Mit Online-Finanzplanungstool zur individuellen Planung der Finanzen

Die Finanzbranche ist durch die Digitalisierung grossen Veränderungen ausgesetzt. Viele Finanzinstitute reagieren auf diese Entwicklung oft mit Massnahmen, welche sich auf einzelne Schnittstellen beschränken. Anders die Braingroup: gemeinsam mit dem Institut für Wealth und Asset Management und dem Institut für Marketing Management der ZHAW verfolgt das FinTech-Unternehmen einen gesamtheitlichen Prozess, um die Interaktion mit ihrem Finanzplanungstool zu transformieren.

Die Braingroup ist ein FinTech-Unternehmen aus Zürich, welches Banken und Versicherungen bei der digitalen Transformation von Beratungs- und Verkaufsprozessen unterstützt.

Bereits in der Vergangenheit, hat die Braingroup diverse Finanzplanungstools entwickelt, welche primär für die Bedienung durch einen Experten konzipiert wurden. Die Braingroup wollte nun das Bedürfnis von Retail-Kunden nach einem Online-Finanzplanungstool, in welchem die Finanzen individuell geplant werden können, erfüllen.

Wie auf untenstehender Abbildung dargestellt, soll der Retail-Kunde durch das Finanzplanungstool «Omnium Planify» befähigt werden, seine Finanzen über mehrere Lebensabschnitte zu verwalten. Verschiedene Online-Rechner und Informationen zu Finanzthemen ermöglichen es dem Anwender, eigene Finanzen weitgehend selbstständig zu planen. Die Unterstützung durch Experten erfolgt dann dort, wo komplexe Fragestellungen dediziertes Fachwissen verlangen.

Das Finanzplanungstool «Omnium Planify» vereinfacht die Verwaltung eigener Finanzen © ZHAW/ Braingroup

Zusammenarbeit mit der ZHAW

Um herauszufinden, wie «Omnium Planify» für Retail-Kunden aufgebaut werden und einen Mehrwert erzielen kann, wurden Experten des Institutes für Wealth and Asset Management sowie des Instituts für Marketing Management der ZHAW School of Management and Law herangezogen. Die ZHAW unterstützte Braingroup mit empirischer Nutzerforschung und bei der Erarbeitung und dem Testen der Anwender-Oberfläche. Unterstützt wurde das Projekt weiter auch durch die eidgenössische Innovationsförderung «Innosuisse» und zwei Praxispartnern, der SwissLife und der Berner Kantonalbank.

Mittels Design Thinking zum Prototypen

Durch Desk-Research, repräsentative Umfragen und Tiefeninterviews mit der Zielgruppe gewann man Erkenntnis darüber, welche Lebensereignisse für die Finanzplanung relevant sind und bei welchen Planungsschritten die Anwender Hilfe benötigen. Die Erkenntnisse wurden in einem «Live-Event-Modell» zusammengefasst. In einer für die Deutschschweiz repräsentativen Umfrage konnte herausgefunden werden, dass 62% der Befragten für finanzielle Sicherheit und 56% für Ferien sparen. Um Nutzer möglichst schnell in die Finanzplanung einzuführen, wurden diese Ereignisse als Einstieg in die Finanzplanung gewählt.

Erkenntnisse aus repräsentativer Umfrage © ZHAW/ Braingroup

Mithilfe der ausgewerteten Resultate aus den ersten Phasen wurden Prototypen mittels Design Thinking in iterativen Design- und Test-Zyklen für das Finanzplanungstool erstellt. Aus diesen Zyklen ist nun ein grafischer Prototyp entstanden, welcher durch die Entwickler von Braingroup programmiert wird.

Spartipps für den Alltag

Während den empirischen Untersuchungen wurde das Bedürfnis nach Spartipps und finanziellen Hilfestellungen identifiziert und für die Online-Finanzplanung aufbereitet. An einigen dieser Spartipps möchten wir Sie natürlich teilhaben lassen:

  • Haben Sie mehrere Konten für verschiedene Sparziele (z.B. Steuern oder Ferien) eröffnet?
  • Sie können dadurch Ihre Selbstkontrolle erhöhen. Nutzen Sie die Sparkonten (ausser in Notfällen) nur für den bestimmten Zweck.
  • Haben Sie sich in letzter Zeit einen Überblick über Ihre diversen Abos verschafft? Ein Überblick kann aufzeigen, welche Abos inzwischen nicht mehr relevant sind. Kündigen Sie nicht genutzte Abos, da diese wiederkehrende Kosten verursachen.
  • Haben Sie einen genauen Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben und ein Budget erstellt? Es gibt online wie auch offline diverse Stellen, welche Sie bei der Erstellung eines Budgets unterstützen. Sie finden auf verschiedenen Websites (Budgetberatung: http://www.budgetberatung.ch; Schuldenberatung Kanton Zürich: www.schulden-zh.ch) Beispielbudgets, detaillierte Spartipps und weitere nützliche Informationen.

Zusammenarbeit mit der ZHAW

Möchten auch Sie den durch die Digitalisierung veränderten Ansprüchen Ihrer Zielgruppe gerecht werden und Ihr Geschäftsmodell erweitern oder gar verändern? Die Zusammenarbeit mit der ZHAW ermöglicht Ihnen, mittels aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen die Herausforderungen in der Praxis zu meistern.

Rafael Domeisen und Selina Grimm, beide Mitarbeiter der ZHAW, nehmen sich gerne Zeit, um mit Ihnen über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu sprechen.

MAS Product Management – Herzliche Gratulation an die neuen Absolventen

Von Dr. Helen Vogt

Das zunehmend heterogene Berufsbild des Product Managers sowie das Anforderungsprofil der Firmen an ihre Angestellten verändert sich stark. Das Aufgabengebiet wird strategischer und digitaler.

Mit der Weiterbildung zum MAS Product Management haben unsere Absolvierenden einen wichtigen Schritt in ihrer beruflichen Weiterentwicklung in der Tasche. Gleich in der ersten Arbeitswoche im 2019 konnten wir mit der Diplomfeier des MAS Product Management einen feierlichen Start ins neue Jahr hinlegen. Zwölf Teilnehmende haben ihre verfassten Masterarbeiten im Rahmen des Kolloquiums präsentiert, verteidigt und somit den MAS Product Management erfolgreich abgeschlossen. Wir gratulieren Baris Agbuga, Maria Bonomo, Mathieu Bussard, Pascal Henzmann, Andrea Giehl, Oliver Mews, Christina Schärer, Sarah Stämpfli, Sertac Tekin, Jlona Troll, Patrick Weber und Roger Zuberbühler herzlich zu dieser grossartigen Leistung!

Die neuen Absolventen des MAS Product Management

Ob ein neues Produkt toppt oder floppt ist kein Zufall. In der Weiterbildung zum zertifizierten Product Manager lernen und vertiefen die Studierenden die notwendigen Kompetenzen, um neue und bestehende Marktleistungen erfolgreich im Markt zu etablieren. In der abschliessenden Masterarbeit haben die Absolventen die Möglichkeit, diese Kompetenzen anzuwenden und komplexe Themenstellungen im Product Management wissenschaftlich und zugleich praxisnah zu untersuchen. Die Resultate beeindrucken mit den vielfältigen Themengebieten und den innovativen Lösungsansätzen. So wurde u.a. untersucht

  • wie die Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für neue Produkte und Geschäftsmodelle gemessen wird
  • wie im Kontext der Stromliberalisierung die Kunden gebunden werden können
  • wie neue Innovationsprozesse in etablierten Unternehmen effizient und messbar eingeführt werden sollten
  • welche kulturellen Voraussetzungen es braucht, um neue Geschäftsmodelle im Zeitalter von IoT zu entwickeln
  • wie ein integriertes B2B-Kundenbeziehungsmanagement für KMU gestaltet werden muss
  • worauf es beim Inbound und Cross-Channel Marketing ankommt
  • welche Erfolgsfaktoren im Online Marketing für Start-ups besonders wichtig sind
  • warum und wie die Marktpositionierung von bestehenden Produkten für die Automobilindustrie verbessert werden muss
  • welchen Einfluss Produktnutzer auf die Meinung von anderen Kunden haben
  • oder wie durch Unbundling bestehender Angebote die Kundenakzeptanz und Profitabilität erhöht wird.

Auch dieses Jahr konnten wir unsere Tradition fortsetzen und an der Diplomfeier die beste Masterarbeit bekanntgeben. Pascal Henzmann hat eine ausgezeichnete Arbeit zum Thema Kundenintegration im Innovationsprozess geschrieben. Darin wurde untersucht, wie und wo im Prozess die Einbindung von Kunden den grössten Mehrwert für die Firma bietet, aber auch welche Hemmnisse bestehen und welche internen Voraussetzungen es braucht, damit dies gelingen kann.

Die Abschlussarbeiten zeugen von einer hohen Kompetenz und Kreativität und zeigen auf, dass die MAS Studierenden in der Lage sind, wichtige Problemstellungen im Product Management zu identifizieren, eingehend zu untersuchen und zielgerichtet zu beantworten. Das ganze Team vom Institut für Marketing Management gratuliert den Absolventen des MAS Product Managementund wünscht ihnen viel Freude und Erfolg in ihrem weiteren Berufsleben.

Der MAS Product Management bildet seit acht Jahren Fachkräfte im Product Management aus, welche aus verschiedensten Industrien und Branchen stammen. Bei Fragen zum MAS Product Management dürfen Sie sich gerne an die Studienleiterin, Dr. Helen Vogt, wenden (helen.vogt@zhaw.ch, Tel. 058 934 66 99).

Babolat Play® Teil 2: Wie Digitale Zwillinge und Smart Connected Products das Customer Lifecycle Management verändern.

Von Linard Barth

In Teil 1 haben wir die Verwendung der durch Smart Connected Products generierten Daten im Product Lifecycle Management anhand des Babolat Play® Rackets beschrieben und wenden uns nun dem Customer Lifecycle Management durch die Babolat® App zu.

„Nach der Einführung von Babolat Play vor drei Jahren haben wir jede Menge positives Feedback erhalten, darunter auch viele Ideen und Verbesserungsvorschläge. Einer vielfach geäußerten Anregung kamen wir mit der Entwicklung einer ganz neuen App nach, die alle Tennis-Fans weltweit nutzen können, und nicht nur die, die mit vernetzten Produkten von Babolat spielen“, verrät Projektmanager Florent Isidore.

Dass Babolat durch die «Play & Connect App» nicht nur ein neues Kommunikations- sondern auch ein Innovationstool geschaffen haben, wurde ihnen selbst erst mit der Zeit bewusst:

Babolat® App, welche auch ohne Babolat Play® Racket verwendet werden kann ©Babolat

Mit dieser neuen App wendet sich Babolat an alle Freunde des Tennissports und weitet sowohl die Nutzerbasis als auch die Inhalte massiv aus – mit einer ganzen Reihe von Services, die es jedem ermöglichen, sich mit anderen über ihren Tennis-Alltag auszutauschen und natürlich Nachrichten aus der internationalen Tennis-Welt und die neuesten Infos über seine Lieblingsspieler zu erhalten In der App kann jeder sein eigenes Profil anlegen und seine Leistungen und Ergebnisse festhalten sowie seine Tennis-Termine und sogar sein Equipment verwalten. Außerdem ist es möglich, die Ergebnisse und Profile von Spielern einzusehen (Tabellenplätze, Nationalität, letzte Matches usw.). So kann man seinen Lieblings-Spielern folgen, aber auch seinen Tennis-Freunden und -Partnern, und im Newsfeed die neuesten Infos über sie abonnieren. Zudem gibt es ein neues soziales Netzwerk, in dem die Mitglieder sämtliche Tennis-News, -Inhalte und -Fotos mit anderen Fans teilen können. So findet das Tennis-Leben nicht mehr nur auf dem Platz statt, sondern lässt sich jederzeit auch in einem „digitalen Tennis-Verein“ erleben.

Aus dem digitalen Zwilling des Produktes wird somit ein digitaler Zwilling sämtlicher marktorientierten Aktivitäten eines Unternehmens: Die Community, der «digitale Verein» führt zu einem bidirektionalen Informationsfluss zwischen Babolat und den Kunden und – fast wichtiger – zum Kommunikationsinstrument der Kunden unter sich! Dadurch wird der digitale Zwilling zum hochdynamischen Kommunikations-, Interaktions- und Innovationstool und liefert zusätzlichen Value in allen Phasen des Customers Lifecycle Managements.

Digital Twin Framework für Customer Lifecycle Management mit Smart Connected Products (eigene Darstellung nach Fuchs & Barth (2018))

Die Produktinnovation hinsichtlich Smart Connected Product hat folglich eine ganze Reihe weiterer Innovationen ausgelöst, indem die in der Nutzungsphase über den digitalen Zwilling gewonnenen Daten sowohl intern für das Product Lifecycle Management (z.B. Optimierung des Schlägers) als auch zur Weiterentwicklung der Customer Experience eingesetzt werden. Durch die netzwerkartige Kommunikation und den exklusiven Zugang zur Tennis Community über die neue App hat sich Babolat zudem in die Pole Position gebracht für weitere kundenorientierte Innovationen und gleich noch einen USP als Sponsor gegenüber den Athleten geschaffen. Seit der Ankündigung des Babolat Play & Connect vor 6 Jahren hat das Unternehmen mehr Innovationen hervorgebracht als in den knapp 140 Jahren zuvor und durch die neuen Marketing-Instrumente stehen die Chancen auch für zukünftige Innovationen mehr als gut.

Fuchs, Rainer; Barth, Linard, 2018. Wie Smart Connected Products Kunden emotionalisieren. In: Rüeger, Brian; Hrsg., Hannich, Frank; Hrsg., Fuchs, Rainer; Hrsg., Müller, Steffen; Hrsg., Klaas, Michael; Hrsg., Suvada, Adrienne, Hrsg., Emotionalisierung im digitalen Marketing : erfolgreiche Methoden für die Marketingpraxis. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. S. 89-103.

http://www.babolat.com/insiders/de/tennis-rund-um-die-uhr-mit-der-neuen-app-von-babolat-0005/#.W-6YjqJp57Y

https://www.aargauerzeitung.ch/sport/tennis/nadals-mogelpackung-geht-es-um-ihr-racket-werden-aus-tennis-spielern-sensible-tueftler-132629761

Neue Geschäftsmodelle als Enabler neuer Geschäftsmodelle: Das Beispiel Airbnb und Airhosted

Von Manuel Holler

Mit dem Erscheinen von Airbnb auf der Bildfläche des Übernachtungsgewerbes ging ein Ruck durch die Branche. Der Marktplatz für die Vermittlung von privaten Wohnungen veränderte zum einen das klassische Hotelgeschäft, zum anderen aber auch das Reiseverhalten einer ganzen Generation in tiefgreifender Art und Weise. Wie sich Airbnb in seinem mittlerweile zehnjährigen Bestehen nicht nur als erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert hat, sondern auch als Enabler neuer Geschäftsmodelle fungiert, zeigt das Beispiel des Start-Ups Airhosted aus Zürich.

Sorgenfreies Airbnb Hosting © Airhosted

Airhosted betreibt seit einem Jahr erfolgreich einen Airbnb-Management Service in Zürich und hat hierbei auch die erste Home Sharing-Versicherung in Kooperation mit der Allianz Suisse lanciert. Bei Airhosted werden alle Dienstleistungen übernommen, welche bei Airbnb anfallen: Von der korrekten Vermarktung und Bilderstellung der Wohnung, Preisoptimierung, Gästekommunikation, Schlüsselübergabe bis hin zur Reinigung der Wohnung nach dem Gästeaufenthalt.

Hauptsächlich kümmert sich Airhosted dabei um private Kunden, welche eine ungenutzte Wohnung haben und mittels Kurzzeitvermietung zusätzliches Einkommen erzielen wollen. Dank dem Service können jene schnell und unkompliziert ihre Wohnung vermitteln und die eigenen Mietausgaben decken. Aus Geschäftsmodellsicht findet dabei ein Revenue Sharing-Konzept Anwendung. Je nach Umfang der erbrachten Dienstleistungen tritt der Wohnungsanbieter einen Anteil seines erwirtschafteten Umsatzes an Airhosted ab.

Airbnb-Management Services von © Airhosted

Auch für die Zukunft plant Airhosted, weiter auf dem Ökosystem von Airbnb aufzubauen. In einem nächsten Schritt soll in einer Portfolioerweiterung das Potential hinsichtlich des wachsenden Wohnungsleerstandes der Schweiz erschlossen werden. Zusammen mit dem Product Management Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist es Ziel, in einem Innosuisse-geförderten Projekt einen schlanken Prozess zu definieren, mit dem Wohnungsleerstand identifiziert und genutzt werden kann.

Ansprechpartner

Simon Ruckstuhl                                    Lukas Wartmann

Simon Ruckstuhl (simon@airhosted.ch) und Lukas Wartmann (lukas@airhosted.ch) sind Co-Founder der Airhosted GmbH. Airhosted ist ein professioneller Airbnb-Management Service aus Zürich und die erste Anlaufstelle für Kurzzeitvermietungen.

Product Management 4.0: Hilfe, meine Produkte werden digital! (Teil 2)

Von Linard Barth

Produkte erzeugen immer mehr Daten in allen Phasen ihres Lebenszyklus, wie wir in diesem Blog bereits mit den Beiträgen zu smarten Zahnbürsten und Tennisschlägern aufgezeigt haben. Doch die Reise ist noch lange nicht zu Ende – denn was passiert eigentlich mit dem sogenannten «Digitalen Zwilling» des Produktes, wenn zusätzlich die Daten aus dem Customer Lifecycle Management hinzukommen?

Die Antwort: Es entstehen weitere ungeahnte Möglichkeiten für Innovationen von Produkten und Services und natürlich auch für die Ausgestaltung des Customer Lifecycle Managements – die Daten fliessen ja nicht nur in eine Richtung!

Bis heute ist für viele Unternehmen die Kommunikation mit den Kunden nach dem Kauf des Produktes vorerst beendet und wird erst wieder aufgenommen, wenn der Kunde sich beim Unternehmen für eine Beschwerde, Reparatur oder einen Neukauf meldet. Automatisch «getriggerte» Marketing Massnahmen wie die standardisierte Nachfrage nach Kundenfeedback einige Wochen nach dem Kauf oder die Unterbreitung eines Angebots für einen Wiederkauf kurz vor Ablauf der üblichen Nutzungsdauer erreichen nur wenige Kunden und sind nicht wenigen ein lästiges Ärgernis.

Durch Digitale Zwillinge von Smart Connected Products verändern sich die Interaktionsmöglichkeiten mit den Kunden während der Nutzungsphase der Produkte nun aber grundlegend. Zum einen hat das Unternehmen eine massiv umfangreichere Datengrundlage für die individualisierte Ansprache der Kunden, zum anderen kann der Zeitpunkt der Ansprache über das Produkt im geeigneten Zeitpunkt erfolgen – aus der USP wird die ISP (Individual Selling Proposition) und schlussendlich die SSP (Situational Selling Proposition), wie der Marketing Entertainer Dietmar Dahmen Anfang Jahr auf einer Konferenz eindrücklich erläuterte.

Doch zurück zur langweiligen Theorie: In unserem Framework haben wir uns für die meist verwendete Aufteilung der Customer Journey in 5 Phasen entschieden. Die Customer Journey hat natürlich Parallelen zur Wertschöpfungskette des Unternehmens bzw. zum Lifecycle des Smart Products, wie zum Beispiel die Retention-Phase, welche im direkten Zusammenhang mit der Nutzungsphase (Utilization & Operation) des Smart Products steht. Doch obwohl es Schwerpunkte gibt, können die Phasen nicht 1:1 zugeordnet werden. Es wirken vielmehr alle Phasen des Smart Connected Product Lifecycles auf alle Phasen des Customer Experience Lifecycles, umgekehrt kann der Kunde auf seiner Customer Journey grundsätzlich in jeder Phase Informationen aus jedem Schritt des Smart Connected Product Lifecycles berücksichtigen. Im Idealfall kann der Kunde auch von sich aus direkt über das Produkt einen Informationsfluss auslösen – und plötzlich wird das Unternehmen «getriggert»!

Digital Twin Framework des Product Management Centers (Fuchs & Barth, 2018)

Insbesondere wenn im Digitalen Zwilling nicht nur die Daten des einen konkreten Produktes vorliegen, sondern aller Smart Connected Products des ganzen Unternehmens eröffnen sich enorme Möglichkeiten zu Innovationen des Customer Experience Managements. Fand bis vor kurzem die Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen nur in eine Richtung statt, sprechen heute viele vom «bidirektionalen» Austausch – dabei ist das mit ganzheitlichen Digitalen Zwillingen von Smart Connected Products schon wieder Schnee von gestern, die viel gerühmten dezentralen Netzwerke lassen grüssen!

Wie zum Beispiel die Firma Babolat, deren smarte Tennis Rackets wir bereits vorgestellt haben, ihre Kunden auf eine Mehrwert stiftende Art untereinander, mit sich und ihren Werbeträgern vernetzt, stellen wir im zweiten Teil vor, der Anfang des kommenden Jahres erscheinen wird.

Über den Autor

Linard Barth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projekt- und Studiengangleiter am Product Management Center der ZHAW. Seine Interessen gelten in erster Linie dem Zusammenspiel einzelner Elemente in grösseren Systemen und wie diese konsistent nachhaltig funktionierend ausgerichtet werden können. Dazu erforscht er den Einfluss von Internet of Things, Smart Connected Products und Digitalen Zwillingen auf Business Modelle und Value Propositions. Als ehemaliger Gründer schlägt sein Herz insbesondere für Start-Ups, Entrepreneure und innovative Firmen, welche die genannten Konzepte in der realen Welt umsetzen und berät diese in unterschiedlichen Projekten. Nebenbei leitet er den Studiengang CAS Pricing & Sales, ein Weiterbildungsangebot des Instituts für Marketing Management der ZHAW.