Prävention durch Kommunikation

Von Janine Diem

«Vorsicht ist besser als Nachsicht.» Ob Gesundheit, Sicherheit oder Wohlbefinden, das Sprichwort lässt sich auf viele Lebensbereiche anwenden. Entsprechend gibt es auch zahlreiche Situationen, in denen erfolgreich kommunizierte und umgesetzte Präventionsmassnahmen einen Unterschied machen. Welche kommunikativen Möglichkeiten gibt es dafür und was ist weiter hilfreich, um die Zielgruppe für wichtige Themen zu sensibilisieren?

Gesundheit, Sicherheit, Wohlbefinden. Je nach Thema, für das eine Sensibilisierung stattfinden soll, sind das Kommunikationsobjekt, die Zielgruppen und die Botschaft naheliegend. Neben dieser Frage, wer wem gegenüber was kommuniziert, sind auch die Kommunikationsmassnahmen und das Kommunikationstiming zentrale Elemente einer Kommunikationsstrategie. Das richtige Timing trägt wesentlich dazu bei, den Sinn hinter den Präventionsmassnahmen zu vermitteln und dadurch Akzeptanz zu verschaffen. Diese Akzeptanz der Zielgruppe wiederum ist eine Voraussetzung, damit Präventionsmassnahmen umgesetzt werden.

Sicherheit im Strassenverkehr als Anliegen

Neben dem richtigen Timing ist auch die Wahl der eingesetzten Kommunikationsmassnahmen und -mittel relevant. Dies zeigen Beispiele der AXA Versicherungen, die sich als grösster Schweizer Motorfahrzeugversicherer für mehr Sicherheit im Strassenverkehr einsetzt und Präventionsmassnahmen gegenüber der Bevölkerung kommuniziert.

Dem Sensibilisierungsthema ein Gesicht geben

Seit 1973 setzt sich die AXA mit der Stiftung für Prävention dafür ein, dass der Strassenverkehr sicherer wird. Die Figur «Max der Dachs» steht bildlich für dieses Sensibilisierungsthema. Während Max das richtige Verhalten zeigt und Hintergrundwissen vermittelt, geben ihm das rote Halstuch und der Bündnerdialekt den nötigen Wiedererkennungswert. Ein Beispiel für Timing und Kommunikationsmittel: In einer Lern-App unterstützt Max der Dachs Kinder dabei, das richtige Verhalten auf dem Schulweg zu erlernen. Die App wurde rechtzeitig zum Schulanfang in der Schweiz lanciert.

Max der Dachs gibt Tipps und Tricks für mehr Sicherheit im Strassenverkehr. © AXA Stiftung für Prävention

Das Sensibilisierungsthema erlebbar machen

Die Unfallforschung der AXA analysiert zahlreiche Unfälle im Strassenverkehr und führt jährlich eigene Crashtests durch. Eine Auffahrkollision in einer Stausituation mit einer Geschwindigkeit mit 60 km/h kann verheerende Folgen haben. Um dies aufzuzeigen, stattete die AXA beim Crashtest ein Fahrzeug mit einer 360-Grad-Kamera aus. Das Video macht die Kollision aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar. Mit Geräten wie Desktop-Computer, Smartphone oder Virtual Reality-Brille lässt sich die Auffahrkollision durch klicken, bewegen und drehen aus sämtlichen Blinkwinkeln betrachten. Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention der AXA, erklärt in der Medienmitteilung zum Video: «Dank Virtual Reality fühlt sich der Zuschauer in die Situation hineinversetzt – er erlebt den Unfall sozusagen mit. Ein zentraler Faktor in der Präventionsarbeit, wie unsere Erfahrungen zeigen». Betreffend Timing: Einmal im Jahr finden Crashtests der AXA vor Publikum statt. Bei dieser Gelegenheit hatte das Publikum neben dem Crashgelände die Möglichkeit, den soeben gesehenen Crash zusätzlich im 360-Grad-Video mit einer Virtual Reality Brille zu erleben.

Durch das Sensibilisierungsthema Mehrwert schaffen

Den Sinn einer Massnahme zu verstehen fällt leichter, wenn Vorteile für die eigene Situation erkennbar sind. Die AXA verknüpft die Kommunikation von Präventionsmassnahmen mit Mehrwert für die einzelne Person. So finden sich auf dem Blog der AXA unterschiedliche Checklisten und Tipps, wie beispielsweise im Beitrag zum sicheren Beladen des Autos vor einer Reise. Der Blogbeitrag informiert neben der Verwendung von richtigen Sicherungsmaterialien auch über rechtliche Gegebenheiten beim Transport von Sperrgut wie zum Beispiel ein Kajak. Bezüglich Timing: Der Blogbeitrag wurde während der Feriensaison publiziert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neben dem richtigen Timing und der Wahl des Kommunikationsmittels ein Botschafter / eine Botschafterin für das Thema, Anschaulichkeit und individueller Mehrwert zur erfolgreichen Kommunikation von Präventionsmassnahmen beitragen können.

Über die Autorin

Janine Diem arbeitet bei der AXA im Angebots- und Trendmanagement. In dieser Tätigkeit entwickelt sie Produkte und Services rund um Sachversicherungen. Nach dem Betriebsökonomie-Studium absolviert sie derzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW School of Management and Law.

Corporate Blogging: Die Formel zum Erfolg

Von Angela Biafora

Der Corporate Blog ist aus dem Content Marketing nicht mehr wegzudenken: Aus der Reise- und Freizeitbranche hat Corporate Blogging sich auch in Unternehmen etabliert, die in erster Linie nicht mit Blogs in Verbindung gesetzt werden. Ein solches Unternehmen ist die Metrohm AG, das primär die Entwicklung und Produktion von Hochpräzisionsinstrumenten für die chemische Analytik im Fokus hat. Alyson Lanciki, Scientific Editor bei der Metrohm AG, erzählt über die Wichtigkeit des Bloggens im Unternehmen und verrät ihre Formel für den Erfolg eines Corporate Blogs.

Der Metrohm-Blog – Aufmerksamkeit und Image

Nach dem Erfolg des Jubiläumsblogs im Jahr 2018 zur Feier des 75-jährigen Bestehens des Unternehmens wurde im Januar 2020 der Unternehmensblog «Analyze This» eingeführt. Wöchentlich erscheinen neue Beiträge, die abwechselnd Themen aus den verschiedenen Fachbereichen wie Titration, Spektroskopie oder Ionenchromatografie sowie Tipps und Tricks für Chemiker behandeln.

Blogbeitrag aus dem Metrohm-Blog «Analyze This» (Bild: Metrohm AG)

Im Gegensatz zu Werbemedien wie Prospekte oder Broschüren, sprechen diese kurzen Blogbeiträge konkrete Probleme der Zielgruppe bezüglich Analysemethoden an und zeigen umsetzbare Lösungen auf. Dem Leser wird ein Mehrwert geboten, den er gewillt ist mit seinem Umfeld zu teilen. Somit ist die Reichweite eines Blogbeitrags nicht zu unterschätzen. Letztlich ist das Ziel des Blogs den Leser auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Hierbei dient der Unternehmensblog einerseits dazu die Expertise andererseits mittels humorvolleren Passagen auch die Menschlichkeit der Metrohm AG aufzuzeigen.

Tipps und Tricks einer Unternehmensbloggerin

Informationen liegen bei der Metrohm AG en masse vor. Die Herausforderung liegt darin den Inhalt kurz und prägnant zu halten und gleichzeitig Interesse zu wecken. Wie wird dies umgesetzt?

Alyson Lanciki – Scientific Editor und Unternehmensbloggerin bei der Metrohm AG in Herisau (Bild: Alyson Lanciki)
  • Das Innere: Nichts Schlimmeres als die leere Seite am Anfang. Was könnte die Zielgruppe interessieren? Gespräche mit Produktmanagern, Sales Managern und weiteren Mitarbeitern «an der Front» helfen weiter. Die Ausrichtung des Inhalts an die Zielgruppe ist das A und O.
  • Das Äussere: Ein Blogbeitrag muss ansprechend gestaltet werden – Bilder und Corporate Design sind die ersten Schritte in die richtige Richtung.
  • Das Recyceln: Das Verfassen von White Papers oder Application Notes ist mit grossem Aufwand verbunden, doch verschwinden die Inhalte schnell im Internet. Diese Inhalte können in kurzer Zeit umgeschrieben und als Blogbeitrag wieder zum Leben erweckt werden.
  • Das Zusammenspiel: Der Blog ist nicht auf sich allein gestellt. Die Metrohm AG schaltet eine Woche nach Publikation eines Beitrags den Link in den Sozialen Medien (z. B. Facebook) auf und veröffentlicht auf LinkedIn den Blogbeitrag etwas umformuliert als Artikel – im eigenen Profil aber auch in anderen Gruppen. Der Einsatz verschiedener Sozialer Medien führt zu einem deutlichen Anstieg der Besucherzahl.
  • Die Analyse: Mit Google Analytics lassen sich Zahlen und Fakten berechnen, mit denen die Inhalte optimiert werden können.

Die Alyson-Formel für den erfolgreichen Blog

Was braucht nun ein Unternehmen, um einen erfolgreichen Unternehmensblog zu führen?

Die Alyson-Formel (eigene Darstellung)
  • Neugierde: Das Unternehmen kann nichts Interessantes schreiben, wenn es selbst nicht neugierig ist.
  • Zeit: Von der Themenfindung zur Inhaltserstellung bis hin zur Verbesserung des Layouts – das alles beansprucht viel Zeit. Diese muss den Mitwirkenden zugestanden werden.
  • Struktur: «We need to play psychologist!», meint Alyson mehrmals. Es gilt herauszufinden, was potenzielle Leser interessieren könnte und dies dann in eine passende Struktur zu bringen. Ein Call-to-Action darf nicht fehlen: Verweise z.B. auf eine Landing Page oder ein White Paper sind zwingend.

Mit dieser Formel steht dem Erfolg des Unternehmensblogs nichts mehr im Weg!

Über die Autorin

Angela Biafora ist Übersetzerin und Übersetzungsmanagerin bei der Metrohm AG in Herisau. Nach ihrem Studium in Angewandte Sprachen am Departement Linguistik der ZHAW und den erworbenen Kenntnissen und Kompetenzen im Übersetzen technischer Texte, möchte sie ihr Wissen im Bereich Marketing auffrischen und stärken. Sie absolviert derzeit den CAS Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW.

Weshalb Content-Marketing Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Event-Marketing ist

Von Alexandra Mächler

Events als Form der Live-Kommunikation bieten hervorragende Möglichkeiten zur Inszenierung der eigenen Produkte und Marke (Image) gegenüber den Kunden. Allerdings ist jeder Event zeitlich und örtlich limitiert, was in zweierlei Hinsicht ein grosser Nachteil ist. Erstens können nicht alle teilnehmen, die wollen und sollten. Zweitens kann die erzielte Wirkung des Events schnell verpuffen. Eine zielgerichtete Content-Marketing-Strategie ist Voraussetzung, um einen Event zu unterstützen und dessen Wirkung nachhaltig zu optimieren.

Der Event ist die ideale Plattform, um Wissen gepaart mit Unterhaltung (Infotainment) zu übermitteln. Gut gemacht, kann der Event eine langanhaltende emotionale Verbundenheit mit der Firma entfalten und idealerweise ein positives Bild hinterlassen. Damit eine nachhaltige Wirkung erzielt wird, muss ein Event mit einer umfassenden Content Marketing-Strategie vorbereitet, begleitet und nachbereitet werden. Es müssen Inhalte recherchiert und kreiert werden, die für die Zielgruppe nicht nur relevant sind, sondern einen klaren Mehrwert darstellen. Das Event-Marketing, welches das Ziel hat, den Event bei der Zielgruppe bekannt zu machen, ist eng auf das Content-Marketing abzustimmen. Anhand des Kongresses «Tag der Wirtschaft» soll stellvertretend beleuchtet werden, wie Content-Marketing sämtliche Eventphasen beeinflusst und für den langfristigen Erfolg Grundvoraussetzung ist.

Content-Strategie definiert das Ziel und die Einzigartigkeit des Events

«Tag der Wirtschaft» 2019; Panorama-Aufnahme aus der mit 3‘500 Gästen gefüllten St. Jakobshalle in Münchenstein (Bild: Dominik Plüss)

Der von der Wirtschaftskammer Baselland – Dachverband der kantonalen Wirtschaft – einmal jährlich für ihre rund 10’000 Mitglieder (Zielgruppe) durchgeführte «Tag der Wirtschaft» ist mit 3’500 Gästen der grösste Wirtschaftskongress in der Region Nordwestschweiz und findet in der St. Jakobshalle in Münchenstein statt. Als Impulsgeberin präsentierte die Wirtschaftskammer 2019 unter dem Motto «Erfolgsfaktor Mensch» anhand von konkreten Beispielen, dass der grösste Erfolgsfaktor in einem Unternehmen stets der Mensch ist. Mit den daraus gewonnenen Inputs erhalten die Mitglieder einen Mehrwert, der die reine Verbandszugehörigkeit und -dienstleistungen übersteigt. Darauf aufbauend sind die Event-Marketing-Massnahmen eng auf die einzelnen Eventphasen auszurichten.

Content-Marketing-Strategie vor dem Event

Die für den «Tag der Wirtschaft» eigens im Event-CI/CD erstellte Webseite (Landingpage) kombiniert die Textabschnitte gezielt mit Bild- und Videoelementen und stimmt die Besucher auf den Anlass ein. Damit das Suchmaschinen-Ranking (SEO) optimiert wird, werden interne (Verweis auf Inhalte der eigenen Event-Webseite) und externe Links (Verknüpfung zu anderen Webseiten) gesetzt. Dadurch erhält man mehr Traffic, mehr Follower und höhere Reichweite. Die für die Zielgruppe relevanten Social-Media Kanäle Facebook und LinkedIn sind ebenso entscheidend. Idealerweise agiert die Zielgruppe als Promotor und Eventbotschafter. Die Social Media greifen zudem die in der Verbandszeitung «Standpunkt der Wirtschaft» und dem Programmheft «Standpunkt – das Magazin» veröffentlichten Eventberichte auf. Die ergriffenen Massnahmen helfen, die Aufmerksamkeit, die Reichweite und die Bekanntheit für den Event zu erhöhen und dessen Relevanz in der Zielgruppe, aber auch weit über die Verbandsgrenzen hinaus, herzustellen. Insgesamt lässt sich auch so die Teilnehmerzahl erhöhen.

Content-Marketing-Strategie während des Events

Um die Ferngebliebenen dennoch am Event teilhaben zu lassen, gibt es zum Glück die Live-Berichterstattung über das Fernsehen oder über die Sozialen Medien. Aus Kostengründen bevorzugt die Wirtschaftskammer letzteres. Mittels kurzen Live-Videos und Fotos mit aussagekräftigen Informationen (ähnlich eines Live-Tickers) werden auf den Social-Media-Kanälen besonders wichtige Momente veröffentlicht. Der Zielgruppe muss aufgezeigt werden können, dass der Events erstens eine hohe Relevanz besitzt. Zweitens, dass es wichtig ist, am Event teilzunehmen. Und drittens: dass es Spass macht, am Event zu sein.

Content-Marketing-Strategie nach dem Event

Die unterschiedlichsten Akteure referierten am «Tag der Wirtschaft» 2019 zum Thema «Der Mensch im Mittelpunkt»: Bildlegende v.l.n.r. oben: Bundesrat Guy Parmelin; Daniel Bloch, CEO Chocolats Camille Bloch ; Birgit Gebhardt, Trendexpertin. V.l.n.r. unten: David Bosshart, CEO Gottlieb Duttweiler Institut (GDI); Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland; Mike Schwede, Digital Strategist, Entrepreneur. (Bilder: Dominik Plüss)

Nach dem Event wird die mediale Dokumentation (Content) für die Berichterstattung im Print- und Onlinebereich aufbereitet und genutzt. Auf der Landingpage werden die Bilder und Best-of-Videos hochgeladen und alle relevanten Teilnehmer darauf markiert, bevor auf diese mittels Social-Media-Kanäle hingewiesen werden. Die markierten Gäste werden gerne auf ihre eigene Teilnahme hinweisen und der Wirtschaftskammer ihre eigene Reichweite leihen. Mit den Massnahmen werden drei Ziele erreicht: Erstens können die anwesenden Gäste ihre Teilnahme als bestätigt sehen. Zweitens zeigt es den Nichtteilnehmern, dass sich eine künftige Teilnahme lohnt. Drittens kann der Event eine Kontinuität erreichen, wenn er für künftige Veranstaltungen das Interesse und somit die Teilnehmerzahlen steigert.

Fazit Event-Marketing ist Content-Marketing in eigener Sache

Richtig auf das Content-Marketing abgestimmt bewirkt Event-Marketing, was es bewirken soll: Grosse Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe erregen, diese für die Veranstaltung als Teilnehmer gewinnen, eine Event-Kontinuität erreichen und das Image der Organisation und des Events nachhaltig positiv beeinflussen.

Über die Autorin

Alexandra Mächler arbeitet als Projektleiterin KMU-Förderung / Public Affairs bei der Wirtschaftskammer Baselland in Liestal. Um sich für ein Auftragsmandat in der Unternehmenskommunikation und in der Vermarktung im Event-Management fit zu machen, besucht sie den CAS Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW.

Alkohol wird als Partygast ausgeladen

Partys sind nicht nur bei Studenten beliebt. Gerade im Raum Zürich gibt es diverse Clubs, die ganzjährig für Stimmung sorgen. Bei Party kommen wohl zwei Stichworte als erste in den Sinn: Abfeiern und Alkohol. Letzteres muss aber nicht unbedingt zur Bedingung werden. Die Partyreihe Sober Sensation zeigt, dass auch nüchtern gefeiert werden kann. Wir haben mit dem Gründer Gideon Bellin gesprochen und nachgefragt, was es mit dieser Idee auf sich hat.

Herr Bellin, eine Partyreihe ohne Alkohol, das tönt für viele nach einem schlechten Scherz. Wie kamen Sie auf die Idee eine solche Partyreihe zu gründen. Selber zu viele Abstürze erlebt, oder war der gesunde Lebensstil ausschlaggebend?

Ich hatte die Idee bereits vor 9 Jahren, als diese Bewegung noch nicht der Trend war. Dieser kam erst vor circa 3 Jahren auf, in welcher Zeit ich mich dann entschied das Konzept endlich umzusetzen. Auslöser war eine Geburtstagsfeier, auf der ich als DJ engagiert war und bei der kein Alkohol ausgeschenkt werden durfte.

Wie sieht eine Sober Sensation Party aus? Wo sind Unterschiede, aber auch Vorteile zu gewöhnlichen Partys?

Eine Sober Sensation zeichnet sich durch den Einsatz höchstmöglicher sinnesansprechender Elemente aus, so trägt der Name zweierlei mit sich, das Wort „Sensation“ bedeutet nämlich nicht nur, dass es etwas komplett Neues, Revolutionäres aber auch Sensationelles ist, sondern auch dass alle Sinne angesprochen werden. Die Sober Sensation setzt hingegen zu „herkömmlichen“ Partyveranstaltungen die Musik, die Menschen und das Tanzen im Mittelpunkt.

Die Vorteile sind, dass man am nächsten Tag fit ist, man Inspiration zum alkoholfreien Ausgehen bekommt und super interessante und abwechslungsreiche Menschen trifft.

Stimmung auch ohne Alkohol © Sober Sensation

Wie setzen sich Ihre Gäste zusammen? Müssen wir uns hier nur gesundheitsbewusste Fitness-Begeisterte vorstellen oder werden diverse Gruppen angesprochen?

Die Zielgruppe besteht hauptsächlich aus gesundheits- und fitnessbewussten 25-35 Jährigen, die auch gerne offen für Neues sind und unter anderem genug vom üblichen Nachtleben haben oder einfach mal etwas Neues ausprobieren wollen. Darüber hinaus gibt es viele Veganer, Abstinente, Schwangere u.v.m.

Viele Statistiken zeigen, dass der Alkoholkonsum zurückgeht. Sober Sensation trifft also den Nerv der Zeit. Wie waren die bisherigen Rückmeldungen und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Die Gäste sind sehr interessiert und der Trend wächst, ich sehe der Zukunft positiv entgegen. Mit der Anzahl der Gäste wächst unsere Erfahrung und somit die Attraktivität unserer Veranstaltungen. Wir möchten uns hierzu stets verbessern und ebenfalls offen für Neues sein.

Wichtiger als der Alkohol, sind die Gäste © Sober Sensation

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Marketing? Welche Instrumente setzen Sie ein?

Für das Marketing verwenden wir alle Promokonzepte, die es gibt. Von klassischen Printmedien wie Plakate, Flyer und Sticker, aber auch besonders digitale Medien, wie Social Media, Newsletter und Eventplattformen und Influencer Marketing durch Instagrammer, Youtuber und Blogger.

So versuchen wir beispielsweise viele Influencer der veganen Szene auf uns aufmerksam zu machen und somit kostenfrei für das Event und das Dinner einzuladen. In Zürich wird wahrscheinlich ein 5-Gänge Menü eines veganen Sternekochs aufgetischt.

Sober Sensation wurde bisher in Deutschland erfolgreich durchgeführt. Nun expandieren Sie nach Zürich. Was denken Sie, wie wird das Zürcher Partyvolk auf Sober Sensation reagieren und wo sehen Sie Herausforderungen?

Die Idee soll international gross werden und somit sprechen wir auch verschiedene Nationen an. Die Vision geht dahin, dass auch Events in den USA, China, Australien, Bali, Russland, Afrika etc. stattfinden sollen. Es sind also keine Grenzen gesetzt!

Die Zürcher Zielgruppe gehen wir genau gleich an, was meiner Meinung nach schon ein Fehler war, da wir schnell bemerkt haben das der Begriff „vegan“ hier eher negativen Beigeschmack hat. Wir sind uns bewusst, dass die Schweizer etwas „verwöhnter“ mit Events sind und demnach sind wir hier besonders vorsichtig bzw. geben uns extra Mühe, dass alles super glatt und extravagant läuft. Dennoch haben wir unserer Meinung nach, immer noch den Berlin Bonus.

Wir werden hierzu den Preis anpassen müssen und wenn wir Erfolg haben, planen wir dies monatlich, oder alle zwei Monate (so wie in Berlin), zunächst allerdings erst in Zürich, zu veranstalten.

Zürich ist teilweise eine sehr traditionelle Stadt, die unter anderem das Feierabendbier hoch ansetzt und somit Probleme mit unserem Konzept haben könnte. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ähnlich wie in Berlin ein hohes Aufkommen an Drogen, wozu es immer ein anderes Extrem gibt und geben muss.

Zum Schluss, welches ist Ihr alkoholfreier Lieblingsdrink?

Mein alkoholfreier Lieblingsdrink ist Kombucha Tee.

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Schweissflecken gehören ab jetzt der Vergangenheit an

Wer kennt es nicht, sobald man den Anzug oder die Jacke ablegt, gibt es unter den Armen Schweissflecken an Hemd oder Bluse. Unangenehm, gerade wenn man in einer wichtigen Sitzung oder vor Publikum etwas präsentieren soll. Abhilfe bringt hier ECLEA mit seinen neuen Kleidungsstücken, auf denen man keine Schweissflecken mehr sieht. Emiliano Arena ist Gründer der Firma, Marketingprofi und Modedesigner. Er berichtet uns, wie das Ganze funktioniert.

Herr Arena, wie sind Sie auf die Idee gekommen, elegante Kleidung zu entwickeln, bei der man keine Schweissflecken mehr sieht?

Die Idee ist entstanden weil ich selbst betroffen bin. Als Verkaufs- und Marketingleiter hat es mich immer gestört wenn mir die Leute unter die Arme geschaut haben. Aber auch im Allgemeinen hat es mich sehr gestört. Da auch Deos nur bedingt helfen und ich aus einer Schneiderfamilie komme, habe ich in Richtung Textil nach Lösungen gesucht und gefunden.

Endlich keine Schweissflecken mehr, die Idee stammt von Emiliano Arena (siehe Bild) © ECLEA

Sie kombinieren zwei Technologien auf einem Textil, können Sie uns erklären, wie diese Technologie funktioniert?

Das Textil wird quasi halbiert. Wasser und Schmutz perlen auf der Aussenseite des Textils einfach ab. Gleichzeitig wird Feuchtigkeit, die beim Schwitzen entsteht, von der Innenseite des Textils rasch aufgenommen und vom Körper wegtransportiert. Dadurch trocknen ECLEA Shirts deutlich schneller als herkömmliche Textilien. Flecken, die durch Schwitzen entstehen, sind von aussen beinahe unsichtbar. Zusätzlich verdunstet die Feuchtigkeit körpernah, was die natürliche Körperfunktion des Kühlens unterstützt.

Wie würden Sie Ihre Zielgruppe beschreiben und welche Aspekte sind den Kunden aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Ästhetiker, aktive, emotionale und „hitzige“ Leute, aber auch Geschäftsleute die viel reisen, viel unterwegs sind und einen direkten Kontakt zum Kunden haben. Generell aber alle, die dieses Problem kennen.

Besonders wichtig ist, dass man die Flecken nicht sieht und sich vor allem wieder viel freier bewegen kann. Man fühlt sich wohler, sicherer und kann bei allen Aktivitäten sich selbst sein. Ebenfalls die Materialien, sprich der Tragekomfort, der Schnitt und natürlich das Design.

Wie wird bei ECLEA das Marketing genutzt? Auf welche Marketinginstrumente setzen Sie?

Das Marketing bei ECLEA ist sehr wichtig, den wir wollen eine Philosophie nach aussen ausstrahlen. Innovation, Mode, Lifestyle und Eleganz kombiniert mit funktionellen High-Tech Textilien. Die Instrumente sind: Onlinemarketing, PR, Social Media, Affiliate, Mund zu Mund und Weiterempfehlungsmarketing sowie aktiv in Blogs und Foren. Sobald sich der Brand etabliert auch TV-Werbung, PassengerTV und Strassenplakate. Ebenfalls könnte ECLEA auch in Golfanlagen, Fitnesscentern, Hotels und vereinzelten Modegeschäften präsent sein.

Sie kombinieren „Swiss Made“ und „italienisches Design“ – wie nutzen Sie diese Begriffe in der Vermarktung der Produkte?

Swiss Made steht für Qualität und den hohen Standard. Das italienische Design steht für Eleganz und Modebewusstsein. Es ist funktionale Herrenmode in italienischer Eleganz. SWISS MADE.

Italienische Eleganz in Kombination mit Schweizer Qualität © ECLEA

Wo können die ECLEA Funktionshemden erworben werden?

Zurzeit über Kickstarter und mit Sonderkonditionen. Danach online auf www.eclea.ch. Der Bereich Corporate Wear wird persönlich für die Geschäftskunden gemacht.

Werden Sie die Zielgruppe noch erweitern, zum Beispiel auch eine Kollektion für Damen anbieten?

Auf alle Fälle, den auch Frauen leiden unter diesem Problem. Geplant ist eine Kollektion im November 2018.

Wenn Sie angehenden Marketingfachleuten einen Tipp geben könnten, was würden Sie raten?

Marketing ist Leidenschaft. Probiert aus, testet bei eurer Zielgruppe was besser ankommt, macht Fehler und lernt daraus. Arbeitet mit euren Kunden und der Community zusammen. Entwickelt mit ihnen Ideen und Lösungen. Denn egal was wir machen und wie wir es machen im Marketing, entscheidend ist was der Markt sagt, der Markt entscheidet, ob ein Produkt gekauft wird oder nicht. Also lasst euch auch von den Kunden inspirieren.

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Warum es macht Sinn gerade keinen Sinn ergibt

Anglizismen findet man täglich und es scheint, als ob die deutschen Begriffe nach und nach durch englische Wortkreationen ersetzt werden. Gerade im Marketing sind Werbebotschaften nicht immer von Sinn gekrönt. „Komm hinein und finde wieder heraus“ ist hier nur ein Beispiel von vielen. Der Journalist und Autor Andreas Hock beschäftigt sich seit langem mit der Deutschen Sprache und gibt Auskunft zur aktuellen Lage der deutschen Sprachwelt.

Herr Hock, aktuell fällt auf, dass die „es macht Sinn“ Welle auch schon Medien und sogar Lehrbücher erfasst hat. Wieso macht plötzlich für jeden alles Sinn und wieso benutzt man nicht einfach die korrekte Wendung mit es ergibt Sinn?

Die Redewendung „Sinn machen“ stammt eigentlich aus dem Englischen, denn dort heisst es „It makes Sense“, wenn etwas Sinn ergibt. Und wie bei so vielen ähnlichen Begrifflichkeiten ist durch jahrelangen, gedankenlosen Gebrauch der falschen Form die korrekte Fassung in Vergessenheit geraten. 

Der deutsche Journalist und Buchautor Andreas Hock kämpft für die Deutsche Sprache © Foto: News5 / Grundmann

Anglizismen sind ebenfalls sehr beliebt. Es gibt sogar neue Wortkreationen wie Showmaster, die im Englischen gar nicht vorkommen. Wie entstehen solche Begriffe? Will man damit mehr Kompetenz und Internationalität ausstrahlen?

Das stimmt, ein „Showmaster“ im Fernsehen ist im englischen Sprachraum schlicht ein „Host“, also der „Gastgeber“ einer Sendung. Der Begriff wurde in den sechziger Jahren von Rudi Carell erfunden. Was seine Beweggründe dafür waren, weiss ich natürlich nicht, aber natürlich darf man vermuten, dass die Bezeichnung einfach schicker klingen sollte als eben der deutsche „Gastgeber“ oder der aus dem Lateinischen stammende „Moderator“. Andere Beispiele für diese Scheinanglizismen sind „Smoking“ – dieses Wort heisst in den USA oder England tatsächlich einfach „rauchen“, während der entsprechende Anzug der „Tuxedo“ ist. Ein „Mixer“ ist in Wahrheit ein „Blender“. Und dass „Public Viewing“ gemeinhin „öffentliche Leichenschau“ bedeutet, hat sich mittlerweile ja herumgesprochen…

Sie haben diverse Bücher geschrieben, darunter eines mit dem Titel „Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann„. Der Titel spricht bereits für sich. Was waren Ihre Erkenntnisse?

Dass wir unsere schöne Sprache immer mehr vernachlässigen und ihr durch viele bewusste und auch unbewusste Veränderungen irreparablen Schaden zufügen. Wir ersetzen vorhandene Wörter ohne Not durch Anglizismen, so dass mittlerweile einige tausend deutsche Begriffe vom Aussterben bedroht sind. Wir lassen uns von der Werbung für dumm verkaufen, weil wir die oft sinnfreien Botschaften, die uns auf Englisch um die Ohren gehauen werden, gar nicht hinterfragen. Und wir verlernen, anständig miteinander zu kommunizieren, weil wir nunmehr mit so genannten Emojis versehene Kurznachrichten verschicken. Ich glaube aber nicht, dass ein paar aneinandergereihte, gelbe Gesichter einen Brief oder wenigstens einen Anruf ersetzen sollten.

Deutsche Begriffe sind vom Aussterben bedroht © Andreas Hock

Gerade im Marketing werden mehr und mehr Werbebotschaften, aber auch Firmennamen auf Englisch kreiert, selbst für Heimmärkte, die nie mit einem internationalen Publikum in Kontakt kommen. Welche Werbebotschaften sind ihre persönlichen Höhepunkte und wie erklären Sie sich dieses Phänomen der denglischen Werbung?

Viele Werbetreibende meinen, sie müssten möglichst international klingen. Oft ist das aber total an der Zielgruppe vorbeigetextet. Die Parfümeriekette Douglas hat vor einigen Jahren den Spruch „Come in and find out“ entwickelt, bis eine Kundenbefragung ergeben hat, dass die meisten Menschen verstanden haben, sie sollen zunächst in den Laden hineinkommen und dann gleich wieder hinausfinden. Jaguar warb mal mit „Life by gorgeous“, also etwa „Leben auf die prachtvolle Art“, aber die meisten potenziellen Käufer dachten an irgendeinen Georg und wunderten sich, was der wohl mit diesem Auto zu tun hatte. Und Air Berlin nannte sich „Fly Euro Shuttle“, was von vielen Passagieren so interpretiert wurde, dass sie beim Fliegen ordentlich durchgeschüttelt werden. Das zeigt, dass die Agenturen uns mit derlei Quatsch einfach eine Bedeutung vorgaukeln wollen, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. 

Wie steht es generell um die deutsche Sprache? Müssen wir uns Sorgen machen, dass die Sprache der Dichter und Denker plötzlich so verunstaltet wird, dass wir sie nicht mehr wiedererkennen?

Ja, das müssen wir. Schon jetzt ergeben etliche Studien, dass der Wortschatz der meisten Menschen immer weiter sinkt. Der Konjunktiv stirbt aus, und grammatikalische Kenntnisse sind selbst auf Universitäten oftmals nur noch bruchstückhaft vorhanden – was wiederum kein Wunder ist, wenn eine ganze Generation mit E-Mails und SMS-Nachrichten aufgewachsen ist, in denen – aus welchem Grund auch immer – von Beginn an eine orthografische Anarchie vorherrschte, die man vermutlich nie mehr korrigieren kann. Mir wird angst und bange, wenn Eltern, die nie selbst ein Buch gelesen haben, ihrerseits Kinder sprachlich erziehen sollen.

Orthografische Anarchie, die deutliche Auswirkungen hat © Andreas Hock

In der deutschsprachigen Schweiz gibt es Helvetismen. Wir grillieren also und grillen nicht, ebenso gehen wir zum Nachtessen und nicht zum Abendessen. Zur Arbeit fahren wir mit dem Velo und nicht mit dem Fahrrad. Wie stehen Sie zu diesen schweizerischen Kreationen?

Die finde ich grossartig, denn zu jedem Dialekt gehören auch sprachliche Eigenheiten, die gehegt und gepflegt werden sollten, weil ja gerade sie diese Sprachvarianten so einzigartig machen. Bei uns in Deutschland sind die meisten Dialekte auf dem Rückmarsch, auch und gerade das Bairisch. Da geht ein grosses Stück kulturelle Vielfalt verloren, und was im besten Falle übrig bleibt, ist dann nur noch eine regionale Färbung des Hochdeutschen.

In der Schweiz gibt es vier Landessprachen, dennoch hat man das Gefühl, dass das Englische die Oberhand nimmt und die anderen Sprachen mehr und mehr verdrängt. Wie wichtig ist generell eine Sprachenvielfalt?

Eine Sprache muss sich immer weiterentwickeln, das ist auch richtig und wichtig so. Sonst würden wir uns immer noch so unterhalten wie zu Geheimrat Goethes Zeiten, und das Beispiel Friedrich des Grossen mit seiner Liebe zum Französischen zeigt, dass Einflüsse aus anderen Ländern das Deutsche durchaus auch zu bereichern vermochten. Immerhin hätten wir sonst kein Büro, keinen Onkel, keine Tante und auch kein Klo. Aber Vielfalt heisst eben nicht, vollkommen gedankenlos fremdsprachliche Begriffe zu übernehmen oder althergebrachte Kommunikationsformen zu vernachlässigen.

Die Lese- und Schreibkompetenz von Schülern, aber auch Studenten und Erwachsenen, scheint abzunehmen. Es wird immer schwieriger, fehlerfreie E-Mail Korrespondenz zu erhalten. Was kann man dagegen tun, gerade auch als Hochschule?

Die Bedeutung von Sprache immer wieder zu betonen und das Bewusstsein dafür zu schärfen. Es muss klar sein, dass der, der eine Mail mit ein paar Dutzend Fehlern verschickt, sich seinem Gegenüber als ziemlich oberflächlicher Geist entlarvt. Es sollte nicht länger toleriert werden, dass selbst in Studienarbeiten von angehenden Germanisten Rechtschreib- und Grammatikfehler als nicht so relevant angesehen werden.

Zum Abschluss dürfen Sie noch einen Satz Ihrer Wahl hinzufügen. Was wählen Sie?

Ein Zitat des früheren Vorstandsvorsitzenden des Fernsehsenders „Premiere“. Der sagte mal: „Diese ganzen Anglizismen sind doch alle Bullshit“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…

http://www.andreas-hock.de/neues.html

Zündende Idee der Agentur Walker: Mitarbeiter als Medikament

Die Beziehung von Marketingmenschen und Agenturen ist nicht immer von Harmonie geprägt. Da treffen kreative Ideen auch mal auf Widerstand und können nicht so umgesetzt werden, wie es notwendig gewesen wäre. Die Zürcher Agentur Walker zeigt, dass es auch anders geht. Sie tritt immer wieder mit aussergewöhnlichen Ideen in Erscheinung und hat nun für den Online-Personalvermittler Coople ein ganz spezielles Mailing entwickelt. Äusserst liebevoll gestaltete Mini-Mitarbeiter werden als Pillen in ein Blister eingeschweisst und natürlich mit Vitamin B versehen. Dieses Mailing ist das ideale Medikament gegen den Mitarbeitermangel. Stefanie Huber von Walker erklärt, wie man auf so eine Idee kommt.

Frau Huber, Ihr Kunde Coople hatte seine Buchungsplattform überarbeitet und ein Rebranding umgesetzt. Wie kamen Sie auf die Idee mit den Arbeitskräften als Medikament?

Eine Idee ist immer dann besonders stark, wenn man etwas Relevantes über das Produkt oder die Dienstleistung erzählen kann und sich die Zielgruppe angesprochen fühlt. Coople ist ein Dienstleistungsunternehmen, welches Unternehmen in kurzer Zeit (zu 98% in unter 4 Stunden) mit flexiblen Arbeitskräften verbindet. Dies ist ein starker USP, den wir als Sprungbrett zur Ideenfindung genommen haben. Auch hilft es, sich in der Kreationsphase in die Zielgruppe hineinzuversetzen, dies hat dann in diesem Fall auch zur Idee geführt; Wenn man dringend Personal braucht ist das natürlich kein gutes Gefühl, man ist sehr gestresst, da man für 2 oder 3 Personen arbeiten muss. Das spürt man, vor allem im Service oder im Gesundheitswesen, dann auch körperlich. Coople ist wie die Erlösung von diesen „Arbeitsschmerzen“, da innerhalb von kurzer Zeit eine Wirkung in Form von zusätzlichem Personal eintrifft. Ein Medikament gegen Mitarbeitermangel sozusagen.

Eine innovative Idee mit einer speziellen Umsetzung, Mitarbeiter in Blister Form © Walker/Coople

Wie war die erste Reaktion von Coople? Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten, oder bekamen Sie schnell ein grünes Licht?

Wir mussten praktisch keine Überzeugungsarbeit leisten. Dem Kunden hat die Idee sofort gefallen, da sie einfach und auf dem Punkt ist. Er hat das kreative Potential erkannt, sich mit dieser Idee vom Wettbewerb abzusetzen und aufzufallen.

Gerade im Marketing, sind die kreativen Ideen natürlich enorm wichtig. Dennoch scheitert es oft an der Umsetzung. Wie haben Sie diese Idee schlussendlich realisiert? Das Mailing sieht ja wirklich wie ein Medikament aus, da haben die Druckpartner sicherlich einmal leer geschluckt…

Da haben Sie Recht, hinter diesem Mailing steckt eine lange und aufwändige Recherchearbeit nach Druckpartnern, welche das Know-How, den Willen und die Möglichkeiten haben, etwas Neues zu versuchen und einen Schritt weiter zu gehen. Bisher haben wir aber fast immer die Erfahrung gemacht, dass sich der Glaube an die gute Idee und der Einsatz dafür am Ende auszahlt. Man sollte sich nicht von den ersten Hürden aufhalten lassen. Am Ende haben wir einen Druckpartner gefunden, der die Idee so gut fand, dass er in Eigenregie mit seinen Druckmaschinen Tests gemacht und sich Halterungen gebaut hat, um die Pillen maximal bedrucken zu können. Die bedruckten Arznei-Kapseln wurden dann von einem anderen Partner maschinell verblistert und verpackt.

Schwierige Umsetzung für die Druckpartner, aber am Ende doch erfolgreich © Walker/Coople

Haben Sie schon erste Reaktionen auf das Mailing erhalten?

Ja, die Reaktionen sind sehr gut. Das Mailing fällt auf und wir haben bereits Anfragen von anderen Unternehmen bekommen, die ebenfalls ein solches Mailing haben möchten.

Natürlich gibt es, vor allem bei kreativen Massnahmen, immer auch einige kritische Meinungen, jedoch überwiegen die Positiven deutlich.

Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass man aus der Masse heraussticht. Woher nehmen Sie die Kreativität und wie arbeiten Sie mit Ihren Kunden zusammen?

Wir alle werden tagtäglich mit tausenden von Werbebotschaften bombardiert, darum ist es wichtig aufzufallen. Und das am besten so, dass die Botschaft auch mit der Marke verknüpft und somit nicht austauschbar wird. Dies kann man erreichen, wenn man über lange Zeit viel Geld in andauernde Medienpräsenz investiert. Da die Marketingbudgets in der heutigen Zeit aber immer kleiner werden, ist eine gute Idee der effizienteste und günstigste Weg mehr Reichweite zu erlangen. Je besser die Idee desto weniger Zeit und Geld sind nötig, um eine Wirkung zu erzielen.

Uns ist es wichtig eng mit unseren Kunden zusammen zu arbeiten, denn die Basis einer guten Kampagne ist ein guter Dialog mit Wissensaustausch. Bevor wir mit der Ideenfindung beginnen, erarbeiten wir zunächst eine Strategie, die auf den Inputs unserer Kunden, deren Mitarbeitern und deren Kunden basiert. Dieses Wissen fliesst dann in die Kampagnenentwicklung ein, mit dem Ziel aus dem Produkt heraus eine effiziente Kampagne zu entwickeln und diese zielgruppengerecht für die einzelnen Kanäle umzusetzen.

Die Kreativität zu den Kampagnen kommt beim Machen. Es ist eine Mischung aus Spielen, Ausprobieren und Grenzen testen. Ich arbeite meistens so, dass ich anhand des Briefings zu den jeweiligen Themen eine Recherche mache und voll in das Produkt oder die Dienstleistung und die Zielgruppe eintauche. Dann lasse ich das alles gehen und spiele mit dem Thema in verschiedenste Richtungen. Daraus entwickeln sich dann die einzelnen Ideenrichtungen. Wenn eine Idee richtig gut ist, spüre ich das an einem Kribbeln im Bauch.

Es gilt aus der Masse herauszustechen © Walker/Coople

Wo sehen Sie die Stolpersteine in der Zusammenarbeit?

Um aus der Masse herauszustechen, ist es manchmal notwendig etwas ganz Neues zu wagen. Dies erfordert Mut, Entscheidungswille und vor allem auch Vertrauen.

Gerade in Unternehmen mit vielen Entscheidern am Tisch hat es eine Idee, die neu ist und noch nicht gesehen wurde, leider oft schwer, da sie es allen recht machen muss. Und eine solche Idee ist meistens nicht neu und mutig.

Ich denke gute Kommunikation von beiden Seiten ist daher das A und O, denn viel zu oft entstehen Missverständnisse, die hätten vermieden werden können. Dies funktioniert je besser, je partnerschaftlicher die Beziehung gesehen wird. Ausserdem sollten die Ansprüche an die Kommunikationslösung, das Timing und Vorstellungen im Vorhinein gut definiert werden, damit man gemeinsam an einem Strang ziehen kann.

Wenn Sie, aus Agentursicht, angehenden Marketingfachleuten einen Tipp geben könnten, was würden Sie raten?

Mutig zu sein und auch seinem Bauchgefühl zu vertrauen und nicht nur rationalen Measuring-Tools. Denn der emotionale Faktor, den eine gute Idee transportiert, ob sie zum Weinen oder Lachen bringt, sollte nicht unterschätzt werden.

 

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Radio 24: Zürcher Lebensgefühl im Marketing

Digitales Marketing liegt momentan klar im Trend, da gehen „klassische“ Medien beinahe vergessen. Gerade das Medium Radio ist aber für das Marketing weiterhin sehr interessant, weil es trotz der Veränderungen in der Medienwelt, immer noch ein besonderes Kommunikations- und Werbemittel ist. Eines der bekanntesten Radios im Raum Zürich ist natürlich Radio 24, das von Roger Schawinski gegründet worden ist. Wie Radio 24 heute agiert, wie es das Marketing nutzt und was für Vorteile Werbekunden beim Radio haben, erklärt Florian Wanner, Geschäftsführer von Radio 24.

Radio 24 gehört zu Zürich wie das Grossmünster. Als „Piratenradio“ ebnete es den Weg für die Privatradios in der Schweiz. Wie behauptet sich Radio 24 im hart umkämpften Radiomarkt?

Der Konkurrenzkampf ist hart auf dem Platz Zürich. Gerade bei der jungen Zielgruppe ist die Vergangenheit von Radio 24 als „Piratenradio“ nicht mehr so bekannt. Das heisst, wir können uns nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Wir müssen uns mit einem Produkt behaupten, welches auf die Bedürfnisse unserer Hörerinnen und Hörer entspricht. Wir kennen unsere Zielgruppe zum Glück ziemlich genau und passen unser Programm und Aktivitäten laufend an, um möglichst viele Hörerinnen und Hörer zu erreichen.

Wie wichtig ist die Markenidentität für ein Radio? Was macht Radio 24 so besonders?

Die Markenidentität ist extrem entscheidend in der heutigen Zeit. Man hat durch die Digitalisierung einen unglaublichen Zugriff auf diverse Streamingdienste und Radio Stationen aus der ganzen Welt. Entsprechend muss man den Hörern klarmachen, was sie bei Radio 24 erwarten. Uns macht besonders, dass wir den besten Musikmix bieten, kompetent und aktuell informieren und wir haben gute und unterhaltende Moderatoren. Wir sind in der Ansprache nicht plump und kindisch, sondern reif und auf Augenhöhe mit unseren Hörerinnen und Hörern. Der letzte entscheidende Punkt gegenüber der internationalen Konkurrenz ist das Zürcher Lebensgefühl, welches wir in all unseren Aktivitäten und Beiträgen zu vermitteln versuchen.

Radio 24 – Das isch Züri (c) Radio 24 AG

Der Medienkonsum hat sich verändert. Spürt auch Radio 24 die Effekte des digitalen Wandels?

Radio ist das Medium, welches am wenigsten unter dem digitalen Wandel leidet. Die Radionutzung ist relativ stabil in den letzten Jahren. Ich gehe auch fest davon aus, dass dies so bleiben wird. Seit dem ersten Walkman hat man die Möglichkeit seine eigene Musik immer und überall zu hören. Natürlich haben sich die Möglichkeiten mit dem Smartphone nochmals vermehrfacht. Der Mensch ist faul und will sich nicht jeden Tag seine Musik selber zusammenstellen. Wir bringen den besten Musikmix mit nur einem Knopfdruck. Eine weitere wichtige Funktion ist der Begleiter. Es spricht dich jemand direkt an und informiert dich mit den wichtigsten Ereignissen aus der Region und der Welt. Diese Kombination bietet zum Glück nur das klassische Radio an. Daher bin ich überzeugt, dass das Radio trotz Digitalisierung die Daseinsberechtigung behalten wird.

Das Radio ist ein wichtiges Medium für Unternehmen, um Werbung zu schalten. Mittlerweile wird aber mehr und mehr in digitale Werbung investiert. Wie geht Radio 24 damit um?

Auf der Werbeseite wird es sicherlich immer schwieriger, da das Angebot für Werbekunden laufend wächst. Aber auch hier hat Radio diverse Vorteile, welche die digitalen Kanäle nicht bieten können:

  1. Die Werbung kann im Radio nicht überspult werden oder ignoriert werden.
  2. Wir erreichen die Hörerinnen und Hörer vor allem auch beim Autofahrern und profitieren hier von der Geschwindigkeit des Mediums. Aktuelle Abverkäufe und Aktionen funktionieren über das Radio am besten.
  3. Wir kennen die Region und habe die entsprechende Glaubwürdigkeit. Der Streuverlust für lokale Kunden ist daher relativ klein.

Welche Marketinginstrumente nutzt Radio 24? Wie überraschen Sie die Hörer?

Unsere Marke definiert sich über den besten Musikmix, kompakte und kompetente News sowie über unsere Personalities – unsere Moderatoren. Für uns ist es wichtig am Puls von Zürich mitzuhalten und an Events (gross oder klein) unsere Moderatoren ins richtige Licht zu setzen. Insofern sind unsere Eventauftritte sowie die Positionierung der Moderatoren für uns relevant. Radio 24 setzt auf Money-Can’t-Buy-Momente, um seine Hörerinnen und Hörer zu überraschen. Wir kreieren Momente, die dann Word of Mouth generieren sollen. Z.B. mit unserer #stage24: unsere Hausbühne, auf der regelmässig grosse Künstler auftreten und wenige Hörerinnen und Hörer exklusiv in den Genuss so eines kleinen Privatkonzertes kommen. Oder aussergewöhnliche Meet&Greets etc.

Musikhörende Menschen auf den Strassen sind ein gängiges Bild. Individualisierte Musik ist jederzeit auf dem Smartphone abrufbereit. Wie schafft man als Radio verschiedene Musikgeschmäcker zu befriedigen? Sind News und Information ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal?

Die Musik ist sehr entscheidend und macht ca. 70% unseres Programms aus. Somit muss die Musik für die grösstmögliche Masse passen. Dafür betreiben wir Marktforschung und fragen regelmässig die Titel in unserer Musik-Bibliothek ab. Wir bieten den besten Musikmix. Dies bedeutet, dass wir die aktuellsten Top Hits spielen aber auch Greates Hits aus den 90er Jahren. Somit kennen unsere Hörer die aktuelle Musik und müssen nicht auf die besten Songs aller Zeiten verzichten. News und Informationen sind dann wichtig, wenn etwas passiert. Radio ist immer noch eines der schnellsten Medien und diesen Trumpf müssen wir ausspielen. Wenn die Newslage tief ist dann informieren wir aktuell, kompakt auf den Punkt. Bei der Moderation geht es dann um Soft- und Unterhaltungsthemen. Wenn aber die Aktualität hoch ist, dann versuchen wir kompetent und ausführlich zu informieren. Hier unterscheiden wir dann nicht mehr zwischen Moderation und Redaktion und geplante Inhalte werden über den Haufen geworfen, um die Aktualität zu pushen.

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