Durchstarten mit dem SWISS Branding

Der Praxisbezug wird an der ZHAW traditionell hoch geschrieben. Die Studierenden erhalten nicht nur die theoretischen Fähigkeiten, sondern können auch exklusive Einblicke in den Arbeitsalltag grosser Unternehmen werfen. So geschehen im Fach Brand Management, das von Frau Dr. Adrienne Suvada unterrichtet wird. Hier kamen die Studierenden in den Genuss einer Lektion, die direkt vom Head of Marketing der SWISS gehalten wurde. Bernhard Christen sprach erfrischend offen über die Ideen und die Schwierigkeiten des SWISS Brandings.

Die Schweizer Identität als Teil des Brandings © SWISS

Die Lektion begann mit einem historischen Rückblick. Die SWISS entstand auf Basis der Crossair welche eine Tochtergesellschaft der Swissair war, die ja im Oktober 2001 groundete. Das Unternehmen hat sich in den Jahren gewandelt und sucht eigene Wege, auch wenn es in der Organisation der Lufthansagruppe, zusammen mit der Lufthansa und der Austrian Airlines, integriert ist. Das Brand Management Team der SWISS ist zuständig für das Brand Positioning und definiert die SWISS als „the airline of Switzerland“. Das Branding der SWISS hat mehrere Entwicklungsschritte hinter sich. 2009 waren die meisten Airlines in der unbeliebten „stuck in the middle“ Position. Sie hatten mittelmässige Marktanteile und sassen zwischen den Stühlen. Für die SWISS war klar, dass sie nie mit den grossen Airlines wird konkurrieren können. Es galt sich zu differenzieren und das wurde in der Kundenbeziehung umgesetzt. Man wollte flexibler werden, wenn es um Kundenbedürfnisse ging. Die Kundennähe wurde zum Schlagwort für diese Airline: Man wollte näher bei den Gästen sein, als die grossen Airlines mit ihren vielen Prozessen.

Bernhard Christen Head of Marketing bei der SWISS und Dr. Adrienne Suvada von der ZHAW

Swissness und die kleinen Dinge mit grosser Wirkung

Das SWISS Branding profitiert natürlich von der Marke Schweiz im Allgemeinen. „Durch diese Verbindung hat man nie ein billiges Image, man wird immer höher gewertet, als andere„, erläutert Bernhard Christen. Die Swissness wurde auch mit dem 2011 lancierten Branding umgesetzt. Diese Kampagne benutzte mehrheitlich die Farbe Grau. Man sah nur etwas Rot und das Schweizerkreuz in der Bildsprache. Dieses Branding war sehr erfolgreich, weil es sich stark von den anderen Airlines unterschieden hat. Das Problem war aber, dass graue Bilder mit Flugzeugen schwer Emotionen vermitteln können. So langsam setzte sich die Idee durch, dass es besser wäre, auch Menschen zu zeigen. Die SWISS brauchte eine Kommunikation, die auf das WARUM und nicht nur auf das WAS den Fokus setzt. „Es war notwendig nicht nur zu kommunizieren, dass man etwas tut, sondern warum man etwas tut„, erklärt Bernhard Christen. In der Analyse war schnell klar, dass in der Schweiz die kleinen Dinge einen grossen Unterschied ausmachen. Dies wurde auf die SWISS übertragen: Die Airline sorgte sich um die kleinen Dinge, die aber einen grossen Effekt haben. Gerade am Beispiel der SWISS Schokolade kann man dies gut aufzeigen. Das einzelne kleine Schokoladentäfelchen kostet im Einkauf nicht die Welt, erzeugt aber bei den Passagieren unglaublich positive Reaktionen und lässt sie mit einem Lächeln das Flugzeug verlassen.

Praktische Erfahrungen, die Bernhard Christen spannend vermitteln konnte

Konsequente Branding-Umsetzung auch für die Mitarbeiter

Der zweite Schritt des neuen Brandings war das Hinzufügen von Farben. Dies galt nicht nur für die Werbeanzeigen, sondern zum Beispiel auch für die Servietten im Flugzeug oder den Zucker- und Salzpäckchen. Auch die Merchandising Artikel wurden farbiger und lebendiger. Das Branding wurde aber auch intern konsequent umgesetzt. Der Hauptsitz und die Arbeitsplätze wurden umgestaltet. Es gab nun Farben und Holzelemente, so wie auch bei den SWISS Lounges weltweit. „Unsere Mitarbeiter sollten sich wie unsere Gäste fühlen, das war die Absicht dahinter„, meint Bernhard Christen. Natürlich setzt die SWISS auch noch auf klassische Out of Home Werbung, mittlerweile geht aber über die Hälfte des Werbebudgets in die digitalen Kanäle. Hier werden verschiedene Videosequenzen eingesetzt, die auch auf die internationalen Märkte entsprechend abgestimmt werden. Zum neuen Branding gehörte auch ein neues Sponsoringkonzept. Vorher hat die Airline Top Events in der Schweiz gesponsert, dies aber nicht für die Kommunikation genutzt. Dies ist nun anders, die SWISS integrierte zum Beispiel das Schweizer Fussballteam für eine Kampagne. So kam es, dass für einmal Fussballspieler als Flight Attendants unterwegs waren. „Die Lektion war ein spannender Einblick ins Schweizer Airline Business. Besonders interessant war es zu sehen, wie hier die Swissness umgesetzt wird„, meint die Dozentin Dr. Adrienne Suvada. Insgesamt ein gelungener Austausch und ein spannender Unterricht für die Studierenden der ZHAW, die sicherlich viele Tipps für ihr späteres Berufsleben mitnehmen konnten.

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Weiterhin einen guten und erfolgreichen Flug! © SWISS

Vom „Wurzelbunker“ zum Vegi-Tempel: Die Hiltl Erfolgsgeschichte

Von Dr. Adrienne Suvada

Ambrosius Hiltl haben wir es zu verdanken, dass das erste vegetarische Restaurant der Welt, zum erfolgreichen Hiltl wurde. Das damalige „Vegetarierheim und Abstinenz-Café“ (1898 in Zürich eröffnet) war nicht sehr angesehen und wurde als „Wurzelbunker“ verspottet. Ambrosius Hiltl, der deutsche Schneidergeselle, litt an Gelenkrheuma und musste daher zwangsläufig zur vegetarischen Kost wechseln. Diese heilte sein Leiden und Ambrosius wurde zum Gastronom und konnte 1907 das Haus an der Sihlstrasse sogar erwerben.

Hiltl in der Luft

Auch die zweite Hiltl Generation war vom erfolgreichen Innovationsgeist geprägt. Leonhard Hiltl, dem Sohn von Ambrosius Hiltl, haben wir es zu verdanken, dass das Hiltl die erste voll elektrische Grossküche in Zürich besass. Auch wenn sich das ehemalige Vegetarierheim gemausert hatte, so richtig gut angesehen, waren die Vegetarier immer noch nicht. Ein Mann ohne Fleisch, das ging einfach nicht. Dank Margrith Hiltl, der Ehefrau von Leonhard, wurde die indische Küche nach Zürich exportiert. Viele indische Gäste trotzten der zürcherischen Skepsis, bis sogar die Swissair anklopfte. Schliesslich sollten auch die indischen Passagiere in der Luft ein solches Essen geniessen dürfen. Aktuell und seit über 6 Jahren, serviert SWISS vegetarische und vegane Hiltl Gerichte an Bord in allen drei Reiseklassen.

Historische Aufnahme (c) Hiltl AG

Vegetarische Unternehmensphilosophie

Heinz Hiltl übernahm die Geschicke in der dritten Generation und versuchte ein jüngeres Publikum für die vegetarische Küche zu begeistern. 1973 konnte dann das neue „Hiltl Vegi“ eröffnet werden, inklusive einem innovativen Salatbuffet und frisch gepressten Fruchtsäften. Heinz Hiltls unternehmerische Philosophie war Gewinnoptimierung vor Gewinnmaximierung. Die Ziele mussten vor allem für ihn als Mensch übereinstimmen, denn der geschäftliche Erfolg war nur ein Teil der persönlichen Ambitionen.

Das Hiltl Vegi (c) Hiltl AG

Mittlerweile herrscht über den Vegi-Tempel Rolf Hiltl (geb. 1965). Eher amerikanisch inspiriert lebt er nach dem „Trial and Error Prinzip“. Der Vorteil, mittlerweile ist Vegi „in“ geworden. Das Haus Hiltl wurde zu einem Trendrestaurant, einfach mit dem Unterschied, dass hier kein Fleisch zu finden ist. Rolf Hiltl ruht aber keinesfalls auf den vegetarischen Lorbeeren aus. 1998 gründete Hiltl zusammen mit den Gebrüdern Frei „tibits“ mit acht Betrieben in der Schweiz und einem in London. Das Stammhaus an der Sihlstrasse wurde renoviert und um die Hiltl Akademie mit Kochschule, Seminarräume, die erste vegetarische Metzgerei der Schweiz und den Hiltl Club erweitert. Mittlerweile betreibt die Hiltl AG neben dem Stammhaus fünf weitere Betriebe in Zürich: Die Hiltl Dachterrasse an der Bahnhofstrasse, die Hiltl Pflanzbar im Blumen Krämer, die Hiltl Sihlpost und im Sommer die Restaurants der Badis Mythenquai und Kilchberg.

Den gesamten historischen Abriss, finden Sie hier.

Mit Poulets nach Dakar

Wer das Hiltl betritt, dessen Nase wird von vielen Gerüchen umspielt. Ein besonderes Flair umgibt diesen Ort und die Kundschaft lässt sich auch nicht pauschalisieren. Da steht der Öko-Typ neben dem Businessman und beide lassen es sich am riesigen Buffet gutgehen. Rolf Hiltl geht schon fast ein bisschen unter zwischen den vielen Gästen, aber seine Persönlichkeit ist spürbar. Die Hiltl Tradition lebt in ihm weiter und das spiegelt sich auch in seiner Unternehmensphilosophie. „Create a better World, ist sozusagen unser Motto, wir wollen dazu beitragen die Welt ein bisschen besser zu machen und unsere Arbeit soll einen Sinn ergeben„, meint der Gastroprofi. Das Hiltl sei nicht nur einfach ein Business Case, es hat immer das „Why“ hinter der Tätigkeit verfolgt und sich auch ökologisch verhalten. „Hätte das Hiltl seit 1898 Poulets anstatt vegetarischem Essen serviert, à la KFC (Kentucky Fried Chicken), und hätte man diese aneinandergereiht, so ergäbe das eine Strecke von Zürich nach Dakar„, kalkuliert der Chef gleich selbst vor. Dennoch, es geht um gesunden Genuss, man will nicht missionarisch agieren und Fleischesser verdammen. Im Gegenteil, es gibt viele so genannte Flexitarier, die ins Hiltl kommen und viele Touristen wissen nicht einmal, dass sie in einem Vegi-Restaurant sind.

Das Hiltl in Zürich © by Adrian Bretscher/Hiltl AG

Unternehmerischer Marketingtyp

Im Hiltl Leitbild befindet sich Innovation ganz zuoberst. „Wir versuchen etwas sehr Schwieriges, nämlich Innovation und Tradition zu vereinen. Es gibt bei uns bekannte heimische Sachen und gleichzeitig waren wir zum Beispiel, das erste Restaurant in der Schweiz mit einer Website„, erklärt Rolf Hiltl. Die Leidenschaft ist klar spürbar und ein Stillstand ist nicht zu erkennen, gleichzeitig betont der Hiltl-Chef, dass er immer auch seine eigenen Wege sucht, ein Herdentierli zu sein, das läge ihm nicht. Nicht immer war es einfach Innovation und Tradition in Einklang zu bringen, denn sein Vater war kein Marketingtyp und vielleicht gerade deshalb, hat sich dann Rolf Hiltl in die Nische gesetzt. Ihm war schon während seiner Kochlehre im Dolder Grand bewusst, dass es nicht reicht gut zu kochen, man muss es auch kommunizieren. Bei aller Kreativität, ist natürlich die unternehmerische Verantwortung wichtig. Misserfolg sei nicht negativ, sondern helfe sich zu verbessern. Wichtig sei, sich nicht von jedem Wind irritieren zu lassen.

Rolf Hiltl © by Adrian Bretscher/Hiltl AG

Google und Hiltl

Rolf Hiltl geht mit der Zeit, ist aber auch fest überzeugt, dass auch in 20 Jahren noch gegessen wird. Die Menschen suchen die Geselligkeit und noch kann man Lebensmittel nicht digitalisieren. Digitales Marketing nutzt aber auch der Vegi-Tempel, sogar sehr innovativ. „ Wir Menschen tratschen ja gern„, meint Rolf Hiltl schmunzelnd. „auf unseren Social Media Walls kann man das in Echtzeit tun und wir sehen gleich, was die Menschen beschäftigt.“ Angst vor Bewertungsportalen hat er keine, denn Social Media ist für ihn selbstregulierend. Wenn einer eine extrem schlechte Bewertung abgibt, sind zehn andere da, die das anders sehen. Er lässt die User gern diskutieren, auch beim letzten grossen Medienrummel, wo der Hiltl Club, Pelzträger nicht hineinliess. Hiltl zieht sein Ding durch und ist authentisch, das ist sicherlich ein grosser Teil des Erfolgsrezeptes. Auch als Chef bevorzuge er die offene Diskussion und Kritik, so beuge man Unstimmigkeiten vor und er wolle einfach keine Angstkultur in seinem Betrieb. Gemäss seinem „Trial and Error Prinzip“, vergleicht sich der Hiltl-Chef auch mit Google: „Wir sind uns recht ähnlich, denn Google probiert viel aus, wirft Dinge einfach mal auf den Markt, so ticken auch wir, zum Beispiel bei unserem Buffet.“

Das Buffet (c) Hiltl AG

Schockierende Veganer

In Zeiten von Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeiten, wird das Essen nicht mehr nur zum Genuss. Rolf Hiltl sieht das durchaus kritisch, obwohl sein Restaurant schon seit zehn Jahren rund 15 Allergene deklariert: „Manchmal frage ich mich, wie sich die Leute vor 100 Jahren ernährt haben, die haben die Zeiten ja auch überlebt. Aber heutzutage ist es für die Jungen schwierig, anders zu sein, die Erwachsenen hören die gleiche Musik, ziehen dasselbe an, womit kann man die Eltern noch schockieren? Sich zum Beispiel von heute auf morgen als Veganer zu deklarieren, löst starke Reaktionen aus.“ Die kritische Sicht wird bei Rolf Hiltl auch beim Thema Kleidung spürbar, schon seit einiger Zeit kaufe er aus Prinzip keine Kleider mehr, die „Made in China“ sind. Mehr grundsätzliche Achtsamkeit also, die er gleich selber vorlebt.

Gesunder Genuss (c) Hiltl AG

Ziel New York?

Wer so erfolgreich ist, der könnte sich auch mal zurücklehnen. Nicht so Rolf Hiltl. Er eröffnet bald ein neues Restaurant mit Club an der Langstrasse und sein grosser Traum wäre in New York ein Hiltl Flagship zu haben. Bei seiner Umtriebigkeit wird wohl auch das eintreffen. Angehenden Marketingmenschen rät Hiltl: „Eine gute Basis ist wichtig, aber man soll dann nicht nur nach dieser arbeiten. Es ist wichtig seinen eigenen Weg zu gehen und Dinge zu hinterfragen. Man muss das Weitwinkelobjektiv aufsetzen und beobachten.“ Sagt’s und geht auch schon wieder weiter, denn schliesslich sollen die Gäste „ehrlich begeistert“ werden.

 

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Das Essen spielt die Hauptrolle (c) Hiltl AG