Smart Cities in der Schweiz – Ein Use Case-getriebener Ansatz

Von Dr. Manuel Holler

Neben den urbanen Metropolregionen in Asien und den Vereinigten Staaten stehen auch die Städte in der Schweiz vor der Herausforderung, eine Steigerung der Lebensqualität bei gleichzeitiger Ressourcenreduktion zu erreichen. Smart City-Konzepte, insbesondere die intelligente Vernetzung von Infrastruktur, stellen hierfür einen wichtigen Lösungsansatz dar. Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt hierzu eine Commercial-IoT-Plattform. Die Plattform ist dabei als Enabler anzusehen, so dass Unternehmen und Städte das Paradigma einer digital vernetzen physischen Welt realisieren können.

Konzept einer Smart City © Hivemind

Wenn es an die konkrete Umsetzung solcher Smart City-Konzepte geht, können grundsätzlich zwei Strategien unterschieden werden: Während einige Städte den Ansatz verfolgen, die technischen Grundlagen der Vernetzung sicherzustellen, zielen andere darauf ab, die Smart City mit konkreten, wertschöpfenden Anwendungsfällen zu initiieren. Besonders vor dem Hintergrund der notwendigen, schrittweisen Evolution hin zu ganzheitlich vernetzten Städten bietet sich besonders letzterer Ansatz an.

Gebündelt in der Initiative «Start Smart City» konnten so zusammen mit Partnern aus den Bereichen Sicherheit, Umwelt, Infrastruktur, Mobilität bereits erste Use Cases identifiziert und realisiert werden. Abbildung 2 zeigt den exemplarischen Smart City Use Case «Abfallentsorgung». Im Gegensatz zu einer traditionellen, periodischen Entleerung, sorgen die «Smart Connected Garbage Bins» für optimierte Abläufe.

Smart City Use Case „Abfallentsorgung“ © Start Smart City

Dennoch gilt es, die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse der Schweizer Städte noch besser zu verstehen. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt weitere Anwendungsfälle für Smart Cities in der Schweiz zu identifizieren und zu charakterisieren.

Der Gründer

Gründer Vikram-Bhatnagar © Hivemind

Vikram Bhatnagar (vik@hivemind.ch) ist Gründer und Geschäftsführer von «Hivemind» und «Start Smart City». Das Unternehmen «Hivemind» entwickelt eine Commercial-IoT-Plattform. Die Initiative «Start Smart City» setzt sich für die intelligente Vernetzung der Schweizer Städte ein.

Mit Online-Finanzplanungstool zur individuellen Planung der Finanzen

Die Finanzbranche ist durch die Digitalisierung grossen Veränderungen ausgesetzt. Viele Finanzinstitute reagieren auf diese Entwicklung oft mit Massnahmen, welche sich auf einzelne Schnittstellen beschränken. Anders die Braingroup: gemeinsam mit dem Institut für Wealth und Asset Management und dem Institut für Marketing Management der ZHAW verfolgt das FinTech-Unternehmen einen gesamtheitlichen Prozess, um die Interaktion mit ihrem Finanzplanungstool zu transformieren.

Die Braingroup ist ein FinTech-Unternehmen aus Zürich, welches Banken und Versicherungen bei der digitalen Transformation von Beratungs- und Verkaufsprozessen unterstützt.

Bereits in der Vergangenheit, hat die Braingroup diverse Finanzplanungstools entwickelt, welche primär für die Bedienung durch einen Experten konzipiert wurden. Die Braingroup wollte nun das Bedürfnis von Retail-Kunden nach einem Online-Finanzplanungstool, in welchem die Finanzen individuell geplant werden können, erfüllen.

Wie auf untenstehender Abbildung dargestellt, soll der Retail-Kunde durch das Finanzplanungstool «Omnium Planify» befähigt werden, seine Finanzen über mehrere Lebensabschnitte zu verwalten. Verschiedene Online-Rechner und Informationen zu Finanzthemen ermöglichen es dem Anwender, eigene Finanzen weitgehend selbstständig zu planen. Die Unterstützung durch Experten erfolgt dann dort, wo komplexe Fragestellungen dediziertes Fachwissen verlangen.

Das Finanzplanungstool «Omnium Planify» vereinfacht die Verwaltung eigener Finanzen © ZHAW/ Braingroup

Zusammenarbeit mit der ZHAW

Um herauszufinden, wie «Omnium Planify» für Retail-Kunden aufgebaut werden und einen Mehrwert erzielen kann, wurden Experten des Institutes für Wealth and Asset Management sowie des Instituts für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law herangezogen. Die ZHAW unterstützte Braingroup mit empirischer Nutzerforschung und bei der Erarbeitung und dem Testen der Anwender-Oberfläche. Unterstützt wurde das Projekt weiter auch durch die eidgenössische Innovationsförderung «Innosuisse» und zwei Praxispartnern, der SwissLife und der Berner Kantonalbank.

Mittels Design Thinking zum Prototypen

Durch Desk-Research, repräsentative Umfragen und Tiefeninterviews mit der Zielgruppe gewann man Erkenntnis darüber, welche Lebensereignisse für die Finanzplanung relevant sind und bei welchen Planungsschritten die Anwender Hilfe benötigen. Die Erkenntnisse wurden in einem «Live-Event-Modell» zusammengefasst. In einer für die Deutschschweiz repräsentativen Umfrage konnte herausgefunden werden, dass 62% der Befragten für finanzielle Sicherheit und 56% für Ferien sparen. Um Nutzer möglichst schnell in die Finanzplanung einzuführen, wurden diese Ereignisse als Einstieg in die Finanzplanung gewählt.

Erkenntnisse aus repräsentativer Umfrage © ZHAW/ Braingroup

Mithilfe der ausgewerteten Resultate aus den ersten Phasen wurden Prototypen mittels Design Thinking in iterativen Design- und Test-Zyklen für das Finanzplanungstool erstellt. Aus diesen Zyklen ist nun ein grafischer Prototyp entstanden, welcher durch die Entwickler von Braingroup programmiert wird.

Spartipps für den Alltag

Während den empirischen Untersuchungen wurde das Bedürfnis nach Spartipps und finanziellen Hilfestellungen identifiziert und für die Online-Finanzplanung aufbereitet. An einigen dieser Spartipps möchten wir Sie natürlich teilhaben lassen:

  • Haben Sie mehrere Konten für verschiedene Sparziele (z.B. Steuern oder Ferien) eröffnet?
  • Sie können dadurch Ihre Selbstkontrolle erhöhen. Nutzen Sie die Sparkonten (ausser in Notfällen) nur für den bestimmten Zweck.
  • Haben Sie sich in letzter Zeit einen Überblick über Ihre diversen Abos verschafft? Ein Überblick kann aufzeigen, welche Abos inzwischen nicht mehr relevant sind. Kündigen Sie nicht genutzte Abos, da diese wiederkehrende Kosten verursachen.
  • Haben Sie einen genauen Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben und ein Budget erstellt? Es gibt online wie auch offline diverse Stellen, welche Sie bei der Erstellung eines Budgets unterstützen. Sie finden auf verschiedenen Websites (Budgetberatung: http://www.budgetberatung.ch; Schuldenberatung Kanton Zürich: www.schulden-zh.ch) Beispielbudgets, detaillierte Spartipps und weitere nützliche Informationen.

Zusammenarbeit mit der ZHAW

Möchten auch Sie den durch die Digitalisierung veränderten Ansprüchen Ihrer Zielgruppe gerecht werden und Ihr Geschäftsmodell erweitern oder gar verändern? Die Zusammenarbeit mit der ZHAW ermöglicht Ihnen, mittels aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen die Herausforderungen in der Praxis zu meistern.

Rafael Domeisen und Selina Grimm, beide Mitarbeiter der ZHAW, nehmen sich gerne Zeit, um mit Ihnen über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu sprechen.

Neue Geschäftsmodelle als Enabler neuer Geschäftsmodelle: Das Beispiel Airbnb und Airhosted

Von Manuel Holler

Mit dem Erscheinen von Airbnb auf der Bildfläche des Übernachtungsgewerbes ging ein Ruck durch die Branche. Der Marktplatz für die Vermittlung von privaten Wohnungen veränderte zum einen das klassische Hotelgeschäft, zum anderen aber auch das Reiseverhalten einer ganzen Generation in tiefgreifender Art und Weise. Wie sich Airbnb in seinem mittlerweile zehnjährigen Bestehen nicht nur als erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert hat, sondern auch als Enabler neuer Geschäftsmodelle fungiert, zeigt das Beispiel des Start-Ups Airhosted aus Zürich.

Sorgenfreies Airbnb Hosting © Airhosted

Airhosted betreibt seit einem Jahr erfolgreich einen Airbnb-Management Service in Zürich und hat hierbei auch die erste Home Sharing-Versicherung in Kooperation mit der Allianz Suisse lanciert. Bei Airhosted werden alle Dienstleistungen übernommen, welche bei Airbnb anfallen: Von der korrekten Vermarktung und Bilderstellung der Wohnung, Preisoptimierung, Gästekommunikation, Schlüsselübergabe bis hin zur Reinigung der Wohnung nach dem Gästeaufenthalt.

Hauptsächlich kümmert sich Airhosted dabei um private Kunden, welche eine ungenutzte Wohnung haben und mittels Kurzzeitvermietung zusätzliches Einkommen erzielen wollen. Dank dem Service können jene schnell und unkompliziert ihre Wohnung vermitteln und die eigenen Mietausgaben decken. Aus Geschäftsmodellsicht findet dabei ein Revenue Sharing-Konzept Anwendung. Je nach Umfang der erbrachten Dienstleistungen tritt der Wohnungsanbieter einen Anteil seines erwirtschafteten Umsatzes an Airhosted ab.

Airbnb-Management Services von © Airhosted

Auch für die Zukunft plant Airhosted, weiter auf dem Ökosystem von Airbnb aufzubauen. In einem nächsten Schritt soll in einer Portfolioerweiterung das Potential hinsichtlich des wachsenden Wohnungsleerstandes der Schweiz erschlossen werden. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt einen schlanken Prozess zu definieren, mit dem Wohnungsleerstand identifiziert und genutzt werden kann.

Ansprechpartner

Simon Ruckstuhl                                    Lukas Wartmann

Simon Ruckstuhl (simon@airhosted.ch) und Lukas Wartmann (lukas@airhosted.ch) sind Co-Founder der Airhosted GmbH. Airhosted ist ein professioneller Airbnb-Management Service aus Zürich und die erste Anlaufstelle für Kurzzeitvermietungen.

Neue Daten braucht das Land – Willingness-to-share im B2B

Von Helen Vogt

Digitale Technologien sind der Auslöser für neue Geschäftsmodelle der produzierenden Unternehmen und ermöglichen neues Wachstum, vor allem im After-Sales und Service Bereich. Immer mehr Industrieunternehmen suchen nach Wegen, um nach dem Verkauf der Neuanlagen, welche oft mit einem substantiellen Rabatt erkauft wurden, wiederkehrende Einnahmen, oftmals mit höheren Margen, zu erwirtschaften. Digitale Services und Geschäftsmodelle ermöglichen Unternehmen zudem, die Kundenbeziehung nach dem Verkauf der Anlagen und Produkte aufrecht zu erhalten und werden daher zu den wichtigsten marktseitigen Unterscheidungsmerkmalen der Industrie 4.0 gezählt.

Daten werden zwar erfasst – aber nicht geteilt ©Pixabay

Produktbezogene Nutzungsdaten als Voraussetzung für neue, digitale Geschäftsmodelle

Die Grundlagen für digitale Geschäftsmodelle für Anlagen- und Systembauer bilden die Nutzungsdaten der Maschinen im Feld, welche durch Verknüpfung mit anderen Datenarten wie Umwelt-, Rohmaterial- und Logistikdaten sowie Markt- und Absatzinformationen neue Erkenntnisse erschaffen und u.a. die Entwicklung von Serviceangeboten ermöglichen. Der gezielte Umgang mit Echtzeitdaten stellt für die Herstellerfirmen einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil dar. Unternehmen sind darauf angewiesen, diese Daten zu erheben, erhalten diese aber von den Kunden oftmals nicht, obwohl bereits heute in vielen Produkten und Anlagen Echtzeitdaten aufgezeichnet werden. Private wie auch industrielle Kunden sind aus verschiedenen Gründen immer weniger bereit, die erhobenen Daten mit den Anlagenherstellern zu teilen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Unternehmen verstehen, wie sie den Kunden den Mehrwert des Datenaustausches klar machen können.

Ermittlung der Datenteilbereitschaft: aktuelle Forschungsprojekte am Institut für Marketing Management

Im B2C-Bereich haben erste empirische Studien einige Treiber zur Steigerung der Datenteilbereitschaft identifiziert. Am Institut für Marketing Management (IMM) wird aktuell in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht, unter welchen Umständen Kunden bereit sind, nicht nur ihre persönlichen Daten, sondern auch produktbezogene Nutzungsdaten teilweise oder ganz mit Herstellern zu teilen. Hierzu werden beeinflussbare resp. nicht-beinflussbare Treiber sowie unterstützende Faktoren der Datenteilbereitschaft im Kontext von unterschiedlichen digitalen Geschäftsmodellen ermittelt. Wenn Sie mehr über diese Projekte erfahren möchten, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Kontakt

ZHAW School of Management and Law, Institut für Marketing Management, Product Management Center, Dr. Helen Vogt.                                                                       Telefon +41 58 934 66 99, E-Mail: vogh@zhaw.ch

Wie das Internet der Dinge Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen in der Altenpflege bietet

Von Manuel Holler

Digitale Technologien werden häufig mit einer Effizienzsteigerung im industriellen Kontext oder der Erhöhung von Komfort im Konsumentenbereich assoziiert. Wie das Internet der Dinge auch Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen in der Altenpflege bietet, zeigt das Zürcher Start-Up CARU.

Die CARU AG entwickelt eine Plug & Play Kommunikations- und Informationslösung, die alle beteiligten Stakeholder (Patient, Angehörige und Pflegepersonal) im Pflegeprozess effizient vernetzt. Das Ziel ist es, Sicherheit, Selbstbestimmung und soziale Integration zu schaffen.

CARU Smart Sensor © CARU

Mit dem intelligenten IoT-System kann beispielsweise über einen Schlüsselworterkenner eine Telefonverbindung zu Pflegepersonal oder Angehörigen aufgebaut werden. Ausserdem wird über Sensorfusion der integrierten Raumparametersensoren und maschinellem Lernen das Verhaltensmuster des Patienten erlernt. Beide Funktionen können eine dramatische Effizienzsteigerung und damit eine Kostenreduktion in der Pflege ermöglichen. Diese ist aufgrund der aktuellen Situation in der Pflege (speziell in der Altenpflege) äusserst wünschenswert.

Die Technologieplattform, für die bereits ein Patent international angemeldet ist, kann zukünftig für eine Vielzahl von Funktionen genutzt werden. Zum Beispiel besteht das Potential, Anzeichen von Krankheiten aufgrund des Verhaltensmusters zu erkennen, die Ankunftszeit des ambulanten Pflegepersonals anzukündigen und die soziale Einbindung der Patienten durch alternative Kommunikationskanäle zu stärken.

Bereits verfügbare Funktionen des CARU Smart Sensor © CARU

In einem Pilotversuch in verschiedenen Pflegeinstitutionen waren die Rückmeldungen von Patienten, Angehörigen und Pflegepersonal sowohl zur Nützlichkeit wie auch zur Bedienbarkeit von CARU sehr positiv. Um die Innovation weiterzuentwickeln, werden zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in einem Innosuisse-geförderten Projekt die Use Cases vertiefter untersucht und so applikationsspezifische Product Requirements erarbeitet.

Ab Ende November 2018 ist der CARU Smart Sensor für institutionelle Kunden erhältlich. Die Markteinführung für Privatpersonen mit einem steten Ausbau der Funktionalitäten ist geplant.

Die Gründer

Susanne Dröscher und Thomas Helbling © CARU

Susanne Dröscher (Co-CEO, Business Development) arbeitete beim Sensorhersteller greenTEG und leitete dort das Business Development eines der zwei Geschäftsfelder. Sie hat Materialwissenschaften studiert und eine Doktorarbeit an der ETH Zürich abgeschlossen.

Thomas Helbling (Co-CEO, Technologie) war am Aufbau des Sensorherstellers greenTEG beteiligt. Er war dort für die Produktentwicklung verantwortlich. Er hat Elektrotechnik studiert und eine Doktorarbeit an der ETH Zürich abgeschlossen.

Kontakt

hallo@caruhome.com I +41 44 512 13 75

https://www.caruhome.com/