Adbusting und Subvertising – oder: Wenn die Kommunikationsguerilla einen Hüttenkäse attackiert

Von Regula Freuler

Eigentlich wollte die Ostschweizer Firma Züger nur ein kalorienarmes Milchprodukt verkaufen. Doch dann wurde eine lokale politische Aktion daraus.

Wir verkaufen einen Traum und haben einen Sinn für Humor: So könnte man die Botschaft der Züger Frischkäse AG zusammenfassen, mit dem das Ostschweizer Familienunternehmen kürzlich seinen Hüttenkäse beworben hat. Der Traum, das ist der schlanke Körper des gängigen Schönheitsideals. Und der Humor steckt in der ironisch überspitzten Formulierung «Offizieller Partner» drin, mit welcher normalerweise finanzstarke Sponsoren präsentiert werden.

Das Plakat des Anstosses (aufgenommen in Winterthur am 24.08.19) © Regula Freuler

Vor einigen Jahren wäre diese Werbeaktion – ausgedacht wurde sie von der Zürcher Werbeagentur Hochspannung – vermutlich auch genau so verstanden worden: Als augenzwinkernder Hinweis auf ein kalorienarmes Lebensmittel. Mit seiner Bildsprache positioniert sich der Hersteller als lokal («Partner»), natürlich (Holztisch), gesund (Vollkornbrot und Gemüse dekorieren das Produkt), kundennah (Rezeptideen auf der Firmen-Website) und kundenfreundlich (temporäre Preisvergünstigung). Das würde also alles zusammenpassen.

Doch Hersteller und Agentur haben die Dimensionen der jüngsten Bodypositivity-Bewegung unterschätzt. Bereits 2010 hatte etwa die deutsche Frauenzeitschrift «Brigitte» verkündet, Mode nicht mehr an Models, sondern an «echten» Frauen zu zeigen – denn jede Frau lasse sich gekonnt in Szene setzen, nicht nur sehr dünne. Es gab eine weltweite Debatte über Magermodels auf den Laufstegen, die in Frankreich sogar in ein Verbot mündete. Und Dove hat 2013 mit seinem Video «Real Beauty Sketches» die Hinterfragung des gängigen Schönheitsideals zum Marketing-Asset erhoben. Doves Message: Jeder Körper ist ein schöner Körper. Im Jahr 2019 wirkt eine Werbung wie jene von Züger also wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit.

Sie hat denn auch prompt kritische Reaktionen ausgelöst. A4-Papier, Klebstreifen, Edding-Stift – und fertig ist die Guerilla-Aktion. «Jede Figur ist eine Bikinifigur.», lautet eine der Botschaften an Züger/Hochspannung, die eine unbekannte Person oder Gruppe auf einem Plakat angebracht hat, das Ende August 2019 im Bahnhof Winterthur hing. Und: «Wer nackt badet, braucht keine Bikinifigur.»

Die Guerilla Botschaften auf dem Plakat © Regula Freuler

Auch für Züger ist jede Figur eine Bikinifigur

Auf eine schriftliche Anfrage hin nahm die Marketing-Leiterin Claudia Kuratli Stellung. Grundsätzlich freue sich die Züger Frischkäse AG über Reaktionen aus der Bevölkerung und nehme diese ernst, schreibt Kuratli in ihrer E-Mail. «Sollte es einen Fall geben, bei welchem wir nachträglich feststellen müssen, dass sich eine Gruppe von Menschen in ihren Gefühlen verletzt fühlt, wird der Fall bei uns intern nochmals genau geprüft, um adäquat reagieren zu können. Gleichzeitig prüfen wir auch, ob wir Anzeige gegen unbekannt erstatten, wenn Plakate oder andere Werbemittel von uns beschmiert oder überklebt werden.»

Im vorliegenden Fall ist das Unternehmen zum Schluss gekommen, dass weder das eine noch das andere gegeben sei. «‹Bikinifigur› ist ein Standardbegriff, welcher sowohl von Frauen wie auch Männern genutzt wird, um über ihre ‹Sommer- und Badifigur› zu reden», schreibt Claudia Kuratli – und fügt an : «Im übrigen sind auch wir der Meinung, dass jede Figur eine Bikinifigur ist und nackt baden Spass macht, egal mit welcher Figur.»

Wer «Bikinifigur» als Standardbegriff verwendet, perpetuiert das Schönheitsideal. Dennoch: Bei Züger hat man zumindest richtig erkannt, dass es sich bei der Aktion an ihrem Plakat im Bahnhof Winterthur nicht um plumpen Vandalismus handelt. Vielmehr geht es um eine gezielte Manipulation mit politischem Hintergrund. Der Frischkäseproduzent wurde Ziel einer Kommunikationsguerilla-Aktion, die man «Subvertising» beziehungsweise «Adbusting» nennt. Die englischen Kofferwörter Adbusting aus «ad» (Werbung) und «to bust» (zerschlagen) sowie Subvertising aus «subvert» (unterwandern) und «Advertising» (Werbung) meinen dasselbe: Bekannte Konsumprodukte oder Werbeslogans werden überklebt, parodiert, verfremdet, umgestaltet oder umformuliert. Unter Adbustern werden Ratschläge herumgereicht, wie man dabei am besten vorgeht: Vorab «coole Fluchtwege» rekognoszieren, keine Drogen und keine Personalausweise auf sich tragen.

Adbust seit den 50er Jahren

Diese Art von Aktionismus geht zurück auf das radikale französische Künstlerkollektiv Letterist International der 1950er-Jahre und die amerikanische Underground-Kultur der 1970er-Jahre. Adbusts jüngeren Datums lieferte etwa die Aktivistengruppe «Stay Behind Foundation» im vergangenen Dezember. Sie verwendeten den bekannten Brotaufstrich Nutella, um gegen die Geisteshaltung der Partei «Alternative für Deutschland» zu intervenieren.

Beim Adbusting und allgemein bei Konsumkritik spielen heute die sozialen Medien eine wichtige Rolle. Nicht nur werden Bilder von Aktionen auf diese Weise verbreitet, sie dienen auch als Forum für Protestnoten, genannt Shitstorm. Das durfte zum Beispiel die Marketingabteilung von Zara erfahren. Man versuchte, auf der Body-Positivity-Welle zu reiten – was gründlich schief lief. Mit dem Slogan «Love your curves» versuchte Zara Kleider zu verkaufen, die bis Grösse 46 erhältlich sind. Auf den Plakaten waren dennoch sehr schlanke Models zu sehen. «Wollt ihr mich verarschen», schrieb eine Twitter-Userin. Eine andere montierte das Bild eines Skeletts zum Werbespruch und schrieb: «Ich und einige meiner Freundinnen haben echte Kurven. Ich kann sie euch per Direct Message schicken, wenn ihr sie sehen wollt, okay?! Danke!»

Die Bodypositivity-Bewegung zielt darauf ab, uns von rigiden Körperidealen zu befreien, indem wir unsere Vorstellung von Schönheit erweitern. Es ist eine Widerstandsbewegung gegen psychischen Druck und schliesst nicht nur Frauen, sondern Menschen aller Art ein, unabhängig von Geschlecht beziehungsweise Geschlechteridentität, unabhängig von Ethnie und Alter. Mit ihren Hashtags und Instagram-Aktionen wirkt die Bewegung sehr jung. Ihre Geschichte ist jedoch viel älter. So setzten sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Frauen gegen den modischen Zwang zur Wehr, ein Korsett tragen zu müssen. Die enge Schnürung des Oberkörpers war ein Gesundheitsrisiko.

Wer kalorienarme Lebensmittel verkauft, sollte diese gesellschaftliche und historische Dimension mitdenken. Auch wenn es nur um Hüttenkäse geht.

Über die Autorin

© Rahel Krabichler

Regula Freuler ist Redaktorin der «NZZ am Sonntag» und schreibt über Themen wie Gesundheit, Bildung, Gesellschaft. Die studierte Geisteswissenschaftlerin ist zudem regelmässig als Blattmacherin Digital verantwortlich für den Internetauftritt der NZZaS. Oft fallen ihr Dinge im Alltag auf – zum Beispiel das Plakat für Züger-Hüttenkäse. Sie entdeckte es auf dem Weg vom Bahnhof Winterthur zur ZHAW, wo sie den CAS Marketing- und Corporate Communications absolviert.

Marketing aus aller Welt: McDonald’s trifft auf Vatikan und spricht neue Zielgruppen an

Von Dr. Adrienne Suvada

Die italienische Hauptstadt Rom besticht nicht nur durch das Kolosseum oder den Trevi-Brunnen, zu Rom gehört auch der Vatikan mit dem berühmten Petersdom. Aber auch hier blüht das Marketing in Form von diversen Souvenirläden, kleinen Restaurants oder Touristenführungen. Rund um den Petersplatz gibt es mehrere Gebäude, die noch zum Vatikan gehören, aber auf italienischem Staatsgebiet liegen. In den Gebäuden gibt es Büros, Wohnungen und zum Teil auch gewerbliche Mieter. Ein ganz besonderer Mieter hat im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Ganz in der Nähe des Petersplatzes, hat sich nämlich die Fastfood Kette McDonald’s eingemietet, was für einige Aufregung sorgte. Beinahe eine dogmatische Fragestellung war es, ob denn Fastfood und Vatikan überhaupt zusammenpassen würden. Schlussendlich hat sich der Fastfood Gigant durchgesetzt und die Touristen können ab sofort auch dort einkehren.

Die McDonald’s Filiale im Vatikan Gebäude, oben sieht man einen der Eingänge zum Vatikan (Bild: R. Bircher)

Neue Zielgruppen und neue Produkte

Wie so oft, hat auch diese Polemik mehr genützt, als geschadet, denn die Filiale musste so fast keine Werbung mehr machen. Sie ist strategisch sehr gut gelegen, denn fast alle Besucher oder Pilger gehen an ihr vorbei. Gerade nach grossen Anlässen, ist die schnelle und bekannte Verpflegung von vielen gut gesehen. Mittlerweile scheint auch im Vatikan etwas Ruhe eingekehrt zu sein, denn man findet unter den Gästen ab und an auch Priester und Ordensleute. McDonald’s versucht aber noch mehr neue Zielgruppen anzusprechen. Die Trends in der Ernährung haben auch hier ihre Spuren hinterlassen und so findet man seit einiger Zeit einen Gluten Free Burger. In Zusammenarbeit mit Dr. Schär, dem Spezialisten für glutenfreie Nahrungsmittel, wurde dieser Burger kreiert. Der Burger ist mit 3.00 € nicht gerade günstig, für Zöliakie Betroffene scheint er aber immerhin eine Alternative zu sein.

Der Gluten Free Burger in Zusammenarbeit mit Dr. Schär (Bild: R. Bircher)

Glutenfrei, aber nicht perfekt

Der Burger wird verpackt und tiefgekühlt angeliefert. Im Restaurant selbst wird er nur noch erhitzt und bleibt stets in der Verpackung drin, damit er nicht zufällig mit glutenhaltigen Speisen in Berührung kommt.

Vorteil sauber verpackt, Nachteil es bleibt ein Tiefkühlprodukt (Bild: R. Bircher)

Was soweit gut tönt, wird in der Realität etwas relativiert. Die ansprechenden Produktbilder, lassen einen grösseren Burger vermuten. Tatsächlich ist der Gluten Free Burger relativ klein. Ein bisschen glutenfreies Brot, Fleisch und Scheibenkäse. Der Burger ist also weder für Vegetarier, noch für Veganer etwas. Da der Käse Laktose enthält, ist er auch für Menschen mit Laktoseintoleranz keine wirkliche Alternative. Gerade der Käse ist wohl der grösste Nachteil. Er schmeckt sehr künstlich und passt eigentlich nicht zum hochwertigen Image von Dr. Schär. Insgesamt also als Produkt durchaus ausbaufähig.

Glutenfrei, dafür nur Fleisch mit Scheibenkäse (Bild: R. Bircher)

Auch wenn der Burger nicht ganz zu überzeugen vermag, McDonald’s hat mit dem Gluten Free Burger die neusten Trends aufgenommen und orientiert sich an den Bedürfnissen der Zielgruppen. Der nächste Schritt wäre wohl ein Produkt für Veganer. Was in der Feldstudie nicht analysiert werden konnte, wie sich die spezifischen vatikanischen Geschmäcker von den anderen Filialen unterscheiden…

Pizza mal anders: Dr. Oetker und die süsse Version eines Nationalsymbols

Italien und Pizza, das gehört einfach zusammen. Mittlerweile hat das Gericht die ganze Welt erobert und ist in den aussergewöhnlichsten Varianten zu finden. Da gibt es nicht nur die in Kanada erfundene Pizza Hawaii, sondern auch noch Pizza mit Pommes Frites oder ganzen Hamburgern darauf. Für Naschkatzen wurde nun eine weitere Form lanciert. Dr. Oetker hat die Pizza dolce al cioccolato in den Verkauf gebracht. Wie es dazu gekommen ist, erklärt Valery Henle, Product & Category Manager bei Dr. Oetker Schweiz

Frau Henle, als die Pizza Dolce al Cioccolato lanciert wurde, haben viele an einen Aprilscherz gedacht. Aber Dr. Oetker hat das durchaus ernst gemeint. Wie kam man auf die Idee eine süsse Pizza zu kreieren?

Grundsätzlich merken wir im Moment, dass sich die Verbraucher innovative Produkte wünschen. So haben wir beispielsweise den Pizzaburger eingeführt, der nach wie vor gut ankommt. Wir denken bei der Produktentwicklung immer in alle Richtungen und suchen ständig nach neuen, aufregenden Kreationen. Im aktuellen Fall unserer Ristorante Dolce al Cioccolato sind wir in England fündig geworden, dort bieten wir ein vergleichbares Produkt nämlich bereits erfolgreich an..

Hat Dr. Oetker im Vorfeld getestet, ob diese Pizza auch bei den Konsumenten ankommen würde und aus welchen Zutaten sie bestehen sollte?

Das Marketing und die eigene Marktforschungs-Abteilung von Dr. Oetker behalten Entwicklungen im Lebensmittel-Bereich sowie aktuelle Trends stets im Blick. Nur wenn ein Produkt erfolgsversprechend ist und vom Verbraucher für gut befunden wird, kommt es zur Marktreife und wird eingeführt. Letzteres überprüfen wir in unserer Sensorik-Abteilung, in der über 4.000 Verbraucher als Testesser registriert sind. Ihr Urteil gibt Hinweis darauf, ob die Rezeptur stimmt oder weiter optimiert werden muss.

Die süsse Pizza von Dr. Oetker – Marketing und Marktforschung spielen auch hier eine grosse Rolle © Dr. Oetker

Wie sind die bisherigen Rückmeldungen? Darf sich auch die Schweiz bald auf eine Schokoladenpizza freuen?

Die hohe Nachfrage nach der Schokopizza zeigt, dass die Einführung des Produkts in Deutschland sehr erfolgreich verlaufen ist. Das heisst aber noch lange nicht, dass das Produkt auch in der Schweiz funktionieren würde. Wir prüfen das derzeit. Im Moment ist aber noch nichts spruchreif.

Kochen ist zwar im Trend, dennoch ist der Zeitmangel für viele ein Problem. Tiefkühlkost ist daher eine zeitsparende Alternative. Wie erkennt Dr. Oetker neue Trends und wie wichtig ist der Gesundheitsaspekt?

Die Dr. Oetker Mitarbeiter aus Marketing und Produktentwicklung sind stets auf der Suche nach neuen Trends und Geschmacksrichtungen. Die Ideen für neue Produkte entstehen dabei im Berufsalltag, manchmal bringen Mitarbeiter aber auch Anregungen von ihren Reisen mit. Auch Verbraucher liefern Vorschläge – ihren Wünschen muss ein Produkt letzten Endes entsprechen. Um diese Bedürfnisse herauszufinden, beobachten die Marketing- und Marktforschungsabteilungen von Dr. Oetker zudem systematisch weltweite Verbrauchertrends und führen Umfragen durch.

Die Marke Dr. Oetker steht für Genuss. Genussvolles Essen und bewusste Ernährung müssen nicht im Widerspruch stehen, wenn durch angemessene körperliche Aktivität und durch ausgewogene Ernährung auf einen ausgeglichenen Energiehaushalt geachtet wird. In einer aus-gewogenen Ernährung sollte auch Platz für das Geniessen sein, denn Essen ist Ausdruck von Lebensfreude. Zeitsparend zuzubereitende Convenience-Produkte schaffen überdies Freiräume für eine aktive Lebensgestaltung.

Als wie wichtig erachten Sie regionale Produkte? Vielleicht eine Schweizer Pizza mit echtem Schweizer Käse und weiteren regionalen Zutaten?

Eine überregionale Verteilung der Lieferanten gehört grundsätzlich und zwangsläufig zu unserer Strategie, um Risiken durch Währungs-, Ernte- oder Qualitätsschwankungen möglichst ausschliessen zu können. Die Zutaten unserer in der Schweiz produzierten Bistro Chäschüechli und Bistro Mini Chüechli kommen aber fast ausschliesslich aus der Schweiz.

Wenn nun junge Marketingfachleute in der Backstube stehen, welche Ratschläge würden Sie geben, damit das Endergebnis schlussendlich die Zielgruppen erfreut?

Es ist wichtig, die Wünsche der Verbraucher kontinuierlich im Blick zu haben und einen engen Austausch zu pflegen. Nur so finden verbraucherrelevante Innovationen ihren Weg zum richtigen Zeitpunkt und über den richtigen Vertriebskanal auf den Markt.

 

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«Bewusst Gewohnheiten ändern»: 7 Regeln für einen nachhaltigen Konsum im Alltag

Von Verena Berger

  1. Weniger ist mehr: Das heisst zu überlegen, ob man Dinge wirklich braucht. Das gilt bei Neuanschaffungen, wie auch beim Entrümpeln. Was in den letzten 12 Monaten nicht gebraucht wurde, ist möglicherweise überflüssig. Ausleih- oder Tauschplattformen sind tolle Alternativen zur Entsorgung im Müll. Dem Hausrat oder Elektrogeräten so ein zweites Leben schenken, erleichtert zudem die Trennung, da die Dinge weiter Verwendung finden.
  2. Ernährung: Weniger Fleisch im Speiseplan schont nicht nur die Umwelt, sondern fördert auch die Gesundheit durch mehr Vielfalt auf dem Teller. Denn wer zudem noch einen Schritt weiter geht und vermehrt tierische Produkte durch regionale pflanzliche Alternativen ersetzt, der wird schnell zum kreativen Zutaten-Entdecker und Experte für Saison-Gemüse.
  3. Kleidung: Auf Label und zertifizierte Kleider achten. Netzwerke wie Get Changed helfen dabei, die fairen Marken und Händler zu finden. Lieber ein hochwertiges fair gehandeltes Kleidungsstück, dass man mit guten Gewissen tragen kann, als massenweise Billigware.
  4. Heiss ist alles andere als cool: Am besten die Heizung einige Grad herunter drehen, dann findet auch der heiß geliebte Kuschelpulli endlich Verwendung. Das spart Energie und gleichzeitig noch Heizkosten.
  5. Noch nie war das Teilen so einfach: Teilen, tauschen, verkaufen bzw. kaufen von gut erhaltenen, neuwertigen oder gebrauchten Gegenständen über lokale Tauschbörsen oder eine der etlichen online Plattformen ist „in“ und kinderleicht. Ausprobieren lohnt sich. Wer doch keinen Spass daran findet, dem bleibt natürlich noch das Verschenken.
  6. Bewusst Gewohnheiten ändern: Es ist so einfach nichts zu ändern. Aber ohne Veränderung, keine neuen Erfahrungen. Warum nicht mal mit dem Bus in die Stadt oder mit dem Fahrrad zur Arbeit? Garantiert staufrei und mit CO2– Ersparnis.
  7. Heute an Morgen denken: Wenn dein Leben morgen endet, bist du stolz auf das, was du hinterlassen hast? Wenn ja, dann motiviere doch auch andere Menschen dazu ein bisschen mitzuhelfen – Schritt für Schritt und ohne Zeigefinger, denn Ansporn ist so viel produktiver als Kritik.

Die Autorin Verena Berger (c) Linda Pollari (www.lindapollari.ch)

Dieser Beitrag wurde zuerst auf XING veröffentlicht: https://meet.xing.ch/xing_menschen/verena-berger-nachhaltiger-konsum/

 

Brainfood – gesunde Ernährung im Alltag

Nahrung für das Gehirn bekommen wir einerseits durch spannende Gespräche, interessante Lektüre und praktischer Anwendung unseres Wissens. Um jedoch gesund und fit zu bleiben, müssen wir uns auch gesund ernähren – wir brauchen Brainfood!

Ich beschäftige mich schon länger mit gesunder Ernährung, jedoch bin auch ich zunehmend verwirrt wegen dem vorherrschenden Label-Wahnsinn und der für Laien oft undurchschaubaren Zutaten-Listen. Seit ich Kinder habe, wurde die Ernährung noch einmal sehr viel wichtiger für mich – jedoch fehlt uns im Alltag oft die Zeit für ausgedehnte Einkäufe und und die detaillierte Auseinandersetzung mit Inhaltsstoffen, deren Herkunft und Auswirkungen auf Gesundhet und Umwelt. Es musste also eine pragmatische Lösung her, welche für alle Familienmitglieder stimmt und uns gesunde Energie für den Alltag liefert. Ebenfalls ein wichtiger Punkt: wir wollen keine Lebensmittel verschwenden und die Umwelt und den Geldbeutel nicht unnötig belasten. Was eingekauft wird, kommt auch auf den Tisch oder wird für den späteren Gebrauch verarbeitet und eingefroren.

Seit ein paar Monaten halten wir uns nun an folgende Punkte:

  • Früchte und Gemüse werden nach saisonalem Angebot und von regionalen Produzenten eingekauft. Die Saisontabellen vom WWF helfen dabei.
  • Bei Fleisch und Fisch achten wir darauf, dass es aus der Schweiz kommt. Ausserdem haben wir unseren Fleisch- und Fischkonsum eingeschränkt (ca. 3x pro Woche).
  • Getreide (Pasta, Reis, Mehl etc.) kaufen wir in der ursprünglichen Form (Naturreis, Vollkornpasta und -mehl) und auch raffinierter Zucker kommt nicht mehr auf den Tisch
  • Milchprodukte werden ebenfalls regional eingekauft (das beste Fondue überhaupt gibt es in der Milchhütte Hochfelden)
  • Zum Trinken gibt es hauptsächlich Leitungswasser oder selbergemachte „Limonaden“/Tee-Aufgüsse
  • Wir kochen selbst: Wenn möglich werden Spätzli, Kuchen, Pizzateig und Co., Brot, Saucen und vieles mehr selbst gemacht. Damit wir nicht jeden Tag studenlang in der Küche stehen, machen wir oft die dreifache Menge und frieren den Rest ein.
  • Wir schreiben einen Wochenmenüplan bevor wir einkaufen gehen: So kaufen wir gezielter ein, können in der Küche/Gefrierschank schon vorhandenes besser einplanen und laufen weniger Gefahr, zu viel Lebensmittel zu besorgen.

Die Liste wird laufend ergänzt und angepasst und natürlich gilt „die Ausnahme bestätigt die Regel“ auch bei uns. Dennoch fahren wir mit oben genannten Punkten sehr gut und sparen nebenbei auch noch einiges an Geld.

Gesunde Ernährung ist natürlich nicht nur in unserer Familie ein Thema sondern wird zunehmend zum Trend. Auf instagram.com gibt es eine grosse Community, welche Bilder und Rezepte zu diesem Thema veröffentlicht (zum Beispiel unter dem Hashtag #gesundleben, #healthyliving). Natürlich gehen die Meinungen, was eine gesunde Ernährung genau ausmacht auseinander, jedoch ist es doch spannend zu sehen, wie sich immer mehr auch die jüngere Generation mit dem Thema auseinandersetzt. Instagram und Pinterest dienen mir sehr oft als Inspirationsquelle für neue Rezepte. Meist vereinfache ich die Zubereitung oder ersetze Zutaten, dennoch schätze ich beide Plattformen sehr.

Und hier nun meine liebsten Rezepte der vergangenen Wochen (Bilder alle von mir):

Das geniale 3-Minuten-Brot von draussennurkännchen

Kürbis-Suppe vom Sweethome-Blog

Zwetschgen-Apfel-Wähe (siehe z.Bsp. Betty Bossi, ich habe keine Maizena und „nur“ 50g Rohzucker verwendet)

Kürbis-Muffins

Das Rezept unten habe ich nach meinem Geschmack und den Vorräten in der Küche angepasst. Das Originalrezept stammt von Jamie Oliver, gefunden auf www.weiberkram.eu.

Zutaten:

  • 400 g gewürfelter Kürbis mit Schale ohne Kerne (z. Bsp. Butternut, ich habe einen etwas fleischigeren genommen, dessen Name ich leider nicht weiss)
  • 175 g brauner Zucker (im Rezept stand 350g, die Hälfte hat für meinen Geschmack gereicht)
  • 4 grosse Eier
  • 1 Prise Salz
  • 300 g Mehl
  • 2 geh. TL Backpulver
  • eine Hand voll Haselnüsse (Jamie nimmt Walnüsse)
  • 1 TL Zimt
  • 175 ml Zitronenolivenöl oder reines Olivenöl mit der abgeriebenen Schale einer Zitrone

Ich habe bewusst keinen Guss gemacht, sondern vor dem Essen einen Löffel Joghurt auf die Muffins gegeben. Ofen auf 180°C vorheizen und ein Muffinblech mit Papierförmchen auslegen. Den Kürbis fein reiben, Zucker, Eier eine Prise Salz, Mehl, Backpulver, Nüsse, Zimt und Öl hinzufügen und alles gut vermischen. Den Teig in die Förmchen füllen und etwa 20 Minuten backen. Eine Garprobe machen und die fertigen Muffins abkühlen lassen.

Ofengemüse, Gemüse klein schneiden, mit etwas Olivenöl, Salz/Pfeffer und weiteren Gewürzen marinieren und auf einem Backblech auslegen. Im Ofen bei ca. 220 Grad backen, bis es gar ist (je nach Gemüse 20-30 Minuten). Auf dem Bild sind Kohlrabi und Kürbis zu sehen, es funktioniert aber auch wunderbar mir Rosenkohl, Blumenkohl, Zucchetti und Karotten.

 

Und wie halten Sie es mit der gesunden Ernährung? Was ist ihr liebster Brainfood?