Chat-Bot für das Institut für Marketing Management

Von Dr. Michael Klaas

Glaubt man führenden Technologieanbietern wie Facebook, Google oder Microsoft wird sich unser Verhältnis zu Maschinen und Computersystem in Zukunft stark verändern. Die intelligente Automatisierung in der Kommunikation und in den Prozessabläufen, bildet die Grundlage für diesen Wandel. Speziell das Marketing und der Service rücken, neben den bekannten Potentialen im Bereich Industry 4.0, immer mehr in den Fokus.

Social Media und Bot Verknüpfung

So lassen sich z.B. über intelligente Automatisierungssysteme Kundenanfragen nicht nur an die richtige Stelle im Unternehmen weiterleiten, sondern mittlerweile auch schon ohne Zutun der Servicemitarbeiter beantworten. Dies alles in einem Sprachstil, den die Kunden nicht vom Schreib- oder Sprachstil eines «realen» Servicemitarbeiters unterscheiden können.

Auch werden diese Systeme immer stärker zur Vermarktung von Produkten und Serviceleistungen eingesetzt, indem ein Bot mit Social Media Plattformen wie Twitter oder Facebook verknüpft wird oder die Inhalte von Newslettern autonom und auf den einzelnen Interessenten zugeschnitten zusammenstellt oder gar formuliert.

Diese Systeme, Bots genannt, sind im Kern nichts Anderes als Computerprogramme, welche weitgehend selbständig Daten lesen, interpretieren und entsprechend der Interpretation Entscheidungen treffen können. Diese Bots sind nicht neu. So entwickelte Joseph Weizenbaum am MIT schon 1966 ELIZA, ein Bot der natürlichen Sprache als Kommunikationsbrücke zwischen Mensch und Computer nutzen sollte. Die steigende Verfügbarkeit von Daten und die steigende Leistungsfähigkeit von Computersystemen, ermöglichen es, solche Lösungen nun auch der breiten Masse zu Verfügung zu stellen und ihnen wird ein hohes Potential nachgesagt.

Dieser Chat-Bot ist neu für das Institut für Marketing Management im Einsatz

Einfache Anwendung von Chat-Bots

Speziell Chat-Bots erfreuen sich momentan einer grossen Popularität und werden vor allem im Kundenservice oder für spezifische Marketingaufgaben eingesetzt. Chat-Bots haben den grossen Vorteil, dass sie bestehende Strukturen nutzen können. Das heisst, die Anwender müssen keine weitere App installieren, sondern ein Bot kann über bestehende Plattformen wie Facebook Messenger, Telegramm, Twitter oder die eigene Website kommunizieren.

Dabei kann er auf unterschiedliche unternehmenseigene und unternehmensfremde Systeme zugreifen, um auf die Anfragen der Kommunikationspartner zu reagieren. So kann er auf der einen Seite z.B. Daten aus Facebook nutzen, um den Anwender korrekt anzusprechen, diese Informationen mit dem eigenen CRM System abgleichen und entsprechend der laufenden Kampagnen und der Historie mit dem Kunden, mit dem Anwender kommunizieren.

Je nach Komplexität des eingesetzten Bots ist dies mehr oder weniger intelligent. Heute agieren viele Bots nach dem Schema: Wenn Kunde «A» sagt, sage ich «B» oder «C». Aber es gibt auch selbst lernende Bots, die durch die Interaktion mit den Usern lernen und neue Kommunikationsmuster aufbauen können.

Einfache Anwendung des Chat-Bots, gleichzeitig muss er noch viel lernen

Marketing Automatisierung Trendthema in der Weiterbildung

Da dieses Thema für uns speziell in der Aus- und Weiterbildung immer relevanter wird und die Gewichtung des Themas in den letzten Monaten stark zugenommen hat, ist das Thema Marketing Automatisierung auch Teil vieler Lehrveranstaltungen, wie unser CAS Digital Marketing oder der CAS Marketing Analytics. Jedoch war uns eine Betrachtung nur über Cases anderer Unternehmen zu wenig. Um zu sehen, wie komplex es ist (oder wie einfach) einen eigenen Bot auf die Beine zu stellen, haben wir unseren IMM-Bot kreiert. Dieser liefert im Moment über den Facebook Messenger Informationen zum CAS Digital Marketing. Es ist zugegebenermassen noch recht dumm, aber er lernt ständig dazu und wir hoffen, dass er in Zukunft viele Anfragen von Interessenten an der Weiterbildung sofort zufriedenstellend beantworten kann. Wer Interesse hat, kann den Bot zum CAS Digital Marketing gerne ausprobieren (ein Facebook Account ist Voraussetzung): https://goo.gl/zDTTpN

Haben Sie Fragen zum Thema Bots?

Dr. Michael Klaas, 058 934 66 07, michael.klaas@zhaw.ch

Il Volo: Die Überflieger aus Italien mit klassischer Musik und emotionalem Marketing

Das harte Musikbusiness ist nichts für schwache Nerven. Um hier Erfolg zu haben, braucht es mehr als nur Talent. Drei junge Italiener zeigen nun, dass man auch klassische Musik modern interpretieren kann und verkörpern damit die neuen drei Tenöre. Die Gruppe Il Volo ist mittlerweile international sehr erfolgreich unterwegs, dennoch haben die Musiker Zeit gefunden, uns ein paar Fragen zu beantworten und uns einen kleinen Einblick zu gewähren.

In wenigen Jahren habt Ihr diverse höchst erfolgreiche Alben veröffentlicht. Ihr habt das Festival von Sanremo gewonnen und seid weltweit aufgetreten. Wie erklärt Ihr Euch diesen Erfolg, mit einem nicht ganz einfachen Genre dem lyrischen Pop-Gesang?

Es ist nicht ganz einfach und mathematisch zu erklären, warum ein Lied, eine Person oder ein Modetrend erfolgreich ist… Was unseren Fall anbelangt, vielleicht sind wir in die Musikwelt eingetaucht, in einem Moment, wo dieses musikalische Genre gefehlt hat. Schlussendlich besteht dieses Genre aus Liedern, die sehr erfolgreich sind, schönen Melodien und einer Interpretation, die sich aus drei Stimmen zusammensetzt, die sehr gut und natürlich miteinander harmonieren.

Gianluca Ginoble, Ignazio Boschetto und Piero Barone (vlnr.) © Il Volo Music

Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit von Il Volo zu den berühmten drei Tenören. Wer hat die Idee gehabt, Euch zusammenzuführen und war dieser Erfolg vorhersehbar?

Wir würden nicht sagen, dass wir ähnlich sind, sondern, dass wir uns an diesen drei grossen Phänomenen inspiriert haben. Imitieren kann man sie nicht, denn sie haben eine Serie von Auftritten realisiert, die man nicht wiederholen kann. Natürlich bestand der Traum und auch die Hoffnung, diesen Erfolg vielleicht nicht zu wiederholen, aber wenigstens in Erinnerung zu rufen. Nicht mit diesen drei grossen Heiligen, aber mit drei jungen Männern, die enthusiastisch und leidenschaftlich sind.

In unserer Gesellschaft, sind wir es gewohnt mittlerweile auch eine gloablisierte Musik zu bekommen. Wie erklärt Ihr Euch das Phänomen des lyrischen Pops? Es gibt sogar immer mehr Jugendlichen, die dank Il Volo beginnen klassische Musik zu hören…

Dies unterstreicht die These, dass eine schöne Musik, weder der Zeit, noch der Mode folgt. Wir interpretieren mit der gleichen stimmlichen und emotionalen Leistung die Lieder auch heute noch, wie zum Beispiel „L’amore si muove“ oder „Nessun Dorma“ und das Publikum gibt uns Applaus und Standing Ovations in gleicher Weise, unabhängig vom Alter, ob es eine Mutter, ein Grossvater, eine Gruppe von Teenagern oder Jugendliche sind. Aber natürlich ist es wahr, dass wir Arien, Lieder und Balladen aus berühmten Opern weltweit entdecken lassen, die vielleicht aus dem letzten Jahrhundert sind.

Welche Rolle spielt aus Eurer Sicht das Marketing in diesem doch harten Geschäft? Es sind ja auch viele Künstler unterwegs, die Erfolg haben wollen…

Wir wissen nicht, ob es die Musik oder das Marketing ist, die das Geschäft beeinflussen. Wir glauben, dass ein neues Marketing eher vom Internet oder von den Social Media kreiert wird. Den Erfolg zu suchen? Das ist eine schwierige Aufgabe und vielleicht ist es die Zusammensetzung von Talent, Glück, Zufall und einer grossen, grossen Bestimmtheit, die das wirkliche Marketing ausmachen.

Wie nutzt Il Volo das Marketing und wie integrieren Sie die digitalen Kanäle?

Auf diese Frage könnten unsere Mitarbeiter am besten Auskunft geben, vor allem natürlich unser Management und unsere Plattenfirma, sowie unsere Web-Experten. Von unserer gesanglichen Seite, können wir aber sagen, dass wir sehr aufmerksam und informiert sind. Wir nützen in konstanter Weise diese Mittel, um einen engeren Kontakt mit dem Publikum zu haben.

Il Volo ist ein globales Phänomen geworden. Welchen Einfluss hat dies auf das Marketing? Wie schafft Ihr es adäquate Inhalte für die diversen Geschmäcker zu bieten?

Wir reden hier ganz klar von einem künstlerischen Projekt und nicht von Marketing. Vielleicht gibt es auch ein emotionales Marketing, aber zu diesem Zeitpunkt versuchen wir das zu kommunizieren, was wir selbst fühlen. Der globalisierte Geschmack führt uns wieder zur schönen und weniger schönen Musik, Musik für einen Moment und einer ewigen Musik. Natürlich sind auch wir geführt von einem Manager, mit einer grossen internationalen Erfahrung und natürlich einer Plattenfirma, die auf der ganzen Welt präsent ist. Unsere Projekte sind so aufgebaut, dass sie ein Publikum über drei Generationen erreichen können und damit auch diese Geschmäcker befriedigen können.

Emotionales Marketing als Schlüssel zum Erfolg © Il Volo Music

Wie präsentiert sich die Zukunft für Euch? Könnt Ihr vielleicht längerfristig Die drei Tenöre sogar ersetzen?

Die drei Tenöre kann man in keinster Weise ersetzen. Ihre Erfolge in Erinnerung zu rufen, das ist möglich. Wir hoffen auf einen längerfristigen Erfolg. Wir sind Tag für Tag mit einem grossen Einsatz und einer grossen Arbeit dabei.

Könnt Ihr einen Ratschlag für junge Studenten geben, die Marketing studieren?

Es ist eine wichtige Disziplin, aber begrenzen wir sie nicht nur mit Nummern und Statistiken. Das Publikum hat ein Herz und eine Seele und wird nicht nur durch eine zu installierende App geführt. Man muss auch an das emotionale Marketing denken.

 

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Innovation im Game Universum: Gamification trifft auf User-Generated Content

Beitrag von Anna Rozumowski

Gamification ist momentan in aller Munde. Es sind nicht nur Nerds, die sich an den Spielen erfreuen. Mittlerweile hat das Game-Fieber auch die Firmen erreicht. Mercedes-Benz war mit Urban Hunt schon früh dabei. Pokémon Go war ebenfalls ein grosser Erfolg. Gute Aussichten also für das Start-up Struckd, das Spieler und Spieleentwickler zusammenbringt. Diese Plattform verbindet Gamification mit User-Generated Content. Die Entwickler Flurin Jenal und Silvan Bauser waren mit dieser App sogar unter den Finalisten für den Venture Award für die beste Business Idee nominiert.

Herr Jenal, eine «einfache Spieleentwickler-App» klingt nach einem komplizierten Unterfangen, wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich habe selbst sehr früh mit Spieleentwicklung begonnen, danach 5 Jahre lang Game Design studiert und ging dann mit diesem Know-How und mit erhobener Brust raus in die Wirtschaft. Doch dann kam der Reality-Clash. Als Game-Entwickler ist es enorm schwer, sich über Wasser zu halten. Als ich ein echtes Business aus meiner Leidenschaft kreieren wollte, musste ich zuerst umdenken. Ich kam auf die Idee, dass es der Welt einen grösseren Mehrwert bringt, wenn ich ein neues, grossartiges Tool für Gamekreation erschaffe, anstatt das millionste Indiegame rauszubringen.

Neue Wege in der Spielentwicklung und Mehrwert für die Community © Struckd

Wie verlief der Prozess der Gründung Ihres Start-ups? Gibt es Tipps, welche Sie an künftige Gründer oder kreative Köpfe weitergeben können?

Bei mir persönlich ging es sehr schnell bergauf, nachdem ich das Verkaufen und das Business hinter den Gaming-Ideen lieben gelernt habe. Mit einem kreativen Hintergrund fiel mir das lange Planen schwer, aber im Moment, als ich realisierte, wie viel Kreativität der Aufbau eines innovativen Businessmodells benötigt, hat es Klick gemacht. Ich konnte fortan meine Stärke dort zum Einsatz bringen. Frühes, schnelles Testen und das Produkt schnell an den Markt anpassen zu können, ist essenziell.

Struckd ist ein ZHdK Alumni-Startup, wie wichtig sind euch solche Verbindungen? Inwieweit können Sie davon profitieren?

Der ZHdK verdanke ich viele Skills! Ohne diese Skills hätte ich nicht den wertvollen Gesamtüberblick über die Game-Entwicklung. Heute sind wir immer noch gut mit der ZHdK verbunden und tauschen uns mit den Studierenden aus oder holen sie bei Struckd ins Boot.

Die Köpfe hinter Struckd, links Flurin Jenal und rechts Silvan Bauser © Struckd

Das Geschäftsmodell von Struckd basiert auf Sponsored Content, wie konnten Sie bereits Interessenten gewinnen?

Unser erster Investor hat ein erstklassiges Netzwerk und Partner. Unsere heutigen Deals lassen sich auf eine Art und Weise immer noch auf dieses Netzwerk zurückführen. Mit den ersten Kundenreferenzen im Gepäck, konnten wir anschliessend auch leichter immer wieder selbst neue Kunden akquirieren.

«build – play and share» ist Ihr Leitsatz. Wie kommen Sie an Ihre Community? Wie hat sich die Community entwickelt?

Die Community besteht hauptsächlich aus kreativen Gamerkids und -teens. Viele spielen Minecraft oder Roblox und verbringen Zeit in YouTube. Wir kennen die Zielgruppe und dementsprechend auch die Marketingkanäle. Wir platzieren Struckd clever im Internet und somit wächst die Community organisch schon so sehr, dass wir keinerlei zusätzliche Marketingausgaben brauchen. Parallel entwickeln wir die Plattform zur coolsten Gamingplattform weiter, so dass die Kids ihren Freunden davon erzählen und von sich aus neue Spieler bringen. Momentan verbringen monatlich 20’000 Benutzer ihre Zeit auf der Plattform.

Organisches Wachstum bei der Gamingplattform © Struckd

Welche Marketinginstrumente verwenden Sie, um Ihre Plattform bei Firmen und Privatpersonen zu vermarkten?

Bei den Privatpersonen fokussieren wir auf den Aufbau der Community, damit Spieler Struckd weiterempfehlen, YouTube Videos darüber aufzeichnen und ihre Gamekreationen auf Facebook posten. Bei den Firmenkunden ist momentan noch sehr viel old-school Handakquise angesagt, wenn Struckd dann aber bald das Internet überschwemmt, werden die Firmen auch auf uns zukommen 😉

Der Weg zum Erfolg ist nicht einfach, aber das Start-up hat klare Ziele © Struckd

Wie sehen die Zukunftspläne von Struckd aus? Können Sie einen Trend erkennen?

In Zukunft wollen wir, dass Kids auf einfachste Weise den Traum ihres eigenen Games verwirklichen können und gleichzeitig Firmen den Dialog zu dieser jungen Zielgruppe über das Medium Games finden. Zwei sehr wichtige Features in unserer Pipeline wird noch der Multiplayermodus sein, sowie das Hochladen von eigenen 3D Modellen ins Struckd Universum. Des Weiteren sind wir natürlich immer offen für interessierte neue Teammitglieder!

Mehr über Struckd

https://struckd.com/

https://www.facebook.com/struckdgame/

https://www.youtube.com/channel/UCc8UC-vZPPY9ypViAsBLzqQ

https://twitter.com/struckdgame

Download App:

https://itunes.apple.com/ch/app/struckd-build-your-game/id1128710296?mt=8

https://play.google.com/store/apps/details?id=com.struckd.game

 

Magie 2.0 dank iPad Zauberer Simon Pierro

Mit Zauberei verbinden viele nostalgische Gefühle. Mittlerweile macht die Digitalisierung aber auch vor dieser Kunst nicht halt. Der Zauberstab wird, zumindest von einem Magier, durch das iPad ersetzt. Simon Pierro ist der iPad Zauberer und verblüfft mit unglaublichen Tricks.

Herr Pierro, Sie sind Zauberer und verbinden in magischer Weise diese alte Kunst mit der digitalen Welt. Mit Ihrer iPad Zauberei haben Sie ein komplett neues Genre erschaffen. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Bereits als Kind war ich technikbegeistert, ich habe mir mit zwölf Jahren meinen ersten digitalen Organizer gewünscht, obwohl ich gar keine Termine hatte. Später studierte ich Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Informatik. Irgendwann verband ich dann meine Liebe zur Zauberei mit meinem technischen Know-How. Bereits viele Jahre bevor das iPad herauskam, zauberte ich mit Projektionen auf Leinwänden und Fernsehgeräten. Als Apple dann das iPad vorstellte, nutzte ich als erster Magier dessen Apps als eine Art Zauberkasten.

Die Digitalisierung ist Bestandteil unserer Gesellschaft und dennoch faszinieren Ihre Tricks Gross und Klein. Ist es ein schönes Gefühl Menschen noch verblüffen zu können?

Ich denke, gerade weil die Digitalisierung Bestandteil unseres Lebens ist erhält meine Kunstform so viel Aufmerksamkeit. Jede Branche und auch viele Menschen versuchen ihre eigene Antwort auf die Herausforderungen der veränderten Welt zu finden. Umso spannender sind Erfolgsgeschichten, die von Chancen der Veränderung erzählen. Zudem zaubere ich mit einem iPad und nicht mit einer schwarzen mysteriösen Box, in der Spiegel und doppelte Böden Platz hätten. Jeder weiss, was das iPad kann und was es nicht kann – letzteres mache dann ich möglich. Es ist fast so, als hätte jeder Zuschauer die Zauberbox schon vorher ausgiebig untersuchen dürfen.

Zum Beispiel weiss jeder, dass man auch mit der besten App kein Bier aus dem iPad zapfen kann – wenn ich es in der Hand halte, dann klappt das aber!

Generell ist es natürlich so: Ob analog oder digital, das Ziel eines Magiers ist zu verblüffen… Dass mir dies so gut gelingt, das ist tatsächlich ein sehr schönes Gefühl.

Können Sie uns einen kleinen Hinweis geben, wie Ihre Zauberei funktioniert? Ein paar fleissige Helferlein in Form von Programmierern müssen doch mitwirken…

Natürlich! Ich arbeite meist mit sehr kleinen Teams intensiv zusammen. Für meine iPad Magie habe ich seit dem ersten Tag einen hochgradig talentierten Programmierer, der meine Wünsche und Ideen in digitale Zauberformeln transferiert hat. Für spezielle Anwendungen wie zum Beispiel Augmented Reality Illusionen holen wir uns dann gezielt Expertise dazu. Da sind neben Programmierern Grafik-Designer, Requisiteure, Kameraleute und auch andere Zauberer eine Bereicherung.

(c) Simon Pierro

Wie wichtig ist das Marketing im harten Geschäft der Magier und Zauberer?

Während viele Zauberer eher Sorge trugen, dass YouTube der Platz sein wird, an dem Tricks verraten werden, machte ich die Plattform zu meiner digitalen Bühne, meinem virtuellen Las Vegas sozusagen und erreichte auf diesem Wege über 100 Millionen Menschen. Soziale Medien und Videoplattformen sind eine grossartige Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen und ein unglaublich schneller, bilateraler Kommunikationskanal. Die unmittelbaren Reaktionen meines Publikums, ob Lob oder Kritik, sind für mich wertvolle Impulse, und nicht selten Initialzündung für meine nächste Illusion.

Welche Marketinginstrumente nutzen Sie?

Wo es Erfolg gibt, da bleiben Nachahmer nicht aus… Also beschäftigen wir uns neben der stetigen Entwicklung von kreativen Guerilla-Marketing-Kampagnen in Form von YouTube Clips (wie z.B. dem Vorführen von Zaubertricks für Schimpansen oder dem Herausklettern von Spinnen aus dem iPad im Aufzug) natürlich auch mit „klassischen“ Marketing-Massnahmen wie Suchmaschinenoptimierung und Adwords-Anzeigen.

Das Marketing-Rad steht im Grunde nie still: meine Fernsehauftritte erzeugen Traffic auf meinen Social-Media-Kanälen, und wenn Sie nun, mit diesem Interview, die Worte „iPad Zauberer“ mit meiner Website verlinken, dann ist schon wieder ein kleiner Schritt getan.

Darüber hinaus werde ich selbst bzw. meine iPad Magie mitunter als „Marketing-Instrument“ genutzt. Speziell in der Live-Kommunikation, bei Kundenevents, soll häufig das Produkt oder die Dienstleistung des Auftraggebers hervorgehoben werden. Dazu produziere ich gerne kurze Videos, die den Kunden die Möglichkeiten individueller Anpassungen veranschaulichen. Hier ein Beispiel von Customizing Optionen

Ihr Bekanntheitsgrad wird stetig grösser, wie schafft man es immer wieder neue Tricks oder Ideen zu kreieren?

Seit Jahren produziere ich kontinuierlich neue Inhalte und erfinde nie dagewesene Kunststücke. Wer mich neu entdeckt, der hat erstmal einige Stunden Videos auf YouTube nachzuholen! Ich habe übrigens keinen festen Veröffentlichungsplan, sondern produziere immer nur dann neue Inhalte, wenn ich etwas zu erzählen bzw. vorzuführen habe. Ich empfinde die Zeit meiner Zuschauer als wertvoll und möchte sie auch nur dann in Anspruch nehmen, wenn ich dahinterstehen kann.

Durch die kontrovers diskutierte Reizüberflutung & Overnewsing-Tendenzen in unserer durchdigitalisierten Welt entstehen für mich ständig neue Impulse von aussen, die ich dann in neue Vorführungen umwandeln kann. So waren zum Beispiel auch kleine Updates beim iPad eine regelmässige Quelle von Ideen: Als das iPad 3 gerüchteweise schwerer sein sollte als der Vorgänger, da entwarf ich eine „Helium App“. Einmal den digitalen Ballon auf dem iPad aufgepustet und das Tablet begann zu schweben.

(c) Simon Pierro

Was können Marketingmenschen von der Zauberei lernen?

Das zu beantworten will ich mir gar nicht anmassen. Mitunter scheint mir Marketing der Zauberei sehr nahe. Das jedenfalls denke ich mir manchmal, wenn ich mich wieder von einer Werbung magisch angezogen werde – für ein Produkt, das ich gar nicht brauche, aber dann unbedingt haben will.

Zauberer verkaufen Träume, Marketingmenschen mitunter ebenfalls. Und wer Träume weckt, will natürlich nicht enttäuschen.

Der legendäre amerikanische Rechtsanwalt und Magier Karl Germain (1878-1959) sagte mal, der Zauberer sei stets ehrlich: „Der Magier verspricht zu täuschen und dies tut er dann auch!“

Wenn Sie im Marketing etwas verzaubern könnten, was wäre das?

Ich würde den Vermarktungszyklus verzaubern und einfach umkehren. Erst kommt die tolle Marketing-Kampagne, der phantastische Slogan und darauf basierend wird das passende Produkt produziert – oder gezaubert.

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