Mobile Marketing – Mehr als nur Mobile Werbung

Von den ZHAW Studierenden Manuel Votapek, Nathalie Müller, Nuran Koller, Kevin Nguyen

Wie entwickelt man kontextspezifische Lösungen für mehr Wirkung bei Mobile Marketing? Wie erreicht man die Kunden mit massgeschneidertem Inhalt? Um diese und noch weitere Fragen zu beantworten, haben wir ein Gespräch mit Oliver Stäcker, CEO der gotomo GmbH geführt. Gotomo ist einer der führenden Anbieter in der noch jungen Schweizer Mobile Marketing Branche. Sie unterstützen ihre Kunden von der Strategie bis hin zur Umsetzung von Mobile Marketing Lösungen.

Mobile Marketing wird wichtiger und die Möglichkeiten sind vielfältig: Apps, SMS, Push-Benachrichtigung, Location Based Services oder Mobile Advertising sind nur einige davon. Was unterscheidet das Angebot von gotomo von anderen Unternehmen dieser Branche?

Von der klassischen Mobile Werbung, wie beispielsweise jene auf der 20 Minuten App, in welcher der Banner typischerweise die gleiche Werbung zeigt wie auf dem Plakat, haben wir uns etwas distanziert. Wir haben uns davon wegbewegt, weil Mobile Werbung nur einen kleinen Teil der Customer Journey abdecken kann. Wir konzentrieren uns auf den kontextbasierten Teil, in welchem nicht nur «one-to-many», sondern auch sehr individuelle Lösungen umgesetzt werden. Das personalisierte Mobile Direct Marketing ist nämlich viel wichtiger geworden.

Wir untersuchen dabei zuerst die Bedürfnisse der Kunden. Je nach Bedürfnis erarbeiten wir mit ihnen die Strategie, die Konzeption oder beides. Dabei nutzt gotomo je nach Projekt verschiedene Technologien. Die Bandbreite reicht von Chat-Bots, Beacon, Augmented Reality bis hin zur kompletten App. Wir versuchen auf Basis eines Use-Cases, einer Herausforderung oder eines Problems des Kunden eine ganzheitliche Lösung mit verschiedenen Komponenten zu erarbeiten.

Oliver Stäcker, CEO der gotomo GmbH © gotomo

Wie unterscheidet sich der Inhalt des Mobile Marketings vom herkömmlichen TV oder Desktop Marketing?

Es ist wichtig, dass man das Smartphone/ Mobile nicht nur als weiteren Kanal betrachtet, auf dem exakt dieselbe Werbekampagne wie im TV oder in den Printmedien aufgeschaltet werden kann. Damit wird das Potenzial des Mobile Marketings nicht vollständig ausgeschöpft. Grundsätzlich bietet sich Fernsehwerbung an, um Emotionen einzubringen. Wenn beispielsweise Alfa Romeo ein neues Modell veröffentlicht, kann der Werbespot zeitgleich mit einer Promotion auf dem Mobile ergänzt werden. Das Promotionsangebot für Zubehör oder einer exklusiven Einladung zu einer spontanen Probefahrt kann mittels diverser Technologien zeitlich und örtlich auf die Ausstrahlung abgestimmt werden. In diesem Sinne soll das Mobile Marketing ergänzend und kontextbezogen eingesetzt werden und nicht konkurrierend.

Welchen Ansatz verfolgt gotomo bei der Beratung ihrer Kunden?

Bis zu einem gewissen Grad gibt es einen «one for all» Ansatz, nämlich das logische Denken. Manchmal wird von einer Technologie zu viel erwartet und der Use Case wird nicht richtig hinterfragt. Klar wäre es toll, wenn Kunden in der Nähe eines POS (Point-of-Sale) eine Push Benachrichtigung über aktuelle Angebote erhalten würden. Technologisch ist dies möglich, aber nicht jeder Zeitpunkt eignet sich dafür. Dies wird in der Praxis oft vergessen. Es gilt, den «Mobile Moment» zu berücksichtigen. «One for all» bedeutet für uns, dass wir einen Schritt zurückgehen und uns überlegen, was die eigentliche Herausforderung ist und wie die User Journey aussieht. Erst dann beginnen wir über Mobile Marketing zu sprechen.

Bluetooth Beacons bieten die Möglichkeit den Kunden am POS kontextspezifisch zu erreichen, jedoch ist ihre Verbreitung in der Schweiz relativ gering. Was sind die Herausforderungen beim Einsatz von Beacons?

Ein Beacon hat keine eigene Logik, es ist lediglich ein Sender von Signalen, welche an die vorinstallierte App auf dem Mobile empfangen werden. Der Kunde geht am Laden vorbei und erhält eine Push-Benachrichtigung, die ihn auf ein Angebot aufmerksam macht und einen Kaufanreiz auslöst. Viele haben sich auf diesen Ansatz gestürzt, dabei jedoch nicht in Betracht gezogen, dass es für einen guten Beacon Einsatz eine eigene App mit genügend Nutzern braucht. Es gibt jedoch andere Ansätze, um diese Technologie als Marketinginstrument einzusetzen. So könnten etwa Beacons als klassisches Mailing an Kunden versendet werden. Betritt der Kunde mit dem Beacon im Gepäck den POS, kann ein für ihn spezifisches Kundenerlebnis geschaffen werden. Der Kunde könnte zum Beispiel am Auto Salon in Genf in einem Fahrzeug mit seinem Namen begrüsst werden.

Gotomo unterstützt ihre Kunden in der Umsetzung von Mobile Marketing © Pixabay

Welche Auswirkungen haben die verschärften Datenschutzverordnungen auf das Mobile Marketing?

Es betrifft uns extrem. Bei einer Kampagne hatten wir verschiedene Technologien eingesetzt. Dabei dienten SMS-Nachrichten als «opt-in» Verfahren (Zustimmungsverfahren). Das bestehende opt-in, das beispielsweise für einen Service wie eine Abholbenachrichtigung gegeben wurde, gilt gemäss EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) jedoch nicht automatisch für Marketing Zwecke. Dafür braucht es ein spezifisches opt-in. In unserem Fall wurden dadurch viele Kundenkontakte unbrauchbar. Bei Nichtbeachtung der Gesetzgebung werden Konsequenzen erwartet.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten?

Eine Hürde ist auf jeden Fall das Erkennen von Innovationen und die Entwicklung von neuen Anwendungen auf einer kreativ konzeptionellen Ebene. Wir beantragen proaktiv und regelmässig Studien und wenden weitere Mechanismen an, um möglichst früh Tendenzen zu erkennen. Eine weitere Hürde ist die Reaktionszeit unserer Kunden. Viele müssen über starre interne Prozesse ein Budget beantragen. Um dieses Problem zu umgehen, stellen wir vermehrt einfache Prototypen her, die dem Kunden das Potential und die Akzeptanz aufzeigen und die Entscheidung vereinfachen sollen. Diese Prototyping Phase, inklusive der entsprechenden Testing-Methoden, helfen unseren Kunden eine Menge Geld zu sparen.

Wo steht gotomo in 10 Jahren?

Das lässt sich so nicht ganz beantworten, der Markt ist sehr dynamisch. Genau das macht ihn auch so spannend für uns. Nebst der Beratung im Mobile Marketing haben wir auch den Bereich der Innovations- und Digitalisierungsberatung für uns entdeckt. Es geht nicht mehr nur darum herauszufinden, ob eine App Sinn ergibt oder nicht, sondern auch zu schauen, welche weiteren Lösungen man dem Kunden anbieten kann, wenn man sie von Beginn an im Prozess mitberücksichtigt. So können zum Beispiel erstellte Code-Fragmente und das Dialog-Design eines Chat-Bots später für eine Alexa App verwendet werden. Mobile Strategie wird dann plötzlich zur Digital Strategie und bringt uns als netten Nebeneffekt neue Projekte.

Dialogmarketing-Praktiker unter sich: Treffpunkt am MeetingPoint der DMM 2016

Die Dialog Marketing Messe 2016 bietet unter der Schirmherrschaft der ZHAW das Format MeetingPoint an: Praktiker unter sich tauschen im kleinen Kreis Erfahrungen und gemeisterte Herausforderungen aus. Ein vorausschauender Erfahrungsbericht.

„Dialog ist wichtig“ sagt der Herr mit Kravatte und dem adretten Anzug mit klassischem Schnitt. Ist es ein Berater? Oder vertritt er eine Agentur? Will er mir etwas verkaufen? Dieser Frage werde ich nie beantworten, denn unmittelbar darauf spricht mich eine nette Dame mit hochgestecktem Haar an – ganz offensichtlich eine ambitionierte Messen-Hostesse – und meine Aufmerksamkeit richtet sich auf den Plastikbehälter, den Sie mir entgegen streckt, und darin sehe ich viele bunte Lose. „Ein Wettbewerb?“ frage ich etwas perplex. „Was gibt es denn da zu gewinnen?“ – „ Eine Gratis-Google-AdWords Schulung – und das bei Ihnen im Unternehmen! Also wir kommen zu Ihnen …“

Yeah. Great, denke ich mir und kratze mich etwas verlegen am Nacken. Was wollte ich hier eigentlich an dieser Messe?

Szenenwechsel.

Etwas abgeschirmt vom Trubel sitze ich am MeetingPoint. Da sind Praktiker unter sich. Der Mensch vor mir erzählt über seine Erfahrungen mit Dialogmarketing Agenturen und wie er seine letzte Kampagne erfolgreich gemeistert hat. Cooler Typ. Er verkauft E-Bikes und Zubehör. Wir sitzen nahe zusammen. Das Ganze wirkt wie eine erweitere Runde am Lagerfeuer – aber ohne Gitarre. Und anstelle einer Büchse Bier halte ich Stift und mein Moleskine in der Hand. „Wie hiess nochmals der Mensch, der Dich da beraten hat?“ frage ich den Referenten während er seine Geschichte erzählt. Dankend zwinkere ich ihm zu und notiere mir den Namen. Nach 20 Minuten ist die Präsentation zu Ende und wir unterhalten uns in der Runde. Zum Schluss stellt der Moderator des MeetingPoints noch ein paar kritische Fragen, die mich zum Nachdenken animieren.

„Das hätte ich Dir gleich sagen können, dass das mit diesem Tool nicht geht …“ weiss mein Nachbar zu erzählen. Er hat offenbar ähnliches erlebt. Ein Sympathischer. Wir tauschen später unsere Kontakte aus. Ich notiere mir noch ein paar Gedanken und gehe weiter. Das war gut hier, dieser MeetingPoint.

DMM MeetingPoint Logo Schweiz

MeetingPoint Dialogmarketing Messe – Treffpunkt für Praktiker

Welche Herausforderung hast Du in deinem Praxisalltag gemeistert? Welchen Case möchtest Du Kollegen aus anderen Unternehmen aufzeigen und dazu deren Meinung einholen? Das neue Format MeetingPoint startet erstmals an der der DMM 2016 mit Cases aus der Praxis des Dialogmarketing. Hier kannst Du Dich ausschliesslich unter Kollegen aus anderen Unternehmen ohne Anbieter und Dienstleister austauschen.  Anmeldungen hier.

Direct Marketing Kanalstrategien aus Kundensicht im Schweizer Retailbanking

Walter Hess, MAS CRM 4

Walter Hess

Im Rahmen des Booklets „Best of 10 years CRM – Auszüge aus den besten Master-Arbeiten in Customer Relationship Management“ wurden die Management Summaries von Master-Arbeiten veröffentlicht, welche in vorbildlicher Art und Weise einen Beitrag zum Transfer akademischer Erkenntnisse und «Best Practice»-relevanter praktischer Erfahrungen in den unternehmerischen Alltag darstellen.

Diese Master-Arbeit wurde von Walter Hess (Leiter Qualitätsmanagement Kundenservice bei der Helsana Versicherungen AG) in der Durchführung MAS CRM 4 verfasst:


Das Direct Marketing (DM) ist im Retailbanking ein wichtiges Instrument für die Erreichung von Kundenbindungsund Wachstumszielen. Die Diplomarbeit basiert auf der Annahme, dass die Wirksamkeit der Aktivitäten gesteigert werden kann, wenn das klassische DM mit der Kundenperspektive angereichert bzw. kombiniert wird. Das Ziel der Master-Arbeit war, diese Annahme mit Fakten zu untermauern und auf Basis dieser Erkenntnisse ein Direct- Marketing-Konzept abzuleiten.

Vorgehen

Das Vorgehen basierte auf drei Säulen, welche die Resultate für die Konzepterarbeitung lieferten: Zunächst wurden in einer Sekundärrecherche die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema identifiziert. In einer zweiten Phase wurden die wichtigsten Schweizer Banken im Retailmarkt zu ihren DM-Aktivitäten befragt und schliesslich wurden – als zentrales Element – 350 Deutschschweizer Kunden in unterschiedlichen Altersund Einkommenssegmenten und aus verschiedenen Regionen zu ihren Präferenzen im Dialog mit den Banken interviewt.

Weiterlesen