Zielgerichtetes Marketing für Silver Surfer

Von Nico Matern

Erkenntnisse der Masterarbeit von Nico Matern im Rahmen des Masterstudienganges Business Administration with Specialization in Marketing der ZHAW School of Management and Law.

Der demografische Wandel schreitet voran, die Medienlandschaft verändert sich fortlaufend und die Schere zwischen Arm und Reich wird grösser. Daher ist es von Interesse, welche wirtschaftlich interessanten Zielgruppen sich daraus für einen Online-Reisevermittler ergeben. Die heutige Silver Surfer Generation im Alter zwischen 50 und 69 Jahren ist eine Altersgruppe, die bereits viele berufliche und private Berührungspunkte mit der Online-Welt hatte und mehr Geld für Freizeitausgaben ausgeben kann.

Andere Mediennutzung von Silver Surfern

Doch das Mediennutzungsverhalten der heutigen Silver Surfer Jahrgänge ist beispielsweise nicht mehr mit dem Verhalten von Silver Surfern im Jahr 2007 vergleichbar – einem Jahr, in dem allein das iPhone die Mediennutzung grundlegend veränderte. Um heutige Silver Surfer zu erreichen, stellt sich daher die Frage, in welchen Medien sie sich aufhalten, wie viel Vertrauen sie in Informationen aus den Medien haben und wie gestört sie sich von Werbung in den Medien fühlen. Die Konkurrenz unter den Online-Reisevermittlern ist hoch und Reisende fühlen sich aufgrund des Verschwimmen der Anbieterlandschaft sowie des Informationsüberflusses überfordert. Folglich wäre es für alle Anspruchsgruppen von Vorteil, wenn nur präferierte Angebote über relevanten Kanäle an die entsprechende Zielgruppe verteilt würden.

Aufbauend auf der Literaturrecherche und unternehmensinternen Informationen konnte innerhalb der Forschungsarbeit eine quantitative Befragung durchgeführt werden, an der 235 Silver Surfer teilnahmen. Folgende wichtige Erkenntnisse konnten dabei gewonnen werden:

  • Mediennutzungsdauer: Silver Surfer halten sich pro Woche länger in Offline-Medien (TV, Radio, Zeitungen, Zeitschriften), als in Online-Medien (Online-Nachrichtenplattformen, Internet allgemein, Soziale Medien, Blogs) auf.
  • Vertrauen in Informationen: Ebenso haben Silver Surfer signifikant mehr Vertrauen in Informationen aus Offline-Medien. Lediglich Informationen aus Online-Nachrichtenplattformen werden von Silver Surfern ähnlich vertrauensvoll bewertet, wie Offline-Medien. Keine Unterschiede gibt es hier zu der jüngeren Altersgruppe der 18 bis 49-Jährigen.
  • Störempfinden von Werbung: Es zeigt sich jedoch innerhalb der Studie, dass sich Silver Surfer über alle Medien hinweg von Werbung gestörter fühlen als die jüngere Altersgruppe. Den störendsten Einfluss auf die ältere Generation, hat die Werbung im Fernsehen sowie Werbebanner im Internet.

Die Zukunft des Silver Surfer Marketings

Die Empfehlung für Online-Reiseplattformen ist daher, sich auf die Offline-Medien und die Online-Nachrichtenplattformen als Marketingkanäle zu fokussieren. Zeitungen und Zeitschriften sind aufgrund der Kombination aus hohem Vertrauen und geringem Störempfinden das beste Werbeumfeld, um Silver Surfer zielgerichtet anzusprechen. Weitere Auswertungen zeigten, dass die zweiwöchige, individuell angepasste Pauschalreise mit hoher Verpflegungsstufe das zu bewerbende Produkt sein sollte. Unter keinen Umständen soll das fortgeschrittene Alter in den Mittelpunkt gestellt werden.

Dabei ist diese Forschungsarbeit als erster Ansatz eines Marketing-Mixes für reiseaffine Silver Surfer zu verstehen. Aufbauend auf dieser Studie sollten daher einzelne Bereiche des Marketing-Mixes im Detail abgefragt sowie eine Longitudinal-Studie [Studie, die zu mehreren Zeitpunkten durchgeführt wird und die Ergebnisse anschliessend verglichen werden Anm.d.R.] entwickelt werden, um die veränderten Bedürfnisse fortlaufend messen zu können.

Über Nico Matern

Nico Matern arbeitet als Area Sales Manager für die Länder Österreich, Schweiz und Italien bei einer Schweizer Online-Reiseplattform. Nach seinem generalistischen, englischsprachigen International Management Bachelorstudium im Norden von Deutschland, hat er in diesem Sommer auch sein berufsbegleitendes Masterstudium an der ZHAW im Bereich Business Administration – Major Marketing abgeschlossen.

Bachelor und Master: Wo liegt der Unterschied?

Die Grundidee auf Bachelorstufe ist „Wissen schafft Werte“ und somit steht die Anwendung des Wissens im Vordergrund. Auf Masterstufe ist die Grundidee „Wissen schaffen“ und somit neues Wissen generieren.

Studierende mit einem Bachelor-Diplom sollen also primär Wissen anwenden. Konkret müssen im Unternehmensalltag Kunden mit Wissen versorgt und beraten werden (Verkaufsfunktion), Mitarbeiter angestellt und ausbezahlt werden (HR-Funktion), Produkte hergestellt und verpackt werden (Produktionsfunktion) und das ganze sollte noch strategisch geleitet werden (Strategiefunktion). Also alles Beispiele von Kompetenzen, die primär eine schlaue Umsetzung von Wissen bedeuten. Ein Bachelor sollte folglich auch sehr handlungsorientiert sein.

Studierende mit einem Master-Diplom sollen hingegen Wissen neu generieren. Dies bedeutet viel Unsicherheit, denn es heisst Umgang mit Un-Wissen, mit neuen Dingen eben – also auch viel nachdenken. Diese müssen nicht neu für die Welt sein (Grundlagenforschung), das überlassen wir als Fachhochschule den Universitäten. Der neue Kontext allein kann schon Herausforderung genug sein. Hier ein illustratives Beispiel aus Nepal , wo dieser Beitrag auch entstanden ist: Für Apfelbäume hat es genug Wasser und Licht. Nur kann man jetzt nicht Apfelbäume von Europa nehmen und hier pflanzen. Die Sonne scheint sehr viel intensiver und das Wasser ist saisonal ungleich verteilt. Monsun-Regen kommt erst im Juli und August dafür in Unmengen. Apfelbäume stehen nicht gern mit den Füssen im Wasser. Also muss ein Master bestehende Apfelbaumsorten für den lokalen Market „umzüchten“ und der Bachelor sollte dann die Äpfel pflanzen, ernten und industriell verwerten.

Ein Master sollte auch noch über zusätzliche Kompetenzen verfügen. Im Vordergrund steht die Planungskompetenz (vorausschauen und quantifizieren), die Führungskompetenz (zur Zeit die grösste Herausforderung) sowie die gerade erwähnte Wissenschaftskompetenz (evidence-based marketing).

Im Unternehmensalltag werden also beide Funktionen benötigt. Der Mix ist abhängig von der jeweiligen Branche. Für unsere Schule müssen wir aber festhalten, dass wir zu wenige Master ausbilden. In der Praxis stehen in der Schweiz noch zu viele Bäume mit den Füssen im kalten Wasser.