Der Zoo Zürich: Marketing zwischen Pantherchamäleons und Elefanten

Der Zoo Zürich überrascht immer wieder mit neuen Projekten. Als nächstes steht der Bau der Lewa Savanne vor der Tür. Wie schafft es der Zoo Zürich auch nach vielen Jahren für die Besucher attraktiv zu bleiben und wie wird hier das Marketing genutzt? Diese Fragen hat uns Rita Schlegel beantwortet.

Der Zoo Zürich ist eine Institution und ist ein Besuchermagnet. Was macht die Faszination dieses Zoos aus?

Der Zoo Zürich will die Menschen für die Welt der Tiere begeistern und sie anregen, sich aktiv für den Schutz von Tieren und ihren Lebensräumen einzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, befindet sich der Zoo in einem konstanten Prozess der Weiterentwicklung. Seit 1995 durchläuft der Zoo Zürich den Wandel vom «klassischen» Zoo in ein Naturschutzzentrum mit naturnah gestalteten Anlagen wie etwa dem Masoala Regenwald oder dem Kaeng Krachan Elefantenpark. Die Zoobesucher erhalten Einblicke in das natürliche Verhalten der Tiere und werden zum Beobachten angeregt. Daneben informieren Ausstellungen über Themen des Natur- und Artenschutzes, der Nachhaltigkeit und der Biodiversität. So schafft der Zoo Zürich Faszination für die Tierwelt, die als Grundlage für das Erreichen des Zooziels dient, Menschen zum Schutz von Tierarten und Lebensräumen zu bewegen.

Der Zoo hat sich gewandelt und davon profitieren auch die Elefanten © Zoo Zürich/Enzo Franchini

Welche Marketinginstrumente nutzt der Zoo Zürich?

Klassische Plakate, gedruckte Eigenpublikationen wie die Zoonews (Magazin), verschiedene Informationsbroschüren und Flyer, eigene Website (zoo.ch), eigene Zoo-App, diverse Social-Media-Kanäle (Facebook, Twitter, Instagram, Youtube), eigener E-Mail-Newsletter, Display Ads, Direct Mailings, zielgruppenorientierte Veranstaltungen/Events, Kooperationen & Aktionen mit Partnern, Medienarbeit.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Marketing des Zoos?

Die digitalen Marketingmittel gewinnen stark an Bedeutung. Nicht zuletzt, da der Zoo der Meinung ist, dass wir unsere primäre Zielgruppe – Familien mit Kindern – ideal mit unserer Webseite, dem Newsletter, Social-Media-Beiträgen sowie der Zoo-App erreichen können. Dennoch braucht es auch den Mix mit klassischen Marketinginstrumenten, um das vorwiegend ältere Spenderpublikum zu erreichen.

Welche Zielgruppen wollen Sie ansprechen?

Zoobesuch: Familien (jeder Façon) mit Kindern im Vorschul- und Primarschulalter, Schulen (eigener Schulservice), Jugendliche, Senioren. Führungen & Events im Zoo: Firmen und Privatgruppen. Unterstützung Naturschutzprojekte und Finanzierung neuer Anlagen: Kleinspender (Zoobesucher) und Grossspender (Stiftungen, Legate etc.).

Diverse Zielgruppen sind für den Zoo Zürich relevant, wobei die Familien eine wichtige Rolle spielen © Zoo Zürich/Enzo Franchini

Wie wichtig ist die Marke Zoo Zürich? Welche Werte stehen dahinter?

Der Zoo ist in Zürich eine fest verankerte Kulturinstitution und geniesst in der Schweiz einen hohen Bekanntheitsgrad. Er steht für eine moderne, tiergerechte, wissenschaftsbasierte Tierhaltung. Der Zoo Zürich folgt den Werten der offensiven, erlebnisreichen und aktivierenden Kommunikation, der innovativen wirtschaftlichen Führung und der zukunftsgerichteten nachhaltigen Finanzierung.

Der Zoo Zürich ist auch aktiv im Sammeln von Spenden. Wie erfolgt das Zusammenspiel zwischen Fundraising und Marketing?

Fundraising und Marketing sind besonders im Bereich der Kleinspenden eng verflochten. Mit einer Kombination aus klassischer Plakatwerbung, einer Zeitungsbeilage sowie Display Ads versucht der Zoo Zürich ein eher kaufkräftiges Publikum in der Stadt und Region Zürich anzusprechen und daraus Spenden für konkrete Projekte zu generieren.

Enge Verflechtung zwischen dem Marketing und dem Fundraising und davon profitieren schlussendlich die Tiere © Zoo Zürich/Tobias Kramer

Welche Schwierigkeiten gibt es in der Vermarktung des Zoos?

Eine Herausforderung ist die Vermittlung der Werte des «modernen» Zoos, d.h. die Aktualisierung des Framings im Gleichschritt mit der Weiterentwicklung der Institution. Der Zoo hat sich teilweise schneller gewandelt als es die Zoo-Konnotationen in den Köpfen der Menschen getan haben. Ebenfalls anspruchsvoll ist die konkrete Aktivierung der Zoobesucher für Naturschutzanliegen.

Zum Schluss, welche Tiere sind bei den Besuchern besonders hoch im Kurs?

Jede Tierart hat ihre Fans. Ganz generell betrachtet aber grosse Säugetiere (Elefanten, Menschenaffen, Grosskatzen), Pinguine und im Masoala Regenwald die bunten Pantherchamäleons.

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Traumboote und zielgruppenorientiertes Marketing

Boote sind neben Autos und Immobilien ein Statussymbol. Es muss aber nicht immer das Meer sein, auch auf Schweizer Gewässern kann man schöne Ausfahrten per Schiff machen. Es gibt diverse Bootstypen, die zur Verfügung stehen. In der Zentralschweiz gibt es die Caminada Werft in Horw, die sich schon seit 1966 mit Booten befasst. Der Geschäftsführer und Werftchef Crisha Müsken war bereit, die Luke zu öffnen und einen Einblick ins Innere der Caminada Werft zu gewähren.

Herr Müsken, auf den Schweizer Gewässern gibt es gerade in der Sommerzeit diverse Boote. Die Werften dahinter sind aber fast nur den Bootsfahrern bekannt. Können Sie uns erklären, was die Arbeit der Caminada Werft beinhaltet und welche Produkte resp. Dienstleistungen Sie anbieten?

Wir bieten Dienstleistungen rund um das Boot an: Dies sind zum Beispiel der An- und Verkauf von Gebrauchtbooten, die Beratung beim Bootskauf und Expertisen, der Bootshandel und Verkauf von Neubooten, Reparaturen aller Bootsmarken & Service. Daneben stellen wir noch Sonderanfertigungen her und bieten auch Transportlösungen, Einwasserungen der Boote sowie Winterlager an. Wir arbeiten schweizweit und in den Grenzgebieten.

Werftchef Müsken an der Arbeit © Caminada Werft

Welche Boote sind bei Ihren Kunden am meisten gefragt und wie erkennen Sie die Kundenbedürfnisse?

Im Moment liegt der Trend klar auf kleineren Booten, angefragt und verkauft werden am meisten Kabinenboote, Bowrider und Cruiser. Da wir mit dem Kunden täglich in Kontakt sind, sei es in Reparaturarbeiten, Service oder Erstkontakt im Verkauf, hören wir genau hin was gefragt ist und reagieren darauf.

Wir haben auch schon Boote selber gebaut und abgeändert, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Manchmal muss man Boote auch zeichnen und dann in Auftrag geben.

Gibt es auch extravagante Wünsche von Kunden, die Sie nicht erfüllen können, oder ist mit geeignetem Geldbeutel fast alles machbar, was rechtlich erlaubt ist?

Extravagante Wünsche gibt es immer und möglich ist fast alles. Wenn man aber dem geneigten Kunden das Ganze vorrechnet, wird dann schnell einmal überlegt ob man nicht darauf verzichten kann. 🙂

Wir haben aber schon viel gemacht, z.B. eine spezielle Bar, wo per Knopfdruck Bacardi oder Wodka herausläuft.

Wie präsentiert sich der Bootsmarkt in der Schweiz? Gibt es viele Konkurrenten?

Der Markt ist hart umkämpft, es gibt 190 Werften in der Schweiz bei einer kleinen Wasserfläche. Die Margen sinken bei Bootverkäufen klar, ähnlich wie im Automarkt.

Um den Markt zu verstehen, ein kleiner Vergleich: Eine kleine regionale Autogarage hat mehr Kundenpotenzial in der Region, als wir schweizweit. Wir müssen die Schiffe an den jeweiligen Standorten holen und wieder bringen.

Eine Werft zu betreiben ist sehr anlageintensiv, man braucht viel Platz und einen veritablen Fuhrpark.

Wie hoch ist der Konkurrenzdruck aus dem Ausland?

Deutschland und Österreich mischen mit. Der Druck ist da, diese Märkte funktionieren aber anders, bei uns zieht „Geiz ist Geil“ nicht, der Schweizer Kunde will Qualität und reagiert empfindlich auf schlechte Arbeit.

Leute. die sich Boote leisten können haben auch Geld für einen Anwalt, das sollte einem immer bewusst sein.

Die Caminada Werft ist auf dem Internet, aber auch auf diversen sozialen Netzwerken aktiv. Wie wichtig sind Ihnen diese Kanäle?

Wir nutzen die neuen Medien, aber die klassischen Werbekanäle sind klar stärker. Unsere Zielgruppen kaufen immer noch an Messen und über Inserate. Der Bootskunde ist so zwischen 35 und 75 Jahre alt.

Wie nutzen Sie das Marketing?

Zielgruppenorientiert und mit Werbekontrolle.

Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, die Sie ansprechen wollen und planen Sie auch jüngere Zielgruppen für Boote zu begeistern?

Unsere Zielgruppe sind Leute, die dem Wassersport irgendwie nahestehen. Leute die schon Boote haben. Wir machen Sponsoring bei Wassersport Vereinen, Segelschulen, um den jungen Leuten den Zugang zum Wassersport zu ermöglichen.

Die Caminada Werft will die Begeisterung für die Boote wecken © Caminada Werft

Wo sehen Sie die Schwierigkeiten in Ihrer Arbeit?

Qualifiziertes Personal, das ist die Hauptherausforderung in unserem Gewerbe. Die Boote werden immer technischer, elektrischer, spezieller und der Kunde wird immer anspruchsvoller, da braucht es wirklich sehr gute Leute am Platz.

Zum Schluss, wenn Sie sich ein Boot ganz nach Ihren Wünschen fertigen dürften, wie würde dieses aussehen?

Ein Produkt muss bei mir folgende Merkmale haben: Fabelhaftes Design, spitzen Performance und kleiner Preis.

Diesen Wunsch habe ich mir privat erfüllt mit der: MS Rolling Home und im Kunststoffbereich mit dem Tullio Abbate 28 Sunshine. Den Tullio Abbate haben wir mitentwickelt!

Mehr über die Caminada Werft

http://www.caminadawerft.ch

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Marketing aus aller Welt: McDonald’s trifft auf Vatikan und spricht neue Zielgruppen an

Von Dr. Adrienne Suvada

Die italienische Hauptstadt Rom besticht nicht nur durch das Kolosseum oder den Trevi-Brunnen, zu Rom gehört auch der Vatikan mit dem berühmten Petersdom. Aber auch hier blüht das Marketing in Form von diversen Souvenirläden, kleinen Restaurants oder Touristenführungen. Rund um den Petersplatz gibt es mehrere Gebäude, die noch zum Vatikan gehören, aber auf italienischem Staatsgebiet liegen. In den Gebäuden gibt es Büros, Wohnungen und zum Teil auch gewerbliche Mieter. Ein ganz besonderer Mieter hat im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Ganz in der Nähe des Petersplatzes, hat sich nämlich die Fastfood Kette McDonald’s eingemietet, was für einige Aufregung sorgte. Beinahe eine dogmatische Fragestellung war es, ob denn Fastfood und Vatikan überhaupt zusammenpassen würden. Schlussendlich hat sich der Fastfood Gigant durchgesetzt und die Touristen können ab sofort auch dort einkehren.

Die McDonald’s Filiale im Vatikan Gebäude, oben sieht man einen der Eingänge zum Vatikan (Bild: R. Bircher)

Neue Zielgruppen und neue Produkte

Wie so oft, hat auch diese Polemik mehr genützt, als geschadet, denn die Filiale musste so fast keine Werbung mehr machen. Sie ist strategisch sehr gut gelegen, denn fast alle Besucher oder Pilger gehen an ihr vorbei. Gerade nach grossen Anlässen, ist die schnelle und bekannte Verpflegung von vielen gut gesehen. Mittlerweile scheint auch im Vatikan etwas Ruhe eingekehrt zu sein, denn man findet unter den Gästen ab und an auch Priester und Ordensleute. McDonald’s versucht aber noch mehr neue Zielgruppen anzusprechen. Die Trends in der Ernährung haben auch hier ihre Spuren hinterlassen und so findet man seit einiger Zeit einen Gluten Free Burger. In Zusammenarbeit mit Dr. Schär, dem Spezialisten für glutenfreie Nahrungsmittel, wurde dieser Burger kreiert. Der Burger ist mit 3.00 € nicht gerade günstig, für Zöliakie Betroffene scheint er aber immerhin eine Alternative zu sein.

Der Gluten Free Burger in Zusammenarbeit mit Dr. Schär (Bild: R. Bircher)

Glutenfrei, aber nicht perfekt

Der Burger wird verpackt und tiefgekühlt angeliefert. Im Restaurant selbst wird er nur noch erhitzt und bleibt stets in der Verpackung drin, damit er nicht zufällig mit glutenhaltigen Speisen in Berührung kommt.

Vorteil sauber verpackt, Nachteil es bleibt ein Tiefkühlprodukt (Bild: R. Bircher)

Was soweit gut tönt, wird in der Realität etwas relativiert. Die ansprechenden Produktbilder, lassen einen grösseren Burger vermuten. Tatsächlich ist der Gluten Free Burger relativ klein. Ein bisschen glutenfreies Brot, Fleisch und Scheibenkäse. Der Burger ist also weder für Vegetarier, noch für Veganer etwas. Da der Käse Laktose enthält, ist er auch für Menschen mit Laktoseintoleranz keine wirkliche Alternative. Gerade der Käse ist wohl der grösste Nachteil. Er schmeckt sehr künstlich und passt eigentlich nicht zum hochwertigen Image von Dr. Schär. Insgesamt also als Produkt durchaus ausbaufähig.

Glutenfrei, dafür nur Fleisch mit Scheibenkäse (Bild: R. Bircher)

Auch wenn der Burger nicht ganz zu überzeugen vermag, McDonald’s hat mit dem Gluten Free Burger die neusten Trends aufgenommen und orientiert sich an den Bedürfnissen der Zielgruppen. Der nächste Schritt wäre wohl ein Produkt für Veganer. Was in der Feldstudie nicht analysiert werden konnte, wie sich die spezifischen vatikanischen Geschmäcker von den anderen Filialen unterscheiden…

Besucherorientiertes Marketing im Swiss Science Center Technorama

In Zeiten der digitalen Möglichkeiten, haben es Museen nicht immer leicht. Die schulischen Museumsbesuche stossen nicht immer bei allen Klassen auf Begeisterung. Es gibt aber Ausnahmen und eine davon ist sicher das Swiss Science Center Technorama. Hier werden Naturwissenschaften als Erfahrungswissen, statt Faktenwissen vermittelt. Da gibt es verblüffende Phänomene, die die Begeisterung für naturwissenschaftliche Fragestellungen wecken. Das Technorama empfängt jedes Jahr über 250’000 Besucherinnen und Besucher. Welche Rolle hier das Marketing spielt, erklärt Roy Schedler, Leiter Marketing & Partnerschaften beim Technorama.

Das Logo vom Technorama © Courtesy Swiss Science Center Technorama

Herr Schedler, das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Wissen ist damit ebenfalls jederzeit abrufbar und über YouTube kann man diverse Videos aus dem naturwissenschaftlichen Bereich anschauen. Weshalb lohnt sich dennoch ein Besuch im Technorama?

Von Albert Einstein stammt der schöne Satz: „Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information“. Uns geht es um die Ermöglichung von Erfahrungswissen, nicht um die Vermittlung von Faktenwissen. Anders als in einem Museum darf man im Technorama alles anfassen und damit spielen. Nur das aktive Mittun und die eigenen Erfahrungen zählen. Dinge und Vorgänge sollen sinnlich erfahren werden.

Naturwissenschaften sind nicht für alle die Lieblingsfächer in der Schule. Wie kann das Technorama dennoch die Begeisterung für die Phänomene unseres Lebens wecken?

Beim Spielen mit riesigen Seifenbasen lernen wir die Besonderheiten der Oberflächenspannung kennen, ohne diese wissenschaftlich verstehen zu müssen. Fahrradfahren lernt man auch nicht aus Büchern, und wer schwimmen können will, muss dafür ins Wasser steigen. Ohne das unmittelbare Erleben der Drehimpulserhaltung und des Auftriebs sind diese Fähigkeiten nicht zu haben. Und ohne dieses Erfahrungswissen ist auch nicht zu verstehen, welche Naturgesetze damit zusammenhängen. Das Technorama ist ein Ort, der unzählige solcher Erfahrungen ermöglicht, mit denen man die Welt im doppelten Sinne des Wortes „be-greifen“ kann.

Besondere Erfahrungen sind möglich © Courtesy Swiss Science Center Technorama

Ein Museum muss sich immer weiterentwickeln. Integrieren Sie digitale Technologien, wie z.B. Virtual Reality?

Im Technorama geht es um authentisches Erleben, wir setzen keine Simulationen ein und täuschen nichts vor. Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass unser Bild von der Welt eine Interpretation von Sinneswahrnehmungen und Erfahrungen unseres Gehirns ist. Und je besser es den VR-Anwendungen gelingt, diese Sinneswahrnehmungen zu simulieren, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen physischer Realität und virtueller Realität. VR ist insofern eine Herausforderung, als es Realität zwar simuliert, diese Realität aber authentisch erlebt wird. Die Virtual Reality Sickness als eine Form von Übelkeit, die mit dem Eintauchen in eine computergenerierte Umgebung auftritt, bringt das sehr schön zum Ausdruck.

Wo VR-Anwendungen unseren Besuchern helfen zu verstehen, wie ihr Gehirn ein Bild von der Welt entwirft, prüfen wir ihren Einsatz. Aber: Die Erfahrung virtueller Welten setzt die Erfahrung der echten Welt voraus, VR kann diese Erfahrungen zwar abrufen, in naher Zukunft aber noch nicht vollständig erzeugen. Solange die Vision aus dem Film „Matrix“ Fiktion bleibt, wird das Technorama auch in einer Welt voller Virtual Reality seine Bedeutung und Attraktivität behalten.

Obwohl das Technorama bekannt ist, braucht es dennoch das Marketing. Wie sieht Ihre Marketingstrategie aus und welche Marketinginstrumente nutzen Sie?

Marketing heisst für uns Besucherorientierung. Unsere Marketingstrategie basiert auf Erkenntnissen aus unserer – nota bene zusammen mit der ZHAW durchgeführten – eigenen Besucherforschung. Wir wissen relativ viel über unsere Besucher, insbesondere über ihre (Besuchs-) Motive und Erwartungen. In der gesamten Marketingkommunikation adressieren wir in erster Linie diese Wünsche und Bedürfnisse. Die Angebote selber – die Vielzahl der Experimentierstationen in den Ausstellungen, die Vorführungen, Demonstrationen und die Workshops in den Laboren – kommen in der Kommunikation erst an zweiter Stelle.

Auf der Massnahmenebene setzen wir eine Fülle von owned und paid media ein. Auch Content- und Event-Marketing spielen zunehmend eine wichtige Rolle.

Besucherorientierung ist das Schlüsselwort © Courtesy Swiss Science Center Technorama

Das Technorama muss das Angebot auf die Zielgruppen abstimmen. Wie definieren Sie die Zielgruppen und wie wissen Sie, was die Kunden mögen?

Wir arbeiten sowohl mit Zielgruppen (Familien, Schulklassen und Gruppen) als auch mit sog. Phänotypen in Anlehnung an das visitor identity-Modell von John Falk. Der wichtigste Phänotyp ist dabei der sog. Faciltator. Ein solcher „Ermöglicher“ kann eine Mutter mit ihrem Kind sein, aber auch ein Paar, das seinen ausländischen Freunden das Technorama als touristischer Leuchtturm zeigen will. Das zentrale Besuchsmotiv ist somit sozialer Natur. Es geht darum, gemeinsam etwas zu erleben und dabei einzigartige Erfahrungen zu machen. 27% unserer Besucher sind solche Faciltators.

Gibt es auch Angebote für B2B Kunden, wie z.B. Firmen?

Ja, wir haben ein kleines MICE-Business (MICE = Meetings Incentives Conventions Events Anm. d. Red.). Das Technorama verfügt – neben dem Auditorium für 180 Personen – über mehrere Seminarräume und ein grosses Foyer für Tischmessen. Als Incentives bieten wir Workshops in den Laboren, Sondervorführungen, Abendöffnungen oder die Führung „Wunderkammer Technorama“ an. Das Catering übernimmt das hauseigene Restaurant. Apéros und Essen sind neu auch in der Ausstellung möglich.

Welchen Stellenwert nimmt bei Ihnen das online Marketing ein? Welche Erfahrungen haben Sie mit der Facebook Seite gemacht?

Der Relaunch der neuen Website mit einem zeitgemässen Online-Booking ist in Vorbereitung. Ansonsten testen wir die verschiedensten Kanäle und Plattformen, von Google Adwords über Webbanner bis hin zu digitalen Coupons mit QR- oder Bar-Codes. Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts ist bekanntlich hoch, es ist alles andere als einfach, hier Schritt zu halten.

Bei Facebook sind wir seit gut drei Jahren dabei, und das auf der Grundlage eines umfassenden Konzepts, das auch jährliche Evaluationen vorsieht. Ohne dieses Konzept wären wir verloren – und wir lernen täglich dazu. Da wir auf Facebook auch Werbe-Posts schalten, erleben wir die Disruption bei den Printmedien und im Werbemarkt aus erster Hand.

Trotz digitaler Welt, einen fliegenden Teppich muss man selbst ausprobieren © Courtesy Swiss Science Center Technorama

Wo sehen Sie die Schwierigkeiten in der Vermarktung eines Science Centers?

Das Swiss Science Center Technorama wird von der breiten Bevölkerung als Technikmuseum bzw. aufgrund der Namenserweiterung „Swiss Science Center“ als Forschungseinrichtung wahrgenommen. Beide Wahrnehmungen sind falsch. Diese falsche Wahrnehmung – „Problemmeinung“ – kann auf unterschiedliche Weise entkräftet werden: durch Widerspruch, Relativierung oder Perspektivänderung.

Im Fall des Swiss Science Center Technorama gibt es drei verschiedene „Problemmeinungen“: Technik, Museum und Forschungseinrichtung. Diese drei Auffassungen gilt es zu entkräften:

  1. Technik: Relativierung
    Naturphänomene finden ihre Anwendung oft in der Technik. Das Technorama zeigt aber nicht die Anwendung von Technik, also keine Maschinen oder Geräte, sondern die Naturphänomene, die sich die Technik zum Bau dieser Anwendungen zunutze macht.
  2. Museum: Perspektivänderung
    Das Technorama ist im Gegensatz zu einem herkömmlichen Museum ein Ort, wo es laut sein kann, wo man Dinge anfassen kann und wo man nicht nur passiv rezipieren, sondern aktiv interagieren kann.
  3. Forschungseinrichtung: Widerspruch und Relativierung
    Das Technorama ist eine Erlebnisausstellung und Bildungsinstitution, aber keine Forschungseinrichtung. Zwar betreibt das Technorama im Rahmen des Exponatebaus Forschung und Entwicklung, die international bei anderen Science Centern grosse Beachtung findet. Die Ausstellungen und Labore sind wiederum Gegenstand von Forschungsarbeiten von Hochschulen und Universitäten. Das Technorama tritt jedoch gegenüber seinen Besuchern nicht als Ort naturwissenschaftlicher Forschung in Erscheinung und publiziert auch nicht selbst.

Welchen Ratschlag würden Sie angehenden Marketingfachleuten geben?

Know and understand your customer. And deliver.

Die Kunden stehen im Zentrum © Courtesy Swiss Science Center Technorama

Mehr über das Swiss Science Center Technorama:

http://www.technorama.ch

https://www.facebook.com/technorama

Angaben zur Person

Roy Schedler *1957