Kommunikation im digitalen Zeitalter

Von Erica Monti

Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem Wissenschaft und Technologien immer grössere Höhen erreichen und uns immer mehr Lebensqualität ermöglichen. Mitten drin der Mensch, der dafür verantwortlich, aber auch ausgeliefert ist. Moderne Technologien beginnen, den Menschen zu formen. Unser Kommunikationsverhalten verändert sich schnell und bedeutend. Das Interview mit Dr. Lars Jaeger soll sensibilisieren und einen vertieften Einblick in die Materie gewähren.

Lars Jaeger, Eingriffe in die Genetik und die Künstliche Intelligenz (KI) definieren menschliches Leben neu. Unser Alltag verändert sich radikal. Wie wirkt sich das auf das Kommunikationsverhalten der Menschen aus?

Ein Blick auf das Kommunikationsverhalten unserer Teenager genügt eigentlich schon um festzustellen, dass sich bereits vieles dramatisch verändert hat, insbesondere durch das Internet und die sozialen Medien. Und das wird wohl so weitergehen. Künftig werden wir noch schneller, noch mehr und vor allem kostenlos mit allen kommunizieren. Es werden weitere neue Kommunikationsplattformen entstehen. Nebst den bestehenden, die unser Leben schon ziemlich prägen, wird es Kanäle geben, auf denen man noch mehr private Dinge freiwillig der Öffentlichkeit preisgibt.

Der Umgang mit der Privatsphäre verändert sich zunehmend – bewusst, aber auch unbewusst. Mit den Daten, die wir preisgeben, wird zudem immer professioneller gearbeitet. Sie werden benutzt, verarbeitet und kommen zu uns zurück. Immer bessere Algorithmen arbeiten im Hintergrund und versuchen, unser Handeln und Denken zu beeinflussen. Durch diese Transparenz ermöglichen wir grossen Plattform- und Datenprovidern wie Facebook & Co. immer mehr über uns, unsere Vorlieben, Charaktereigenschaften und unsere innersten Regungen zu erfahren. Damit erhalten diese mehr und mehr Macht und die Gesellschaft wird zunehmend gläserner.

Es ist heute z.B. möglich, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ein mehr oder weniger komplettes Psychogramm eines Menschen nur auf der Basis der Stimme zu erhalten. Nach einer Viertelstunde Gespräch, dessen Aufnahme einer KI übergeben wird, kann diese ein sehr akkurates Bild zu Charaktereigenschaften und Motivation ermitteln. Vor dreissig Jahren hielt es niemand für möglich, dass die Stimme überhaupt Information über unsere Persönlichkeit enthält. Das galt so umstritten wie die Phrenologie, die Auffassung, dass man das Wesen eines Menschen an dessen Kopfform ablesen könne. Heute benutzen dies Firmen, um z.B. Bewerber zu analysieren. Telefonieren Sie mal eine Viertelstunde mit WhatsApp, und schon weiss Facebook, wer Sie sind. Der heutige Chairman und damalige CEO von Google, Eric Schmidt sagte schon 2009: «Wenn es Dinge gibt, von denen Sie nicht wollen, dass irgendjemand etwas darüber erfährt, dann sollten Sie diese nicht tun.» Schöne neue Welt!

Man kann das unter dem Stichwort «komplette Transparenz bis hin zu den Gedanken» zusammenfassen. Künftig wird noch viel mehr durch KI analysiert werden als Stimmen und Ausdrucksweisen.

Die Kommunikation wird sich deutlich verändern und KI Analysen werden zunehmen © Pixabay

Die gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen sind spürbar. Wir entwickeln uns zu einer zugestöpselten Gesellschaft und kommunizieren zunehmend digital. Welches sind die grössten Herausforderungen und wie sollte die Gesellschaft, aber auch die Politik diesen begegnen? Welche Weichen müssen gestellt werden, damit wir uns nicht komplett in die Abhängigkeit manövrieren?

Die technologischen Veränderungen passieren so schnell, dass die Politik unmöglich mitkommt. Grösstenteils verstehen die Politiker solche Dinge ja auch gar nicht. Es ist erstaunlich, wie wenig in diesen Gremien nach wie vor von modernen Technologien die Rede ist. Was es braucht sind klare gesetzgeberische Rahmenbedingungen. In Europa gibt es dies seit 2018 zumindest ansatzweise mit dem EGDPR (European General Data Protection Regulation) oder DSGVO. Es ist sehr vorbildlich, dass die Europäer sich dazu durchgerungen haben. In den USA und natürlich z.B. in China mit der allumfassenden Staatskontrolle gibt es keinerlei Datenschutz. Die Europäer sind hier in die Offensive gegangen, aber das reicht bei weitem nicht aus. Die Politiker sind stark gefordert und werden sich zukünftig noch viel intensiver mit der technologischen Entwicklung beschäftigen müssen.

Was kann man tun, um die Gesellschaft vermehrt zu sensibilisieren, Stichwort Bildung?

Natürlich muss eine vermehrte Sensibilisierung stattfinden, und man muss früh damit beginnen. Der Technologiewandel läuft und wir hinken immer hinterher. Wachsam, aufmerksam und kritisch zu sein und zwar immer und überall, das ist die Botschaft. Der naive Umgang mit sozialen Medien muss ein Thema sein. Jeder kann in seinem Umfeld sensibilisieren – ich denke da an Eltern, Schulen, Lehrpersonen, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler und natürlich an die Medien.

Die meisten Bildungssysteme in Europa, aber auch in den USA, stammen aus dem 19. Jahrhundert, werden von Lehrpersonen unterrichtet, die aus dem 20. Jahrhundert stammen und sollen die Schüler für das 21. Jahrhundert fit machen. Das ist natürlich keine einfache Aufgabe und ich habe auch kein Patentrezept dafür.

Wie werden wir in zwanzig Jahren kommunizieren?

Möglicherweise direkt von Gehirn zu Gehirn. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass irgendein technisches Instrument meine Gedanken erkennt, denn Gedanken sind messbar, weil sie ein Resultat von komplexen Gehirnströmen sind. Auf sehr rudimentäre Art und Weise ist das bereits heute schon möglich.

Wie wird es der Gesellschaft damit ergehen?

Das ist kaum vorhersagbar, denn wenn wir unsere Gehirne miteinander verschalten, ist das so etwas wie eine Singularität, etwas ganz Neues, sich ganz schnell Veränderndes und Dramatisches. Da müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht mit den Falschen verschalten und es wird umso wichtiger sein, unsere Daten nicht in falsche Hände geraten zu lassen.

Also unbedingt wachsam sein, hinterfragen, sensibilisieren und Rahmenbedingungen setzen?

Auf jeden Fall. Menschen hatten schon immer Probleme, wenn neue Medien auftauchten, das war schon mit dem Radio so und später mit dem Fernseher ebenfalls. Ersteres spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Nazi-Propaganda in Deutschland, zu letzterem schrieb schon 1985 der amerikanische Philosoph Neil Postman «Wir amüsieren uns zu Tode». Heute beschleunigt sich die mediale Entwicklung noch einmal. Ich glaube aber daran, dass die Gesellschaft es schaffen kann, kritisch damit umzugehen. Natürlich verursacht die Geschwindigkeit des technologischen Wandels eine grosse Verunsicherung und die Gefahr besteht, dass die Menschen resignieren, überfordert sind und falsch damit umgehen.

Bei allen technologischen Fortschritten, gilt es die kritische Denkweise nicht abzulegen © Pixabay

Wie kann man sich entspannen in diesem angespannten Kommunikationszeitalter?

Es ist sehr interessant, dass gerade in Zeiten grosser Hektik, Komplexität und Aufregung eine Entwicklung stark an Popularität gewinnt, in der die Menschen nach mehr Achtsamkeit und Entspannung streben. Achtsamkeitsbasierte Stressregulationen, die mit meditativen Techniken arbeiten, und dies voll und ganz säkular, ohne religiösen Überbau, ziehen viele Menschen an. Sie versuchen, sich zurückzubesinnen auf ganz fundamentale Prinzipien: wie ihr Geist funktioniert. Vielleicht ist das das eigentliche Thema: bewusster und achtsamer zu werden!

Über Dr. Lars Jaeger

Dr. Lars Jaeger (www.larsjaeger.ch) ist Wissenschaftler, Schriftsteller, Unternehmer, Finanztheoretiker und Alternative Investment Manager. Er studierte Physik und Philosophie an der Universität Bonn und an der École Polytechnique in Paris und promovierte 1997 auf dem Gebiet der theoretischen Physik am Max-Planck-Institut für Physik in Dresden. Nebst seinem beruflichen Engagement in der Finanzindustrie als quantitativer Forscher schreibt er Bücher und verfasst Blogs zu Naturwissenschaft, Geschichte und Wissenschaftsphilosophie.

Literaturverzeichnis, themenbezogen:
«Die Naturwissenschaften – Eine Biographie», 2015
«Wissenschaft und Spiritualität», 2016
«Supermacht Wissenschaft», 2017
«Die zweite Quantenrevolution», 2018
«Mehr Zukunft wagen! -Wie wir alle vom Fortschritt profitieren«, erscheint im Sommer 2019

Über die Autorin

Erica Monti, PR and Communication Manager, vertiefte ihr Fachwissen in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation nach einer kaufmännischen Grundausbildung in verschiedenen Marketinglehrgängen und bildet sich aktuell im Rahmen eines CAS Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW wiederum fachspezifisch weiter. Sie arbeitet am Hauptsitz bei Reichle & De-Massari AG und ist dort im Bereich Unternehmenskommunikation unter anderem für Corp. Publishing, Medienarbeit und interne Kommunikation verantwortlich.

Virtueller Mitbewohner gegen Einbrecher

Verlässt man das Haus oder die Wohnung, bleibt ein unsicheres Gefühl zurück. Obwohl man in der Schweiz relativ sicher ist, kann ein Einbruch jeden treffen. Das Start-up mitipi hat nun eine sinnvolle Lösung kreiert, um dem entgegenzuwirken. Dank mitipi wird simuliert, als sei man zu Hause. Es gibt Licht, Schatteneffekte und Geräusche. Der virtuelle Mitbewohner sorgt so für Leben in den eigenen vier Wänden und ist eine wirksame Abschreckung gegen Einbrecher. Julian Stylianou, CEO von mitipi, erzählt mehr darüber.

Wie ist die Idee zu mitipi entstanden?

Wir haben früh durch eine Umfrage erfahren, dass Einbruch ein Thema ist, welches die Leute beschäftigt. Die Idee von mitipi ist eigentlich durch Gespräche mit Einbruchsopfern, mit Experten und durch eigene Recherchen entstanden. Das grösste Problem für die Opfer ist, dass Einbrecher in die Privatsphäre der Opfer mit Gewalt eindringen. Einbrecher wollen schnell und einfach an Wertgegenstände wie Schmuck und Bargeld kommen. Sie wollen die Konfrontation mit den Bewohnern vermeiden. So sind wir auf die Idee des virtuellen Mitbewohners gekommen, der das Zuhause schützt solange man selber nicht da ist.

Wie verlief die Entwicklung der mitipi Box?

Ein eigenes Gerät zu entwickeln war nie unser Ziel. Je intensiver wir uns mit der Materie beschäftigt haben, haben wir festgestellt, dass es im Markt für diese Anwendung keine passenden Geräte gibt. Es gibt beispielsweise viele Glühbirnenkonzepte. Das Problem ist einfach, wenn die Bewohner die Wohnung verlassen und den Lichtschalter drücken, der Strom weg ist und so auch keine Simulationen realisiert werden können. Hinzu kommt, dass jeder Gerätehersteller wieder eigene Softwareschnittstellen anbietet. Einige wollen auch gar nicht, dass Drittanbieter Applikationen schreiben. Aber das Wichtigste ist eigentlich, dass es noch gar keine Basis im Markt gibt. Die Wenigsten haben bereits vernetzte Lichter und Lautsprecher installiert. Deshalb haben wir festgestellt, dass es für unsere spezifische Anwendung ein eigenes Gerät braucht. Das hat vor allem mit der einfachen Anwendbarkeit zu tun. Wir wollen, dass die Technologie für niemanden ein Hindernis darstellt. Unser Versprechen ist, dass unser Gerät innert 5 Minuten installiert werden kann.

Wie funktioniert die mitipi Box?

Im Prinzip entwickeln wir eine Lampe mit integriertem Lautsprecher. Wir werden stromsparende LED Leuchten einsetzen und durch das Design des Geräts werden auch Schattenwürfe möglich sein. Somit können auch Bewegungen im Raum simuliert werden. Von aussen sieht es also aus, als würde sich jemand im Raum bewegen. Der Lautsprecher ist ein weiterer wichtiger Teil. Einbrecher können nur visuell und über Geräusche beurteilen ob jemand zuhause ist. Am Tag nützen lichter wenig und da kommt eben das akustische Element ins Spiel. Wenn sich ein Einbrecher dem Objekt nähert, so hört er plötzlich Gespräche, Kochgeräusche oder andere Aktivitäten. Das ist auch bei vielen Wohnungen ein Thema wo Einbrecher über die Wohnungstür einbrechen.

Das Gerät wird über das eigene Wifi mit dem Internet verbunden. Das ermöglicht ein regelmässiges Updaten der Inhalte sowie das aufschalten neuer Funktionalitäten.

Julian Stylianou präsentiert mit mitipi einen neuen Ansatz im Einbruchsschutz © mitipi

Haben Sie schon viele Bestellungen?

Wir haben bis heute 30 Vorbestellungen. Die haben wir bei Firmenanlässen unserer Partner buchen können. Es waren viele Leute dabei, die nichts mit dem Projekt zu tun hatten. Das hat uns schon sehr motiviert, weil das für uns eine Bestätigung war, dass unser Angebot Wert schafft und auch verständlich ist. Im Januar 2018 wollen wir eine Kickstarter Kampagne lancieren, dann werden wir sehen ob das Produkt so gut ankommt wie wir glauben.

In der Schweiz fühlen wir uns relativ sicher. Wie hoch ist die Gefahr eines Einbruchs und warum ist es sinnvoll schon im Vorfeld aktiv zu werden?

Basierend auf den aktuellsten Einbruchszahlen hat jeder Haushalt jährlich eine Wahrscheinlichkeit von rund 0.6% Opfer eines Einbruchs zu werden. Über die Lebenszeit hat man allerdings eine Wahrscheinlichkeit von knapp 50% Opfer eines Einbruchs zu werden. Das Problem ist eben, dass bereits ein Einbruch reicht, um die Lebensqualität nachhaltig zu beeinträchtigen. Ein Einbrucherlebnis löst eine enorme Stresssituation aus und kann nachhaltig psychologische Folgen haben. Jährlich sind in der Schweiz rund 47’000 Personen betroffen.

Wo sind die Grenzen von mitipi?

mitipi  ist ein effektives Präventionsmittel. mitipi wird einen Profi nicht abhalten können. Es geht mehr darum die Schwelle für einen Einbrecher zu erhöhen. Wieso in einer Wohnung einbrechen, wo der Einbrecher sich nicht sicher ist, ob da wirklich jemand zuhause ist? Da ist es viel einfacher eine Wohnung auszusuchen, wo sicher niemand zuhause ist. mitipi  hat ausserdem keine Sensoren die erkennen, ob jemand in der Wohnung ist. Das ist ein Nachteil, aber in Bezug auf die Privatsphäre, die wir schützen wollen, auch ein Vorteil.

Der virtuelle Mitbewohner simuliert Anwesenheit © mitipi

Kameras sind sehr beliebt, auch um das Gefühl einer gewissen Kontrolle zu haben. Ist geplant mitipi auch in einer Version mit Kamera auf den Markt zu bringen?

Das ist richtig. Es gibt bereits sehr viele Kamerasysteme am Markt. Das Problem dabei ist eben, dass die nur reaktiv funktionieren und der Einbrecher bereits in der Wohnung ist. Dann ist es zu spät.
Aktuell würde ich die Situation so beurteilen, dass wir möglicherweise mit Drittherstellern zusammenarbeiten. Unser Ziel ist sowieso, dass mitipi  mit Geräten von Drittherstellern kommunizieren kann und so auch zusätzliche Geräte ins System eingebunden werden können.

Wie wird mitipi in fünf Jahren aussehen?

Wir haben schon einiges diskutiert. Wichtig ist für uns erstmal einen erfolgreichen Markteintritt zu schaffen. Es gibt viele Möglichkeiten, die wir in Zukunft noch ausschöpfen könnten. Eine Möglichkeit wäre, nicht nur präventive, sondern auch noch reaktive Massnahmen anzubieten. Wir wissen beispielsweise, dass oft Nachbarn der Polizei entscheidende Hinweise geben. So könnte man Netzwerkmechanismen zum Schutz von Quartieren erarbeiten. Eine andere Möglichkeit wäre, unseren virtuellen Mitbewohner als virtuellen Assistenten weiterzuentwickeln. Damit man die Zeit zuhause geniessen kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Das Zuhause muss sich sicher anfühlen. Das Zuhause muss unterhalten und sauber gehalten werden. Administrative Aufgaben müssen erledigt sein. Erst dann hat man den Freiraum zu tun, was man wirklich möchte.
Da unser virtueller Mitbewohner lernen kann, haben wir unzählige Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Es gibt aber noch keine konkreten Pläne. Wir wollen uns nicht verzetteln. Wir gehen es Schritt für Schritt an.

http://mitipi.com/

https://www.facebook.com/Mitipi-1773226883002423/

https://www.youtube.com/channel/UCtspkxdCXhCaggGl3LmJv6w