Kloten packt aus: Ein Jahrhundertprojekt mit gezielter Kommunikation

Von Fabienne Kühnis

Im Mai wurde mit dem Theater-Jahrhundert-Projekt «Kloten packt aus» eine Welle des Erfolgs ausgelöst. Alle fünf Vorstellungen waren ausverkauft und die rund 1500 Zuschauer bedankten sich jeweils mit Standing Ovation. Welche Kommunikationsmassnahmen trugen zum Erfolg bei? Fabienne Kühnis hat nachgefragt bei Lilian Navia, der Medienverantwortlichen des Projekts.

100 Klotenerinnen und Klotener im Scheinwerferlicht

Was ist das beste Rezept für eine mittelgrosse Gemeinde mit knapp 20’000 Einwohnern und 121 verschiedenen Nationen, um ein «Wir»-Gefühl zu erleben? Entweder man organisiert ein Public Viewing für die WM auf dem Stadtplatz oder man wagt ein neues Theater-Projekt namens «Kloten packt aus». «Es war anfangs schwierig der Bevölkerung zu erklären wie und was dieses Projekt ist.», so Lilian Navia, die Medienverantwortliche von «Kloten packt aus». In einem Dokumentartheater spielten 100 Klotenerinnen und Klotener sich selber und erzählten über sich. Dabei wurden banale Fragen beantwortet wie zum Beispiel; Wer hat schon einmal das Flugzeug verpasst oder träumst du manchmal von einem anderen Leben. Aber auch intime Details wurden bekannt wie: Hast du schon mal betrogen? Aber auch Geschichten von einzelnen Teilnehmern wurden aufgepackt wie etwa einem Ur-Klotener, der als Taxi-Unternehmer eine Geburt im Taxi miterlebte oder von einem Unfall mit einem Toten.

Ausschnitt des Theaters «Kloten packt aus» © KPA, Lea Huser

Zielgruppengerechte Kommunikation

Welche Massnahmen führten zu diesem Erfolg? «Für die ältere Generation und alteingessesnen Klotener zählte nach wie vor das gedruckte Wort. Da wir die Kommunikationskanäle der Stadt Kloten nutzen konnten, war sicher ein grosser Vorteil. Wir konnten zum Beispiel in der Lokalzeitung in der Rubrik «Stadtseite» immer wieder Artikel aufschalten. Aber auch mit dem Klotener Anzeiger selber handelte man einen super Deal aus mit Gratisberichten und Inseraten. Die grosse Masse konnten wir mit Banner an exponierten Stellen und mit dem offiziellen Informations-Versand der Stadt «Kloten informiert» in alle Haushalte erreichen. Doch all diese Printmedien funktionieren bei Jugendliche zum Beispiel nicht. Da ist das persönliche Gespräch und Mund-zu-Mund Propaganda am effektivsten», erklärt Navia. «Für die Passanten am Stadtplatz haben wir Fragen des Theaters aufgehängt, um sie direkt anzusprechen und neugierig zu machen», ergänzt die Medienverantwortliche.

Fragen des Theaters für Passanten am Stadtplatz. © KPA, Lilian Navia

Social Media und Informationsveranstaltungen gut genutzt

Für Lilian Navia war klar, dass ohne Social Media heutzutage nichts mehr funktioniert. «Für die Jungen brauchten wir neben dem direkten Gespräch auch Instagram und den YouTube-Kanal. Mit Facebook hingegen konnten wir die breite Alterspanne bis 60 Jahren erweitern. Dabei halfen uns einflussreiche Personen als Influencer und teilten und «liketen» unsere Beiträge.» Ein anderes gutes Kommunikationsmittel waren die spezifischen Infoveranstaltungen bei verschiedenen Zielgruppen. „Wir stellten unser Projekt beispielsweise bei Aktionen der Jugendarbeit Kloten oder Seniorengruppen vor,» erklärt Navia.

Ziele wurden erreicht

«Obwohl die Auswertungen noch nicht ganz fertig sind, kann gesagt werden, dass höchstwahrscheinlich Kloten packt aus mit einer schwarzen 0 oder mit einem kleinen Ertragsüberschuss abschliesst. Das Budget für Kommunikation und Marketing konnte mit Fr. 10’000 eingehalten werden», so Lilian Navia. «Was aber noch viel schöner ist, das gesetzte innere Ziel, dass sich Leute finden, welche sonst nicht auf einander treffen würden, erreicht wurde. Der interne WhatsApp-Chat läuft immer noch heiss und es werden Grillpartys organisiert oder man trifft sich bei Anlässen». Für die Medienverantwortliche ist es vor allem spannend zu beobachten, dass sich viele SchauspielerInnen nun weiter engagieren in einem Verein oder sonst einer Aktion.

Alle SchauspielerInnen bei der Probe. © KPA, Lilian Navia

https://kloten-packt-aus.ch/

https://www.facebook.com/klotenpacktaus/

https://www.instagram.com/kloten_packt_aus/?hl=de

 

Über die Autorin

Fabienne Kühnis lebt seit ihrer frühen Kindheit in Kloten. Am Tor der Welt packte sie schon früh die Reiselust und lebte daher schon in Kanada, Australien und Norwegen. Um ihre Wurzeln nicht zu vergessen engagiert sich Kühnis in diversen Vereinen und sitzt seit gut vier Jahren im Klotener Stadtparlament. Für sie war es eine Ehrensache bei «Kloten packt aus» mitzumachen.
Die studierte Umweltingenieurin ZFH mit KV-Abschluss arbeitet Teilzeit bei der Zürcher Stiftung für Gefangenen- und Entlassenfürsorge im Marketing und Verkauf sowie als Umweltbotschafterin bei der Interessensgemeinschaft saubere Umwelt. Zudem schliesst sie den CAS Marketing & Corporate Communications der ZHAW demnächst ab.

Zwischen Kultur und Kommerz: Die Gratwanderung im Künstlermarketing

Von Vera Gros

Der Kommerz hat in der klassischen Künstlerszene ein Imageproblem. denn Kommerz wird mit Kapitalismus gleichgesetzt und widerspricht damit dem ästhetischen Anspruch des Künstlers. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele selbsternannte Künstlerinnen und Künstler Marketingmassnahmen kategorisch ablehnen. Berufskollegen, die sich selbst geschickt vermarkten, werden „Unterhalter“ oder „Dienstleister“ genannt, ihre Auftritte abwertend als „Shows“ statt Konzerte bezeichnet.

Marketing in der Musik? Für viele Künstler gilt das als Kommerz © Pixabay

Rockstar Mozart

Das Phänomen ist jedoch keineswegs neu. Bereits Wolfgang Amadeus Mozart war „Entertainer“ und Rockstar seiner Zeit. Er verstand es hervorragend, sein Image zu seinen Gunsten zu nutzen und damit viele Menschen nicht nur zu seiner Zeit, sondern bis heute anzusprechen. Im Unterschied zu heutigen Stars der Klassikbranche, war Mozart nicht nur Künstler und Unterhalter, sondern wie die meisten seiner zeitgenössischen Berufskollegen auch Veranstalter und als solcher zwingend auch wirtschaftlich denkend.

Die Geigerin Julia Fischer sagte in einem Interview mit der Zeitschrift Pizzicato: „Jede Plattenfirma und jeder Konzertorganisator wird Ihnen sagen, dass er mein Bild besser verkaufen kann, als das von Mozart oder Beethoven. Das ist bedauerlich, aber es ist nun mal die Realität. (…) Und da es ja auch in meinem Sinne als Musikerin ist, dass sich eben meine Konzerte und CDs gut verkaufen, kann ich nur bedingt etwas dagegen tun. (…) Ich versuche jedenfalls immer, gewisse Marketing-Grenzen nicht zu überschreiten.

Die Geigerin Julia Fischer © Felix Broede

Indem sie die Verantwortung für ihre Vermarktung nicht selber übernehmen muss, sondern Plattenfirmen, Veranstalter und Agenten diese Aufgabe übernehmen, kann Julia Fischer ihre Arbeit ganz in den Dienst des Komponisten und der Kunst stellen. Weniger kommerziell ist dies aber nicht.

Kultur und Kommerz schliessen sich nicht aus

Geiger Nigel Kennedy wird gerne als „Punk der Klassikszene“ bezeichnet. Er selber würde sich zwar nie in diese Schublade stecken, wehrt sich aber auch nicht gegen das rüpelhafte Image, sondern festigt es mit seinem beeindruckenden Wortschatz von englischen Fluchwörtern in jedem Interview. Seiner künstlerischen Qualität tut dies keinen Abbruch. Sowohl Julia Fischer, wie auch Nigel Kennedy bezeichnen sich als Künstler im Gegensatz zu Entertainern oder Dienstleistern. Beide verzichten ausdrücklich selbst auf ihre Vermarktung. Und doch füllen sie Konzertsäle und verkaufen CDs zu tausenden, sind also kommerziell sehr erfolgreich. Doch was ist ihr Geheimnis?

Alles eine Frage des Images

Julia Fischer, wie auch Nigel Kennedy haben ein sehr gefestigtes und konstantes Image. Beide verbiegen sich nicht, weder für das Publikum, noch für eine Plattenfirma. Wie auch viele Stars aus anderen Musikbereichen beherrschen sie die Kunst des Personal Branding und werden so zu starken Marken. Viele aufgehende Sternchen verschwinden dagegen bald wieder von der Bühne, weil sie zu austauschbar sind oder weil sie versuchen die unterschiedlichsten Zielgruppen gleichzeitig zu erreichen und dabei nicht authentisch sind. Ein Image, welches nicht authentisch wirkt, hält vielleicht kurzfristig, wird aber auf kurz oder lang von neuen, frischeren und interessanteren Images abgelöst.

Über die Autorin

Ob an ihrer aktuellen Stelle als Orchesterdisponentin und Eventmanagerin bei 21st Century Concerts in Luzern, in der nebenamtlichen Tätigkeit als Organistin und Chorleiterin oder beim Kennenlernen ihres heutigen Ehemannes während eines Musiklagers: Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Vera Gros. Nach dem Studium der Musik- und Sprachwissenschaften an der Universität Zürich holt sie sich aktuell mit dem CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW das Werkzeug, um die Konzerte auch verkaufen zu können.

Tipps der IMM-Mitarbeiter für Winterthur, Teil 1

Unser Arbeitsplatz am Institut für Marketing Management liegt mitten in Winterthur, der sechstgrössten Stadt der Schweiz. In Winterthur gibt es einiges zu sehen und zu machen. Gerne möchten wir ein paar  Tipps für Restaurants, Bars und Kultur weitergeben.

Restaurant / Kaffee / Bar

Ein echter Geheimtipp ist der TEAROOM TEEKULT an der Steinberggasse. In dem eher kleinen, aber sehr charmanten Teeladen hat man die Qual der Wahl aus über 180 verschiedenen Teesorten die Passende auszusuchen. Was aber viele nicht wissen: Im oberen Stock gibt es ein kleines Café/Restaurant, wo man sehr gut zu Mittag essen kann.

Quelle: teekult.ch

Fast gegenüber vom Tearoom befindet sich ein weiteres gutes Restaurant, das Insieme Piadineria. Wie der Name bereits verrät, gibt es eine grosse Auswahl an Piadine. Ein Salat dazu und man hat ein perfektes Mittagessen.

Ein gemütliches Abendessen kann man im Restaurant Barnabas geniessen. Es werden europäische, mediterrane und indisch-orientalische Gerichte angeboten. Das Restaurant befindet sich in der Nähe des Technikums, der ZHAW School of Engineering.

Nach dem Abendessen kann man sich direkt um die Ecke noch einen Drink im Schmalen Handtuch genehmigen. Legendär ist der dort der Drink „Rasputin“. Aber Vorsicht, uns wurde gesagt, man solle ihn nur in kleinen Mengen trinken…

Kultur

An einem Teamevent durften wir mit Citystroll die Geschichte von Winterthur besser kennen lernen und haben einiges erfahren. Ein Highlight dieser Tour war der Sodbrunnen im Untergrund an der Steinberggasse. Als Passant beachtet man das „Guckloch“, welches wie ein Abfalleimer aussieht, kaum. Nimmt man sich die Zeit und schaut durch den Kasten, so sieht man den alten Sodbrunnen. Einen kleinen historischen Einblick erhalten Sie hier.

Quelle: schneider-hoppe.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frisches Gemüse, Früchte und andere Köstlichkeiten können jeden Dienstag- und Freitagmorgen zwischen 6-11 Uhr am Wochenmarkt gekauft werden. Der Markt befindet sich in der Steinberggasse und der Metzggasse. Weitere Märkte in Winterthur finden Sie hier.

Quelle: Myswitzerland.com

Weitere Tipps erhalten Sie bei Winterthur Tourismus.

Wo verbringen Sie am liebsten Zeit in Winterthur? Wir freuen uns sehr über Ihre Empfehlungen rund um die Stadt.

Kultur und Kaufverhalten: Unterschiede im Kaufverhalten zwischen kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften.

Erkenntnisse aus der Literaturarbeit zu einer Determinante des Kundenverhaltens von Stefan Aschwanden, Nicolas Barblan und Andreas Eggli. Die Literaturarbeiten wurden im Rahmen der Vorlesung „Strategischer Fokus Kunde“ erstellt. Die Studenten haben sich dabei vertieft mit einem Fachartikel auseinandergesetzt und  diesen nach eigenem Ermessen in einen aktuellen, praktischen Kontext gestellt. Der Beitrag gibt allein die unkorrigierte Meinung der Studenten wieder:

Die Nicht-Berücksichtigung von kulturellen Aspekten kann unter Umständen verheerende Auswirkungen haben. Das eine schlechte Adaption an kulturelle Gepflogenheiten mächtig den Hunger verderben kann, hat das Beispiel vom McDonalds Markteintritt in Japan gezeigt. Das McDonalds Maskottchen, der weissgesichtige Clown namens Ronald McDonald stiess den Japanern sauer auf, da dort ein weisses Gesicht mit dem Tod assoziiert wird.

Wie in jeder wissenschaftlicher Arbeit, in welcher kulturelle Faktoren betrachtet werden, werden Hofstedes Kulturdimensionen als theoretisches Fundament genommen. Speziell von Interesse sind Unterschiede im Kaufverhalten zwischen kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften. Wenig überraschend zeigt sich im Modell, dass vor allem asiatische und südamerikanische Gesellschaftsstrukturen stark kollektivistisch geprägt sind. Dem gegenüber steht die europäisch-amerikanische Ego-Kultur.

Jedoch ist auch Hofstedes generalisierendes Kulturmodell nicht über alle Zweifel erhaben, da davon ausgegangen wird, dass innerhalb eines Landes homogene Strukturen herrschen. In einer 2009 veröffentlichten Studie wird dies indirekt widerlegt, indem gezeigt wird, dass sich typisch individualistische nicht von typisch kollektivistischen Ländern unterscheiden können. Während sich individualistische und kollektivistische Käufergruppen im Gesamtkontext klar abgrenzen lassen, haben einzelne Ländervergleiche überraschenderweise keine Unterschiede gezeigt, obwohl typisch individualistisch oder kollektivistisch ausgerichtet. Beispielsweise haben Australien (individualistisch) und Singapur (kollektivistisch) ein sehr ähnlich individualistisches Kaufverhalten gezeigt. Als neue moderierende Variable glaubt man die Kaufkraft gefunden zu haben. Können nun Hofstedes Kulturdimensionen in die Tonne geworfen werden? Keineswegs! Weiterlesen