Leitungswasser wird zum Mineral und das ganz ohne Plastik!

Von Dr. Helen Vogt

Wasser abgefüllt in PET Flaschen hat in den letzten 20 Jahren ein rasantes Wachstum erlebt. Der derzeitige weltweite Konsum ist jedoch mittel- bis langfristig nicht nachhaltig. Es stellt sich daher die Frage, welche Alternative die Menschen in Regionen haben, in denen das Leitungswasser nicht trinkbar ist?

Das Schweizer Start-up Unternehmen LANG hat ein einfaches Haushaltsgerät entwickelt, welches den Prozess der industriellen Flaschenabfüllung nachbildet und normales Leitungswasser in erstklassiges Mineralwasser umwandelt. Der CEO und Gründer Jan-Erik Lundberg erzählt uns, was ihn zur Entwicklung dieses neuen Wassersystems motivierte und wie dieses System dazu beitragen kann, unseren individuellen CO2-Fussabdruck zu reduzieren.

Warum ist abgefülltes Wasser («bottled water») ein derartiges Problem?

Der Mangel an sauberem Trinkwasser und der Plastikmüll gehören zu den zwei grössten Umweltproblemen, mit denen wir heutzutage konfrontiert werden. Der globale Verbrauch von abgepackten Getränken wird bis 2020 auf über eine Billion (1000 Mia) Liter geschätzt. Über 40% der Haushalte weltweit verlassen sich auf abgefülltes Wasser als primäre Quelle für den täglichen Haushaltsverbrauch. In Asien, Afrika und Lateinamerika wächst die Zahl kontinuierlich an aufgrund des Bevölkerungswachstums und des eingeschränkten Zugangs zu sauberem Leitungswasser. Das sind rund 400 Milliarden Liter Wasser pro Jahr oder anders ausgedrückt knapp eine Million Flaschen pro Minute.

Der Konsum von abgepackten Getränken wächst kontinuierlich – so auch der Plastikmüll © LANG

Jedes Jahr werden knapp drei Millionen Tonnen an Plastikflaschen entsorgt. Davon werden nur etwa 20 – 30% recycelt und nur ein sehr geringer Anteil zur Herstellung neuer Flaschen verwendet. Coca-Cola bezieht beispielsweise nur 7% des Plastiks aus recyceltem Material und Nestlé Waters North America nur 6%.

Der Plastikmüll ist allerdings nur Teil des Problems. Allein der Filter- und Produktionsprozess verbraucht für jeden produzierten Liter Wasser einen zusätzlichen Liter. Weiter wird für den Produktionsprozess Öl verwendet und für den Transport von Wasser auf der ganzen Welt eine grosse Menge an CO2 produziert.

Heutzutage gibt es viele Wasserfiltersysteme – was hat Sie dazu verleitet ein neues System zu entwickeln, was ist daran anders?

Menschen kaufen hauptsächlich aus zwei Gründen abgefülltes Wasser. Einerseits weil es besser schmeckt als lokales Leitungswasser und andererseits wird Leitungswasser nicht überall als gesund wahrgenommen. Die Installation von Hauswasserfiltern und Reinigungssystemen war bisher die einzige Alternative zu abgefülltem Flaschenwasser. Dazu zählen Technologien, die auf Umkehrosmose basieren und Schadstoffe und Bakterien filtern. Solche Hochleistungsfilter entfernen jedoch gleichzeitig auch die gesamten Mineralien aus dem Wasser. Nicht nur schmeckt das Wasser danach abgestanden und unappetitlich, es ist auch weniger gesund, da der Körper auf diese Weise nicht genügend Mineralien aufnimmt. LANG verwendet ein dreistufiges Filtersystem mit einer Umkehrosmose Membran, welche Schadstoffe, Bakterien und unangenehme Gerüche herausfiltert und gleichzeitig natürliche Salze und Mineralien zurücklässt. Dadurch wird gesundes, frisch schmeckendes Wasser erzeugt, so wie man es von Qualitäts-Flaschenwasser gewohnt ist.

Zwei LANGPAK-Container können 250 Liter mineralisiertes Wasser produzieren © LANG

Die Entwicklung des neuen «All-in-One-Getränkesystems» hat ungefähr zehn Jahre gedauert – was waren die grössten Herausforderungen, die Sie bewältigen mussten?

Der erste Schritt war die Suche nach dem richtigen Filtersystem. Um ein solches Gerät im Konsumgütermarkt verkaufen zu können muss «schmutziges» Wasser schnell und ohne Chemikalien gereinigt werden. Zusammen mit der EAWAG arbeitete LANG an der Evaluation der verschiedenen Filtrationstechnologien, der Verbesserung der gesamten Wirksamkeit und der Anpassung des Umkehrosmose-Verfahrens für den «Heimgebrauch».

Die zweite Herausforderung ist die Re-Mineralisierung. Die herausgefilterten Mineralien müssen wieder zurück in das saubere Wasser gebracht werden. Die Mineralien sind für den Geschmack und die Gesundheit unerlässlich, zudem gilt der Geschmack als Verkaufsargument Nummer 1. Ohne Mineralien wird das Wasser als geschmacklos und leicht säuerlich wahrgenommen. Für die Gewährleistung des natürlichen Mineralgeschmacks muss eine präzise Dosierung der Mineralien vorgenommen werden. Für diesen Prozess brauchten wir ebenfalls Unterstützung. Wir arbeiteten mit führenden Lebensmitteltechnikern der ZHAW zusammen, um die richtige Mineralmischung herzustellen und den besten Geschmack zu erzielen.

Die Mineralien werden in austauschbaren Verpackungen gelagert, die in das Gerät platziert werden. Um den Abfall zu reduzieren werden Mehrzweckverpackungen anstelle von Einzelverpackungen angeboten. Die präzisen Dosierungen erfordern eine absolut luftdichte Verpackung. Dies erwies sich als grosse technische Herausforderung, insbesondere da es sich ansonsten um ein relativ kostengünstiges Konsumgüterprodukt handelt. Um eine derartige Verpackung zu entwickeln, haben wir Technologien aus der Medizinindustrie evaluiert, und diese für den Konsumgütermarkt kommerzialisiert.

Ist der Verkauf von gesundem Wasser gut genug?

Mit unserem System ist es nicht nur möglich sauberes und gesundes Wasser zu produzieren, die Kunden können auch ihren eigenen Tee und aromatisierten Getränke herstellen. Wir setzen es uns als Ziel, hohe Wasserqualität mit natürlichen Fruchtaromen zu kombinieren. Wir wollen dem Markt eine gesunde und kostengünstige Alternative zu allen künstlichen, kalorienreichen Fruchtgetränken anbieten. Aus diesem Grund haben wir die LANG Packs entwickelt, die eine sehr hohe Frucht- und Teekonzentration, aber keinen Zucker oder andere Nahrungsmittelergänzungen enthalten. Wir glauben an «drinking water, not sugar”.

Wir denken auch darüber nach, Pakete für Menschen mit Bedarf an spezifischen Mineralien zu entwickeln. Beispielweise für schwangere Frauen, kleine Kinder, ältere Menschen und Sportler. Ich bin der Überzeugung, dass eine grosse Nachfrage nach solchen personalisierten Produkten bestehen wird.

Das LANG All-in-One Drinks System liefert reines Mineralwasser sowie warme und kalte aromatisierte Getränke © LANG

Das LANG-System wird dieses Jahr auf dem Markt erscheinen, jedoch nicht in der Schweiz – warum?

Die Schweiz ist für LANG aufgrund des hohen Pro-Kopf-Verbrauchs von Flaschenwasser ein sehr interessanter Markt.

Für den Produkt-Launch konzentrieren wir uns jedoch hauptsächlich auf städtische Gebiete, in denen das Leitungswasser nicht gut schmeckt. Dazu zählen Grossbritannien, Frankreich und Deutschland. Wir möchten dort die «Early Adopters» anzusprechen, die hochwertiges Wasser trinken wollen und dennoch umweltbewusst sind und auf Plastik verzichten wollen.

Wir starten mit einer digitalen Marketing Kampagne, um erste Umsätze via online und Social Media Marketing zu generieren. Hier ist es wichtig sich auf ausgewählte potenzielle Märkte zu konzentrieren, um die Early Adopters zu erreichen. Auf diese Weise können Abwicklungs- und Logistikprozesse vereinfacht werden. Die nächsten Märkte werden voraussichtlich die USA und Asien sein.

Wir sind zurzeit auf der Suche nach jungen talentierten Marketingfachleuten, die an unser Produkt glauben und mit uns einen nachhaltigen Erfolg erstreben wollen. Die Aufgabe besteht darin, für den Auftritt auf Social Media und anderen Marketingkanälen neue Ideen einzubringen und hierfür geeignete Kampagnen zu entwickeln.

Weitere Informationen über LANG findet man auf der Webseite oder man kontaktiert Jan-Erik direkt unter jan-erik.lundberg@genevalab.com

Die Verpackung – ein Marketinginstrument im Wandel

Von Kristina Michel

Wer kennt das nicht: Kurz vor einem Abendessen bei Freunden fehlt das passende Mitbringsel, man eilt in den nächsten Supermarkt und wählt in der Hektik jene Pralinen, die besonders hübsch verpackt sind.

Verpackungen nehmen bei der Vermarktung von Produkten generell eine zentrale Rolle ein. Dies zeigte unter anderem der 2016 veröffentlichte Nielsen Breakthrough Innovation Report. Die Analyse von 9’900 Produkteinführungen in ganz Europa verdeutlichte, dass das Product Design und das Verpackungsdesign zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren überhaupt zählen. Die Forscher Esch und Langner (2000) schrieben Verpackungen vor allem beim Branding von sogenannten Fast Moving Consumer Goods (FMCG) eine zentrale Bedeutung zu. FMCG sind besonders häufig gekaufte Konsumgüter wie etwa Lebensmittel und Körperpflegeprodukte, die oft spontan und routiniert gekauft werden.

Von verpackt zu unverpackt

Doch gerade im Bereich der FMCG interessieren Verpackungen in letzter Zeit scheinbar immer weniger. Ursache dieses Umdenkens ist die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit für unseren höchst problematischen, umweltschädigenden Umgang mit Plastik. Seit 70 Jahren steigt die weltweite Plastikproduktion unaufhörlich an, Hauptanteil: Verpackungen. Immer mehr Menschen und teilweise sogar ganze Gemeinden sind daher bemüht, ihren Abfallberg möglichst klein zu halten – der Umwelt und damit letztlich auch sich selbst zuliebe.

Und welches ist der einfachste Weg, um möglichst wenig Abfall zu produzieren? Ihn gar nicht erst ins Haus zu bringen. Dies gelingt am besten, wenn man möglichst viele Produkte unverpackt kauft. Unverpackt-Läden sind gar nicht so neuartig, wie viele vermuten mögen. Die Idee stammt aus Kanada, wo die Einzelhandelskette Bulk Barn bereits 1982 das erste Geschäft öffnete. Erst 25 Jahre danach wurde die Idee auch von Europa übernommen: erstmals bei unpackaged in London. Im deutschsprachigen Raum gibt es sie seit 2014, in der Schweiz öffneten 2017 besonders viele Läden erstmals ihre Tore.

Die Palette in Bern ist einer von mehreren 2017 eröffneten Unverpackt-Läden © Palette – Unverpackt einkaufen

Smart Branding für Früchte und Gemüse

Viel Ärger beschert Kunden der Schweizer Grossverteiler aktuell die Tatsache, dass Bio-Früchte und Gemüse nur in Plastikverpackungen erhältlich sind. Grund: die Verpackung hat hier eine Informationsfunktion, welche die Bio-Produkte vom Rest unterscheidbar macht. Doch auch hier gäbe es bereits Lösungen: Branding funktioniert auch ohne Verpackung. Einige Grossverteiler in Holland und Deutschland arbeiten mit dem Smart Branding, bei dem Früchten und Gemüse per Laser ein Logo verpasst wird.

Nachfüllservice statt Einwegverpackung

Dann gibt es allerdings auch jene Konsumgüter, die weniger leicht oder nicht ohne Verpackung auskommen. So etwa Hygieneartikel wie Shampoos und Duschgels. Wer nicht auf Shampoo in Seifenform umsteigen will, findet u.a. bei Eduard Vogt oder in den Dr. Noyer Apotheken in Bern nachfüllbare Duschbäder, Shampoos, Haarbalsam und Bodylotions an. Die Pflegelinie von Dr. Noyer zeichnet sich zudem dadurch aus, dass sämtliche Produkte – im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Produkten – vollständig biologisch abbaubar sind. Mirjam Capt, Apothekerin und Geschäftsführerin von Dr. Noyer Postparc, hat das Kaufverhalten ihrer Kunden beobachtet: « Im laufenden Jahr sind in unseren drei Berner Filialen über 2000 Behälter aufgefüllt worden. Die Nachfrage ist im Vergleich zum Vorjahr grösser geworden. Vor allem jüngere Kunden interessieren sich für unsere nachfüllbaren Produkte

Die Verpackungen der Produkte von Dr. Noyer fallen durch ihre Schlichheit auf: Was zählt, ist der Inhalt © Dr. Noyer AG

Wird die breite Bevölkerung weiterhin erfolgreich für die Plastikproblematik sensibilisiert, spielen das Product Design und die Verpackung bei häufig gekauften Konsumgütern künftig vielleicht eine kleinere Rolle, als bis anhin.

Über die Autorin

Kristina Michel hat an der Universität Bern Literatur- und Sprachwissenschaften studiert. Während eines Praktikums im Bereich Kommunikation hat sie entschieden, den CAS Marketing- and Corporate Communications zu absolvieren. In ihrer Freizeit hört und macht sie gerne Musik oder ist auf Entdeckungstour in der Natur.

«Bewusst Gewohnheiten ändern»: 7 Regeln für einen nachhaltigen Konsum im Alltag

Von Verena Berger

  1. Weniger ist mehr: Das heisst zu überlegen, ob man Dinge wirklich braucht. Das gilt bei Neuanschaffungen, wie auch beim Entrümpeln. Was in den letzten 12 Monaten nicht gebraucht wurde, ist möglicherweise überflüssig. Ausleih- oder Tauschplattformen sind tolle Alternativen zur Entsorgung im Müll. Dem Hausrat oder Elektrogeräten so ein zweites Leben schenken, erleichtert zudem die Trennung, da die Dinge weiter Verwendung finden.
  2. Ernährung: Weniger Fleisch im Speiseplan schont nicht nur die Umwelt, sondern fördert auch die Gesundheit durch mehr Vielfalt auf dem Teller. Denn wer zudem noch einen Schritt weiter geht und vermehrt tierische Produkte durch regionale pflanzliche Alternativen ersetzt, der wird schnell zum kreativen Zutaten-Entdecker und Experte für Saison-Gemüse.
  3. Kleidung: Auf Label und zertifizierte Kleider achten. Netzwerke wie Get Changed helfen dabei, die fairen Marken und Händler zu finden. Lieber ein hochwertiges fair gehandeltes Kleidungsstück, dass man mit guten Gewissen tragen kann, als massenweise Billigware.
  4. Heiss ist alles andere als cool: Am besten die Heizung einige Grad herunter drehen, dann findet auch der heiß geliebte Kuschelpulli endlich Verwendung. Das spart Energie und gleichzeitig noch Heizkosten.
  5. Noch nie war das Teilen so einfach: Teilen, tauschen, verkaufen bzw. kaufen von gut erhaltenen, neuwertigen oder gebrauchten Gegenständen über lokale Tauschbörsen oder eine der etlichen online Plattformen ist „in“ und kinderleicht. Ausprobieren lohnt sich. Wer doch keinen Spass daran findet, dem bleibt natürlich noch das Verschenken.
  6. Bewusst Gewohnheiten ändern: Es ist so einfach nichts zu ändern. Aber ohne Veränderung, keine neuen Erfahrungen. Warum nicht mal mit dem Bus in die Stadt oder mit dem Fahrrad zur Arbeit? Garantiert staufrei und mit CO2– Ersparnis.
  7. Heute an Morgen denken: Wenn dein Leben morgen endet, bist du stolz auf das, was du hinterlassen hast? Wenn ja, dann motiviere doch auch andere Menschen dazu ein bisschen mitzuhelfen – Schritt für Schritt und ohne Zeigefinger, denn Ansporn ist so viel produktiver als Kritik.

Die Autorin Verena Berger (c) Linda Pollari (www.lindapollari.ch)

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