Sportmarketing im Stillstand

Der Sport steht fast auf der ganzen Welt still. Nicht nur grosse Turniere wurden abgesagt, sondern auch die individuelle Sportausübung im Verein ist momentan nicht möglich. Wenn alles im Stillstand ist, wie kann hier das Sportmarketing noch funktionieren? Das haben wir bei unserem Sportmarketing-Experten Marcel Hüttermann nachgefragt.

Das öffentliche Leben ist vielerorts praktisch lahmgelegt und damit auch die Sportveranstaltungen. Dies ist für Sportler, aber auch für Vereine ein grosses Problem. Abgesehen vom regelmässigen Training, fehlt auch die regelmässige Interaktion. Könnte hier das Sportmarketing auch digital unterstützend wirken?

Die Branche wird jetzt dazu gezwungen sich schneller zu digitalisieren und sich Gedanken über Inhalte zu machen. Das passiert durch Trainingsangebote, die nun digitalisiert werden, aber auch in der Interaktion mit den Fans vor allem über die Social Media Kanäle. Hier sind einige Vereine bereits sehr kreativ an die Sache herangegangen was sich auch nachhaltig positiv auf die Beziehung zwischen Verein und Fans auswirken.

Sportmarketingexperte Marcel Hüttermann

Grosse Vereine haben eine starke Fanbase und treue Fans. Wie sollte aktuell die Kommunikation erfolgen?

Hier bieten sich den Sportvereinen, aber auch den einzelnen Athleten eine grosse Möglichkeit mit den Fans über digitale Kanäle zu kommunizieren. Borussia Dortmund hat bspw. letzte Woche ad-hoc einen Podcast aus dem Boden gestampft. Ohne grosse Vorbereitung, ohne sich gross Gedanken darum zu machen. Die Inhalte sind einfach: Gespräche mit Mitarbeitern, ehemaligen und aktuellen Spielern über privates und geschäftliches. Persönlich, nah und interessant. Der Podcast ist auf sehr positive Resonanz gestossen.

Das ist lediglich ein Beispiel. Sportvereine tun gut daran jetzt nicht in eine Schockstarre zu verfallen, sondern in dieser Zeit auch kreativ zu sein. Auf Twitter duellieren sich GC und Servette in einem virtuellem Vier-gewinnt, Schalke O4 twittert komplette Live-Ticker von Spiele aus ihrer Historie, Athleten posten auf ihren Social Media Kanälen wie Sie zu Hause trainieren und Sportreporter kommentieren von Ihrem Wohnzimmer aus was auf Ihrer Strasse passiert. Das sind alles kreative Ansätze um den Kontakt zum Fan, vor allem auch nachhaltig, zu verbessern. Jetzt ist die Zeit für Emotionale Inhalte.

Gerade Fussballstars sind für viele Vorbilder. Könnte man diese dazu nutzen, um auf die aktuelle Gefahr und vor allem auf die Wichtigkeit hinzuweisen, jetzt zu Hause zu bleiben?

Definitiv. Es ist zu beobachten, dass vor allem Jungendgruppen sich noch draussen in Parks und auf der Strasse in grösseren Gruppen treffen. Über die Social-Media-Kanäle haben die Stars die Möglichkeit die Jugendlichen zu erreichen und Vorbild zu sein. Zu erläutern warum es wichtig ist daheim zu bleiben, ihnen aber auch zu zeigen wie Sie Ihre Zeit zu Hause verbringen können. Etwa mit der Klopapier-Challenge.

Kommen wir kurz zu kleineren Vereinen. Die Schweiz ist ja bekannt für ihre Vereinskultur. Da sind ja diverse Sportarten vertreten. Was würden Sie aktuell diesen Vereinen raten? Wie könnte hier das Sportmarketing unterstützend wirken?

Digitalisiert euren Sport und eure Trainings! Wir können uns nicht in der Halle oder auf dem Platz treffen? Egal! Treffen wir uns virtuell und machen das was wir können in den eigenen vier Wänden. Und das Ganze muss aktuell noch nicht mal technisch ausgefeilt sein. Jeder ist mit der aktuellen Lage vertraut, jeder versteht die Lage, also ist mein Ratschlag: Einfach machen! Das wird sich für die Zukunft nachhaltig positiv auszahlen. Der Trainer oder die Trainerin kann die Übungen live vormachen und alle anderen können Sie vor dem Bildschirm nachmachen. Das gilt für Yoga, Pilates aber auch für den Turnverein. Selbst bei Ballsportarten kann an gewissen Techniken zu Hause gearbeitet werden. Dann wird halt die Garage umfunktioniert.

Jetzt gilt es das Training zu digitalisieren, damit man Techniken auch zu Hause üben kann (Bild: Pixabay)

Wenn man nun physisch fast keinen Sport ausüben kann, wird jetzt der digitale Sport boomen? Wäre das eine Chance für die Esports Branche?

Ziemlich sicher ist das so. Auch weil aktive Fussballspieler den Esports selbst pushen da sie sich in virtuellen Ligen duellieren und die Fans sich dies genüsslich anschauen. Gestern hat bspw. ein Fussballspieler von Real Madrid den Verein zum ersten virtuellen Titel geführt. 170.000 Zuschauer haben sich dies angesehen.

Und auch ohne die aktiven Fussballer wird Esports einen Boom erleben obwohl er grade eigentlich bereits boomt. Das wird nun nur noch schneller passieren. Grade jetzt wo man daheim sitzen muss ist der PC oder die Konsole doch noch stärker gefragt als ohnehin schon.

Darf ich noch etwas abschliessend loswerden?

Gerne doch!

Liebe Sportorganisationen. Ja, es ist eine harte Zeit, Ticket- und Broadcasteinnahmen fallen weg, die Vereinsexistenz steht teilweise auf dem Spiel und meine Antworten hören sich arg simpel an: Einfach machen. Aber, ich bin fest davon überzeugt das dieses Virus auch eine unglaubliche Chance für Sportvereine darstellt die sich darauf einlassen, kreative Ideen entwickeln und nun ins digitale investieren. Wohl wissend ist diese Investition hart, wenn andere Umsätze wegbrechen, allerdings werdet Ihr für euren Mut belohnt werden, wenn diese Pandemie vorbei ist. Davon bin ich überzeugt.

Das IMM und die aktuelle Corona-Krise

Corona hat die Welt fest im Griff. Nicht nur die Politiker, sondern auch die Unternehmen sind stark von den Massnahmen betroffen. Auch das ZHAW Institut für Marketing Management musste sich zwangsläufig schnell adaptieren und auf die neue Situation einstellen. Deshalb hier ein kleiner Lagebericht aus dem digitalen IMM.

Die Digitalisierung beschäftigt das Marketing schon seit einigen Jahren, dementsprechend war auch das ZHAW Institut für Marketing Management seit jeher an den neuesten Trends und Entwicklungen dran und hat versucht diese auch im Unterricht einzubauen. Dennoch, eine solche Lage, wie sie aktuell herrscht, dies stellt auch das IMM vor Herausforderungen. Trotz digitaler Tools, lebt der Unterricht auch vom sozialen Austausch, von der nonverbalen Kommunikation, von der Mimik und dem persönlichen direkten Gespräch. In Zeiten von Corona ist es aber allen verständlich, dass dies aktuell nicht möglich ist und man nun zu Alternativen greifen muss.

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den Lehrbetrieb © Pixabay

Digital heisst nicht schlechter

Mitten im Semester die Inhalte zu digitalisieren oder eine Weiterbildung mit externen Dozenten auf digital umzustellen, ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Es ist zwar richtig, dass die Folien teilweise vorbereitet sind, aber der digitale Unterricht bringt Veränderungen mit sich. Dies ist für die Beteiligten nicht einfach und die Digitalisierung ist plötzlich für alle ein sehr aktuelles Thema. Zentral ist aber der Gedanke, den Prof. Dr. Brian Rüeger, Institutsleiter des IMM, formuliert hat: „Digital heisst nicht schlechter, das ist ganz wichtig. Digital muss für uns heissen, noch mehr zu bieten, noch besser zu sein.“ Diese Botschaft wird vom ganzen IMM getragen. Es gilt aufzuzeigen, dass ein digitaler Unterricht nicht eine minderwertige Variante des Präsenzunterrichts ist. Digital bietet sehr viele Chancen, vielleicht andere als in der Präsenzveranstaltung, aber diese schwierige Zeit kann ideal genutzt werden, Dinge auszuprobieren. Natürlich braucht es Veränderungen, aber wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass wir mit Telefonen Fotos schiessen? Vielleicht wird durch diese Corona-Krise der digitale Unterricht plötzlich zu einem ganz normalen Mittel im Portfolio der Lehrkräfte.

Es gibt keine Ausreden mehr, der digitale Unterricht muss nun umgesetzt werden © Pixabay

Virtuell wird zusammengestanden

Was heisst das nun konkret? Seit Anfang der Woche sind die IMMler dran, ihre Unterrichtseinheiten zu digitalisieren. Die Energie und das Engagement sind überwältigend. Hier wird aktuell grosser Einsatz gezeigt. Es wird versucht für die Studentenschaft und für die Weiterbildung angepasste Lösungen zu finden. Testläufe werden durchgeführt, Ideen werden ausgetauscht und was besonders schön ist, das IMM-Team funktioniert auch digital hervorragend. Die gegenseitige Unterstützung ist riesig und gerade in solch einer Krise wird aufgezeigt, ob ein Team wirklich zusammenarbeiten kann. Beim IMM ist das sicher der Fall. Werden einige Dinge nicht funktionieren? Sicher. Wird es technische Probleme geben? Sicher. Werden einige unzufrieden sein? Sicher. Das alles gehört zu einer aussergewöhnlichen Lage dazu. Jeder Fehlschlag nützt, um sich zu verbessern. Das IMM ist also trotz Corona-Krise und Home Office aktiver denn je und will fachlich kompetente Unterstützung bieten. Virtuell wird zusammengestanden und die Herausforderung ist angenommen!