Wie Unternehmen mit Kunst kommunizieren können

Von Lucia Angela Cavegn

Viele Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Kunst und Kultur. Man geht ins Theater, gönnt sich ein Konzert oder besucht ein Museum, um sich zu unterhalten und sich weiterzubilden, oder man erwirbt ein Kunstwerk, um damit Privaträume zu schmücken. Als das gewisse Etwas eignet sich Kunst zudem für die interne und externe Unternehmenskommunikation, wie folgende Beispiele aus Winterthur aufzeigen.

Berührungspunkte zwischen Kunst und Unternehmertum

Zwischen Kunst und Unternehmertum gibt es diverse Berührungspunkte mit Potenzial für gemeinsame, kurz- wie auch langfristige Projekte. Sowohl im Unternehmertum wie auch in der Kunst ist Innovation ein wichtiger Erfolgsfaktor, weshalb ein, in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin oder einem Künstler entwickelter und durchgeführter Workshop, neue Impulse für kreatives Denken und Teambildung liefern kann. Die Winterthurer Künstlerin Lena Wenger bietet diese spezielle, auf Firmen ausgerichtete Dienstleitung unter dem Namen artforpeople an. Ebenfalls in diesem Bereich tätig ist der Holzbildhauer Erwin Schatzmann, dessen überaus inspirierendes Atelier «Morgenland» einem Gesamtkunstwerk gleichkommt.

Kunst beflügelt die Phantasie: Morgenland-Gesamtkunstwerk von Erwin Schatzmann © Lucia Angela Cavegn

Ein gelungenes Beispiel eines langfristigen Projekts ist das Raiffeisen Kunstforum, eine Ausstellungsplattform, welche die Bank der Künstlergruppe Winterthur seit sieben Jahren in ihrer Filiale am Bahnhofplatz zur Verfügung stellt. Neben gemeinsam organsierten Vernissagen finden im obergeschossigen Ausstellungsraum auch Kundenanlässe statt. Die halbjährlichen, von einer externen Kuratorin konzipierten Wechselausstellungen sind an den Werktagen nachmittags unter der Aufsicht des Bankpersonals öffentlich zugänglich.

Kunst öffnet Türen: Raiffeisenbank am Hauptbahnhof Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst nonverbal und empathisch kommunizieren

Anders als der Name vermuten liesse, ist der Technopark Winterthur ebenfalls ein Ort, wo die bildende Kunst präsent ist. Unter dem Titel expolina TECHNOPARK bespielen Kunstschaffende aus dem Umfeld des Technoparks Winterthur jeweils während der Dauer von drei Monaten mit ihren Werken die Wände der Eurest Cafeteria und sorgen damit für Gesprächsstoff sowie ein ansprechendes Ambiente. Die im Aussenbereich platzierte Arbeit des Eisenplastiker-Duos ChrisPierre Labüsch bezieht sich nicht nur auf das Corporate Design des Standorts, sondern war – in Verbindung mit einem 3D-Kurzfilm – Teil einer Performance, die am Weihnachtsanlass 2017 aufgeführt wurde.

Ein geeignetes Medium, um mit Kunst nonverbal und zugleich empathisch zu kommunizieren, sind zudem künstlerische Bildstrecken, welche inhaltlich, wie auch visuell eine gedruckte Publikation, wie beispielsweise den Tagungsband des Swiss Green Economy Symposiums oder die Programmschrift des Musikkollegiums Winterthur bereichern, oder Bildbände wie «Wald & Wunder. Porträts von Wäldern, Wundern und Waldmenschen», ein Buch des Winterthurer Naturfotografen Heinz Staffelbach, das als Kundengeschenk vom VZ VermögensZentrum herausgegeben wurde. Den immaterielle Wert von Kunst nutzte das Unternehmen als Sympathiebonus.

Kunst setzt Akzente: Werk von Chris Pierre Labüsch, Aussenbereich Technopark Winterthur © Lucia Angela Cavegn

Mit Kunst unkonventionell in Erscheinung treten

Im Januar 2018 fand im Winterthurer Hotel Wartmann die erste Ausgabe der zweitätigen Kunstausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» statt – ein Projekt, das die Schreibende in Zusammenarbeit mit der Szenografin Anita Bättig und dem Hotelinhaber Rolf Wartmann erarbeitete und durchführte. Rund dreissig Künstlerinnen und Künstler bezogen ein Hotelzimmer, um ihre die Masse eines Koffers nicht überschreitenden Kunstwerke feilzubieten und zu übernachten. Das Hotel offerierte die Übernachtung und das gemeinsame Frühstück, zu dem auch das kunstinteressierte Publikum eingeladen war. Im Gegenzug profitierte es von kostenloser PR in Form von Ausstellungshinweisen in den lokalen Medien und mannigfacher Erwähnung in den Social-Media-Postings der Teilnehmenden. Die Verleihung des «Goldenen Zahnbürstchen» an  Alex Zwalen für das originellste Zimmer bildete den krönenden Abschluss der rege besuchten und sehr positiv aufgenommen Veranstaltung. 

Kunst ermöglicht ungewöhnliche Begegnungen: Der Künstler Alex Zwalen malt im Hotelzimmer – Ausstellung «Morgenstund hat Kunst im Mund» im Hotel Wartemann Winterthur © Lucia Angela Cavegn

https://kunstweise.ch/event-reader/morgenstund-hat-kunst-im-mund-347.html

Facebookgruppe «Morgenstund hat Kunst im Mund»

Über die Autorin

Lucia Angela Cavegn (lic. phil. I) bestreitet ihren Lebensunterhalt als freischaffende Kunstpublizistin, Kunst- und Kulturvermittlerin, Ausstellungskuratorin und Gesprächsmoderatorin. Seit Juli 2014 ist sie Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur. Ihren Internetauftritt www.kunstweise.ch teilt sie sich mit der Winterthurer Künstlerin Christiane Ghilardi. Zurzeit absolviert sie das CAS-Studium Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW und bereitet eine Ausstellung zum Thema «Selbstporträts» für das Museum Rosenegg in Kreuzlingen vor.

Alkohol wird als Partygast ausgeladen

Partys sind nicht nur bei Studenten beliebt. Gerade im Raum Zürich gibt es diverse Clubs, die ganzjährig für Stimmung sorgen. Bei Party kommen wohl zwei Stichworte als erste in den Sinn: Abfeiern und Alkohol. Letzteres muss aber nicht unbedingt zur Bedingung werden. Die Partyreihe Sober Sensation zeigt, dass auch nüchtern gefeiert werden kann. Wir haben mit dem Gründer Gideon Bellin gesprochen und nachgefragt, was es mit dieser Idee auf sich hat.

Herr Bellin, eine Partyreihe ohne Alkohol, das tönt für viele nach einem schlechten Scherz. Wie kamen Sie auf die Idee eine solche Partyreihe zu gründen. Selber zu viele Abstürze erlebt, oder war der gesunde Lebensstil ausschlaggebend?

Ich hatte die Idee bereits vor 9 Jahren, als diese Bewegung noch nicht der Trend war. Dieser kam erst vor circa 3 Jahren auf, in welcher Zeit ich mich dann entschied das Konzept endlich umzusetzen. Auslöser war eine Geburtstagsfeier, auf der ich als DJ engagiert war und bei der kein Alkohol ausgeschenkt werden durfte.

Wie sieht eine Sober Sensation Party aus? Wo sind Unterschiede, aber auch Vorteile zu gewöhnlichen Partys?

Eine Sober Sensation zeichnet sich durch den Einsatz höchstmöglicher sinnesansprechender Elemente aus, so trägt der Name zweierlei mit sich, das Wort „Sensation“ bedeutet nämlich nicht nur, dass es etwas komplett Neues, Revolutionäres aber auch Sensationelles ist, sondern auch dass alle Sinne angesprochen werden. Die Sober Sensation setzt hingegen zu „herkömmlichen“ Partyveranstaltungen die Musik, die Menschen und das Tanzen im Mittelpunkt.

Die Vorteile sind, dass man am nächsten Tag fit ist, man Inspiration zum alkoholfreien Ausgehen bekommt und super interessante und abwechslungsreiche Menschen trifft.

Stimmung auch ohne Alkohol © Sober Sensation

Wie setzen sich Ihre Gäste zusammen? Müssen wir uns hier nur gesundheitsbewusste Fitness-Begeisterte vorstellen oder werden diverse Gruppen angesprochen?

Die Zielgruppe besteht hauptsächlich aus gesundheits- und fitnessbewussten 25-35 Jährigen, die auch gerne offen für Neues sind und unter anderem genug vom üblichen Nachtleben haben oder einfach mal etwas Neues ausprobieren wollen. Darüber hinaus gibt es viele Veganer, Abstinente, Schwangere u.v.m.

Viele Statistiken zeigen, dass der Alkoholkonsum zurückgeht. Sober Sensation trifft also den Nerv der Zeit. Wie waren die bisherigen Rückmeldungen und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Die Gäste sind sehr interessiert und der Trend wächst, ich sehe der Zukunft positiv entgegen. Mit der Anzahl der Gäste wächst unsere Erfahrung und somit die Attraktivität unserer Veranstaltungen. Wir möchten uns hierzu stets verbessern und ebenfalls offen für Neues sein.

Wichtiger als der Alkohol, sind die Gäste © Sober Sensation

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Marketing? Welche Instrumente setzen Sie ein?

Für das Marketing verwenden wir alle Promokonzepte, die es gibt. Von klassischen Printmedien wie Plakate, Flyer und Sticker, aber auch besonders digitale Medien, wie Social Media, Newsletter und Eventplattformen und Influencer Marketing durch Instagrammer, Youtuber und Blogger.

So versuchen wir beispielsweise viele Influencer der veganen Szene auf uns aufmerksam zu machen und somit kostenfrei für das Event und das Dinner einzuladen. In Zürich wird wahrscheinlich ein 5-Gänge Menü eines veganen Sternekochs aufgetischt.

Sober Sensation wurde bisher in Deutschland erfolgreich durchgeführt. Nun expandieren Sie nach Zürich. Was denken Sie, wie wird das Zürcher Partyvolk auf Sober Sensation reagieren und wo sehen Sie Herausforderungen?

Die Idee soll international gross werden und somit sprechen wir auch verschiedene Nationen an. Die Vision geht dahin, dass auch Events in den USA, China, Australien, Bali, Russland, Afrika etc. stattfinden sollen. Es sind also keine Grenzen gesetzt!

Die Zürcher Zielgruppe gehen wir genau gleich an, was meiner Meinung nach schon ein Fehler war, da wir schnell bemerkt haben das der Begriff „vegan“ hier eher negativen Beigeschmack hat. Wir sind uns bewusst, dass die Schweizer etwas „verwöhnter“ mit Events sind und demnach sind wir hier besonders vorsichtig bzw. geben uns extra Mühe, dass alles super glatt und extravagant läuft. Dennoch haben wir unserer Meinung nach, immer noch den Berlin Bonus.

Wir werden hierzu den Preis anpassen müssen und wenn wir Erfolg haben, planen wir dies monatlich, oder alle zwei Monate (so wie in Berlin), zunächst allerdings erst in Zürich, zu veranstalten.

Zürich ist teilweise eine sehr traditionelle Stadt, die unter anderem das Feierabendbier hoch ansetzt und somit Probleme mit unserem Konzept haben könnte. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ähnlich wie in Berlin ein hohes Aufkommen an Drogen, wozu es immer ein anderes Extrem gibt und geben muss.

Zum Schluss, welches ist Ihr alkoholfreier Lieblingsdrink?

Mein alkoholfreier Lieblingsdrink ist Kombucha Tee.

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