Von Sonnendächern zu schwimmenden Autos: Wenn Visionen Wirklichkeit werden

Viele Produkte, die wir heute als selbstverständlich erachten, sind den visionären Ideen ihrer Erfinder entsprungen. Nicht alle Visionen werden automatisch erfolgreich, dennoch ist auch im Marketing eine visionäre Sicht gefragt, um den unternehmerischen Erfolg zu unterstützen und sich von der Masse zu unterscheiden. Die Firma Rinspeed AG durchbricht immer wieder Grenzen und überrascht mit neuen Ansätzen.

Herr Rinderknecht, Sie stehen für visionäre Fahrzeuge wie wohl kaum ein anderer. Waren Sie schon immer von Visionen geprägt und waren für Sie Grenzen eher eine Herausforderung?

Schon als Jugendlicher hat mich der Kreativitätsvirus erreicht. Mir macht es Spass Dinge zu verändern, Grenzen zu verschieben und dem typisch schweizerischen «Ja, das gaht doch nöd» Stirn zu bieten.

Sie begannen mit dem Import von Sonnendächern und stellten Fahrzeuge für Behinderte her. Danach änderten Sie mit der Rinspeed AG Ihre Ausrichtung und begannen revolutionäre Autos zu konzipieren. Warum dieses unternehmerische Risiko und hatten Sie jemals Angst zu scheitern?

Wie besagt das bekannte Sprichwort so schön – «no risk no fun»? Spass beiseite, wenn man Grenzen verschieben und wachsen will, gehört auch Mut zum Scheitern dazu. Angst ist ein wichtiges und ernst zu nehmendes Warninstrument, nur darf diese nicht lähmen.

Das Konzeptfahrzeug sQuba © Rinspeed AG

Wie wichtig war das Marketing, um Ihre visionären Fahrzeuge einem breiteren Publikum zugänglich zu machen?

Marketing und Kommunikation ist und war für die Konzeptfahrzeuge ein äusserst wichtiger Schlüsselfaktor. Ohne diese wäre auch der «Return» nicht befriedigend. Schlussendlich sind die Konzeptfahrzeuge ja auch ein Kommunikationswerkzeug mit welchem wir weit über eine Milliarde Menschen pro Fahrzeug erreichen.

Welche Marketinginstrumente nutzt die Rinspeed AG, gerade in dieser schnelllebigen, digitalen und vernetzten Welt?

Unsere Kommunikation ist vollständig digital aufgebaut. Als einzige kleine Ausnahme gibt es immer noch ein gedrucktes Pressebuch.

Viele Marketingabteilungen sind in relativ starren Strukturen und Prozessen gefangen. Wie bedeutend ist es aus Ihrer Sicht, dass auch das Marketing visionäre Ideen umsetzen kann?

Natürlich kann und soll Marketing visionäre Ideen umsetzen. Zumal heute bereits sehr viel schnelle digitale Kanäle wie Twitter, etc. aktiv und erfolgreich genutzt werden. Aber auch im Marketing braucht anders Sein Mut, aber der fehlt leider oft.

Das Konzeptfahrzeug Dock+Go © Rinspeed AG

Gibt es eine verrückte Idee in Form eines Autos, die Sie gerne realisieren würden?

Das Verb verrücken bedeutet in der deutschen Sprache ja «bewegen». Und solange ich Konzeptfahrzeuge baue, will ich bewegen. Normales oder «Me too» liegt mir nicht.

Welchen Rat würden Sie angehenden Marketingfachleuten geben?

Ich sehe davon ab Ratschläge zu geben. Ich möchte nur Denkanstösse vermitteln. Und zu diesen gehört einer meiner wichtigsten Leitsätze das zu tun, was Spass macht, damit kommt dann automatisch auch Erfolg und somit Geld. Andersrum funktioniert diese Aussage nur sehr beschränkt.

Über Frank M. Rinderknecht

Frank M. Rinderknecht wurde 1955 in Zürich geboren. Nach dem Gymnasium in Zürich, zog es Ihn für zwei Jahre nach Los Angeles. Danach begann er ein Maschinenbaustudium an der ETH. Nebenbei importierte er Sonnendächer aus den USA. Die Rinspeed AG gründete er 1979. Frank M. Rinderknecht hat eine Tochter und interessiert sich für Nautik, Computer und Reisen.

www.rinspeed.eu

Multisensorische Markenführung als Differenzierungspotenzial

Der zunehmende Informationsüberfluss sowie die stetig steigende Zahl von Kommunikationskanälen zwingt Unternehmen, neue Wege zu beschreiten, damit sie sich von ihren Konkurrenten differenzieren können. Obwohl immer mehr Unternehmen das Potenzial der Multisensorik bewusst wird, handelt es sich in den meisten Fällen noch um zusammenhangslose Konzepte. In der Master-Arbeit von Miriam Benz wurden die einzelnen Gestaltungselemente der multisensorischen Markenführung analysiert. Diese Elemente integriert und kohärent aufeinander abzustimmen und an jedem Berührungspunkt zwischen Marke und Kunde einzusetzen, ist das Ziel jedes Unternehmens. Dabei sollte jedes eingesetzte Element auf die Marke hinweisen und dem Kunden ein neues Mass an Vertrautheit verleihen.

Die Elemente, welche über das Auge, die Ohren, die Nase, die Haut sowie über den Mund aufgenommen werden, konnten durch die detaillierte Untersuchung der einzelnen Dimensionen der Sinneswahrnehmung eruiert werden. Da deren Bedeutung je nach Branche unterschiedlich ausfällt, wurde die Automobilbranche und im Besonderen die Marke MINI näher untersucht. Anhand der Expertengespräche wurden die angewendeten Gestaltungselemente der Marke MINI bestimmt. Es hat sich herausgestellt, dass MINI multisensorische Elemente in der Produkt- als auch der Kommunikationsgestaltung aufweist, wobei der Fokus klar auf der visuellen Ansprache liegt. Im Bereich der Kommunikation setzt das MINI Brand Management überwiegend visuelle und akustische Elemente ein. Das klar definierte Brand Design, welches sich durch die rechtwinkligen Formen und den bunten Akzentfarben auf schwarzem Grund beschreiben lässt, wird dabei an jedem Kontaktpunkt, wie Flyer, Werbung, Messen oder Vertriebe, strikt umgesetzt. Daneben werden akustische Elemente, wie die Musik in Vertrieben und Kooperationen mit Künstlern, in die Kommunikation miteinbezogen. Im Bereich der Markenführung wurden mithilfe von Duftelementen bereits Konzepte oder Tests, sowohl in der Produkt- als auch der Kommunikationsgestaltung, durchgeführt. Zu einer standardisierten Umsetzung eines Markenduftes ist es bis heute jedoch noch nicht gekommen. Der Geschmackssinn ist in der Kommunikationsgestaltung einer Automobilbranche als weniger wichtig zu betrachten. Doch vor allem während des Verkaufsgesprächs und an Events bieten sich Einsatzmöglichkeiten. In der Produktgestaltung dominiert das charakteristische Design der MINI-Modelle mit runden Formen. Auch die restlichen Sinne werden durch das Motorengeräusch, die Klänge der Geräte sowie die Beschaffenheit und den Geruch der verwendeten Materialien angesprochen. Weiterlesen