Form im Berufsleben Schnittstellen mit Kommunikation oder Marketing hat. Zusätzlich bekommt man in diesem Kurs die Gelegenheit, das Netzwerk zu erweitern und kann wertvolle Kontakte in andere Unternehmungen aufbauen.

CAS Marketing- & Corporate Communications:

https://weiterbildung.zhaw.ch/de/school-of-management-and-law/programm/cas-marketing-corporate-communications.html

Hier sind alle Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Marketing zu finden:

https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imm/weiterbildung/

Interne Kommunikation: Verletzung des psychologischen Vertrags im Arbeitsalltag

Von Seraina Heis

Bei Stellenantritt unterschreibt jeder Angestellte einen Arbeitsvertrag. Parallel zum juristischen Vertrag existieren auf Arbeitgeber – wie auf Arbeitnehmerseite weitere (oft unausgesprochene) Erwartungen, was als psychologischer Vertrag bezeichnet wird. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, leidet die Zufriedenheit und Motivation. Wir haben mit Priska K.* gesprochen, die in ihrer bisherigen Berufserfahrung schon ein paar Verletzungen ihres psychologischen Vertrags erlebt hatte.

An ihrer letzten Arbeitsstelle erlebte Priska K. wie wichtig es ist, dass auch innerhalb einer Abteilung die Kommunikation stimmen muss, da sonst die Mitarbeiterzufriedenheit sehr darunter leidet. Sie schildert uns ein erstes Beispiel einer Verletzung ihres psychologischen Vertrags: «Wir mussten oft defensiv arbeiten und so schnell wie möglich die Probleme beseitigen. Hinzu kam, dass mein damaliger Chef (CFO) eine steile Militärkarriere hinter sich hatte und der Meinung war, er könne mit ‹auf den Tisch hauen› einiges bewegen. Ein ‹Danke› hatten wir von ihm selten bis nie erhalten.» Wie sie uns mitteilt, habe sie den respektvollen Umgang und die Wertschätzung der Mitarbeitenden vermisst.

Zu viele Chefs verderben die Arbeitsmoral

Das Unternehmen von Priska K. leitete eine strukturelle Veränderung der Abteilung ein. Sie und ihre Arbeitskollegin erhielten einen neuen direkten Vorgesetzten, der dem CFO unterstellt war. «Es war nicht gerade förderlich, dass meine Arbeitskollegin nicht auf der gleichen Wellenlänge mit unserem neuen Chef war und er ausserdem nicht viel von unserem Bereich verstand», sagt sie. Zwischen den beiden Chefs war zusätzlich das Vorgehen für die Top-Down Kommunikation nicht endgültig geklärt. Meist ging der CFO direkt mit Aufgaben zu den Mitarbeiterinnen, ohne den direkten Vorgesetzten zu informieren. Unsicherheit und Verwirrung bei den Angestellten, wie auch Ärger beim Chef machten sich breit, da keine Struktur vorhanden war und eine klare Kommunikation fehlte.

Unklare Strukturen sollten vermieden werden, damit das Arbeitsklima nicht darunter leidet. © Pixabay

Priska K. fährt fort mit ihren Beispielen: «Meine Arbeitskollegin hatte einige Jahre mehr Arbeitserfahrung als ich und entdeckte tagtäglich neue Ungereimtheiten. Mit diesen ging sie dann schnurstracks zum CFO und überging somit den direkten Vorgesetzten jedes Mal. Damit wirbelte sie ungemein viel Staub auf. Mit der Zeit konnte niemand – und das abteilungsübergreifend – mehr ihr impulsives Verhalten ertragen und sie wurde nicht mehr ernst genommen und oft vertröstet.» Meist wird es als Vorteil angesehen, wenn Mitarbeitende Fehler entdecken und Prozesse verbessern möchten. Hier wurde die Bottom-up Kommunikation jedoch vermieden und nicht ernst genommen. Wie uns Priska K. berichtet, sei das Arbeitsklima eher angespannt gewesen und die Arbeit im Team habe sehr darunter gelitten. «Wie es scheint, hatten sogar wir beide unterschiedliche Erwartungen an unseren Arbeitgeber», fügt sie hinzu.

Eine nette Geste bringt das Fass zum überlaufen

Am Geburtstag ihrer Arbeitskollegin erlebte Priska K. aber die schlimmste Vertragsverletzung: «Im Auftrag des CFO’s durfte ich für meine Arbeitskollegin einen schönen Blumenstrauss zum Geburtstag organisieren. Sie war die einzige der ganzen Abteilung, die je einen Blumenstrauss zum Geburtstag erhielt», sagt sie anklagend. Er wurde vom CFO persönlich überreicht, mit der Hoffnung, die Arbeitskollegin ein wenig besänftigen zu können. Priska K. fühlte sich rücksichtslos behandelt und überhaupt nicht wertgeschätzt.

Werden die Erwartungen der Angestellten nicht erfüllt, leidet die Zufriedenheit. © Pixabay

Priska K. ertrug diese Umstände 1,5 Jahre. «Meine Erwartungen an meinen Arbeitgeber und auch an das Team wurden nicht erfüllt. Mir blieb keine andere Wahl, als die Firma zu verlassen», erzählt sie uns. Diese Beispiele zeigen gut, dass verschiedene psychologische Verträge, resp. Erwartungen verschiedener Personen im Arbeitsalltag aufeinandertreffen. Die Wichtigkeit einer angebrachten internen Kommunikation – in diesem Beispiel abteilungsintern – ist für eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit nicht zu unterschätzen. Es ist nicht immer einfach mit all den verschiedenen Erwartungen umzugehen. Jedoch sollte man mit Rücksicht und gegenseitigem Feedback versuchen, das Bestmögliche dabei heraus zu holen.

* Name von der Autorin geändert

Über die Autorin

Seraina Heis legt viel Wert auf ein angenehmes Arbeitsklima und gute Umgangsformen, denn sie weiss aus eigener Erfahrung, dass eine gute Arbeitsleistung und Motivation stark davon abhängen. Ihren Bachelor of Science in Business Administration hatte sie an der FH St. Gallen erworben. Aktuell besucht sie an der ZHAW den CAS Marketing- und Corporate Communications.

Daimler und die Kantinenkommunikation

Kommunikation und Marketing gehen Hand in Hand. Oft wird der Fokus auf die externe Kommunikation gelegt, wie man aber auch mit einer effizienten internen Kommunikation erfolgreich sein kann, erzählt uns Tobias Just, Director Executive & Digital Media von der Daimler AG. Sein Team schafft es immer wieder, mit speziellen Videos, den Vorstandsvorsitzenden Dr. Dieter Zetsche in ein neues Licht zu rücken.

Herr Just, zum Jahresende 2016, gab es ein Video der Daimler AG, wo der Vorstandsvorsitzende Dr. Dieter Zetsche in der Kantine das Jahr Revue passieren lässt. Eigentlich etwas für die interne Kommunikation, doch es hat dank YouTube auch weitere Menschen überrascht und begeistert. Wie kamen Sie auf die Idee, Dr. Zetsche in die Kantine zu setzen?

Die Analogie mit der Ketchupflasche wird bei Daimler im Zusammenhang mit E-Mobilität schon seit längerem gebraucht. Das hat uns auf die Idee gebracht, unsere Strategie einmal komplett mit „Food“-Beispielen zu erklären. Zudem wurde 2016 eine neue Daimler-Kantine eröffnet und unser Vorstandsvorsitzender geht dort tatsächlich öfter essen. Deshalb lag die Kombination nahe.

Wie entstehen die Ideen zu den Videos und zu weiteren Aktivitäten? Arbeiten Sie mit speziellen Agenturen zusammen?

Idee und Skript entsteht grundsätzlich bei uns im Team. Für die Umsetzung ist natürlich externe Unterstützung erforderlich.

Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars (c) Daimler AG

Welchen Stellenwert hat die Executive Communication innerhalb der Daimler AG? Warum ist es so wichtig, den Chef auch kommunikativ zu begleiten?

Auch wenn klassische Hierarchien bei Daimler nicht mehr den Stellenwert früherer Jahre haben – der CEO ist in puncto Motivation und Orientierung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immens wichtig. Insbesondere in einem Unternehmen mit über 280.000 Kollegen auf 5 Kontinenten sind kommunikative Klammern entscheidend für den Zusammenhalt.

Falls Sie etwas aus dem Nähkästchen plaudern dürfen, braucht es viel Überzeugungsarbeit oder macht der Vorstandsvorsitzende alles mit?

Wir haben das grosse Glück, dass unser CEO für kommunikative Belange sehr offen ist, sofern dabei eine Grundvoraussetzung gilt: Im Vordergrund muss immer eine inhaltliche Botschaft stehen. Personenkult ist tabu.

Mercedes-Benz E-Klasse Coupé; C 238 (c) Daimler AG

In Ihren Verantwortungsbereich fallen auch die digitalen Medien. Welche Trends sehen Sie und wie kann man die diversen Kanäle erfolgreich nutzen?

Klassischer Journalismus wird bekanntlich immer öfter von Content Marketing durchsetzt. Das ist – sofern es kenntlich gemacht wird – auch nicht verwerflich. In der globalen Kommunikation bei Daimler gehen wir aber zukünftig einen anderen Weg: Wir setzen verstärkt auf unsere eigenen digitalen Medien. Der Vorteil: Auf diesen Kanälen können wir Denkanstösse bieten, ohne Verkaufsimpulse setzen zu müssen. „Owned Media“ bieten für uns zudem nicht nur Flexibilität und Kontrolle, sondern auch grosse Reichweiten. Allein mit einem Social Intranet erreichen wir täglich mehr als 280.000 Menschen. Hinzu kommt ein Millionenpublikum über Websites und Social Media. Wir sind überzeugt: Im Zusammenspiel bieten diese Kanäle weit mehr als die Summe ihrer Teile.

Gibt es einen Ratschlag, den Sie angehenden Marketingfachleuten geben würden?

Egal ob Text, Bild, Video oder Audio: Produziert nichts, was ihr nicht auch selbst gern konsumieren würdet.

Mercedes-AMG GLA 45 4MATIC (c) Daimler AG

Food for Thought – Nahrung fürs Gehirn

Was auf der menschlichen Ebene Freude oder Ärger schafft, kann auch in der Wirtschaft geltend gemacht werden. Kommunikation ist zu einem unverzichtbaren qualitativen Faktor für den Unternehmenserfolg geworden. Eine Studie der Universität Hohenheim (Quelle siehe unten)  hat erwiesen, dass die interne Unternehmenskommunikation nebst den traditionellen Wettbewerbsmerkmalen wie Produktqualität, Preiswürdigkeit oder Service, dazu beiträgt, dass zwei Unternehmen einer Branche bei gleichen Produktivfaktoren ganz unterschiedliche Ergebnisse erzielen. So viel zur Theorie.

Das Institut für Marketing Management (IMM) ist zwar kein Unternehmen im klassisches Sinne, dennoch nimmt die Kommunikation auch in unserer Organisation eine entscheidende Rolle ein. Mit dem Wachstum des Institutes für Marketing Management auf fünf Fachstellen, wächst auch die Herausforderung einer effizienten internen Kommunikation und der Kommunikationsbedarf steigt an. Nebst der klassischen Form von regelmässigen stattfindenden IMM Meetings, setzt unser Institut auf einen zusätzlichen informellen Ansatz. Jeweils am ersten Montag des Monats treffen wir uns über Mittag zum Food for Thought. Während dem Besänftigen unserer knurrenden Mägen mit mitgebrachten Speisen, nähren wir auch unsere Gehirne. Anlässlich des Food for Thought stellen wir unseren Teamkollegen laufende Projekte vor, sammeln neue Ideen und Inputs oder tauschen Erfahrungen aus. Die informelle Plattform fördert den fachstellenübergreifenden Dialog und ermöglicht die Nutzung von Synergien.

Das IMM-Team beim Food for Thought

Nebst spannenden Brainstormings zu Dienstleistungsprojekten und theoretischen Wissenstransfers unter Mitarbeitenden, durften wir auch schon externe Gäste wie beispielsweise einen Vertreter der Produktionsplanung der Chocoladenfabriken Lindt & Sprüngli (Schweiz) AG empfangen. Ganz zur Freude aller IMM Mitarbeitenden wurden wir dabei nicht nur mit interessanten Informationen zur Schokoladenproduktion, sondern auch mit reichlich Kostproben eingedeckt.

Peter Mullis von Lindt&Sprüngli

Das Format des Food for Thought besteht nun seit rund einem halben Jahr und dauert jeweils 60min. Das Einreichen von Vorschlägen gestaltet sich genauso unkompliziert wie dessen Durchführung. Hat man einen Themenvorschlag und möchte den bevorstehenden Food For Thought leiten, schreibt man sich in der hierfür ausgehängten Liste ein.

Die interne Kommunikation nimmt eine wichtige Rolle in einer gut funktionierenden Organisation ein. Der Erfolg dessen steht und fällt allerdings mit deren Umsetzung. Wir vom IMM greifen auf unkonventionelle, innovative und kreative Methoden zurück und probieren auch gerne neue Kanäle aus. Auch unsere neue (freiwillige) IMM-Whatsapp-Gruppe sorgt neben raschem Informationsaustausch auch für den einen oder anderen erheiternden Dialog.

Quelle: Burgstahler, H.; Mast, C. (2001) Erfolgsfaktor Interne Unternehmenskommunikation in der Bewertung durch Analysten.Explorative Studie zur Rolle von Nonfinancials im Kontext moderner Managementkonzepte