Steigende Nachfrage nach Behavioral Insights

Von Dr. Kurt A. Ackermann

Die systematische Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in der unternehmerischen Praxis ist noch immer die Ausnahme statt die Regel. Das Potenzial, welches sich durch die hohe Praxisrelevanz von Verhaltensökonomie und Konsumentenpsychologie für Unternehmen bietet, wird aber zunehmend erkannt und das Interesse für diese Themen steigt kontinuierlich an. Davon zeugt auch die steigende Nachfrage nach entsprechenden Weiterbildungsangeboten.

Der noch junge CAS «Behavioral Insights for Marketing» (CAS BIM), welcher erst 2017 lanciert wurde, war denn auch dieses Jahr bereits zum ersten Mal komplett ausgebucht. Auch scheint das Angebot auf ein sehr breites, fach- und branchenübergreifendes Interesse zu stossen. Die diesjährigen 24 Absolventinnen und Absolventen kommen aus den unterschiedlichsten Branchen im B2C sowie B2B und sind in diversen Positionen tätig. Vom Head of Marketing & Sales über Advertising Specialists, Key Account Managers oder Business Developers bis hin zum Head of Compensation & Benefits oder Market Insights Manager waren Fachverantwortliche und Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Bereichen vertreten. Das Branchenspektrum reichte dabei vom Retail über Versicherungen und Banken bis hin zu Anbietern in den Bereichen Energie, Bildungswesen, Transport, Technik oder Tourismus.

Verhaltensökonomie von A-Z

Die hohe Motivation und der Wissens- und Lerndurst der 24 Absolventinnen und Absolventen des CAS «Behavioral Insights 2019» mündete denn auch in einer hervorragenden Qualität der Abschlussarbeiten. Die Teilnehmenden hatten dabei eine Konzeptarbeit zu präsentieren, wie sie eine verhaltensökonomische Intervention von A-Z durchführen würden: Von der psychologischen Analyse der Ausgangslage aus Konsumentensicht über die Selektion der verhaltenswissenschaftlichen Techniken bis hin zur Ausarbeitung konkreter Nudges und dem experimentellen Design zur Wirksamkeitsmessung. Dabei erarbeiteten die Teilnehmenden verhaltensökonomische Massnahmen zur Stimulierung verschiedenster Zielverhalten und Steigerung entsprechender Outcomes, wie etwa eine höhere Conversion, geringere Churn-Rate, eine gelenkte Kanalwahl, oder nachhaltigeres Konsumverhalten.

Verhaltensökonomische Massnahmen zur Stimulierung der Zielverhalten © Pixabay

Direkter Praxisbezug

Die Absolventinnen und Absolventen haben gezeigt, dass die verhaltensökonomischen Erkenntnisse von Nobelpreisträgern mit dem nötigen, im CAS vermittelten Wissen, ohne Weiteres in die Praxis übersetzt werden und einen echten Mehrwert generieren können:«Im CAS BIM habe ich gute Tools und praxisnahe Beispiele erlernt, welche mir die Anwendung von psychologischen Faktoren im täglichen Marketing vereinfachen. Eine sehr wertvolle Weiterbildung!», meint Bianca Schmidt, Director Marketing & Communications bei TUI Suisse. Auch Michaela Simeon Produktmanagerin bei der Zürcher Kantonalbank, war begeistert: «Der CAS BIM gibt einen spannenden Einblick in die Verhaltenspsychologie und verbindet diese mit dem Thema Marketing. Man erkennt sich in vielen Situationen wieder und kann daher einen direkten Praxistransfer einfach umsetzen. Sehr empfehlenswert!» Wir gratulieren den 24 Absolventinnen und Absolventen des CAS BIM 2019 ganz herzlich zu Ihren tollen Leistungen und danken für das entgegengebrachte Vertrauen.

Nach dem CAS ist vor dem CAS

Die steigende Nachfrage nach Behavioral Insights in der unternehmerischen Praxis wird sich voraussichtlich fortführen. Zum ersten Mal liegen bereits über ein halbes Jahr im Voraus Voranmeldungen für die Durchführung des CAS BIM 2020 vor. «Wir spüren, dass das Thema immer präsenter wird und der direkte Nutzen von Nudging und verhaltensökonomischen Massnahmen im Allgemeinen vermehrt von Unternehmensvertretern erkannt wird. Entsprechend bin ich überzeugt, dass unser Angebot einer fundierten Wissensvermittlung in den Bereichen Verhaltensökonomie und Konsumentenpsychologie – nicht nur im Marketingkontext – heute wie in Zukunft stark nachgefragt sein wird», meint Studienleiter Dr. Kurt A. Ackermann.

Weitere Informationen zum CAS: https://www.zhaw.ch/de/sml/weiterbildung/detail/kurs/cas-behavioral-insights-for-marketing/

Gamification am Institut für Marketing Management


Gamification, also die Anwendung von Spielelementen und –prinzipien in Kontexten ausserhalb von Spielen, ist vermehrt auch am Institut für Marketing Management (IMM) ein Thema in der Lehre, Weiterbildung, Forschung und Dienstleistung. In diesem Blogbeitrag möchten wir zwei spielerische Tools des Instituts für Marketing Management vorstellen.

img_4786Das Behavioral Insights Kit ist eine Sammlung bekannter Heuristiken und Effekte aus der Psychologie und Verhaltensökonomie in Spielkartenformat und verschafft auf spielerische Art und Weise einen einfachen Einstieg in das Themengebiet Behavioral Insights. Es soll dabei helfen zu verstehen, welche Treiber und Barrieren, das Verhalten oder Entscheidungen von Konsumenten beeinflussen und wie diese gezielt fürs Marketing genutzt werden können.


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In folgenden Bereichen wurde das Behavioral Insights Kit bereits eingesetzt.

  • Die Teilnehmenden des CAS Behavioral Insights for Marketing (CAS BIT) und des Kurses erhalten ihr eigenes Kit und lernen, wie sie es in Ihrem Arbeitsalltag einsetzen und nutzen können.
  • In Beratungsprojekten kommt das Kit im Rahmen von Workshops zum Einsatz, z.B. zur Inspirationssuche für die Entwicklung innovativer Marketingmassnahmen.
  • Im interdisziplinären Forschungsprojekt „Essen für die Zukunft“ wurde das Kit verwendet, um Ideen zu generieren für die Kommunikation des Menü-Nachhaltigkeits-Index (MNI).

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Lego Serious Play ist ein innovatives Tool, mit welchem businessbezogene Sachverhalte auf spielerische Weise mit Lego-Steinen nachgestellt und strukturiert werden können. Durch die Verbindung von Spielelementen mit der Unternehmenswelt wird ein kreativer Rahmen geschaffen, um funktionsbedingte Barrieren in den Köpfen abzubauen und die Teilnehmer in die Lage zu versetzen, sich „out of the box“ mit einem Thema oder einer Fragestellung auseinanderzusetzen. Der Hauptvorteil liegt darin, dass komplexe Zusammenhänge greifbar und zugänglich gemacht werden, wodurch der kollaborative Austausch im Team gefördert und kreative Prozesse angeregt werden.

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Lego Serious Play wird am IMM eingesetzt:

Kein Krach an Weihnachten mit Behavioral Insights

Weihnachten ist die Zeit der Familienfeste, wie der umstrittene Werbespot von Edeka herzergreifend demonstriert. Dass diese Familienfeste nicht immer in Friede und Freude enden, ist den meisten Leuten bekannt und ist auch ein beliebtes Film-Klischee (aktuell: Love the Coopers, weniger aktuell: Home for the Holidays. Das Internet ist zu dieser Zeit voll mit Tipps wie man die Weihnachtstage mit den Liebsten streit- und stressfrei überlebt (darunter sehr hilfreiche Hinweise, wie „smile and nod“ oder „pretend you’re an anthropologist“).

Wir von der Fachstelle Behavioral Marketing haben unser Tool „Nudging for Marketing“ genutzt und eigene – nicht ganz erst gemeinte – Tipps für friedliche Weihnachten mit der Familie unter Berücksichtigung von Behavioral Insights zusammengestellt.

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  1. Chunking
Der erste Tipp setzt bei der Planung der Familienfeste an und nutzt Chunking, ein Phänomen das beschreibt, dass es uns leichter fällt schwierige Aufgaben auszuführen, wenn diese in kleinere Einheiten eingeteilt sind. Das heisst Familienfeste nach Möglichkeiten nicht zu einer grossen, langen Feier zusammenlegen, sondern in 2 bis 3 kleinere Events aufteilen.

  1. Confirmation Bias
Häufiger Streitauslöser sind heikle Gesprächsthemen, wie nationale oder internationale Politik oder der Zivilstand von Personen im heiratsfähigen Alter. Sollten derartige Diskussionen auftauchen, kann es hilfreich sein, sich den Confirmation Bias in Erinnerung zu rufen. Dieser besagt, dass wir dazu tendieren nur Informationen zu beachten oder zu suchen, die unseren vorherigen Einstellungen entsprechen und diese bestätigen. Danach kann man sich entspannt zurücklehnen und dem Drang widerstehen die Meinung des Onkels oder der Grossmutter infrage zu stellen.

  1. Endowment effect

Auch Geschenke sind ein häufiger Diskussionspunkt. Verschiedene Phänomene, wie Optimistic Bias, Egocentric Bias oder Loss Aversion führen dazu, dass wir bei der Geschenkwahl danebengreifen oder über das Erhaltene enttäuscht sind. Dabei könnte der Endowment Effekt helfen: Wir tendieren dazu, Objekte die wir bereits besitzen, einen höheren subjektiven Wert zuzuschreiben als gleichwertigen Objekten, die wir noch nicht besitzen. Das heisst, vereinbaren Sie mit der ganzen Familie, dass jeder sich selbst ein Geschenk bereits vor dem Fest kauft.

In diesem Sinne wünschen wir frohe Festtage und einen guten Rutsch ins 2016!