Migros-Finn rührt die Welt zu Tränen

Emotionen im Marketing sind wichtig. Dies zeigt das aktuelle Beispiel der Migros Weihnachtskampagne. Der diesjährige Weihnachtsspot rührt die Welt zu Tränen. Wie es zu diesem Video gekommen ist, erklärt uns Livio Dainese von der Agentur Wirz.

Herr Dainese, Sie haben die diesjährige Weihnachtskampagne der Migros gestaltet. Wie ging Wirz an die Aufgabe heran und was waren die Herausforderungen?

Die Ausgangslage für Weihnachten 2017 war, auf dem Kern „Gemeinsam feiern“ und der Migros Haltung „Der Schweiz etwas zurückgeben“ eine neue, tragfähige Kampagne zu bauen. Dieses Jahr wollten wir das gemeinsame, verbindende von Weihnachten zelebrieren. Daran erinnern, dass es eben nicht allen gut geht an Weihnachten. Dann gilt es, eine Geschichte zu erfinden, die diesen Gedanken am schönsten transportiert. Eine Geschichte, die die Menschen berührt. Die eine Welt auftut. Die einen in eine weihnachtliche Stimmung versetzt. Die involviert und uns Möglichkeiten bietet, zusätzlich auch das gesamte Weihnachtsangebot der Migros zu spielen. Und das auf allen Medien, vom Bewegtbild bis zum Migrossack.

Wie kamen Sie auf die Idee einen Wichtel als Protagonisten zu nehmen?

Die Idee war nicht, einen Wichtel zu nehmen. Sondern die Fragen: Was genau ist eigentlich in so einer Scannerbox bei der Migros? Und wenn da ein Wichtel drin ist, was macht der denn an Weihnachten? Kennt er das überhaupt? Würde er vielleicht auch gerne mal Weihnachten feiern?

Der Protagonist des Films Wichtel Finn (c) Wirz/Migros

Wie wurde die Idee dann konkret umgesetzt? Wo lagen die Schwierigkeiten?

Zuerst mussten wir Finn erfinden. Uns überlegen, wie er aussieht, wie gross er ist, was er kann und was nicht. Welche Kleider er trägt und wie seine Wohnung aussehen könnte. Man überlegt sich das alles bis ins Detail, macht einen genauen Personenbeschrieb.

Der Film selbst ist eine sehr komplexe Mischung aus Realfilm und 3-D Animation. Finn existierte nicht in den Bildern, die wir vor Ort in einer Migros-Filiale drehten. Wir filmten schlicht eine weihnachtlich dekorierte, leere Migros. Natürlich mussten wir im Voraus genau definieren, was Finn genau tut in welcher Einstellung. Danach erst wurde der in 3-D realisierte Finn tatsächlich eingebaut und Stück für Stück von einem statischen Platzhalter zu dem „lebendigen“ Finn, den wir nun alle mögen, weiterentwickelt.

Mittlerweile ist das Marketing ja kanalübergreifend. Wie haben Sie das in der diesjährigen Kampagne mit Finn berücksichtigt?

Wir spielen Finn auf allen Ebenen. Von Social Media bis zur Figur, die man sammeln kann und mit denen die Geschichte weiter geht. Denn in jeder Figur von Finn und seinen Freunden steckt ein NFC-Chip. Wenn man den mit der Migros App verbindet, erfährt man noch viele weitere Geschichten der Kassenwichtel. Dazu gibt es eine ganze Flut an weiteren Massnahmen, von Angebotsspots, dem Magazin bis zu den wöchentlichen Aktionen. Eine solche Kampagne inklusive aller Massnahmen beschäftigt uns rund zehn Monate.

Finn ist auf allen Kanälen präsent (c) Wirz/Migros

 

Die Migros will an Weihnachten auch ihre soziale Verantwortung zum Ausdruck bringen. Wie schwierig ist es, diese besondere Identität der Migros in einer Kampagne umzusetzen, ohne, dass es zu aufgesetzt wirkt?

Die Migros hat das Zurückgeben in ihrer DNA. Es ging seit Dutti stets darum, mehr Menschen qualitative hochwertige Produkte zu einem günstigen Preis anzubieten. Dazu kommt das Kulturprozent, mit welchem die Migros Jahr für Jahr viele Schweizer Institutionen und Künstler unterstützt. Und eben, seit vier Jahren der Spendendaufruf mit der Weihnachtskampagne. Es fühlte sich nie künstlich an, dass die Migros den Menschen in diesem Land etwas Gutes tun will. Man erwartet es fast von ihr.

Etwas Gutes tun an Weihnachten (c) Wirz/Migros

Die Weihnachtszeit ist sehr emotional. Gleichzeitig sind wir mittlerweile aber auch etwas abgestumpft. Wie schafft man es trotzdem neue Geschichten zu finden, die berühren?

Indem man ohne Schranken im Kopf sucht. Indem man sich frei macht von allem, was es bereits gibt. Und indem man sich Dinge überlegt, die vielleicht zunächst absurd sind, dadurch aber eine besondere Magie haben.

Zu Weihnachten darf man sich bekanntlich etwas wünschen. Wenn Sie ein unbegrenztes Budget zur Verfügung hätten, was würden Sie gerne mit Wirz realisieren?

Ich würde das meiste Geld in noch mehr furchtbar talentierte Mitarbeitende investieren. Und vielleicht noch in einen Pool für den nächsten heissen Sommer.

Livio Dainese von Wirz (c) Wirz