St. Gallen – Das Klettermekka ohne Berge

Von Michael Tremp

Bald ist es soweit. Am 15.September 2018 öffnet die Boulderlounge ihre Tore. Damit avanciert St. Gallen zu einem regelrechten Indoor-Kletterparadies. Innerhalb weniger Kilometer entsteht die zweite grosse Kletterhalle der Stadt. Ostschweizer Boulderer haben allen Grund sich zu freuen. Es gibt mehr Kletterfläche für weniger Geld als bisher. Aber das ist noch nicht alles.

Klettersport und Kaffeeklatsch

Auf den Punkt gebracht – Bouldern ist ungesichertes Klettern auf Absprunghöhe. Der Begriff leitet sich vom englischen „Boulder“, dem Felsblock ab. Dieser Felsblock ist dann auch perfekt dafür geeignet, erste Klettererfahrungen zu sammeln sowie Koordination und Muskeln für künftige Gipfelstürme zu trainieren. Fragt man Lena, Inhaberin der Boulderlounge, ist es noch weitaus mehr. „Es geht darum gemeinsam Probleme zu lösen, Spass am Sport zu haben und immer aufs Neue Erfolge zu feiern“. Obwohl Bouldern eigentlich eine Individualsportart ist, wird hier das Kollektiv gross geschrieben. Und Kaffee. Auf die Frage warum, erntet man sofort einen Blick, der einen als Dilettant kategorisiert. Schnell wird Kletterguru Wolfgang Güllich zitiert, um die Situation aufzulockern: „Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns.“ Bouldern und Kaffeetrinken sind dann auch die Erfolgskombination, die im Logo und dem Slogan „Move & Chill“ hervorgehoben wird. Die richtige Einstellung der Kaffeemaschine hat angeblich fast so viel Zeit gekostet wie das Einrichten der Halle.

Lounge und Kaffeemaschine stehen bereit © Lena Stürm

Probleme soweit das Auge reicht

Beim Betreten der dicken Matten wird schnell klar, die Damen und Herren sind nicht (nur) zum Spass hier. Auf 630 m2 Boulderfläche sind bald 2’500 Klettergriffe montiert. Das reicht für rund 150 Routen, sogenannte Probleme, in diversen Schwierigkeitsstufen. Damit ist der Boulderbereich der mit Abstand grösste der Ostschweiz. Die Halle ist grosszügig und hoch. Viele gerade Flächen erlauben kreative Auswüchse bei der Routengestaltung. Zudem hat man an verschiedenste Zielgruppen gedacht. Es gibt eine Kinderecke mit Rutsche und einfachen Griffen sowie einen Trainingsbereich für den gezielten Kraftaufbau für die Profis. Im Gegensatz zur Halle blieb das Projekt von Problemen verschont. Der Businessplan war so fundiert, dass es neben der Finanzierung auch noch breites Lob vom Geldgeber gab. Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Die letzten farbigen Klettergriffe liegen wohl noch auf den dicken Matten, aber die Einhaltung des Zeitplans steht felsenfest.

Steinig war der Weg nur ganz am Ende © Michael Tremp

Das „Moonboard“ verbindet Technologie und rohe Griffkraft

Guter Kaffee und eine grosse Halle garantieren noch keinen Erfolg. Mit dem Moonboard gibt es aber eine weitere Differenzierung. Vom Namen darf man sich dabei nicht irreführen lassen, mit Schwerelosigkeit hat das Moonboard nichts zu tun. Es handelt sich um eine standardisierte Kletterwand, die es Benutzern auf der ganzen Welt ermöglicht, an den gleichen Problemen zu tüfteln. Damit wird der Trainingserfolg transparent und man kann sich untereinander messen. Bei jedem Griff befindet sich eine LED-Leuchte, die sich von einer App steuern lässt. Die ausgewählte Route wird signalisiert und das Training kann losgehen. Mittlerweile zählt die App fast 32‘000 Routen. Ab Samstag können auch Boulderer in St. Gallen mit ihrer Kreativität zu dieser Erfolgsgeschichte beitragen.

Johannes präsentiert die Moonboard-App © Michael Tremp

Geht es mit den Kletterpreisen bergab?

In der Boulderlounge schlägt ein Erwachseneneintritt mit 18 Franken zu Buche. Damit ist das Angebot fast 10 Franken günstiger als in der nahegelegenen Kletterhalle. Auch für das Jahresabonnement muss man fast 400 Franken weniger hinblättern. Von einem Preis- bzw. Konkurrenzkampf will man hier aber nichts wissen. Die Angebote seien komplementär und der Preis liege im schweizerischen Durchschnitt, erklärt Lena. Dafür bekommt man einiges geboten. Die Routen sollen im Monatstakt umgeschraubt werden, damit keine Langeweile aufkommt. Saisonkartenbesitzer profitieren zusätzlich von individuellem Hallenzugang bereits ab 07.00 Uhr. Dem Frühsport vor der Arbeit steht also nichts mehr im Weg.

Eins ist klar, für die Kletterer in der Ostschweiz wird das Angebot vielseitiger. Und eventuell bringt die Boulderlounge ja noch weitere Steine ins Rollen…

Lena & Johannes vor einem guten Stück Arbeit © Michael Tremp

https://www.boulderlounge.ch/

https://www.moonboard.com/

Über den Autor:

Michael Tremp ist gelernter Anlagenbauer und über ein Betriebsökonomiestudium sowie diverse Berufsstationen zum Marketing gekommen. Aktuell besucht er an der ZHAW den CAS Marketing & Corporate Communications, um sich in diesem Bereich die theoretischen Grundlagen zu erarbeiten. Trotz Talentmangel ist er passionierter Hobby-Boulderer und verbringt einen anständigen Teil seiner Freizeit an den farbigen Klettergriffen – oder auf der Matte unterhalb.

AFG ARENA – Was Bekanntheit schafft, macht nicht zwingend bekannt

Von Valeria Brunschwiler

Am 2. März 2006 hat die AFG Arbonia-Forster-Holding AG (im Dezember 2016 umfirmiert in Arbonia AG) in einer Medienmitteilung bekannt gegeben, dass sie sich bis 2018 die Namensrechte für das neue St. Galler Fussballstadion gesichert hat und das dieses zukünftig den Namen AFG ARENA tragen wird. Die AFG ARENA war damit das erste Stadion in der Schweiz, welches nach einem kommerziellen Unternehmen benannt wurde. Im Herbst 2015 hat die AFG dann frühzeitig bekanntgegeben, dass sie das Namensrecht über 2018 hinaus nicht verlängern wird und die Namenswahl einem neuen Sponsor überlässt. Im Sommer 2018, nach Beendigung der Rückrunde 2017/18, laufen nun auch die restlichen Bestandteile des Namingright-Vertrags offiziell aus. Zeit für ein Fazit.

AFG ARENA © FC St. Gallen

Der eigentliche Plan

Der damalige Verwaltungsratspräsident und CEO der AFG Arbonia-Forster-Holding AG beabsichtigte mit dem Stadionsponsoring den Bekanntheitsgrad der Marke AFG und derer Tochtergesellschaften konsequent zu fördern, ihren Wert zu steigern und die Verbundenheit mit der ganzen Region Ostschweiz und der Schweiz insgesamt zu unterstreichen. Durch die Vernetzung der Branding-, Sponsoring- und Kommunikationsmassnahmen sollte die AFG in kurzer Zeit nachhaltig mit dem populären Volkssport Fussball verknüpft werden. Ein schöner Gedanke.

Die Umsetzung

Der Namingright-Vertrag beinhaltete, nebst dem eigentlichen Namenrecht, zahlreiche weitere Bestandteile, die der AFG dabei helfen sollten, ihr erklärtes Sponsoringziel zu erreichen. Dazu gehören unter anderem die XXL-Bande rund ums Spielfeld, auf der alle Tochtergesellschaften der AFG abgebildet wurden, sowie die Bezeichnung der vier Tribünen, die unter Berücksichtigung der Mehrmarkenstrategie der AFG nach vier Tochtergesellschaften benannt wurden: EgoKiefer-Tribüne, Forster-Tribüne, Arbonia-Tribüne und Piatti-Tribüne, deren Name 2014 in RWD Schlatter-Tribüne geändert wurde.

Innenansicht der AFG Arena, © Nicolas Senn

Die Wirkung

Durch das Stadionsponsoring ist es der AFG sicherlich gelungen, die Bekanntheit der Marke in der Ostschweiz zu fördern, ein Bekenntnis zur Region zu entwickeln und auch die Marke AFG in kurzer Zeit mit dem Volkssport Fussball zu verknüpfen. Aber genau hierin liegt das Problem. Fast jeder Mitarbeitende der AFG kennt die Situation, wenn er bzw. sie auf seinen Arbeitgeber angesprochen wird: „Achso, du arbeitest im Fussballstadion!? Wo gibt es denn dort Büros?“ Als die AFG 2016 dann den Stadionnamen abgab, hiess es: „Aber die Firma gibt es doch gar nicht mehr!? Die wurde doch verkauft!?“

Der Name bzw. die Marke AFG ist seit dem Stadionsponsoring demnach vielen Menschen zwar ein Begriff, doch kaum einer weiss oder ist sich dessen bewusst, dass sich dahinter ein börsenkotierter Gebäudezulieferer verbirgt, welcher der Sportstätte lediglich seinen Namen gegeben hat. Dies ist wahrscheinlich nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass es sich bei der AFG bzw. der heutigen Arbonia um einen Konzern handelt, deren diverse Tochtergesellschaften unter ihren eigenen Markennamen am Markt auftreten. Viele verstehen aus diesem Grund auch den Zusammenhang zwischen dem Stadionnamen, der die Hülle bildet, und den Tribünenbezeichnungen im Innern, die nach den Tochtergesellschaften benannt sind, nicht.

Die Konsequenz

Im Herbst 2015 hat die AFG anlässlich eines umfangreichen Restrukturierungsprozesses frühzeitig die Nicht-Verlängerung des Sponsoringvertrags bekannt gegeben – aus finanzieller sowie marketing-technischer Sicht eine logische und richtige Konsequenz.

www.arbonia.com
www.kybunpark.ch

Über die Autorin

Valeria Brunschwiler ist Stadtsanktgallerin mit Leib und Seele. Die eine oder andere Fussballpartie in der AFG ARENA bzw. im heutigen Kybunpark hat sie selbst live mitverfolgt. Ihr Studium in mehrsprachiger Kommunikation und Übersetzen absolvierte sie an der ZHAW in Winterthur. Seit 2014 arbeitet sie bei der Arbonia (ehem. AFG) als Fachfrau Corporate Communications und verantwortet dort unter anderem den Bereich Sponsoring.

Warum wir Nespresso Kapseln ab sofort recyceln

Von Manuela Vetsch

Eine Kelleridee aus St.Gallen schmückt heute die vertrauten vier Wände von Vielen. Georg Lanter und Andreas Wüthrich haben unzählige Kaffees getrunken, bis das Produkt erfunden war. Die Nespresso Kapsel wird erleuchtet. Lang lebe Upcycling!

Man nehme Gegenstände die zwei Mal gebraucht werden können und mische sie mit St. Galler Unternehmergeist, Kreativität und dem Wunsch nach Nachhaltigkeit sowie sozialem Engagement. Und siehe da, es entsteht «2mol». Hinter der Firma 2mol stehen Georg Lanter und Andreas Wüthrich. Ein Primarschullehrer und ein Buchhalter – beides Väter, die ihre Ideen konkretisieren. Es ist Ihnen bewusst, dass die Welt schon genug Produkte hat. Warum die Produkte von 2mol besonders wertvoll sind und wie sie Marketing betreiben, erzählt Georg Lanter während einem Interview im Kaffeehaus.

Georg Lanter, was sind die Werte von 2mol?

Sich hinterfragen, was drin ist und wo es gemacht wird, sind unsere Schlüsselwerte. Bei unseren Produkten kauft man die ganze Geschichte – Wiederverwertung und soziale Herstellung.

Was steckt hinter der Idee?

Wir produzieren aus gebrauchten Nespresso Kapseln Design Leuchten und lassen diese in Zusammenarbeit mit der Obvita, einer sozialen Werkstatt in St.Gallen, herstellen. Jedes Produkt ist ein Unikat. Wir produzieren erst dann, wenn die Nachfrage vorhanden ist.

Nespresso Kapseln mal anders und zwar in Form von Leuchten © Gaby Mohr / 2mol

Welche Arbeitsschritte sind notwendig für die Herstellung der Design Leuchten?

Die Mitarbeitenden der Obvita sind verantwortlich für die Herstellung der Design Leuchten und arbeiten in der geschützten Werkstatt. Die Besuche in der Werkstatt bedeuten uns extrem viel. Alles ist sorgfältige Handarbeit. Die Produkte werden gemäss den Wünschen der Kunden produziert. Das heisst die Leuchten können selbst designt werden. Folgender Ablauf ist für die Herstellung notwendig:

  1. Nespresso Kapseln sammeln, nach Farbe sortieren
  2. Nespresso Kapseln leeren und pressen
  3. Mit Schablone Kapsel für Kapsel zusammensetzen
  4. Schweissarbeiten und Elektrifizierung vornehmen
  5. Qualitätskontrolle und Versand

Sinnvolles Upcycling, das auch schon aussieht © David Halter / 2mol

Wie betreibt 2mol Marketing?

Unser Fokus liegt momentan auf den digitalen Kanälen. Wir sind auf Facebook, Instagram, Pinterest und Twitter aktiv und machen sehr gute Erfahrungen. Das Kernstück ist unsere Internetseite mit dem integrierten Shop. Ausserdem steht unser Netzwerk im Mittelpunkt. Persönliche Gespräche sind Gold wert oder Orte wo unsere Design Leuchten hängen und der Kundschaft gefallen. Messeauftritte hatten wir bereits in Winterthur an der Design Gut, der Blickfang und neue Räume in Zürich oder während dem Cash for Trash in St. Gallen. Die gemeinsame Messepräsenz mit Nespresso ist zudem ein Highlight. Dort werden die Lampen im Werkstattatelier sogar vor Ort produziert. Influencer haben über unsere Produkte berichtet. Eine Kerzenwerkstatt im St. Galler Rheintal vertreibt unsere Design Leuchten auch. Die Zusammenarbeit in der Kategorie Schweizer Handwerk im Prämienshop von Coop Superpunkte bringt zudem regelmässig Kunden.

Des Weiteren werden wir von verschiedenen TV Sendern angefragt und haben Präsenz auf den entsprechenden Kanälen wie z.B. bei SRF Schweiz aktuell. Die Fernsehsendung Galileo – das Wissensmagazin wird demnächst über unsere Geschichte einen Beitrag ausstrahlen. Wir freuen uns sehr darauf. Das sind ein paar Beispiele. Es berichten natürlich auch Zeitungen und Zeitschriften über uns. Oft werden wir angefragt. All das ist für 2mol Marketing. Verlockend zum Testen wäre der Vertrieb resp. Marketing in einem Pop-Up Store.

Ab wie vielen Franken sind die Design Lampen von 2mol erhältlich?

Die Produkte kosten je nach Grösse unterschiedlich viel. Die kleinste Design Leuchte ist ab CHF 30 erhältlich. Grosse Leuchten kosten von CHF 600 bis CHF 1’500.

www.2mol.swiss

www.obvita.ch

https://www.facebook.com/2mol.swiss/

https://twitter.com/2mol_ReDesign

https://www.pinterest.ch/zweimol/

Über die Autorin

Manuela Vetsch ist leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, liebt stilvolle Inneneinrichtungen und die Gallusstadt. Die in Speicher AR aufgewachsene junge Frau hat ein Eventmanagement Diplom und studiert zurzeit berufsbegleitend an der ZHAW. Ihr Herz schlägt dabei für die Stadt St. Gallen und es springt höher wenn es um Marketing oder innovative Jungunternehmen geht. Daher überrascht es wenig, dass sie seit bald zehn Jahren für die Stadtverwaltung St.Gallen im Bereich Standortförderung arbeitet.

Manuela Vetsch