Seminar zur EU-DSGVO und Datenschutz im Marketing

Von RA Dr. iur. Michael Widmer, LL.M. und Carole Del Degan, MLaw

Die DSGVO regelt in der EU die Verarbeitung von personenbezogenen Daten natürlicher Personen. Obwohl diese bereits am 24. Mai 2016 in Kraft getreten ist, ist sie erst seit dem 25. Mai 2018, also nach einer zweijährigen Übergangsphase, tatsächlich wirksam. Was bedeutet das nun?

DSGVO auch auf Schweizer Unternehmen anwendbar

Näher betrachtet bedeutet dies nichts anderes, als dass alle Unternehmen, auf welche die DSGVO Anwendung findet (und dazu gehören auch eine hohe Anzahl an Schweizer Firmen), die neuen Rechte und Pflichten der DSGVO zu beachten haben. Und das notabene unter Androhung von Busse in nicht unbeträchtlicher Höhe im Unterlassungsfall (bis zu 4% des gesamten weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens).

Die DSGVO gilt auch für Datenverarbeitungen durch Verantwortliche oder Auftragsbearbeiter ohne Niederlassung in der EU, wenn Daten von Personen verarbeitet werden, die sich in der EU befinden, und (a) die Datenverarbeitung mit einem Angebot von Waren oder Dienstleistungen an betroffene Personen in der EU im Zusammenhang steht; oder (b) die Verarbeitung im Zusammenhang steht mit einer Beobachtung des Verhaltens von Personen, soweit das Verhalten in der EU erfolgt (z.B. Tracking im Onlineshop). Der Datenschutz befindet sich also international (aber auch national aufgrund der laufenden Revision des DSG) im Wandel. Das Resultat ist eine immer umfangreicher werdende Regulierung.

Von der EU-DSGVO sind viele Bereiche betroffen © Pixabay

Auch im Marketing stellen sich deshalb unzählige Fragen in diesem Zusammenhang: Wie weit dürfen für Werbung Personendaten bearbeitet werden? Was ist gemäss den neuen Datenschutzregelungen im Marketing erlaubt- und was nicht und wie ist der Datenschutz zu gewährleisten? Für die dabei häufig erforderlichen Entscheidungen, insbesondere auch bei Werbeaktivitäten, Newsletters und Internetauftritten ist es wichtig, gleich zu Beginn die rechtlichen Rahmenbedingungen abschätzen zu können.

Informationsanlass

Aus diesem Grund bietet das Zürcher Zentrum für Informationstechnologien und Datenschutz (ITPZ) in der Reihe der bisherigen Seminare zum Thema Datenschutz erstmalig auch das Fachseminar «Datenschutz im Marketing» an.

Das ITPZ steht für die Kooperation der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und des Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich im Bereich Informationstechnologie und Datenschutz.

Stellen auch Sie Fragen aus Ihrem Arbeitsumfeld und diskutieren Sie mit Experten über die DSGVO sowie die laufende Revision im schweizerischen Recht, welche insbesondere direkte Auswirkungen auf den Marketingbereich haben wird. Hier geht es zur Anmeldung.

Weitere Informationen zum Seminar:

https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/zsr/kompetenzzentren/zuercher-zentrum-fuer-informationstechnologien-und-datenschutz-itpz/seminar-datenschutz-im-marketing/

Opt-In Kampagnen: das Permission Marketing und Datenteilbereitschaft in Zeiten von Big Data

Sind Opt-In Kampagnen von heute die Weiterentwicklung des Permission Marketings der 2000er Jahre? Wie gehen Unternehmen vor, wenn Sie im Rahmen neuer Geschäftsmodelle persönliche Kundendaten abrufen wollen? Und würden Sie wollen, dass Ihr Arbeitgeber weiss, wann und wie lange Sie nachts schlafen und wie es ihnen gesundheitlich geht?

Das klassische Permission Marketing aus den 2000er Jahren ist durch die Verbreitung des Internets als Kommunikationskanal in wesentlichem Masse getrieben worden. Es geht dabei primär um den Versand von Werbung, Newsletter oder Produktinformationen, und zwar mit der ausdrücklichen Erlaubnis (Permission) des Kunden.

Im benachbarten Deutschland ist beispielsweise die Einwilligung für E-Mail- und Telefonwerbung von Gesetzes wegen notwendig, wenn Unternehmen Kunden ansprechen wollen. Die so genannte Kunden-Einwilligungsklausel ist  für beispielsweise Versicherungsunternehmen oder aber insbesondere für Telekommunikationsunternehmen unlängst zu einem Standard KPI im Outbound-Geschäft. Das heisst, zum Kampagnenerfolg zählt, wenn der angesprochene Kunden weiterhin einwilligt, kontaktiert zu werden. Ähnliche Szenarien könnten sich auch in der Schweiz anbahnen.

Permission Marketing Lucco

Lag „gestern“ der Fokus des Permission Marketings auf der Einwilligung zur Ansprache von Kunden, geht es in Zeiten von Big Data und vernetzten Sensoren einen Schritt weiter: um das Teilen von persönlichen Daten. Kann ich Ihre Misfits-Gesundheitsdaten verwenden? Darf ich in Ihren Einkaufskorb schauen? Wo geben Sie überall Geld aus? Wo Sind Sie im Urlaub gewesen? Darf ich mir Ihre Kontakte anschauen? Die Durchdringung der Privatsphäre durch kommerzielle Unternehmen ist ein Phänomen der technologischen Entwicklung und damit auch Digitalisierung von Produkten, Services, Kommunikation und Prozessen.

Wie überwinden wir diese Hürde der Privatsphäre? Die Einwilligung von Kunden, persönliche Daten zu teilen, lässt sich im Dialog bewerkstelligen. Die Kunst, das Opt-In geschickt und nachhaltig abzuholen, wird in Zukunft ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein, insbesondere für Kleinunternehmen (KMU). Denn diese verfügen  in der Regel nicht über eine grosse Plattform, wie Google, Amazon aber auch Coop und Migros, die es sich leisten können, die Einwilligung in den kleingedruckten AGBs zu platzieren (die dann meist ungelesen angenommen werden).

Wohin geht die Reise in einem abstrakten 2030? Wer weiss. Wenn sich die Sensorik in dem Masse weiterentwickelt, wie bisher, werden wir in Zukunft auch unsere Wahrnehmung über unsere Sinne technisch messbar, speicherbar und wieder-erlebbar machen können. „Magst Du meinen Surfurlaub auf Hawaii oder mein letztes Konzert am Openair erleben?“ Ja, wie wäre es, wenn Sie Ihr Leben immer und immer wieder im Replay erleben könnten?

Das ZMM und CRM

CRM ist ein zentraler Themenschwerpunkt des Zentrums für Marketing Management. Womit wir uns aktuell gerade beschäftigen, was für die Zukunft geplant ist und die ganz persönliche Perspektive von CRM zeigen Frank Hannich und Bettina Gehring in diesem Beitrag.


Was beschäftigt das ZMM zurzeit besonders in der CRM-Forschung?

Frank Hannich: Wie der Beitrag „Aufholbedarf bezüglich Datenschutz – Schweizer Unternehmen unter der Lupe“ zeigt, haben wir im Rahmen der diesjährigen Swiss CRM-Trendstudie mit dem Thema Schutz von Kundendaten einen Nerv getroffen. Das werden wir auch in Zukunft im Rahmen von Veranstaltungen weiterverfolgen. Uns interessieren aber auch, wie sich die Datenkonflikte innerhalb einer Firma zum gemeinsamen Nutzen lösen lassen.

Ein weiteres Thema, das uns gerade beschäftigt, sind kundenorientierte Prozesse insbesondere was Self-Service und Mobile CRM anbelangt. In diesem Bereich führen wir aktuell mehrere Forschungsprojekte durch und haben noch weitere geplant. Wir werden darüber berichten.

Nicht zuletzt sind wir natürlich schon wieder auf der Spur der CRM-Trends im 2013, wo wir auch auf Input der CRM-Community setzen.

Bettina Gehring: Ich bin gerade mit einem grossen von der KTI finanzierten Forschungsprojekt beschäftigt. Es geht dabei darum, Erfolgsfaktoren für die Einführung von technologischen Innovationen durch die Betrachtung der Kundenperspektive zu identifizieren. Insbesondere soll anhand von Usability Tests der Umgang der Kunden mit der Innovation analysiert werden. Spannend daran ist, dass die Auswirkungen der darauf aufbauenden Optimierungen in Echtzeit gemessen werden können.

Bei der Durchführung eines Weiterbildungsmasterstudiums ist es wichtig, immer auf dem neusten Stand zu sein und top aktuelle Themen zu integrieren. Welche Anpassungen sind für den MAS CRM in Planung?

Frank Hannich: Es braucht sichere noch eine stärkere Betonung der strategischen Perspektive der Kundenorientierung. Hier planen wir z.B. die Erstellung eines CRM-Business Case durch die Teilnehmenden. Auch Social Media sollten nochmal stärker betont werden. Dies soll durch eine Social Media Werkstatt im Unterricht und einen Social Media Case im Modul Informationstechnologie erfolgen. Wir beobachten in der Schweizer Wirtschaft aber auch den Trend zur Service-Dominant-Logic. Auch auf ausdrücklichen Wunsch der Studierenden hin wird Service Design in Zukunft ein fester Bestandteil des Studiums sein und nicht nur eines der kurzfristigen Trendthemen.

Wann und wie hat Euch ein Unternehmen zuletzt mit gutem CRM beeindruckt?

Frank Hannich: Generell finde ich, dass man gute CRM Beispiele oft findet, wo man sie nicht unbedingt vermutet. In den vergangen Jahren habe ich einiges von der Zürcher Wohnbaugenossenschaft oder von Greenpeace gelernt, war beeindruckt von der Umsetzung des SPOC-Konzeptes bei der Einwohnerkontrolle der Stadt Winterthur oder habe beim MAAG Recyclinghof im Samstagmorgenchaos Mitarbeiter getroffen, die trotzdem Freundlichkeit und Kompetenz ausstrahlen. Mich beeindrucken aber auch die Unternehmen, die sich unseren Studenten stellen, um ihnen einerseits CRM Wissen zu vermitteln und andererseits am Puls der jungen Zielgruppen bleiben wollen und auch von Lösungsvorschlägen ohne Scheuklappen profitieren wollen.

Bettina Gehring: Auch wenn es kein neues Beispiel ist, zählt der Nespresso-Club für mich immer noch zu den Favoriten im Bereich CRM. Die Kommunikationsmassnahmen sind perfekt aufeinander abgestimmt, die Botschaften ansprechend und der Service funktioniert einwandfrei. Und vielleicht das Allerwichtigste: Die Inhalte, mit denen ich angesprochen werde sind für mich persönlich relevant. Ich fühle mich nicht belästigt, sondern habe meistens  auch Lust, angepriesene neue Produkte auch wirklich auszuprobieren.

Sehr beeindruckt bin ich meist in Situationen, in denen mir mehr geboten wird als ich erwartete und ich somit positiv überrascht wurde. Beispielsweise wenn mir ein Produkt anstandslos ersetzt wird, obwohl die Garantie längst abgelaufen ist. Absolute ‚Beziehungskiller’ sind für mich unfreundliches oder aufdringliches Personal, aggressive Mailings sowie lange Wartezeiten.

Aufholbedarf bezüglich Datenschutz – Schweizer Unternehmen unter der Lupe

www.fotolia.com

Am diesjährigen Swiss CRM Forum stellte Brian Rüeger fest, dass sich Schweizer Unternehmen bezüglich Datenschutz noch im „Dornröschenschlaf“ befinden. In vielen Unternehmen gibt es laut eigenen Angaben im Rahmen der Studie Swiss CRM 2012 zu wenig Datenschutz-Know-how, keine klare Regelung der Zuständigkeit, kein spezifisches Budget und noch sehr zurückhaltend umgesetzte Massnahmen zum Schutz der Daten. Es besteht also noch viel Nachholbedarf. Dies, obwohl die Bedeutung als hoch eingestuft wurde. Gut 80 Prozent der Unternehmen beurteilen die Thematik als eher oder sehr wichtig. Das Interview mit der betrieblichen Datenschutzbeauftragten der Migros zeigt den vorbildlichen Umgang mit diesem Thema.

Nur teilweise klare Zustimmung der Kunden zur Verwendung der Daten vorhanden

Eine zentrale Fragestellung des Datenschutzes bezieht sich auf die Kenntnis der Kunden bezüglich der Verwendung ihrer Daten. Ein Auszug aus dem Datenschutzgesetz besagt: „Personendaten dürfen nur dann bearbeitet werden, wenn der Verwendungszweck bei der Beschaffung angegeben wurde, dieser aus den Umständen ersichtlich oder gesetzlich vorgesehen ist.“ Bei der Auswertung der Studienresultate wird deutlich, wie fahrlässig Schweizer Unternehmen mit diesem Thema teilweise umgehen. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Lediglich 16,7% der Unternehmen informieren ihre Kunden systematisch über die Bearbeitung ihrer Daten und den Bearbeitungszweck. Bei 7,4% davon haben die Kunden der Bearbeitung auch ausdrücklich zugestimmt.
  • Weitere 52,8% haben angegeben, dass der Verwendungszweck deutlich aus den Umständen ersichtlich ist. Die Informationspflicht entfällt somit. Dementsprechend eingeschränkt sind allerdings die Möglichkeiten der Datenerhebung und -bearbeitung. Es dürften in diesem Fall lediglich minimale Daten zur Erfüllung der Leistung gespeichert werden.
  • Knapp ein Drittel der Schweizer Unternehmen verzichtet gänzlich auf die Information ihrer Kunden bezüglich der Datennutzung. 21,2% gehen dabei davon aus, dass die Kunden mit der Nutzung ihrer Daten einverstanden sind.

Die Teilnehmenden selbst geben die Kenntnisse über die Rechtsgrundlagen als eine der zentralen Herausforderungen im Datenschutz an.

Weiterlesen

Rückblick Swiss CRM Forum 2012

CRM Innovation Award (Quelle: www.swisscrmforum.com)

Swiss CRM Forum 2012: Brian Rüeger übergibt als Jury-Präsident den zweiten CRM Innovation Award an Blueconomics für ihre Social Sales Lösung und steht in einem Interview mit Susanne Wille Rede und Antwort zur diesjährigen Ausgabe der Swiss CRM Studie 2012.

Swiss CRM Innovation Award

Den zweiten Swiss CRM Innovation Award holte sich dieses Jahr Blueconomics mit ihrer SocialSalesmap. Sie ergänzt die zumeist aus Tabellen und Formularen bestehenden klassischen CRM Systeme um zusätzliche flexible Visualisierungsmöglichkeiten von Netzwerken und sozialen Einflüssen.

„Hervorragende Bewerbungen um den Award haben uns als Jury gefordert. Und mit den Finalisten hatten wir wirklich wieder zwei Mitstreiter, die sehr innovatives CRM einsetzen. Der höhere Innovationsgrad des Projektes hat schliesslich ganz knapp den Ausschlag für Blueconomics vor Porsche gegeben, deren Projekt auch absolut Best Practise im CRM ist.“, fasste Jury-Präsident Brian Rüeger die Wahl der Jury zusammen. Geehrt wurde auch der zweite Finalist, die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, für die exzellente Umsetzung der CRM-Vision „Most Personal“ im Schweizer Pilotmarkt.

Weiterlesen

Gewinner am Swiss CRM Forum

Swiss CRM ForumMAS CRM Alumni Patrick Ruchti gewinnt den Titel „Schweizer CRM Champion 2012“.

Der erste Schweizer CRM Champion wurde gekürt. Patrick Ruchti, Segmentsmanager Private Kunden bei der Thurgauer Kantonalbank und Absolvent des MAS CRM, setzt sich im Finale der Meisterschaft am Swiss CRM Forum 2012 gegen Martin Koch, Head of Infrastructure & Services bei der Swisscom (Schweiz) AG (2. Rang) und Christoph Zumbühl, CCO bei Ullmann+Partner (3. Rang) durch. Die ec4u expert consulting (schweiz) ag mit wissenschaftlicher Unterstützung des Zentrums für Marketing Management und unter der Schirmherrschaft von Erik Neumann, Managing Partner des Swiss CRM Forums, suchte in insgesamt fünf Runden und unter über 100 Experten aus Kundenmanagement und Vertrieb den Schweizer CRM Champion 2012. Wir gratulieren den Gewinnern und freuen uns besonders, dass die ersten drei Plätze alle von Ehemaligen des MAS CRM belegt wurden.

Finalisten und Veranstalter des "Schweizer CRM Champion 2012"