Cyber-Sicherheit als Kommunikationsdisziplin

Von Lina Lanz

„Das Thema Cyber-Sicherheit ist mir zu kompliziert.“ Diesen Satz hört man oft im Gespräch mit Mitarbeitern. Obwohl Cyber-Sicherheit alle betrifft, wirkt die Thematik eher abschreckend als ansprechend. Um das Interesse zu wecken, müssen die Sensibilisierungsmassnahmen verständlich und attraktiv kommuniziert werden.

Cyber-Sicherheit betrifft alle

Wer nicht aufpasst, lässt fremde Augen und Ohren ins eigene Daheim. Dann sind die privaten Videos auf dem Smartphone, die Passwörter für das Online-Banking oder das Live-Bild direkt aus dem Kinderzimmer plötzlich öffentlich. Aber nicht nur im privaten Umfeld ist Cyber-Sicherheit ein Problem. Täglich lesen wir Mitteilungen in den Medien, zu Datenabflüssen bei Firmen oder zu einem betrügerischen Email, das im Umlauf ist. Für Privatpersonen und Unternehmen stellen die Cyber-Gefahren ein finanzielles und reputationsschädigendes Risiko dar. Die Gefahr lauert überall. Auf den falschen Link geklickt, eine infizierte Datei heruntergeladen und der Schaden ist angerichtet. Fremde haben Zugriff auf Handy, Computer, Daten – oder alles zusammen. Klar, hundertprozentige Cyber-Sicherheit gibt es nicht. Aber mit kompetenten Nutzern hat ein Unternehmen schon den Grossteil erreicht. Alle technischen Sicherheitsvorkehrungen nützen nichts, wenn der Mensch hinter dem Computer naiv und leichtsinnig in die Cyber-Falle tappt.

Cyber kann man nicht sehen oder anfassen, die Gefahr ist deswegen nicht weniger real. (c) Pixabay, iAmMrRob

Langweilig und kompliziert?

Nachlässigkeit kommt im Cyber-Bereich teuer zu stehen. Die nötige Vorsicht fehlt trotzdem. Woher kommt das? Das Thema Cyber-Sicherheit hat den Ruf für den Ottonormalverbraucher viel zu kompliziert zu sein. Die Cyberbedrohung kann man weder anfassen noch sehen. Sie ist irgendwo im virtuellen Raum zu verorten. Aber nur, weil dabei keine böse Gestalt mit einem Messer im Schatten lauert, ist die Gefahr nicht weniger real. Bei Sensibilisierungs-Lektionen oder Sicherheitsdokumente verdrehen die Mitarbeiter jedoch die Augen: Die Online-Lektionen gelten als langweilig und die Texte als Fachchinesisch.

Mehr als nur eine Online-Lektion

Das Problem ist, dass das Thema Cyber-Sicherheit in Unternehmen häufig stiefmütterlich angegangen wird. Mit einer Weisung zur Informationssicherheit oder einer Online-Lektion ist es nicht getan. Wenn Cyber-Sicherheit so vermittelt wird, verschwindet das Dokument ungelesen in der Schublade und die Lektion am Computer wird möglichst schnell durchgeklickt. Unternehmen wollen Mitarbeiter, die ein Gespür für das Thema entwickeln. Cyber-Sicherheits-Massnahmen sind für Mitarbeitende keine zusätzliche Auflage eines Sicherheitsverantwortlichen. Es ist eine nötige Verhaltensweise.

Cyber-Sicherheit ist eine interdisziplinäre Aufgabe. © Unsplash, Mimi Thian

Cyber-Sicherheit als interdisziplinäre Aufgabe

Damit sich die Mitarbeiter angesprochen fühlen, sollte die Sensibilisierung als eine Kommunikationsdisziplin angegangen werden. Das heisst, die Cyber-Sicherheits-Massnahmen sind zielgruppengerecht aufgearbeitet und werden über die passenden Kommunikationskanäle vermittelt. Natürlich geben Cyber-Spezialisten die Inhalte vor. Die Zuständigen für die Cyber-Sensibilisierung verarbeiten dann aber die Thematik zu einem ansprechenden Lehrinhalt und platzieren ihn an geeigneten Orten. Cyber-Sicherheit – wenn sie nachhaltig sein will – ist dann nicht mehr alleine die Aufgabe von IT-Spezialisten, sondern eine interdisziplinäre Aufgabe zusammen mit den Spezialisten für Kommunikation und Grafik.

Über die Autorin

Lina Lanz hat einen Master in Geschichte abgeschlossen und anschliessend bei der Führungsunterstützungsbasis der Schweizer Armee im Bereich der internationalen Beziehungen gearbeitet. Seit anfangs 2018 ist sie bei Cyber Defence der Schweizer Armee für die Kommunikation und Sensibilisierungs-Massnahmen mitverantwortlich. Weil für sie die Cyber-Thematik zu Beginn auch unverständlich und kompliziert war, weiss sie um die Wichtigkeit von zielgruppengerechten und einfach verständlichen Cyber-Inhalten. Um nicht nur im Cyber-Raum auf dem neusten Stand zu sein, besucht sie momentan den CAS Marketing & Corporate Communications an der ZHAW.

Kein ausreichender Bedarf für robotergestützte Küchenhilfe

Im Alter nehmen die motorischen Einschränkungen zu. Dies wird mitunter auch beim Kochen sichtbar. Töpfe sind zu schwer, um sie zu heben oder die Stauräume sind zu hoch oder zu tief platziert, um die Utensilien herauszunehmen oder zu verstauen. Wenn hier Einschränkungen vorhanden sind, dann kann das Vernachlässigen des Kochens eine Folge sein und ein Stück selbständiges Leben im Alter geht verloren. Eine robotergestützte Hilfe könnte hier ein wirksames Mittel sein. In Form eines Küchenassistenzarms würde die Selbständigkeit der motorisch eingeschränkten Personen verbessert.

Machbarkeit vor Prototyp

Die ZHAW School of Engineering hat die technische Machbarkeit eines solchen Projekts geprüft und ist zu einem positiven Schluss gekommen. Die Frage bei solchen Forschungsideen ist aber, ob sie auch vom Markt und von der Zielgruppe angenommen werden. Genau das hat das interdisziplinäre Projekt der ZHAW (Institut für Marketing Management und School of Health Professions), der FH St. Gallen  und der Pro Senectute Zürich versucht zu untersuchen. Ein sinnvoller Zwischenschritt, denn so wird die Markttauglichkeit getestet und die Anforderungen der Betroffenen ermittelt, bevor man einen teuren Prototyp entwickelt. Dank der Unterstützung der Walder Stiftung war es überhaupt möglich, diesen Test durchzuführen und es hat sich gelohnt, denn es traten überraschende Ergebnisse zu Tage.

Die visualisierte Idee des Küchenassistenzarms

Kochen mit Hilfsmitteln

Das Kochen an sich ist ein wichtiger Bestandteil, wird aber mit dem Alter auch redimensioniert, d.h. es wird im Alter weniger gekocht und das aufwendige Kochen wird deutlich weniger. Die Küche wird, nach Möglichkeit, an die veränderten physischen Bedürfnisse angepasst. Einerseits kann Bestehendes verändert werden, andererseits gibt es neue Geräte, wie z.B. eine Greifzange oder eine elektrische Brotschneidemaschine. Die Auswertung von Gruppeninterviews machte deutlich, dass die physische Belastbarkeit im Alter abnimmt, der Bedarf nach technischer Unterstützung also durchaus vorhanden ist. Eine technische Assistenz müsste allerdings umfassend bei allen Tätigkeiten in der Küche Unterstützung leisten.

Wenig Akzeptanz bei den Anwendern, viel Geld gespart

Das interdisziplinäre Projekt hat gezeigt, dass die grundsätzliche Idee eines robotergestützten Armes in der Küche durchaus ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig ist herausgekommen, dass die angesprochenen Zielgruppen aber keinen konkreten Nutzen in dieser Form sehen. Die Einsatzmöglichkeiten seien doch eher gering und damit auch die wirtschaftliche Machbarkeit des Küchenassistenzarms. Für einmal also ein negatives Ergebnis, das aber durchaus einen positiven Effekt hat. Durch die vorgängigen Abklärungen konnte verhindert werden, dass hohe öffentliche und private Mittel in die technische Umsetzung eines Produktes fliessen, dessen Akzeptanz bei den Anwendern und der wirtschaftliche Erfolg fraglich sind.

 

Fragen an Prof. Dr. Frank Hannich, Stv. Leiter Institut für Marketing Management:

Prof. Dr. Frank Hannich von der ZHAW

Wie kam man auf die Idee einen Küchenassistenzarm zu entwickeln und zu vermarkten?

Die alternde Gesellschaft ist eine der grössten Herausforderungen der Schweiz. Alle Projektbeteiligten arbeiten auch über dieses Projekt hinaus daran, Verbesserungen für die Betroffenen zu erreichen und damit auch für die Schweizer Volkswirtschaft. Die konkrete Projektidee ist aus der technischen Machbarkeit entstanden. Die innovativen Ingenieure fragen sich heute aber auch sofort, wie kann man die Kundensicht in die Entwicklung einbeziehen und ist eine Entwicklung auch wirtschaftlich sinnvoll?

Normalerweise wird gleich ein Prototyp entwickelt. Hier war der Ablauf anders. Was waren die Gründe dafür und was waren die Vorteile?

Etwas zu entwickeln, das niemand braucht und das keinen Erfolg hat, ist frustrierend, weil sinnlos und auch unglaublich teuer. Als ersten Schritt einen Prototyp zu bauen hätte ungefähr das zwanzigfache dieses Projektes gekostet und dann wäre man im nächsten Schritt auf das gleiche Ergebnis gekommen.

Warum ist die Akzeptanz bei den Anwendern eher gering?

Die Veränderungsbereitschaft sinkt tendenziell mit zunehmendem Alter und man versucht sich generell mit den einfachsten möglichen Mitteln zu helfen, während der Küchenassistenzarm eine grosse und auch relativ teure Veränderung wäre. Hinzu kommt, dass die Herausforderungen in der Küche z.B. durch sinkende Körperkraft oder motorische Einschränkungen gleichzeitig mit vielen anderen Einschränkungen einhergehen, welche der Küchenassistenzarm nicht löst. Dies sind wichtige Einflüsse aber wir haben im Detail noch zahlreiche weitere Erkenntnisse gewonnen.

Was sind die Lehren, die man aus diesem Projekt gezogen hat?

Wir haben wertvolle Erkenntnisse über die Betroffenen und auch über die Marktmechanismen gewonnen, die für die weitere Forschung sehr wertvoll sind. Generell benötigen wir noch bessere Erkenntnisse über die Lebensphasen im Detail und sollten eher nach ganzheitlichen Lösungen suchen. Neben den Betroffenen sollten auch Angehörige und Dienstleister unbedingt in die Forschung einbezogen werden.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Walder Stiftung und wie wichtig ist eine solche Unterstützung?

Die Walder Stiftung hatte im Gegensatz zur staatlichen Forschungsförderung, den Mut und den Weitblick in der Forschung bei den Betroffenen und nicht bei der Technik anzusetzen. Wir sind sehr dankbar für die Förderung und für die unkomplizierte Zusammenarbeit.