Smart Home und die Sprache unserer vier Wände

Von Corinna Pagani

Seit jeher ist es ein menschliches Bedürfnis den Gegenständen im eigenen Umfeld Namen und eine Persönlichkeit zu geben. So waren es im Mittelalter die Schwerter und heute die eigenen Wände. Während die mutigen Ritter keine Antwort oder Reaktion erhielten, verstehen und führen unsere Gegenstände heute Sprachbefehle aus.

Die Technologiefirmen dieses Planeten sind drauf und dran unseren Häusern ein Gehirn zu verpassen, welches intelligent auf spezifische Situationen reagiert. Diese Möglichkeit bietet ein grosses Potential unsere Heime energieeffizienter, sicherer und gemütlicher zu gestalten. Bereits heute gibt es renommierte Anbieter für Smart Home Lösungen. Dessen Funktionen steuern sich vorwiegend über Displays oder das Smartphone. So bietet der Schweizer Telekommunikationsprovider Swisscom diverse Gadgets für Musik, Licht und Überwachung an, welche sich sehr simpel in jedes Haus oder die eigene Wohnung integrieren lassen.

Auch die Eibrom AG ist ein kompetenter Smart Home Designer. Ihre Haupttätigkeit besteht darin, Eigenheime mit digitalen Funktionen auszustatten. Ihr Inhaber und Experte, Roland Keller, erklärt was unter Smart Home Lösungen zu verstehen ist und wie sich die Zukunft abbildet.

Herr Keller, beschreiben Sie in wenigen Sätzen das spannendste Projekt, welches Sie umgesetzt haben.

Wir sind mit unseren Smart Home Lösungen im Bereich der Privatwohnungen spezialisiert. So haben wir bereits viele Projekte für Einfamilienhäuser, Villen oder Wohnungen realisiert. Spannend ist es eigentlich immer. Wir suchen mit dem Bauherrn zusammen seine massgeschneiderte Smart Home Lösung und integrieren verschiedene Gewerke wie z.B. Licht, Storen, Heizung, Alarmanlage, Störmeldungen, Musik und Multimedia, Kameraüberwachung, Saunasteuerung usw.

Smart Home Lösungen werden immer beliebter © Eibrom AG und Easy-Master

Ist die Schweiz heute schon bereit für eine “Smart-Home-Revolution”? Wo steht die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern?

Der Standard im Schweizer Wohnungsbau ist sehr hoch. Viele Bauherren wissen bereits, dass sie ein Smart Home wollen. Das ist sicher im Vergleich zu unseren Nachbarländern Deutschland oder Österreich unterschiedlich. Bei uns ist die Akzeptanz zu Smart Home grösser.

Wie stellen Sie sich ein durchschnittliches Zuhause unserer Enkelkinder vor?

Bildschirme und Touchscreen sind im Haus allgegenwärtig. Das Smartphone wird seine Dominanz weiter ausbauen. Einkäufe, Zahlungen, mit Freunden kommunizieren und natürlich das Steuern seines Smart Home wird über das Smartphone abgewickelt und muss jederzeit und von jedem Ort aus möglich sein. Darum muss der Sicherheit vor fremdem Zugriff eine grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Das Smartphone als Steuerungszentrale © Pixabay

Das nächste Level

Der renommierte US-Marktforscher Gartner Inc. ordnet auf seiner weltbekannten Hype Cycle alle Jahre die aktuellen Technologietrends nach ihrem momentanen Stand ein. In der Publikation 2018 befindet sich “Connected Home” (Smart Home) in der Phase “Trough of Disillusionment”. Dies hat zur Bedeutung, dass der primäre Höhepunkt erreicht ist und die Lösungen sich nun auf dem Markt etablieren müssen. Jedoch ist die Technologie noch fehleranfällig und hat mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. So kann bereits ein Zahnarztbesuch fatale folgen haben.

Alexa, bestell mir eine Pizza Margherita!”. So klingt es, wenn zu Hause das Gerät Amazon Echo Dot installiert ist. Mit Google Home hat der Internetriese ebenfalls ein Gerät lanciert, das komplexe Anfragen bearbeitet. Im Vergleich zum Mensch sind besagte Geräte in der Interaktion und Kommunikationsfähigkeit auf der Höhe eines Kleinkindes. Doch wie ein junger Mensch, werden die intelligenten Einrichtungen im eigenen Haus die Kunst der komplexen Kommunikation eines Tages beherrschen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Befehle wie „Zeige mir das Kino, in dem ich letzten Monat mit meiner Freundin einen Film gesehen habe, und nenne mir auch den Titel dieses Films“ richtig erkannt und entsprechend ausgeführt werden.

So stellt sich die Frage: Werden wir in Zukunft auf dem Sofa liegen und unserem zu Hause unsere Herzen ausschütten? – Gut möglich…

Über die Autorin

Corinna Pagani ist begeisterte Entdeckerin von neuen Technologien. Sie ist in Winterthur aufgewachsen und hat an der HTW Chur ihr Bachelorstudium in Tourismus absolviert. Zurzeit studiert sie berufsbegleitend an der ZHAW. Beruflich erarbeitet die Projektleiterin Marketing bei FO-Communication am liebsten Marketing- und Kommunikationskonzepte für verschiedene KMUs. Besonders liegt ihr dabei den richtigen Einsatz von digitalen Marketingmassnahmen am Herzen..

Virtual und Augmented Reality in der Vorlesung

Die ZHAW ist berühmt für ihre Praxisnähe. Die Studierenden kommen früh mit Unternehmen in Kontakt und lernen das Wissen zu transferieren. Wichtig für die Zukunft sind aber auch die neuen Technologien und Trends. Im Masterstudiengang Business Administration mit der Vertiefung Marketing konnten die Studierenden dies mit eigenen Augen erleben – hier hielt nämlich die Virtual und Augmented Reality Einzug.

Nach wie vor sind Produkte ein entscheidender Bestandteil des Marketings. Dafür gibt es im Masterstudium auch ein spezielles Fach mit dem Titel Product Service und Innovationsmanagement (PSIM). Neben dem klassischen Produktmanagement mit seinen Methoden und Werkzeugen, wird der Digitalisierung ein wichtiges Augenmerk geschenkt. Die Folgen der Digitalisierung sind auch im Produktmanagement spürbar und rufen Veränderungen hervor.

Eine grosse Rolle spielt natürlich die Innovationsphase, aber auch in der Produktion und in der Logistik sind digitale Hilfsmittel im Einsatz. Mehr digitale Möglichkeiten gibt es ausserdem in der Vermarktung und in der After Sales Phase. Hier stehen die Virtual und Augmented Reality Technologien ganz vorn.

Im Rahmen des Unterrichts haben Prof. Dr. Rainer Fuchs und Dr. Roger Seiler den Studierenden demonstriert, welche Potenziale diese Technologien für das Produktmanagement eröffnen und wo ihre Einsatzmöglichkeiten sind. Den Studierenden wurde dabei ein VR Cardboard, eine Virtual Reality Brille aus Pappe zum selber falten, zur Verfügung gestellt. Danach konnten sie mit ihren Smartphones verschiedene Applikationen ausprobieren. Schliesslich ist es durchaus möglich, dass sie nach ihrem Abschluss mit diesen Technologien arbeiten werden.

VR und AR in der Vorlesung

Für die Dozenten war diese Veranstaltung nur ein erster Schritt. Zukünftig soll der Unterricht noch fokussierter sein, z.B. soll darauf eingegangen werden, wie produktbezogene Daten im Laufe des Produktlebenszyklus gewonnen werden und wie man sie für Marketing resp. After Sales auswerten und nutzen kann.