Swiss Marketing Leadership Studie 2019»: Steigender Wettbewerbsdruck bei schwindenden Reaktionszeiten

Das diesjährige Trendthema der Swiss Marketing Leadership Studie betraf die Komplexität und Dynamik bei den Schweizer Unternehmen und hat den Nerv der Zeit getroffen. Steigender Wettbewerbsdruck, neue Technologien und veränderte Kundenbedürfnisse, bei gleichzeitig schwindenden Reaktionszeiten, bilden für die Unternehmen ein Spannungsfeld.

Das Institut für Marketing Management befragte 400 Schweizer Mittel- und Grossunternehmen unter anderem zu den Treibern der Dynamik und Komplexität, den Massnahmen wie Unternehmen auf die zunehmende Komplexität und Dynamik reagieren, in welchen Zusammenhang Kundenorientierung, Unternehmenskultur und –struktur sowie die absorptiven und kollaborativen Fähigkeiten mit dem Unternehmenserfolg stehen.

Die Studie zeigt, dass sich die Mehrheit der Schweizer Unternehmen im kritischen Bereich der Zeitschere befindet: Das heisst, dass sie sich in einer Situation befinden, in der sie aufgrund der zunehmenden Dynamik weniger Zeit zur Verfügung haben, als sie aufgrund der wachsenden Komplexität eigentlich benötigen würden.

Die Unternehmen befinden sich in einer Zeitschere

Die Ergebnisse der quantitativen Studie unterstreichen zudem die Wichtigkeit der kollaborativen und absorptiven Fähigkeiten eines Unternehmens. Unternehmen stehen vor der Aufgabe interne Strukturen zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen um den bestehenden Veränderungen und Herausforderungen gerecht zu werden. Dazu gehören unter anderem die interne sowie externe Kollaboration und ein Abbau des herrschenden Silo-Denkens. Zusätzlich ist es wichtig, absorptive Fähigkeiten im Unternehmen zu erlangen, damit der Wissensaustausch unternehmensweit weitergegeben werden kann.

Die Resultate der Swiss Marketing Leadership Studie 2019 wurde mit einer Chief Marketing Officer – Studie ergänzt. Die Interviews ergaben, dass Schweizer Unternehmen noch zu sehr in Silos unterwegs sind und das «Gärtlidenken» stark präsent ist. Der zukünftige CMO muss für die ansteigende Wettbewerbsintensität, der zunehmenden gesellschaftlichen Digitalisierung sowie dem veränderten Nutzungsverhalten von Konsumenten gewappnet sein.

Studiendesign

Das Institut für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law hat dazu 400 mittlere und grosse Unternehmen befragt. Ausserdem wurde die «Swiss Marketing Leadership Studie» durch die Chief Marketing Officer Studie ergänzt. Es wurden insgesamt 14 Chief Marketing Officers aus unterschiedlichen Branchen zum gleichen Themenbereich befragt.

Kostenloser Download der Studie

Die Studie steht Ihnen hier kostenlos digital zur Verfügung.

Kontakt

Reto Heierli, Telefon 058 934 45 97, E-Mail: reto.heierli@zhaw.ch

Wie sich die Marketingfunktion transformiert und welche Kompetenzen die Digitalisierung fordert

Von Dr. Catherine B. Crowden

Die Swiss CMO Studie befragte im Sommer 2019 14 Marketing-Führungskräfte in Schweizer Unternehmen zum Einfluss der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell, die Marketingfunktion und die Rolle des, der CMO. Nachfolgend beleuchten drei CMOs die interne Transformation, die Verschiebung von werblicher zu inhaltlich relevanter Kundenansprache und von fremden zu eigenen Plattformen sowie die neuen Kompetenzen moderner CMOs.

Was ist Ihre grösste Herausforderung der digitalen Transformation?

Jan-Hendrik Völker-Albert (Head of Marketing & Communications bei PwC Schweiz): Die grösste Herausforderung ist die interne Transformation. Marketing ist ein wichtiger Vorreiter für die digitale Transformation innerhalb des Unternehmens, daher muss sich die Marketingfunktion schneller als andere Bereiche verändern. Dazu nötig ist gleichzeitig die Befähigung der Marketingmitarbeitenden mit den entsprechenden Fähigkeiten und Technologien und die Förderung eines digitalen Mindsets. Nur so können wir auf die neuen Anforderungen und Dynamiken im Markt reagieren.

Jan-Hendrik Völker-Albert (Head of Marketing & Communications bei PwC Schweiz)

Wie gehen Sie dabei vor?

J.H. Völker-Albert: Ein ganz wichtiger Punkt ist, eine klare Orientierung zu geben. Unsere Marketingmitarbeitenden müssen ein konkretes Zukunftsbild kennen und darauf hinarbeiten können: Wo wollen wir hin, wie soll das Marketing der Zukunft aussehen und wie wird sich das gesamte Marketing-Ökosystem entwickeln.

Der zweite Punkt ist die Entwicklung der Mitarbeitenden, um sie für Data Driven Marketing zu befähigen. Bei PwC investieren wir sehr stark in Weiterbildung und kontinuierliches Lernen, so genanntes «Digital Upskilling». In meinem Team möchte ich, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein Digitalexperte wird.  So gibt es keine analogen und digitalen Marketingexperten, sondern alle sind digitale Marketingexperten. Alle müssen ein tiefes Verständnis für neue Technologien haben und diese auch jederzeit selbst bedienen können.

Der dritte Punkt hört sich zwar einfach an, die Herausforderung liegt aber wie immer im Detail: Die entsprechenden Technologien zur Verfügung zu stellen. Letztere entwickeln sich dabei aber so rasant und haben so kurze Halbwertszeiten, dass es immer schwieriger wird, State-of-the-Art zu bleiben und das perfekte Marketing Automation Ökosystem zur Verfügung zu stellen. Daneben gilt es, die neuen Technologien, wie beispielsweise Advanced Analytics und Künstliche Intelligenz entsprechend zu nutzen. Diese Potenziale schöpfen wir aktuell nur zu knapp einem Viertel aus, sind damit im globalen PwC-Netzwerk aber führend. Dies bedeutet für uns kontinuierlich Problemlösung nach «Trial and Error». Wir probieren jeden Tag aus, kombinieren mehrstufige digitale Massnahmen und machen viel A/B Testing. Insgesamt versuchen wir so die End-to-End Experience für unsere Kunden jeden Tag noch etwas besser zu machen.

Die Rolle des CMOs verändert sich (c) Pixabay

Welches sind zukünftige Trends und Entwicklungen?

Oliver Niedermann (Head of Marketing bei Raiffeisen Schweiz): Der Inhalt des Marketings verschiebt sich. In der Kundenansprache bewegen wir uns weg vom Verkauf von Produkten hin zum Aufbau von Themenführerschaft. Für uns heisst das, in unseren drei Hauptgeschäftsfeldern Anlegen, Wohnen und Firmenkunden relevanten Content zu erarbeiten. Zum Beispiel wollen wir für unsere Kunden nicht nur der Partner für eine Hypothek sein, sondern ein umfassender Partner für alle Fragen rund ums Wohnen. Dazu bauen wir den Brand «Raiffeisen Casa» auf, unter dem wir von Immobilien, über Maklerangebot bis hin zum energetischen Sanieren alles thematisieren.

Das bedingt ein ganz anderes Marketing als früher. Wir müssen für unsere Kunden relevante Inhalte schaffen. Den Medienmix haben wir angepasst auf mittlerweile fast rein elektronische Kanäle, wo eine Interaktion möglich ist. Von den bezahlten Kanälen bespielen wir fast ausschliesslich Social Media und kaum mehr andere Werbemittel. Die zweite Verschiebung ist die, von den fremden auf die eigenen Kanäle (owned channels). Für uns als Raiffeisen steht nicht die Neukundengewinnung im Fokus, sondern die bessere Bedienung der Bestandeskunden. D.h. wir erreichen diese am besten über die eigenen Kanäle, überprüfen nun unserer eigenen Touchpoints und optimieren die Ansprache, bauen aber auch ganz neue Plattformen auf – Content Hubs, wie «We love snow» oder «we love football». Hier übernehmen wir die Aufgaben eines Medienhauses und können so unseren Kunden Kompetenz vermitteln. Wir sind zu einem disruptiven Mitstreiter für die Medienhäuser geworden! Damit transformieren wir den Markt und darauf sind wir stolz.

Oliver Niedermann (Head of Marketing bei Raiffeisen Schweiz)

Welche Kompetenzen muss ein CMO im heutigen Zeitalter besitzen?

Patrick A. Koller (Chief Marketing & Chief Digital Innovation Officer bei Franke Kaffeemaschinen): Der moderne CMO bringt eine Affinität für IT und die Qualifizierung für Transformationsthemen und Organisationsentwicklung mit; ein Verständnis für Automatisierungstools und Data Analytics, um innovative, digitale Services zu gestalten, Kampagnen zu messen und die Performance aller Aktivitäten zu bewerten. Damit Werbung und Marketing im Allgemeinen nicht nur eine Ausgabe ist, sondern ein Investment. Dann wird die Budgetierung zu einem Planungsdialog darüber, wo Wachstumsfelder sind und wo Leads generiert werden können.

Patrick A. Koller (Chief Marketing & Chief Digital Innovation Officer bei Franke Kaffeemaschinen)

Mehr zu den neuen Methoden des Marketings, erfahren Sie am Future of Marketing Event am 28. Oktober 2019 in Winterthur.