Radon – die unterschätzte Gesundheitsgefahr

Von Andrea Zimmermann

Es ist unsichtbar, geschmacklos und riecht nicht. Nichtsdestotrotz sterben pro Jahr circa 300 Menschen in der Schweiz an den Ursachen des radioaktiven Edelgases Radon. Das sind fast 100 Tote mehr, als im Strassenverkehr tödlich Verunfallte. Und dennoch ist Radon der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

Was genau ist Radon?

Radon (Rn-222) ist ein natürlicherweise in der Umwelt vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht durch den Zerfall von Uran, welches überall auf der Welt im Untergrund vorkommt. Beim Zerfall von Uran entsteht unter anderem Radium und daraus Radon. Diese Radonatome sind instabil und können weiter zerfallen, wodurch Radonfolgeprodukte wie Polonium, Bismut und Blei entstehen. Durch die Freisetzung in der Luft können sich die radioaktiven Radonfolgeprodukte an kleinste Schwebteilchen und Staubpartikel binden und beim Einatmen in unsere Lunge gelangen. 

Uranzerfallsreihe (© BAG 2019)

Krank durch Radon?

Gleich nach dem Rauchen, ist Radon die wichtigste Ursache für Lungenkrebs. Wird es über längere Zeit in hohen Konzentrationen eingeatmet, gefährdet es die Gesundheit. Dieser Fakt ist den meisten Menschen nicht bewusst. Da Radon überall in unserer Umwelt vorkommt, sich in der Aussenluft jedoch verflüchtigt, besteht dort wenig Gefahr. Anders ist es in geschlossenen Innenräumen, sprich in unseren Wohnungen und Häusern. Gerade in solchen geschlossenen und schlecht gelüfteten und belüfteten Räumen kann Radon durch undichte Stellen im Fundament eines Gebäudes oder Risse in den Wänden sowie Rohrleitungen ins Innere gelangen und sich in der Raumluft anreichern. Laut einer Studie des Schweizerischen Verein für Luft- und Wasserhygiene (SVLW) verbringen wir bis zu 90 % unsere Zeit in geschlossenen Räumen und sind somit einer erhöhten Gefahr ausgesetzt.

Durch das Einatmen der radioaktiven Zerfallsprodukte von Radon setzten sich diese in der Lunge fest und die Lungen werden einer erhöhten Strahlung ausgesetzt – mit einer direkten Auswirkung auf die Zellen des menschlichen Körpers und unserer DNA. Mit steigender Radonkonzentration nimmt das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken zu, egal ob Raucher oder Nichtraucher. Jedoch verstärken sich Rauchen und Radon wechselseitig und auch für lebenslange Nichtraucher ist Radon der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs.

Ablagerung von radioaktiven Zerfallsprodukten von Radon in der Lunge (© Bundesamt für Strahlenschutz 2019)

Eine grosse Risikogruppe sind insbesondere die Kinder. Mit der Revision der Strahlenschutzverordnung hat der Bundesrat die Massnahmen gegen Radon verschärf, indem er die zulässige Konzentration in Wohn- und Aufenthaltsräumen deutlich gesenkt hat. In allen Kantonen sind daher regional gestaffelt in allen öffentlichen und privaten Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen Radonmessungen durchzuführen. Die Messungen werden durch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) koordiniert und von anerkannten Messstellen durchgeführt.

Kommunikation als wichtigstes Hilfsmittel in der Präventionskampagne

Da das Radon und die damit verbundenen Gefahren in der Öffentlichkeit vielen nicht bekannt sind, wird die Kommunikation zu einem wichtigen Faktor in der Prävention. Mit verschiedenen Massnahmen gilt es nun die Bevölkerung zu informieren. Als ein Beispiel dient die Ecosens AG. Sie ist eine neutrale und unabhängige Fachfirma für Beratungen im Zusammenhang mit Raumluftqualität sowie weiteren umweltbezogenen Themen. Sie hat sich bereits letztes Jahr diesem Thema angenommen und eine zweisprachige Informationskampagne dazu gestartet. Der Kommunikationsmix beinhaltete einen speziellen Flyer und einen Infobrief mit den wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Radon. Beliefert wurden die gesamten Wohngemeinden der Ost- und Westschweiz, um nochmals auf die wichtigsten Punkte und Umsetzungen hinzuweisen. Auch dieses Jahr wurde eine erneute Informationskampagne ausgelöst, um die Menschen weiter zu sensibilisieren. Die Kommunikation hat aber auch schon einige Institutionen erreicht, die sich von Radonfachpersonen beraten liessen. Weitere kommunikative Massnahmen sind geplant und werden nach und nach umgesetzt.

Radon im Gebäude? Flyer mit Erläuterungen zu Radonmessungen (© Ecosens AG 2019)

Wie kann ich mich schützen?

Damit das Radon in der Innenraumluft nicht zur Gefahr wird, helfen oft bereits einfache Schutzmassnahmen, um die Konzentration von Radon in einem Gebäude und somit auch das Erkrankungsrisiko deutlich zu senken:

  • Regelässiges korrektes Lüften der Räumlichkeiten
  • Undichte Eintrittsstellen im Keller und Untergeschoss abdichten lassen
  • Beizug einer Radonfachpersonen für Messungen und Abklärungen
  • Schutzmassnahmen zur Verhinderung des Radoneintritts bei Neubauten in die Planung miteinbeziehen

Die gute Nachricht ist: Radon ist zwar gefährlich, wir können uns aber mit relativ simplen Mitteln davor schützen. Mit einer Messung kann die Radonkonzentration in der Raumluft bestimmt, und es können Sanierungs- oder Sicherheitsmassnahmen abgeleitet werden. Mit der Radonkarte der Schweiz des Bundesamtes für Gesundheit BAG kann man sich auch als Laie über das Radonrisiko in seiner Wohnumgebung informieren. Für eine gesunde Raumluft.

Weiterführende Links:

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesundheit/strahlung-radioaktivitaet-schall/radon/radongebiete-ch.html

https://ecosens.ch/de/detail/radonmessungen-und-radonsicheres-bauen.html

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesundheit/strahlung-radioaktivitaet-schall/radon.html

Über die Autorin

Andrea Zimmermann arbeitet bei der Ecosens AG in Wallisellen, einem Umweltberatungsunternehmen, und ist im Marketing und der Kommunikation tätig. Nach dem Bachelor für mehrsprachige Kommunikation absolviert sie derzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW School of Management and Law in Winterthur.

Prävention durch Kommunikation

Von Janine Diem

«Vorsicht ist besser als Nachsicht.» Ob Gesundheit, Sicherheit oder Wohlbefinden, das Sprichwort lässt sich auf viele Lebensbereiche anwenden. Entsprechend gibt es auch zahlreiche Situationen, in denen erfolgreich kommunizierte und umgesetzte Präventionsmassnahmen einen Unterschied machen. Welche kommunikativen Möglichkeiten gibt es dafür und was ist weiter hilfreich, um die Zielgruppe für wichtige Themen zu sensibilisieren?

Gesundheit, Sicherheit, Wohlbefinden. Je nach Thema, für das eine Sensibilisierung stattfinden soll, sind das Kommunikationsobjekt, die Zielgruppen und die Botschaft naheliegend. Neben dieser Frage, wer wem gegenüber was kommuniziert, sind auch die Kommunikationsmassnahmen und das Kommunikationstiming zentrale Elemente einer Kommunikationsstrategie. Das richtige Timing trägt wesentlich dazu bei, den Sinn hinter den Präventionsmassnahmen zu vermitteln und dadurch Akzeptanz zu verschaffen. Diese Akzeptanz der Zielgruppe wiederum ist eine Voraussetzung, damit Präventionsmassnahmen umgesetzt werden.

Sicherheit im Strassenverkehr als Anliegen

Neben dem richtigen Timing ist auch die Wahl der eingesetzten Kommunikationsmassnahmen und -mittel relevant. Dies zeigen Beispiele der AXA Versicherungen, die sich als grösster Schweizer Motorfahrzeugversicherer für mehr Sicherheit im Strassenverkehr einsetzt und Präventionsmassnahmen gegenüber der Bevölkerung kommuniziert.

Dem Sensibilisierungsthema ein Gesicht geben

Seit 1973 setzt sich die AXA mit der Stiftung für Prävention dafür ein, dass der Strassenverkehr sicherer wird. Die Figur «Max der Dachs» steht bildlich für dieses Sensibilisierungsthema. Während Max das richtige Verhalten zeigt und Hintergrundwissen vermittelt, geben ihm das rote Halstuch und der Bündnerdialekt den nötigen Wiedererkennungswert. Ein Beispiel für Timing und Kommunikationsmittel: In einer Lern-App unterstützt Max der Dachs Kinder dabei, das richtige Verhalten auf dem Schulweg zu erlernen. Die App wurde rechtzeitig zum Schulanfang in der Schweiz lanciert.

Max der Dachs gibt Tipps und Tricks für mehr Sicherheit im Strassenverkehr. © AXA Stiftung für Prävention

Das Sensibilisierungsthema erlebbar machen

Die Unfallforschung der AXA analysiert zahlreiche Unfälle im Strassenverkehr und führt jährlich eigene Crashtests durch. Eine Auffahrkollision in einer Stausituation mit einer Geschwindigkeit mit 60 km/h kann verheerende Folgen haben. Um dies aufzuzeigen, stattete die AXA beim Crashtest ein Fahrzeug mit einer 360-Grad-Kamera aus. Das Video macht die Kollision aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar. Mit Geräten wie Desktop-Computer, Smartphone oder Virtual Reality-Brille lässt sich die Auffahrkollision durch klicken, bewegen und drehen aus sämtlichen Blinkwinkeln betrachten. Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention der AXA, erklärt in der Medienmitteilung zum Video: «Dank Virtual Reality fühlt sich der Zuschauer in die Situation hineinversetzt – er erlebt den Unfall sozusagen mit. Ein zentraler Faktor in der Präventionsarbeit, wie unsere Erfahrungen zeigen». Betreffend Timing: Einmal im Jahr finden Crashtests der AXA vor Publikum statt. Bei dieser Gelegenheit hatte das Publikum neben dem Crashgelände die Möglichkeit, den soeben gesehenen Crash zusätzlich im 360-Grad-Video mit einer Virtual Reality Brille zu erleben.

Durch das Sensibilisierungsthema Mehrwert schaffen

Den Sinn einer Massnahme zu verstehen fällt leichter, wenn Vorteile für die eigene Situation erkennbar sind. Die AXA verknüpft die Kommunikation von Präventionsmassnahmen mit Mehrwert für die einzelne Person. So finden sich auf dem Blog der AXA unterschiedliche Checklisten und Tipps, wie beispielsweise im Beitrag zum sicheren Beladen des Autos vor einer Reise. Der Blogbeitrag informiert neben der Verwendung von richtigen Sicherungsmaterialien auch über rechtliche Gegebenheiten beim Transport von Sperrgut wie zum Beispiel ein Kajak. Bezüglich Timing: Der Blogbeitrag wurde während der Feriensaison publiziert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neben dem richtigen Timing und der Wahl des Kommunikationsmittels ein Botschafter / eine Botschafterin für das Thema, Anschaulichkeit und individueller Mehrwert zur erfolgreichen Kommunikation von Präventionsmassnahmen beitragen können.

Über die Autorin

Janine Diem arbeitet bei der AXA im Angebots- und Trendmanagement. In dieser Tätigkeit entwickelt sie Produkte und Services rund um Sachversicherungen. Nach dem Betriebsökonomie-Studium absolviert sie derzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW School of Management and Law.

Marketing in der Gastronomie: Nur gut essen war gestern

Von Marleina Capaul

Das Restaurant blindekuh in Zürich feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Was heisst es, Marketing in der Gastronomie und für einen Non-Profit-Betrieb zu betreiben? Der Geschäftsführer Adrian Schaffner gibt Auskunft.

Adrian Schaffner, was benötigt es, um heute erfolgreich ein Restaurant zu führen?

Früher reichte es, einen guten Koch einzustellen und ein Schild vor die Türe zu stellen. Heute ist das nicht mehr ganz so einfach. Das Gesamtpaket muss stimmen. Sich nur über die Küche zu definieren, das können sich heute nur wenige Restaurants leisten.

Erzählen Sie etwas über die blindekuh. Was macht das Restaurant aus?

Die blindekuh in Zürich befindet sich in den Räumlichkeiten einer alten Kapelle. Das Spezielle daran: gegessen wird in kompletter Dunkelheit. Die Angestellten im Service sind blind oder sehbehindert. Die gemeinnützige Stiftung Blindekuh fördert den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Sehenden und Nichtsehenden und finanziert sich über die Gastrobetriebe in Zürich und Basel.

Ein spezielles Restaurant – die blindekuh in Zürich © blindekuh

Welche Ziele verfolgen Sie im Marketing?

Der Brand blindekuh ist bekannt. Das Marketing zielt darauf ab, dass die Gäste nicht nur einmal, sondern mehrere Male ins Restaurant kommen. Für eine Non-Profit-Organisation mit einem bescheidenen Budget keine leichte Aufgabe.

Sie haben vom Erlebnis gesprochen, dass Gäste heute wünschen. Was bedeutet das?

Heute suchen die Gäste beim Auswärtsessen das Ausgefallene und erwarten ein Gesamtpaket. Der Trend geht zu immer verrückteren und einzigartigen Locations, was die vielen erfolgreichen Pop-Up-Konzepte zeigen. Der begrenzte Zeitraum dieser Angebote schafft eine Begehrlichkeit und somit hohe Nachfrage.

Wo legen Sie den Fokus im Marketing?

Früher haben wir häufiger mit Flyern und Mailings gearbeitet. Aber heute dominieren bei uns die digitalen Kanäle wie Facebook, Instagram oder Newsletter. So ist es mit einfachen Mitteln möglich, viele Leute gezielt zu erreichen. Zusätzlich lässt es sich leicht messen, auswerten und optimieren.

Erzählen Sie etwas über Ihre Zielgruppen.

Speziell an der blindenkuh ist die breite Zielgruppe, welche unterschiedliche Gäste anzieht, von alt bis jung, städtisch oder ländlich. Diesem Bedürfnis versucht die blindekuh mit Anlässen wie einem Dinner-Krimi, einer Weindegustation oder einem Kinderkonzert Rechnung zu tragen.

Wie ist ihr Umgang mit den Medien? Erhalten Sie viele Anfragen?

Zu unseren Anfangszeiten sind wir mit Medienanfragen überhäuft worden. Unser Konzept war einzigartig und neu. Heute ist es ruhiger geworden. Für unser 20-Jähriges Jubiläum haben wir die Aktivitäten verstärkt und arbeiten mit einer auf Gastronomie spezialisierten Agentur zusammen. Medienberichte sind für uns sehr wichtig, wie z.B. kürzlich die Rezension im Züritipp (Abo Plus).

Adrian Schaffner ist seit 2000 Geschäftsführer des Restaurants blindekuh, welches 1999 eröffnet wurde. Das Jubiläum wird mit verschiedenen Events und Aktivitäten gefeiert, wie z.B. einer Jubiläumszeitung. Ein Essen in absoluter Dunkelheit geniessen ist eine neue Herausforderung für alle Sinne. Reservationen: www.blindekuh.ch

Über die Autorin

Marleina Capaul ist Verantwortliche Marketingkommunikation bei Compendio Bildungsmedien. Privat ist sie gerne in der vielfältigen Gastronomieszene in der Schweiz unterwegs. Im Freundeskreis auch bekannt als „der Züritipp“ gibt sie gerne Tipps, wo man gut essen gehen kann. Zurzeit absolviert sie den CAS für Marketing- & Corporate Communications an der ZHAW.

Digitale Selbstironie bei der Berliner Verkehrsgesellschaft

Von Franziska Petersen

Aktuelle Entwicklungen wie Artificial Intelligence, Virtual Reality, Internet of Things oder Argumented Reality haben einen grossen Einfluss auf die Unternehmen und das Marketing. Eine Welt ohne Smartphone, Tablet oder Laptop ist kaum mehr denkbar. Deshalb ist es sehr wichtig die Botschaften dort zu platzieren, wo die Kunden sie auch abrufen – online mittels digitalem Marketing. Dies gilt natürlich auch für Betriebe der öffentlichen Hand. Wie man das Social Media Marketing erfolgreich einsetzen kann, zeigt das Beispiel der Berliner Verkehrsgesellschaft.

Zuerst Kritik, dann Lob für das Social Media Marketing

Eine der wohl bekanntesten deutschen Social Media Kampagnen der letzten Jahre ist die der Berliner Verkehrsgesellschaft. Jeder, der einmal das Vergnügen hatte in Berlin die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, weiss welche Freude eine Fahrt mit der BVG bereitet. Es gibt keine Jahreszeit zu der der U-, S- Bahnverkehr ohne Verspätungen oder Ausfälle funktioniert. Bis in das Jahr 2015 hatte die BVG mit einem extrem schlechten Image zu kämpfen und die Kampagne #weilwirdichlieben erntete massive Kritik. Ziel war es zunächst, dass die Kunden ihre schönsten Erlebnisse mit der BVG teilen – das Resultat war ein Shitstorm sondergleichen. Doch die BVG reagierte mit Humor und Selbstironie auf die Kritik und startete eine der besten Kampagnen der letzten Jahre. Statt sich auf das Image eines guten Verkehrsbetriebs zu konzentrieren, punkteten sie mit Authentizität, Ehrlichkeit und Selbstironie. Man setzt auf Augenzwinkern und die Liebe zur Hauptstadt Berlin.

Einer der grössten viralen Hits war der Song „Is mir egal“ zusammen mit einem Berliner Hip Hopper:

Selbstironie auf den digitalen Kanälen

Das Kommunikationsziel ist auch heute noch eine authentische Identifikation der jüngeren Gesellschaft mit dem Berliner Unternehmen. Ihre Hauptkanäle hierfür sind Twitter, Instagram und Facebook und ihre Beiträge beschäftigen sich mit Themen, an die sich kaum ein Berliner Unternehmen herantraut.

Screenshot eines ironischen Posts © BVG

In ihrer Tonalität ist die BVG selbstironisch und provokant und schafft es immer wieder mit ihren Social Media Beiträgen die Brücke zwischen dem Verkehrsbetrieb und der Metropole Berlin zu schaffen. Und damit auch eine emotionale Bindung zu den Kunden aufzubauen.

Screenshot eines weiteren Beispiels © BVG

Was mit grossen Schwierigkeiten begonnen hat, ist heute eine sehr erfolgreiche Social Media Kampagne. Mit mehr als 282.000 Twitter Followern, 256.000 Facebook Fans und 674.000 Abonnenten auf Instagram, hat sich die Reflexion, Ehrlichkeit und Selbstironie des Unternehmens gelohnt.

Die BVG hat es geschafft von dem typischen, negativen Klischee der Branche wegzukommen und hat mit ihrer Kampagne eine Liebeserklärung an ihre Stadt und deren Bewohner kreiert.

Über die Autorin

Franziska Petersen hat sich als studierte Politologin vor Jahren in die Welt des Eventmarketings verlaufen. Seitdem organisiert sie rund um den Globus Messen und Events im B2B Bereich. Seit zwei Jahren ist sie bei der VAT Group und seit August 2018 studiert sie berufsbegleitend an der ZHAW. Dort absolviert sie gerade den CAS Marketing- und Corporate Communications.

Winterromantik mit hohen Nebenkosten – ein Blick hinter die Kulissen des Skigebiets Grindelwald-Wengen

Von Daniela Roth

Tief verschneite Winterlandschaften, perfekt präparierte Pisten mit Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau. In rund vier Wochen ist es wieder soweit, das Skigebiet Grindelwald-Wengen startet in die Saison. Ein kostspieliges Unterfangen, der Betrieb des Gebiets mit 27 Anlagen und 155 Pistenkilometern kostet die Jungfraubahnen über 250’000 Franken pro Tag.

Anfangs Oktober, sobald die Kühe von der Alp zurück ins Tal trotten, beginnen die Vorbereitungen für die Wintersaison. Die Weidezäune werden entfernt, hunderte von Pistenmarkierungspfosten bereitgestellt und die Pistenbullys aus ihrem Sommerschlaf geholt. Vor dem ersten grossen Schneefall muss alles bereit sein, nichts wird dem Zufall überlassen. Für den Fall, dass Frau Holle den Winterstart wieder einmal verschläft, werden rund 30 mobile Schneekanonen in Stellung gebracht und 290 Beschneiungslanzen am Pistenrand montiert. Sobald eine längere Kaltwetterphase in Sicht ist, wird die künstliche Beschneiung in Betrieb genommen. Die Anschaffungskosten der Beschneiungsanlage belaufen sich auf rund 9.5 Millionen Franken. Dank der modernen Anlage ist auch die alljährliche Durchführung der weltbekannten Lauberhornrennen gesichert.

Skifahren in Grindelwald mit bester Aussicht ©jungfrau.ch

Wetterfeste und kälteresistente Mitarbeiter

140 Mitarbeiter sind für den Wintersport im Einsatz. Die meisten Arbeiten im Sommer im eigenen Landwirtschaftsbetrieb oder im Baugewerbe und verbringen den Winter im Skigebiet Grindelwald-Wengen. Unter den Wintersportmitarbeitern sind die verschiedensten Berufsgattungen vertreten: Mechaniker, Pistenfahrzeugfahrer, Ingenieure, Beschneiungsspezialisten, Patrouilleure, SOS-Mitarbeiter, Bahn- und Liftpersonal. Einer von ihnen ist der Pistenbullyfahrer Pascal Hallauer. Obwohl grosse Flexibilität gefragt ist, liebt der 26-jährige seinen Job und beschreibt ihn als extrem faszinierend: „Ich komme auf den Berg, alle sind am Skifahren. Man wartet bis Pistenschluss, nimmt die Maschine und beginnt sein Gebiet zu präparieren. Für mich ist das wie Freiheit. Klar, die anstehende Arbeit muss erledigt werden, aber eigentlich bin ich frei. Ich habe den ganzen Berg für mich und kann die Aussicht geniessen. Bei der Arbeit erlebe ich Momente, die kann man sich nicht mal erträumen. Faszinierende Wetterstimmungen, Sonnenuntergänge oder Tiere, die den Weg kreuzen. Da muss wirklich ganz viel schieflaufen, dass ich mich nicht aufs Arbeiten freue. Der Job gibt mir wirklich extrem viel.

Patrouilleur mit Lawinenhund im Einsatz ©jungfrau.ch

Wetter bestimmt Arbeitszeiten
Bei gutem Wetter wird mit der Pistenpräparation jeweils kurz nach der letzten Pistenkontrolle begonnen. Gegen 2 Uhr morgens ist die Arbeit meist erledigt. Fällt jedoch Neuschnee, werden die Pisten erst in der zweiten Nachthälfte hergerichtet, damit Skifahrer und Snowboarder am Morgen trotz Schneefall eine möglichst gute Piste antreffen. Bei den Bullyfahrern sind regelmässige Arbeitszeiten die Ausnahme. Diese gibt es lediglich, wenn der erste Schnee fällt und das Gebiet noch geschlossen ist. Dann fahren sie am Morgen auf den Berg, verstossen den Schnee und sind am Abend wieder im Tal. Sobald der Skibetrieb offen ist, muss das Präparationsteam sehr flexibel sein und die Arbeits- und Schlafzeiten nach dem Wetterbericht richten.

Gäste mit hohen Ansprüchen

Bei warmen Temperaturen oder viel Neuschnee ist es schwierig, die Piste und den Freestyle Park perfekt zu präparieren. Das Pistenbully-Team ist aber auch bei unvorteilhaften Wetterverhältnissen mit grosser Motivation am Werk und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Die Ansprüche der Gäste sind sehr hoch und es ist nicht ganz einfach, diesen immer gerecht zu werden. Schneit es in der Nacht, nimmt die Arbeit mehr Zeit in Anspruch. Die Pisten bleiben durch den Neuschnee weich und sind folglich schon nach wenigen Fahrten uneben. Falls die Piste nicht in makellosem Zustand ist, liegt es aber nicht etwa an der Motivation oder dem Willen, sondern an schwierigen Schnee- oder Wetterverhältnissen.

Olympiasieger Gian Simmen im Snowpark Grindelwald-First ©jungfrau.ch

Mit Rücksicht auf die Natur

Die Pistenbullyflotte ist während der Saison rund 16’800 Stunden im Einsatz und besteht aus 21 Fahrzeugen. Die Anschaffungskosten beziffern sich auf 8,4 Millionen Franken. Bei der Pistenpräparation setzen die Jungfraubahnen auf Energie-Effizienz und modernste Technik. Sämtliche Pistenfahrzeuge sind mit dem Ressourcen schonenden Schneehöhen- und Flottenmanagementsystem SnowSat ausgestattet. Dieses ausgeklügelte System zeichnet bei der täglichen Pistenpräparation die Höhe der Schneedecke auf und gibt damit direkte Rückmeldung an den Fahrer für eine optimale Schneeverteilung. Mit Hilfe von SnowSat kann mit weniger Schnee mehr Pistenfläche bei besserer Qualität erstellt werden. Durch die Kenntnisse über die Schneedecke werden Schäden an der Vegetation vermieden. Am Ende der Saison können die Flächen zentimetergenau vom Schnee befreit werden. Somit entstehen optimale Voraussetzungen für eine möglichst baldige Entwicklung der Vegetation.

Pistenbullyfahrer geniesst die Abendstimmung ©jungfrau.ch

Über 250’0000 Franken pro Tag für den Wintersport

Damit die Gäste während der gesamten Skisaison auf perfekt präparierten Pisten die Hänge hinuntergleiten können, investieren die Jungfraubahnen jährlich 30 Millionen Franken in das Skigebiet Grindelwald – Wengen.  Mit rund 120 Betriebstagen pro Winter ergibt dies 250’000 Franken pro Wintersporttag. Manch ein Skifahrer schluckt leer, wenn er rund 70 Franken für einen Tages-Skipass bezahlen muss. Berücksichtigt man jedoch die hohen Investitionen und täglichen Kosten, die für den Skibetrieb anfallen, ist der Preis der Tageskarte durchaus gerechtfertigt.

Über die Autorin

Daniela Roth arbeitet als Projektleiterin PR/Sponsoring bei der Jungfraubahnen Management AG und absolviert zurzeit den CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW. Im Winter verbringt die leidenschaftliche Snowboarderin möglichst viel Zeit auf den Pisten.