Neo-Ökologie bei Digitec/Galaxus: Hier werden Produkte erfolgreich wiederverkauft

Ökologie und Nachhaltigkeit sind aktuell im Vordergrund. Unternehmen und Behörden setzen zum Kampf gegen Plastik an. Angeprangert wird auch die Wegwerfgesellschaft, wo man Produkte kauft und dann schnell wieder dem Abfall zukommen lässt. Digitec/Galaxus geht hier einen neuen Weg und hat eine Plattform für gebrauchte Produkte ins Leben gerufen. Wir haben bei Michael Rudin nachgefragt, was es hiermit auf sich hat.

Herr Rudin, wie kamen Sie auf die Idee eine Plattform für gebrauchte Digitec/Galaxus Produkte zu kreieren?

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer kaufen gebrauchte Produkte. Der Trend nennt sich Neo-Ökologie – und von diesem Markt wollen wir uns ein Stück abschneiden. Unsere Secondhand-Funktionalität erlaubt es unseren Kunden, ihre bei uns gekauften Produkte schnell und einfach weiterzuverkaufen.

Können Sie uns kurz erklären, wie das Ganze funktioniert?

Unsere Kunden können ihre bei Digitec oder Galaxus gekauften Produkte in einem eingebetteten Prozess direkt im Online-Shop als Angebot einstellen. Voraussetzung ist, dass die Produkte bei uns initial über 50 Franken gekostet haben. Damit wollen wir vermeiden, dass unsere Onlineshops zu Ramsch-Basaren werden. Durch die bereits im Detail erfassten Produktdaten müssen die Verkäufer ihre Angebote nicht mehr mühsam kategorisieren. Ebenfalls werden Garantien, die z.B. noch auf das Handy oder die Drohne laufen, direkt übernommen. Ist ein Angebot einmal eingestellt, profitiert der Verkäufer von der grossen Reichweite der beiden meistbesuchten Online-Shops der Schweiz: 2017 konnten wir über 90 Millionen Besuche verzeichnen. Ausserdem haben wir mehr als eine Million Kunden, die mindestens einmal pro Jahr etwas bei uns kaufen. Ein Käufer kann die Angebote mit allen anderen Produkten normal kaufen. Der Verkäufer wird bei einem Kauf benachrichtigt und versendet das Paket an den Käufer. Für die Sicherheit des Zahlungsverkehrs sorgen wir, indem wir den Mittelsmann spielen: Sobald der Käufer den Erhalt der Ware bestätigt hat, überweisen wir dem Verkäufer das Geld.

So funktioniert der Weiterverkauf auf der Plattform © Digitec/Galaxus

Wenn ein Kunde ein Produkt wiederverkaufen will, wird da der Zustand des Produktes geprüft, damit der Käufer keine bösen Überraschungen erlebt?

Nein, den Zustand prüfen wir nicht. Wir halten das Produkt ja nie physisch in den Händen. Die Kunden schliessen beim Kauf bzw. Verkauf einen Vertrag untereinander ab – wir bieten ihnen lediglich eine Plattform an. Unser Kundendienst steht jedoch als hilfsbereiter Partner zur Verfügung und vermittelt bei Problemen zwischen den Parteien. In strittigen Fällen haben wir so bisher immer eine Lösung gefunden, mit der alle zufrieden waren.

Die Plattform wurde im letzten Oktober eingeführt. Können Sie ein erstes Fazit ziehen? Sind Sie zufrieden mit den Entwicklungen?

Wir sind sehr zufrieden: Unsere Kunden konnten mit dem Feature bereits tausende Secondhand-Produkte verkaufen. Nach dem Launch wurden wir mit Feedbacks, Verkaufsangeboten und Käufen überhäuft. Und seither ist die Verkaufsmenge hoch geblieben. Diesen Frühling haben wir für die neue Funktionalität zudem den Best-Feature Award des Digital Commerce Awards 2018 gewonnen.

Bisher ist Michael Rudin zufrieden mit der Plattform © Digitec/Galaxus

Haben Sie auch schon Rückmeldungen von Kunden bekommen? Wie wird diese neue Möglichkeit angenommen?

Unsere Kunden haben uns rege Rückmeldung gegeben und wir freuen uns über das enorm positive Echo. Die Kunden schätzen vor allem die einfache Bedienung sowie die schnelle Abverkaufszeit durch die grosse Reichweite unserer Plattform. Zudem gefällt ihnen die Logik, dass eine Gebühr nur dann anfällt, wenn ein Angebot verkauft wird – Einstellungsgebühren gibt es bei uns nicht.

Welche Produkte oder Produktarten werden am meisten wiederverkauft?

Digitec macht immer noch mehr Umsatz als unser Online-Warenhaus Galaxus. Letzteres holt zwar schnell auf, wir verkaufen momentan aber noch mehr elektronische Produkte weiter. Eine spannende Entwicklung sehen wir im Bereich Fashion und Haushaltsgeräten: Da ziehen die Transaktionen stark an.

Das Logistikzentrum von Digitec/Galaxus © Digitec/Galaxus

Konkurrenziert die Resale Plattform ihre bestehenden Produkte? Gibt es dort Umsatzeinbussen?

Direkte Umsatzeinbussen haben wir noch nirgends beobachtet. Im Gegenteil: Kunden erkennen Digitec und Galaxus immer mehr als umfassendste digitale Einkaufsplattform. Sie schätzen die vielen integrierten Funktionalitäten, die ihnen einen grossen Mehrwert im Lebenszyklus ihrer Produkte bieten.

Wie wirkt sich diese Plattform auf den Kundendienst aus? Gibt es einen grossen Mehraufwand?

Vor allem am Anfang hatten wir einen erhöhten Aufwand im Kundendienst. Unser Kundendienst ist jedoch an die vielen Live-Gänge von neuen Funktionalitäten gewöhnt und konnte entsprechend reagieren. Ganz nebenbei sind wir auch auf das Feedback angewiesen, um uns weiterzuentwickeln. So haben wir durch Kundenfeedback beispielsweise das Design der Auszeichnung der Produkte im Shop, welche von Privatanbietern verkauft wird, stärker ausgezeichnet.

Auf der einen Seite möchten alle nachhaltig sein, auf der anderen Seite herrscht eine Wegwerfgesellschaft vor. Wie wichtig ist die Nachhaltigkeit für Digitec/Galaxus und trägt diese Plattform einen Teil dazu bei?

Ökologie und Wirtschaftlichkeit geht bei uns Hand in Hand. Diesen Herbst nehmen wir zum Beispiel eine neue Verpackungs-Maschine in Betrieb, die die Kartonschachtel auf die Grösse der Bestellung zurechtfaltet. Dadurch sparen wir sowohl Verpackungs- als auch Füllmaterial. Als Migros-Tochter haben wir uns zudem für eine Reihe von Nachhaltigkeitsmassnahmen verpflichtet. Unsere Secondhand-Plattform trägt ebenfalls ihren Teil zu einem nachhaltigen Konsum bei. Sie schont die Umwelt und das Portemonnaie gleichermassen.

Das Warenlager in Wohlen © Digitec/Galaxus

Ist es geplant, dass die Plattform auch für nicht Digitec/Galaxus Produkte geöffnet wird, quasi als Konkurrenz zu Ricardo und Tutti?

Momentan haben wir das nicht vor. Durch diesen Schritt würden wichtige Verkaufsargumente wie das einfache Einstellen des Angebots, die bestehenden Produktdaten oder die Weitergabe der Garantie wegfallen. Wir planen aber, die bestehende Funktionalität zu erweitern, um den Verkauf und den Kauf für unsere Kunden noch angenehmer zu machen.

I, Chatbot – wenn der beste Service-Mitarbeitende ein Roboter ist

Von Valeria Meier

Die Roboter sind auf dem Vormarsch – die chattenden Roboter. Immer mehr Unternehmen setzen Chatbots* für Marketingzwecke ein. Ein Halleluja auf den Service-Mitarbeitenden des Monats oder die dunkle Seite der Digitalisierung? Beispiele aus der Praxis zeigen Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz auf.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“, poppt es automatisch unten rechts im Browserfenster auf. Dieses freundliche Hilfsangebot stammt nicht etwa von einem besonders eifrigen Service-Mitarbeitenden, sondern von einem Roboter – einem sogenannten Chatbot.

Für Unternehmen bieten Chatbots die Möglichkeit, Kosten zu reduzieren und den Kundendienst (Customer Service Experience) zu verbessern. Neben Techgiganten wie Apple, Facebook & Co haben auch Schweizer Unternehmen den Reiz der Automatisierung entdeckt: Die Airline Swiss stellte kürzlich ihren ersten Chatbot vor, der Kunden im Falle von Flugunregelmässigkeiten bei der Umbuchung assistiert.

Chatbots können Unternehmen die Kommunikation mit (potentiellen) Kunden spürbar erleichtern. © Pixabay

Pizza bestellen leicht gemacht

Für Aufsehen sorgte 2015 ein besonders kreativer Einsatz von Chatbots. Die Lieferkette Domino’s Pizza ermöglichte es seinen Kunden, eine Pizzabestellung durch ein simples Emoji auszulösen: WhatsApp oder Twitter öffnen, Pizza-Emoji eintippen, an Domino’s Pizza senden und schon wird das Festmahl ins Haus geliefert. Kundenservice 4.0, einfacher geht’s kaum.

Der Tausendsassa mit Engelsgeduld

Mit Chatbots ist die Kontaktaufnahme schnell und unkompliziert. Der Nutzer erhält Antworten in Echtzeit – nicht erst Stunden oder Tage später. Bei Onlineshops hilft die künstliche Intelligenz, das passende Produkt zu finden, nach dem Verkauf übernimmt der Bot gewissenhaft das After-Sales-Management und im Kundendienst beantwortet er mit Engelsgeduld dieselbe Frage auch zum x-ten Mal. Ein Hoch auf den Service-Mitarbeitenden des Monats!

Wer jetzt in Gedanken schon seine Service-Belegschaft auf die Strasse stellt: Vorsicht! Denn was die virtuellen Helferlinge beispielsweise im Beschwerdemanagement so nützlich macht, macht sie in anderen Bereichen umso unkontrollierbarer. Microsoft musste dies auf schmerzliche Weise erfahren.

Die dunkle Seite der Chatbots

Im Rahmen eines Experiments liess der Software-Riese 2016 einen Chatbot namens Tay auf die Twitter-Nutzer los. Der Bot sollte lernen, wie 14- bis 18-Jährige miteinander kommunizieren, indem er mit ihnen auf der Social-Media-Plattform interagierte. Microsoft hatte die Rechnung aber ohne die ausgefuchsten Twitter-Nutzer gemacht, die ihre Freude daran fanden, den Bot zu manipulieren. Zu allem Übel nahm sich das selbstlernende Programm auch noch Referenzpersonen mit fraglichen Werten zum Vorbild.

Das Projekt endete in einem kommunikativen Desaster: Tay entwickelte sich in nicht einmal 24 Stunden zum Rassisten par excellence. Der virtuelle Teenie schmiss mit hetzerischen Parolen nur so um sich und verfügte innert kürzester Zeit über den Wortschatz eines vom Tourette-Syndrom Geplagten. Microsoft stoppte daraufhin das Projekt und löschte haufenweise Tweets von Tay. Die Moral von der Geschicht‘: Selbstlernende Software ist nur begrenzt kontrollierbar und allzu leicht zu beeinflussen.

Wurde schon nach wenigen Stunden „ins Bett geschickt“: Microsoft’s Chatbot Tay veranschaulicht die Tücken der künstlichen Intelligenz. © Screenshot Twitter / @TayAndYou

Kurzfristiger Hype oder Trend mit Zukunft?

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kundenservice scheint also ein zweischneidiges Schwert zu sein. Der Chatbot reagiert augenblicklich, kommt bestens ohne Schlaf aus, fühlt sich auch bei Kundenbeschwerden nicht persönlich angegriffen und fordert bestimmt nie eine Lohnerhöhung. Leider lässt er sich nur allzu leicht beeinflussen und befördert sich so schnell ins kommunikative Abseits. Soviel sei sicher: Laden Sie Ihren Frust künftig ruhig beim digitalen Kundenservice ab. Der Chatbot wird es Ihnen verzeihen.

*Chatbots („Bots“): Computergenerierte Programme, die mithilfe von künstlicher Intelligenz Gespräche mit Nutzern führen. Typischerweise in einen Nachrichtendienst (z.B. WhatsApp) oder in die Spracherkennung (z.B. Siri) integriert, simulieren sie reale Ansprechpartner.

Über die Autorin

Valeria Meier begeistert sich für neue Wege im Marketing und in der Kommunikation. Sie schätzt die schnellen Reaktionszeiten von Chatbots, spricht am liebsten aber immer noch mit realen Menschen. Seit sechs Jahren arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des global tätigen Industriekonzerns Sulzer. Berufsbegleitend absolviert sie das CAS Marketing- und Corporate Communications an der ZHAW. Den Blogpost hat die Autorin übrigens selbst verfasst und nicht dem Roboter überlassen.