Warum es macht Sinn gerade keinen Sinn ergibt

Anglizismen findet man täglich und es scheint, als ob die deutschen Begriffe nach und nach durch englische Wortkreationen ersetzt werden. Gerade im Marketing sind Werbebotschaften nicht immer von Sinn gekrönt. „Komm hinein und finde wieder heraus“ ist hier nur ein Beispiel von vielen. Der Journalist und Autor Andreas Hock beschäftigt sich seit langem mit der Deutschen Sprache und gibt Auskunft zur aktuellen Lage der deutschen Sprachwelt.

Herr Hock, aktuell fällt auf, dass die „es macht Sinn“ Welle auch schon Medien und sogar Lehrbücher erfasst hat. Wieso macht plötzlich für jeden alles Sinn und wieso benutzt man nicht einfach die korrekte Wendung mit es ergibt Sinn?

Die Redewendung „Sinn machen“ stammt eigentlich aus dem Englischen, denn dort heisst es „It makes Sense“, wenn etwas Sinn ergibt. Und wie bei so vielen ähnlichen Begrifflichkeiten ist durch jahrelangen, gedankenlosen Gebrauch der falschen Form die korrekte Fassung in Vergessenheit geraten. 

Der deutsche Journalist und Buchautor Andreas Hock kämpft für die Deutsche Sprache © Foto: News5 / Grundmann

Anglizismen sind ebenfalls sehr beliebt. Es gibt sogar neue Wortkreationen wie Showmaster, die im Englischen gar nicht vorkommen. Wie entstehen solche Begriffe? Will man damit mehr Kompetenz und Internationalität ausstrahlen?

Das stimmt, ein „Showmaster“ im Fernsehen ist im englischen Sprachraum schlicht ein „Host“, also der „Gastgeber“ einer Sendung. Der Begriff wurde in den sechziger Jahren von Rudi Carell erfunden. Was seine Beweggründe dafür waren, weiss ich natürlich nicht, aber natürlich darf man vermuten, dass die Bezeichnung einfach schicker klingen sollte als eben der deutsche „Gastgeber“ oder der aus dem Lateinischen stammende „Moderator“. Andere Beispiele für diese Scheinanglizismen sind „Smoking“ – dieses Wort heisst in den USA oder England tatsächlich einfach „rauchen“, während der entsprechende Anzug der „Tuxedo“ ist. Ein „Mixer“ ist in Wahrheit ein „Blender“. Und dass „Public Viewing“ gemeinhin „öffentliche Leichenschau“ bedeutet, hat sich mittlerweile ja herumgesprochen…

Sie haben diverse Bücher geschrieben, darunter eines mit dem Titel „Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann„. Der Titel spricht bereits für sich. Was waren Ihre Erkenntnisse?

Dass wir unsere schöne Sprache immer mehr vernachlässigen und ihr durch viele bewusste und auch unbewusste Veränderungen irreparablen Schaden zufügen. Wir ersetzen vorhandene Wörter ohne Not durch Anglizismen, so dass mittlerweile einige tausend deutsche Begriffe vom Aussterben bedroht sind. Wir lassen uns von der Werbung für dumm verkaufen, weil wir die oft sinnfreien Botschaften, die uns auf Englisch um die Ohren gehauen werden, gar nicht hinterfragen. Und wir verlernen, anständig miteinander zu kommunizieren, weil wir nunmehr mit so genannten Emojis versehene Kurznachrichten verschicken. Ich glaube aber nicht, dass ein paar aneinandergereihte, gelbe Gesichter einen Brief oder wenigstens einen Anruf ersetzen sollten.

Deutsche Begriffe sind vom Aussterben bedroht © Andreas Hock

Gerade im Marketing werden mehr und mehr Werbebotschaften, aber auch Firmennamen auf Englisch kreiert, selbst für Heimmärkte, die nie mit einem internationalen Publikum in Kontakt kommen. Welche Werbebotschaften sind ihre persönlichen Höhepunkte und wie erklären Sie sich dieses Phänomen der denglischen Werbung?

Viele Werbetreibende meinen, sie müssten möglichst international klingen. Oft ist das aber total an der Zielgruppe vorbeigetextet. Die Parfümeriekette Douglas hat vor einigen Jahren den Spruch „Come in and find out“ entwickelt, bis eine Kundenbefragung ergeben hat, dass die meisten Menschen verstanden haben, sie sollen zunächst in den Laden hineinkommen und dann gleich wieder hinausfinden. Jaguar warb mal mit „Life by gorgeous“, also etwa „Leben auf die prachtvolle Art“, aber die meisten potenziellen Käufer dachten an irgendeinen Georg und wunderten sich, was der wohl mit diesem Auto zu tun hatte. Und Air Berlin nannte sich „Fly Euro Shuttle“, was von vielen Passagieren so interpretiert wurde, dass sie beim Fliegen ordentlich durchgeschüttelt werden. Das zeigt, dass die Agenturen uns mit derlei Quatsch einfach eine Bedeutung vorgaukeln wollen, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. 

Wie steht es generell um die deutsche Sprache? Müssen wir uns Sorgen machen, dass die Sprache der Dichter und Denker plötzlich so verunstaltet wird, dass wir sie nicht mehr wiedererkennen?

Ja, das müssen wir. Schon jetzt ergeben etliche Studien, dass der Wortschatz der meisten Menschen immer weiter sinkt. Der Konjunktiv stirbt aus, und grammatikalische Kenntnisse sind selbst auf Universitäten oftmals nur noch bruchstückhaft vorhanden – was wiederum kein Wunder ist, wenn eine ganze Generation mit E-Mails und SMS-Nachrichten aufgewachsen ist, in denen – aus welchem Grund auch immer – von Beginn an eine orthografische Anarchie vorherrschte, die man vermutlich nie mehr korrigieren kann. Mir wird angst und bange, wenn Eltern, die nie selbst ein Buch gelesen haben, ihrerseits Kinder sprachlich erziehen sollen.

Orthografische Anarchie, die deutliche Auswirkungen hat © Andreas Hock

In der deutschsprachigen Schweiz gibt es Helvetismen. Wir grillieren also und grillen nicht, ebenso gehen wir zum Nachtessen und nicht zum Abendessen. Zur Arbeit fahren wir mit dem Velo und nicht mit dem Fahrrad. Wie stehen Sie zu diesen schweizerischen Kreationen?

Die finde ich grossartig, denn zu jedem Dialekt gehören auch sprachliche Eigenheiten, die gehegt und gepflegt werden sollten, weil ja gerade sie diese Sprachvarianten so einzigartig machen. Bei uns in Deutschland sind die meisten Dialekte auf dem Rückmarsch, auch und gerade das Bairisch. Da geht ein grosses Stück kulturelle Vielfalt verloren, und was im besten Falle übrig bleibt, ist dann nur noch eine regionale Färbung des Hochdeutschen.

In der Schweiz gibt es vier Landessprachen, dennoch hat man das Gefühl, dass das Englische die Oberhand nimmt und die anderen Sprachen mehr und mehr verdrängt. Wie wichtig ist generell eine Sprachenvielfalt?

Eine Sprache muss sich immer weiterentwickeln, das ist auch richtig und wichtig so. Sonst würden wir uns immer noch so unterhalten wie zu Geheimrat Goethes Zeiten, und das Beispiel Friedrich des Grossen mit seiner Liebe zum Französischen zeigt, dass Einflüsse aus anderen Ländern das Deutsche durchaus auch zu bereichern vermochten. Immerhin hätten wir sonst kein Büro, keinen Onkel, keine Tante und auch kein Klo. Aber Vielfalt heisst eben nicht, vollkommen gedankenlos fremdsprachliche Begriffe zu übernehmen oder althergebrachte Kommunikationsformen zu vernachlässigen.

Die Lese- und Schreibkompetenz von Schülern, aber auch Studenten und Erwachsenen, scheint abzunehmen. Es wird immer schwieriger, fehlerfreie E-Mail Korrespondenz zu erhalten. Was kann man dagegen tun, gerade auch als Hochschule?

Die Bedeutung von Sprache immer wieder zu betonen und das Bewusstsein dafür zu schärfen. Es muss klar sein, dass der, der eine Mail mit ein paar Dutzend Fehlern verschickt, sich seinem Gegenüber als ziemlich oberflächlicher Geist entlarvt. Es sollte nicht länger toleriert werden, dass selbst in Studienarbeiten von angehenden Germanisten Rechtschreib- und Grammatikfehler als nicht so relevant angesehen werden.

Zum Abschluss dürfen Sie noch einen Satz Ihrer Wahl hinzufügen. Was wählen Sie?

Ein Zitat des früheren Vorstandsvorsitzenden des Fernsehsenders „Premiere“. Der sagte mal: „Diese ganzen Anglizismen sind doch alle Bullshit“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…

http://www.andreas-hock.de/neues.html

Automatisierte Textzusammenfassung dank Schweizer Software GetDigest

In Zeiten der Informationsflut wird es immer schwieriger einen Überblick zu behalten. Ein Executive Summary kann hierzu eine gute Hilfe sein. Die Schweizer Firma Hulbee geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie hat die Software GetDigest entwickelt, die dank künstlicher Intelligenz und Algorithmen, lange Texte zusammenfassen kann. CEO Andreas Wiebe erklärt was GetDigest so alles kann.

Herr Wiebe, ob im Studium oder im Berufsleben, Texte zusammenfassen ist nicht gerade die beliebteste Beschäftigung. Wie sind Sie auf die Idee zu GetDigest gekommen?

Die Idee hatte ich bereits im Studium. Jeder Schüler oder Student, der viel liest und nicht unbedingt die Geduld dazu hat das Buch durchzulesen träumt von einer Zusammenfassung. So war es auch bei mir. Bevor es jedoch zu einer sichtbaren Technologie geworden ist, hat es Jahre gebraucht. Die erste Version entstand im Jahr 2002.

Das Logo von GetDigest (c) GetDigest

Wie funktioniert GetDigest?

Es ist eine komplexere Software Technologie aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz. Unkompliziert dargestellt, besteht die Technologie aus:

  1. Wissensdatenbank
  2. Thesaurus Datenbank
  3. Semantik
  4. Sprachen-Bibliothek und jeder Menge Algorithmen  

Sinn und Zweck verläuft im Groben wie beim Menschen. Wir füttern die Wissensdatenbank erst einmal mit vielen Informationen aus verschiedenen Themen (Medizin, Computertechnik, Theologie, Technik usw.). Die Software beginnt zu lernen, dabei soll unter anderem ein bestehender Thesaurus erweitert werden. Somit kann z.B. die Software erkennen, ob beim Wort „Maus“ über die Tierwelt oder Computertechnik gesprochen wird. Ebenso wird jede „Müll Information“ z.B. Artikel wie der/die/das aussortiert, da sie kein Wissen mit sich trägt. Jedes Wort wird analysiert und mit Hilfe von KI (=Künstlicher Intelligenz) und Statistik verglichen und erst dann die Zusammenfassung erstellt. Die Technologie „erkennt“ was somit die wichtigste Information ist, in einem jeweiligen Zusammenhang. Um die heutigen Ergebnisse zu liefern, mussten wir der Software erst einmal Unmengen an Daten zum „Füttern“ geben. Wenn wir es mit dem Menschen vergleichen, so ist es wie ein Kind, das mit dem Wachstum klüger wird. Jedoch geht es hier in beinahe alle Bereiche des menschlichen Lebens und das extrem schnell! Es bedarf hier natürlich ausser der Software auch super starker Computer, um die Rechenprozesse schnell verarbeiten zu können. Dazu nutzen wir Dutzend Server in unserem Data Center in der Schweiz. Übrigens ist der sprachliche Akzent auch sehr wichtig, somit kann die Technologie Informationen in mehr als 30 Sprachen „verstehen“.

Gerade im wissenschaftlichen Bereich sind die Texte komplex. Ist dies für GetDigest ein Problem?

Gerade weil wir selber wissenschaftlich orientiert sind, dienten gerade wissenschaftliche Inhalte für die Technologie GetDigest als Basis. Demnach können wir beinahe alle wissenschaftlichen Texte analysieren – und das in allen Themenbereichen.

Eine eigene Zusammenfassung hat einen gewissen Lerneffekt. Wo liegen die Vorteile der automatisierten Form?

Wir haben GetDigest nicht für die Faulsäcke gemacht, sondern für Menschen, die viele Informationen in kurzer Zeit verarbeiten müssen.

Wenn ein Student, Wissenschaftler oder ein Manager dringend Ergebnisse benötigt, um eine Entscheidung zu treffen, dann benötigt er Fakten, die auf vielen Informationsquellen basieren. Oder bevor man das eine oder das andere Buch liest, möchte man, ohne viel Zeitverlust, die Executive Summary erhalten.

Somit ist GetDigest geeignet für Menschen die lernen wollen oder auch müssen, und dabei ein Hilfswerkzeug benötigen, um weiter zu kommen.

Dank künstlicher Intelligenz Texte zusammenfassen (c) GetDigest

Damit die Software optimal funktioniert, muss sie ständig lernen. Wie wird das bei Ihnen umgesetzt?

Die Technologie wird stets in unserem Labor weiterentwickelt und perfektioniert. Unsere Technologie von GetDigest lernt zum Beispiel durch künstliche Intelligenz. GetDigest wird mit Informationen „gefüttert“, um aktuell zu bleiben, somit lernt es wie ein Schüler jeden Tag und erweitert das „eigene Wissen“.

Die markierten Schlüsselwörter (c) GetDigest

Wer soll GetDigest nutzen und wie kommt man an diese Software?

Die Technologie versteht beinahe alle beruflichen Richtungen, ob Manager, CEO, Projektleiter, Lehrer, Juristen, Behörden, Wissenschaftler, Studenten oder sogar Schüler – jeder kann auf das Wissen der Technologie kostenlos zugreifen.

Wir benutzen es zum Beispiel bei der ersten Voranalyse von wissenschaftlichen Texten, um die typische Executive Summary zu erhalten. Da wir uns in einem extremen  Informationswachstum befinden, müssen wir viel und schnell Informationen analysieren und auch Entscheidungen treffen. Übrigens ist es ein sehr gutes Werkzeug für die SEO-Analysten.

Jedoch ist unser Ziel mit der Industrie oder auch jeder Lehreinrichtung wie z.B. Fachhochschulen, Universitäten usw. zusammenzuarbeiten und eine neue Art der Wissensbibliothek aufzubauen. In dieser Bibliothek sollen alle wissenschaftlichen Informationen und Bücher analysiert werden und semantisch miteinander verknüpft werden. Das würde eine neue Art von Knowledge-Wikipedia sein. Ebenso das Wissen eines Unternehmens auf eine völlig neue Basis heben.

Beispieltext von GetDigest (c) GetDigest

Nutzen Sie für die Vermarktung von GetDigest Marketinginstrumente?

Derzeit noch nicht. Wir beschränken uns derzeit nur auf die Pressepublikationen und hoffen natürlich, dass die Mundpropaganda mithilft.

Durch die Digitalisierung ist die Information ständig verfügbar. Das Volumen allerdings wird immer grösser, auch für die Unternehmen. Wenn Sie in die Zukunft schauen, was wird auf dem Gebiet von neuronaler Software alles möglich sein?

Genau das ist unsere grosse Herausforderung! Ich bin der Meinung, dass die Softwaretechnologie soweit kommen muss, dass es nicht nur die Textinformationen, sondern die wesentlichen vier Informationsbereiche „verstehen müsste“: 1. Information in Textform, 2. Bild, 3. Video und 4.Voice, sobald diese Bereiche ohne grosse wesentliche Einschränkung analysiert werden können, natürlich mit brauchbaren Resultaten, dann können wir über den wirklichen Durchbruch in der IT-Welt sprechen. Derzeit sind die meisten Unternehmen noch in den alten Strukturen am Kämpfen. Wenn wir allein die Informationssuche anschauen, ob im Web -oder in den Unternehmen, es ist doch alles andere als intelligent, selbst Google ist weit davon entfernt. Dabei reden wir NUR über die Informationsquelle „Text“.

Wir versuchen ja auch unsere Projekte wie zum Beispiel die semantische Suchmaschine www.swisscows.ch oder www.hulbee.com genau in diese Richtung zu positionieren. Nichtsdestotrotz bin ich sicher, dass in einer Zukunft von etwa 20-30 Jahren das semantische Internet kommen wird. Es wird andere Art von Wissen sein, als das das wir heute kennen.

http://getdigest.ch/

https://company.hulbee.com/