Aus Versehen ferngesehen

Von Raphael Holzer

Es ist Samstag. Ein grauer, verregneter Nachmittag geht langsam in den Abend über. Man wird vom ungemütlichen Wetter förmlich dazu gezwungen, sich mit seiner Lieblingsdecke auf der Couch einzunisten und die Flimmerkiste zum Glühen zu bringen. Doch was schaut man sich an? Angebot über Angebot! Auf Knopfdruck stehen einem tausende Inhalte zur Verfügung. Die Auswahl ist grenzenlos.

Ein Hauch von Nostalgie kommt auf, wenn man sich an frühere TV-Abende mit der Familie zurückerinnert. Es gab «Benissimo», «Wetten, dass..?», ein durchgeknalltes «TV Total»-Event oder die gewaltige Auswahl von drei bis vier Spielfilmen. Und das war es.

Aufgrund des heutigen Überangebots an Bewegtbild-Inhalten grenzt es fast an ein Wunder, wenn im linearen TV genau der Film läuft, auf den man gerade Lust hat. Die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur für die Zuschauer, sondern vor allem auch für die Fernsehsender.

Früher hat man noch tonnenweise VHS-Kassetten gesammelt. © Pixabay

Umbruch in der TV-Branche

«Früher war alles anders» – diese Aussage wird für allerlei Dinge benutzt. Auf die TV-Landschaft trifft sie mit Bestimmtheit zu. In der Schweiz steckt die Werbebranche mitten in einem rasanten Wandel. Der Medienkonsum hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neue Trends werden durch die fortlaufende Fragmentierung und Digitalisierung stark vorangetrieben. Vor allem das zeitversetzte Fernsehen bietet den TV-Nutzern die Möglichkeit, die lästigen Werbeblöcke mit wenigen Klicks zu überspulen. Gleichzeitig kämpfen die Fernsehstationen um den Erhalt der Zuschauerquoten und Werbeeinnahmen.

Gerade die jungen, technikaffinen Zuschauer nutzen vermehrt digitale Kanäle, um Video-Content zu konsumieren, wie die kürzlich erschienene Studie der Interessensgemeinschaft elektronischer Medien (IGEM Schweiz) und WEMF aufgezeigt hat.

Junge nutzen vermehrt digitale Kanäle Quelle/©: IGEM Schweiz (digiMONITOR 2019)

Heutzutage wird mehr Video-Content konsumiert als jemals zuvor. Das ist grundsätzlich eine tolle Ausgangslage für Fernsehstationen, denn sie verfügen über hochwertige Bewegtbild-Inhalte. Doch die Konsumkanäle haben sich stark verändert. Um nachhaltig erfolgreich zu sein und die Vorzüge der neuen Technologien zu nutzen, müssen auch Fernsehsender digital denken. Personalisierte Werbung durch vernetzte SmartTVs ist nur eine der neuen Möglichkeiten.

Streaming auf dem Vormarsch

Seit Jahren betreiben die Sender auch in der Schweiz eigene Videotheken auf ihren Websites. RTL beispielsweise ist 2007 mit RTLnow gestartet und hat das Angebot auf der Video-on-Demand-Plattform sukzessive erweitert. 2016 erfolgte eine Umbenennung in TV Now und mittlerweile gibt es einen zahlungspflichtigen Premium-Bereich für exklusive Inhalte.

Auch die ProsiebenSat.1-Gruppe bedient ihre Nutzer seit Jahren auf den digitalen Kanälen. 7TV hiess der Zusammenschluss sämtlicher eigenen Sender. Im Sommer 2019 wurde 7TV beerdigt und Joyn ins Leben gerufen. Joyn entstand aus dem Joint Venture von ProsiebenSat.1 und Discovery. Dadurch wurde eine zentrale App geschaffen, in welcher der gesamte Content beider Partner zentralisiert und dem User auf einem Kanal angeboten wird. Momentan gibt es die App bei unseren deutschen Nachbarn auf sämtlichen Geräten zur kostenlosen Nutzung. In der Schweiz müssen wir uns noch etwas gedulden. Im Herbst 2020 wird die SRG einen eigenen Streaming-Kanal veröffentlichen. Die Inhalte sollen aus sämtlichen Eigenproduktionen bestehen und kostenlos verfügbar sein.

Die Stossrichtung ist klar: Die Branche hat den Streaming-Trend erkannt und überlässt das Feld nicht kampflos der amerikanischen Konkurrenz. Im DACH-Raum setzen die grossen Sendergruppen auf digitale Lösungen und optimieren diese wo immer es geht, um dem User ein einmaliges Nutzungserlebnis zu bieten. Durch Streaming-Apps wird dem Nutzer ein zeit- und ortsunabhängiger Zugriff auf das komplette Portfolio mehrerer Sender angeboten. Mit den programmierten Algorithmen lassen sich dem Zuschauer aufgrund seines Nutzungsverhalten individuelle Programmempfehlungen anzeigen.

Content ist King

Es gibt mittlerweile hundert Möglichkeiten, seinen Lieblingsfilm jederzeit und von überall aus anzuschauen. Inhalte, vor allem Spielfilme, sind oftmals ersetzbar und kein Streaming-Anbieter schafft sich dadurch einen ernst zu nehmenden Wettbewerbsvorteil. Deshalb setzen grosse Sender wie ProsiebenSat.1, 3+ oder RTL auf Eigenproduktionen, welche sie ihren Konsumenten exklusiv anbieten. Nur durch die aufwendig produzierten Eigenformate schaffen sie sich ein Alleinstellungsmerkmal, bleiben langfristig im Video-Content-Dschungel attraktiv und relevant für den immer anspruchsvolleren Nutzer.

Über den Autor

Raphael Holzer ist bei der SevenOne Media (Schweiz) AG als Head of Business Development tätig. Er ist für die Produktgestaltung und strategische Weiterentwicklung der ProSiebenSat.1 Digital-Plattformen zuständig. In der Freizeit dreht sich bei ihm vieles um Fussball, Reisen und Ausflüge in der wunderschönen Schweiz. Zurzeit absolviert Raphael den MAS Marketing Management an der ZHAW.

Marketing auf vier Beinen: Kuh Zoe als Kamerafrau

Tiere gelten schon lange als Erfolgsfaktor im Marketing. Im Zürcher Oberland geht man aber noch einen Schritt weiter und lässt die Tiere gleich selbst zu Regisseuren werden. Eine Woche lang hat die Kuh Zoe Livebilder aus ihrem Alltag ins Internet gestreamt. Das Projekt wurde von natürli Zürioberland Regionalprodukte und Zürioberland Tourismus lanciert. Michael Dubach (Regionalmanager) und Aline Schmucki (Praktikantin) von Pro Zürcher Berggebiet geben uns Auskunft.

Frau Schmucki, wie entstand die Idee zu diesem Projekt? Es ist schliesslich nicht alltäglich einer Kuh eine Kamera umzuschnallen…

Die Idee stammt vom Geschäftsführer von Pro Zürcher Berggebiet, Michael Dubach. Die Idee hinter dem Projekt war, Tourismus und Regionalprodukte zu verbinden. Die Kuhkamera soll auf eine realitätsnahe und unterhaltsame Art und Weise aufzeigen, woher die die natürli Zürioberland Regionalprodukte kommen. Die Kühe geniessen auf ihren Weiden eine sehr schöne Aussicht. Diese konnte durch die Kuhkamera aus einer neuen Perspektive gezeigt werden und hat hoffentlich einige Gäste gluschtig auf die schöne Ausflugsregion gemacht.

Wie schwierig war die Umsetzung dieses Projekts? Die Kamera ist ja ein Fremdkörper und sollte die Kuh nicht stören.

Die grösste Herausforderung des Projekts war die Technik und der schwache Mobilfunkempfang rund um den Hof Auen. Es wurde eigens für das Projekt eine Glasfaserleitung in den Kuhstall gezogen, um diesen Bereich mit WLAN abdecken zu können.

Das Tierwohl stand immer an erster Stelle. Die Kamera wurde auf dem Halsband einer üblichen Kuhglocke befestigt. Zoe wurde deshalb in ihren Bewegungsfreiheiten nicht eingeschränkt. Zoe’s Ausrüstung wurde zudem bewusst so konstruiert, dass die Kamera kaputtging, bevor es der Kuh etwas machte, wenn es beispielsweise zu einem Kampf kommt.

Moderne Technik für Zoe © Kuhkamera

Was waren die Ziele dieser Kampagne? Mehr Sichtbarkeit, aber auch neue Zielgruppen zu erreichen?

Die Sichtbarkeit und das Erreichen neuer Zielgruppen waren beides Ziele der Kampagne.

Sie haben mit diesem Projekt das ländliche Leben mit dem modernen Alltag und mit den digitalen Medien verbunden. Ein schönes Beispiel für eine gelungene Integration der modernen Kommunikationsmittel. Wie wichtig ist dieses Zusammenspiel mit den digitalen Möglichkeiten?

Sehr wichtig. Mehr als die Hälfte der Websitezugriffe kamen von Smartphones. Das Marketing unsererseits hat sich stark auf digitale Medien konzentriert. Die Sozialen Medien waren zudem ein wichtiges Instrument für die Kampagne. Erfolgsbringend war sicherlich die Partnerschaft mit 20 Minuten, wo wir täglich rund 10 Ticker absetzen konnten.

Wie waren die Reaktionen auf diese Kampagne? Gab es neben den digitalen Besuchen auch live Besucher vor Ort?

Wir erhielten viel positives Feedback und viele Gratulationen zur Idee. Daneben gab es kritische Konsumenten, welche beispielsweise die Trennung von Kalb und Kuh ansprachen, oder dass die Kühe keine Hörner haben. Diese Fragen haben wir proaktiv auf unserem Blog bearbeitet.

Ja, jedoch im Verhältnis wenige. Bei der Kampagne ging es ja darum, in die Stuben nach Hause und die Büros zu streamen… 🙂 Wir hatten zwei Kindergartenklassen, die sich die Kuhkamera vor Ort anschauten.

Zoe schaffte es Land und Stadt mit den digitalen Möglichkeiten zu verbinden © Foto: Christof Sonderegger

Zum Schluss, wenn Sie angehenden Marketingfachleuten einen Tipp geben könnten, was würden Sie raten?

Weg vom klassischen Agenturdenken und den immer wieder gleichen Werbevorgängen.

Radio 24: Zürcher Lebensgefühl im Marketing

Digitales Marketing liegt momentan klar im Trend, da gehen „klassische“ Medien beinahe vergessen. Gerade das Medium Radio ist aber für das Marketing weiterhin sehr interessant, weil es trotz der Veränderungen in der Medienwelt, immer noch ein besonderes Kommunikations- und Werbemittel ist. Eines der bekanntesten Radios im Raum Zürich ist natürlich Radio 24, das von Roger Schawinski gegründet worden ist. Wie Radio 24 heute agiert, wie es das Marketing nutzt und was für Vorteile Werbekunden beim Radio haben, erklärt Florian Wanner, Geschäftsführer von Radio 24.

Radio 24 gehört zu Zürich wie das Grossmünster. Als „Piratenradio“ ebnete es den Weg für die Privatradios in der Schweiz. Wie behauptet sich Radio 24 im hart umkämpften Radiomarkt?

Der Konkurrenzkampf ist hart auf dem Platz Zürich. Gerade bei der jungen Zielgruppe ist die Vergangenheit von Radio 24 als „Piratenradio“ nicht mehr so bekannt. Das heisst, wir können uns nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Wir müssen uns mit einem Produkt behaupten, welches auf die Bedürfnisse unserer Hörerinnen und Hörer entspricht. Wir kennen unsere Zielgruppe zum Glück ziemlich genau und passen unser Programm und Aktivitäten laufend an, um möglichst viele Hörerinnen und Hörer zu erreichen.

Wie wichtig ist die Markenidentität für ein Radio? Was macht Radio 24 so besonders?

Die Markenidentität ist extrem entscheidend in der heutigen Zeit. Man hat durch die Digitalisierung einen unglaublichen Zugriff auf diverse Streamingdienste und Radio Stationen aus der ganzen Welt. Entsprechend muss man den Hörern klarmachen, was sie bei Radio 24 erwarten. Uns macht besonders, dass wir den besten Musikmix bieten, kompetent und aktuell informieren und wir haben gute und unterhaltende Moderatoren. Wir sind in der Ansprache nicht plump und kindisch, sondern reif und auf Augenhöhe mit unseren Hörerinnen und Hörern. Der letzte entscheidende Punkt gegenüber der internationalen Konkurrenz ist das Zürcher Lebensgefühl, welches wir in all unseren Aktivitäten und Beiträgen zu vermitteln versuchen.

Radio 24 – Das isch Züri (c) Radio 24 AG

Der Medienkonsum hat sich verändert. Spürt auch Radio 24 die Effekte des digitalen Wandels?

Radio ist das Medium, welches am wenigsten unter dem digitalen Wandel leidet. Die Radionutzung ist relativ stabil in den letzten Jahren. Ich gehe auch fest davon aus, dass dies so bleiben wird. Seit dem ersten Walkman hat man die Möglichkeit seine eigene Musik immer und überall zu hören. Natürlich haben sich die Möglichkeiten mit dem Smartphone nochmals vermehrfacht. Der Mensch ist faul und will sich nicht jeden Tag seine Musik selber zusammenstellen. Wir bringen den besten Musikmix mit nur einem Knopfdruck. Eine weitere wichtige Funktion ist der Begleiter. Es spricht dich jemand direkt an und informiert dich mit den wichtigsten Ereignissen aus der Region und der Welt. Diese Kombination bietet zum Glück nur das klassische Radio an. Daher bin ich überzeugt, dass das Radio trotz Digitalisierung die Daseinsberechtigung behalten wird.

Das Radio ist ein wichtiges Medium für Unternehmen, um Werbung zu schalten. Mittlerweile wird aber mehr und mehr in digitale Werbung investiert. Wie geht Radio 24 damit um?

Auf der Werbeseite wird es sicherlich immer schwieriger, da das Angebot für Werbekunden laufend wächst. Aber auch hier hat Radio diverse Vorteile, welche die digitalen Kanäle nicht bieten können:

  1. Die Werbung kann im Radio nicht überspult werden oder ignoriert werden.
  2. Wir erreichen die Hörerinnen und Hörer vor allem auch beim Autofahrern und profitieren hier von der Geschwindigkeit des Mediums. Aktuelle Abverkäufe und Aktionen funktionieren über das Radio am besten.
  3. Wir kennen die Region und habe die entsprechende Glaubwürdigkeit. Der Streuverlust für lokale Kunden ist daher relativ klein.

Welche Marketinginstrumente nutzt Radio 24? Wie überraschen Sie die Hörer?

Unsere Marke definiert sich über den besten Musikmix, kompakte und kompetente News sowie über unsere Personalities – unsere Moderatoren. Für uns ist es wichtig am Puls von Zürich mitzuhalten und an Events (gross oder klein) unsere Moderatoren ins richtige Licht zu setzen. Insofern sind unsere Eventauftritte sowie die Positionierung der Moderatoren für uns relevant. Radio 24 setzt auf Money-Can’t-Buy-Momente, um seine Hörerinnen und Hörer zu überraschen. Wir kreieren Momente, die dann Word of Mouth generieren sollen. Z.B. mit unserer #stage24: unsere Hausbühne, auf der regelmässig grosse Künstler auftreten und wenige Hörerinnen und Hörer exklusiv in den Genuss so eines kleinen Privatkonzertes kommen. Oder aussergewöhnliche Meet&Greets etc.

Musikhörende Menschen auf den Strassen sind ein gängiges Bild. Individualisierte Musik ist jederzeit auf dem Smartphone abrufbereit. Wie schafft man als Radio verschiedene Musikgeschmäcker zu befriedigen? Sind News und Information ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal?

Die Musik ist sehr entscheidend und macht ca. 70% unseres Programms aus. Somit muss die Musik für die grösstmögliche Masse passen. Dafür betreiben wir Marktforschung und fragen regelmässig die Titel in unserer Musik-Bibliothek ab. Wir bieten den besten Musikmix. Dies bedeutet, dass wir die aktuellsten Top Hits spielen aber auch Greates Hits aus den 90er Jahren. Somit kennen unsere Hörer die aktuelle Musik und müssen nicht auf die besten Songs aller Zeiten verzichten. News und Informationen sind dann wichtig, wenn etwas passiert. Radio ist immer noch eines der schnellsten Medien und diesen Trumpf müssen wir ausspielen. Wenn die Newslage tief ist dann informieren wir aktuell, kompakt auf den Punkt. Bei der Moderation geht es dann um Soft- und Unterhaltungsthemen. Wenn aber die Aktualität hoch ist, dann versuchen wir kompetent und ausführlich zu informieren. Hier unterscheiden wir dann nicht mehr zwischen Moderation und Redaktion und geplante Inhalte werden über den Haufen geworfen, um die Aktualität zu pushen.

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