Schweizer Marketing in der slowakischen Hauptstadt

Von Dr. Adrienne Suvada

Nicht nur die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist wichtig, sondern auch der internationale Austausch. Das Institut für Marketing Management hatte die Gelegenheit im Rahmen einer Gastvorlesung, in der slowakischen Hauptstadt Bratislava über das Marketing zu referieren. Der Austausch war für beide Seiten ein Gewinn und auch die Studierenden waren hoch erfreut über den Einblick in das Schweizer Marketing.

Zu Gast an der Universität in Bratislava

Praktische Beispiele und das Migros-Chind

Die Universität Komenského in Bratislava ist die grösste und älteste Universität in der Slowakei und bietet auch im Marketing den Bachelor und Master an. Beim Lehrstuhl für die Marketingkommunikation unter der Leitung von Prof. Dr. Pavel Horňák, konnte das Institut für Marketing Management einen Moment lang das Zepter übernehmen und eine spezielle Vorlesung halten. Referiert wurde über das nicht gerade kleine Thema des Marketings in der Schweiz. Die Studierenden erhielten einen Einblick in die jetzigen und zukünftigen Entwicklungen. Noch bedeutender waren für sie aber die praktischen Beispiele, die gezeigt wurden. Mitunter auch die Weihnachtskampagnen der Migros. Die letztjährige Kampagne war den Studierenden bekannt, weil sie in einer Statistik der zehn besten Kampagnen des Jahres 2016 aufgeführt war. Dafür wissen die Studierenden jetzt auch, was ein „Migros-Chind“ und was ein „Coop-Chind“ ist.

Dr. Adrienne Suvada vom IMM versuchte auf Slowakisch einen Einblick in das Schweizer Marketing zu geben

Die Slowakei als Testland für Facebook

Die Studierenden waren sehr aufmerksam und versuchten die Informationen gleich auf die Slowakei zu übertragen. So konnten sie zum Beispiel aufzeigen, dass der slowakische Radrennfahrer und dreimalige Weltmeister Peter Sagan, ähnlich wie hierzulande Roger Federer, als Werbebotschafter für diverse Firmen agiert. Spannend war auch der Austausch zum Thema Social Media. Die Slowakei ist eines der Länder, die auf Facebook die neue Zusammensetzung des „News-Feeds“ testet. Die Studierenden warnten dringlich vor dieser Funktion. Durch diesen neuen Feed, brach die Sichtbarkeit der Postings dramatisch ein. „Ich hoffe, dass die Schweiz noch lange den alten Feed beibehalten kann„, meinte eine Studentin.

Prof. Dr. Pavel Horňák ist die Koryphäe auf dem Gebiet des Marketings in der Slowakei- unkonventionell und höchst sympathisch

Der Beginn einer Zusammenarbeit

Auch die anschliessende Diskussion führte weitere spannende Themen zu Tage. Die Studierenden und auch Prof. Dr. Pavel Horňák sind an einem weiteren Austausch sehr interessiert. Die Werbung ist ein wichtiges Thema an diesem Lehrstuhl und hier wären Vergleiche zur Schweiz sehr spannend. Der Schweizer Besuch blieb auch den Medien nicht verborgen. So durfte Dr. Adrienne Suvada vom IMM auch ins slowakische Nationalfernsehen RTVS und live in der Sendung Dámsky klub auftreten. Insgesamt also ein spezieller und schöner Austausch auf dem Gebiet des Marketings, der die Basis für eine gute Zusammenarbeit bietet.

Beim slowakischen Nationalfernsehen mit Moderatorin Iveta Malachovska

https://uniba.sk/

https://fphil.uniba.sk/katedry-a-odborne-pracoviska/katedra-marketingovej-komunikacie/

Marketing aus aller Welt: Chips nur für harte Jungs

Von Dr. Adrienne Suvada

Gute Vorsätze trifft man nicht nur zum Jahresanfang, sondern oft auch vor den Ferien. Trotzdem werden diese relativ schnell über Bord geworfen, denn ein bisschen Entspannung für Körper und Geist muss einfach sein. So ist es vor allem im kulinarischen Bereich nicht immer leicht den schmackhaften Verlockungen in den Ferien zu widerstehen. Man gönnt sich was und zählt nicht mehr jede einzelne Kalorie. Es bieten sich aber auch neue Möglichkeiten zum interkulturellen Austausch – zum Beispiel was Chips betrifft.

Verbotene Damenpumps auf slowakischen Chips

Als Schweizer sind wir natürlich quasi von Geburt an mit unseren Zweifel Chips tief verbunden und können uns fast nicht von ihnen trennen. Im Ausland sind sie jedoch nicht zu finden, ausser man hat Glück und trifft Auslandsschweizer an. Wenn nicht, dann muss man wohl oder übel zu einem Alternativprodukt greifen. So geschehen in der Slowakei. Das geschulte Marketingauge sieht natürlich im Chips-Regal sofort, dass hier etwas anders ist. Neben den normalen und gängigen Chips, findet man dort eine besondere Sorte der Marke Slovakia. Dieselben Chips unter anderem Namen, nämlich Bohemia, sind in der Tschechischen Republik zu finden. Das Besondere an dieser Chips-Verpackung ist links unten zu finden: Ein durchgestrichener Damenpumps mit dem Schriftzug „nič pre dámičky“, also übersetzt nichts für kleine Damen. Keine Angst es geht hier nicht um eine Anti-Frauen Kampagne, was man damit aussagen will: diese Chips sind nur für harte Jungs.

Nič pre dámičky – Nur harte Jungs dürfen zu diesen Chips greifen Bild: R. Bircher

Dicke Kerben für echte Kerle

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass diese Chips-Sorte der Grund dafür ist, denn Knoblauchgeschmack ist bei der Damenwelt nicht sonderlich beliebt. Da es aber noch eine Variante mit Meersalz gibt, kann dies als Grund nicht überzeugen. Mit ein bisschen Recherche wird klar, hinter diesem Aufdruck steckt wieder einmal das Marketing. Verantwortlich dafür zeichnet die Agentur VCCP aus Prag. Schon seit letztem Jahr sind zwei animierte Kartoffeln, Zemak und Krupak, im Einsatz und werben für die Chips. Die besonderen Vrrruby Chips sind wegen ihrer dicken Kerben (auf Tschechisch: vruby) nur für die härteren Männer gedacht. Die ganze Kampagne zielt also auf eine bestimmte Zielgruppe ab. Da Verbote aber bekanntlich anziehend wirken, lassen sich wohl auch Pumpsträgerinnen nicht von der Verkostung dieser Chips abhalten. Ein gelungenes Marketing also, das konsistent umgesetzt worden ist und auch Innovation bietet. Mal schauen, ob die Schweiz hier nachzieht und für harte Kerle (und harte Damen) ebenfalls ein Produkt lanciert…

http://vccpprague.com/campaign/zemak-krupak-good-mood-chips/

http://www.slovakiachips.sk/produkty/vrrruby

http://www.bohemiachips.cz/produkt/chipsy/