Academy of Marketing Conference 2012 oder wenn Professoren die Tanzfläche stürmen – Ein Erfahrungsbericht

Southampton

2. Juli 2012 – Liebes Conference Tagebuch. Unvorstellbar. Vor einem halbem Jahr wurde das „Paper“ eingereicht, dann dem „Review“-Prozess unterzogen und schliesslich die für Konferenz akzeptiert. Unvorstellbar, dass ich jetzt für eine 15minütige Präsentation eines „Papers“ nach Southampton, England fahren durfte; dorthin wo sich anscheinend ein Teil der „Who is Who“ der Wissenschaft über Forschungsarbeiten austauscht.

3. Juli 2012 – Ich hätte es mir mit der Anreise auch einfacher machen können, aber nun ging es mit dem Zug auf die Insel. Ich war zwar doppelt so lange unterwegs, aber reiste sehr viel klimafreundlicher. Der erste Umstieg in Paris und ein Sprint vom Gare de Lyon (Horror! Menschenmassen, Schilder, Koffer, Wo ist der Ticketautomat? Welches Ticket kaufen? Wo ist das Gleis? Welche Richtung?) zum Gare du Nord (Eurostar? Wo? Was, Boarding jetzt schon? Passport? Zweimal Zoll? Gepäckkontrolle? Wie beim Check in auf dem Flughafen…Durst! 4EUR ein Wasser?) war hektisch. Mit dem Eurostar ging es nun durch den Ärmelkanal (Länge: 50 km, davon 38 km unterseeisch, durchschnittliche Tiefe: 40 m unter dem Meeresgrund). Angekommen in St. Pancras International in London ging es mit der U-Bahn zum Bahnhof London Waterloo und von dort aus nach Southampton. Nach etwa 11 Stunden erreichte ich den Highfield Campus der University of Southampton. Der Campus ist riesig, der Willkommens-Apero war jedoch umso kleiner. Einzig die an Spielzeug- Holzklötze erinnernden Käseblöcke, die man sich irgendwie auf die hauchdünnen Cracker legen sollte, waren überdurchschnittlich dimensioniert. Geschlafen wird übrigens in den „Glen Eyre University Halls„, d.h. einem winzigen Studentenzimmer mit 0-Sterne Charakter.

4. Juli 2012 – Ein Blick in die Unterlagen sagte „Congratulation, you are the Session Chair“. Auch das noch. Das heisst die Präsentatoren vorstellen, Zeit einhalten, Fragerunde moderieren. Der Qualität der Präsentation und der Begrenzung des Nervositätslevels zu liebe, hat die Aufgabe dann mein „Paper-Buddy“ Jürg übernommen.  Jede „Session“ dauerte 1.5 Std. Präsentiert wurden meist 4 Paper zu Themen wie Marktsegmentierung, Marktforschung und Methoden, E-Marketing usw.  über die gesamten Konferenztage verteilt. Mit jeder Session konnte man in eine andere Welt eintauchen, sich ein neues Model oder Conceptual Framework erläutern lassen, über die Aussprache anderer nicht-Nativespeaker schmunzeln, mitdiskutieren oder je nach Thema einfach nur komplett verwirrt sein.

Pub Duke of Wellington

Nach den Vormittagssessions konnten wir den Nachmittag für einen Sightseeing-Run nutzen. Nach 2 Stunden rennen und der Erkenntnis, dass Southampton definitiv kein Ferienort ist, kamen wir verregnet zurück. Zum Glück haben wir ein schönes authentisches Pub „Duke of Wellington“ in einem altehrwürdigen Gebäude entdeckt. Dort konnten wir am Abend dann doch mal etwas ernährungsphysiologisch wertvolles zu uns nehmen.

5. Juli 2012 – Zum Glück gibt es wenigstens noch Joghurt am Morgen… Bei 15 cm hohen Toasttürmen, die mit ordentlichen Butterportionen bestrichen wurden, Röstiecken mit Bohnen oder Spiegeleiern mit Würstchen habe ich doch Fragezeichen, um 8:00 Uhr am Morgen. Nach einem vollen Tag wissenschaftlicher Diskussion folgte am Abend das Gala Dinner im St Mary’s Stadium. Einzig für mich erstaunlich war die Erkenntnis, dass Wissenschaftler wohl gerne die Tanzfläche stürmen und, dass so eine Konferenz auch ganz schön anstrengend sein kann.

6. Juli 2012 – Zurück in die Schweiz. Durch einen längeren Aufenthalt in London war noch eine Stunde Sightseeing möglich. Ein kurzer Ausflug zum Buckingham Palace hat dann aber auch genügt. Und spätestens nach diesem „Z’Mor-Z’Mi“ war die Freude auf Zuhause gross. Aber: Es war ein Erlebnis und ich würde es wieder mache; auch mit dem Zug.