Tagung bei der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft

Das Institut für Marketing Management war durch Prof. Dr. Frank Hannich und Marcel Hüttermann auf der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT) vertreten. Die Tagung fand im vergangenen Monat auf der Insel Mainau statt. Nicht zuletzt aufgrund des gewählten Veranstaltungsortes im Drei-Länder-Eck, stand die Internationalisierung des Tourismus im Fokus der Veranstaltung.

Das betrifft sowohl die Akteure der Anbieterseite (z.B. durch grenzüberschreitende Kooperationen), als auch die Nachfrageseite (z.B. grenzüberschreitende Aktivitäten der Touristen). Andererseits sieht sich der Tourismus mit einer Vielzahl (neuer) Herausforderungen konfrontiert: Demographischer Wandel, Sicherheitsfragen, Digitalisierung oder Folgen des Klimawandels sind nur einige Beispiele der sich verändernden Rahmenbedingungen für den Tourismus.

Die 21. DGT-Jahrestagung setzte sich im Rahmen von Keynote-Vorträgen, Präsentationen wissenschaftlicher Untersuchungen, Podiumsdiskussionen mit Praktikern oder der Vorstellung aktueller Forschungsprojekte im Rahmen einer Poster-Ausstellung mit den vielfältigen Themen auseinander.

Prof. Dr. Frank Hannich und Marcel Hüttermann konnten auf der DGT die Ergebnisse einer Befragung mit 1’600 SchweizerInnen zum Thema «Einkaufs- und Freizeitverhalten im Grenznahen Ausland» präsentieren. Die Befragung ist ein Element im Rahmen des IBH-Projekts PredTour (Predicting Tourism Movements) welches die ZHAW in Zusammenarbeit mit Informatikern und Tourismuswissenschaftlern der HTWG Konstanz abwickelt. Ziel ist es, Daten zu den Bewegungsströmen und -mustern mit einer App zu gewinnen, um anschliessend Massnahmen zu identifizieren, um diese Ströme zu lenken.

Das PredTour Projektteam v.l.n.r.: Wilhelm Daniel Scherz, Marcel Hüttermann, Tatjana Thimm, Christine Bild, Frank Hannich

„Gut“ ist das am häufigsten verwendete Adjektiv in Stelleninseraten

Die «JobCloud Market Insights» analysieren mehrere tausend Inserate und Millionen von Klicks auf den führenden Online-Stellenportalen der Schweiz. Es zeigt sich, unter anderem: Der Fachkräftemangel ist besonders ausgeprägt im Gesundheitswesen, Jobsuchende aus dem Ausland suchen in der Schweiz nach Fachpositionen, Männer bevorzugen Vollzeitstellen – und bei den Inseratetexten gibt es viel ungenutztes Potenzial für das Employer Branding.

Bereits zum zweiten Mal präsentiert JobCloud, das führende digitale Unternehmen im Schweizer Stellenmarkt, die «JobCloud Market Insights» (JMI). Im Vergleich zum Vorjahr erstreckt sich die Datenauswertung neu auf einen Zeitraum von rund drei Monaten, was ein exakteres Bild ergibt. Zudem unterzieht die Studie die Texte der Stelleninserate erstmals einer Textanalyse. Die Resultate erlauben wertvolle Rückschlüsse für das Employer Branding.

Wie in der ersten Ausgabe wurden Daten der Online-Jobportale jobs.ch und jobup.ch ausgewertet. «Die Studie basiert auf dem effektiven Verhalten», so Renato Profico, CEO von JobCloud. «So wird ein direkter Vergleich zwischen ausgeschriebenen Inseraten und Klicks von Jobsuchenden ermöglicht».

Fachkräftemangel besonders akut bei Medizin, Pflege und Therapie

Der in der Deutschschweiz mit Abstand grösste Arbeitsmarkt ist in den Berufsfeldern Maschinen-/Anlagenbau und Produktion zu finden, dicht gefolgt vom Spitzenreiter des letzten Jahres Informatik und Telekommunikation. Aussagekräftig ist vor allem der Unterschied zwischen den ausgeschriebenen und den nachgefragten Inseraten, und hier gibt es einen neuen Spitzenreiter. Die grösste Diskrepanz findet sich in den Feldern Medizin, Pflege und Therapie. Diese Inserate werden im Vergleich deutlich weniger angeklickt, was eindeutig auf einen Fachkräftemangel schliessen lässt. In der Westschweiz gilt ein unverändertes Szenario: Das Händeringen nach Fachkräften ist den Berufsgruppen Maschinen-/Anlagenbau und Produktion besonders ausgeprägt.

Die neu beliebtesten, also im Vergleich zum Angebot am häufigsten angeklickten, Inserate sind in der Deutschschweiz bei den Berufen Bewachung/Polizei/Zoll/Rettung zu finden. Vermutlich, da diese in den vergangenen Monaten stark beworben wurden. In der Westschweiz werden unverändert Administration/HR/Consulting/CEO und der insgesamt sehr kleine Arbeitsmarkt Sport/Wellness/Kultur verhältnismässig am meisten angeklickt.

Nachfrage aus dem Ausland nach Fachverantwortung

Wie auch im letzten Jahr klicken Suchende aus dem Ausland in der Deutschschweiz besonders oft auf fachspezifische Positionen. Die Nachfrage spiegelt also die Zuwanderung von Fachkräften wider. In der Schweiz selbst sind im Vorjahresvergleich Stellen auf Mitarbeiterstufe tendenziell etwas beliebter.

Unzufriedenheit verleitet direkt zur Jobsuche

Unverändert zeigt sich: Stellen werden während den Arbeitszeiten und unter der Woche – vor allem am Montag und am Dienstag – gesucht. An den Wochenenden, an denen mehr Zeit zur Verfügung stehen würde, gehen die Klicks signifikant zurück. Arbeitgeber schalten die meisten Inserate trotzdem an einem Freitag – was unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse nicht ideal ist. «Es scheint, dass die Jobsuche zumindest in der Deutschschweiz vor allem dann relevant und dringlich ist, wenn jemand direkt bei der Arbeit und dort gerade unzufrieden ist» erklärt Prof. Dr. Frank Hannich von der ZHAW. Die hinterlegten Profile zeigen einen ausgeprägten Unterschied bei den Geschlechtern: Männer suchen vorwiegend Vollzeitstellen, Frauen wünschen sich in etwa zu gleichen Teilen Voll- und Teilzeitpositionen. Nur gerade 8.9% aller Männer fragen nach einer Teilzeitstelle.

Stellenininserate sind neutral geschrieben

Zum ersten Mal werden die Deutschschweizer Inserate mittels einer semantischen Textanalyse des ZHAW-Spin-off SpinningBytes unter die Lupe genommen. Es zeigt sich: 8 von 10 Wörtern in den Stelleninseraten sind als «neutral» einzustufen. Und nicht nur das: Negativ konnotierte Worte kommen fast doppelt so häufig vor wie positive. Zudem ist das am häufigsten verwendete Adjektiv «gut» nur mässig aussagekräftig. Es steckt also noch viel Potenziel für massgeschneidertes Employer Branding in den Inseratetexten. Insbesondere Branchen wie Chemie/Pharma und Banken/Finanzinstituten haben hier noch Nachholbedarf, der Detail-/Grosshandel und das Gewerbe/Handwerk sind ihnen voraus.

Weitere Erkenntnisse unter jobcloud.ch/market-insights

Zur Methodik

Die vorliegende Studie beruht auf Daten der JobCloud AG. Die Zusammenführung der Daten der beiden führenden Jobportale jobs.ch und jobup.ch in der Deutsch- bzw. Westschweiz deckt einen beachtlichen Teil des digitalen Schweizer Stellenmarktes ab – sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. Es handelt sich um eine in der Schweiz bisher einzigartige Beobachtungsstudie. Im 2017 werden die klassischen quantitativen Auswertungen erstmals durch eine semantische Datenanalyse mit Hilfe von Natural Language Processing Methoden ergänzt, die eine automatisierte Auswertung der Textinhalte bis hin zur Emotionalität mit hoher Genauigkeit ermöglicht. Statt Meinungen und Absichten wurden das tatsächliche Verhalten bei Jobsuche und Stellenausschreibung untersucht und dabei Nachfrage und Angebot gegenübergestellt. Entsprechend der Perspektive im HR-Marketing wurden die Jobsuchenden bzw. deren Klicks und Besuche gesamthaft als Nachfrage bezeichnet und Stellenausschreibungen gesamthaft als Angebot. Die Werte wurden für den Beobachtungszeitraum April bis Juni 2017 erhoben, was einer sehr grossen Datenmenge entspricht.

Ziel der Studie sind nicht Erkenntnisse über einzelne Unternehmen oder Personen. Deshalb wurden Unternehmens- und Personendaten vor der Bearbeitung und Auswertung anonymisiert, soweit sie nicht von vornherein anonymisiert vorlagen. Im Einzelnen wurden folgende Datensätze in die Studie einbezogen

Im Einzelnen wurden folgende Datensätze in die Studie einbezogen:

Stellenausschreibungen April bis Juni 2017, N = Deutschschweiz 115’559/ Romandie 29’243

Anzahl Klicks auf Stelleninserate April bis Juni 2017, N = Deutschschweiz 41’334’145/ Romandie 39’855’020

Anonymisierte Stellensuchprofile, April bis Juni 2017, N = Deutschschweiz keine Erhebung/ Romandie 5’381

Die Beobachtungsdaten wurden durch das Autorenteam aus dem Human Capital Management und Marketing sowie ausgewählten Experten der JobCloud AG bearbeitet, ausgewertet und interpretiert.

Kein ausreichender Bedarf für robotergestützte Küchenhilfe

Im Alter nehmen die motorischen Einschränkungen zu. Dies wird mitunter auch beim Kochen sichtbar. Töpfe sind zu schwer, um sie zu heben oder die Stauräume sind zu hoch oder zu tief platziert, um die Utensilien herauszunehmen oder zu verstauen. Wenn hier Einschränkungen vorhanden sind, dann kann das Vernachlässigen des Kochens eine Folge sein und ein Stück selbständiges Leben im Alter geht verloren. Eine robotergestützte Hilfe könnte hier ein wirksames Mittel sein. In Form eines Küchenassistenzarms würde die Selbständigkeit der motorisch eingeschränkten Personen verbessert.

Machbarkeit vor Prototyp

Die ZHAW School of Engineering hat die technische Machbarkeit eines solchen Projekts geprüft und ist zu einem positiven Schluss gekommen. Die Frage bei solchen Forschungsideen ist aber, ob sie auch vom Markt und von der Zielgruppe angenommen werden. Genau das hat das interdisziplinäre Projekt der ZHAW (Institut für Marketing Management und School of Health Professions), der FH St. Gallen  und der Pro Senectute Zürich versucht zu untersuchen. Ein sinnvoller Zwischenschritt, denn so wird die Markttauglichkeit getestet und die Anforderungen der Betroffenen ermittelt, bevor man einen teuren Prototyp entwickelt. Dank der Unterstützung der Walder Stiftung war es überhaupt möglich, diesen Test durchzuführen und es hat sich gelohnt, denn es traten überraschende Ergebnisse zu Tage.

Die visualisierte Idee des Küchenassistenzarms

Kochen mit Hilfsmitteln

Das Kochen an sich ist ein wichtiger Bestandteil, wird aber mit dem Alter auch redimensioniert, d.h. es wird im Alter weniger gekocht und das aufwendige Kochen wird deutlich weniger. Die Küche wird, nach Möglichkeit, an die veränderten physischen Bedürfnisse angepasst. Einerseits kann Bestehendes verändert werden, andererseits gibt es neue Geräte, wie z.B. eine Greifzange oder eine elektrische Brotschneidemaschine. Die Auswertung von Gruppeninterviews machte deutlich, dass die physische Belastbarkeit im Alter abnimmt, der Bedarf nach technischer Unterstützung also durchaus vorhanden ist. Eine technische Assistenz müsste allerdings umfassend bei allen Tätigkeiten in der Küche Unterstützung leisten.

Wenig Akzeptanz bei den Anwendern, viel Geld gespart

Das interdisziplinäre Projekt hat gezeigt, dass die grundsätzliche Idee eines robotergestützten Armes in der Küche durchaus ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig ist herausgekommen, dass die angesprochenen Zielgruppen aber keinen konkreten Nutzen in dieser Form sehen. Die Einsatzmöglichkeiten seien doch eher gering und damit auch die wirtschaftliche Machbarkeit des Küchenassistenzarms. Für einmal also ein negatives Ergebnis, das aber durchaus einen positiven Effekt hat. Durch die vorgängigen Abklärungen konnte verhindert werden, dass hohe öffentliche und private Mittel in die technische Umsetzung eines Produktes fliessen, dessen Akzeptanz bei den Anwendern und der wirtschaftliche Erfolg fraglich sind.

 

Fragen an Prof. Dr. Frank Hannich, Stv. Leiter Institut für Marketing Management:

Prof. Dr. Frank Hannich von der ZHAW

Wie kam man auf die Idee einen Küchenassistenzarm zu entwickeln und zu vermarkten?

Die alternde Gesellschaft ist eine der grössten Herausforderungen der Schweiz. Alle Projektbeteiligten arbeiten auch über dieses Projekt hinaus daran, Verbesserungen für die Betroffenen zu erreichen und damit auch für die Schweizer Volkswirtschaft. Die konkrete Projektidee ist aus der technischen Machbarkeit entstanden. Die innovativen Ingenieure fragen sich heute aber auch sofort, wie kann man die Kundensicht in die Entwicklung einbeziehen und ist eine Entwicklung auch wirtschaftlich sinnvoll?

Normalerweise wird gleich ein Prototyp entwickelt. Hier war der Ablauf anders. Was waren die Gründe dafür und was waren die Vorteile?

Etwas zu entwickeln, das niemand braucht und das keinen Erfolg hat, ist frustrierend, weil sinnlos und auch unglaublich teuer. Als ersten Schritt einen Prototyp zu bauen hätte ungefähr das zwanzigfache dieses Projektes gekostet und dann wäre man im nächsten Schritt auf das gleiche Ergebnis gekommen.

Warum ist die Akzeptanz bei den Anwendern eher gering?

Die Veränderungsbereitschaft sinkt tendenziell mit zunehmendem Alter und man versucht sich generell mit den einfachsten möglichen Mitteln zu helfen, während der Küchenassistenzarm eine grosse und auch relativ teure Veränderung wäre. Hinzu kommt, dass die Herausforderungen in der Küche z.B. durch sinkende Körperkraft oder motorische Einschränkungen gleichzeitig mit vielen anderen Einschränkungen einhergehen, welche der Küchenassistenzarm nicht löst. Dies sind wichtige Einflüsse aber wir haben im Detail noch zahlreiche weitere Erkenntnisse gewonnen.

Was sind die Lehren, die man aus diesem Projekt gezogen hat?

Wir haben wertvolle Erkenntnisse über die Betroffenen und auch über die Marktmechanismen gewonnen, die für die weitere Forschung sehr wertvoll sind. Generell benötigen wir noch bessere Erkenntnisse über die Lebensphasen im Detail und sollten eher nach ganzheitlichen Lösungen suchen. Neben den Betroffenen sollten auch Angehörige und Dienstleister unbedingt in die Forschung einbezogen werden.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Walder Stiftung und wie wichtig ist eine solche Unterstützung?

Die Walder Stiftung hatte im Gegensatz zur staatlichen Forschungsförderung, den Mut und den Weitblick in der Forschung bei den Betroffenen und nicht bei der Technik anzusetzen. Wir sind sehr dankbar für die Förderung und für die unkomplizierte Zusammenarbeit.